Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Dortmund, Bayern, Abstieg: Zeichen und Weichen

Die Einschaltquoten im deutschen Fernsehen sprechen eine deutliche Sprache: Die Handball-Weltmeisterschaft schlägt die Fußball-Bundesliga in Sachen Aufmerksamkeit. 7,87 Millionen Zuschauer sahen am Samstag (20.30 Uhr) den Auftakt der DHB-Auswahl in der WM-Hauptrunde, „nur“ 6,69 Millionen verfolgten dagegen am Freitag (20.30 Uhr) den Auftakt der Bundesliga-Rückrunde zwischen Hoffenheim und Bayern München und 6,55 Millionen interessierten sich am Samstag (18.30 Uhr) in der ARD-Sportschau für die Zusammenfassung der Spiele, dies allerdings ist eine beachtliche Zahl. Der Fußball kann auch gut mit der vorübergehenden Nummer zwei leben, denn der Handball hat wie Basketball und Eishockey das Problem, dass nur die Nationalmannschaften eine breite Öffentlichkeit interessieren, wobei dafür auch unbedingt der sportliche Erfolg notwendig ist (siehe Silber im Eishockey bei Olympia). Die nationalen Punktrunden sind dagegen nur eine Angelegenheit für echte Fans dieser Sportarten.

Die Fußball-Bundesliga ist aber fast schon ein nationales Ereignis, der Fußball bestimmt die Stammtische oder modern eben die sozialen Medien. Gerade zum Rückrunden-Start bietet die Bundesliga aber auch wieder viel Gesprächsstoff, zum Beispiel über die Titeljagd zwischen Borussia Dortmund und Bayern München oder den Kampf gegen den Abstieg. Hier wie dort gab es Zeichen, es wurden aber – obwohl noch 16 Spieltage ausstehen – auch Weichen gestellt.

Im Titelrennen sorgten die Bayern für die logische Kampfansage, der Spitzenreiter aus Dortmund sendete aber als Antwort ein deutliches Zeichen: Ein 1:0-Sieg beim Verfolger RB Leipzig und das mit einer Not-Abwehr und ohne den angeblich eigentlich unentbehrlichen Kapitän Marco Reus. Ein Zeichen, dass die Westfalen so leicht nichts aus der Fassung bringt, ein Zeichen aber auch, dass der Spitzenreiter über einen zweiten Anzug verfügt der passt, dass also ein ausgeglichener breiter Kader kein Alleinstellungsmerkmal der Münchner ist. Da schmerzt es die Bayern sicherlich, dass Leipzigs Mittelfeldmotor Kevin Kampl zu dem Schluss kam: „So ist Dortmund schwer aufzuhalten.“

Dabei hatten die Münchner in Hoffenheim alles getan, um Dortmund unter Druck zu setzen. Eine beeindruckende erste Halbzeit mit einem Gastgeber ohne Chance, ein starke Antwort auf eine Schwächephase mit einem glänzend herausgespielten entscheidenden 3:1 über James, Müller und Lewandowski. Ein Zeichen aber auch intern, als in der Abwehr Mats Hummels den Vorzug vor Jerome Boateng bekam und Trainer Niko Kovac den jungen Niklas Süle als „Nummer 1“ adelte. Dazu überraschte Kovac mit dem Schachzug Leon Goretzka auf der Position als Zehn aufzubieten. Der Ex-Schalker dankte es mit zwei Toren und sorgte damit dafür, dass der Trainer Lob erntete und seine Position in Verein und Öffentlichkeit festigte, nach dem Motto, er kann es ja doch. Der Abstand blieb halt dennoch bei sechs Punkten, aber der Spannung schadet dies (vorerst?) nicht, es bleibt interessant. Am kommenden Wochenende legt Dortmund gegen Hannover vor, die Bayern müssen am Sonntag gegen Stuttgart nachziehen. Sollte sich am Abstand etwas ändern, wäre dies eine Sensation. Doch Vorsicht: Stuttgarts Trainer Markus Weinzierl konnte die Bayern mit Augsburg schon ärgern!

An der Tabellenspitze wurden Zeichen gesetzt, im Abstiegskampf Weichen gestellt. Auffällig, dass die letzten vier Mannschaften allesamt ihre Heimspiele verloren. Damit hat sich der Abstand nach oben vergrößert und es sieht ganz danach aus, dass Nürnberg, Hannover, Stuttgart und Augsburg die zwei Absteiger und den Teilnehmer an der Relegation unter sich ausmachen. Eine Siegesserie, die den einen anderen (Düsseldorf oder Freiburg zum Beispiel) in Gefahr bringen könnte, ist natürlich immer möglich, aber derzeit deutet nichts darauf hin. Kein Wunder, dass in Nürnberg über Aufstiegs-Trainer Michael Köllner diskutiert wird, während in Hannover nach Medien-Meldungen Andre Breitenreiter schon vor der Ablösung steht. Stuttgart hat das Mittel des Trainerwechsels schon angewendet, die Hilflosigkeit aber nicht abgelegt. Vor allem in der Abwehr hapert es ohne den verletzten Weltmeister Pavard, jetzt soll ein 18-Jähriger der Retter sein, das türkische Abwehrtalent Ozan Kabak von Galatasaray Istanbul. Ob das funktioniert?

In Augsburg ist von Trainer-Wechsel oder neuen Spielern (vorerst?) nicht die Rede, aber Coach, Spieler und Manager verstehen die Welt nicht mehr, trotz Trainingslager, trotz aller Bemühungen passieren wieder die gleichen Fehler wie in der Vorrunde. Selbst der Ärger über den Brasilianer Caiuby, der sich eigenmächtig Urlaub genehmigte, dem Trainingslager fernblieb und bis heute nicht auftauchte, wurde mit ins neue Jahr genommen. Im wegweisenden Spiel gegen Fortuna Düsseldorf sorgten Fehler und Unaufmerksamkeiten für eine 1:2-Niederlage, statt wenigstens einen Punktgewinn zu sichern. Die Fehlerquote zieht sich genauso durch die ganze Saison wie vielfaches Lob über das spielerische Vermögen des FCA. Doch Punkte gibt es dafür nicht. Möglicherweise sind die Augsburger am Ende der Absteiger mit dem größten Lob.

