Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Bayerns Angst vor der Zukunft

Das Jahr 2018 ging ja schon gut los – 3:1-Sieg in Leverkusen, dass in dieser Saison zu Hause noch ungeschlagen war, ebenso in den letzten zwölf Bundesliga-Spielen. Der FC Bayern München setzte also in der Fußball-Bundesliga gleich ein Zeichen für die Konkurrenz, Motto: Wir lassen nicht locker, der Titel gehört uns. Die Gegenwart schaut also unter Trainer Jupp Heynckes rosig aus, nachdem es im Herbst noch Turbulenzen gegeben hatte, die in der Ablösung von Trainer Carlo Ancelotti und seinem Team ihren Höhepunkt hatten. Die Zukunft sehen die Verantwortlichen des FC Bayern allerdings nicht so rosig, insgeheim geht im Verein sogar die Angst vor der Zukunft um.

Das berühmte „mia san mia“ wird zwar natürlich weiter zur Schau getragen, damit keiner glaubt, er könnte an der Spitzenstellung der Münchner kratzen, aber wie die Vormachtstellung im deutschen Fußball auch in der Zukunft erhalten werden kann, dafür gibt es noch keine gültige Antwort. Tatsache ist, dass die Protagonisten der letzten Jahre an ihre Altersgrenze stoßen, die einen auf dem Feld, die anderen im Vorstand. In Leverkusen stand die älteste Mannschaft der Bundesliga auf dem Feld – Zukunft sieht anders aus. Sinnbild dafür die in die Jahre gekommenen Flügelflitzer Arjen Robben (33 Jahre alt) und Franck Ribery (34). Deren Verträge laufen 2018 aus, verlängern oder nicht ist für beide Seiten, Spieler und Verein, jetzt die Frage. „Rib & Rob“ stehen für die erfolgreiche Bayern-Zeit, ihre Ablösung tut moralisch weh, ist sportlich auf Sicht aber notwendig, doch werden die Nachfolger auch ihre Klasse haben? Die besten Spieler landen bekanntlich inzwischen an den Geldquellen in England, Spanien oder Paris. Da dürfen die Bayern schon froh sein über einen Hoffnungsträger wie Kingsley Coman, aber ob Serge Gnabry, der im Sommer nach der Ausleihe in Hoffenheim in München landen soll, die Lücke dann schließen kann, ist schon fraglich. Robben und Ribery werden wohl notgedrungen noch bleiben, müssen vielleicht Abstriche in Einsatzzeiten hinnehmen (wenn sie denn überhaupt fit sind), doch Zukunft sieht anders aus.

Die meisten Verträge des Bayern-Kaders haben noch lange Laufzeiten, meist mindestens bis 2021, so dass aktuell keine Sorgen bestehen. Außer den üblichen im Geschäft, dass nämlich Spieler wie Torjäger Robert Lewandowski trotz Vertrags dem Ruf des Geldes erliegen könnten und die Bayern bei unmoralischen Angeboten eben doch schwach werden. Es bleiben Fragezeichen.

Unsicherheit herrscht vor allem in der Trainerfrage und dabei gibt es die größte Unsicherheit, sogar Angst vor der Zukunft. Die Bosse Rummenigge und Hoeneß wünschten sich am meisten, dass der 72-jährige Altmeister Jupp Heynckes, nachdem er schon seinen Ruhestand unterbrochen hat und offensichtlich Spaß an der erfolgreichen Arbeit hat, seine Tätigkeit noch ein Jahr fortsetzt. Dass würde dem Verein Luft verschaffen und ein Jahr später womöglich eine bessere Kandidatenliste der Nachfolger möglich machen. Gesucht wird ja ganz einfach ein Klon von Jupp Heynckes. Dies ist der derzeit einzige Kandidat Thomas Tuchel (vorher Dortmund) zweifellos nicht. Ein deutschsprachiger Trainer soll es wohl sein, da böten sich 2019 u. a. Julian Nagelsmann (Hoffenheim), Ralph Hasenhüttl (Leipzig), Jürgen Klopp (Liverpool) oder sogar Niko Kovac (Frankfurt) an. Deren Verträge laufen da aus oder beinhalten Ablösemöglichkeiten. Im Sommer 2018 sieht es anders aus.

