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Tag: Martin Fourcade

Biathlon: Einmal König, einmal Bettler

Der Biathlon-Sport erlebte bei der Weltmeisterschaft in Hochfilzen (Österreich) begeisternde Wettkämpfe, an denen sich vor allem die deutschen Zuschauer erfreuen konnten. Sie fieberten zahlreich in der Arena mit, vor allem aber daheim an den Fernsehgeräten. Da machte Biathlon sogar König Fußball die Vorherrschaft streitig. Deutschland ist nicht mehr nur eine Fußball-Nation, sondern im Winter auch eine Biathlon-Nation. Jedes dritte TV-Gerät war fast bei allen Wettkämpfen eingeschaltet.

Das lag natürlich vor allem an den Erfolgen der neuen Biathlon-Königin Laura Dahlmeier. Die 23jährige Partenkirchnerin zeigte beeindruckende Wettkämpfe, bewies Nervenstärke am Schießstand und Ausdauer in der Loipe. Die passionierte Bergsteigerin ging fast immer über ihre Schmerzgrenze hinaus und trotzte sogar Schwächeanfällen nach den Rennen. Der Lohn waren Medaillen, fünf Goldene und eine Silberne in Hochfilzen, im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft vor einem Jahr in Oslo sogar elf Medaillen hintereinander. Das hat noch niemand geschafft, nicht einmal ihre große Vorgängerin in Deutschland, Magdalena Neuner, die den WM-Rekord mit zwölf Titeln hält. Sollte Dahlmeier nicht wie Neuner mit 24 Jahren bereits an den Rücktritt denken, dann hat sie gute Chancen auf einen neuen Rekord, mit bisher sieben Titeln. Sie gilt schließlich als die perfekte Athletin, die weder am Schießstand noch in der Loipe Schwächen hat. Wann hat es das jemals gegeben.

Die Deutschen also lieben Biathlon, aber es ist das Schicksal dieses interessanten und spannenden Wintersports, dass er nur in einzelnen Ländern die Sportfans hinter dem Ofen hervor holt. So klagt zum Beispiel Frankreichs Vorzeige-Athlet Martin Fourcade darüber, dass sich in seinem Heimatland niemand für ihn und seine Erfolge interessiert. Im Gegensatz dazu ist die letztjährige Weltcupsiegerin Gabriela Koukalova in ihrem Heimatland Tschechien ein großer Star. So ist es halt beim Biathlon, einmal König, einmal Bettler.

In Nordamerika weiß auch nur eine Minderheit mit Biathlon etwas anzufangen. Da musste der Präsident sogar als Beispiel herhalten. Der Überraschungs-Weltmeister Lowell Bailey auf die Frage, ob US-Präsident Donald Trump wohl etwas über Biathlon wisse: „Ich denke, so wie bei vielen Sachen, hat er davon keine Ahnung.“ Vielleicht ändert sich das jetzt bei Trump und den anderen Amerikaner, nachdem Bailey der erste amerikanische Weltmeister wurde und Susan Dunklee mit Silber im Massenstart die erste Medaille für die USA bei den Frauen gewann. Allerdings wird in Nordamerika aus dem Bettler nie ein König werden, genau so, wie wohl aus Trump nie ein guter Präsident werden wird.

Den Ursprung hat Biathlon im militärischen Bereich, in Skandinavien und Russland. Da gingen einst die Jäger auf Skiern auf die Jagd, entdeckte eben auch das Militär die Vorteile der Verbindung von Ski und Gewehr im Winter. In Skandinavien, vor allem in Norwegen, und Russland ist Biathlon besonders populär. Wobei der Sport darunter leidet, dass vor allem die Russen Erfolge mit unlauteren Mitteln erzwingen wollen. Zahlreiche Dopingsperren brachten Biathlon in Verruf und sorgten auch in Hochfilzen für negative Schlagzeilen. So wurde das Mannschaftsquartier von Kasachstan von der Polizei durchsucht. Der Biathlon-Weltverband zeigt sich hier nicht konsequent genug.

