Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Lionel Messi war keine goldene Wahl

Ist doch gut, wenn der Fußball auch mal abseits der Stadien etwas zu feiern hat. Der Gala-Abend der Sportzeitschrift France Football wurde danach aber gar nicht feierlich kommentiert, sondern die Vergabe des „Ballon d’Or“, des goldenen Balls, wurde heiß diskutiert. Die Aufregung war international groß und es bleibt das Fazit: Lionel Messi als Sieger war keine goldene Wahl. Die Sympathien gelten eher dem Verlierer, dem Zweiten Robert Lewandowski.

Schon 1956 wurde die Wahl erfunden, zuerst wurde der beste Fußballer Europas geehrt, später wurde der „Ballon d’Or“ für den besten Fußballer der Welt vergeben. Zwischen 2010 und 2015 wurde die Wahl mit der Ehrung der FIFA verbunden, doch jetzt gibt es wieder zwei Ehrungen. Die FIFA zieht im Januar nach, amtierender Weltfußballer ist da Robert Lewandowski! Der Bayern-Torjäger wäre auch 2020 Favorit auf den „Ballon d’Or“ gewesen, schließlich räumte er mit den Bayern alle Pokale ab. Sein Pech, die Wahl fiel wegen Corona aus.

Diesmal wurde gefeiert und diskutiert und sogar geschimpft. Die Bild tönte von einer „Skandal-Wahl“ aber selbst die La Nacional in Argentinien, Messis Heimatland, urteilte „France Football lag falsch“ und der Telegraph in England ging noch weiter „Lewandowski wurde betrogen“. Aber auch die Experten des Spiels waren nicht einverstanden. Toni Kroos sah nicht Messi vorn, sondern seinen Mannschaftskameraden Benzema (er wurde Vierter), Trainer Jürgen Klopp (einst Coach von Lewandowski in Dortmund) hält den Polen für die bessere Wahl, wundert sich aber auch, dass sein Torjäger Mo Salah nicht mehr im Blickpunkt steht. Klopp hält ihn für den derzeit besten Spieler der Welt, der Ägypter wurde aber nur Siebter.

Lag die Jury also falsch? Man darf den Kopf schütteln, denn Messi hatte in den letzten Monaten nicht auf dem Spielfeld für Schlagzeilen gesorgt, sondern mehr durch Vertragsverhandlungen. Erst gab es Knatsch, weil er den FC Barcelona nicht verlassen durfte, dann Theater und Tränen, weil er Barca verlassen musste, weil dort das Geld fehlte. Es waren wohl Krokodilstränen des Argentiniers, denn bei Paris St. Germain stimmt die Kohle wieder. Hätte Messi bei seinem Verein des Herzens das Herz wirklich sprechen lassen und für wenig Geld dort weiter gespielt, dann hätte er ein Argument für die Wahl zum „Weltfußballer des Jahres“ geliefert. So waren die Argumente eher dünn für die Juroren (überwiegend Sportjournalisten), es blieb als Highlight allein der Gewinn der Copa America, als Messi sein Team zum Pokalgewinn führte. Lewandowski kann mit der Nationalelf von Polen keine Meriten gewinnen, aber er traf und traf bei Bayern, löschte den Rekord des großen Gerd Müller aus und war bester Torjäger Europas. Wie hat es Klopp so schön gesagt: „Die Jury hat sich wohl gedacht, einen Messi kann man immer wählen.“

In der Tat scheint sich die Jury wenig Gedanken zu machen, denn seit 2008 holten sich mit einer Ausnahme (2018 Luka Modric, Real Madrid, Kroatien) nur Rekordsieger Messi (jetzt siebenmal) und sein großer Gegenspieler Cristiano Ronaldo (6) den goldenen Ball ab. Lionel Messi, im Glitzeranzug genauso wie seine kleinen Söhne, muss wohl gespürt haben, dass seine Wahl nicht von allen gutgeheißen wird und hat versöhnliche Töne angestimmt. „Du hättest ihn genauso verdient,“ tröstete er Robert Lewandowski und forderte France Football auf, dem Bayern-Star nachträglich noch den goldenen Ball für 2020 zu verleihen, den er zweifellos gewonnen hätte. France Football meldete nun, dass man sich darüber Gedanken machen werde.

Vielleicht war sowieso ein Stück schlechtes Gewissen da, denn erstmals wurde der „Torjäger des Jahres“ geehrt, Sieger natürlich Robert Lewandowski, der also auch die große Bühne betreten durfte. Die anderen Sieger gingen natürlich ein bisschen unter, Donarumma (Paris) wurde als bester Torhüter ausgezeichnet, Chelsea London ist „Mannschaft des Jahres“, weil der Tuchel-Klub die meisten nominierten Spieler stellte. Dazu gesellte sich auch eine Frau, Alexia Putellas vom FC Barcelona bekam den goldenen Ball als beste Spielerin der Welt. Die Wahl der Frauen wurde überhaupt vom FC Barcelona dominiert. Offensichtlich macht sich da das fehlende Geld noch nicht bemerkbar.

Insgesamt zeigen die Wahl und die Diskussionen wieder einmal, dass solche Ehrungen immer ein zweischneidiges Schwert sind, es werden Äpfel mit Birnen verglichen und beim Fußball kommt noch hinzu, dass es eine Mannschaftssportart ist. Die Torjäger stehen im Mittelpunkt, aber alle anderen sind ebenso wichtig, aber sowohl Torhüter, als auch Abwehrrecken oder Mittelfeldstrategen finden selten die nötige Aufmerksamkeit. So landete Jorginho, Champions-League-Sieger mit Chelsea London und Kopf des Europameisters Italien, nur auf Rang drei. Vorher galt der Italiener brasilianischer Abstammung als Hauptkonkurrent Lewandowski bei der Wahl. Aber Lionel Messi kann man halt immer wählen… Und, ist es aufgefallen? Von deutschen Spielern war nicht die Rede und von Cristiano Ronaldo auch nicht!

Aufregende Fußball-Bundesliga liefert Corona, Chaos und Spannung

Die Corona-Pandemie hält die Welt weiter in Atem, mit der neuen Omikron-Mutation geht die Angst wieder verstärkt um und der Fußball-Bundesliga drohen logischerweise erneut Geisterspiele. Dass 50.000 Zuschauer beim Kölner Derby-Sieg gegen Mönchengladbach praktisch Karneval feierten und kaum Masken trugen, kam nicht gut an und verschlechterte das Standing der Liga in der Öffentlichkeit und bei der Politik. So sollte die DFL von sich aus Spiele ohne Zuschauer anbieten oder wenigstens ohne Gästefans (das Virus reist mit), zumal der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (als Fußball-Gegner bekannt) schon die Einstellung des Spielbetriebs gefordert hat.

Dieses Problem kommt für die Bundesliga zum ungünstigsten Zeitpunkt, denn gerade jetzt herrscht die herbeigesehnte Spannung sowohl an der Spitze als auch am Tabellenende. Am Samstag (18.30 Uhr) kommt es zum Spitzenkampf, wenn Borussia Dortmund Tabellenführer Bayern München erwartet und bei nur einem Pünktchen Rückstand bei einem Sieg die Führung übernehmen kann. Ein Geisterspiel ist aber leider wahrscheinlicher als ein volles Haus. Zur Spannung trägt bei, dass beide Kontrahenten zuletzt Rückschläge hinnehmen mussten.

Die Dortmunder schmerzte vor allem das vorzeitige Ausscheiden in der Champions League. Die 1:3-Niederlage bei Sporting Lissabon war wie ein Lawinenabgang, der alle internationalen Ambitionen der Borussia verschüttete. Das schmerzt bei den Finanzen ebenso wie im Hinblick auf die Reputation. Allerdings herrscht inzwischen wieder Hoffnung, weil quasi der Heiland erschienen ist. Er heißt Erling Haaland und meldete sich mit einem Treffer beim 3:1-Erfolg in Wolfsburg aus der Verletzungspause zurück und das nebenbei mit einem Rekord. 50 Tore in den ersten 50 Bundesliga-Spielen hatte vorher noch keiner geschafft, Rekordhalter war bisher HSV-Legende Uwe Seeler mit 44 Toren. Und Rekordjäger Robert Lewandowski? Der traf in seinen ersten 50 Spielen (damals auch für Dortmund) nur 20mal!

In Dortmund also Hoffnung nach Enttäuschung, bei den Bayern Hoffnung auf ein Ende des Chaos. Das herrscht schon seit Wochen und daran war Corona Schuld und die Diskussion um ungeimpfte Spieler. Der Höhepunkt der Chaos-Tage war aber die missglückte Jahreshauptversammlung mit der Katar-Kritik der Fans, die ein Ende des Sponsorings des WM-Ausrichters fordern. Die Bayern-Führung mit Boss Oliver Kahn und Präsident Herbert Hainer an der Spitze gab ein schlechtes Bild ab, was gar nicht zu einem gut geführten Rekordmeister passte. Sind das Zeichen eines schleichenden Niedergangs? Ehrenpräsident Uli Hoeneß war erschüttert und sprach von der „schlimmsten Versammlung, die ich je erlebt habe“. In den Tagen danach waren alle im Verein um Wiedergutmachung bemüht, die Mannschaft schaffte es hauchdünn mit einem 1:0 gegen Bielefeld. „Es war der maximale Minimalsieg“ staunte Kapitän Manuel Neuer, nachdem seine Vorderleute den Ball einfach nicht ins Tor brachten – mit Ausnahme von Leroy Sané. Auch in der Champions League hatten die Bayern nach der Niederlage in Augsburg mit dem 2:1 in Kiew sportlich wieder einen Aufwärtstrend gezeigt.

