Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Die Angst spielt mit in der Fußball-Bundesliga

Die Fußball-Saison läuft, eigentlich könnte man sich entspannt zurücklehnen und die Spiele verfolgen. Doch Entspannung ist in Corona-Zeiten nicht angesagt, deshalb macht man eine andere Beobachtung: Die Angst spielt mit in der Fußball-Bundesliga!

Bevor es um die Probleme im Sport geht, steht die Angst vor Covid-19 an erster Stelle. Die Angst vor der Infektion, dass der ganze Spielbetrieb in Schieflage geraten könnte, inzwischen auch die Angst vor falschen Tests in den Laboren. Es kann ja nicht nur sein, wie zuletzt geschehen, dass Spieler falsch positiv getestet werden, es könnte ja auch sein, dass es falsche Negativtests gibt und das Virus unbemerkt verteilt wird und eine kleine Katastrophe auslösen könnte. Ein ständiger Begleiter ist in diesen Monaten auch die Angst vor den leeren Stadien, verbunden mit der Angst vor dem finanziellen Desaster. Die Sehnsucht nach vollen Stadien und gewohnter Atmosphäre ist groß, doch in absehbarer Zeit wird es bei dieser Sehnsucht bleiben. Es ist fast schon fahrlässig, dass ein Verein wie Union Berlin vor 4500 Zuschauer spielt, nur weil er sich als der „etwas andere Klub“ präsentieren will. Verantwortungsbewusst ist das nicht, die Gefahr der Infektion lauert nicht in erster Linie im Stadion, sondern bei der Anfahrt und im Umfeld.

Was besonders bedrückt, ist die Angst davor, dass es sogar zu einem Abbruch der Saison kommen könnte. In dieser Woche läuft die von der Bundesregierung vorgegebene Testphase für die Bundesliga aus. Wie werden die Politiker entscheiden? Hat die Bundesliga überzeugt? Mit einem Blick auf die Infektionszahlen wird es vorerst wohl zumindest keine Zuschauer mehr in den Stadien geben. Eine einheitliche Regelung ist auch Utopie, zumal die örtlichen Gesundheitsämter meist sowieso das letzte Wort haben. Corona bremst weiter die Freude, schürt die Angst.

Aber auch sportlich geht natürlich die Angst um. Frag nach bei Schalke. Die Niederlagenserie nimmt schon beängstigende Ausmaße an. Gut, von einem Derby-Sieg in Dortmund konnte man in der derzeitigen Situation wirklich nicht ausgehen, aber jede Niederlage macht das künftige Siegen noch schwerer und immer wieder fällt nach 21 sieglosen Spielen der Blick auf Tasmania Berlin, die Mannschaft, die als Sinnbild der Verlierer in die Geschichte der Fußball-Bundesliga eingegangen ist, nämlich in der Saison 1965/66 mit 31 Spielen ohne Sieg. Kein Trost auf Schalke, dass Köln auch schon bei 15 sieglosen Spielen steht, kein Trost, dass Mainz als Schlusslicht immer noch ohne Punktgewinn ist.

Bei Schalke und Mainz haben die Trainerwechsel keinen wirklichen Umschwung gebracht. Gerade Schalke hätte vielleicht nicht den Taktiker Manuel Baum gebraucht, sondern eher einen Stimmungsmacher, der Schwung in die Bude bringt, wie früher Christoph Daum oder Peter Neururer. Oder einen Felix Magath, der die Spieler über glühende Kohlen laufen lässt und dann versichert, Niederlagen schmerzen mehr. Sinn der Sache: Der Kopf spielt die Hauptrolle, die Gedanken müssen wieder frei sein, die Zuversicht darf keine Fata Morgana sein. Was aber bleibt, neue Chancen am nächsten Spieltag und lustigerweise auch Angst bei den Gegnern, denn keiner will der Erste sein, der zum Ende der Durststrecke verhilft. Also stehen Stuttgart gegen Schalke und Augsburg gegen Mainz auch unter besonderem Druck. Die Bayern wiederum wird das beim Gastspiel in Köln kaum kratzen, eher wird Köln auf den 6. November schauen, da geht es nach Bremen.

Wenn es um die Angst in der Bundesliga geht, dann spielt allerdings auch Bayern München eine Rolle. Wieder einmal natürlich die Angst vor einem erneuten Alleingang des Serienmeisters nach acht Titeln in Folge. Die 1:4-Niederlage bei Hoffenheim machte der Konkurrenz Hoffnung, die Antwort der Bayern, zuletzt ein 4:1 in Bielefeld, 4:0 gegen Atletico Madrid und 5:0 gegen Frankfurt weniger. Zwangsläufig fallen wieder Rekorde, 22 Tore nach fünf Spieltag gab es noch nie, ebenso Robert Lewandowskis zehn Treffer zu diesem Zeitpunkt. Gegen Atletico war es der zwölfte Erfolg in der Champions League in Serie – neuer Rekord! Tusch auch für den 700. Heimsieg in der Bundesliga, logisch – gab es noch nie. Die Freude der Münchner trübt die Verletzung von „Roadrunner“ Alphonso Davies, da wird auch ein David Alaba wieder mal links verteidigen müssen. Nachlassen dürfen sie auch nicht, die Hetzjagd geht weiter mit vier Auswärtsaufgaben in zwölf Tagen bis zur Länderspielpause, bei Lokomotive Moskau, in Köln, in Salzburg und dann das Schlagerspiel in Dortmund. Na ja, irgendwelche Bestmarken werden schon nach abfallen.

Logisch, dass Trainer Hansi Flick auf Rotation bzw. Schonung bedacht ist, allerdings im kleinen Rahmen. Die Neuzugänge Sarr und Costa durften ihr Startelfdebüt feiern, Torjäger Lewandowski ging vorzeitig vom Platz. Flicks Credo, Wechsel vor der 75. Minute, „bevor es richtig weh tut“. Na ja, weh tut es eher den Gegnern… Aber bitte, ist ja noch gar nichts gegen das 13:0 von Ajax Amsterdam beim VVV Venlo. Das gefällt vielen in den Niederlande nicht, denn es schadet dem Ruf, dass die Eredivesie eine starke Liga ist. Aber Ajax ist immerhin Tabellenführer, die Bayern nicht, der RB Leipzig lässt nicht nach, hangelte sich zum 2:1 über die Hertha. Bleibt die Angst, dass sich das noch ändern wird.

Macht Corona den Sport kaputt?

Es ist derzeit keine leichte Zeit, für alle nicht. Die Infektionswelle der Corona-Pandemie überrollt Europa, nein, die ganze Welt, Covid-19 greift um sich, die nächsten Lockdowns sind in Kraft oder drohen. Die Menschen diskutieren über ihre täglichen Probleme, der Sport spielt dabei sicherlich keine Hauptrolle. Aber die eigentlich schönste Nebensache der Welt ist halt auch ein Leidtragender der Pandemie und in Zukunft könnte die beste und manchmal gesündeste Ablenkung von den Mühen des Alltags fast gar nicht mehr existieren. Die schöne, heile Welt des Sports, vor allem natürlich des Profisports, ist in höchster Gefahr. Macht Corona den Sport kaputt? Wenn die Pandemie nicht eingedämmt werden kann, wenn die Sportler sich vor allem nicht an die Vorgaben des Hygienekonzepts halten, dann droht der Kollaps.

Bisher schien die Geldgier die größte Gefahr für den Profisport zu sein, weil vor allem Moral und Solidarität zuweilen auf der Strecke blieben. Das Motto „Gewinn um jeden Preis“ war beherrschend, die Fans galten teilweise nur noch als Staffage. Corona hat einerseits die Augen geöffnet, andererseits die normale Sportorganisation gehörig ins Wanken gebracht. Nichts ist mehr normal und eines wurde vor allem deutlich: Der Profisport, der ja vor allem die Zuschauer anlockt, verliert, wenn die Atmosphäre nicht stimmt. Geisterspiele helfen die Verluste in Grenzen zu halten und momentan zu überleben, aber die Fernsehübertragungen allein schaffen keine Begeisterung für den Sport. Immer mehr früher Interessierte wenden sich ab, weil das Erlebnis fehlt. Dies ist zum Beispiel die größte Gefahr für den Fußball.