Gedanken müssen sich die Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß aber auch über ihre eigenen Nachfolger machen. Rummenigge, seit 1991 im Vorstand, seit 2002 Vorsitzender des Aufsichtsrats, ist 62 Jahre alt, Vereinsvorsitzender Uli Hoeneß, seit 1979 der Motor der erfolgreichen Bayern-Jahre, befindet sich im Rentenalter. Mit 66 Jahren geht das Leben zwar erst los, sang einst Udo Jürgens, was die Bayern angeht, da befindet sich Uli Hoeneß wohl eher in der Endphase seines Schaffens. Die Bayern sind sein Lebenswerk, das hat er immer betont. Jetzt muss er bald die Weichen stellen, damit sein Lebenswerk auch erfolgreich fortbesteht. Da herrscht große Unsicherheit, das ist zu spüren. Da gibt es auch ein bisschen Angst vor der Zukunft, deshalb wollen alle auch die Erfolge der Gegenwart besonders genießen und hoffen noch einmal auf einen großen Triumph wie 2013 das Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Titel in der Champions League. Es könnte der letzte Triumph für Rummenigge und Hoeneß sein.

Advertisements

Helden für ein paar Tage

Handball gilt eigentlich als „deutsche Sportart“. Dies geht vor allem auf Feldhandball zurück, bei dem in grauer Handball-Vorzeit Deutschland dominierte. Der wesentlich attraktive Hallenhandball löste später den langweiligen Feldhandball ab, damit war auch die deutsche Dominanz zu Ende, aber eine erfolgreiche Zeit erlebt Deutschland auch im Hallenhandball. Die Konkurrenz hat allerdings aufgeholt, Deutschland teilweise überholt und heute ist vor allem Spannung Trumpf. Dennoch rückte Handball im Mannschaftssport hierzulande in den Hintergrund, als „deutsche Sportart“ kann man heute eher den Fußball bezeichnen. Handball aber wird unter Wert verkauft. Mit der Europameisterschaft vom 12. bis 28. Januar in Kroatien rückt die attraktive Sportart wieder ein bisschen in den Blickpunkt.

Dabei haben die Handballer mit den Fußballern vom Joachim Löw eines gemeinsam: Sie hoffen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung. Das DFB-Team wurde 2014 Weltmeister, das DHB-Team 2016 Europameister. Das war zumindest genauso überraschend wie der Titelgewinn der Fußballer in Brasilien, doch Medienstars wurden die Handballer, die selbsternannten „Bad Boys“ nicht. Sie waren höchstens Helden für ein paar Tage. 13 Millionen Zuschauer zitterten immerhin mit den Handballern beim Finale gegen Spanien, das Deutschland mit 24:17 gewann. Der größte WM-Held war wohl der schier unbezwingbare Torhüter Andreas Wolff, der heute bei seinem Verein THW Kiel nicht einmal die erste Geige spielt. Der „Bad Boy“ als „Good Boy“, Held für ein paar Tage.

Oder kennen Sie den Bundestrainer der DHB-Auswahl? Wenn es um Handball geht, dann werden ähnlich wie im Eishockey meist Stars aus vergangenen Zeiten genannt. Die aktuelle Spielergeneration hat trotz des gesteigerten Medienaufkommens und der Sozialmedien nicht den Bekanntheitsgrad. Das ändert sich für ein paar Tage, wenn die Spiele, wie jetzt von der Europameisterschaft, von den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF übertragen werden. Zuletzt verschwand sogar die Nationalmannschaft auf irgendwelchen kleinen Kanälen. Da wird es doppelt schwer zum Helden zu werden.