Aber die Bayern sind keineswegs in Bestform, ihnen fehlt Mittelfeldregisseur Joshua Kimmich, der jetzt an Corona erkrankt ist. Seinen Part könnte ausgerechnet im Spitzenkampf Talent Jamal Musiala einnehmen, der sich in den letzten siegreichen Spielen empfohlen hat und das goldene Tor gegen Bielefeld einleitete. Außerdem können die Bayern durch die Statistik Selbstvertrauen tanken, in der Gesamtbilanz liegen sie gegen Dortmund mit 65:33 Siegen (bei 30 Remis) vorn, die Borussia ist zwar in der Heimbilanz knapp besser (23:22 Siege/19 Remis), aber die letzten drei Spiele in Dortmund gewannen die Münchner, zuletzt 3:1 im August im Supercup und 3:2 in der Bundesliga (zu Hause dann 4:2). Spannung also vor dem Spitzenspiel, auch wenn beide derzeit nicht spitze spielen.

Direkte Duelle im Abstiegskampf

Von oben nach unten, auch der Abstiegskampf hat es in sich, vor allem im Endspurt der Vorrunde bis Weihnachten. Möglich, dass sich diese dann entscheidenden Duelle am Saisonende wiederholen, wenn einige Klubs sich nicht vom Tabellenende lösen können. Die erste Trainer-Entlassung gab es zudem auch, bei der Hertha war man mit der Geduld mit dem sympathischen Pal Dardai am Ende. Letzte Saison war er der Held im Abstiegskampf, als er die Hertha gerettet hat, aber jetzt der ambitionierte Klub wieder unten. In den letzten vier Spielen gerade mal zwei Punkte, vom Tabellenende nicht weit entfernt und beim 1:1 gegen Augsburg nicht überzeugend gespielt. Jetzt soll es Tayfun Korkut richten, der von Februar 2015 bis Juni 2019 beim VfB Stuttgart arbeitete, den Kampf um den Klassenerhalt erfolgreich bestritt, danach aber auch nicht mehr erfolgreich war. Sein Vertrag geht bis zum Saisonende und die erste Aufgabe ist brisant: Am Sonntag (15.30 Uhr) in Stuttgart!

Die Augsburger feierten das 1:1 in buchstäblich letzter Sekunde wie einen Sieg und sie hatten ihn verdient, zumal Trainer Markus Weinzierl ohne seine drei Stamm-Innenverteidiger auskommen musste. Das soll erst mal einer verkraften! Da hatte sich Hertha-Boss Bobic halt einen Sieg ausgerechnet und Dardai nicht geliefert. Für den FCA steht das nächste wichtige Spiel gegen Bochum an, verliert der Neuling, steht er wieder mitten drin im Abstiegskampf. Auch der 1. FC Köln sollte seinen Derby-Sieg nicht zu ausgiebig feiern, er spielt in den Duellen am Tabellenende eine große Rolle und könnte unten mit reingezogen werden. Zunächst geht es nach Bielefeld, dann ist der FCA der Gegner und Stuttgart kommt auch noch. Hertha hat danach Bielefeld, Mainz und Dortmund als Aufgaben und der FCA muss noch nach Fürth. Für alle gilt: Es müssen Punkte her.

Auf Europas Bühne gab es für die Bundesligisten Licht und Schatten, vor allem Dortmund geriet wie gesagt in einen Sturm und muss sich nächstes Jahr in der Europa League schadlos halten. Bayern München machte den Gruppensieg perfekt, das gelang auch Bayer Leverkusen in der EL, was den Vorteil hat, dass die Werkself nicht in die Play-Offs muss und gleich im Achtelfinale steht. Der Aufwärtstrend setzte sich in der Bundesliga in Leipzig fort und wurde mit Rang drei belohnt. Erster Verfolger des Spitzenduos also, aber mit immerhin sechs Punkten Rückstand. Leipzig hingegen brillierte in Brügge, hofft wieder zumindest auf die Europa League, kommt national aber nicht voran. Wolfsburg und Union Berlin haben vor dem letzten Europa-Spieltag immerhin ihre Chancen aufs Weiterkommen intakt gehalten.

Rangnick Trainer bei ManU

Die größten Schlagzeilen international machte in den letzten Tagen Trainer Ralf Rangnick. Wie am Montag offiziell bestätigt wurde, löst er bei Manchester United den vergangene Woche entlassenen Held vergangener Tage, Ole Gunnar Solskjaer, als Trainer ab. Rangnick war zuletzt Sportdirektor bei Lokomotive Moskau, erhält einen Vertrag bis Saisonende und bleibt anschließend Berater. Beim 1:1 am Wochenende gegen Chelsea London war er noch nicht auf der Bank, doch Beobachter glauben, dass er seine Finger schon im Spiel hatte und Star Cristiano Ronaldo deswegen auf der Bank saß! Begründung: Er arbeitet zu wenig und passt nicht ins System. Das wird interessant!

Interessant war auch die Auslosung für die Play-Offs der WM-Qualifikation. Sie war sogar der Hammer, denn die drei Nationen mit den größten Hoffnungen, Italien, Portugal und Türkei, wurden in eine Gruppe gezogen, so dass nur einer das Ticket für Katar 2022 lösen kann! Italien trifft zunächst auf Nordmazedonien, Portugal hat Heimrecht gegen die Türkei mit Trainer Stefan Kuntz, der sichtbar erschüttert war. Österreich, als Gruppensieger der Nations League mit im Topf, hat dagegen fast ein Glückslos, die Aufgaben in Wales bzw. eventuell im Finale mit Heimrecht gegen den Sieger aus Schottland – Ukraine könnten lösbar sein. Außerdem duellieren sich Rußland und Polen (Sieger hat Heimrecht im Finale) bzw. Schweden und Tschechien. Gespielt wird im März 2022.

Wintersport-Könige kämpfen um die Krone

Früher waren vor allem alpine Skirennen und Skispringen die Quoten-Hits bei den deutschen Fernsehzuschauern, die Sportarten waren populär, die Protagonisten wurden zu Stars. In den letzten Jahren hatte ihnen allerdings Biathlon den Rang abgelaufen. Das Zusammenspiel von Rennen und Schießen lockte vor den Bildschirm, es war spannend und die Deutschen Läuferinnen und Läufer auch noch erfolgreich. Das ist der Mix, der ankommt. Doch es gibt immer ein Auf und Ab und beim Biathlon geht es jetzt offensichtlich abwärts. Die Wintersport-Könige kämpfen um ihre Krone und wenn am Wochenende in Östersund in Schweden der Weltcup- und Olympia-Winter beginnt, ist vorab von Siegen eigentlich kaum die Rede. Ob da die Zuschauer treu bleiben?

Was die Stars angeht, so hat die Sportart für die deutschen Fernsehfans doppelt Pech. Es haben nicht nur nationale Stars wie Magdalena Neuner oder Laura Dahlmeier bzw. aktuell bei den Herren Simon Schempp und Arnd Peiffer aufgehört, auch internationale beliebte Aushängeschilder wie einst Magdalena Forsberg (Schweden/die erfolgreichste Biathlin überhaupt), Ole Einar Björndalen (Norwegen) oder Martin Fourcade (Frankreich) fehlen zudem. Insofern ist es spannend vor der Saison, in welche Richtung Biathlon für die deutschen Zuschauer geht. Bernd Eisenbichler, Biathlon-Sportdirektor im Deutschen Ski-Verband ist sich allerdings sicher, „dass wir einige in der Mannschaft haben, die zur Weltspitze gehören und vorne mitlaufen können“. Die Hoffnungsträger sind Franziska Preuß und Denise Herrmann bei den Frauen sowie Benedikt Doll und Erik Lesser bei den Herren.

So ganz schlecht war die deutsche Mannschaft in der vergangenen Saison ja nicht. Bei Frauen und Männern belegte das DSV-Team in der Nationen-Wertung Rang drei, die Mädels hinter Norwegen und Schweden, die Männer hinter Norwegen und Frankreich. Damit wird schon deutlich, Norrwegen ist das Maß aller Dinge, vor allem bei den Männern. Da gilt es den überragenden Weltcupsieger Johannes Thingnes Bö zu schlagen, ihm am nächsten kommt das Talent aus dem eigenen Team, Sterla Holm Laegreid, aber unter den besten fünf im Weltcup waren mit Bö-Bruder Tarje und Johannes Dale insgesamt vier Norweger! Mittendrin als Dritter der Franzose Quentin Maillet Fillon, wie überhaupt die Norweger als Mannschaft wohl nur die Franzosen fürchten müssen. Da ist es bei den Frauen ausgeglichener. Im Vorjahr siegte Tiril Eckhoff (Norwegen) vor Landsmännin Marte Olsbu Röiseland und Franziska Preuß, aber auch die Nächstplatzierten Hanna Öberg (Schweden) und Dorothea Wierer (Italien) kommen für den Gesamtsieg in Frage. Und Deutschland? Da setzt Bernd Eisenbichler zum Beispiel bei Olympia auf die Staffeln: „Da wollen wir Medaillen gewinnen“. Mannschaftlich stark und ab und zu ein Podestplatz, das ist die Hoffnung für die neue Weltcupsaison.

