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Die Stunde der Wahrheit für die Bayern

Die einen nennen es das „Spiel des Jahres“, die anderen rätseln „Wie stark ist der FC Bayern wirklich?“, aber eines ist gewiss: Am Dienstag kommt „Die Stunde der Wahrheit“ für den FC Bayern München. Gegner ist der FC Liverpool im Achtelfinale der Champions League und die ganze deutsche Fußball-Nation steht hinter den eigentlich ob ihres Erfolges und oft großspurigen Auftretens eigentlich ungeliebten Bayern. Aber sie sind – wieder einmal – der einzige Hoffnungsträger der Bundesliga in der Champions League (CL).

Nach der Auslosung des CL-Achtelfinals richteten sich alle Augen auf das Duell England – Deutschland (auch hier hieß es am 2. Februar „Der Zweikampf England – Deutschland steht im Mittelpunkt“). Jetzt ist das erste Duell vorbei und Fußball-Deutschland enttäuscht, den Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund erhielt bei den Tottenham Hotspur eine Lehrstunde erteilt und steht nach dem 0:3 unmittelbar vor dem Aus. Eigentlich galten die Favre-Schützlinge als größter deutscher Hoffnungsträger, aber die großartige Frühform der Saison ist verflogen, dafür schmerzt das Verletzungspech. Jetzt müssen die Bayern wieder die Rolle des Hoffnungsträgers übernehmen, wobei die Chancen gegen den Tabellenführer in England allenfalls als 50:50 eingeschätzt werden. Immerhin: Alles ist möglich.

Eins ist klar: Von den beiden Kontrahenten könnte jeder am Ende auch im Endspiel am 1. Juni in Madrid stehen. In Höchstform zeigten sich zuletzt beide Teams nicht, auch hier spielt das Verletzungspech eine große Rolle. Trainer Jürgen Klopp hat beim FC Liverpool vor allem Abwehrsorgen, Abwehrchef van Dijk fehlt ebenso wie sein stärkster Nebenmann Lovren und der nächste in der Rangliste, Joe Gomez. Ein Dilemma, das den Ex-Schalker Joel Matip in die Mannschaft spült. Also heißt es wieder einmal: Angriff ist die beste Verteidigung, der Super-Sturm mit Afrikas Fußballer des Jahres Mo Salah, Roberto Firmino und Sadio Mane muss es richten. Ein Sonderfall: Da Liverpool in den nationalen Pokalwettbewerben frühzeitig ausgeschieden ist, hatte die Mannschaft jetzt zehn Tage Pause. Klopp nutzte sie zu einem Trainingslager in Spanien. Vorteil (ausgeruht) oder Nachteil (kein Spielrhythmus) wird sich zeigen. Von müden Engländern vom Liga-Stress sollte aber keine Rede sein.

Abwehrprobleme plagen auch die Bayern. Immerhin ist Stammtorhüter Manuel Neuer wieder an Bord, aber Jerome Boateng wird wegen Magenproblemen fehlen. Er ist zusammen mit Mats Hummels laut Statistik Bayerns stabilste Innenverteidigung. Aber von stabil kann bei den Münchnern eigentlich nicht die Rede sein, denn sie kassieren ungewöhnlich viele Gegentore, zeigen sich vor allem als konteranfällig und könnten deshalb für die schnellen Liverpooler Stürmer ein gefundenes Fressen darstellen. Vorteil Klopp also, es sei denn, Bayern-Trainer Niko Kovac besteht seine Meisterprüfung und schafft es, die offenen Reihen dicht zu bekommen. Kovac in der Rolle des Klempners. Übrigens: Bei einer Umfrage des kicker sagt die Mehrheit der Leser (56,9 Prozent), dass die Bayern nicht weiterkommen.

Bei der Frage des Weiterkommens von Schalke 04 sagen sogar 88,4 Prozent „Nein“. Ist auch logisch, heißt doch der Gegner Manchester City mit Trainer Pep Guardiola. Dessen Mannschaften beeindrucken besonders mit Spielkultur. Der Trainer bei Schalke heißt Domenico Tedesco, der Schalke im Vorjahr mit Defensiv-Disziplin zur Vizemeisterschaft führte, in diesem Jahr aber eher an den Abgrund. Bei Schalke fehlt quasi alles, ein Gegner auf Augenhöhe wird der Bundesligist nicht sein. Abwehrbeton gegen Spielkunst ist wohl die Losung und die Schalker Fans werden sich eher an Leroy Sane erfreuen, wenn denn ihr alter (junger) Liebling von Pep auch aufgestellt wird.

Die Bayern wollen alle Rekorde

Und da sind wir auch wieder bei der Bundesliga. Die Bayern wollen offensichtlich alle Rekorde, selbst wenn er negativ ist. Leon Goretzka traf beim mühsamen 3:2-Sieg in Augsburg nach 13 Sekunden ins eigene Netz und schaffte damit das schnellste Eigentor der Bundesliga-Geschichte. Es gibt allerdings Rekorde, die werden für die Bayern unerreichbar sein. Oder ist es denkbar, dass zum Beispiel Franck Ribery mit über 40 noch für die Bayern wirbelt? Mit Blick auf „Oldie“ Claudio Pizarro können die Bayern wenigstens darauf verweisen, dass der Peruaner auch für sie spielte. Der Stürmer ist aber wirklich ein Phänomen, netzte in Berlin glücklich ein und ist jetzt mit 40 Jahren und 136 Tagen der älteste Torschütze der Bundesliga-Geschichte. Und es wird wohl nicht das letzte Tor gewesen sein, vielleicht hängt er sogar noch ein Jahr dran. Noch ist er wertvoll für Werder Bremen. Noch ein Rekord: Pizarro traf von 1999 bis 2019 in allen 21 Kalenderjahren.