Für eine Wende beim FCA konnte auch der dritte Torhüter in dieser Saison nicht sorgen, Hoffenheims Nummer 2, Gregor Kobel, wurde bekanntlich ausgeliehen, erlitt aber ein frustrierendes Debüt mit zwei Gegentreffern und ohne Gelegenheit sich auszuzeichnen. Kollege Alexander Nübel hatte es da auf Schalke besser. Überraschend hatte er von Trainer Domenico Tedesco den Vorzug vor Stammtorhüter und Kapitän Ralf Fährmann erhalten und der Nationaltorhüter der U21 dankte es mit großartigen Paraden und hielt den 2:1-Sieg gegen Wolfsburg fest. Tedesco erinnerte sich wohl daran, dass Nübel den damals verletzten Fährmann großartig vertreten hatte und Schalke Punkte holte. Da wird auch ein Trainer ein bisschen abergläubisch. Tedesco setzte ein Zeichen, Schalke stellte die Weichen für eine Tendenz nach oben. Ebenso ein Zeichen von Hertha BSC Berlin, das mit dem 3:1-Sieg in Nürnberg deutlich machte, dass man den Fluch einer schwachen Rückrunde ablegen und im Kampf um die Plätze in Europa mitmischen will. Auf weitere Zeichen und Weichenstellungen können wir auch in den nächsten Runden warten.

Advertisements

Rückrunden-Start der Bundesliga: 18 Vereine, 18 Hoffnungen

Derzeit ist Deutschland ein Handball-Land, die Weltmeisterschaft zieht die Sportfans in ihren Bann. Aber der Fußball gibt nicht auf, mit dem Start der Rückrunde der Bundesliga wird Deutschland wieder das übliche Fußball-Land sein und „König Fußball“ huldigen, zumal der Rückrunden-Auftakt mit den Schlagern Hoffenheim – Bayern München am Freitag (live im ZDF) und Leipzig – Dortmund am Samstag die Aufmerksamkeit schnell aktivieren kann.

Was aber bringt uns die Rückrunde? Zum Start sind da 18 Vereine mit 18 Hoffnungen, wenn auch mit völlig unterschiedlichen Zielen. Doch 18 Vereine hoffen auf ein gutes Ende, klar, absteigen will niemand, aber zumindest die letzten zwei Teams müssen den bitteren Gang in die 2. Bundesliga antreten. Geht es nach den Fachleuten und Wetten, dann werden es diese zwei Vereine sein, die jetzt unten stehen: Der 1. FC Nürnberg und Hannover 96. Aber sie haben natürlich noch Hoffnung und wissen, der Fußball ist unberechenbar!

Aber fangen wir doch an der Spitze an. Die Hoffnung der Fußball-Fans hat sich erfüllt, die Langeweile an der Spitze wurde von Spannung abgelöst, Borussia Dortmund zeigt dem Serien-Meister FC Bayern München die Stirn. Doch Seltsames ist zu hören, während der Spitzenreiter trotz sechs Punkten Vorsprung auf Demut macht, packt der Verfolger nach überstandener Krise sein „mia san mia“ wieder aus. Aus Dortmund heißt es „wir müssen von Spiel zu Spiel denken“, „es ist noch nichts entschieden“, die Münchner dagegen versuchen schon mal mit Kampfansagen den Konkurrenten zu verunsichern: „Das Duell gegen Dortmund gewinnen wir sowieso und drei Punkte sind aufzuholen, so werden wir Meister.“ Nur eins ist anders: „Wir sind es gar nicht mehr gewöhnt, dass es so spannend ist“, gesteht Thomas Müller.

Natürlich, das direkte Duell am 28. Spieltag am 6. April kann vorentscheidende Bedeutung haben, muss aber nicht. Bedeutender wird bis dahin sein, ob sich Dortmund doch noch einmal eine Krise nimmt, ob der Lauf anhält, ob es Verletzungen gibt, andererseits aber auch, ob die Münchner ihre Siegesserie wirklich fortsetzen können und wie sie mit möglichen Rückschlägen umgehen. Ob der Gewinn des Telekom-Cups am Sonntag Schwung gegeben hat? Eher hat er Schwächen aufgezeigt, in 90 Minuten gelang den Bayern kein Treffer, die Siege gegen Gladbach und Düsseldorf kamen durch Elfmeterschießen zustande. Außerdem: Wer kann sich neben Champions League zudem auf die Bundesliga konzentrieren? Offene Fragen also, die Hoffnung bleibt.

Kein anderer Verein meldet Ansprüche auf den Titel an, der Rest ist mit einem Platz in Europa zufrieden und gibt sich demütig. Hoffnung also auf mehr Geld in der Kasse, vor allem die Teilnahme an der Champions League kann Weichen für eine erfolgreiche Zukunft stellen. Die berechtigte Hoffnungen sind groß bei Gladbach, Leipzig und Frankfurt, Wolfsburg muss erst noch seinen Aufwind bestätigen, in Hoffenheim herrscht Hoffnung, aber auch Unsicherheit, welche Qualität die Mannschaft in der Rückrunde auf den Platz bringt. Das Duell mit den Bayern wird es zeigen. Und dahinter Leverkusen, mit dem neuen Trainer Peter Bosz will man das Feld aufrollen, Europa im Sturm erobern. Anders dagegen in Berlin, bei der Hertha ist der Optimismus ein bisschen verflogen, die Hoffnungen wurden gedämpft auf einen sicheren Platz im Mittelfeld, ebenso wie in Bremen, Freiburg und Mainz.

Dahinter geht es schon um einiges stärker um Hoffnungen, um die Hoffnung nämlich, den Kampf gegen den Abstieg erfolgreich bestehen zu können. Das gilt sogar für die Vizemeister des Vorjahres, auf Schalke lief in der neuen Saison nahezu alles schief und jetzt auch noch Abgang von Naldo nach Monaco. Der Brasilianer war im Vorjahr noch ein Erfolgsgarant, sein Verweis auf die Bank war so etwas wie eine freiwillige Schwächung. Trainer Tedesco wirkt angeschlagen.