Die deutschen Biathlon-Fans werden sich auch an neue Namen gewöhnen müssen. Bei den Frauen haben die Routiniers Maren Hammerschmidt (32), Franziska Hildebrand (34) und Karolin Horchler (35) nicht den Sprung ins Weltcupteam geschafft, sie müssen erst einmal im zweitklassigen IBU-Cup starten. Dort war im Vorjahr Vanessa Voigt Gesamtsieger und deshalb hat sie bei den ersten Rennen in Östersund ein persönliches Startrecht. Außerdem wurden Janina Hettich, Vanessa Hinz, Juliane Frühwirth und Anna Weidel neben Preuß und Herrmann nominiert. Insgesamt gilt in der deutschen Mannschaft, dass die Ausgewogenheit zwischen Laufen und Schießen fehlt. Die einen sind schnell in der Loipe, schießen aber schlecht und die, die gut treffen, die rennen dann hinterher. Die Trainer sollten wissen, wo sie ansetzen müssen.

Ähnlich ist es bei den Männern, wo eben Doll und Lesser die Leitwölfe sind. Es wird schon schwierig eine starke Staffel zu bilden, zu groß sind die Leistungsschwankungen der Leute dahinter. Philipp Nawrath, Roman Rees und Johannes Kühn müssen sich diesbezüglich steigern, die Talente Philipp Horn und Justus Strelow dürfen sich beweisen.

Insgesamt neun Weltcup-Stationen gibt es in diesem Winter, im Mittelpunkt stehen natürlich die Olympischen Winterspiele mit Rennen vom 5. bis 19. Februar in Peking. Für alle sind es unbekannte Strecken. Auch im Weltcup gibt es mit Otepää in Estland (im März) einen neuen Austragungsort. Nach Östersund heißt es vor Weihnachten auf nach Hochfilzen und Amecy-Le Grand, im neuen Jahr geht es in Deutschland weiter mit Oberhof und Ruhpolding, danach folgen Antholz und nach Peking Kontiolahti, Otepää und das Finale in Oslo. Angesichts der Corona-Pandemie ist noch nicht sicher, ob überall Zuschauer an der Strecken stehen können (in Östersund ist es der Fall, in Hochfilzen danach nicht), aber der internationale Verband ist zuversichtlich, dass der Terminplan im Gegensatz zum Vorjahr eingehalten werden kann, es sei denn, das Wetter macht dann plötzlich den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung und nicht Corona. Allerdings können Infektionen und Quarantäne das Feld durcheinander wirbeln. Angeblich sind aber etwa 80 Prozent der Biathletinnen und Biathleten geimpft.

Nicht nur sportlich gibt es also Unwägbarkeiten. Aber Hoffnung gibt es, so wie bei Denise Herrmann, die ankündigt, „ich werde es erst mal langsam angehen lassen, um bei Olympia in Bestform zu sein.“ Da drücken die deutschen Fans bestimmt die Daumen.

Corona bringt die Bayern aus dem Tritt – Wenn der Unter den Ober sticht

Davon träumen die Klubs der Bundesliga vor den Duellen mit dem Rekordmeister, dass sie selbst einen Sahnetag haben, die Bayern aber einen ihrer seltenen schlechten Tage. Der FC Augsburg durfte am Freitag jubeln und sich über seine beste Leistung in dieser Saison freuen. Die Bayern dagegen waren beim 1:2 sichtbar nicht in Form, aber nicht der FCA war der Hauptschuldige, sondern die Pandemie: Corona bringt die Bayern sichtbar aus dem Tritt.

„Die Niederlage können wir verschmerzen“, heißt es trotzig in München, obwohl Verfolger Borussia Dortmund mit dem mühsamen 2:1 gegen Stuttgart bis auf einen Punkt herangerückt ist (am 4. Dezember gibt es das direkte Duell). Was den Bayern Sorgen macht, ist das innerbetriebliche Klima. Aus Sonnenschein wurden Nebeltage, die Debatte um ungeimpfte Spieler in der Corona-Pandemie, um Erkrankungen und Quarantäne hat den Verein erschüttert und das bleibt auch auf dem Feld nicht außen vor. Im Mittelpunkt steht Joshua Kimmich, der jetzt schon zwei Wochen nicht gespielt und trainiert hat und als Mittelfeldmotor fehlte, zumal Vertreter Sabitzer einen ausgesprochen schlechten Tag erwischt hatte. Der FCA freute sich. Die Statistik beweist, ohne Kimmich holen die Bayern weniger Punkte.

Brisanter ist aber die Weigerung von gleich fünf Spielern, sich nicht impfen zu lassen. So mussten neben den zwar geimpften, aber dennoch infizierten Süle und Stanisic, neben Kimmich auch Gnabry, Musiala, Choupo-Moting und Cuisance erneut in Quarantäne. Die Bayern-Bosse haben aber gehandelt: Wer sich als ungeimpfter Spieler in Quarantäne begeben muss, dem wird das Gehalt entsprechend gekürzt. Bei Kimmich sollen bis jetzt rund 700.000 Euro eingespart worden sein. Rechtlich soll diese Maßnahme abgesichert sein, auch andere Arbeitgeber haben diese Sanktion bereits ergriffen. Die Bayern haben nun auch das Problem, dass sie nur mit einer Rumpftruppe am Dienstag in der Champions League in Kiew antreten können. Allerdings sind die Münchner bereits für das Achtelfinale qualifiziert.

Aber nicht nur der Meister leidet unter Corona-Problemen, eigentlich ganz Deutschland und damit auch der Sport allgemein. Wieder gibt es Einschränkungen, Absagen, Proteste und Geisterspiele, was von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gehandhabt wird. Einen darüber hinaus außergewöhnlichen, wohl sogar kriminellen Fall gab es in Bremen, wo Werder-Trainer Markus Anfang beschuldigt wird, seinen Impfpass gefälscht zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat belastende Beweise und erhob Anklage, der Trainer sowie sein ebenfalls beschuldigter Assistent traten zurück. Werder hat im Kampf um den Wiederaufstieg ein Problem mehr.

Zurück zum Sport. In der Bundesliga gab es am vergangenen Wochenende eine seltsame Konstellation: Die neun Teams der oberen Tabellenhälfte duellierten sich mit den neun der unteren Region. Diesen Zufall gab es in der BL-Geschichte bisher zehnmal, zuletzt am 2. Spieltag 2013/14. Damals hatte das Oberhaus deutlicher triumphiert als diesmal, mit fünf Siegen, drei Niederlagen und einem Remis. Diesmal gab es nur vier Siege (Dortmund, Leverkusen, Gladbach, Union im Derby), zwei Unentschieden und Bayern, Leipzig sowie Freiburg mussten erleben, wie der Unter den Ober sticht. Das tut immer besonders weh. Das Unterhaus wehrte sich kräftig, Dortmund und Leverkusen mussten zittern, für Bielefeld und Köln waren die Remis eher unglücklich. Besonders weh taten die Niederlagen neben den Bayern auch Freiburg, das mit dem 0:2 gegen Frankfurt erstmals im neuen Stadion verlor und nach zehn ungeschlagenen Spielen jetzt zweimal in Folge unterlag. Umgekehrt die Eintracht, mit drei Siegen in Folge verabschiedete sie sich vom Abstiegskampf. Da sind die Augsburger noch mittendrin, allerdings haben sie mit dem Sensationssieg über die Bayern die Abstiegsränge verlassen. Doch nun warten weitere Anstrengungen, erstens der Kampf gegen den Bayern-Fluch (wer gegen die Bayern gewinnt, verliert die nächsten Spiele), was tragisch wäre, weil zweitens jetzt wichtige Spiele gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf anstehen, Hertha, Bochum und Köln sind die nächsten Gegner.

Vier sind schon weiter

In dieser Woche ruft Europa, zwei Runden stehen in diesem Jahr noch an. In der Champions League sind vier Teams bereits weiter, nämlich Liverpool (Gruppe B), Ajax Amsterdam (C), München (H) und Juventus Turin (J). Die Bayern können also trotz Ausfälle gelassen nach Kiew fliegen, doch es geht auch um Platz eins. Da duellieren sich am Mittwoch in der Gruppe A vor allem die beiden Scheich-Klubs Manchester City (9 Punkte) und Paris St. Germain (8). Im Hinspiel siegte Paris mit 2:0, der Verlierer wird ein gefürchteter Zweiter für einen Gruppensieger. RB Leipzig ist in dieser Gruppe bereits ausgeschieden. Für Dortmund steht dagegen ein echtes Endspiel an, nämlich beim punktgleichen Sporting Lissabon (beide 5) in der Gruppe C. Der VfL Wolfsburg steht in der Gruppe G sogar vor zwei Endspielen, erst beim FC Sevilla (zwei Punkte voraus) und am 8. Dezember gegen das derzeit punktgleiche Lille. Es ist die einzige Gruppe, in der alle vier Mannschaften noch Chancen haben. RB Salzburg ist der Vierte im Bunde und in Lille haben die Bullen die letzte Chance aufs Weiterkommen.

Apropos Champions League, da landeten die Bayern-Frauen am Mittwoch einen fast schon historischen Erfolg gegen Olympique Lyon, das bisher für die deutschen Teams schier unschlagbar war. Ausgerechnet die Japanerin Kumagei erzielte den Siegtreffer zum 1:0, sie war zuletzt die Stütze in Lyon. So öffneten die Bayern die Tür zum Viertelfinale, während der VfL Wolfsburg nach dem 0:2 gegen Juventus Turin als Dritter hinter Chelsea und Turin zittern muss und Hoffenheim nach dem 0:5 gegen Barcelona kaum noch Chancen hat. Auch in der Bundesliga verlor Hoffenheim mit dem 3:3 in Potsdam an Boden. Wolfsburg (5:1 gegen Essen) und die Bayern (3:0) gegen Jena ließen nichts anbrennen und führen die Bundesliga an. Jetzt gibt es aber erst einmal wieder eine Länderspielpause, zwei WM-Qualifikationsspiele gegen die Türkei (Freitag) und in Portugal (Dienstag) stehen an. Deutschlands Frauen wollen dabei ungeschlagen bleiben.