Beim Start der Fußball-Champions-League wurde auch deutlich, dass der eng getaktete Terminplan überaus fragil ist. Positive Corona-Tests wurden bereits festgestellt, noch aber hielten sie sich in Grenzen, doch die ersten Absagen liegen in der Luft. Andere Sportarten mussten da bereits Konsequenzen ziehen und Turniere oder Spiele verlegen. Der schmale Grat kann also im Absturz enden.

Nicht nur die Vereine, auch die Veranstalter von Sport-Events leiden. So ruft vor allem der Wintersport nach dem Staat, damit die Defizite nicht bei den Verbänden und örtlichen Veranstaltern hängen bleiben. Ein Beispiel ist Oberhof, das 2023 die Biathlon-Weltmeisterschaft austragen will und es deshalb auf sich genommen hat, im Januar gleich zwei Veranstaltungen zu organisieren. Wegen Corona hat der Biathlon-Weltverband Rennen zusammengelegt, damit ein Teil der Reisen und damit der Infektionsgefahr wegfällt. So wird Oberhof die Rennen von Ruhpolding übernehmen und Weltcup-Veranstalter vom 7. bis 11. Januar und danach 13. bis 17. Januar sein. Nur, mit Zuschauern ist nicht zu rechnen, höchstens vielleicht 9000 statt 25.000 am Tag, ein Millionen-Defizit droht. Angeblich will das Land Thüringen einspringen. Nur dann hat Oberhof eine Zukunft. Oberhof drohte bei der Vergabe der Weltcup-Rennen ins Abseits zu geraten.

Ähnliche Sorgen hat Oberstdorf, das sich eigentlich auf die Nordische Ski-Weltmeisterschaft 2021 gefreut hat. Doch die Freude ist inzwischen getrübt, weil eine Geisterkulisse droht und dadurch ebenso ein gewaltiges Defizit. Der Hilferuf des Ski-Verbandes: „Wir sind auf staatliche Hilfe angewiesen.“ Getrübt ist auch die Vorfreude auf die Vierschanzen-Tournee der Skispringer, zwischen den Jahren immer das Highlight des Sportes. Jetzt droht auch hier eine eher traurige Veranstaltung.

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sport-Bundes, hat einen Hilferuf losgelassen, weil er mit der staatlichen Hilfe für die deutschen Sportvereine nicht zufrieden. 200 Millionen Euro schwer ist das Rettungspaket, aber anscheinend kommt das Geld nicht an. Gerade die kleinen Sportvereine sind aber die Basis dafür, dass der Sport auch im Großen leben kann. Es zwickt also an allen Ecken und Ende. Der Wirtschaft drohen Pleiten und Insolvenzen, den Sportvereinen geht es nicht anders, nur dass ihre Probleme in der Öffentlichkeit nicht die ihnen eigentlich gebührende Aufmerksamkeit finden. Es ist ja „nur“ Sport…

Eine Fußball-Reise ins Ungewisse

Die Länderspiele sind vorbei, die Bundesliga bzw. alle nationalen Ligen laufen wieder und dennoch beginnt erst jetzt die stressige Zeit, zumindest in Europa: Champions League und Europa League starten und es wird, schon oft geschrieben, eine Hetzjagd wie noch nie. Schon vorher werden die Spieler bedauert und die Trainer klagen darüber, dass ein sinnvolles Üben gar nicht mehr möglich ist. Doch dies sind nicht die einzigen Unwägbarkeiten, nein, der Stress in den nächsten Monaten wird begleitet von vielen Problemen abseits des Spiels, es wird eine Fußball-Reise ins Ungewisse.

Störfaktor Nummer 1 ist natürlich die Corona-Pandemie. Der Fußball-Spielbetrieb der Profis läuft nach dem Motto „Geisterspiele nehmen wir hin, war denn noch etwas?“ Die Infektionszahlen steigen überall in Europa, die Fußballteams reisen dennoch kreuz und quer über den Kontinent. Sicherlich, die Hygeniebestimmungen im Fußball sind konsequent und im Prinzip ausreichend, aber nur dann, wenn sich jeder daran hält. Wer die Fußball-Blase verlässt, setzt sich dem Infektionsrisiko aus, Quarantäne ist die Folge, Spielabsagen hat es in mehreren Ländern bereits gegeben. Das Terminchaos ist eigentlich programmiert. Die UEFA will das aber nicht zulassen und hat mit Sonderregelungen dagegen gesteuert. Notfalls gibt es Wertungen am „grünen Tisch“. Ungewiss ist auch, ob die Spieler mit den Belastungen fertig werden, zu den vielen Spielen kommen die Reisen, was fehlt, sind die notwendigen Ruhepausen, das Verletzungsrisiko steigt. Nur wer einen großen und qualitativ guten Kader hat, wird diese Hetzjagd einigermaßen unbeschadet überstehen.

Weil es eine Reise ins Ungewisse ist, bleibt so ungewiss wie nie die Frage nach dem Sieger. Natürlich werden die üblichen Verdächtigen im Favoritenkreis genannt, aber egal ob Real Madrid, FC Barcelona oder FC Liverpool, schauen wir auf die nationalen Ligen, die Favoriten suchen ihre Bestform, müssen bereits Rückschläge hinnehmen, auch in punkto Verletzungen (z. B. van Dijk in Liverpool). Der Titelverteidiger wird allgemein als Favorit Nummer 1 genannt, aber auch für Bayern München beginnt eine Reise ins Ungewisse, vor allem deshalb, weil zwischen dem Schluss der letzten Saison und dem Start der neuen nur zwei Wochen lagen. Eine gute Vorbereitung schaut anders aus. Lassen wir uns also überraschen.

Die Hetzjagd beginnt für die international beschäftigten Bundesligisten mit sieben Spielen in etwa drei Wochen. Was Europa angeht, so gilt allgemein als erstes Ziel, die Gruppenphase gut zu überstehen. Gut, Bayern München, hat natürlich noch andere Erwartungen, blieb doch der Triple-Sieger in der Champions League im letzten Jahr ungeschlagen. Die nächste Hürde wartet, der Start gegen Atletico Madrid hat es in sich, auch wenn die Simeone-Schützlinge vielleicht nicht mehr ganz die Qualität früherer Jahre haben. Ein Stolperstein können sie immer sein. Gegen die weiteren Gegner Lokomotive Moskau und RB Salzburg sollte der Einzug ins Achtelfinale gelingen, am Ende aller Plagereien steht das Finale am 29. Mai in Istanbul. Zumindest ist es so vorgesehen.

Die schwerste Gruppe der vier Bundesligisten hat sicherlich Borussia Mönchengladbach erwischt, das am Mittwoch bei Inter Mailand startet und auch an Real Madrid besondere Erinnerungen hat. Vierter im Bunde ist Schachtor Donezk, eine Mannschaft aus der Ukraine mit vielen Brasilianern, eine Team ebenfalls Marke Stolperstein. Da hat es Borussia Dortmund sicherlich leichter, der Start am Dienstag bei Lazio Rom könnte gleich die schwerste Aufgabe sein, dazu gesellen sich noch Zenit St. Petersburg und Club Brügge. RB Leipzig hat dagegen zwei prominente Kaliber als Gegner, aber vielleicht ist der Name von Paris St. Germain und vor allem Manchester United größer als die Taten. Der Start am Dienstag erfolgt gegen den Meister der Türkei, Präsident Erdogans Lieblingsklub Basaksehir, der gerade erstmals in der nationalen Liga gewann. Hier könnte es also gleich um Platz drei gehen, aber mehr ist vielleicht auch möglich.

In der Europa League sind nur Bayer Leverkusen und die TSG Hoffenheim vertreten. Die EL ist das Sorgenkind der Bundesliga, deutsche Klubs gehören nicht zu den erfolgreichen Teams. Jedes Jahr der Wunsch also, dass sich das ändern muss. Leverkusen gegen Nizza zum Start am Donnerstag sowie Slavia Prag und Hapoel Beer Sheva aus Israel sowie Hoffenheim gegen Roter Stern Belgrad, KAA Gent und Slovan Liberec sollten die Qualität haben, die Gruppenphase zu überstehen. Aber: Es ist halt eine Reise ins Ungewisse.