Der Bundestrainer heißt übrigens Christian Prokop, ist 39 Jahre alt und feiert seine Turnierpremiere. Es war sein Vorgänger, der Isländer Dagur Sigurdsson, der dem DHB-Team nach einigen eher erfolglosen Jahren wieder Leben einhauchte. Der überraschende Titelgewinn 2016 trotz großer Verletzungssorgen war die Krönung. Danach zog es den Isländer wieder in die Heimat zurück und heute trainiert er Japan, was mehr Aufenthalte in Island und weniger Stress bedeutet. Prokop setzte sich im Bundestrainer-Casting durch, der Trainer des DHjK Leipzig musste ausgelöst werden. Er ist der Julian Nagelsmann (Jungcoach des Fußball-Bundesligisten Hoffenheim) des Handballs, gilt als großes Trainertalent. Ob er den Vorschusslorbeeren gerecht werden kann, muss sich in Kroatien zeigen. Bei der endgültigen Spielerauswahl trat er schon einmal ins Fettnäpfchen, denn Kritiker bezweifeln, ob es gerechtfertigt ist, gleich drei seiner ehemaligen Leipziger Schützlinge zu nominieren. Dafür musste Abwehrchef Finn Lemke zu Hause bleiben. Da könnte der Schuss sprichwörtlich nach hinten losgehen.

Nicht nur ein Titelgewinn darf als Erfolg gewertet werden, bei gutem Auftreten kann auch ein Halbfinale für Zufriedenheit sorgen. „In entscheidenden Spielen entscheiden Kleinigkeiten“, betont Christian Prokop, ein wenig Glück gehört also dazu. Die Gruppenspiele sind eine Art „Warm Up“, Platz drei genügt zum Weiterkommen, Montenegro, Slowenien und Mazedonien sind die Gegner, also Kroatiens Nachbarn auf dem Balkan. Ab der Zwischenrunde wird es wirklich Ernst mit schweren Gegnern. Zu den Favoriten zählen neben Gastgeber Kroatien vor allem Spanien und Frankreich, aber auch Dänemark könnte eine gute Rolle spielen. Ähnlich wie beim Fußball gibt es ja auch immer Überraschungsteams.

Deutschland muss gewinnen, damit Helden für ein paar Tage geboren werden. Deutschland muss gewinnen, damit sich Handball als attraktive Sportart über das Fernsehen gut verkaufen kann. Selbst Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer hatte als Zuschauer Lob für Handball parat: „Eine unheimlich attraktive Sportart, da scheppert’s vorne, da scheppert’s hinten. Das ist nicht so langweilig wie ein Mittelfeld-Geschiebe im Fußball.“ Genau deshalb hatte ja auch Hallenhandball Vorgänger Feldhandball abgelöst.

2018 ist ein Jahr des Sports

Vor einem Jahr hieß es beim Sport-Grantler „2017 wird das Jahr der Funktionäre“ und seine Prognose hat wohl gestimmt, denn neben den Doping-Skandalen haben vor allem korrupte und geltungssüchtige Verbandsfunktionäre die Schlagzeilen bestimmt und den Sport oft an den Rand gedrängt. Die Skandale werden uns auch weiter begleiten, aber 2018 ist dennoch ein Jahr des Sports. Alle vier Jahre stehen einfach die Großereignisse im Mittelpunkt, nämlich die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang/Südkorea (9. – 25. Februar) und die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland (14. Juni – 15. Juli). Früher hatten wir alle vier Jahre die sogenannten Olympischen Jahre, doch dies hat sich ja geändert, nachdem Sommer- und Winterspiele zeitlich getrennt wurden. Dafür beginnt in Südkorea die asiatische Olympia-Ära mit den folgenden Spielen in Tokio und Peking.

Aber zurück ins Jahr 2018, wo es neben den genannten Großereignissen natürlich noch viele Weltmeisterschaften und kontinentale Meisterschaften gibt, die aber alle im Schatten von Olympia und Fußball stehen werden. Hoffen wir, dass es die Funktionäre nicht schaffen, mit weiteren Skandalen den Sport zudem in den Hintergrund zu drängen.

Aber welche Sportarten können die Fans noch begeistern? Die Formel 1 ist wieder interessanter geworden, mit neuen Besitzern und neuer Spannung. Kann Ferrari endlich Mercedes stoppen und Sebastian Vettel dem Briten Lewis Hamilton den Titel entreißen und Italien glücklich machen? Am 25. März beginnt die Hatz in Australien, die nach 21 Rennen am 25. November in Abu Dhabi endet. Natürlich läuft auch wieder die Tour de France, die Radstars sitzen vom 2. bis 29. Juli im Sattel, in der Zeit steigt der Umsatz von Asthma-Mitteln. Christopher Froome hat bewiesen, dass man nur mit Asthma die Tour gewinnen kann. Vielleicht wäre es besser, zwei Felder an den Start gehen zu lassen, die Fahrer mit Asthma und die ohne. Es wäre wohl sportlich gerechter. Von Doping sprechen wir dabei – gemäß der Diktion von Froome – selbstverständlich nicht.