Auf dem Weg nach Katar

Apropos WM-Qualifikation, da gibt es in dieser Woche einen wichtigen Termin bei den Männern für die WM 2022 in Katar. Am Freitag, 26. November, werden die Play-Offs ausgelost. Die sechs besten Gruppenzweiten (Portugal, Schottland, Italien, Russland, Schweden, Wales) sind gesetzt und treffen im Halbfinale auf einen ungesetzten Zweiten (Türkei, Polen, Nordmazedonien, Ukraine) oder Österreich oder Tschechien, die sich über die Nations League qualifiziert haben. Die sechs Sieger spielen danach in Finals die drei Tickets für Katar aus. Gespielt wird im März, für die WM qualifiziert sind bisher Gastgeber Katar, Deutschland, Belgien, Dänemark, England, Frankreich, Kroatien, Niederlande, Schweiz, Serbien, Spanien, Brasilien und Argentinien. In einem Jahr wird um diese Zeit in Katar bereits gespielt…

Der Olympia-Winter ist da: Mit Frust und Lust nach Peking

Es sind keine 100 Tage mehr bis zum Start der Olympischen Winterspiele 2022. Vom 4. bis 20. Februar wird in Peking und Umgebung um Medaillen gekämpft, doch die Grundlagen für einen möglichen Erfolg müssen bereits im Sommer oder jetzt in den verschiedenen Weltcup-Wettbewerben gelegt werden. Es wird ernst, nach einigen Vorgeplänkeln kann man sagen, der Olympia-Winter ist da, der Wintersport rückt wieder in den Mittelpunkt, die Athleten blicken aber mit Frust und Lust nach Peking.

Frust deshalb, weil kaum jemand mit Begeisterung nach Peking reist, wo wegen der Corona-Pandemie strikte Vorsichtsmaßnahmen gelten und Kontakte auf ein Minimum reduziert werden, andererseits aber zudem, weil die Diskussionen um die mangelnde Beachtung der Menschenrechte in China natürlich geführt werden müssen und für eine ablehnende Stimmung sorgen. Auf der anderen Seite bleibt natürlich die Lust auf Olympia bestehen, Olympische Spiele sind nun einmal der absolute Höhepunkt in einem Sportlerleben. Allerdings hat das IOC zuletzt wenig Rücksicht darauf genommen, dass die Athleten auch in einem demokratischen Umfeld antreten können bzw. in einem Land, das den Wintersport auch liebt. Skispringer Andreas Wellinger bringt es auf den Punkt, der sich nach Sotschi in Russland 2014, Pyeongchang in Südkorea 2018 (Gold und zweimal Silber) jetzt auch für Peking qualifizieren will: „Wenn ich mich qualifizieren würde, wären es meine dritten Olympischen Spiele und zum dritten Mal in einem Land, in dem die Wintersporttradition überschaubar ist. Es ist sehr schade und traurig, dass nicht mehr der Sport im Mittelpunkt steht.“

Zunächst also geht es um die Qualifikation, bei allen Wettbewerben leuchten im Hintergrund die Olympischen Ringe. Die Kriterien für die Nominierung haben sich im deutschen Team nicht geändert, einmal unter den besten Acht oder zweimal unter den besten Fünfzehn sind die erste Voraussetzung für das Flugticket, darüber hinaus stellen natürlich die Trainer die Mannschaft auf. Eigentlich bedeutet das, dass alle Frauen und Männer von der ersten Minute an in Form sein sollten, andererseits muss aber auch auf den Formaufbau geachtet werden, denn die Bestform soll schließlich in Peking erreicht werden. Dies kommt der Quadratur eines Kreises gleich, ist aber seit Jahren das Problem der Spitzensportler. In Südkorea war das Ergebnis mit 14 Goldmedaillen am Ende beachtlich. Lässt sich das in Peking wiederholen?

Es wäre zu früh, auf die Medaillenchancen einzugehen, aber ein kurzer Überblick kann nicht schaden. Eins ist sicher, der Eiskanal mit Rodeln, Bob und Skeleton soll zur Goldgrube werden. Vor allem Bobpilot Franceso Friedrich beherrschte in den vergangenen Jahren die Konkurrenz und er schürt bereits wieder die Hoffnung nach Testrennen auf der als schwierig bezeichneten, außergewöhnlichen Olympia-Bahn: „Ich habe ein gutes Gefühl.“ Er gewann die ersten Testrennen und vermutet: „Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass es bei Olympia keiner schafft, in allen vier Läufen komplett sauber runterzufahren.“ Auch die Rodler werden ihre Probleme haben, Olympiasieger Natalie Geisenberger klagte bei den Tests aber über die Bedingungen mit Abschottung und schlechtem Essen sowie wenig gemeinsamen Aktivitäten, was alles sportliche Bestleistungen erschwert. Zunächst wollen alle aber in den Weltcups erfolgreich sein und den Gegnern das Fürchten lehren. Vor Peking wissen wir mehr.

Ansonsten ist auf dem Eis nichts los, Medaillenaussichten erhoffen sich allein die Eishockey-Cracks, die sich im Aufwind befinden, eher unter einem skandalumwitterten Präsidenten leiden. Ansonsten sorgt höchstens die Eisschnelllauf-Oma (oder Zicke, wie man will) Claudia Pechstein für Schlagzeilen, die auch mit 49 Jahren nichts ans Aufhören denkt und in Deutschland immer noch Spitze ist – traurig genug. International läuft sie hinterher, beim ersten Weltcuprennen wurde sie Letzte.

Auf dem Schnee sieht es besser aus, vor allem die Könige der Lüfte machen sich Hoffnungen. Die Skispringer haben zweifellos eine starke Mannschaft, mit den „Vorspringern“ Karl Geiger und Markus Eisenbichler. Da ist nicht einmal mehr für den alten Recken Richard Freitag Platz. Am Wochenende geht es im russischen Nischni Tagil los, da werden erstmals die Karten aufgedeckt. Geiger war schon auf den Sommerschanzen mit vorn dabei. Die Skispringer haben aber vor Olympia zunächst die Vierschanzen-Tournee im Auge und träumen davon, dass endlich 20 Jahre nach Sven Hannawald wieder ein Deutscher die Tournee gewinnt. Der Tourneesieg ist für sie genauso wertvoll wie ein Olympiasieg. Die Frauen versuchen den Anschluss an die Spitze zu halten. Die Nordisch Kombinierer haben im Winter wieder die Norweger mit dem überragenden Jarl Magnus Riiber vor der Nase. Die Asse Vinzenz Geiger, Eric Frenzel und Fabian Rießle müssen sich vor allem im Springen verbessern, um Gold und Weltcup-Siege zu holen. In der Loipe darf man von Frauen und Männern nicht viel erwarten. Da ist eher der nächste Olympia-Winter 2026 im Visier.

Die alpine Mannschaft hat dagegen durchaus einige heiße Eisen im Feuer, die vorne mitfahren können. Ein bisschen mager vielleicht bei den Damen, wo allein die Speedläuferin Kira Weidle vorne mitfahren kann, während die Männer sowohl in den schnellen als auch in den technischen Diszplinen Chancen auf vordere Plätze haben, allerdings selten wirklich zu den Favoriten gehören. Thomas Dreßen, Andreas Sander oder Romed Baumann haben schon positiv überrascht, aber auch Linus und Stefan Luitz können durchaus vorne mitfahren.

Der Olympia-Winter ist da, deutsche Überraschungen sollen möglichst folgen. Über das, was sich im Biathlon tut, nächste Woche mehr. Es ist noch immer die beliebteste Winter-Disziplin, wenn man nach den TV-Einschaltquoten geht. Doch bleibt das so? Am 27. November geht es in Östersund/Schweden los.

Sieben auf einen Hansi Flick

Fast genau in einem Jahr beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Am Montag, den 21. November, startet um 13.00 Uhr Ortszeit (11.00 Uhr MEZ) in Doha das Eröffnungsspiel mit der Mannschaft des Gastgebers. Wer der Gegner sein wird, entscheidet sich ausgerechnet am 1. April, doch einen Aprilscherz wird es bei der Gruppenauslosung in Doha nicht geben. Neun von 32 Nationen haben Stand jetzt das Ticket für Doha bereits gelöst, neben dem Gastgeber sind dies Deutschland, Dänemark, Frankreich, Belgien, Kroatien, Serbien, Spanien und Brasilien. Einige davon haben das Zeug, am Sonntag, 18. Dezember, auch im Finale zu stehen. Gehört Deutschland dazu?

Die Stimmung im Land ist gegenüber der Fußball-Nationalmannschaft wieder positiv. „Sieben auf einen Streich“ sorgen für Optimismus. Es war nicht das tapfere Schneiderlein, das im Märchen sieben Fliegen auf einen Schlag erledigte, sondern es muss hier heißen „Sieben auf einen Hansi Flick“, der mit sieben Siegen in Folge für einen neuen Startrekord als Bundestrainer sorgte. Doch die Gegner waren nicht von dem Kaliber der qualifizierten Nationen, sondern sie hießen Liechtenstein (2:0 und 9:0), Armenien (6:0 und 4:1), Island (4:0), Rumänien (2:1) und Nordmazedonien (4:0). Deutschland hatte in der WM-Qualifikation die vielleicht leichteste Gruppe erwischt. Deshalb dämpft sogar der Bundestrainer selbst die Euphorie: „Wie stark die Mannschaft wirklich ist, wird sich erst gegen die starken Nationen zeigen.“ Fragezeichen bleiben, die Hoffnung lebt.