Ansonsten machte die Bundesliga zuletzt Schlagzeilen, weil sie nach dem Skifliegen in Oberstdorf eine eigene Flugwoche veranstaltete. Neben Trainern fliegen neuerdings auch die Sportdirektoren. Nach dem VfB Stuttgart räumte auch der 1. FC Nürnberg auf, entließ gleich Trainer Michael Köllner und Sportvorstand Andreas Bornemann. Bleibt im Abstiegskampf nur noch Augsburgs Trainer Manuel Baum als einziger im Amt. Zusammen mit Kollegen Markus Weinzierl, der ja in Stuttgart schon als „Retter“ geholt wurde, muss er von Woche zu Woche schauen, wie die Leistungen bewertet werden. Schwere Aufgaben stehen für Baum in Freiburg und Weinzierl in Bremen bevor. Was passiert bei Niederlagen?

Thema des Spieltags: Was passiert bei Handspielen? Die werden immer mehr zu einem Buch mit sieben Siegeln, keiner kennt sich mehr aus. Schlimm: Spieler, Trainer und Fans haben die Eindruck, auch Schiedsrichter und Video-Schiedsrichter kennen sich nicht mehr aus. Wie bei Handspielen geurteilt wird, ist zum reinen Glücksspiel geworden. Ob der Fußball so bald zu einem verbotenen Glücksspiel wird?

Noch einmal zurück zum FC Bayern München. Sollten die Profis in diesem Jahr tatsächlich ohne Titel bleiben, dann gibt es im Verein vielleicht noch einen kleinen Trost. Die Frauen haben am Sonntag das Spitzenspiel gegen den eigentlich übermächtigen VfL Wolfsburg glücklich mit 4:2 gewonnen und haben nach Punkten aufgeschlossen. Was das Ergebnis bedeutet, zeigt ein Blick auf die Statistik: Wolfsburg erlitt die erste Saisonniederlage und hatte bis dahin nur fünf Gegentreffer in 13 Spielen hinnehmen müssen und das Hinspiel noch mit 6:0 gewonnen!

Die Frauen könnten also Bayern einen Titel bescheren, ebenso die zweite Mannschaft, die in der Regionalliga Süd auf Platz eins liegt und endlich in die 3. Liga aufsteigen will. Bayern-Präsident Uli Hoeneß wäre glücklich, wenn die Basketballer wieder die Meisterschaft wieder nach München holen würden. Diese führen die Bundesliga klar an, aber es gibt ja Play-Offs. Eine Entscheidungsrunde, die alles wieder auf „Null“ stellt und die viele sich deshalb in den letzten Jahren auch für die Fußball-Bundesliga wünschten. Doch in diesem Jahr hat ja Borussia Dortmund eine andere Antwort gegeben. Wie auch immer, ganz leer ausgehen werden die Bayern vielleicht doch nicht.

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Der Sonntag gehört uns – den Amateuren

Beim Deutschen Fußball-Bund herrscht derzeit die höchste Alarmstufe. Es brennt überall, von Ruhe keine Spur und wie die Zukunft aussieht weiß derzeit keiner genau. Letzter Nackenschlag war eine Anklage, dass die Gemeinnützigkeit des Verbandes in Gefahr sei, weil seine Funktionäre in Saus und Braus gelebt hätten und nicht alle Betriebsausgaben vom Finanzamt anerkannt würden. Der Wirbel um das Sommermärchen 2006 mit Bestechungsgeldern und dubiosen Millionen lässt grüßen. Dazu kommt, dass es auch mit dem Spielbetrieb für die Zukunft Probleme gibt. Und das ist für die Vereine und die Fans das größte Problem.

Dabei droht auch internationale Gefahr. Dass FIFA-Boss Gianni Infantino den Weltverband an einen geheimen Geldgeber für 25 Milliarden Euro quasi verkaufen will, ist bekannt und wurde hier schon angeprangert. Die Gier nach Geld sprengt alle Grenzen. Deshalb muss auch vor den neuesten Plänen der UEFA gewarnt werden, denn auch da geht es um noch größere Verdienstmöglichkeiten. So gibt es offenbar Gedanken, die Spiele der Champions League und der Europa League auf das Wochenende zu legen, weil dann bessere Vermarktungsmöglichkeiten nach Asien, Süd- und Nordamerika bestehen würden. Die nationalen Ligen müssten dann im Wechsel auf die Spieltage unter der Woche ausweichen – und die Fans hätten ein Reise- und Arbeitsproblem. Sollten diese Pläne Wirklichkeit werden, würden sie den Fußball in seinen Grundfesten erschüttern und bedeuten auch eine Gefahr für die Zukunft. Die Basis, die Amateure, würde noch mehr leiden. Deshalb der nationale Weckruf: Der Sonntag gehört uns – den Amateuren. So schnell lassen sich die Pläne abeer nicht verwirklichen, dem stehen laufende TV-Verträgen entgegen.

Es gibt für den DFB nämlich auch national genügend Probleme. So vor allem die leidige Aufstiegsregelung von den Regionalligen in die 3. Liga. Viel kritisiert wird ja, dass die Regionalliga-Meister nicht direkt aufsteigen können, was sportlich ein Unding ist. Aber eine Lösung, die allen gefällt, hat keiner. Ein Kompromissvorschlag sieht so aus, dass aus fünf Regionalligen vier gemacht werden, die 3. Liga aufgestockt wird und es dort vier Absteiger gibt. Unzufriedenheit macht sich sowohl in der 3. Liga breit, wo sogar eine Abnabelung vom DFB hin zum Profi-Fußball, der DFL, diskutiert wird, als auch in den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern, denn aus diesen drei sollen zwei werden (Bestandsschutz für West und Südwest als Regionen mit den meisten Vereinen). Ob es genügend Willen zum Kompromiss gibt?

Darunter kämpfen die Amateure um ihr Wochenende und auch da sollte der DFB seine Hand schützend drüber halten. Der Zusammenschluss der Bundesliga-Fans hat dafür gesorgt, dass die Montag-Spiele mit der nächsten Ausschreibung der Fernsehrechte ab 2021 wieder wegfallen. Die Vereine gaben dem Druck der Fans nach. Auch die 2. Bundesliga will diesen Schritt gehen, obwohl das Spiel am Montag schon fester Bestandteil bei Sport1 wurde. Den Amateuren gefällt aber nicht, dass dafür der Sonntag als Ausweichmöglichkeit angesehen wird. Mehr Profi-Spiele bedeutet weniger Zuschauer auf den Amateurplätzen und das könnte für manchen Verein zu finanziellen Problemen führen.