Genau zur Karnevalszeit machten sich die Düsseldorfer zu Narren. Erst wurde die Trennung von Trainer Friedhelm Funkel verkündet, nach Fan-Protesten dann die Kehrtwende, jetzt soll der Erfolgscoach doch bleiben. Ausgerechnet in der englischen Woche zum Ende der Vorrunde trumpfte der Aufsteiger auf und dann wird nach dieser Erfolgsserie die Trennung vom Trainer verkündet – dilettantischer geht es wirklich nicht. Diese Unruhe kann gefährlich sein, am Ende muss Funkel vielleicht wirklich gehen, aber die Schuld trüge dann allein Klubboss Robert Schäfer. Jetzt hoffen sie am Rhein halt, dass alles gut geht.

In Augsburg und Stuttgart gab es vor der Saison die Hoffnung auf ein ruhiges Jahr und einen Mittelfeldplatz. Pustekuchen. Jetzt bleibt nur die Hoffnung auf den Klassenerhalt, fernab von Abstiegsplatz oder Relegation. Den rettenden 15. Platz hat derzeit der FCA inne, doch vor dem vielleicht sogar wegweisenden Duell mit Düsseldorf am Samstag gibt es Sorgen in Augsburg: Abwehrchef Gouweleeuw und Abräumer Khedira fehlen wegen Gelbsperre, der Südkoreaner Koo weilt bei der Asien-Meisterschaft (diese Abstellungen schwächen auch andere Mannschaften), keine guten Voraussetzungen also. Dazu verunsicherte eine Torhüter-Diskussion das Team, jetzt soll es der 21-Jährige Gregor Kobel richten, bisher die Nummer 2 in Hoffenheim. Er wurde ausgeliehen, weil Giefer und Luthe patzten. Hat der junge Mann aber auch die Nerven für den Abstiegskampf? Die Hoffnung bleibt. Stuttgart wiederum hat es bereits mit dem Trainerwechsel probiert und setzt auf neue Stürmer. Tore sind halt die größte Hoffnung.

Unterschiedlich wird in Hannover und Nürnberg der Sturz ans Tabellenende gehandhabt (beide 11 Punkte, Stuttgart 14, Augsburg 15, Düsseldorf und Schalke 18). In Hannover wird in neue Spieler investiert, in Nürnberg fehlt das Geld, da sind bisher verletzte Spieler die Hoffnung auf eine Wende. Eins ist sicher: Die Hoffnung schwindet zuletzt, aber zwei Teams müssen direkt absteigen.

Es wird also viel auf einen guten Start in die Rückrunde ankommen. Da Schlagerspiele an der Spitze heißen Hoffenheim – Bayern (Vorrunde 1:3) und Leipzig – Dortmund (1:4), wegweisend kann Leverkusen – Gladbach (0:2) in punkto Aufholjagd sein, Frankfurt will gegen Freiburg (2:0) gleich die Richtung vorgeben, am Tabellenende sind Stuttgart – Mainz (0:1), Augsburg – Düsseldorf (2:1), Hannover – Bremen (1:1), Nürnberg – Berlin (0:1) und Schalke – Wolfsburg (1:2) fast schon Schicksalsspiele. Siege nähren die Hoffnungen, Niederlagen können Mannschaft und Verein in Tristesse stürzen. Aber Achtung: Es sind dann immer noch 16 Spieltage bis zum 18. Mai!

Die heile Welt des Biathlon in Deutschland

In den nächsten Tagen gastiert der Biathlon-Zirkus in Deutschland. Vom 10. bis 13. Januar beherbergt Oberhof in Thüringen die Weltelite, die dann nach Bayern weiterzieht, um vom 16. bis 20. Januar in Ruhpolding zu laufen und zu schießen. Deutschland ist ein beliebter Gastgeber bei der Biathlon-Familie und es könnte sein, in diesem Jahr noch ein bisschen mehr, denn entgegen vielen anderen Nationen gibt es in Deutschland noch die heile Welt des Biathlon. Hier warten keine Gerichte auf Dopingsünder, hier feiert das Publikum die Athleten und vor den Bildschirmen versammeln sich die Wintersportfans, Biathlon ist hierzulande der Wintersport Nummer 1.

Man sollte vorsichtig sagen, noch ist Biathlon Wintersport Nummer 1 in Deutschland. Wenn allerdings die Erfolge ausbleiben, kann sich das schnell ändern. Vor dieser Saison gab es eine Art Tabula rasa im Verband, das Trainerteam wurde neu zusammengestellt. Der bisherige Herren-Coach Mark Kirchner wurde zum Übertrainer für beide Mannschaften, bleibt aber auch Disziplin-Chef mit jetzt Isidor Scheurl an seiner Seite. Damen-Chef Gerald Hönig wurde degradiert und amtiert nun als Schießtrainer. Sein Nachfolger ist Kristian Mehringer, Assistent Florian Steirer. Bisher ein Wechsel ohne großen Erfolg, bei drei Weltcup-Wettbewerben in Pokljuka, Hochfilzen und Nove Mesto gab es noch keinen deutschen Sieg. Ein paar Achtungserfolge der Männer waren alles, die Frauen liefen hinterher, bis Laura Dahlmeier kam und in Nove Mesto aufs Treppchen lief. Jetzt pausiert sie wieder.

Die Damen konnten sich in den letzten Jahren immer hinter einer überragenden Athletin ein bisschen verstecken, das war zu den Zeiten von Magdalena Neuner so und zuletzt eben hinter Laura Dahlmeier. Die Olympiasiegerin hat aber des Öfteren gesundheitliche Probleme und kämpfte auch im Vorfeld der Saison mit einem Virus. Nove Mesto machte Hoffnung, doch eine Grippe war dann ein unpassendes Weihnachtsgeschenk. Jetzt will die Garmischerin vor ihrer Haustür in Ruhpolding wieder eingreifen. Die Damen Franziska Preuß, Franziska Hildebrandt. Denise Herrmann und Vanessa Hinz haben ein gewisses Potential, aber zur absoluten Spitze reicht es nicht. Dazu ließen wohl auch atmosphärische Störungen im Team keine großen Leistungen zu, denn die Harmonie zu fördern war eine der ersten Aufgaben des neuen Trainerteams.