Das Verdienst von Hansi Flick ist, dass er der Mannschaft von Anfang eine eigene Handschrift verliehen hat. Er sorgte für neue Motivation nach dem Motto „Verlieren verboten“. Pressing, den Gegner unter Druck setzen, schnelles Spiel nach vorn, kein Zögern. So konnte das DFB-Team wieder begeistern, zumal Flick auch in der Besetzung für neuen Schwung sorgte. Die richtigen Tests vor der Weltmeisterschaft werden zwei Länderspiele im März sein (Länderspielpause vom 24. bis 29. März für die WM-Play-Offs), wo England, Südafrika oder Griechenland als Gegner in Frage kommen, oder eben die Nations League, die vor der WM 2022 ausgetragen und am 16. Dezember ausgelost wird.

Die Mannschaft hat sich unter Hansi Flick gegenüber seinem Vorgänger Jogi Löw verändert. Fest dabei und ein wichtiger Baustein ist wieder Thomas Müller. Neben Stammspielern wie Neuer, Süle, Rüdiger, Kimmich, Goretzka, Gnabry und Sané haben sich vor allem vielseitige Spieler wie Thilo Kehrer und Jonas Hofmann in den Vordergrund gespielt. Ihre Plätze sicher haben ter Stegen, Gündogan, Reus, Havertz, Werner, Ginter sowie die Talente Wirtz und Musiala, die wohl WM-Luft schnuppern dürfen, aber auch bewiesen haben, dass sie notfalls Schwung in den Laden bringen. Die Tür ist aber für keinen zu, Hansi Flick hat ja versprochen, dass er nach aktueller Leistung aufstellt, was dann wohl auch für den WM-Kader gilt. Ob das DFB-Team wirklich wieder zu Deutschlands Lieblingsmannschaft werden kann, wird sich erst bei der WM zeigen. Flick ist zumindest zuversichtlich und lobt: „Wie die Mannschaft mit Spaß und Freude miteinander umgeht und dies auch auf den Platz bringt, das ist schon klasse.“

Angst vor Corona in der Bundesliga

Für den Rest des Jahres stehen die Vereine wieder im Mittelpunkt, am kommenden Wochenende geht es wieder um die Bundesliga. Titelverteidiger Bayern München eröffnet den Neustart am Freitag in Augsburg und er hat die typischen Sorgen. Die Bundesliga hat Angst vor Corona. Eine sorgenfreie Durchführung der Punktrunde ist in Frage gestellt. Immer wieder fallen Spieler wegen Covid-19-Erkrankungen aus und Mitspieler müssen zudem in Quarantäne, der Kader wird ausgedünnt. Spielabsagen können noch folgen. Zudem ist offensichtlich, dass die Angst vor Corona auch die Fans beschäftigt, die Klubs müssen um die Zuschauer kämpfen. Bayern hofft für Freitag auf die Spieler, die in Quarantäne mussten, nämlich Süle, Kimmich, Gnabry, Musiala und Choupo-Moting. Das Ergebnis der neuesten Tests steht noch aus. Fehlen sie, wäre es eine wesentliche Schwächung.

Vor der Länderspielpause gab es allerdings einen Spieltag ganz nach dem Geschmack der Münchner, die ihren Vorsprung vor Dortmund auf vier Punkte ausbauen konnten. Dieses Polster soll nicht so schnell schmelzen. Dortmund leidet weiter unter Ausfällen und trifft auf den stärksten Leidensgenossen diesbezüglich, nämlich auf den VfB Stuttgart, der dadurch in den Abstiegssog gezogen wurde. Gefährlich wird es dann, wenn Schlusslicht Fürth (in Gladbach, wartet noch auf den ersten Sieg), Bielefeld (gegen Wolfsburg) und Augsburg punkten (dort ist noch Manager Stefan Reuter in Quarantäne). Für die Teams, die auch in Europa beschäftigt sind, steht keine ruhige, sondern eine stressreiche Vorweihnachtszeit an, zumal es am 14./15. Dezember noch einen Wochenspieltag gibt.

Spannung bei den Frauen

Die Öffentlichkeit schaut bei Bayern München immer fasziniert auf die Siegesserie der Fußball-Profis, aber auch andere Bayern-Mannschaften sorgen für Erfolge und Titel. Jetzt hat der Verein allerdings ein Wochenende anderer Art hinter sich: Die Frauen haben mit einer Niederlagenserie zu kämpfen und verloren die Tabellenführung in der Bundesliga, die Bayern II wurde ebenfalls von Platz eins der Regionalliga Bayern gestürzt und die Basketballer flogen überraschend gegen Nobody Chemnitz aus dem Pokal (das haben sie mit den Fußballern gemeinsam).

Aber vor allem für die Frauen kommen die letzten Niederlagen in Lyon in der Champions League und in der Punktrunde gegen Verfolger Wolfsburg sehr ungelegen. Die Frauen-Bundesliga allerdings wird zum Vorbild, nachdem Hoffenheim gegen Leverkusen triumphierte (7:1), liegen jetzt die ersten fünf Mannschaften (Wolfsburg, Hoffenheim, Bayern, Frankfurt, Potsdam) nur einen Zähler auseinander. Die Bayern rutschten sogar auf Rang drei ab. Sie wurden beim 0:1 gegen Wolfsburg vor allem von der Nationaltorhüterin Almuth Schult gestoppt, die nach Verletzungs- und Babypause (Zwillinge) offensichtlich wieder ihre alte Form gefunden hat und sensationell hielt (und das vor den Augen der Bundestrainerin). Die Bayern hatten die besseren Chancen und unterlagen ähnlich unglücklich wie in Lyon (1:2 kurz vor Schluss). Am Mittwoch steht bereits wieder das Rückspiel gegen Lyon an, die Niederlagenserie könnte also weitergehen. Die Mannschaft hat strapazenreiche Wochen hinter sich, könnte sein, dass jetzt ein pschologischer Knacks dazu kommt. Sorgen, die man eigentlich bei Bayern München nicht kennt. Vielleicht ist dann der noch sieglose Bundesliga-Vorletzte Jena am Sonntag der richtige Aufbaugegner…

Endspurt: Alle wollen nach Katar

Es ist schon seltsam, das Emirat Katar in Vorderasien mit seinen 2,7 Millionen Einwohnern wird weltweit kritisiert für seine Menschenrechtsverletzungen und getadelt für Umweltvergehen. Katar will sich aber schon lange in der Welt als moderner Staat präsentieren und hat für eine bessere Reputation den Sport gewählt. Zahlreiche Weltmeisterschaften wurden bereits in die Hauptstadt Doha vergeben und als Höhepunkt steht die Fußball-Weltmeisterschaft vom 21. November bis 18. Dezember 2022 an. Vor allem in Europa wurde die Vergabe kritisiert, nicht nur, weil wohl Schmiergelder an die FIFA-Funktionäre geflossen sind, sondern vor allem, weil es die klimatischen Bedingungen notwendig machen, die WM im Winter auszutragen. Ab Donnerstag beginnt in Europa der Endspurt der Qualifikation für die Weltmeisterschaft und plötzlich wollen alle nach Katar. Keiner will zu Hause bleiben. Qualifiziert sind die Erstplatzierten der zehn Gruppen, die Zweitplatzierten kämpfen mit zwei Glücklichen aus der Nations League um die restlichen drei Fahrkarten.

Nach Katar fliegen werden auf jeden Deutschland und Dänemark, die sich als erste Nationen bereits qualifiziert haben und die ihre restlichen Qualifikationsspiele als Tests bestreiten können. Aber es gibt auch noch einige interessante Endkämpfe, es können sogar Endspiele werden, wenn sich die Bewerber direkt gegenüber stehen. So Spanien (13 Punkte) und Schweden (15) in der Gruppe B am Sonntag (beide sind noch Donnerstag im Einsatz), Italien und die Schweiz (beide 14) in der Gruppe C am Freitag, die Niederlande (19) und Norwegen (17) am Dienstag, 16.11., in der Gruppe G und Kroatien (17) und Russland (19) am Sonntag in der Gruppe H. So eine WM-Qualifikation kann also doch ganz interessant sein, auch wenn man erst nach Katar muss und dann will. In den restlichen Gruppen duellieren sich Serbien (17) und Portugal (16) in der Gruppe A, Frankreich (12) und die Ukraine (9) in der Gruppe D, Belgien (16) und Tschechien sowie Wales (beide 11) in der Gruppe E und England (20) und Polen (17) in der Gruppe I).

Um die umstrittene Nations League aufzuwerten, gibt es dort Startplätze für die Play-Offs für die Nationen, die Gruppensieger wurden, sich aber nicht direkt qualifiziert haben. Gute Aussichten hat dabei Österreich als Vierter der Gruppe F, aber auch Wales und Tschechien und eventuell sogar die Türkei hoffen aus diese Hintertür, durch die sie noch nach Katar kommen könnten. Dafür müssen 12 Nationen aber Zusatzaufgaben lösen, drei bekommen wie gesagt das Ticket.

Für Deutschland und Bundestrainer Hansi Flick ist der Endspurt eher ein Freizeitvergnügen. Der Coach hat für die letzten Spiele gegen Liechtenstein am Donnerstag in Wolfsburg und am Sonntag in Armenien ein großes Aufgebot nominiert und auch schon angekündigt, dass er auf die Belastung der Spieler in den Vereinen Rücksicht nehmen will. Als einziger Neuling wurde Lukas Nmecha nominiert, der in der U21 schon als Torjäger auffiel und Torschützenkönig der EM-Endrunde wurde. Zuletzt traf er auch regelmäßig beim VfL Wolfsburg und da sollte er doch in der Stadt seines Vereins eine Chance erhalten. Rückkehrer sind u. a. Julian Brandt und Julian Draxler, die Flick einmal im Kreis der Mannschaft sehen will. Von einem Einsatz hat er nichts gesagt. Aber gerade gegen Liechtenstein könnte er mal den Jungen und der zweite Garde eine Chance geben und dennoch weiter siegen, was sein Ziel ist.