Der DFB und die Regionalverbänden müssen darauf achten, dass die Musik nicht nur bei den Profis spielt. Es geht nicht nur um das große Geld, sondern auch um die kleinen Vereine. Wenn die Basis wegbricht, dann hat der Fußball auch keine Zukunft mehr. Verbände und Vereine dürfen nicht nur auf das Geld hören, sondern auch auf die Fans. Darum muss das Motto weitgehend Gültigkeit haben: Der Sonntag gehört uns – den Amateuren.

P.S.: Die Champions League gibt es derzeit in Deutschland nicht im Free-TV, aber die Amateure! Der „Tag der Amateure“ findet am 25. Mai statt, mit 21 Endspielen der Landesverbände und die ARD überträgt rund zehn Stunden live!

Der neue Mut der Bundesliga

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Jahrelang haben Trainer und Spieler geklagt, jahrelang haben sie Fans und Medien (auch der Sport-Grantler) dafür gescholten, doch jetzt ist offensichtlich ein Bewusstseinwandel eingetreten: Bei den Klubs der Fußball-Bundesliga ist im Hinblick auf die Wettbewerbe auf Europas Bühne nicht mehr von einer das Abschneiden in der Liga gefährdenden Mehrbelastung die Rede, sondern davon, dass die Teilnahme an Champions League und Europa League ein Gewinn sei. Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Was steckt hinter dem neuen Mut der Bundesliga?

Vielleicht ganz einfach: Irgendwann nimmt halt jeder mal Vernunft an. Vielleicht öffneten aber auch die Handballer mit ihrer stressigen und bejubelten Weltmeisterschaft ein bisschen die Augen, denn gegenüber dieser Belastung mussten die Fußball-Profis endgültig erkennen, „eigentlich haben wir ein schönes Leben“. Was die Kritiker schon immer betonten: Für ein paar Millionen darf man sich auch ein bisschen quälen. Hoffentlich ist jetzt wirklich Schluss mit dem Gejammer und die Mehrheit nimmt sich zum Beispiel Eintracht Frankfurt zum Vorbild: „Wir wollen in der Europa League erfolgreich sein“, heißt es dort. Der neue Mut. Zuletzt hatten sich die Bundesligisten gerade in der Europa League eher blamiert, Im Vorjahr schieden die deutschen Teilnehmer Hoffenheim, Hertha BSC und Köln alle in der Gruppenphase aus. Seit 2009 heißt der frühere Messepokal und später UEFA-Cup Europa League und seitdem war keine deutsche Mannschaft im Finale. Der letzte deutsche Sieger war 1997 Schalke 04 als Gewinner des UEFA-Cups (es waren die noch heute gefeierten „Eurofighter“, 1996 siegte Bayern München). Also auf zu neuen Erfolgen.

Die diesjährigen deutschen Vertreter Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt zeigen sich ehrgeizig und sie beweisen in der Bundesliga (derzeit vor allem das von Trainer Bosz neu erweckte Leverkusen) durchaus gute Form. Zunächst müssen sie am Donnerstag auswärts ran, Leverkusen bei FK Krasnodar, Frankfurt bei Schachtar Donezk (Rückspiele am 21. Februar). Starke, aber keine unüberwindbaren Gegner. Mit Erfolgen könnten die Klubs den Vertretern in der Champions League den Rang ablaufen, denn ob es dort einen deutschen Vertreter im Viertelfinale gibt, steht in den Sternen.

Dortmund macht am Mittwoch im deutsch-englischen Duell in London den Anfang gegen Tottenham Hotspur (lesen Sie auch den nächsten Kommentar zur CL „Der Zweikampf England – Deutschland bestimmt die Champions League“). Da passt es eigentlich nicht, dass der Tabellenführer in dieser Woche sieglos blieb und im Pokal gegen Werder Bremen in einem kläglichen Elfmeterschießen ausschied. Dennoch macht Torhüter Roman Bürki auf Zuversicht: „Uns sind keine Grenzen gesetzt“. Zunächst einmal könnte sie Tottenham schon aufzeigen. Beide Teams vermissen übrigens Galionsfiguren: Bei Tottenham fehlt wohl (neben Dele Alli) Torjäger Harry Kane, die Borussen müssen auf Kapitän Marco Reus verzichten, während Trainer Lucien Favre wieder fit sein wird. Tottenham gelang übrigens die Generalprobe mit einem 3:1 gegen Leicester, während Dortmund gegen Hoffenheim bekanntlich einen 3:0-Vorsprung aus der Hand gab. Kein gutes Zeichen. Kommt die erste Schwächephase genau zum falschen Zeitpunkt?

In der Champions League schauen die Beobachter außerhalb Deutschlands aber nicht auf den Vergleich in London, sondern nach Manchester. Da duelliert sich United mit Paris St. Germain. Im Mittelpunkt stehen die Trainer. Da der Norweger Ole Gunnar Solskjaer, der United nach dem Abgang von Jose Mourinho wiederbelebt hat, dort der Deutsche Thomas Tuchel, Hoffnungsträger der Scheichs aus Katar, die endlich den Henkelpott in den Händen halten wollen. Allerdings wird die Hoffnung durch eine Verletzungsmisere getrübt, neben Star Neymar fällt jetzt auch noch Torjäger Cavani aus. Ungünstiger könnte der Zeitpunkt kaum sein. Da ist der Trainer doppelt gefordert.

Die deutschen Fernsehzuschauer schauen im Free-TV bekanntlich in die Röhre. Mit dem Verkauf der CL ins Pay-TV hat der Fußball den gleichen Fehler wie viele andere Sportarten gemacht, wer im Pay-TV verschwindet, büßt auch an Bedeutung und Interesse ein. Nicht schön für den übertragenden Hauptsender Sky: Obwohl es kein Spiel mehr im ZDF gibt, wie in den letzten Jahren, sind die Einschaltquoten nicht wesentlich gestiegen. Dies sollte auch den CL-Machern zu Denken geben!