Natürlich ist, wie in jedem Jahr, der Golf- und Tennis-Zirkus wieder unterwegs, mit den Major- bzw. Grand-Slam-Turnieren als Höhepunkte. Die Golfer haben traditionell ihr erster großes Turnier mit dem Masters in Augusta (5. – 8. April) und hoffen vor allem darauf, dass der Rücken von Tiger Woods hält und der große Star den Sport wieder in den Blickpunkt rückt. Als extra Highlight gibt es vom 28. – 30. September noch den Ryder Cup in Paris, wenn sich die Spitzengolfer aus den USA und Europa duellieren. Deutschland hatte vergeblich auf dieses Event gehofft, um Golf aus einem gewissen Schattendasein zu führen. Die Tennis-Cracks starten ihre großen Turniere schon früher, vom 15. – 28. Januar werden die Australian Open in Melbourne ausgetragen. Auch im Tennis geht es um Verletzungen, viele Stars gehen mehr oder weniger am Stock, die Belastung muss reduziert werden.

Die Mannschaftssportarten stöhnen besonders unter „König Fußball“, kämpfen aber unverdrossen darum, auch ein bisschen Aufmerksamkeit zu erhalten. Die Handballer wollen für ihre Europameisterschaften Interesse, die Männer kämpfen vom 12. – 28. Januar in Kroatien um den Titel, die Frauen am Ende des Jahres vom 29. November bis 16. Dezember in Frankreich. Eishockey trägt ungeachtet der Olympischen Spiele auch eine Weltmeisterschaft aus. Die WM dürfte in diesem Jahr allerdings Olympia sogar übertreffen, weil im Gegensatz zu Südkorea vom 4. – 20. Mai in Kopenhagen und Herning in Dänemark einige NHL-Profis dabei sein werden. Für Olympia unterbricht die NHL bekanntlich nicht ihre Saison und erntete dafür viel Kritik. Olympische Spiele sind halt nicht immer der große Lockvogel.

Na ja, Katar darf natürlich mit einem großen Event nicht fehlen, die Scheichs in der Wüste erfreuen sich auch am Turnen und holten die Weltmeisterschaft vom 25. Oktober bis 3. November nach Doha. Aber auch Deutschland darf sich auf ein Großereignis freuen, die Leichtathletik-Europameisterschaft wird vom 6. – 12. August in Berlin ausgetragen. Bleibt zu hoffen, dass es keine Doping-Kämpfe werden. Aber einige Spitzenathleten werden schon über Asthma klagen…

Wir sehen, 2018 hat auch im Sport einiges zu bieten, aber der Sport wird wohl auch wieder einmal im Schatten der Politik stehen. So sucht Deutschland noch eine Regierung, weiß die Welt nicht, welche Torheiten US-Präsident Donald Trump noch in petto hat und mit Blick auf die Olympischen Spiele in Südkorea haben alle Sorgen, ob Nordkoreas Führer Kim Jong Un nicht doch noch etwas in Schilde führt. Hoffen wir dennoch, dass 2018 ein großes Sportjahr wird.

Manche haben Freude, wenn der Fußball mal pausiert

Von England brauchen wir nicht zu reden, in Spanien und Italien ruht der Fußball zum Jahreswechsel auch nicht, aber in Deutschland hat die Winterpause der Fußball-Bundesliga und der Ligen darunter (Amateure sowieso) Tradition. Über diese Winterpause sind einige glücklich, andere Sportarten freuen sich nämlich, wenn der Fußball mal pausiert und nutzen diese Lücke, um selbst in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu gelangen. Vor allem Eishockey, Basketball und natürlich der Skisport sind präsent.

