Träumer Vettel greift nach den Sternen

„Und täglich grüßt das Murmeltier“ – der Film war ein Erfolg, in dem ein Mann in einer Zeitschleife fest hing und eine tägliche Wiederholung erlebte. Ähnlich geht es der Formel 1, die Jahr für Jahr darauf hofft, dass die Rennen spannender und interessanter werden und Mercedes vielleicht einmal nicht Weltmeister. 2019 gilt diese Hoffnung also auch, dass sie in diesem Jahr noch ein bisschen größer ist, hängt mit verschiedenen Regeländerungen zusammen. So machen sich manche Fahrer Mut, „jeder kann Weltmeister werden“, sagt zum Beispiel Max Verstappen und meint damit natürlich sich selbst und Red Bull. Am Sonntag, 17. März, geht es in Melbourne los, am 1. Dezember, wenn in Abu Dhabi das letzte Rennen beendet ist, heißt es vielleicht wieder „Weltmeister Lewis Hamilton, Weltmeister Mercedes“ – und jährlich grüßt das Murmeltier der Formel 1.

Dass dies nicht so wird, davon träumt vor allem Sebastian Vettel und davon träumt Ferrari. Für den Deutschen ist 2019 vielleicht die letzte Chance, die Träume der Italiener Wirklichkeit werden zu lassen, bei einem erneuten Scheitern verlieren sie wohl den Glauben an ihre Nummer 1. Vettel will aber endlich wirklich im doppelten Sinne nach den Sternen greifen und denkt dabei auch an sein Vorbild Michael Schumacher. Der Rekord-Weltmeister holte seinen ersten Titel mit Ferrari auch im fünften Jahr bei den Roten und im Team gab es eine Aufbruchstimmung: Mattia Binotto löste den überforderten Maurizio Arrivabene als Teamchef ab, der 49 Jahre alte Schweizer war einst (gutes Omen!) Motoringenieur bei Schumacher. Dazu soll der neue Mann an Vettels Seite neuen Schwung bringen, der 21-Jährige Jungstar Charles Leclerc anstelle von Routinier Kimi Räikkönen. Viele glauben sogar, dass Leclerc dem Deutschen um die Ohren fahren könnte. Na, davon träumt Vettel nicht.

Im doppelten Sinne nach den Sternen greifen heißt, den Titel gewinnen und Mercedes einen Rekord vermasseln. Die Silberpfeile mit dem Stern holten jetzt fünfmal hintereinander den Titel, sechsmal in Folge schaffte nicht einmal Schumacher mit Ferrari. Trotz dieser Serie gehen die Stuttgarter nicht einmal als Favorit ins Rennjahr, weil eben Ferrari Fortschritte erkennen lässt, was sich in den Testfahrten zeigte, weil ein in Teilen neues Reglement die Kräfteverhältnisse verschieben könnte und auch andere Konkurrenten den Tests nach aufgeholt haben. In erster Linie hofft Red Bull auf mehr Siege, aber auch Renault sieht sich in einer besseren Position.

Es könnte wirklich eine interessante Saison werden, die Korrekturen an den Autos sollen zum Beispiel besseres Überholen ermöglichen. Auffallend sind breitere Heck- und Frontflügel, Fahrer und Autos dürfen schwerer sein. Bei den Reifen ist eine neue Taktik erforderlich, es gibt nur noch fünf statt sieben Reifentypen, drei davon für jedes Rennen. Vorteil Mercedes: James Vowles von Mercedes gilt als bester Rennstratege. Vorteil Mercedes: Nach anfänglichen Problemen hat es Mercedes noch immer verstanden, einen eventuellen Rückstand zu Ferrari in einen Vorsprung umzuwandeln. Lewis Hamilton ist auf die ganze Saison gesehen der nervenstärkere Fahrer gegenüber Vettel. In den Tests beeindruckte Ferrari mit Schnelligkeit, Mercedes mit Haltbarkeit. Ein Extra-Zuckerl noch im Jubiläumsjahr, 70 Formel 1: Für die schnellste Rennrunde gibt es einen Extrapunkt, der Fahrer muss allerdings unter den ersten zehn platziert sein.

Was die Fahrer angeht, so hat sich einiges getan. Zwölf Cockpits sind neu besetzt. Neulinge sind George Russell bei Williams, Alexander Albon bei Torro Rosso und Lando Norris bei McLaren. Im Mittelpunkt aber das Comeback des Polen Robert Kubica, der 2008 in Kanada seinen einzigen Grand Prix gewann, 2011 aber bei der Rallye Andorra schwer verunglückte. Der rechte Arm und die rechte Hand sind in ihrer Beweglichkeit beeinträchtigt, viele zweifeln, ob man unter diesen Umständen einen Rennboliden steuern kann. Kubica galt als großes Talent und war bei Testfahrten schnell, wie aber kann er kritische Situationen meistern. Williams gibt ihm eine Chance. Der spektalulärste Wechsel war wohl der von Daniel Ricciardo von Red Bull zu Renault, wo der Australier Partner von Nico Hülkenberg wird. Der Deutsche kann sich nun beweisen, wie schnell er wirklich ist. Ricciardo hatte wohl die Zusammenarbeit mit Heißsporn Verstappen satt. Red Bull setzt übrigens jetzt auf Motoren von Honda, weil man mit Renault nicht zufrieden war.

Mit einem Schock musste die Formel 1 unmittelbar vor dem Start in Melbourne auch leben, denn Charlie Whiting, der anerkannte und beliebte Renndirektor starb am Mittwoch mit 66 Jahren an einer Lungenembolie. Whiting galt als „Stimme der Vernunft“ und „Eckpfeiler des Sports“, die Formel 1 wird ihn also sehr vermissen.

Die 21 Rennen: 17. März Australien, 31. März Bahrain, 14. April China, 28. April Aserbaidschan, 12. Mai Spanien, 26. Mai Monaco, 9. Juni Kanada, 23. Juni Frankreich, 30. Juni Österreich, 14. Juli Großbritannien, 29. Juli Deutschland, 4. August Ungarn, 1. September Belgien, 8. September Italien, 22. September Singapur, 29. September Russland, 13. Oktober Japan, 27. Oktober Mexiko, 3. November USA, 17. November Brasilien, 1. Dezember Abu Dhabi.

Die Teams: Mercedes: Lewis Hamilton, Valterri Bottas. Ferrari: Sebastian Vettel, Charles Leclerc. Aston Martin Red Bull: Pierre Gasly, Max Verstappen. Renault: Daniel Ricciardo, Nico Hülkenberg. Haas: Romain Grosjean, Kevin Magnusson. McLaren: Lando Norris, Carlo Sainz jr. Racing Point: Sergio Perez, Lance Stroll. Alfa Romeo Sauber: Kimi Räikkönen, Antonio Giovinazzi. Toro Rosso: Alexander Albon, Daniil Kwyat. Williams: George Russell, Robert Kubica.

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