Wende für Schalke in Dortmund?

Die Bundesliga zeigt ihr bekanntes Gesicht, an der Spitze Leipzig, Bayern und Dortmund. Am Tabellenende wartet Mainz noch auf den ersten Punktgewinn, den haben jetzt Schalke und Köln eingefahren, das hilft vor allem der Psyche, macht den seit vielen Spielen sieglosen Klubs sicherlich Mut. Schalkes Fans waren mit dem 1:1 gegen Union Berlin nicht ganz zufrieden und stellten die Spieler vor dem Stadion zur Rede. Sie wollten das Team auf das Spiel des Jahres einschwören – am Samstag in Dortmund! Gelingt ausgerechnet im Derby die Wende? Einen Kampf bis auf den letzten Schweißtropfen haben die Profis versprochen.

Über Schalke lacht keiner mehr, es ist ja eigentlich nur noch traurig. Gelacht wird eher über die Möchtegerns von Hertha BSC Berlin. Millionen vom Investor, aber keine Punkte. Geld schießt nur Tore, wenn es klug investiert wird. Geld passt wohl nicht zu Berlin, die Hauptstadt ist bekanntlich „arm, aber sexy“. Für den Fußball gilt das nicht, eher „reich und trotzdem graue Maus“ auf Platz 15.

Die Bayern stehen immer im Mittelpunkt. Die Zusatzaufgabe im Pokal wurde gegen Düren mit einer zusätzlichen Mannschaft bewältigt. Einer allerdings wurde zweimal strapaziert – Thomas Müller. Er durfte sich ja in der Länderspielpause ausruhen, ist deshalb vielleicht fast in der Form seines Lebens und so gab es wieder einen Rekord: Müller schaffte als erster Spieler in der Bundesliga seinen 150. Assist. Zusammen mit Robert Lewandowski war er bei Neuling Bielefeld der Matchwinner. Logisch, dass wieder die Stimmen laut werden, Bundestrainer Joachim Löw könne auf Müller nicht verzichten. Dies sehen alle so – außer Jogi Löw. Aber da ist das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen. Löw bringt sich selbst unter Druck, denn die Leistung der Nationalmannschaft stimmt einfach nicht, auch diesmal wieder nicht, beim 3:3 gegen die Schweiz. Löws Reise mit der Nationalmannschaft ist ebenfalls eine Reise ins Ungewisse!

Eine Anmerkung in eigener Sache: Der Sport-Grantler feiert ein kleines Jubiläum, dies ist sein 500. Blog, der erste erschien am 20. August 2013. Vielen Dank den Leserinnen und Lesern auf allen fünf Kontinenten. Der Sport-Grantler hat zwar gerade seinen 75. Geburtstag gefeiert, aber ein bisschen will er noch weitermachen. Wenn seine Kolumnen weiterhin gern gelesen werden…

Ski-Sport-Sorgen: Schnee, Stars, Sicherheit

Die sechs „S“ zum Wortanfang fallen sicherlich auf, dabei könnte im alpinen Skisport noch ein siebtes „S“ dazukommen, nämlich Sölden. Dort beginnt am Wochenende die neue Saison, wegen Corona eine Woche früher, weil das Ötztal für die Allgemeinheit total abgeriegelt wird und die Skiläufer in einer Blase leben. Danach haben die Touristen wieder freie Fahrt. Die Unsicherheit ist also groß, größer als die Hoffnungen für die neue Saison. Lebensnotwendig ist es wohl, dass der Weltcup durchgezogen werden kann, „sonst ist der Skisport am Ende“, malen manche den Teufel an die Wand. Die Gelder von Fernsehen, Werbung und Sponsoren müssen fließen, damit es noch eine Zukunft gibt.

Zuletzt galten die Sorgen vor allem dem Klimawandel und dem drohenden Schneemangel in den Bergen. Das Wetter spielte immer mehr verrückt, Ausfälle und Verlegungen waren an der Tagesordnung. Diesen Sorgen sind nicht vorbei, treten angesichts der Corona-Pandemie allerdings in den Hintergrund. Jetzt gibt es andere Probleme, um alle Rennen durchführen zu können. Die Alpinen leben in einer Blase, so werden die Rennen von Frauen und Männern meist getrennt. Die Veranstaltungen in Übersee wurden zudem abgesagt. Zuschauer werden Seltenheitswert haben, schon jetzt gilt zum Beispiel in der Schweiz, dass die Rennen ohne Besucher über die Bühne gehen werden. Nach Sölden, wie immer ein Frühstart in den Winter, gibt es erst mal noch eine größere Pause, ehe es mit Parallelrennen am 13./14. November in Lech und Zürs am Arlberg weitergeht.

Gegenüber der Winterkonkurrenz, vor allem von Biathlon und Skispringen, wollen die alpinen Skisportler natürlich positiv in die Schlagzeilen, doch dazu braucht es auch Stars. Doch die sind selten geworden, haben sich zuletzt vielfach aufs Altenteil zurückgezogen. Namen wie Lindsey Vonn, Marcel Hirscher und Felix Neureuther fehlen. Der größte aktuelle Star, die Amerikanerin Mikaela Shiffrin, fehlt noch wegen Rückenbeschwerden. Besonders in Deutschland werden kleine Brötchen gebacken, nachdem auch Vorzeigefrau Viktoria Rebensburg ihre Karriere beendet hat. Bezeichnend, dass bei den Riesenslalom-Wettberwerben in Sölden nur ein kleines deutsches Aufgebot am Start ist. Immerhin können die Männer auf Stefan Luitz im Riesenslalom und Linus Straßer im Slalom hoffen und haben mit Thomas Dreßen in der Abfahrt ein Ass. Er gewann im Vorjahr drei Rennen. Ein bisschen Hoffnung gibt es also, vor allem die Hoffnung, dass die alpine Weltmeisterschaft im Februar in Cortina d’Ampezzo in Italien stattfinden kann.

Bis dahin werden aber erst einmal die Karten auf den Tisch gelegt. Vielleicht wächst ein neuer Star für die Öffentlichkeit heran, vielleicht explodieren die Leistungen der deutschen Talente, die allerdings immer mehr zur Mangelware werden. Nachwuchssorgen gibt es beim Deutschen Ski-Verband nämlich auch, nicht nur bei den Alpinen. Aber da schließt sich der Kreis: Kein Schnee, keine Stars und am Ende dann eben auch kein Interesse am Skisport.

Jogi Löws Jungs machen keinen Spaß mehr

Beim 2:1-Erfolg in der Ukraine konnten Bundestrainer Joachim Löw und seine Fußball-Nationalmannschaft gleich zwei Jubiläen feiern: Der erste Sieg in der Nations League und im Jahr 2020! Wohlgemerkt, wir haben Oktober! Gut, die Corona-Pause hat die DFB-Elf zur Untätigkeit gezwungen, dennoch war die Stimmung bei den Fans nach drei Unentschieden (1:1 jeweils gegen Spanien und die Schweiz, 3:3 gegen die Türkei) im Keller und sie wird mit dem glanzlosen Sieg in Kiew nicht wesentlich besser. Tatsache ist: Jogi Löws Jungs machen derzeit keinen Spaß mehr!

Vor noch gar nicht so langer Zeit waren Fußball-Länderspiele fast schon nationale Feiertage. Davon ist nichts mehr zu spüren, gerade mal 7,5 Millionen Zuschauer saßen am Samstag vor den Bildschirmen, da hat fast jeder Tatort am Sonntag eine höhere Einschaltquote, mehr als 10 Millionen waren früher die Regel. Die Leistung bestenfalls durchwachsen, schlampig bei den Pässen, unaufmerksam im Spiel, unbeholfen in vielen Situationen gegen eine Mannschaft, die international bestenfalls zweitklassig ist und noch mit vielen Ausfällen zu kämpfen hatte. Der moralische Sieger hieß eher Ukraine. Torhüter Bushchan schenkte mit seinem Fehler, den Leon Goretzka aufmerksam nutzte, den Deutschen das Erfolgserlebnis.