Bayerns schönes Wochenende

In der Bundesliga schielen die Klubs schon wieder auf Europa – für die neue Saison. Eine Aufholjagd gestartet hat Bayer Leverkusen, das nach dem 5:1 in Mainz mit Rang sechs erstmals wieder einen Platz für Europa belegt. Ziel bleibt die Champions League, doch da wollen neben den Favoriten Dortmund und München auch Gladbach und Leipzig oben bleiben. Einen Rückschlag musste allerdings Gladbach beim 0:3 gegen Hertha hinnehmen, so waren die Bayern der große Gewinner. Ein schönes Wochenende, gekrönt mit dem 3:1 gegen Schalke und einem gnädigen Pokal-Los gegen den Zweitligisten FC Heidenheim. Wieder auf Platz zwei und den Rückstand auf Dortmund auf fünf Zähler verkürzt. Der 3:2-Erfolg im Pokal in Berlin nach Verlängerung dürfte zudem die Zuversicht gestärkt haben. Doch ein Problem bleibt: Die Bayern bekommen die Abwehr nicht mehr dicht, sind zu anfällig gegen Konter. Das könnte gegen Liverpool tödlich sein.

Die Klubs am Tabellenende haben da allerdings ganz andere Probleme. Wenn man so will, dann Aufsteiger Fortuna Düsseldorf mit dem 3:0 gegen Stuttgart für eine Vorentscheidung gesorgt. Die zwei Absteiger und die Relegation machen nach Lage der Dinge das neue Schlusslicht Nürnberg (spielte auch wie ein Absteiger), Hannover (wie ist das 2:0 gegen Nürnberg einzuordnen?), Stuttgart (peinlich in Düsseldorf) und Augsburg (peinlich beim 0:4 in Bremen) unter sich aus. Hannover zum Beispiel hat schon acht Punkte Rückstand auf Schalke auf Rang 14. Am Wochenende werden die Kellerkinder kaum Punkte erwarten dürfen, Augsburg gegen die Bayern, Stuttgart gegen Leipzig, Hannover in Hoffenheim und Nürnberg gegen Dortmund stehen alle vor hohen Hürden. Wie tröstet sich VfB-Sportchef Michael Reschke: „Es sind ja noch 13 Spiele.“ Deshalb bleibt auch der angeschlagene Trainer Markus Weinzierl weiter im Amt. Wohl auch, weil für einen Nachfolger die Aufgabe gegen Leipzig einem Himmelfahrtskommando gleichkommt. Angeblich steht Markus Gisdol schon auf der Warteliste. Retten wird sich am Ende der Verein, der den Abstiegskampf am besten annimmt und wo Mannschaft und Trainer an einem Strang ziehen. Einen Kandidaten Nummer 1 gibt es bei diesen Kriterien derzeit nicht!

Das Viertelfinale im DFB-Pokal: Schalke 04 – Werder Bremen, FC Augsburg – RB Leipzig, Bayern München – FC Heidenheim, SC Paderborn – Hamburger SV. Gespielt wird am 2. und 3. April.

Der Zweikampf England – Deutschland bestimmt die Champions League

Der Wintersport macht derzeit mit zahlreichen Weltmeisterschaften auf sich aufmerksam, die Handballer sonnten sich bei ihrer WM im Licht der Öffentlichkeit, doch in den nächsten Wochen wird wieder der Fußball die Schlagzeilen bestimmen. Die besten Vereine Europas rüsten sich für die entscheidende Phase im Kampf um die Pokale. Der Februar und März gehören der Champions League (CL) und der Europa League (EL). Für Fernsehsender und Sponsoren hat die UEFA für das CL-Achtelfinale einen Gummi-Terminplan über mehrere Wochen erstellt (12. Februar bis 13. März). Im Mittelpunkt dabei der Zweikampf zwischen England und Deutschland.

Es war schon ein seltsames Los, dass alle drei deutschen Teilnehmer am Achtelfinale einen englischen Gegner erhielten. Das elektrisierte auch die Medien, so liefert die Fachpresse über Wochen hinweg schon Erinnerungen an die Duelle zwischen England und Deutschland. Doch die Gegenwart zählt, wenn auch die Engländer sicherlich gerne darauf verweisen, dass ihre Klubs bereits zwölf Titel in Europas Königsklasse holten, die Deutschen dagegen nur sieben (Bayern München 1974, 1975, 1976, 2001, 2013, Hamburger SV 1983, Borussia Dortmund 1997). Erster englischer Sieger war Manchester United 1968. Die Duelle werden aber auch befeuert durch die Diskussionen, wer nun die beste Liga in Europa sei. England kann als Trumpf das viele Geld vorweisen, die Deutschen verweisen auf die gute Stimmung in den Stadien und daneben muckt Spanien auf: „Eigentlich sind wir am erfolgreichsten“. Nach Bayerns Triumph 2013 siegten nur Spanier. Vor allem Real Madrid mit dem Hattrick von 2016 bis 2018 (dazu Sieg 2014) bestimmte zuletzt das Geschehen, aber der FC Barcelona als Sieger von 2015 gehört ebenfalls immer zu den Favoriten. Wer also aus England oder Deutschland kann die Spanier stoppen?

Am meisten wird Englands Meister Manchester City genannt, aber die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola hat sich zuletzt nicht unbedingt in Bestform präsentiert. Wie überhaupt fast alle Top-Teams in Europa in den letzten Wochen mit einer Leistungsdelle zu kämpfen hatten. Da stehen ManCity oder eben auch die Bayern nicht allein. Bezeichnend aber, dass die deutschen Klubs gegen die momentan drei besten Teams in England antreten. Der FC Liverpool ist Tabellenführer vor City und den Tottenham Hotspur. Das kann die Bundesliga nicht vorweisen, vor allem Schalke 04 erlebte als Vizemeister einen Absturz und kämpft national eher gegen den Abstieg. Auch die Bayern haben die nicht die Form des Vorjahres. Leichtes Spiel also für Englands Premier-Klubs?