Die Herren haben dagegen eine starke, ausgeglichene Mannschaft, die immer für Podestplätze gut ist, allerdings gegen „Über-Biathleten“ wie den Norweger Johannes Boe und den französischen Seriensieger Martin Fourcade ankämpfen muss. Außerdem trübt der Blick in die Zukunft die Hoffnung, denn die vier Musketiere Arnd Peiffer, Simon Schempp, Benedikt Doll und Erich Lesser sind bald alle über 30 Jahre alt. Adäquater Nachwuchs ist nicht in Sicht. Ein Blick auf die Gesamtwertungen zeigt, was Sache ist, Doll ist bei den Herren ebenso als Bester Zehnter wie Preuß bei den Damen. In der Nationenwertung ist Deutschland bei den Herren immerhin Dritter, die Damen nur Fünfte. Norwegen bzw. Italien geben da den Ton an. In den letzten Jahren war Deutschland immer ganz vorn dabei.

Die goldenen Zeiten des Biathlonsport in Deutschland könnten dem Ende entgegen gehen, was sich natürlich auch auf die TV-Einschaltquoten (derzeit oft rund vier Millionen Zuschauer) auswirken würde. Schwere Zeiten hat der internationale Verband schon zu bewältigen, denn Biathlon ist durch Korruption und Doping in die Schlagzeilen geraten. So spielten wohl der langjährige Verbandspräsident Anders Besseberg aus Norwegen und die deutsche Generalsekretärin Nicole Resch offensichtlich ein böses Spiel zu ihren Gunsten. Vor allem Russland soll profitiert haben, so wurden wohl u. a. auch die Dopingjäger ausgebremst. Deutlich wird die Funktionärskrise auch dadurch, dass die Staatsanwaltschaft in Wien seit 2017 gegen IBU-Funktionäre wegen des Verdachts auf Betrug ermittelt. Da kann von einer heilen Welt keine Rede sein. Der neue Präsident, der Schwede Olle Dahlin, Manager in der Papierindustrie, steht vor schweren Aufräumarbeiten.

In Oberhof und Ruhpolding wollen Athleten und Funktionäre diese dunklen Schatten vergessen. Vor allem Oberhof will sich als guter Gastgeber präsentieren und Werbung für die Weltmeisterschaft 2023 machen. Bis dahin soll die Arena mit Investitionen von rund 15 Millionen Euro noch attraktiver werden, die Weltmeisterschaft aber dennoch ein Gewinn für die Region werden, denn mit rund 50 – 60 Millionen Umsatz wird dann gerechnet. Wenn bis dahin auch die sportliche Bilanz der deutschen Mannschaft immer noch stimmt.

Nur Siege sorgen für ein Wintermärchen

2019 ist noch jung, da steht das erste Highlight des neuen Sportjahres bereits bevor: Die Handball-Weltmeisterschaft vom 10. bis 27. Januar in Deutschland und Dänemark. Besonders für die DHB-Auswahl ist dieses Turnier von besonderer Bedeutung, enttäuschte die Mannschaft doch zuletzt bei den großen Meisterschaften. Im Handball träumte man zuletzt eher von vergangenen Erfolgen, in erster Linie vom Wintermärchen 2007, als die Handballer im eigenen Land überraschend Weltmeister wurden und Deutschland plötzlich zu einem Handball-Land wurde. 16,17 Millionen Zuschauer sahen an den Bildschirmen den Coup der Männer um Bundestrainer Heiner Brand mit seinem markanten Schnauzbart beim 29:24 im Finale von Köln gegen Polen. Die heutige Generation träumt von einer Wiederholung, weiß aber: Nur Siege sorgen für ein Wintermärchen!

Es ist ein bisschen ungewiss, ob Deutschland wirklich gute Voraussetzungen für einen Titelgewinn hat. Es bleibt vieles im Ungewissen, weil zuletzt auch vieles schief gegangen ist. Das Abschneiden bei den letzten WM-Turnieren lässt ebenso kaum Optimismus zu (2017 in Frankreich Neunter, 2015 in Katar Siebter, 2013 in Spanien und 2009 in Kroatien immerhin Fünfter, 2011 aber in Schweden Elfter) wie das peinliche Abschneiden vor einem Jahr bei der Europameisterschaft in Kroatien, als Spieler und Trainer gegensätzliche Vorstellungen hatten und somit keine Einheit bildeten.

Jetzt soll alles anders sein, deshalb träumt man wieder von einem Wintermärchen, will aus Deutschland wieder eine Handball-Nation machen, zumal ja der Fußball zuletzt auch in der Kritik stand. Der Trainer heißt immer noch Christian Prokop. Da gibt es Parallelen zum Fußball, als der DFB nach der Pleite bei der WM in Russland an Joachim Löw als Bundestrainer festhielt. Doch da war der WM-Titel 2014 das handfeste Argument. Solche Erfolge kann Prokop nicht vorweisen, aber er gilt als Trainer der Zukunft. „Ich habe gelernt“, sagt er heute. Zweifellos ist er auf die Spieler zugegangen, hat sie mit ins Boot genommen und seine Taktik eher der Mannschaft angeglichen. Vielleicht bekommt der 40-Jährige, der ausgerechnet am 24. Dezember Geburtstag hat, vom Christkind ein nachträgliches Geburtstag- und Weihnachtsgeschenk. Die Basis ist gelegt, „die Stimmung war noch nie so gut wie jetzt“, heißt es aus der Mannschaft.

Wegbereiter können auch die Fans sein, Deutschland hat in der Vorrunde in Berlin Heimrecht, wo 15.000 die Mannschaft zum Sieg treiben sollen, in der Hauptrunde wären es sogar 19.000 in Köln. Aber nach dem Auftaktspiel am Donnerstag gegen Korea (eine gemeinsame Mannschaft von Süd- und Nordkorea!) warten die dicken Brocken Brasilien, Russland, Titelverteidiger Frankreich und Serbien. Drei Teams kommen weiter, in der Hauptrunde könnten Spanien, Kroatien und Island die Gegner sein. Ein Spaziergang ist nicht in Sicht.

Aber Stärken kann die DHB-Auswahl vorweisen: International erstklassige Torhüter mit Andreas Wolff und Silvio Heinevetter, eine starke Abwehr um Finn Lemke sowie mit Uwe Gensheimer einen Außenstürmer der Kategorie Superklasse. In einer ausgeglichenen Mannschaft ragen noch viele Linkshänder hervor, was zu einem besonderen Trumpf werden kann, denn gegnerischen Abwehrreihen können sich oft nur schlecht auf Linkshänder einstellen. Deutschland scheint also nicht chancenlos zu sein.

