Die Olympischen Winterspiele sind wieder daheim
Endlich! Die Olympischen Winterspiele sind wieder daheim, wieder in den Alpen. „Da dürfen wir uns auf eine großartige Stimmung freuen,“ ist auch Ex-Skistar und TV-Experte Felix Neureuther glücklich. 2006 gastierten die Winterspiele letztmals in Europa, damals ebenfalls in Italien, in Turin, jetzt ist Mailand mit Cortina d’Ampezzo der Gastgeber. Dazwischen lagen die wundervollen Spiele in Vancouver und Whistler 2010, aber auch die mit Probleme belasteten Spiele in Sotschi 2014, 2018 in Pyeongchang in Südkorea und 2022 in Peking. Sotschi waren die russischen Dopingspiele, in Asien gab es kaum gute Stimmung auf den Rängen, Peking litt dazu unter der Corona-Pandemie. Endlich also wieder richtige Olympische Winterspiele in reizvoller Landschaft und hoffentlich mit guter Stimmung.
Ganz ungetrübt ist die Freude allerdings. Vom 6. bis 22. Februar stehen uns die größten dezentralen Spiele bevor. Mailand mit den Wettbewerben auf Eis und Cortina mit allen im Eiskanal sowie Alpin-Ski der Frauen sind die zentralen Orte, in beiden wird am Freitag zeitgleich das Olympische Feuer entzündet, was ein Novum darstellt. Insgesamt gibt es 15 Wettkampf- und Zeremonienstätten, Olympia findet auch in Livigno, Bormio, Antholz und Predazzo statt. Den Abschluss bildet die Schlussfeier in Verona, das berühmte Fußballstadion San Siro in Mailan sieht die Eröffnungsfeier. 5,2 Milliarden Euro hat sich Italien die Spiele kosten lassen, rund um die Wettkampfstätten gab es zum Teil viel Ärger. So sollte die Bobbahn ausgelagert werden (Innsbruck war im Gespräch), dann wurde doch in Cortina in beeindruckendem Tempo neu gebaut. Hoffentlich wird der neue Eiskanal danach keine Ruine, wie es sie in vielen Olympiastädten gibt. In Mailand geriet die Eishalle in die Kritik, die Renovierung ist nicht einmal bis zu den ersten Eishockeyspielen am Donnerstag abgeschlossen. Über das Eis wurde auch geklagt, doch Besserung hat es bereits gegeben.
Rund 3500 Sportlerinnen und Sportler aus rund 90 Nationen gehen in 245 Entscheidungen auf die Jagd nach 735 Medaillen. Neu dabei ist die Sportart Skibergsteigen, die in Bormio debütiert. Deutschland ist mit seinem größten Aufgebot aller Zeiten dabei, 185 Athleten wurden nominiert, den Rekord hielt bisher Turin mit 161. Deutschland will auch im Medaillenspiegel wieder vorne dabei sein, vor vier Jahren in Peking war es sogar Rang zwei mit insgesamt 27 Medaillen, davon 12mal Gold, 10mal Silber und 5mal Bronze. Beste Nation war Norwegen (37/16-8-13), die USA rangierte auf Rang drei (25/9-9-7).
Der Eiskanal soll zum Goldkanal werden
Goldig sollen Männer und Frauen auch diesmal wieder im deutschen Team glänzen. Wie viele Medaillen es am Ende wirklich werden, hängt oft auch vom Wettkampfglück ab. Die größten Erwartungen ruhen auf den Sportarten Bob und Rodel, der Eiskanal soll zum Goldkanal werden, heißt, es könnte sogar zu einer Rekordserie kommen, dass alle Goldmedaillen nach Deutschland gehen! Aber auch im Skeleton sind Medaillen drin. Bezeichnend der Zweikampf der besten deutschen Bobfahrer, wo sich die beiden 35-jährigen Francesco Friedrich und Johannes Lochner seit Jahren mit ihren Teams ein Duell um den ersten Platz liefern, einen anderen Sieger kann man sich gar nicht vorstellen. Aber auch die Rodler rasen gern zum Sieg, Altmeister Felix Loch ist wieder in Topform, Julia Taubitz gewann fünfmal den Gesamtweltcup, jetzt will sie endlich Olympia-Gold.