Heute muss man sich fragen, ob die Nationalmannschaft noch Deutschlands liebstes Kind ist. Zuletzt sorgte vor allem der FC Bayern München international und national für Furore und der einst meistgehasste Klub in Deutschland ist auf dem Weg eher der beliebteste Klub hierzulande werden. Zumindest wird ihm Respekt gezollt. Aber sogar Bayern-Boss Rummenigge betont: „Die Nationalmannschaft muss Deutschlands Team Nummer 1 sein.“ Da läuft beim DFB, der eher mit Skandalen auffällt (siehe Steuer-Razzia), einiges schief. Auch bei Bundestrainer Joachim Löw, den manche bereits als „abgehoben“ bezeichnen und den seine ehemaligen Schützlinge wie Lothar Matthäus oder Bastian Schweinsteiger in den Medien hart kritisieren. Die Rufe nach einer Ablösung werden lauter und mehr. Genießt er noch eine Schutzfrist bis zur Europameisterschaft 2021? Es muss also besser werden, schon am Dienstag steht die nächste Bewährungsprobe in Köln gegen die Schweiz bevor. Nur eine überzeugende Leistung kann die Lage rund um die Nationalmannschaft beruhigen.

Kurioses Bundesliga-Spitzenspiel

Nach der Nationalmannschaft übernimmt wieder die Bundesliga für vier Wochen das Kommando, aber auch Champions League und Europa League starten in der nächsten Woche. Die Bundesliga meldet sich am Samstag mit einem kuriosen Spitzenspiel zurück. Das Duell Zweiter gegen Erster ist wohl nicht zu überbieten, aber es stehen sich nicht Dortmund und die Bayern gegenüber, sondern der FC Augsburg (!) und RB Leipzig! Die Augsburger erleben in ihrem zehnten Bundesliga-Jahr mit dem besten Start ihrer Geschichte fast ein Märchen, gelassener geht man mit dem Erfolg natürlich in Leipzig um. Aber ein bisschen ärgern sich die Augsburger doch, denn vom Bundesliga-Sender Sky werden sie links liegen gelassen. Diese Paarung hat keiner als „Top-Spiel des Tages“ vorausgesehen, Anpfiff ist deshalb um 15.30 Uhr, während sich Neuling Arminia Bielefeld als Gastgeber von Triple-Sieger Bayern im Glanz des Top-Spiels um 18.30 Uhr sonnen darf. Diese Ehre wurde den Augsburgern noch nie zuteil, was wirklich ein bisschen seltsam ist. Vorsicht Leipzig: Der FCA hat die effizienteste Mannschaft der Liga, 50 Prozent ihrer Torchancen verwandelten die Augsburger! Die Bayern als Zweite liegen bei 48,4 Prozent, Leipzig bei 30,8, Schlusslicht ist Wolfsburg mit nur 7,1 Prozent.

Andere Vereine haben andere Sorgen, an den nächsten vier Spieltagen werden die Weichen für den Rest der Saison gestellt. Wer ist oben, wer ist unten dabei. Köln, Mainz und Schalke kämpfen sogar noch um den ersten Punktgewinn, Schalke um den ersten Sieg nach 19 Spielen, Köln nach 13 Spielen. Kann gegen Union Berlin bzw. Frankfurt gejubelt werden? Übrigens: Die Serie der vier Spieltage bis zur nächsten Länderspielpause endet mit dem echten Spitzenspiel, wenn nämlich am 7. November wirklich Borussia Dortmund Meister Bayern München empfängt, natürlich ist dies ein Samstag, um 18.30 Uhr. Augsburg erwartet da um 15.30 Uhr Hertha BSC Berlin. Mal sehen, wer von diesen beiden Teams dann noch oben dabei ist!

Zwei Spiele an einem Tag

Der Stress der Bayern geht weiter, zwischen Länderspielen und Bundesliga liegt noch eine Partie im DFB-Pokal am Donnerstag gegen den 1. FC Düren. Bayern-Trainer Hansi Flick wird zwangsläufig auf die Nationalspieler verzichten, die am Dienstag und sogar noch teilweise am Mittwoch im Einsatz sind. Es fand sich kein anderer Termin, da die Münchner bis Weihnachten ausgebucht sind, es sei denn die Klub-Weltmeisterschaft, die im Dezember in Katar stattfinden soll und wo die Bayern ihren sechsten Titel der Saison holen wollen, wird auf 2021 verlegt. Wie auch immer, die Bayern werden einen Mannschaft aufs Feld bringen und es wird nicht so schlimm werden wie 1985, da brachte es Manager Uli Hoeneß nämlich fertig, dass Mittelfeldstar Sören Lerby gleich zwei Spiele an einem Tag bestritt. Am Nachmittag spielte er für Dänemark in Irland in der WM-Qualifikation, als es 3:1 stand und der nötige Punktgewinn als gesichert angesehen wurde, durfte er nach einer Stunde aufhören und wurde per Sondermaschine von Dublin nach Düsseldorf geflogen und verhalf den Bayern in Bochum zu einem Wiederholungsspiel im DFB-Pokal. Zwei Jahre später wiederholte Hoeneß dieses Wahnsinnsprogramm mit dem Waliser Mark Hughes.

Hansi Flick wird dagegen mit einer neuen Mannschaft gegen Düren in der Allianz-Arena antreten (Düren spielt lieber in München). Der Kader wurde ja kurzfristig noch kräftig aufgerüstet, so dass sich alle Neulinge zumindest dem Fernsehpublikum vorstellen. Mit folgender Mannschaft kann gerechnet werden: Nübel – Sarr, Richards, Boateng, Davies – Roca, Martinez – Musiala, Müller, Douglas Costa – Choupo-Moting. Nübel, Boateng, Martinez und Müller konnten sich ja ausruhen, Davies verzichtete auf einen Einsatz für Kanada. Vielleicht sitzt der eine andere Nationalspieler auf der Bank für einen „Noteinsatz“ gegen den Fünftligisten, ansonsten werden Kanidaten wie Zirkzee, Dajaku und Arp aus der zweiten Mannschaft den Kader auffüllen. Besondere Zeitpläne verlangen besondere Planungen. Zwei Spiele an einem Tag für eine Mannschaft könnten die geldgierigen Verbände FIFA und UEFA allerdings künftig schon noch im Auge haben, um ihre wahnwitzigen Turniervorhaben durchzubringen.

Länderspielpause mit Hoffnung und Ärger

Im Herbst gibt es immer das gleiche Spielchen – und daran ändert auch Corona nichts – , kaum hat die Fußball-Bundesliga begonnen, macht sie auch schon wieder eine Pause – eine Länderspielpause. Doch in diesen schwierigen Zeiten ist diese Unterbrechung noch weniger willkommen, zumal das Virus Covid-19 und die damit verbundenen Hygieneregeln für zusätzlichen Zündstoff sorgen. Andererseits sind einige Klubs froh über die Pause, weil sie hoffen, dass es für sie danach einen Neustart mit besseren Resultaten gibt. Eine Länderspielpause also mit Hoffnung und Ärger also.

Warum gibt es die Länderspielpause überhaupt? Nun, die Nationalverbände benötigen Geld, die Nations League wurde eingeführt, damit aus uninteressanten Freundschaftsspielen interessante Punktspiele werden. Durch die Corona-Verzögerungen wird der Terminstress noch größer, aber dennoch werden Freundschaftsspiele noch zusätzlich absolviert, weil die Fernseheinnahmen benötigt werden. Deshalb spielt Deutschland am Mittwoch in Köln gegen die Türkei, rund zehn Millionen Euro nimmt der DFB wohl ein, doch von den Sitzen wird dieses Spiel keinen reißen, denn Bundestrainer Joachim Löw wird auf alle Stammspieler zur Schonung verzichten. Nur logisch, dass der DFB Eintrittskarten verschenken will, wenn überhaupt Zuschauer anwesend sein dürfen. Das Sagen hat das Gesundheitsamt. Zwei werden sich überhaupt freuen, ausruhen zu dürfen: Thomas Müller und Jerome Boateng. Jogi Löw, sei dank!

