Bundesliga-Start: Meister-Bayern und fünf Gruppen
Es geht endlich wieder los! Die Fußball-Fans freuen sich auf den Start der Bundesliga am Freitag, Weltmeisterschaft hin oder her. Der DFB-Pokal war das Aufwärmprogramm und die Erstligisten zeigten, dass sie schon in Form sind. Fünf sind zwar noch auf dem Prüfstand, aber bis zum Wochenende zeichnete sich ab, dass erstmals seit 2008 alle Bundesligisten die erste Runde überstehen könnten. In der Warteposition auch die Bayern und Dortmund, die lieber den Supercup ausgetragen haben, aber auch da bestätigte sich eine Tendenz: Die Bayern bleiben das Maß der Dinge. Vor dem Bundesliga-Start sieht die Einordnung deshalb so aus: Die Meister-Bayern und dahinter fünf Gruppen.
Mit dem 2:1-Sieg in Dortmund machten die Münchner gleich deutlich, dass sie nach der erfolgreichen letzten Saison um kein Jota nachgeben wollen, ganz im Gegenteil, das Triple mit Meisterschaft, Pokal und Champions League bleibt das erklärte Ziel. in der Bundesliga hat der Rekordmeister ein Alleinstellungsmerkmal. Bezeichnend der totale Triumph bei der Wahl der Sportjournalisten, die vom kicker organisiert wird und bei der die Münchner alle Kategorien gewannen: „Spieler des Jahres“ Harry Kane (272 Stimmen, vor Michael Olise/202 und Deniz Undav/61), „Trainer des Jahres“ Vincent Kompany (314 Stimmen, vor Julian Schuster/87 und Sebastian Hoeneß/53) und „Spielerin des Jahres“ Giulia Gwinn (106 Stimmen, vor Klara Bühl/94 und Jule Brand/82). Dazu erhielt Harry Kane in der vergangenen Woche noch den „Golden Shoe“ als erfolgreichster Torjäger Europas. Sieht man auf die letztjährige Bilanz, stehen fast immer die Bayern auf Platz 1, nicht nur in der Tabelle, sondern auch in den Wertungen Hinrunde, Rückrunde, Heimbilanz, Auswärtsbilanz und beste 2. Halbzeit. Nur zweimal konnte Borussia Dortmund Platz 1 erobern, logisch bei den Zuschauern (81285) und beste 1. Halbzeit. Immerhin.
Die Bayern wollen nicht nachlassen und werden nicht nachlassen, dass zeigte sich beim Supercup, bei dem trotz einer schwierigen Saisonvorbereitung die Form schon stimmte. Dazu erwies sich Neuzugang Nathaniel Brown gleich als wertvolle Verstärkung. So fielen zahlreiche Ausfälle gar nicht auf, vor allem fehlte natürlich Jamal Musiala, der seine Krankheit, eine neurologische Dysfunktion, erst vollständig mit veränderter Medikation in den Griff bekommen soll. Seine Zusammenbrüche auf dem Feld schockten alle – bis auf die Bayern selbst. Alle Verantwortlichen betonten „wir wussten Bescheid“. Die Münchner werden also noch stärker werden und sie wollen auch in der Zukunft nicht nachlassen, so ist ein Deal von 250.000 Millionen Euro im Gespräch, wenn weitere Anteile an der Gesellschaft verkauft werden sollen. Für die kommende Saison könnten sich die Bayern höchstens zusätzlich das Ziel setzen, wie Bayer Leverkusen bei der Meisterschaft 2024 ungeschlagen zu bleiben.
In einer Umfrage des kicker nach dem Meister, tippten nicht überraschend 78 Prozent auf die Bayern, auf Platz zwei Dortmund (7 %) und dahinter Stuttgart (2,8 %). Da wird deutlich, dass es am Freitag mit der Partie Bayern – VfB gleich einen Knallerstart gibt. Es wird aber auch sichtbar, dass die Kluft groß ist. Ein Blick auf die Mannschaften lässt hinter den Münchnern eine Einordnung in fünf Gruppen zu.
Der Kampf um Europa: Gut, dass es die europäischen Wettbewerbe gibt, da ist die Bundesliga noch spannend. In dieser Gruppe hat sich allerdings Dortmund ein bisschen abgesetzt, hat sich offensichtlich wirkungsvoll verstärkt und die Bayern in der zweiten Halbzeit beim Supercup unter Druck gesetzt und spielerisch überzeugt. Dahinter sollte tatsächlich Stuttgart liegen, das seine Mannschaft mehr oder weniger halten konnte und mit Dzenan Pejcinovic (aus Wolfsburg) offensichtlich noch gut verstärkt hat, während sich Leverkusen und Leipzig nach einem Umbruch und neuen Trainern mit Carles Martinez bzw. Martin Demichelis erst finden müssen.
Die Hoffnungsvollen: Nach den vermutlichen fünf Spitzenteams sind noch Plätze für Europa frei, einer oder zwei, je nachdem. Vier Kandidaten machen sich darauf verstärkt Hoffnung, mit unterschiedlichen Aussichten und vielen Fragezeichen. Bei Eintracht Frankfurt spielt auch ein neuer Trainer eine Rolle, Adi Hütter soll bei seiner Rückkehr das Team zu alten Erfolgen führen. Doch ob die Besetzung für so viel Hoffnung reicht? Große Fragezeichen gibt es im Tor. Die TSG Hoffenheim, im Vorjahr Fünfter, will wieder oben mitmischen, der SC Freiburg muss den Abgang von Unterschiedsspieler Johan Manzambi verkraften, kassierte aber rund 70 Millionen Euro von Aston Villa. Seltsames Schauspiel im Tor, Noah Atubolu wollte unbedingt gehen, findet aber keinen neuen Verein (die Eintracht ist noch im Gespräch). Freiburg sorgte vor und holte Mio Backhaus aus Bremen. Dazu sieht sich auch Mainz 05 im Aufwind.