In England ist dies anders, da hat der „Boxing Day“, der Spieltag der Premier League am zweiten Weihnachtsfeiertag, Tradition, da wird der Besuch des Fußballs zum Familienausflug. Aber auf Sport muss man auch in Deutschland nicht verzichten. Der Fußball pausiert, andere haben Hochbetrieb. Die Deutsche Eishockey Liga hat von Weihnachten an sieben Spieltage innerhalb von 16 Tagen terminiert. Auch im Eishockey hofft man, dass Familien dieses Angebot für einen Ausflug in die Stadien nutzen und so etwas Abwechslung an den freien Tagen haben. Die Vierschanzen-Tournee im Skispringen wird nicht zufällig um den Jahreswechsel herum ausgetragen, sie wurde ein Highlight, hat sich etabliert und lässt den Fußball vergessen, auch die Einschaltquoten im Fernsehen sind beachtlich.

Diese Idee haben sich auch die Skilangläufer zu eigen gemacht, vor einigen Jahren wurde die Tour de Ski gegründet, ein Spektakel ebenfalls zum Jahreswechsel, doch selbst wenn es zum Abschluss im Val die Fiemme in Italien spektakulär den Berg hinauf geht, die Springer fliegen den Läufern davon. Aber dies zeigt, dass die Winterpause des Fußballs von anderen Sportarten gern genutzt wird, sie träumen ja immer davon, mal aus dem Schatten des Fußballs treten zu können.

Was das Fernsehen angeht, in punkto Präsenz in der Öffentlichkeit die Nummer 1 und den Printmedien weit überlegen, da wird gerade in Deutschland gern geklagt, dass es nur Fußball, Fußball, Fußball gebe und sonst nichts. Das sieht Axel Balkausky, ARD-Sportkoordinator, ganz anders. In einem Interview mit dem Sport-Journalist strich er heraus: „Eine so große Vielfalt an Sportarten wie in den ARD-Programmen gibt es auf der ganzen Welt nicht.“ Er legte dazu Zahlen vor: 20 bis 25 Prozent im Sportprogramm sind Fußball, der Wintersport kommt dagegen auf 35 Prozent und der Rest verteilt sich auf Sommersportarten und andere Ballsportarten. Allerdings: Eines ist auch gewiss, der Fußball holt die besten Einschaltquoten, ist das begehrteste Programm. Das werden wir 2018 im Sommer wieder bei der Fußball-Weltmeisterschaft sehen, wenn eine ganze Nation mit den Schützlingen von Bundestrainer Joachim Löw mit fiebert.

Seltsam ist, dass die Sommersportarten mit dem Wintersport nicht mithalten können, wenn der Fußball in Deutschland bei schönstem Wetter eben auch pausiert. Allerdings ist dann vielleicht die Konkurrenz zu groß, da locken Schwimmbäder und Biergärten, da wird der Sport schnell zur Nebensache. Angeblich ist er ja die schönste Nebensache der Welt, will aber gern die Hauptsache sein. Gut aber, dass der Fußball ein paar Lücken lässt, andere Sportarten freuen sich – und mancher von uns auch.

Allen Leserinnen und Lesern ein gutes und erfolgreiches Jahr 2018 und viel Spaß mit dieser Kolumne und beim Sport.

Rückblick 2017: Wenn der Sport zum Witz wird

Der Sport gehört für uns zum Alltag. Den Leistungssport verfolgen wir mehr oder weniger gern, Sport treiben wir, weil es uns Spaß macht und vor allem gesund ist. Also einer der guten Vorsätze für das neue Jahr: Genug Sport treiben.

Was den Profi-Sport angeht, da lieben wir die Wettkämpfe, die Spannung, die tollen Leistungen. Manchmal wird der Sport aber auch zum Ärgernis, wenn Betrug und Korruption im Vordergrund stehen und die ehrlichen Leistungen in den Hintergrund drängen. Manchmal wird der Sport aber auch einfach zum Witz. Der Rückblick auf 2017 hat also nicht Welt- und Europameisterschaften zum Inhalt, sondern einige Blicke auf das Geschehen, bei dem der Sport zum Witz wird, ohne lustig zu sein.