Leicht wollen es die Bundesligisten ihren Gegnern nicht machen. Vor allem das Duell zwischen Liverpool und den Bayern könnte auch ein Endspiel sein, hat vor allem mit dem Deutschen Jürgen Klopp als Trainer der „Reds“ eine besondere Note, denn mit Borussia Dortmund unterlag Klopp bekanntlich 2013 den Münchnern im Finale in Wembley. Den Auftakt macht aber das Duell zwischen Tottenham und Dortmund am Mittwoch, 13. Februar. Es ist das Duell, in dem sich die Bundesliga am meisten ausrechnet, zumal die Spurs auf ihren Torjäger Harry Kane verzichten müssen. Die Frage ist allerdings, ob Dortmunds Himmelsstürmer schon die Reife für solche Aufgaben haben. Immerhin können sie als Meisterprüfung den Gruppensieg vor Atletico Madrid vorweisen, Tottenham kam am FC Barcelona nicht vorbei.

Das ist auch der Trumpf, den die Münchner auf ihrer Seite sehen, dass der FC Liverpool zwar in England imponiert, aber auf Europas Bühne in der Gruppenphase ungewohnte Schwächen zeigte und kein einziges Auswärtsspiel gewinnen konnte! Und die Fans in Liverpool sehnen sich auch mehr nach der Meisterschaft in England (die letzte liegt 19 Jahre zurück) als nach dem Gewinn der Champions League, da gewann man zuletzt 2005. Die CL kann da noch warten. Jürgen Klopp sieht das vielleicht anders, für ihn gilt vor allem: Ein Titel muss her. Als ohne Chance gilt Schalke O4 gegen Manchester City, dennoch kommt Freude in Gelsenkirchen auf. Freude über das Geld, das fließt, Freude über den prominenten Besuch von Pep Guardiola, vor allem Freude über das Wiedersehen mit Talent Leroy Sane, der sich inzwischen in Manchester durchgesetzt hat. Für Schalke gilt das Motto: Wir sind ohne Chance, also nutzen wir sie.

Übrigens verwundern Zahlen, die Sport-Bild im Vorfeld veröffentlichte, denn trotz riesigen Summen aus Fernsehgeldern für die Premier League können die deutschen Spitzenteams in den Gehaltetats durchaus mithalten. Die Zahlen im Vergleich: Liverpool 166 Millionen Euro TV-Geld für die Saison (Bayern 95,8), Liverpool 244 Mill. für Gehälter (Bayern 276 Mill.!). Tottenham 165 Mill. TV-Geld (Dortmund 86,5) und 148 Mill. für Gehälter (Dortmund 140 Mill.). Schalke fällt dagegen ab: ManCity 170 Mill. TV und 334 Mil. für Gehälter, Schalke dagegen 77,9 Mill. TV und „nur“ 92 Mill. für Gehälter. Arm werden die Spieler also in Deutschland auch nicht.

Neben den deutsch-englischen Vergleichen steht vor allem das Duell Manchester United gegen Paris Saint Germain im Blickpunkt. Da der Traditionsverein, der sich gerade sportlich ein bisschen im Tief befindet, allerdings nach der Entlassung von Trainer Mourinho wieder zu besseren Leistungen findet. Dort die Neu-Reichen aus Paris, die mit Geld aus Katar gefüttert werden und deren großer Traum der Gewinn der Champions League ist. Eine Mammutaufgabe für Trainer Thomas Tuchel, zumal ausgerechnet Superstar Neymar ausfällt. Aber auch mit Atletico Madrid und Juventus Turin duellieren sich zwei Mitfavoriten, leichter sollte es der FC Barcelona mit Olympique Lyon haben, aber Achtung, da musste Paris gerade seine erste Saison-Niederlage einstecken.

Das CL-Achtelfinale: Manchester United – Paris St. Germain, AS Rom – FC Porto (beide 12.2./6.3.), Tottenham Hotspur – Borussia Dortmund, Ajax Amsterdam – Real Madrid (beide 13.2./5.3.), FC Liverpool – Bayern München, Olympique Lyon – FC Barcelona (beide 19.2./13.3.), Schalke 04 – Manchester City, Atletico Madrid – Juventus Turin (beide 20.2./12.3.).

In der Europa League wird erst noch eine Zwischenrunde gespielt, bevor es in das Achtelfinale geht. Mit Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt sind noch zwei deutsche Vereine dabei, die sogar Finalträume haben und die Bundesliga besser vertreten wollen, als es von anderen Klubs in den letzten Jahren der Fall war. Gespielt wird am 14. und 21. Februar, Leverkusen muss sich mit den Russen von FK Krasnodar auseinandersetzen, Frankfurt mit dem Meister der Ukraine Schachtar Donezk keine leichte Aufgabe. Dem Sieger der Europa League winkt bekanntlich ein Platz in der Champions League, was mehr wert ist als jede Prämie.

Der Pokal ist Bayerns letzte Chance auf einen Pokal

Nicht nur alte Leute träumen oft von früher, auch den Sportlern geht es oft so, „ja früher, da haben wir ganz anders aufgetrumpft“. So geht es jetzt den Bayern, die mit der 1:3-Niederlage in Leverkusen nicht nur einen Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft erlitten, sondern schlimmer noch, sie erleben gleich wieder einen Rückfall in den Krisen-Modus. Vergessen sind sieben Siege in Folge in der Fußball-Bundesliga, es zehrt an den Nerven, dass die Münchner die Vorlage von Tabellenführer Dortmund mit dem 1:1 in Frankfurt nicht nutzten. Statt den Rückstand zu verkürzen wurde er größer. Sogar Gladbach zog auf Rang zwei vorbei. Ja früher, da war das anders, da war es ein Gütesiegel der Bayern, Patzer der Konkurrenz zu nutzen.

Nach sechs Meisterschaften in Folge und dem Gewinn der Champions League 2013 sowie drei Pokal-Triumphen in dieser Zeit muss man sich die Frage stellen: Ist die gute alte Zeit der Bayern vorbei? „Alarmsignale“ sieht die Fachzeitung kicker, „Chaos“ sehen diejenigen, die nicht fachlich urteilen, sondern feixen, dass die Bayern endlich vom Thron gestoßen werden. Und in der Tat deutet nichts darauf hin, dass die Bayern diese Saison erfolgreich abschließen können. Ganz im Gegenteil, wenn es am Mittwoch im DFB-Pokal gegen Hertha BSC Berlin geht, dann steht ein entscheidendes Spiel bevor: Der Pokal ist Bayerns letzte Chance auf einen Pokal.