Die Favoritenrolle gebührt aber wohl anderen Nationen. Titelverteidiger Frankreich zum Beispiel, aber auch Co-Gastgeber Dänemark, der in Herning (eine Gruppe und Hauptrunde in Kopenhagen) ebenso Heimvorteil genießt und am 27. Januar dort auch im Finale stehen will. Norwegen könnte sogar für ein skandinavisches Endspiel sorgen, aber auch Spanien und Kroatien sind zu beachten. Es ist nicht leicht, ein Märchen zu erleben.

Die deutschen Handball-Fans werden unerwartet beschenkt, denn erstmals seit 2013 sind die Spiele der DHB-Auswahl wieder im Free-TV bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF zu sehen (Eurosport überträgt außerdem weitere 15 Spiele, alle 96 WM-Spiele im Livestream unter http://www.sportdeutschland.tv). Auch deshalb hofft der Verband auf einen Boom und Vizepräsident Bob Hanning gibt das Ziel aus: „Wir sind die klare Nummer 1 hinter Fußball vor Basketball und Eishockey und wir wollen die Distanz zum Fußball verringern.“ Auch das gehört dann zu einer märchenhaften WM.

Telekom-Cup als Auftakt

Ohne Fußball geht es natürlich nicht, die Bundesliga beginnt ihre Rückrunde am Freitag, 18. Januar, mit dem Spitzenspiel TSG Hoffenheim – Bayern München (live im ZDF). Derzeit befinden sich die Teams noch in ihren Trainingslagern, vorherrschend in Spanien. Am exotischsten wieder Meister München in Katar. Einen Vorgeschmack auf die Punktrunde gibt der Telekom-Cup am Samstag, 13. Januar, in Düsseldorf. Da duellieren sich im 1. Halbfinale Fortuna Düsseldorf und die Bayern (ab 13.00 Uhr), im 2. Halbfinale Mönchengladbach und Hertha BSC Berlin. Gespielt wird über jeweils 45 Minuten, danach gibt es das Spiel um Platz drei und das Finale (ca. 16.30 Uhr). Vielleicht gibt es schon einen Fingerzeig, brisant das erneute Aufeinandertreffen der Fortuna mit den Bayern, denn in der Bundesliga holten die Düsseldorfer ein 3:3, ein endgültiger Weckruf, der dann die Bayern-Krise beendete. Der Telekom-Cup also als Start in eine starke Bayern-Rückrunde?

Eine starke Vorrunde spielte vor allem Borussia Dortmund, was sich jetzt in allen Ranglisten und Wahlen niederschlägt. Bei einer Umfrage der Fachzeitschrift kicker unter den Bundesliga-Profis (214 machten mit) dominierte der Tabellenführer. So wurde Marco Reus zum Feldspieler der Vorrunde gewählt, Lucien Favre war der Gewinner unter den Trainern (Verlierer Tedesco, Schalke), Aufsteiger der Vorrunde Jadon Sancho (Absteiger Mats Hummels). Und wer wird Meister? 73,4 Prozent sagen eben Borussia Dortmund voraus, nur 22,9 Prozent trauen dies noch Bayern München zu. Wenn das keine Motivation für den Titelverteidiger ist!

Einige Spieler sorgten auch für Schlagzeilen in der Winterpause. Mit dabei auch Dortmund, das Flügelflitzer Pulisic zu Chelsea London transferierte (ab Sommer), wobei die Ablöse von 64 Millionen Euro manchen wieder staunen lässt. Staunen auch über den Abgang von Abwehrrecken Naldo von Schalke nach Monaco. In der letzten Saison war der Brasilianer noch eine Mannschaftsstütze und Tor-Garant, in dieser Saison landete er auf dem Abstellgleis. Da lief wohl einiges schief. Einiges schief lief auch bei Franck Ribery. Mit einem Gold-Steak hat er sich in Dubai für die Rückrunde gestärkt, was einen Shitstorm im Internet auslöste. Die 1200 Euro hat er nicht selbst bezahlt, er war eingeladen. Das Steak wurde doch teurer, denn auf Kritik der Leser schlug er mit Beleidigungen und Kraftausdrücken unterhalb der Gürtellinie zurück und wurde von den Bayern zu einer hohen Geldstrafe verdonnert. Sein Verhalten war eines Meisters nicht würdig. Ribery hat damit wohl auch sein Karriere-Ende in München beschleunigt.

Viele offene Fragen sorgen für Spannung 2019

Es gibt keine Olympischen Spiele und keine Fußball-Weltmeisterschaft – 2019 ist wieder eines dieser „Zwischenjahre“ ohne die ganz großen Ereignisse. Das Sportjahr 2019 verspricht aber dennoch Spannung, denn es stehen viele offene Fragen im Raum und außerdem bleibt es immer spannend, zu verfolgen, mit welchen kruden Ideen manche Funktionäre die Öffentlichkeit suchen. So ist eine der interessanten Fragen, ob FIFA-Präsident Infantino es schafft, den Fußball für viel Geld (wohl auch in die eigene Tasche) zu verkaufen…

Aber bleiben wir bei den sportlichen Fragen. Sie betreffen zum Beispiel die deutschen Fußball-Nationalmannschaften. Die Frauen haben eine neue Trainerin, die Männer noch ihren alten Coach. Die Frauen sind bei der Weltmeisterschaft vom 7. Juni bis 7. Juli in Frankreich gefordert und die „Neue“ wird sich beweisen müssen. Martin Voss-Tecklenburg soll nach dem Tiefpunkt unter Steffi Jones wieder an die Erfolge von Silvia Neid anknüpfen, der Titelgewinn wäre allerdings eine unerwartete Krönung. Da hat es Jogi Löw leichter, von ihm und seiner Mannschaft wird nur die problemlose Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 verlangt. Nun gut, das sollte gegen die Niederlande, Weißrussland, Estland und Nordirland gelingen, da Platz zwei reicht. Allerdings sind da Siege nicht alles, sondern es soll auch eine Weiterentwicklung der DFB-Elf zu alter Stärke erkennbar werden, zum Beispiel mit einer erfolgreichen Revanche gegen die Niederlande. Wird am Ende des Jahres Löw wieder zum „Erfolgstrainer“ werden oder ist er dann endgültig gescheitert? Spannend.