Herr Flick, wie wäre es mit dieser Mannschaft gegen Liechtenstein: ter Stegen – Hofmann, Ginter, Schlotterbeck (der endlich zu seinem Debüt kommen sollte), Günter – Gündogan, Neuhaus – Gnabry, Wirtz, Musiala – Nmecha (Adeyemi). Mehr Rotation geht nicht.

Ein Spieltag für die Bayern

Bevor die Bundesliga in die Länderspielpause geht, hat es an der Spitze noch eine Weichenstellung für die Zukunft gegeben. Wieder einmal war es ein Spieltag für die Bayern. Gut, es sind erst 11 Runden ausgetragen, etwa ein Drittel der Saison, und die Bayern werden an Weihnachten auch noch nicht als Meister gefeiert werden. Aber der Vorsprung hat sich von einem auf vier Punkte vergrößert. Dazu haben die Bayern ihren Beitrag mit einem 2:1 über den SC Freiburg geleistet und Dortmund hat mit einer 1:2-Niederlage in Leipzig für Schützenhilfe gesorgt. Der Unterschied ist derzeit frappierend: Dort die Bayern, die den Schock des Pokal-Aus in Siege in den anderen Wettbewerben umgewandelt haben, dort die Dortmunder, die die Münchner endlich herausfordern wollen, aber vom Verletzungspech gebremst werden. Ohne Torjäger Erling Haaland halt auch kein Titel – so scheint es. So hoffen alle, dass der Norweger wenigstens bis zum großen direkten Duell am 4. Dezember wieder fit ist.

Die Freiburger haben sich in München tapfer gewehrt, aber sie mussten am Ende eingestehen, dass die Bayern einfach abgeklärter und cleverer waren. Da werden die Schwarzwälder auch ihre erste Saisonniederlage verkraften, sie bleiben weiter Dritter. Lustig, dass vorher von den Freiburgern als „unschlagbar“ gesprochen wurde, ein Etikett, für das eigentlich die Bayern ein Alleinstellungsmerkmal haben wollen. „Unschlagbar“, das hat angeblich Trainer Julian Nagelsmann seinen Mannen am Anfang der Saison mit auf den Weg gegeben. Vor Niederlagen sind die Bayern aber nicht gefeit und passiert das, geht das „unschlagbar“ wieder von vorne los. Auf jeden Fall hat der Meister jetzt eine fröhliche Länderspielpause, vor der letzten gab es eine Niederlage in Frankfurt!. Übrigens kommen die Münchner einem Rekord immer näher: 100 Tore haben sie jetzt 2021 erzielt, der Rekord in einem Jahr steht bei 101, gehalten vom 1. FC Köln. Der nächste Gegner ist der FC Augsburg am 19. November. Ob er den neuen Rekord verhindern kann?

Für RB Leipzig war der Sieg gegen Dortmund Balsam auf die Wunden (u. a. Ausscheiden in der Champions League), gleichzeitig sorgte er dafür, dass in der Bundesliga der Anschluss nach oben geschafft wurde. Dortmund wiederum erfährt einen Rückschlag nach dem anderen (Marco Reus: „Dumm von uns“). Besonders bitter nach dem Eklat in der Champions League. Da hat bekanntlich der englische Schiedsrichter Michael Oliver Abwehrchef Mats Hummels vollkommen widersinnig vom Platz gestellt. Beim 1:3 gegen Ajax Amsterdam grätschte Hummels vor Gegenspieler Antony ins Leere, doch der trat auf Hummels Bein und wälzte sich dann oscarreif auf dem Boden und mimte den toten Schwan. Referee Oliver zückte Rot und hielt es nicht einmal für notwendig, sich die Szene am Bildschirm anzuschauen, um festzustellen, was Millionen an den TV-Geräten in Zeitlupe sahen. Kein Rot! Der VAR schwieg und damit wurde wieder einmal die Frage aufgeworfen, ob der Videoschiedsrichter wirklich die große Errungenschaft ist. Er könnte es sein, wenn er richtig angewendet wird. Aber so wird er zur Lachnummer. Gut, in Dortmund haben sie natürlich nicht gelacht. Die Borussia hat aber in der Champions League noch alle Chancen und vier Punkte Rückstand zu Bayern München sind noch nicht das Ende aller Träume. Wir haben doch erst November.

Der Aufstand der Underdogs und Bayerns neue Aufgabe

Die Pokalpleite der Bayern in Mönchengladbach hat Fußball-Deutschland ganz schön durcheinander gebracht. 0:5 – da mussten sich einige erst mal zwicken, andere hielten es schlichtweg für unmöglich. Sportfans wissen aber, im Sport ist nichts unmöglich. Diese Sensation hatte aber auch Nebeneffekte, so warteten die Bundesliga-Fans wohl selten mit so einer Spannung auf das folgende Wochenende wie diesmal. Die Frage aller Fragen: Wie würden die Bayern diese Schmach verdauen. Zum anderen fiel auf, dass Lokalrivale 1860 München im Pokal mit einem überraschenden 1:0 gegen Schalke als einziger Drittligist das Achtelfinale im DFB-Pokal erreicht hat.

Und da richtet sich der Blick auf ein seltsames Phänomen im Fußball. Es gibt einen Aufstand der Underdogs, in Deutschlands Großstädten haben die Klubs aus der zweiten Reihe die Führung übernommen. Die Star-Klubs müssen kleinere Brötchen backen. Na ja, in München nicht ganz, denn vom Rekordmeister Bayern trennt die 60er als Drittligist doch eine ganze Menge, aber im Pokal sind sie schon mal vorn, obwohl ihnen vielleicht sogar ein Derby in der nächsten Runde noch lieber gewesen wäre. Das gibt es jetzt in Berlin, wo die Hertha Heimrecht gegen Union genießt, der Ostklub aber neuerdings die Nummer 1 in der Stadt ist. Diesen Wechsel hat es auch in Hamburg gegeben, wo der HSV Gefahr läuft, dass er in der zweiten Liga sitzen bleibt, Lokalrivale St. Pauli aber vielleicht in die Bundesliga aufsteigt. In Nürnberg ist dies schon passiert, der ehrwürdige Club ist Zweitligist, die SpVgg Fürth dagegen im Oberhaus. Das könnte sich aber bald ändern, die Nürnberger mischen in der zweiten Liga oben mit, für Fürth ist die erste Liga scheinbar doch eine Nummer zu groß. Die Fürther müssen aufpassen, dass sie die Saison nicht als schlechtester Verein aller Zeiten beenden und damit Tasmania Berlin ablösen.

Zurück zur Bundesliga, dort herrschte also Spannung, wie die Bayern die Pokalpleite verdauen würden, zumal das Gastspiel bei Union Berlin anstand, der Verein, den die Bayern im Vorjahr nicht schlagen konnten (zweimal 1:1), die Mannschaft, die zu Hause zuletzt in 21 Spielen ungeschlagen blieb. Jetzt aber war alles anders, für die Bayern gab es wieder fünf Tore, diesmal haben sie diese aber selbst erzielt, angeführt von einem überragenden Thomas Müller, der an vier Treffern beteiligt war und ein Tor selbst erzielte und damit gegen jeden aktuellen Bundesligisten getroffen hat. Gleichzeitig gab es wieder einen neuen Rekord mit 38 Toren in 10 Spielen. Die Abwehrschwächen lassen aber Zweifel aufkommen, ob die Bayern schon wieder gefestigt sind. Sie stehen jetzt vor einer neuen Aufgabe, sie müssen der Konkurrenz beweisen, dass sie doch unschlagbar sind, müssen sich den Respekt zurückholen, denn viele feixen schon insgeheim, „toll, die Bayern sind doch schlagbar“. Da kommt der nächsten Bundesliga-Aufgabe wieder eine große Bedeutung zu, wieder steigt die Spannung: Gegner ist der SC Freiburg, in dieser Saison noch ungeschlagen und sensationell Tabellendritter!

Ja, die Schwarzwälder erleben ein außergewöhnliches Jahr. Es ist, als hätte ihnen das neue Stadion einen besonderen Schub verliehen. Trainer Christian Streich wehrt zwar in gewohnter Weise ab, „wir haben halt 22 Punkte, prima im Kampf gegen den Abstieg“. Aber 22 Punkte bedeuten halt auch Rang drei hinter den Favoriten Bayern und Dortmund und ein Polster von fünf bzw. sechs Punkten zu den Verfolgern Leverkusen, Mainz, Union und Wolfsburg. Deshalb feierten die Fans im ausverkauften neuen Stadion bei toller Atmosphäre schon „Auf, auf, auf in die Champions League“ und fordern im Hinblick auf den Samstag „zieht den Bayern die Lederhosen aus“. Bei solcher Euphorie verblasst der zweite Schlager zwischen RB Leipzig und Borussia Dortmund, einfach deshalb, weil RB weiter hinterher hinkt. Gegen die Borussia, die nach wie vor ohne Haaland auskommen muss, können jetzt die Ambitionen auf einen Spitzenplatz neuen Auftrieb bekommen. Gladbach hat übrigens der Bayern-Fluch nicht erwischt, es gab keine Niederlage, sondern ein 2:1 gegen Bochum. Allerdings wurde aber die Aufgabe, eine Leistung wie gegen die Münchner öfters abzurufen, nicht erfüllt.