Wohin führt der Weg? Am langweiligsten ist immer das sogenannte Mittelfeld, doch für die Vereine könnte es schon spannend werden. Ziel ist eigentlich ein einstelliger Tabellenplatz, aber wenn die Form nicht stimmt, könnte Abstiegskampf daraus werden. Einzuordnen in dieser Kategorie sind der FC Augsburg, Borussia Mönchengladbach, das auf den wieder genesenen Torjäger Tim Kleindienst hofft, und der 1. FC Köln mit Said El Mala, der dem Verein die Treue hielt.
Nur nicht absteigen: Auch hier könnte es heißen „Wohin führt der Weg?“, allerdings gibt es in hier nur eine Richtung – nach oben. Die Aufgabe ist einfach: Nur nicht absteigen! Das gilt für Werder Bremen, mit Rückkehrer Niclas Füllkrug als Hoffnungsträger, Union Berlin mit dem neuen Trainer Mauro Lustrinelli, den Hamburger SV mit der neuen Sportvorständin Kathleen Krüger und Veränderungen im Team, sowie Schalke 04, der wohl stärkste Neuling. Einer muss in die Relegation. Der HSV musste allerdings noch einen Schock hinnehmen, als am Montag der Tod von Mäzen Kühne (89) gemeldet wurde.
Die Abstiegskandidaten: Es bleiben nur zwei Namen übrig und die Neulinge SC Paderborn und SV Elversberg gelten auch als erste Abstiegskandidaten. Für beide gilt: Dennoch Spaß im Oberhaus haben. Dies vor allem für die Saarländer, die absolutes Neuland betreten und mit ihrer Gemeinde Spiesen-Elversberg den bisher kleinsten Bundesliga-Ort präsentieren. Für Überraschungen sind beide Teams aber immer gut, das wird die Konkurrenz schon merken.
Was gibt es noch am Rande der Punktrunde? Vier Spieltage werden an einem Stück gespielt, dann gibt es eine Länderspielpause von zwei Wochen mit vier Spielen. Bundestrainer Jürgen Klopp wird Dauergast auf den Tribünen sein und nach dem 3. Spieltag sein Aufgebot nominieren. Mit dem VAR müssen wir uns weiter rumärgern, ebenso mit dem Pyro-Wahnsinn der Ultras. Nach dem Rücktritt von fünf gestandenen Schiedsrichtern gibt es nur zwei Neue: Dr. Max Burda (37/Berlin) und Richard Hempel (28/Dresden).
Krawall in Mannheim überschattet DFB-Pokal
Die erste Runde im DFB-Pokal soll ein Feiertag für die kleinen Vereine sein, die Fans von Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern haben den Begriff „Feiertag“ aber falsch ausgelegt. Das brisante Derby artete aus, weil Chaoten das Spiel als ihren Feiertag für Krawall ansahen. Die Auseinandersetzung eskalierte, Feuerwerkskörper flogen auf Spielfeld und Tribünen, Chaoten stürmten das Spielfeld, so dass sogar berittene Polizei eingreifen musste. 1400 Polizisten waren für den Schutz des Spiels aufgeboten worden, am Ende eine traurige Bilanz mit 85 verletzten Zuschauern und 35 verletzten Polizisten, das Spiel stand bei 30minütiger Unterbrechung vor dem Abbruch. Nur am Rande: Kaiserslautern siegte nach Verlängerung mit 1:0. Der DFB untersucht, saftige Strafen und Sperren muss es geben.
Sportlich gab es nur wenige Überraschungen, frustriert war Bundesliga-Absteiger Heidenheim, das beim Regionalligisten Jeddeloh (Niedersachsen) mit 2:5 unterlag, das gleiche Schicksal erlitt Mitabsteiger St. Pauli beim 0:2 beim Drittligisten Rot-Weiß Essen und die in den letzten Jahren als Pokalexperte aufgetretene Arminia Bielefeld schied beim Drittligisten Großaspach im Elfmeterschießen gleich in der ersten Runde aus. Die zweite Runde wird am 5. September ausgelost und am 27./28. Oktober ausgetragen.
Frauen: Neuling überrascht
Die Bundesliga der Frauen startete spektakulär in die neue Saison. Der Start in Berlin war vor 17000 Zuschauern verheißungsvoll, Titelverteidiger Bayern siegte bei Union mi 4:1. Klara Bühl erzielte mit einem Freistoß das erste Tor der Saison. Überrascht wurde der VfL Wolfsburg in Nürnberg, lag er doch bei Halbzeit mit 0:2 im Rückstand, legte danach aber richtig los und gewann mit 8:2. Für die große Überraschung sorgte dagegen Neuling VfB Stuttgart der beim Europa-Kandidaten TSG Hoffenheim vor 4600 Zuschauern mit 2:1 siegte.
Für zwei Vereine wird es in der Champions League ernst, Eintracht Frankfurt und Wolfsburg kämpfen in der 3. Runde um den Einzug in die Ligarunde, für die München schon qualifiziert ist. Frankfurt trifft am Mittwoch auf SG Paris, Wolfsburg auf Inter Mailand. Die Rückspiele sind am 2. September.