Jogi Löw wird also darauf verzichten, dass er seine Wunschformation sich für die wichtigen Spiele einspielen kann. Aber so richtig wichtig sind die Begegnungen der Nations League am Samstag in der Ukraine und am Dienstag, 13. Oktober, wieder in Köln gegen die Schweiz auch nicht, Löw hat ja schon deutlich gemacht, dass die Gesundheit der Spieler Priorität genießt. Andererseits wird es mal Zeit, dass der Weltmeister von 2014 auch in der Gegenwart endlich ein Erfolgserlebnis präsentiert, in der NL gab es noch keinen Sieg! Es scheint, die Nationalmannschaft muss noch gegen ein anderes Virus ankämpfen. Apropos: Corona sorgt auch hier für Ärger, weil manche Spieler und Teams in gefährdete Gebiete reisen sollen. Bundesliga-Klubs droht die Gefahr, dass Spieler bei der Rückkehr in Quarantäne müssen und ausfallen. Die FIFA hat ihnen zwar das Recht gegeben, den Aktiven die Freigabe zu verweigern, aber kann das der Klub wirklich durchsetzen? So wird die Nations League zum doppelten Ärgernis.

Bayerns Rekordjagd geht weiter

Blickpunkt Bundesliga. „Sind die Bayern am Anfang der Saison schon am Ende?“ wurde vor einer Woche an dieser Stelle gefragt. Die Bayern kommen zwar sinnbildlich auf dem Zahnfleisch daher, aber es schien, als wollten sie das Gegenteil beweisen. Die Rekordjagd ging jedenfalls weiter und zwei glückliche Siege waren mehr und weniger Erfolge des Willens. Spielerischen Glanz versprühen der Rekordmeister derzeit nicht, aber was soll’s, wenn der Ertrag stimmt. Joshua Kimmich war das beste Beispiel dafür mit seinem Siegtreffer zum 3:2 im Supercup gegen Borussia Dortmund. Der fünfte Titel, das Quintupel war perfekt. Ähnliches am Sonntag gegen Hertha BSC Berlin. Aus einem 2:0 wurde ein 2:2. Die Bayern am Ende? Nein, auch nach dem erneuten Ausgleich nach 3:2-Führung nicht, Robert Lewandowski holte noch einen Elfmeter raus und verwandelte zum persönlichen Quartupel an diesem Tag. Die Konkurrenz muss doppelt erschrecken: „Robert ist nicht bei 100 Prozent,“ urteilte Trainer Hansi Flick und Thomas Müller forderte, dass die Mannschaft wieder zu alter Form finden müsse.

Der Sieg war Ende einer Festwoche, die mit der Pleite gegen Hoffenheim begann und ihren Höhepunkt bei den Ehrungen zu Europas Fußballern des Jahres hatte. Einen Triple-Sieg gab es auch bei den Ehrungen der CL-Saison, als Manuel Neuer, Joshua Kimmich und Robert Lewandowski als beste Spieler auf ihren Positionen geehrt wurden. Der Pole wurde zudem Europas Fußballer des Jahres und damit ging für ihn ein Traum in Erfüllung, Hansi Flick wurde Trainer des Jahres, für ihn auch der krönende Abschluss eines Traum-Jahres. Da stellt sich schon die Frage, lässt sich so eine Saison überhaupt wiederholen?

Ein stressiges Wochenende hatte vor allem Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic, der mit den vom Trainer geforderten Verstärkungen (bzw. ein Auffüllen des Kaders!) bis auf den letzten Drücker wartete. Am Montag (18.00 Uhr) endete in der Bundesliga die Wechselfrist, entsprechend hektisch war es bei allen Vereinen, aber die Bayern schossen wohl den Vogel ab. Der Spanier Marc Roca soll seinen Landsmann Martinez ersetzen, der Franzose Sarr Back-up für Pavard als Rechtsverteidiger werden und sogar für das eigentliche Auslaufmodell Choupo-Moting (zuletzt in Paris ohne Vertrag) finden die Bayern wohl Verwendung. Manche Verpflichtung könnte aber auch reine Verschwendung sein, wenn man zum Beispiel gesehen hat, wie Talent Chris Richards gegen die Hertha aufgetrumpft hat. Mehr Mut für den eigenen Nachwuchs spart Geld!

Es gibt Vereine, die sagen sich, die Sorgen der Bayern möchten wir haben. Das Gegenstück bilden die drei punktlosen Vereine am Tabellenende, der 1. FC Köln, Mainz 05 und Schalke 04. Diese Reihenfolge könnte es am Tabellenende auch zum Schluss der Saison geben. Auffallend ist, dass der Trainerwechsel bei Mainz und Schalke vollkommen verpufft ist, Lichte und Baum mussten parallel 0:4-Niederlagen hinnehmen. Gerade sie sind über die Länderspielpause glücklich, schöpfen die Hoffnung, dass sie ihre Mannschaften in dieser Zeit besser machen können. Das gilt auch für Markus Gisdol in Köln, der nach 13 sieglosen Spielen in Folge ebenfalls in der Kritik steht. Nach seinen Anfangserfolgen am Rhein wurde sein Vertrag frühzeitig bis 2023 verlängert – und jetzt herrscht Ratlosigkeit. Was nun, Manager Horst Heldt?

Von Länderspielpause zu Länderspielpause stehen vier Spieltage ab dem 17. Oktober an und die können vorentscheidend werden. Vor allem für Manuel Baum auf Schalke, denn es stehen Duelle gegen Mitkonkurrenten im Kampf gegen den Abstieg an, nämlich Union Berlin, Stuttgart und Mainz. Dazu gibt es das Derby in Dortmund. Dort gewinnen und alles Leid wäre vergessen. Aber wer glaubt daran!

Im Mittelpunkt stand in den letzten Tagen auch Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus, die überraschend das Ende ihrer Karriere verkündete. Die 41-Jährige könnte noch sechs Jahre pfeifen, bis sie die Altersgrenze erreicht hätte. Anscheinend war ihr der Job jetzt schon zu stressig in der Männerwelt, sie stellte private Gründe in den Vordergrund und will sich später äußern. Bibi war auf jeden Fall eine Bereicherung auf dem grünen Rasen und hat durch gute Leistungen beeindruckt, sie war die beste Schiedsrichterin der Welt und sollte den Weg für mehr Frauen im Schiedsrichterwesen bereitet haben, aber die müssen sich erst mal trauen. Dass Steinhaus den Supercup leiten durfte, war ein gerechter und richtiger Abschied.

Handball will nicht in Vergessenheit geraten

Und wieder nimmt eine Sportart den Kampf gegen die Unbillen der Corona-Pandemie auf. Die Handball-Bundesliga startet am Donnerstag in ihre neue Saison, notfalls ohne Zuschauer. Gespielt werden muss, damit Handball bei den Sportfans nicht in Vergessenheit gerät. Dieses Problem haben die Handballer im Schatten von Fußball mit Basketball und Eishockey gemeinsam. Jetzt kam auch noch Corona dazu mit Problemen, die kaum zu bewältigen sind. Eins ist nämlich klar: Nicht nur in der Handball-Bundesliga geht die Existenzangst um. Sogar im Fußball geistert das Schreckgespenst von der Insolvenz herum.

Jetzt aber wird wieder Handball gespielt, wobei der Europacup schon dafür gesorgt hat, dass die Öffentlichkeit weiß, es gibt Handball noch. Dabei kann die HBL mit einem Pfund wuchern, sie gilt nach wie vor als stärkste Liga der Welt und sie hat auch einen neuen Superstar, den 25-Jährigen Norweger Sander Sagosen, der vom reichsten Klub der Welt, Paris St. Germain, den Weg zu Rekordmeister THW Kiel gefunden hat. Zum Vergleich: Dies ist, als würden Messi oder Cristiano Ronaldo in der Fußball-Bundesliga spielen. Damit hat sich die deutsche Liga erfolgreich gegen die europäische Konkurrenz gewehrt, denn der drohende Ausverkauf nach Spanien, Frankreich oder sogar Ungarn (Veszprem) wurde schon an die Wand gemalt. Allerdings: Ein Messi oder Cristiano Ronaldo sagen wir mal bei Bayern München würde hierzulande für unvergleichlich mehr Aufmerksamkeit sorgen. Sagosen kam mehr oder weniger heimlich, still und leise.