Zu Witzbolden wurden die Medien, als sie im November verkündeten, Deutschland habe 85 Jahre nach Max Schmeling wieder einen Schwergewichts-Boxweltmeister. Der gute Max wird sich im Grab erbost aufgebäumt haben. Der Flüchtling Manuel Charr, im Libanon geboren, angeblich seit 28 Jahren in Deutschland und mit deutschem Pass versehen, holte sich den WBA-Titel. Doch damit begann die Reihe der witzigen Begebenheiten. Die Medien feierten Charr, doch der Weltmeister ist kein richtiger Weltmeister wie Max Schmeling, sondern über ihm thront noch ein „Super-Champion“, also der wirkliche Weltmeister. Er heißt Anthony Joshua, besiegte Vladimir Klitschko und ist Champion der Verbände WBA und IBF. Das Profi-Boxen als Witzveranstaltung kennt ja nicht nur verschiedene „Weltverbände“, sondern kürt auch Weltmeister, die gar keine Weltmeister sind, weil sich damit ein Kampf besser verkaufen lässt. Das ist kein Witz, sondern eigentlich Betrug.

„Weltmeister“ Charr wiederum hat die Öffentlichkeit veräppelt. Den Titel widmete er zuerst Deutschland, seinen WM-Gürtel dann dem türkischen Präsidenten Erdogan. Dann musste Charr kleinlaut zugeben, dass er gar keinen deutschen Pass hat, zuerst hat er ihn angeblich nicht abgeholt, dann war sein Einbürgerungsantrag abgelehnt worden, dann wiederum wird er ihn gleich beantragen. So viel zu einem „deutschen“ Weltmeister, der seinen großen Titel gegen einen 44-jährigen Herausforderer verteidigen will. In Köln, „das ist meine Heimat, ich liebe Deutschland“ sagt Charr, diese Art Witze lieben wir nicht.

Ein Witz ist es auch, dass viele Ausdauersportler unter Asthma leiden. Wer mit echten Asthmakranken zu tun hat, der weiß, wie sie leiden und zu keinem Leistungssport fähig sind. Die asthmakranken Sportler wiederum, wollen nur das Medikament, das die Atemwege öffnet und für mehr Sauerstoffzufuhr sorgt. Um nicht gegen die Dopingregeln zu verstoßen, muss man also ein Attest über die Krankheit vorlegen. Das ist kein Witz, sondern eine traurige Tatsache im Profi-Sport. Den Vogel hat nun Tour-Sieger Christopher Froome abgeschossen, der positiv getestet wurde. Eine Überdosis eines Asthmamittels wurde bei ihm festgestellt. Froome selbst ist sich keiner Schuld bewusst, „mir ging es schlecht, ich brauchte eine höhere Dosis, ich habe keine Regeln gebrochen“. Hier wird der ehrliche Sport mit Füßen getreten, die Tour de France als Asthma-Kur ist nur noch eine Farce oder eben ein Witz. Merke: Wer allen davon fährt, der kann nicht ganz sauber sein… Zur Witzfigur wird auch der Radsport-Weltverband UCI, wenn er diesem Treiben nicht Einhalt gebietet. Froome müssen die Titel aberkannt werden, er befindet sich auf den Spuren von Lance Armstrong. Ihre Gemeinsamkeit: Zuerst schwer krank, dann schwer zu schlagen auf dem Rad…

Zu Witz-Figuren werden auch Politiker und Funktionäre in Russland, die finstere und besonders westliche Mächte hinter ihrem eigenen Staatsdoping vermuten. Ihre kriminellen Machenschaften wurden aufgedeckt, doch die Russen selbst sehen darin nur eine Verschwörung. Ehrliches Doping gibt es nicht. Reihenweise wurden bekanntlich russische Sportler des Dopings überführt und die Olympia-Medaillen einkassiert. „Ihr bleibt unsere Helden“ feiern linientreue russische Medien die ertappten Olympiasieger. Feiern können sie höchstens den Deal mit dem IOC, dass Russland als Nation zwar ausgesperrt wird, aber nachweislich saubere und entsprechend neutral kontrollierte russische Athleten bei den Winterspielen in Pyeongchang unter neutraler Flagge starten dürfen. Russland ist nicht dabei, aber die russischen Athleten mittendrin.