Was den Bayern besonders weh tut, ist die Tatsache, dass jetzt alles gegen sie läuft, was früher für sie gelaufen ist, Stichwort „Bayern-Dusel“, obwohl es nicht immer Dusel oder Glück war. Thomas Müller brachte es nach dem 1:3 auf den Punkt: „Das Spiel hätte in alle Richtungen ausgehen können, jetzt ist es gegen uns ausgegangen.“ Es läuft gegen die Bayern, mit Manuel Neuer und Thiago fielen zwei Mannschaftsstützen aus, knappe Schiedsrichter-Entscheidungen fielen gegen die Bayern, in der Erfolgsphase war das eben mehr für die Bayern. Dazu kommen selbstverschuldete Fehler, wie ein Treffer gegen Neuer-Vertreter Sven Ulreich in die Torwart-Ecke, oder mangelnde Kompaktheit im Abwehrverhalten.

Mit schnellem Spiel entschied Leverkusen das Spiel für sich, diese Probleme offenbarten die Bayern nicht zum ersten Mal in der Defensive. Ein Schuldiger: Joshua Kimmich enttäuschte erneut im Mittelfeld. Dazu kommen Zweifel an Torjäger Robert Lewandowski auf. Ex-Bayern-Star und heutige TV-Experte Didi Hamann rät: „Verkaufen“. Die Stimmung im Team sei frostig.Da lässt sich nichts Gutes für das große Duell in der Champions League mit dem FC Liverpool erahnen. Bayern im Krisen-Modus ist keine Basis für Erfolg. Trotzig heißt es, „wir müssen eine neue Serie starten“. In Berlin, wo man am 6. Spieltag bekanntlich 0:2 verloren hat, ist ein Sieg Pflicht. Sonst droht ein Jahr ohne Schale oder Pokal!

Chaos-Woche macht Augsburg munter

Vielleicht sollten sich die Bayern den Nachbarn FC Augsburg zum Vorbild nehmen. Der von München bekannte „FC Hollywood“ war diesmal am Lech zu finden, aber das Ergebnis stimmte am Ende, die Chaos-Woche machte Augsburg munter und führte zu einem wichtigen 3:0-Sieg über Mainz. De Aufregung der Woche mündete in Erleichterung und Jubel. Da wurden zwei Spieler suspendiert: Der Brasilianer Caiuby machte schon wochenlang was er wollte, der Österreicher Martin Hinteregger erkannte öffentlich, dass er „beim Trainer nichts Positives finde“. Caiuby trainiert allein, Hinteregger wurde als Belohnung nach Frankfurt ausgeliehen, „stänkerte“ sich also quasi zu einer Verbesserung. Dazu kam Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann überraschend als Co-Trainer, wobei Auguren bereits mutmaßten, dass dies gleichbedeutend mit einer Entmachtung von Coach Manuel Baum ist. Lehmann, ein Querdenker und durchaus auch als Stinkstiefel bekannt, hielt sich zunächst im Hintergrund. Er soll der Mannschaft seine Erfahrung weitergeben, was wohl geholfen hat. Der FCA war wieder eine Mannschaft mit Zusammenhalt und Einsatz. Also: Der FCA ein Vorbild für die Bayern! Wer hätte das jemals gedacht? In zwei Wochen trifft man sich in Augsburg, mal sehen, wer sich wie entwickelt hat…

Die Augsburger taten nach zehn Spielen ohne Sieg einen wichtigen Schritt, aber viele müssen folgen. Der Abstiegsplatz ist für den Tabellen-15. nur sechs Punkte entfernt. Die Konkurrenz dahinter kam jedoch kaum Fleck. Stuttgart verspielte den Sieg gegen Freiburg in letzter Minute und verlor Torjäger Mario Gomez durch Gelb-Rot, Nürnberg freute sich schon über einen Zähler gegen Bremen und gab damit die Rote Laterne an Hannover 96s ab. Dort erlebte der neue Trainer Thomas Doll einen Reinfall als Einstand, er erschrak beim 0:3 gegen Leipzig über seine Mannschaft. Die spielte wie ein Absteiger, aber das dürfte ihn eigentlich nicht überrascht haben. Ironie des Terminplans: Am Samstag treffen sich Hannover und Nürnberg zum Kampf um die Rote Laterne.

Der schnellste Weg zu einem Titel

Für die Bayern mag der DFB-Pokal die letzte Hoffnung sein, für andere Vereine ist er die große Hoffnung. Wie heißt es immer so schön, der Pokalwettbewerb ist der schnellste Weg zu einem Titel. Mit Blick auf das Achtelfinale könnte dies zum Beispiel für Bayer Leverkusen und RB Leipzig gelten, zwei Klubs, die hinter dem Spitzentrio der Bundesliga liegen und den Titel wohl abschreiben müssen. Beide Teams haben am Wochenende beeindruckt, vor allem Leverkusen bekam zum Leidwesen der Bayern durch den neuen Trainer Peter Bosz wirklilch neuen Schwung. Hoffnungen aber auch in Wolfsburg oder sogar in Bremen und Schalke, letztgenannte könnten durch Pokal-Erfolge eine mehr (Schalke) oder weniger (Bremen) verkorkste Saison retten. Und da ist vor allem auch noch Bayern-Gegner Hertha BSC mit dem Traum, endlich einmal als quasi Gastgeber im Pokal-Finale in Berlin auf dem Platz zu stehen. Ergo: Eine Hoffnung platzt am Mittwoch in Berlin.

Das ist das DFB-Pokal-Achtelfinale: Hamburg – Nürnberg, Heidenheim – Leverkusen, Dortmund – Bremen, Duisburg – Paderborn, Leipzig – Wolfsburg, Kiel – Augsburg, Hertha – Bayern, Schalke – Düsseldorf.

Interessant auch der nachfolgende Kommentar über die Alpine Ski-Weltmeisterschaft: Aufgeführt werden „Die Zwei“!

Alpine Ski-WM: Aufgeführt werden „Die Zwei“

Es gab einst eine beliebte Krimi-Serie, die hieß „Die Zwei“ mit Roger Moore und Tony Curtis in den Hauptrollen. Zumindest der Titel lebt jetzt bei der Alpinen Ski-Weltmeisterschaft vom 5. bis 17. Februar in Are/Schweden wieder auf. Egal ob bei der Zahl der Favoriten oder im deutschen Team die Zahl der aussichtsreichen Athleten – aufgeführt werden „Die Zwei“.