Unabhängig von diesem Coup haben fast alle Vereine finanzielle Probleme, aber jetzt heißt es, Hauptsache es wird gespielt. Im Frühjahr wurde angesichts der Corona-Krise die Runde vorzeitig beendet und der Tabellenführer THW Kiel zum Meister erklärt. Der Rekordmeister (21 Titel) kehrte auf den Thron zurück, den ihm vier Jahre lang die Rhein-Neckar-Löwen (16+17) sowie die SG Flensburg-Handewitt (18+19) geraubt hatten. Einen Absteiger gab es nicht, Coburg und Essen durften aber aufsteigen, deshalb wurde die Liga auf 20 Vereine aufgestockt, dafür müssen gleich vier absteigen.

Die Saison 20/21 wird also eine Art Überlebenskampf, womit Handball natürlich nicht allein steht, die gleichen Sorgen hat Basketball, noch größere Sorgen Eishockey (siehe „Das Eishockey muss um seine Zukunft bangen“ vom 24. September). Aber gerade die HBL-Klubs haben den Kampf angenommen, Gehaltsverzicht ist an der Tagesordnung, in Nordhorn bekommen alle Spieler angeblich nur ein Zweitliga-Gehalt, weil der Klub normal ja abgestiegen wäre. Handball hat den Vorteil, dass es spannend und TV-wirksam ist (im Eishockey zum Beispiel sieht man den Puck am Bildschirm kaum) und ausführlich im Fernsehen übertragen wird. Sky ist der Stammsender, der alle Spiele live überträgt, die Champions League ist bei DAZN zu sehen. Einen Werbeeffekt soll auch die Weltmeisterschaft im Januar 2021 in Ägypten erzielen. Trotz aller Hürden und Terminprobleme, der Optimismus ist nicht ausgestorben. Handball hat eine Zukunft.

Sind die Bayern Anfang der Saison schon am Ende?

Vor einer Woche war an dieser Stelle „von einem außergewöhnlichen ersten Spieltag“ in der Fußball-Bundesliga die Rede. Was, bitte schön, war dann der zweite Spieltag? Die seltsamen Ereignisse und Ergebnisse überschlugen sich und es war ein Spieltag, wie ihn sich eine PR-Agentur nicht besser als Werbepaket für die Bundesliga hätte ausdenken können! Spieler-Streik, Trainer-Entlassung, Zuschauer in fast allen Stadien und Favoriten-Stürze – sieht so die Antwort auf die Corona-Pandemie aus?

Im Mittelpunkt natürlich der vom Triple-Sieger zum Quadruple-Sieger aufgestiegene FC Bayern München. Im Jahr 2020 bis dahin noch ungeschlagen, scheinbar unantastbar, aber es scheint, als bewahrheiteten sich die Warnungen: Die Terminhatz zu anstrengend, der Kader zu klein. Der Sieg im UEFA-Supercup, das 2:1 gegen den FC Sevilla nach 120 Minuten, hat wohl Spuren hinterlassen. Die Folge war das 1:4 in Hoffenheim, wo eine von Jungtrainer Sebastian Hoeneß clever eingestellte Mannschaft ähnlich wie Sevilla (da wehrten sich die Bayern noch tatkräftig) die Schwächen beim Münchner Sturm- und Drang-Konzept schonungslos offenlegte. Die Bilanz sprach für den Meister, bis dahin nur drei Hoffenheimer Siege in 25 Spielen, neue Rekorde schienen möglich. Aus und vorbei. Keine elf Auswärtssiege in Folge, kein ungeschlagenes Jahr 2020. Das gab es bisher einmal, die Bayern schafften das 2013. Die letzte Niederlage gab es am 7. Dezember 2019! Achtung: 2020 noch ungeschlagen ist – Arminia Bielefeld. Der Aufsteiger wehrt sich auch im Oberhaus, blieb bis dahin in der 2. Liga ungeschlagen!

Bei den Bayern stellt sich die Frage, sind sie am Anfang der Saison schon am Ende? Die Hetzjagd geht weiter, der Kader wird eher noch kleiner. Die Nachrichten passen nicht zur Situation: Javi Martinez, der Held von Budapest mit dem Siegtreffer zum 2:1, will zurück in die alte Heimat nach Bilbao, Cuisance will spielen und ist bei Leeds United im Gespräch, zudem ist die Verpflichtung des begehrten Verteidigers Dest fraglich, der Belgier tendiert neuerdings zum FC Barcelona. Trend: Die Bayern haben viele Pokale, aber wenig Spieler.

Nicht zu vergessen, der nächste Supercup steht bevor, am Mittwoch gegen Borussia Dortmund. Damit nicht immer in Dortmund gespielt wird, haben die Münchner diesmal Heimrecht, allerdings wohl ohne Zuschauer. Das Geheimnis: Wie ernst nehmen beide Trainer diesen Supercup. Sehen sie ihn als Superspiel oder als Experimentierfeld? Für Bayern-Coach Hansi Flick könnte Erholung im Vordergrund stehen oder will er lieber eine neue Siegesserie starten? Kollege Lucien Favre hat wohl eher den Ehrgeiz, die Hand nach dem Pokal auszustrecken, aus doppeltem Grund: Einmal als Beweis, ich kann doch Titel gewinnen, zum anderen, die Mannschaft braucht nach der peinlichen Niederlage in Augsburg neues Selbstbewusstsein. Sportchef Michael Zorc betonte bereits: „Das ist ein Prestige-Duell.“ Die Dortmunder gehen auch mit mehr Ehrgeiz in diese Spiele, zum neunten Mal stehen sich beide Teams in diesem Supercup-Vergleich gegenüber (normal Pokalsieger gegen Meister, beim Doublegewinn darf der Vizemeister, wie diesmal Dortmund, ran), Dortmund weist eine positive Bilanz von 5:3-Siegen auf. Aber: Am ersten Spieltag wurden beide Mannschaften umjubelt, in den Himmel gehoben, jetzt gilt Krisenbewältigung!

Dortmund leitete den zweiten Spieltag der Favoriten-Stürze mit dem 0:2 beim FC Augsburg ein. Clever verengten die Augsburger die Räume und liefen sich die Zunge aus dem Leib, sie rannten elf Kilometer mehr als die Dortmunder. Für Trainer Heiko Herrlich war es der erste Heimsieg mit dem neuen Verein! Eigentlich war den Augsburgern zum Saison-Start das Tabellenende prophezeit worden, am Samstag grüßten sie als Tabellenführer – bis dann Hoffenheim kam. Aber auch die anderen Anwärter auf die Champions-League-Plätze strauchelten, Leverkusen und Leipzig trennten sich 1:1, das schaffte auch Gladbach nur gegen Union Berlin und Hertha BSC erlebte den Reinfall gegen Eintracht Frankfurt (1:3). Leverkusen und Gladbach sind noch ohne Sieg! Na ja, sind ja erst zwei Spieltage.

Am Tabellenende finden sich zwei Mannschaften, die für die größten Schlagzeilen gesorgt hatten: Schalke 08 (nein, Verzeihung, wieder 04) und Mainz 05. Schalke wollte wohl versuchen, länger nicht zu siegen, als Bayern gewinnen kann, nun die Münchner beendeten diese Rechnung, die Schalker noch nicht. Nach dem 18. Sieglosspiel in Folge musste Trainer David Wagner gehen. Er wurde endlich erlöst, aber eigentlich müssten die Verantwortlichen mitgehen, denn den größten Fehler machten sie schon im Sommer, als sie nicht auf einen Neuaufbau und neuen Trainer nach der Erfolglos-Serie ohnegleichen setzten. Statt Neuaufbau kamen alte Spieler zurück, die eigentlich nicht mehr gewollt waren. Jetzt sollen sie Retter spielen. Naiver geht es nicht! Jetzt ist die Frage, wer sich diese Herkulesaufgabe antut, den Erfolg auf Schalke zurückzubringen, es muss fast ein Trainer und Manager sein, der den ganzen Verein umkrempelt. Wie die Faust aufs Auge passte dazu eine Spuck-Attacke von Schalke-Abwehrmann Kabak. Er muss wohl jetzt länger zuschauen.