Es gibt viele deutsche Hoffnungen, aber auch einige Sportarten, die gerade ein Tief erleben, früher aber sichere Medaillensammler waren. Mit Biathlon ist auch die beliebteste Sportart der Deutschen dabei, wenn man nach den TV-Einschaltquoten geht. Medaillenhoffnungen gibt es, doch Sieganwärter eigentlich nicht. Die Hoffnungen ruhen vor allem auf Franziska Preuß, die im Vorjahr den Gesamtweltcup gewann, aber in diesem Jahr wieder unter Verletzungen und Krankheiten litt. Dennoch hofft sie auf einen großen Abschluss ihrer Karriere, die sie nach Olympia oder nach der Saison beenden will. Sie sehnt sich nach ihrer ersten Einzelmedaille, am liebsten natürlich Gold. Bisher holte sie einmal Bronze mit der Staffel. Im Biathlon bestimmen bei den Frauen Frankreich und vielleicht noch Lisa Vitozzi aus Italien das Geschehen (Doro Wierer wird in ihrem Heimatort Antholz ihre Karriere ebenfalls beenden). Bei den Männern sind Norweger und Franzosen schier unschlagbar, der Italiener Giacomel und der Schwede Samuelsson können vielleicht dazwischen funken.
Im Abwärtstrend auch die Skispringer, die sich ausgerechnet im Olympia-Jahr in einem Tief befinden. Sinnbild dafür der einstige Vorzeigespringer Karl Geiger aus Oberstdorf, der es nicht einmal in das Aufgebot geschafft hat. Der Slowene Domen Prevc ist der überragende Springer der Saison, die Österreicher stellen die stärkste Mannschaft. Die Frauen haben bessere Chancen, sie dürfen zudem erstmals auch von der Großschanze springen. Selina Freitag und Katharina Schmid gehören zu den Medaillenanwärterinnen. Eine Sonderrolle spielt die Nordische Kombination, wo das Spitzenfeld sehr ausgeglichen ist und die Deutschen vorne mitmischen. Allerdings könnte es in Predazzo (Springen) und Tesero (Langlauf) zu einer Abschiedsvorstellung kommen, das IOC ist der NoKo nicht wohlgesonnen, angeblich würden zu wenige Nationen diesen interessanten Sport betreiben. Bezeichnend, dass den Frauen die Aufnahme weiterhin verwehrt wurde.
Im alpinen Sport gibt es zwei deutsche Hoffnungsträgerinnen, das 22-jährige Fahrtalent Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann in den Speed-Disziplinen, Aicher ist zudem im Slalom stark, da hofft auch Lena Dürr. Bei den Alpinen beherrschen die Amerikanerin Mikaela Shiffrin und die Schweizerin Kamilla Rast die Konkurrenz, bei den Männern der Schweizer Marc Odermatt. Die Schlagzeilen gehörten aber zuletzt der Amerikanerin Lindsay Vonn, die nach Knieoperationen ihre Karriere bereits beendet hatte, aber mit Knieprothese mit 41 Jahren ein erfolgreiches Comeback startete und wieder Rennen gewann. Unmittelbar vor Olympia erlitt sie am bisher gesunden Knie einen Bänderriss, will aber dennoch starten. Der Showdown ist am Sonntag um 11.30 Uhr bei der Abfahrt der Frauen in Cortina.
Eine Sonderrolle bei den Spielen 2026 nimmt das Eishockey-Turnier ein. Weil die NHL für Olympia eine Pause macht, sind die besten Spieler der Welt dabei und so wird vom „besten Eishockey-Turnier aller Zeiten“ gesprochen. Die Favoriten sind dadurch natürlich Kanada und die USA, aber auch Schweden und Finnland profitieren von den NHL-Ausleihen. Auch bei Deutschland spricht man von der „stärksten Mannschaft aller Zeiten“. Andererseits heißt es bei dieser Konstellation, „eine Medaille wäre fast ein Wunder“, wie es der beste deutsche Spieler Leon Draisaitl formuliert. Immerhin sieben NHL-Spieler stehen im DEB-Aufgebot und Draisaitl gehört zweifellos zu den besten Spielern der Welt. Ob sich aber Silber von 2018 in Südkorea wiederholen lässt? Ärger gab es um das Eis in Mailand, das eine schlechte Qualität aufwies. Die Eisfläche hat die Größe der NHL-Arenen, ist also kleiner als in Europa. Die NHL-Größen sollen sich wohlfühlen!
Auch die deutschen Fernsehzuschauer dürfen sich freuen, endlich finden die Wettbewerbe wieder zur gewohnten europäischen Zeit statt, ARD und ZDF übertragen abwechselnd den ganzen Tag über alle Wettbewerbe. Es liegt an den deutschen Athletinnen und Athleten wie groß die Olympia-Begeisterung in den nächsten Tagen in Deutschland sein wird. Einen Vorteil hat ja der Sport – die Ungewissheit. Gewiss sind nur die Überraschungen, mancher Favorit ging am Ende leer aus!