An der Tabellenspitze gibt es nach drei Klubs eine kleine Lücke, am Tabellenende drohen Bielefeld (5 Punkte) und Fürth (1) den Anschluss zu verlieren. Einen Befreiungsschlag landete der FC Augsburg mit einem 4:1 gegen den von Verletzungen gebeutelten VfB Stuttgart, bleibt aber auf dem Relegationsrang, jetzt aber punktgleich mit Eintracht Frankfurt und der Anschluss zu Bochum und Stuttgart ist hergestellt. Allerdings haben es die nächsten Aufgaben in sich (in Wolfsburg und gegen die Bayern). Nach zehn Spieltagen ist die Zeit für eine kleine Bestandsaufnahme gekommen, die Tabelle gibt bereits deutliche Hinweise.

Im Pokal gibt es im Achtelfinale am 18./19. Januar 2022 übrigens interessante Duelle, so dass uns wieder tolle Pokalabende bevorstehen können. Die Paarungen: Hoffenheim – Freiburg, St. Pauli – Dortmund, 1860 München – Karlsruhe, Hannover – Gladbach, Hertha – Union, Leipzig – Rostock, Bochum – Mainz. Es könnte also wieder beste Werbung für den Pokal geben.

Revanche in der Champions League

Zunächst ruft erst mal wieder Europa in dieser Woche. Mit Ausnahme der Bayern ist in der Champions League für die Bundesligisten die Zeit der Revanche gekommen. Leipzig und Wolfsburg zieren in ihren Gruppen sogar das Tabellenende. Vor allem für RB ist es bekanntlich ein schweres Jahr, nun kommt der Star-Klub Paris St. Germain, allerdings sollte das Hinspiel trotz 2:3-Niederlage Mut machen. Wolfsburg muss gegen Salzburg nach der 1:3-Hinspielniederlage die letzte Chance für das Weiterkommen wahrnehmen. Da war es gut, dass der Einstand vom neuen Trainer Florian Kohfeldt in Leverkusen gelang. Dortmund muss fast eine Schmach wie die Bayern tilgen, wenn auch das 0:4 bei Ajax Amsterdam nicht ganz so spektakulär war. Eine Revanche sollte aber sein.

Von Revanche kann diesmal bei den Bayern keine Rede sein, schließlich gewannen sie bereits in Lissabon mit 4:0, da war die Welt noch in Ordnung. Ist es auch noch in der Champions League, schließlich bedeuten 12:0 Tore und drei Siege Rekord in der CL, außerdem sind die Bayern seit 25 Gruppenspielen ungeschlagen und mussten bisher gegen Benfica nie eine Niederlage einstecken. Benfica hat zudem seit drei Jahren auswärts in der CL nicht gewonnen! Aber ist die Mannschaft wirklich gefestigt? Erfreulich, dass sich die angeschlagenen Hernandez und Gorotzka einsatzbereit melden. Mit einem Sieg wäre sogar schon der Einzug ins Achtelfinale perfekt!

In der Fußball-Bundesliga geht bereits die Angst um

Die Fußball-Bundesliga hat erst neun Spieltage hinter sich, da herrscht bereits große Unruhe bei vielen Vereinen, vor allem bei den Klubs am Tabellenende geht die Angst um. Der Abstiegskampf hat begonnen. Kurioserweise traf die erste Trainer-Entlassung der Saison allerdings keinen Abstiegskandidaten, sondern die erfolgreichste Mannschaft zu Saisonbeginn. Und dennoch war es nicht überraschend, dass Mark van Bommel beim VfL Wolfsburg gehen musste. Acht Pflichtspiele ohne Sieg beweisen einen Abwärtstrend, Manager Jörg Schmadtke hadert insgesamt: „Es gibt mehr trennende als verbindende Faktoren.“

Mark van Bommel, schon als Spieler eine starke Persönlichkeit, wurde frühzeitig das Talent für den Trainerjob bescheinigt, in Wolfsburg war er als Nachfolger von Oliver Glasner ausgesprochener Wunschkandidat. Seine Arbeit stand allerdings unter keinem guten Stern, die Vorbereitung verlief nicht erfolgreich, im DFB-Pokal wechselte er in Münster gleich sechs Spieler ein und Wolfsburg schied am grünen Tisch aus. Da war der gute Ruf des Holländers angekratzt. Wie ein Wunder wirkte dann der Saisonstart mit vier Siegen und Platz eins in der Bundesliga. Die teils glücklichen Erfolge verdeckten jedoch nur Spannungen im Team und im Umfeld, weil van Bommel nicht auf dem erfolgreichen Weg von Glasner weitermachen wollte, sondern eigene Vorstellungen hatte. Es ging abwärts und zuletzt klagten selbst die Spieler „wir sind keine Mannschaft mehr“. Eine Entwicklung, die aber nicht nur dem Trainer angelastet werden darf. Wie immer, wird die Trainersuche jetzt mit Spannung verfolgt, interessante Kandidaten sind mit Lucien Favre, Florian Kohfeldt, Domenico Tedesco, Ole Werner und vielleicht sogar Edin Terzic (in Dortmund nicht mehr Trainer) auf dem Markt. Assistent Michael Frontzeck übernimmt zunächst als Interimslösung.

Eine Entlassung nach neun Spieltage ist keineswegs besonders früh für die Bundesliga, es gab schon Entlassungen vor dem Saisonstart oder nach zwei erfolglosen Spieltagen. Kein Wunder also, dass schon viel Unruhe herrscht und bei einigen Vereinen die Angst umgeht. Relativ ruhig bleibt es überraschend noch bei den Teams auf den Abstiegsplätzen, die noch auf ihren ersten Sieg warten. Bei Schlusslicht Greuther Fürth hatte man fast nichts anderes erwartet, beim Neuling steht Stefan Leitl nicht in Frage. Andere Ambitionen hat zweifellos Arminia Bielefeld, doch Frank Kramer hat nach der Rettung in der letzten Saison noch Kredit, deshalb herrscht Ruhe. Die Arminia hofft jetzt gegen Mainz auf den ersten Saisonsieg, Fürth dagegen fährt nur mit geringer Hoffnung zu den bisher als einzige Mannschaft noch ungeschlagenen Freiburgern.

Unruhe dagegen beim FC Augsburg, wo von einem Betriebsfrieden keine Rede sein kann. Das 1:4 in Mainz war fast peinlich, Vereinsboss Klaus Hofmann schimpfte bei der Jahreshauptversammlung, „der FCA hat sich zuletzt das Fußballspielen systematisch abgewöhnt.“ Eine Kritik vor allem an den Vorgängern von Markus Weinzierl, nämlich Heiko Herrlich und Martin Schmidt. Noch bleibt Weinzierl eine Art Hoffnungsträger, weil er den FCA schon einmal vom Tabellenende in obere Regionen und sogar nach Europa geführt hatte. Dagegen wird die Kritik an Manager Stefan Reuter immer lauter, da könnte es eine andere Art der Entlassung geben. In der Tat, ist bei Misserfolgen der Manager sicher nicht unschuldig, auch in Wolfsburg nicht. Reuter hatte vor allem bei der Zusammenstellung der Mannschaft kein glückliches Händchen. Bezeichnend, dass der abgegebene Marc Richter am Samstag Siegtorschütze für Hertha war und dort für Trainer Pal Dardai und im Verein für Ruhe sorgte. Beim FCA wird ein Nachfolger für Reuter schon gehandelt, der in seiner Heimatstadt hoch angesehene Ex-Spieler und -Trainer Armin Veh. Die nächsten Aufgaben können wieder einmal eine Art Weichenstellung bewirken, sind aber nicht leicht: Sonntag gegen Stuttgart und in Wolfsburg (jetzt mit Aufwind?).

Unruhe herrschte auch beim Rekordmeister, doch hatte das natürlich keine sportlichen Gründe. Corona sorgte für Unruhe. Trainer Julian Nagelsmann wurde positiv getestet und musste in häusliche Quarantäne, von wo aus er die Mannschaft erfolgreich coachte. Dino Toppmöller machte die Arbeit an der Seitenlinie. Corona war auch das Thema für Joshua Kimmich, der als einer von fünf ungeimpften Spielern bei den Bayern „enttarnt“ wurde. Da geriet in den Hintergrund, dass die Münchner auch ohne Trainer erfolgreich ballern – 4:0 in Lissabon, 4:0 gegen Hoffenheim. 33 Tore nach 9 Spieltagen sind neuer Bundesligarekord! Unruhe auch in Dortmund, dort aber eher durch Verletzungssorgen, vor allem weil Torjäger Erling Haaland länger ausfällt. Das könnte die Bayern-Jäger stoppen. In Bielefeld gelang dennoch ein 3:1-Sieg, weil Hummels und Bellingham Torjägerqualitäten zeigten.

Pokalschlager in Gladbach

Die Bayern präsentierten sich international wieder als Vorzeigeklub der Bundesliga. In der Champions League waren nur sie erfolgreich, für Dortmund gab es mit dem 0:4 in Amsterdam sogar eine Blamage, Wolfsburg war mit dem 1:3 in Salzburg nicht weit davon entfernt (ein Argument mehr für die van-Bommel-Entlassung), Leipzig konnte das 2:3 in Paris zumindest als Achtungserfolg bezeichnen. Die Bundesliga hat sich also nicht mit Ruhm bekleckert. Das ging in der Europa League und Conference League ähnlich weiter, nur Eintracht Frankfurt konnte mit dem 3:1 über Piräus ein Erfolgserlebnis verbuchen, was für Trainer Oliver Glasner wohl wichtig war, sonst wäre das folgende 0:2 in Bochum vielleicht von einem Paukenschlag begleitet worden. Union Berlin musste bei Feyenoord Rotterdam Lehrgeld bezahlen, Bayer Leverkusen darf dagegen das 1:1 bei Betis Sevilla als kleinen Erfolg ansehen.