Auch in Mainz kam es zu Konsequenzen, auch da muss jetzt der Trainer gehen. Zuerst streikten die Spieler, sie solidarisierten sich mit dem Kollegen Adam Szalai, der nach einem Disput mit Coach Achim Beierlorzer zur U23 versetzt wurde. Da der beliebte Mitspieler, dort der ungeliebte Trainer – da kochen die Emotionen hoch und führen zu Kurzschlusshandlungen. Spieler-Streik der Millionäre – das geht gar nicht. Eine lange Leitung hatten aber auch der Trainer und Sportchef Rouven Schröder, denn der Brandherd, der schon lang köchelte, wurde nicht rechtzeitig ausgetreten. Der Trainer muss gehen, aber auch der Sportvorstand hat an Reputation verloren. Das 1:4 gegen Stuttgart war eindeutig eine Folge dieser Unruhen im Verein. Jetzt soll es vorerst der bisherige Assistent Jan-Moritz Lichte richten, der 40-Jährige könnte aber auch Dauerlösung sein, er gilt als eines der hoffnungsvollen Trainer-Talente.

Die Bundesliga sorgte also für Gesprächsstoff, da steigt die Spannung vor dem 3. Spieltag. Die „Spitzenteams“ Hoffenheim und Augsburg müssen sich in Frankfurt und Wolfsburg beweisen, Schalke droht in Leipzig die nächste Niederlage und Werder Bremen kann gegen Bielefeld zeigen, ob das 3:1 die Wende zum Guten bedeutet oder nur auf Schalkes Schwäche zurückzuführen war. Und am Ende treffen die Bayern auf Hertha BSC. Wie munter werden sie noch sein?

Europa im Schatten

Champions League und Europa League gibt es auch noch, doch Europa steht bisher im Schatten. Am Donnerstag nicht mehr, wenn die Champions League ausgelost wird und Europas Spieler, Spielerin und Trainer gewählt werden. Die Bayern sind bekanntlich mit Manuel Neuer, Robert Lewandowski und Hansi Flick dick dabei. Vor so einer Ehrung passte die Niederlage wiederum gar nicht, aber Ehrungen können auch munter machen. Mal sehen, ob auch diese Veranstaltung zu einer PR-Aktion für die Bundesliga wird. Bayern München wird bei der Gruppen-Auslosung in Topf 1 zu finden sein, doch das garantiert keine leichte Gruppe, ganz im Gegenteil, nach den neuen Kriterien ist das kein Vorteil. Der FC Barcelona oder Atletico Madrid könnten Gegner sein und werden nicht immer Kanonenfutter sein. Abwarten und Tee trinken heißt es für alle deutschen Teilnehmer, also auch für Borussia Dortmund, RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach in der Champions League, sowie für Bayer Leverkusen und die TSG Hoffenheim am Freitag in der Europa League. Da will auch der VfL Wolfsburg in der Verlosung sein, dafür muss am Donnerstag bei AEK Athen noch ein Sieg her. Nach zwei Runden in der Qualifikation machen auch die Wölfe wie die Bayern frühzeitig einen müden Eindruck. Ob die Kraft zur erfolgreichen Jagd noch reicht?

Fragezeichen bleiben angesichts der Corona-Pandemie generell über den europäischen Wettbewerben. Die Infektionszahlen steigen überall in Europa, wie kann die Gesundheit der Spieler garantiert werden und können alle Nationen die entsprechende Reisefreiheit garantieren. Nicht, dass Mannschaften plötzlich in der Quarantäne verschwinden. Das wäre dann alles andere als ein PR-Gag! Der erste Spieltag ist für 20./21. bzw. 22. Oktober terminiert.

Das Eishockey muss um seine Zukunft bangen

Die Nachricht passte eigentlich wie die Faust aufs Auge: Der deutsche Eishockey-Star Peter Draisaitl wurde in der amerikanischen Profi-Liga NHL zum wertvollsten Spieler der Saison gewählt und schreibt damit ein Stück deutsche Eishockey-Geschichte. Doch was hat das deutsche Eishockey davon, gerät jetzt die nationale PR-Maschine in Fahrt, wird Eishockey hierzulande populär?

Nichts von alledem, diese Ehrung verpufft im Bangen um die Zukunft des deutschen Eishockeys. Das Virus Covid-19 kann das Eishockey in die Knie zwingen, die Saison 2020/21 ist in Gefahr und damit auch der Fortbestand dieser Sportart in Deutschland. Da hilft auch Peter Draisaitl als Werbelokomotive nicht. Eigentlich wollte die Profi-Liga DEL am 13. November loslegen, mit Stadien, die zumindest etwa zur Hälfte gefüllt sind. Eishockey will zurück in die Augen der Sportfans, nachdem die letzte Saison wegen der Corona-Pandemie vorzeitig abgebrochen wurde.

Doch dieser Schatten liegt auch über der neuen Saison. Die Politik hat eine Zuschauer-Kapazität von etwa 20 Prozent für die Stadien festgelegt. Zu wenig für die Eishockey-Klubs, die vornehmlich von den Zuschauer- und Sponsoren-Einnahmen leben. Die Vereine stehen mit dem Rücken zur Wand, die Spieler haben auf mindestens 25 Prozent ihrer Gehälter verzichtet, aber jetzt geht es ums Überleben. Es ist der Hilferuf eines Ertrinkenden, wenn die DEL von der Regierung fordert, dass sie 60 Millionen Euro locker machen muss, um Eishockey in Deutschland zu retten. Sollten nicht mehr Zuschauer erlaubt sein, wird wohl nicht gespielt werden. Doch der Zeitplan wird immer enger, ein Start der Punktrunde im Januar bedeutet auch eine verkürzte Meisterschaft, bedeutet finanzielle Probleme. Dann ist sogar eine deutsche Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Mai in Gefahr. Ohne Spiele wohl auch keine Nationalmannschaft. Die Hoffnung schmilzt wie das Eis im Sommer. Da haben es zum Beispiel Basketball und Handball leichter.

Diese wenig rosigen Aussichten werden auch Peter Draisaitl grämen. Er hat sich immer zur deutschen Nationalmannschaft bekannt, aber eigentlich wäre er froh, wenn er für die Auswahl keine Zeit hätte. Das würde nämlich bedeuten, dass er mit seinem Verein, den Edmonton Oilers, im Kampf um den Stanley Cup vertreten wäre. Den will er nämlich gewinnen, da will er auf den Spuren seine Vorbilds, dem größten NHL-Star aller Zeiten, Wayne Gretzky, wandeln. Der war bei den Oilers ein Held. Peter Draisaitl hat in diesem Jahr seinen persönlichen Höhepunkt erlebt, er war Skorerkönig der Liga und jetzt wertvollster Spieler. Er ist erst der zweite deutsche Profi, der in einer Profi-Liga in Amerika geehrt wurde, er folgt dem Basketball-Star Dirk Nowitzki, der 2006/07 ausgezeichnet wurde. Aber der 24-Jährige hat wohl keine Chance, in Deutschland eine ähnliche Popularität wie Nowitzki zu erlangen.

Zumindest hat der Kölner den Vorteil, dass in Nordamerika Eishockey gespielt wird und auch die neue Saison geplant wird. Dass sie ausfallen könnte, gilt als unwahrscheinlich. Amerika, Du hast besser, könnte man sagen, wenn die Amerikaner nicht so einen idiotischen Präsident hätten. Donald Trump ist vielleicht die einzige Unwägbarkeit, weil er mit seinen seltsamen Entscheidungen sogar den Sport in Gefahr bringen könnte. Aber das ist Politik, wollen wir so ein düsteres Szenarie gar nicht in den Raum stellen.