Biathlon hat genau wie König Fußball den Vorteil, dass es eine interessante und spannende Sportart ist. Wer mal die Rennen verfolgt hat, wird sie immer wieder anschauen, wenn die Spannung zum Beispiel beim letzten Schießen fast ins Unermessliche steigt. Wer trifft, wer schießt daneben, was bringt die letzte Runde. Manche Rennen werden dann erst buchstäblich auf der Ziellinie entschieden. Sportler-Herz, was willst Du mehr!

Winter-Könige und Yetis

Schade, dass es in diesem Jahr keine Olympischen Winterspiele gibt, deutschen Athletinnen und Athleten wäre ein Medaillensegen gewiss gewesen. Allerdings glänzen sie nicht in allen Sportarten. So gibt es Winter-Könige (oder Königinnen), die der Konkurrenz das Fürchten lehren, aber auch Yetis, Sportler, die kaum vorne zu sehen sind und deshalb teilweise als Fabelwesen oder Schneegeister wahrgenommen werden.

Da wir also alle auf Olympia bis 2018 in Südkorea warten müssen, konzentrieren sich die Wintersportler auf ihre Weltmeisterschaften und da ist der Februar der Monat der Entscheidungen, quasi also der Ersatz für Winter-Olympia. Herzstück bei Olympia sind die alpinen Ski-Wettbewerbe und sie werden auch mit ihrer Weltmeisterschaft ab Montag, 6. Februar, an der traditionsreichen Stätte in St. Moritz international die größte Aufmerksamkeit bekommen (bis 19. Februar). Die Deutschen wiederum lieben Biathlon (was sich an den Einschaltquoten im Fernsehen ablesen lässt, da schlug Biathlon sogar den Fußball!), aber da ist es gar nicht so glücklich, dass die Biathlon-WM in Hochfilzen parallel zu den Ski-Stars abläuft (9. bis 19. Februar). Aber man kann es ja auch so sehen: Ein bisschen Olympia ist halt doch.

Es gibt allerdings einen gravierenden Unterschied: Bei der WM sind vor allem die Titel begehrt, da zählt schon der zweite Platz nicht so viel, bei Olympia ist das Spektrum größer, da freuen sich die Athleten sogar über einen dritten Platz, auch Bronze ist nämlich eine der begehrten Olympia-Medaillen. Ein WM-Titel ist ein großer Erfolg, ein Olympia-Sieg macht einen Athleten fast unsterblich.

Das Eis können wir fast ausklammern, da sind die Deutschen eher die Yetis, da taucht mal Sprinter Ihle auf oder die Eisschnelllauf-Oma Claudia Pechstein, die aber im Alter eher als Grantlerin von sich Reden macht. In der Eisröhre haben die Rodler ihre Weltmeisterschaft hinter sich und einen Teil ihrer Dominanz eingebüßt, vor allem die Herren um Felix Loch rodelten hinterher, dafür holte sich Tatjana Hüfner mit ihrem fünften Titel einen Rekord. Das Leistungszentrum in Oberhof hat der Medaillenschmiede in Berchtesgaden wieder den Rang abgelaufen. Ein internes deutsches Duell ist da im Gange, das leistungsfördernd sein sollte, aber auch zu Sand im Getriebe führen kann. Dann lässt sich schlecht rodeln. Nach dem einen oder anderen WM-Titel strecken auch Bob und Skeleton die Hand aus.

Im alpinen Ski-Zirkus bleibt den Deutschen eher die Yeti-Rolle. Keine Fabelwesen sind Viktoria Rebensburg bei den Damen und Felix Neureuther bei den Herren, doch die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Medaillen keine Selbstverständlichkeit sind. Die Hauptrollen sind jedenfalls an andere verteilt, An Marcel Hirscher (Österreich), Kristoffersen (Norwegen), Lara Gut (Schweiz), Mikaela Shiffrin oder Lindsey Vonn (beide USA).