Der Stress mit den englischen Wochen geht für die Spitzenklubs weiter, als Zwischenspiel ist jetzt am Dienstag und Mittwoch der DFB-Pokal angesagt, 15 Bundesligisten sind noch beteiligt, mit Preußen Münster (profitierte vom Wolfsburger Wechselfehler, gegen Hertha) und SV Babelsberg (gegen Leipzig) sind auch zwei Regionalligisten dabei. Das Spitzenspiel findet zweifellos in Mönchengladbach statt, wenn wieder einmal die Bayern gastieren. Da gibt es die Erinnerung an das Eröffnungsspiel der Bundesliga, als die Borussia den Bayern ein 1:1 abtrotzte. Jetzt haben sich die Kräfteverhältnisse aber verändert, doch im Pokal ist bekanntlich alles möglich. Die Statistik spricht einerseits eindeutig für die Bayern, die in sechs Vergleichen im Pokal bisher immer weiterkamen, allerdings fünfmal erst nach Verlängerung und zweimal gab es auch ein Elfmeterschießen, einmal ein Wiederholungsspiel. Andererseits sind die Bayern abseits vom Pokal bei den letzten fünf Auftritten in Gladbach ohne Sieg geblieben. Außerdem gibt es mit den Partien Mainz – Bielefeld (Samstag Bielefeld – Mainz in der Bundesliga!), Bochum – Augsburg und Stuttgart – Köln drei weitere Bundesliga-Paarungen. Besonders interessant vielleicht noch die Duelle von vier Traditionsklubs, nämlich Nürnberg gegen den HSV und 1860 München gegen Schalke 04. Das waren früher ebenfalls Bundesligaspiele. Da werden einige Fans wehmütig werden. Schön, dass es den DFB-Pokal noch gibt.

So verrückt ist der Profi-Fußball

In der ganzen Welt laufen die Fußballspiele in geordneten Bahnen, dank guter Organisation der kleinen und großen Verbände, dank der Arbeit von vielen hauptamtlichen, vor allem aber auch ehrenamtlichen Helfer. Ohne sie ginge gar nichts. Die schöne Idylle wird nur von oben getrübt. Ohne die Ehrenamtlichen geht nichts, ohne den Weltpräsidenten ginge es wahrscheinlich besser. FIFA-Boss Gianni Infantino ist das beste Beispiel dafür, wie ein machtbesessener und geldgieriger Funktionär, der eigentlich das Wohl seiner Sportart im Auge haben sollte, dabei ist, seinen Sport von der Basis zu entfernen und aus ihm vor allem eine reine Geldmaschine zu machen. Infantino wird unterstellt, dass er korrupt ist, Gerichtsverhandlungen sind am Laufen, ein Stückchen weit ist er wohl auch verrückt. Das färbt ab, zahlreiche Gedanken und Intrigenspiele sind im Gange und deshalb soll hier zu einem kleinen Teil einmal aufgezeigt werden, wie verrückt der Profi-Fußball ist.

Wie verlogen Infantino ist, zeigt sich an seinen Gedanken, den Fußball als Geldmaschine zu missbrauchen, und an seinen Äußerungen, die als reine Lüge aus seinem Mund kommen: „Wir wollen mehr wichtige Wettbewerbe für die Fans, ohne mehr Spiele.“ Dabei will er immer mehr Nationen bei den verschiedenen Turnieren und auch die Klub-WM ausweiten. Seine neuesten Pläne, die er ehrgeizig und mit Unterstützung von Scheichs der arabischen Welt vorantreibt, sehen eine Weltmeisterschaft alle zwei Jahre vor. Es gab einen Aufschrei in der Fußballwelt und vor allem UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hatte nur die einzige gültige Antwort parat: „Wir lehnen diesen Plan ab, er schadet eher dem Fußball, als dass er nützt.“ Europa droht sogar mit Boykott, Südamerika schloss sich an und vor allem die skandinavischen Verbände gehen inzwischen einen Schritt weiter: Sollte Infantino durch seine gekonnten Ränkespiele über kleinere Verbände weltweit, den WM-Rhythmus ändern können, drohen sie, die FIFA zu verlassen! Wer macht dabei noch mit? Bilden Europa und Südamerika einen eigenen „Weltverband“? Verrückt.

Eins ist klar, entgegen der Worthülsen von Infantino ergeben mehr Turniere mehr Spiele und damit mehr Stress für die Spieler, die jetzt schon an der Grenze der Belastbarkeit angekommen sind. Infantino will dem Fußball noch mehr Macht verleihen, aber der internationale Sport wehrt sich, doch welche Mittel hat er? Die Europäische Kommission merkte schon an, dass sie die Pläne stoppen will, weil sie den restlichen Sport in seiner Existenz beeinträchtigt, sogar gefährdet sieht. IOC-Präsident Dr. Thomas Bach ging auf die Barrikaden, weil eine Fußball-WM alle zwei Jahre auch die Olympischen Spiele in den Hintergrund drängt. Was Infantino nicht bedenkt: Die Gelder von Sponsoren und Fernsehen sind endlich. Fließen sie wirklich ganz dem Fußball zu oder werden es pro Turnier weniger? Das könnte zum Bumerang werden. Ganz zu schweigen, dass die Dauerschleifen-WM auch dem Amateur-Fußball Probleme bereitet. Infantino sollte mit dem Hirn und nicht mit dem Geldbeutel denken.

Die Fans werden sich nie daran gewöhnen, dass es im Profi-Fußball vermehrt immer nur um Geld geht. Das ist ja auch bei den Plänen für die Super League so, die keineswegs bereits in der Schublade verschwunden sind. Die Initiatoren Florentino Perez (Real Madrid), Andrea Agnelli (Juventus Turin) und Joan Laporta (FC Barcelona) wollen jetzt über Gerichte das Wettbewerbsmonopol der UEFA aushebeln. Auch hier Scheinheiligkeit: „Wir wollen den Fußball besser machen.“ Jetzt soll es zwei Ligen mit je 20 Vereinen geben, sie wollen den Kreis der Teilnehmer vergrößern, das Interesse steigern. Motto: Mehr kassieren und dafür die Champions League zu Fall bringen. Dort sind ja die Pläne auch schon gereift, für mehr Spiele und Geld. Doch das genügt den großen Klubs nicht, weil vor allem die Spanier inzwischen eher Pleiteklubs sind. Ihnen ist es egal, ob die Masse der Vereine leidet, der Fußball liegt ihnen nicht wirklich am Herzen, Hauptsache ihrem Verein geht es besser. Verrückt.

Verrückt auch die Investitionen in der Premiere League in England. Es scheint, dass sich die Scheichs bald überbieten, wer den besten Klub der Welt zusammenkaufen kann. Saudi Arabien ist jetzt bei Newcastle United eingestiegen, rund 300 Millionen Euro wurden angeblich für 80 Prozent der Anteile bezahlt. Nicht der Staat taucht auf, sondern ein Privat Fonds, der dem mächtigen Kronprinzen Mohammed bin Salman unterstellt ist. Die Saudis stehen in der Kritik wegen Menschenrechtsverletzungen, bin Salman gilt als Auftraggeber am Mord des Journalisten Khashoggi. Verstörend, dass die Fans in Newcastle die Saudis als Retter feiern und von Titeln träumen. Newcastle ist derzeit Vorletzter in der Premiere League, es wäre endgültig verrückt, wenn der Verein am Ende auch absteigen würde! Allerdings darf man gespannt sein auf die Einkaufstour in der nächsten Transferzeit nach Weihnachten.

Komisch, dass sich Fachleute und solche, die es gern sein wollen, immer wieder Gedanken machen, wie man den Fußball noch attraktiver machen kann. Er ist doch beliebt genug. Zum Teil steht dabei ebenfalls der Drang nach mehr Einnahmen dahinter, zum Beispeil beim Vorschlag der Südamerikaner, die Halbzeitpause von 15 auf mindestens 25 Minuten zu verlängern, damit man als Abwechselung mehr Show bieten kann. Diese wäre ein Anreiz für das Publikum wie im US-Sport. Den Fans, die wegen dem Sport kommen, gefällt das weniger. Könnte sein, dass die Zuschauerzahlen dann eher zurückgehen. Seltsam oder sogar absurd auch die Idee, die Entscheidungen über Abseits künftig nicht mehr den Schiedsrichtern an der Linie zu überlassen, sondern einem Computer, da ja u. a. schon die Torlinie überwacht. Es reicht schon jetzt, wie lange es dauert, bis Abseitsentscheidungen auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Wenn es künftig diese Unterbrechungen bei jedem Abseits geben würde, na dann gute Nacht. Seltsam ist, dass viele dieser Ideen vom einst erfolgreichen Trainer Arsene Wenger in die Welt gesetzt werden, der von Infantino als Chef einer Fachkommission berufen wurde, um den Fußball attraktiver zu machen. Anscheinend hat Wenger die Ideen seines Chefs als seine übernommen. Verrückte Ideen.

Das Schlusswort gehört Bayern-Präsident Herbert Hainer, der eine WM alle zwei Jahre strikt ablehnt und warnt: „Natürlich spielt Geld im Profisport eine wichtige Rolle, aber man darf den Fußball niemals auf dem Altar der finanziellen Interessen opfern.“ Alles andere wäre verrückt.