Offene Fragen machen aber auch andere große Sportarten bzw. Meisterschaften und Turniere spannend. So schauen nicht nur die deutschen Tennis-Fans auf Angelique Kerber, welche Stellung 2019 in ihrem Auf und Ab einnimmt, 2016 schoss Kerber mit zwei Grand-Slam-Siegen nach oben, 2017 verzweifelte sie, 2018 gewann sie Wimbledon. 2019 wollen wir sie nicht verzweifelt sehen… Auch die Golf-Fans schauen gespannt auf das neue Jahr, nachdem Hero Tiger Woods sein Comeback als Turniersieger feiern konnte. Schafft er jetzt auch das Sieges-Comeback bei einem Major-Turnier? Vier Siege fehlen ihm hier noch zur Unsterblichkeit. Wenn nur die Gesundheit mitspielt.

Ansonsten bietet auch 2019 alle Welt- Europameisterschaften von den Verbänden, die auf die jährliche Ausrichtung nicht verzichten wollen, die Biathlon und Eishockey zum Beispiel. Einige Highlights stechen zudem hervor, so ist ein ungerades Jahr immer ein WM-Jahr im Wintersport, vorrangig die alpine Ski-WM vom 5. bis 17. Februar in Are/Schweden und die nordische WM vom 22. Februar bis 2. März im österreichischen Seefeld. Den Start an attraktiven WM-Turnieren macht aber Handball mit der Weltmeisterschaft vom 10. bis 27. Januar in Dänemark und Deutschland. Da träumen deutsche Fans schon wieder von einem Wintermärchen wie 2007, als Deutschland Weltmeister wurde. Heiß wird es bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft, die vom 27. September bis 6. Oktober in Doha/Katar ausgetragen wird. Wieder also ein Verband, der in die Fänge der Pedro-Dollars der Scheichs geriet. Manche Wettbewerbe werden wegen der zu erwartenden Hitze erst um Mitternacht unserer Zeit entschieden.

Am Anfang des Sportjahres steht wie immer auch der Super Bowl, das Finale der American-Football-Profiliga NFL, eines der größten Sportereignisse der Welt, TV-Quoten-Hit in den USA. Ausgetragen diesmal in Atlanta. Die Formel 1 möchte auch gern ein Weltereignis sein, gastiert deshalb überall in der Welt. Deshalb bietet sie diesmal auch etwas Besonderes, nämlich 21 Rennen vom 17. März in Melbourne bis 1. Dezember (Finale spät wie nie) in Abu Dhabi. Aktualisiert wird wieder das technische Reglement, eine offene Frage ist, ob es mal wieder einen neuen Weltmeister gibt, zum Beispiel bei einem Comeback von Ferrari.

Bei allen nationalen und internationalen Meisterschaften werden uns die Schattenseiten des Sports auch 2019 wieder begleiten. Die Doping-Diskussion wird nicht enden, wir dürfen aber auch nicht glauben, dass ein entscheidender Durchbruch zu mehr Ehrlichkeit und Gerechtigkeit gelingt. Eine offene Frage für alle ist doch immer, ist der Sieger gedopt oder nicht? Ähnliches gilt auch für das Wirken der Sport-Funktionäre, die immer noch nicht eingesehen haben, dass der Sport vor allem den Menschen, den Fans, gehört und nicht einigen abgehobenen und geldgierigen Funktionären und Milliardären, die sich im Glanze des Sportes präsentieren wollen. Auch die Hooligans mit ihren Schlägertruppen werden uns weiter beschäftigen, schlimmstenfalls wird der Sport sogar Zielscheibe des Terrors. Auch der Spitzensport ist schließlich Teil einer immer unsicherer werden Welt. Da hilft nur Aufmerksamkeit oder aber ein gewisser Verdrängungsmechanismus, der uns eins lässt: Den Spaß am Sport.

Olympia, WM, Doping, Chaos: Das war das Sport-Jahr 2018

Vor einem Jahr schrieb der Sport-Grantler in seiner Vorschau „2018 ist ein Jahr des Sports“. War es das wirklich? Natürlich, wenn man die Großveranstaltungen wie Olympische Winterspiele und Fußball-Weltmeisterschaft ansieht, die weltweit für riesengroßes Interesse sorgten. Aber hat 2018 den Sport weltweit auch vorangebracht? Nein, hat es nicht, denn die großen Probleme wurden nicht gelöst, sondern eher vertuscht. Korruption, Doping und Chaos mit Gewalttätigkeiten vor allem beim Fußball, für das Krawall-Brüder (oft fälschlicherweise auch noch als Fans bezeichnet) sorgen, sind nach wie vor allgegenwärtig. Der Profisport leidet oft unter negativen Nebenerscheinungen. Das wird sich leider auch in der Zukunft nicht ausrotten lassen. Wo Geld fließt, wird der Betrug mit eingekauft.

Der Spitzensport hat aber immer noch die Kraft, die Massen zu begeistern. Typisches Beispiel aber dafür, dass das Streben nach Gewinn auf der einen Seite und nach Emotionen sowie Anerkennung auf der anderen oft nicht zusammenpassen, waren die Olympischen Winterspiele in Pyeonchang. Der Zeitplan wurde auf die TV-Sender in Amerika und Europa abgestimmt, so dass es in Südkorea nicht wenige Entscheidungen erst nach Mitternacht gab. Das Resultat: Begeisterung an den Bildschirmen, „tote Hose“ auf den Zuschauerrängen. Verlierer waren die Südkoreaner, die Herzblut in „ihre“ Spiele investierten, beste Gastgeber und Organisatoren waren, atmosphärisch aber zu den Verlierer zählten.