Anders im Biathlon, wo in jedem Rennen ob bei Damen oder Herren die deutschen Farben auf dem Siegerpodest zu sehen sein könnten (aber natürlich nicht müssen). Bei den Herren ist der Franzose Martin Fourcade der Überläufer, aber doch nicht unschlagbar. Bei den Damen hat Laura Dahlmeier die WM als großes Ziel ausgegeben, nicht den Kampf um das Gelbe Trikot. Vor einem Jahr holte die Garmischerin fünf Medaillen, was durchaus wieder möglich wäre, aber ein Alleinstellungsmerkmal wie Fourcade hat sie nicht, da spielen auch Gabriela Koukulova (Tschechien), Kaisa Mäkäräinen (Finnland) und Marie Dorin-Habert (Frankreich) und andere mit. Die Spannung jedenfalls ist so groß, dass die TV-Einschaltquoten in Deutschland wieder stimmen werden.

Den Abschluss des WM-Reigens bilden die Nordischen Weltmeisterschaften vom 22. Februar bis 5. März in Lahti (Finnland). Da werden die deutschen Damen und Herren in der Langlaufspur die Yeti-Rolle übernehmen, die Kombinierer sind jedoch das Gegenteil. Sie haben im Verlauf der Saison bisher alle Einzelwettbewerbe gewonnen und dominieren den Weltcup mit den ersten drei Plätzen (Frenzel, Rydzek, Rießle) in der Gesamtwertung. Das wäre ja ein Ding, wenn sie ausgerechnet bei der WM nicht die erste Geige spielen könnten. Aber Bundestrainer Hermann Weinbuch warnt schon: „Die Norweger werden immer stärker, einen schlechten Tag können wir uns nicht leisten.“ Aber das ist ja der Reiz des Sportes, ein bisschen Ungewissheit bleibt immer, der Traum, dass David den Goliath schlagen kann, ist immer präsent. Und nach den Weltmeisterschaften träumen die Winter-Asse nicht vom Sommer, sondern von Olympia. Garantiert.

Biathlon: Medaillen für die Gunst der Zuschauer

 

Der Wintersport „kochte“ in dieser Saison ein bisschen auf Sparflamme, weil im alpinen und nordischen Skisport keine Weltmeisterschaften anstanden und schon gleich gar nicht Olympische Winterspiele. Einige Wintersportarten halten allerdings jährlich ihre Weltmeisterschaften ab und dann wird auch auf Olympia (wieder 2018) geschielt, nach dem Motto „haben wir dort Medaillenchancen?“. Gerade bei Bob und Rodel hagelte es Medaillen – gerüstet für Olympia, wenn man das zwei Jahre davor sagen darf. Ab dem 3. März sind jetzt die Biathleten dran. Sie hoffen aus zwei Gründen auf ein gutes Abschneiden: Medaillen-Gewinne sorgen auch für die Gunst der Zuschauer. Was die Einschaltquoten im Fernsehen angeht, ist Biathlon die Wintersportart Nummer 1 und will es auch bleiben. Erfolge bei der WM in Oslo am Holmenkollen würden zudem dafür sorgen, dass Biathlon TV-Sport Nummer 2 hinter Fußball bleibt, wenn auch Formel 1 und Boxen manchmal noch mehr Zuschauer haben oder Handball mit dem Gewinn der Europameisterschaft (13 Millionen saßen vor den TV-Geräten) sensationell in den Blickpunkt rückte.

Biathlon hat den Vorteil, dass die Rennen überaus spannend sind, weil bei jeder Schießeinlage sich an den Platzierungen etwas ändert. Da gab es schon Tragödien, weil vermeintliche Sieger mit dem letzten Schuss alles verspielten, da gab es Aufholjagden, welche die Zuschauer von den Sitzen rissen und erst auf der Ziellinie entschieden wurden. Aufholjagden, wie sie sich zum Beispiel die Formel 1 sehr wünschen würde.