Da sind zum Beispiel die zwei großen Favoriten: Marcel Hirscher ist der beherrschende Fahrer bei den Herren, Mikaela Shiffrin dominiert das Geschehen bei den Damen. Der Österreicher Hirscher muss sich als Techniker allerdings mit einer vergleichsweise bescheidenden Medaillen-Aussicht zufrieden geben, aber Gold in seiner Paradedisziplin Slalom und außerdem im Riesenslalom sind wie vor zwei Jahren in St. Moritz wieder möglich. Die Amerikanerin Mikaela Shiffrin ist da ein Stückchen weiter, sie hat sich in diesem Jahr im Weltcup vorgenommen, in allen Disziplinen an den Start zu gehen. Was in der heutigen Zeit fast als unmöglich schien, hat sich aber bewahrheitet: Shiffrin ist überall gut und könnte also rein theoretisch alle Goldmedaillen einsacken. Was allerdings sicherlich nicht passieren wird. Nur eine einzige wäre für sie allerdings fast schon eine Enttäuschung! Achten wir also auf „Die Zwei“.

Auch in der deutschen Mannschaft gibt es „Die Zwei“. Da haben wir zum Beispiel inzwischen zwei Damen, die für vordere Plätze, also auch für eine Medaille, gut sind, nämlich neben der bisherigen „Alleinherrscherin“ Viktoria Rebensburg plötzlich jetzt auch die 22-Jährige Kira Weidle, die vordere Plätze einfuhr. Ein gutes Omen für die Abfahrt am Sonntag, 10. Februar: Bei der Junioren-WM 2017 in Are holte Weidle Bronze. Wiederholen bitte! Bei den Herren blieben auch nur „Die Zwei“ übrig, allerdings mit Einschränkungen: Der eine ist Routinier Felix Neureuther, der mehr mit seinem Körper und Verletzungen zu kämpfen hat als mit Pisten und Konkurrenz. Er hofft, dass er noch rechtzeitig seine Form findet und vielleicht noch einmal den „Retter“ spielen kann, so wie vor zwei Jahren als er mit Bronze die einzige deutsche Medaille ergatterte. Danach könnte Schluss sein, denn bei den letzten Weltcup-Rennen sah alles nach einer Abschiedstournee des 34-Jährigen aus. Er wurde unabhängig seiner Platzierungen vom Publikum mit „Standing Ovations“ gefeiert, gemäß dem Motto, es könnte ja das letzte Mal sein, dass der beliebte Sohn von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther auf der Piste zu sehen war.

Der Zweite ist Speedfahrer Josef Ferstl, der sensationell in Kitzbühel den Super G gewann, also in die erste Reihe rückte. Dahinter tut sich eine Lücke auf, weil wieder einmal das Verletzungspech zugeschlagen hat. Vor allem Thomas Dreßen, der ebenso sensationelle Abfahrtssieger von Kitzbühel vor einem Jahr liegt ebenso flach wie der hoffnungsvolle Andreas Sander. Dagegen befinden sich die Techniker Linus Straßer, Stefan Luitz, Fritz Dopfer und Dominik Stehle in einem seltsamen Formtief. Zumindest einer von ihnen sollte doch die Nachfolge von Felix Neureuther antreten. Ob das noch gelingt?

Der Deutsche Ski-Verband befindet sich im Dilemma. Eigentlich sollte es aufwärts gehen, doch alle Bemühungen scheinen im Schnee stecken zu bleiben. Passend zur alpinen Sportart heißt es „runter geht es schnell, aber bergauf geht es langsam“. Die einst glorreichen Zeiten kommen (wenn überhaupt) so schnell nicht wieder. Dabei war Sportdirektor Wolfgang Maier vor der Saison doch so zuversichtlich: „Im Nachwuchsbereich holen wir Medaillen, also muss Substanz da sein“. Auch der neue Damen-Trainer Jürgen Graller aus Österreich konnte bis jetzt nicht helfen, dass es schnell bergauf geht, um besonders schnell den Berg runter zu kommen.

Andere Nationen haben da weniger Sorgen, sie sorgen sich höchstens darum, den Österreichern Platz eins im Medaillenspiegel streitig zu machen oder die Österreicher darum, nicht die Nummer 1 zu werden. Das würde sie ärgern. In St. Moritz 2017 holten die Österreicher neun Medaillen (3 Gold, 4 Silber, 2 Bronze) und lagen damit vor der Schweiz (7/3-2-2) und Frankreich (2/2-0-0). Der DSV lag mit einer Bronzemedaille auf Rang elf und hat vor allem ein Ziel: Nur nicht leer ausgehen. Eigentlich sollten es zwei werden…

Die nächsten interessanten Weltmeisterschaften im Winter: Nordische Ski-WM vom 20. Februar bis 3. März in Seefeld/Österreich, Biathlon-WM vom 7. bis 17. März in Östersund/Schweden.

Trauer im Handball – König Fußball regiert jetzt wieder

Der Deutsche Handball erlebte mit der Weltmeisterschaft im eigenen Land ein Wintermärchen, doch das glückliche Ende, das alle hätte strahlen lassen, blieb aus. Der wenigstens kleine Coup fehlte mit der unglücklichen, aber auch selbst verschuldeten 25:26-Niederlage gegen Frankreich im Duell um Bronze. So gab es nicht einmal eine Medaille, dafür herrschte Trauer. Es zeigte sich, dass die Mannschaft um Kapitän Uwe Gensheimer einfach noch zu unerfahren war für die internationale Spitzenklasse. Deutlich wurde das schon früher, als in der Vorrunde gegen Russland und Frankreich ein Vorsprung in den letzten Minuten verspielt wurde. Im Halbfinale gegen Norwegen und im Spiel um Bronze, als es Spitz auf Knopf stand, da wirkte auch Trainer Christian Prokop hilflos. Auch er muss sich mangelnde Erfahrung ankreiden lassen. Gefeiert wurde dagegen bei Co-Gastgeber Dänemark, das ein Märchen mit Krönung erlebte und erstmals Weltmeister wurde. Gespannt sein darf man, ob es dem Deutschen Handball-Bund gelingt, dass WM-Fieber zu einem Aufschwung und langfristigen Imagegewinn zu nutzen. Nächste Chancen aus Deutschland ein Handball-Land zu machen ergeben sich 2020 mit der Europameisterschaft und den Olympischen Spielen in Tokio, vorausgesetzt das DHB-Team qualifiziert sich jeweils.