Das war den Fans zu Hause egal, zum Beispiel in Deutschland. Da wurden Medaillen bejubelt, da freuten sich ARD, ZDF und Eurosport über hohe Einschaltquoten. Die deutschen Frauen und Männer waren überaus erfolgreich, Skispringer, Nordisch Kombinierer, Rodler, Bobfahrer und Biathleten sahnten ab, dazu holten die Eiskunstläufer Aljona Savchenko und Bruno Massot mit der Kür ihres Lebens Gold sowie die Eishockey-Nationalmannschaft sensationell Silber (drei Millionen standen nachts um fünf Uhr auf). Wenn die Stimmung auf den Tribünen oft zurückhaltend war, im Deutschen Haus herrschte fast an jedem Abend überschäumende Stimmung. Deutschland belegte im Medaillenspiegel mit 31 Medaillen (14 Gold, 10, Silber, 7 Bronze) Rang zwei hinter Norwegen (39/14-14-11) und vor Kanada (29/11-8-10). Deutschland ist eben ein Wintersportland.

Eigentlich gilt Deutschland ja als Fußball-Land, allerdings gibt es daran nach der Schmach von Russland Zweifel. Das Aus bereits nach der Gruppenphase, sogar der letzte Platz mit Niederlagen gegen Mexiko und Südkorea – das hatte es noch nie gegeben. Aus den Weltmeistern von 2014 wurden die Verlierer 2018. Der Schuldige wurde mit Bundestrainer Joachim Löw schnell gefunden, aber es gab auch noch einen anderen Schuldigen, dem die Pleite angelastet wurde: Nationalspieler Mesut Özil, einst ein Liebling der Fans, schreckte die Nation mit einem Foto mit Türkeis umstrittenen Präsidenten Erdogan auf. Ein Skandal, der die Stimmung trübte und durch Özils Schweigen auch die WM belastete. Mitspieler Gündogan machte das gleiche Foto, erklärte sich aber danach. Özil schwieg und trat erst nach der WM nach einem Rundumschlag mit wirren Anschuldigungen zurück. Es gab also nur Verlierer, die Nationalmannschaft, Jogi Löw, der die Bedeutung unterschätzte, vor allem aber Özil selbst, der seiner Karriere damit geschadet hat, sie vielleicht sogar vernichtet hat. Die Zukunft wird es zeigen. Bei Arsenal London hat er seitdem jedenfalls nicht mehr diese Reputation.

Die Begeisterung für den Fußball war in Deutschland also nicht riesengroß, zumal Löw auch in der Nations League das Ruder nicht herumreißen konnte. Deutschland stieg ab. Zurückhaltung auch für den nationalen Fußball, denn Bayern München beherrschte wieder die Bundesliga (Trainer-Oldie Jupp Heynckes rettete die Saison), konnte in der Champions League aber keine Bäume ausreißen. Da wurde fast Eintracht Frankfurt als Überraschungssieger im Pokal (gegen die Bayern) mehr gefeiert. Gefeiert wurde dagegen vor allem in Frankreich, das mit einem 4:2 über Kroatien die Weltmeisterschaft gewann. Aber auch die Kroaten fühlten sich als Sieger und Kapitän Luka Modric löste sogar die Dauersieger Ronaldo und Messi als bester Fußballer der Welt ab. Ein Sieger war auch der moderne Fußball, aber auch der Fußball Europas, denn die Europäer blieben im Halbfinale unter sich (Belgien wurde mit 2:0 über England Dritter). Verlierer war der Fußball Südamerikas, waren Brasilien und Uruguay.

Neben diesen Großereignissen gab es natürlich noch viele andere Highlights, der Spitzensport schaffte es immer wieder im Gespräch zu bleiben. So waren die European Championships ein Gewinn, die Titelkämpfe zahlreicher Verbände bündelten. Der Höhepunkt war die Leichtathletik-EM in Berlin mit Gesa Krause über 3000 m Hindernis und Zehnkampf-König Arthur Abele als deutsche Helden. Tennis feierte Wimbledon-Siegerin Angelique Kerber, die auf den Spuren von Steffi Graf wandelte, und am Ende des Jahres auch Talent Sasche Zwerev, der als „Weltmeister“ zeigte, dass er ein neuer Boris Becker werden kann. Selbst Golf schaffte es in die Schlagzeilen, weil der große Star Tiger Woods als Turniersieger ein grandioses Comeback feierte und Europa gegen die USA den Ryder Cup gewann. Ja, 2018 war schon ein großes Sportjahr.

Aber die Probleme bleiben und werden mit hinüber ins Jahr 2019 genommen. Weltpräsident Infantino ist zum Beispiel dabei, den Fußball zu verkaufen, das IOC hat Probleme, geeignete Ausrichter für die Olympischen Spiele zu finden, der Kampf gegen Korruption und Doping kann nicht gewonnen werden, wird aber auch nicht mit der erforderlichen Konsequenz geführt. Dazu zeigten zum Jahresende noch einmal Chaoten ihre hässliche Fratze, das Spitzenspiel der Serie A in Italien zwischen Inter Mailand und Neapel wurde überschattet von Gewalt und Rassismus. Die Dummen sterben nicht aus und bleiben eine Gefahr.

Dennoch: 2019 kann kommen. Allen Lesern alles Gute für 2019 und viel Spaß am Sport, aktiv und als Zuschauer.

Die Meister-Frage: Vorteil Dortmund – Die Abstiegs-Frage: Nachteil Nürnberg

Die Vorrunde der Fußball-Bundesliga wurde pünktlich vor Weihnachten beendet, aber nicht überall wurde fröhlich gefeiert. In Dortmund schon, denn die Borussia stand ja bereits als „Weihnachts-Meister“ fest. Wie wird es am Ende der Saison aussehen? Schafft Verfolger Bayern München noch die Wende? Die Analyse vom Sport-Grantler zeigt: Vorteil Dortmund! Am Tabellenende wird dagegen gejammert, nicht nur in Nürnberg, auch in Hannover, Stuttgart und Augsburg. Hier heißt es „Nachteil Nürnberg“. Aber es müssen ja zwei direkt absteigen. Wer wird es sein? Die Antwort gibt es spätestens am 18. Mai 2019.

In der Meister-Frage wehrt man in Dortmund noch ab, sechs Punkte Vorsprung und die bessere Tordifferenz sind aber ein gutes Polster gegenüber Verfolger Bayern München. Der Titelverteidiger schöpft Selbstvertrauen aus der Tatsache, dass er endlich wenigstens Zweiter ist und die erste Verfolgerrolle einnehmen kann. Trainer und Mannschaft haben eine Kehrtwende vollzogen, neue Taktik, neuer Mannschaftsgeist und deshalb auch wieder Erfolge. Fünf Siege in Folge, im Dezember ungeschlagen und damit „Team des Monats“. Es scheint: Die Rückrunde kann kommen.