Bei der Weltmeisterschaft ist nun die Frage, ob wir auch wieder viel Spannung erleben oder ob überragende Athletinnen und Athleten die Spannung kaputt machen. Das könnte bei den Männern zum Beispiel dem Weltcupführenden Martin Fourcade (Frankreich) gelingen oder Gabriela Soukalova (Tschechien) bei den Frauen. Zum Glück haben aber beide starke Konkurrenz. Vor allem bei den Männern wollen die Norweger ihr „Hausrecht“ wahrnehmen. Für sie ist die WM im eigenen Land ein besonderes Ereignis, das mit Medaillen und Siegen gekrönt werden soll. In erster Linie gilt dies für die Brüder Tarjei und Johannes Thingnes Boe. Bei den Frauen sind die norwegischen Hoffnungen nicht so groß, Tyrill Eckhoff könnte vorne rein laufen, aber vor allem Marie Dorin-Habert (Frankreich), Dorothea Wierer (Italien) und Kaisa Mäkäräinen (Finnland) – nach der Platzierung im Weltcup – sind die Herausforderinnen von Soukalova.

Und dann natürlich auch die Deutschen! Sie können bei Männern und Frauen ein Wörtchen mitreden, haben schon zahlreiche Siege in dieser Saison auf ihrem Konto und sind dem eigenen Anspruch – bei jedem Rennen möglichst einer auf dem Treppchen – schon sehr nahe. Bei den Männern hätte Simon Schempp zu den großen Favoriten gezählt, doch eine Bronchitis behinderte die WM-Vorbereitung. Er wird nicht in Bestform antreten können und bleibt so eine Wundertüte, genauso wie die Mannschaftskameraden Erik Lesser, Benedikt Doll, Arnd Peiffer und Andreas Birnbacher, die an guten Tagen vorne dabei sein können. In der Staffel sind die Männer Titelverteidiger, aber gegen Norwegen, Russland, Österreich und Frankreich hängt Gold ziemlich hoch.

Von Medaillen träumen natürlich auch die Frauen und die haben mit Laura Dahlmeier die größte Herausforderin für die Favoritinnen. Die 22jährige Garmischerin klettert in ihrer Freizeit gerne auf die Berge, am Holmenkollen würde sie gerne aufs Treppchen klettern. Sie gilt als die perfekte Biathletin, sicher beim Schießen und schnell in der Loipe. Leider wird sie oft von Verletzungen und Krankheiten zurück geworfen. Wenn alles passt, geht der Weg zu Gold nur über die Laura. Mit vorne dabei will auch Franziska Hildebrand sein, die Nummer 5 im Weltcup. Sie hat erstaunliche Fortschritte in der Loipe gemacht und wurde von der Mitläuferin zur Siegläuferin. Auch die weiteren deutschen Starterinnen Franziska Preuß (16. im Weltcup), Miriam Gössner (19., wenn sie trifft, kann sie immer gewinnen, leider schießt sie mehr daneben), Vanessa Hinz (22-) und Maren Hammerschmidt (24.) sind alle unter den besten 25 im Weltcup zu finden. Ausdruck der Stärke: Deutschland ist im Nationencup führend vor Tschechien und Frankreich (bei den Männern Norwegen vor Deutschland und Russland).

Die Biathlon-Weltmeisterschaft ist allein schon vom legendären Austragungsort Holmenkollen her der Höhepunkt des Winters, beste Stimmung ist garantiert. In welcher Mannschaft die Stimmung besonders gut sein wird, dass wird man an den Medaillen ablesen können. Deutsche Erfolge garantieren jedenfalls die Gunst der Zuschauer zu Hause an den Fernsehgeräten. In den insgesamt elf Rennen sollten zumindest sechs deutsche Medaillen möglich sein.

Das WM-Programm: 

Donnerstag, 3. März: 15.30 Uhr Mixed-Staffel. – Samstag, 5.: 11.30 Sprint Männer, 14.30 Sprint Frauen. – Sonntag, 6.: 13.30 Verfolgung Männer, 15.45 Verfolgung Frauen. – Mittwoch, 9. März: 15 km Frauen. – Donnerstag, 10.: 20 km Männer. – Freitag, 11.: 15.30 Staffel Frauen. – Samstag, 12.: 15.30 Staffel Männer. Sonntag, 13.: 13.00 Massenstart Frauen, 15.00 Massenstart Männer.