Das Zepter wird weitergereicht, jetzt regiert wieder König Fußball. Punktgenau geht national und international der große Fußball wieder los, allerdings wird sich die Begeisterung in Deutschland zum Teil in Grenzen halten, weil die Champions League eben ganz im Bezahlfernsehen verschwunden ist. Angeblich will hier das Bundeskartellamt sogar aktiv werden.

Das Interesse an der Bundesliga hat allerdings bisher nicht gelitten, dafür sorgt die Liga mit entsprechenden Schlagzeilen. Wieder einmal Spannung an der Spitze und ein Kampf von vier Sorgenkindern am Tabellenende, dazwischen das Gerangel um die Karten für Europa, da dürfte die Spannung in diesem Jahr bis zum Ende anhalten. Und auch der Videobeweis kam erneut ins Gerede, aber die Diskussionen darüber, ob er immer richtig eingesetzt wird, werden wohl anhalten. Ein Stück mehr Gerechtigkeit bringt er, Klarheit in allen Fällen aber nicht. Bei richtiger Anwendung könnte der Vorteil sicherlich größer sein. Und ob eine Fußspitzen-Entscheidung beim Abseits die richtige Regelung ist, bleibt fraglich.

Typisches Beispiel dafür, das Aufregung provoziert wird, war eine Szene in Mönchengladbach, typisch auch, dass mit dem FC Augsburg ein Abstiegskandidat der Leidtragende war. Beim Gladbacher Führungstreffer machte zwar auch der vorher großartige Torhüter Gregor Kobel eine schlechte Figur, aber entscheidend war, dass Gladbachs Stürmer Lars Stindl im Abseits stand. Von Schiedsrichter Osmers wurde es als passiv gewertet, mit einer Fußbewegung irritierte Stindl aber sowohl Kobel als auch Verteidiger Danso auf der Torlinie, dessen Klärungsversuch deshalb fehlschlug. Der Linienrichter signalisierte Abseits, aber Herr Osmers bemühte nicht einmal den Videobeweis. Dort hätte er klar sehen können, dass das Tor nicht regelkonform gefallen ist. Die Augsburger wiesen süffisant auch darauf hin, dass Herr Osmers ja aus Hannover kommt, der Stadt eines Mitkonkurrenten. Da zeigte auch der DFB wieder einmal wenig Fingerspitzengefühl.

Für die Serie mit jetzt zehn Niederlagen sind die Augsburger allerdings in erster Linie selbst verantwortlich und es grenzt fast schon an ein Wunder, dass sie mit Rang 15 noch nicht einmal einen gefährdeten Platz belegen. Die Zeichen im Verein stehen allerdings auf Sturm, keine guten Voraussetzungen für die Zukunft. Mit der sprichwörtlichen Ruhe, die den FCA in den letzen Jahren ausgezeichnet hatte, ist es vorbei. Der Brasilianer Caiuby ließ aus seiner Heimat verlauten, dass er nicht nach Deutschland zurückkehre, der Vertrag bis 2020 ist ihm offensichtlich egal. Verteidiger Martin Hinteregger wiederum hinterfragte öffentlich den Trainer und wollte keine siegbringende Taktik erkannt haben. Coach Manuel Baum hatte sich für „Beton“ entschieden, eine gegensätzliche Ausrichtung zum normalen FCA-Spiel. Der Kalauer gilt also, „es brennt der Baum“. Die entscheidenden Tage stehen für die Augsburger bevor, zunächst am Sonntag gegen Mainz, danach im Pokal in Kiel und in der Bundesliga am 10. Februar in Bremen. Kann die Niederlagenserie nicht gestoppt werden, ist eine Entlassung des Trainers unumgänglich. Drei Siege und alles ist gut. Hoffnungsträger sind die Südkoreaner Koo und Ji, die von der Asienmeisterschaft zurückkommen, allerdings mit einem frühen Ausscheiden auch kein aufbauendes Erlebnis im Gepäck haben.

Im Abstiegskampf hat Hannover 96 jetzt zu dem Mittel gegriffen, vor dem sich Augsburg scheut: Trainer Andre Breitenreiter wurde entlassen und durch den zuletzt arbeitslosen Thomas Doll ersetzt. Der Weltenbummler macht also an der Leine Station. Er gilt als Spezialist im Abstiegskampf, gegenüber Augsburg sind vier Punkte aufzuholen. Erste Chance am Freitag gegen Leipzig, das allerdings beim 4:0 in Düsseldorf glänzte. Zweite Chance am 9. Februar wieder zu Hause gegen Mitkonkurrent Nürnberg (im Pokal ist Hannover nicht mehr dabei). Bis dahin muss das „System Doll“ sitzen. Nürnberg und Stuttgart wollen am Wochenende gegen Bremen und Freiburg die Konkurrenz unter Druck setzen. Ob es gelingt?

An der Spitze gaben sich Dortmund und die Bayern keine Blöße, aber auch die Verfolger Gladbach und Leipzig siegten. Was auffiel: Beide Spitzenteams nahmen die Abstiegskandidaten Hannover bzw. Stuttgart zunächst wohl auf die leichte Schulter und sorgten erst spät für klare Verhältnisse. Dortmund tat dies allerdings eher mit spielerischen Mitteln, bei den Bayern sah dies eher wie ein Arbeitssieg aus. Die Borussen knackten sogar einen Vereinsrekord, 48 Punkte nach 19 Spielen hatten sie noch nie, Lucien Favre ist besser als es Jürgen Klopp war. Wenn das keinen Auftrieb gibt! Vorteil Dortmund!

König Fußball aber haut die nächste Zeit auf die Pauke, mit DFB-Pokal, Champions League und Europa League beginnen im Februar die englischen Wochen. Wer redet dann noch vom Handball!