Dortmund ist aber noch im Vorteil, denn bisher zeigte sich, dass die Borussia die Ersatzspieler besser integriert hat. Der zweite Anzug passt, es gibt nur wenige Spieler, die unersetzlich sind, eigentlich nur Marco Reus und Witsel als Kopf der Mannschaft. Problematisch wird es, wenn sich einer von ihnen verletzt. Dortmund aber beherrscht die Statistiken, hat natürlich die meisten Zuschauer (80.000 im Schnitt), liegt in der Chancenverwertung vorn (41,5 Prozent, Bayern 27,7), stellt mit Alcacer den besten Torjäger (12 Tore wie auch Jovic/Frankfurt), der mit zehn Treffern auch einen neuen Tor-Rekord für Joker aufgestellt hat. Marco Reus wiederum ist der beste Skorerkönig der Liga (11 Tore und acht Assists). Da tigern die Bayern hinterher.

Vorteil Dortmund auch in Sache Ruhe. Zwar haben die Siege das Umfeld in München beruhigt, aber bleiben diese aus, wird es sofort wieder unruhig werden. Ein Problem kommt zudem wieder auf Trainer Niko Kovac zu, sind nämlich die Verletzten zurück und der Kader komplett, steigt wieder die Missstimmung der Stars auf der Bank. Außerdem könnte die Zukunftsfrage von Altstar Franck Ribery die Stimmung beeinträchtigen. Der Zuschauer-Liebling befindet sich im dritten Frühling und kämpft um einen neuen Vertrag. Eigentlich wollten die Bayern aber den Umbruch einleiten (Robben geht). Oder bekommt Ribery einen „Gnadenvertrag“ als Bayern-Ikone?

Übrigens: Es dürfte sich kaum noch ein dritter Kandidat in den Meisterkampf einmischen. Gladbach ist als Dritter bisher über seine Verhältnisse erfolgreich, RB Leipzig ist ein Platz in der Champions League zuzutrauen und der VfL Wolfsburg schwebt auf einer Woge des Erfolgs (wie die Bayern sechs Spiele ungeschlagen mit fünf Siegen), aber es werden Rückschläge kommen. Die VW-Städter sind kein Team für oben. Hoffenheim muss seine Unentschieden-Serie beenden (sechs Mal in Folge), aber jetzt kommen zum Rückrundenstart am 18. Januar ausgerechnet die Bayern. Dahinter will sich Leverkusen mit dem neuen Trainer Peter Bosz nach oben orientieren, jetzt soll es ohne Heiko Herrlich herrlich werden, aber für ganz oben reicht es eben nicht.

In der Abstiegsfrage haben vor der Saison viele Vereine zunächst das Ziel von 40 Punkten. Sind die erreicht, heißt es „dann sehen wir weiter“. Allerdings reichen meist schon 36 Zähler zum Klassenerhalt. Gehen wir davon aus, dann haben zur Halbzeit Schalke 04 und Fortuna Düsseldorf mit 18 Punkten genau das Soll erfüllt. Schalke hatte man als Vizemeister nicht da unten erwartet, Neuling Düsseldorf legte eine fulminante Weihnachtswoche hin mit drei Siegen, gehört aber sicher weiter noch zu den Abstiegskandidaten.

Die größeren Sorgen machen sich derzeit aber dahinter der FC Augsburg (15 Punkte), Stuttgart (14), sowie Hannover und Nürnberg (beide 11) auf den Abstiegsplätzen. Vor allem Schlusslicht Nürnberg scheint doch noch etwas zu grün zu sein für die Bundesliga, das Team nicht reif für die Bundesliga, deshalb „Nachteil Nürnberg“ in der Abstiegsfrage.

Alles offen, wer noch in den sauren Apfel beißen muss. Gegen Hannover spricht die Unruhe im Verein (da gab es sogar Knatsch um den Urlaub), gegen Stuttgart die schlechte Zusammenstellung der Mannschaft, die allerdings im Winter noch korrigiert werden könnte (Manager Reschke arbeitet daran). Gegen Augsburg spricht die Enttäuschung bei den Spielern, die sich eigentlich nach oben orientieren wollten. Aber es haben sich zu viele Fehler summiert, zehn bis zwölf Punkte wurden buchstäblich verschenkt, allein späte Gegentreffer sorgten insgesamt für den Verlust von zwölf Punkten! Hätte es die nicht gegeben, wurde Augsburg (dann punktgleich mit Frankfurt mit 27 Zählern auf Rang 6) von Europa träumen – wie es die Spieler vor der Saison taten. Jetzt sind sie ausgerechnet vor Weihnachten aus allen Wolken gefallen – nach einem späten Gegentreffer gegen Wolfsburg in der 89. Minuten zum 2:3. Fazit: Übrigens: Der nächste Gegner zum Auftakt der Rückrunde ist Fortuna Düsseldorf. Ein Duell, das Weichen stellen kann. Alles ist möglich.

Die Weihnachtswoche der Bundesliga bot ja ein Sammelsurium an bemerkenswerten Spielen. So natürlich Dortmunds 1:2-Niederlage in Düsseldorf, das am Spieltag zuvor mit dem 2:0 gegen Freiburg gerade erst das Schlusslicht abgegeben hatte. Freiburg wird sich auch die Augen gerieben haben, drei Spiele und jeweils gegen den Tabellenletzten, die Ausbeute war dafür mit Niederlage, Unentschieden (1:1 gegen Hannover) und Sieg (dem mickrigen 1:0 in Nürnberg) nicht gerade beachtlich. Aber die Weihnachtsferien sind mit 21 Punkten sorgenfrei.

Die Weihnachtspause der Bundesliga ist kurz, viele Spieler erholen sich mit ihren Familien in warmen Regionen, aber auch die Vorbereitung haben die meisten Klubs in den Süden verlegt, nach dem Motto, lieber Sonne als Schnee (der fällt in Deutschland meist dann, wenn wieder gespielt wird). Eine Winterruhe wird es für die Fans nicht geben, vor allem Spielerwechsel werden die Bundesliga im Gespräch halten.