Übrigens: Peter Draisaitl gehört auch in Sachen Gehalt zur Spitze des deutschen Sports. Eine am Sonntag veröffentlichte Rangliste der bestverdienenden deutschen Athleten und Athletinnen listet Draisaitl mit 7,5 Millionen Euro Jahresgehalt auf Rang 10 auf. Spitzenreiter ist Formel-1-Star Sebastian Vettel mit 35 Millionen Euro vor Fußball-Star Toni Kroos (20 Mill.). Nur Basketball-Star Dennis Schröder in der NBA (13 Mill.) und sechs weitere Fußballer (Özil, Neuer, Müller, Sané, Boateng, Gündogan) liegen noch vor Draisaitl. Der NHL-Star muss um seine Zukunft nicht bangen.

Der Spaß am Fußball ist zurück

Kann ein erster Spieltag bedeutend sein? Angesichts der seltsamen Saison 2020/21 in der Fußball-Bundesliga schon. Allerdings stand nicht der Sport im Vordergrund, sondern diesmal waren es die Zuschauer, die erstmals wieder in diesen Coronazeiten wieder ein Spiel besuchen durften. Zwar nicht überall und nur in reduzierter Zahl, aber doch mit Wucht und es gibt nur eine Meinung: Der Spaß am Fußball ist zurück! Dort, wo Fans auf den Rängen zu sehen waren, hieß es: „Schön, dass ihr wieder da seid!“ Allerdings monierten in dem einen oder anderen Fall die Spieler schon wieder Unmutsäußerungen von den Rängen. Mancher Fan dagegen dachte sich wohl: Endlich wieder pfeifen.

Aber auch sportlich könnte es ein außergewöhnlicher erster Spieltag gewesen sein. Es ist zwar ein Stück voreilig, jetzt schon, nachdem insgesamt 34 Spieltage zu absolvieren sind, von Weichenstellungen zu reden, aber es gab handfeste Hinweise. So zum Beispiel, dass das Spitzentrio nicht gewillt, die Plätze an der Sonne abzugeben. Bayern München machte mit einem furiosen 8:0 gegen Schalke den Auftakt, Dortmund zog mit Tempo-Fußball beim 3:0 gegen von Verletzungen gebeutelte Gladbacher nach, Leipzig zeigte sich souverän beim 3:1 gegen Mainz. Langweilig muss es an der Spitze nicht werden, vor allem die jungen Spieler bei Dortmund weckten die Neugier. War es ein Ausnahme? Zeigen sie es immer? Was, wenn der Tempo-Fußball von Bayern und Borussia aufeinander trifft? Wir werden es schon am 30. September beim Supercup in München sehen. Bei beiden Klubs heißt es „Jugend forsch“.

Handfeste Hinweise aber auch am Tabellenende. Schalke 08 wird es künftig oft heißen, ohne dass deswegen eine Moderatorin ihren Arbeitsplatz verliert. Und bei Werder Bremen schütteln alle den Kopf nach dem Aussetzer gegen Hertha BSC und der 1:4-Niederlage. Ja, geht das denn schon wieder los? Vor einem Jahr galt sogar die Europa League als Ziel, jetzt wollte Werder nach dem glücklichen Klassenerhalt nur in Ruhe arbeiten – schon vorbei. Der Spielplan ist glücklich: Schalke und Werder treffen aufeinander, dass Duell der Enttäuschten und Enttäuschenden als „Topspiel des Tages“ am Samstag. Manche Planung sorgt dann doch für Ironie. Allerdings: Für Schalke vielleicht die leichteste Aufgabe an den ersten fünf Spieltagen.

Doch das war es noch nicht mit den Hinweisen. Köln unglücklich beim 2:3 gegen Hoffenheim, Union Berlin uneffektiv beim 1:3 gegen Augsburg (das zweite Jahr gilt als das Schwerste, obwohl die Statistik anderes aussagt), Bremen und Schalke sowieso von der Rolle – der Kampf um den Klassenerhalt hat mancherorts bereits begonnen. Augsburg machte diesbezüglich „big points“, Aufsteiger Bielefeld bewies mit dem 1:1 in Frankfurt dass man die Rolle von Union vom Vorjahr spielen kann, Mit-Aufsteiger Stuttgart haderte beim 2:3 gegen Freiburg über die Unerfahrenheit. „Stuttgart wird noch manchem Probleme bereiten,“ tröstete Christian Streich, der Trainer vom Gegner. Mit solchem Lob ist mancher schon abgestiegen…

Also, der erste Spieltag machte Lust auf mehr, der Spaß am Fußball und an der Bundesliga ist zurück, da sollte uns der zweite Spieltag nicht enttäuschen. Leverkusen – Leipzig heißt das Schlagerspiel mit der Prüfung von zwei Spitzenteams oder solchen, die es sein wollen. Dortmund in Augsburg und die Bayern in Hoffenheim sollen zeigen, ob das mit dem Tempo immer stimmt. Bielefeld – Köln ist schon ein Duell im Abstiegskampf und dann haben wir eben noch das „Top-Spiel“, Schalke und Bremen sollten ihre Leistung der Bedeutung anpassen. Übrigens: Hertha BSC und der FC Augsburg werden sich die Tabelle vom ersten Spieltag ausschneiden: Beide liegen auf einem Platz für die Champions League. Wie wird es am Ende ausschauen? Der erste Spieltag hat nie die Tabellenkonstellation wie der letzte. Eine Ausnahme höchstens: Bayern ist Erster.

Das Ärgernis Supercup in Budapest

Der Europäische Fußball-Verband UEFA ist dabei, sich zu blamieren. Wenn es in den nächsten Tagen nicht ein Umdenken gibt, dann bleibt das Spiel um den UEFA-Supercup am Donnerstag in Budapest ein Ärgernis. Die beiden Rivalen Bayern München als Sieger der Champions League und FC Sevilla als Gewinner der Europa League müssen wohl antreten, können jedoch in einer „Blase“ reisen, ohne Kontakt zur Außenwelt. Aber das rund 20.000 Zuschauer in einer Stadt, die von Deutschland als Corona-Risikogebiet eingestuft wird, im Stadion sein sollen, ist unbegreiflich. Von Bayern sollen sich angeblich 2100 Fans auf den Weg nach Budapest machen, sie können sich vorher beim Verein kostenlos einem Corona-Test unterziehen, ebenso nach der Rückkehr. Eine reibungslose Rückkehr ist möglich, weil sie bei einem Aufenthalt von höchstens 48 Stunden nicht in Quarantäne müssen. Aber die Ansteckungsgefahr ist groß und ebenso groß ist deshalb das Unverständnis, dass die UEFA angesichts der steigenden Infektionszahlen in Europa und sogar in der ganzen Welt nicht den sicheren Weg wählt und auf Zuschauer verzichtet. Wichtig für den Verband ist doch nur das Spiel selbst, damit die TV-Einnahmen fließen. Übrigens dazu passt die nächste Kolumne: „Reden wir über Geld“.

Dass die Bayern in dieser Saison eine einzige Hetzjagd absolvieren müssen, ist bekannt. Spannend ist die Frage, wie Trainer Hansi Flick darauf reagiert. Die besten Spieler können nicht alle Spiele absolvieren und deshalb wird es interessant sein, zu sehen, ob Flick rotiert oder nicht. Soll der Gewinn des Supercups das Triple vergolden und wird der eine oder andere Stammspieler dafür am Sonntag in Hoffenheim geschont oder heißt es „Augen zu und durch“? Wie groß ist der Ehrgeiz, dass die Serie der ungeschlagenen Spiele weiter anhält? Nächste Woche wartet ja schon wieder der deutsche Supercup gegen Dortmund (siehe oben). Das mit der Hetzjagd ist ja nicht nur so dahingeredet.

Beide Kontrahenten haben je einmal die Trophäe schon hoch gehalten, Sevilla 2006 nach einem 3:0 gegen den FC Barcelona, die Bayern 2013 als Triple-Sieger nach einem 5:4 nach Elfmeterschießen gegen Chelsea London. Diesmal sollte hinterher nur nicht Corona als Sieger bezeichnet werden.