Es ist kein Witz, sondern traurig, dass der Profi-Sport immer mehr nach dem Motto ausgetragen wird „wir sind alle Betrüger, es muss ja nicht jeder gleich merken“. Da wirkt dann eine Kampagne für das Fair Play, wie die vom Fußball-Weltverband FIFA, als größter Witz.

Der deutsche Vereinsfußball in der Krise

Die alte Diskussion wird nie enden, aber die deutschen Fußball-Fans müssen derzeit ein bisschen zurückhaltend sein, wenn es darum geht, zu bestimmen, welche nationale Liga die stärkste in Europa ist. Gerne haben wir dann auf Deutschland verwiesen, doch mit solch einer Einschätzung macht man sich derzeit gegenüber England und Spanien, ja sogar Italien lächerlich. Die europäischen Wettbewerbe waren ein einziges Desaster für die Bundesliga, Deutschland landete in der UEFA-Wertung nur auf Platz elf. Der deutsche Vereinsfußball befindet sich in der Krise.

Ein Trost zum Advent, weil immer noch ein Lichtlein brennt. Das betrifft zum Beispiel die Nationalmannschaft, die als amtierender Weltmeister derzeit auch die Nummer 1 der Weltrangliste ist. Die Ausnahme ist auch Bayern München, das sich mit dem 3:1-Sieg über Paris St. Germain nach dem blamablen 0:3 im Hinspiel mit der verunglückten Ancelotti-Aufstellung wieder international rehabilitiert hat. Traurig aber, dass der deutsche Meister als einziger Bundesligist ins Achtelfinale der Champions League (CL) einzog. In der Europa League (EL) schieden zudem alle Bundesligisten sang- und klanglos aus, so dass nur die CL-Absteiger Dortmund und Leipzig in der EL vertreten sind.

Die aktuelle Jahres-Rangliste der UEFA spricht Bände. England vor Spanien und Italien, Deutschland, in der Fünfjahreswertung immerhin noch Vierter, aktuell nur Elfter – hinter der Ukraine, Zypern, Türkei und Österreich. Da darf keiner sagen, das liege – mit Blick auf die reichen englischen Vereine – am Geld. Gegenüber den genannten Nationen sind die deutschen Klubs wohl finanziell besser ausgestattet. Es fehlte den EL-Vertretern Hoffenheim, Hertha BSC Berlin und 1. FC Köln vor allem an Ehrgeiz und Siegeswillen. Sie sahen die EL als Spaß an, als Abwechslung zum Bundesliga-Alltag, der absoluten Vorrang genießt. Bei dieser Einstellung brauchen wir nie mehr davon sprechen, die Bundesliga könne die Nummer 1 in Europa sein.

England macht es vor, die Vereine der Premier League haben die Gelder des Fernsehens und der Sponsoren wohl doch gut investiert. Fünf Klubs starteten in der CL, alle fünf sind jetzt im Achtelfinale immer noch dabei, vier davon qualifizierten sich als Gruppensieger. In 30 Spielen gab es 21 Siege und nur drei Niederlagen. Die Bilanz von München, Dortmund und Leipzig ist mit 7 Siegen (davon allein fünf die Bayern, zwei Leipzig), 3 Unentschieden und 8 Niederlagen negativ! In der Europa League sah es nicht besser aus: Nur 4 Siege, 4 Remis, 8 Niederlagen. Gut Nacht deutscher Fußball. Deutsche Urlauber werden sich in Österreich etwas anhören dürfen, bei der besseren Bilanz des Nachbarn.

Es muss ein Umdenken bei den Klubs der Bundesliga geben. Die internationalen Wettbewerbe müssen mit allem Ehrgeiz bestritten werden, auch die Europa League muss angenommen werden. Es wirkt noch immer nach, dass „Kaiser“ Franz Beckenbauer in seiner unnachahmlichen Art den zweitklassigen Wettbewerb einst als „Cup der Verlierer“ bezeichnet hat. Seltsam ist nur, dass während der Saison die Vereine nach den Plätzen für Europa schielen. Nur deshalb, weil sie dann sicher sein können, mit dem Abstiegskampf nichts zu tun zu haben? Auch in der EL lässt sich gutes Geld verdienen, man muss dafür allerdings auch etwas tun.

Bleibt das Umdenken aus, wird sich Deutschland bald aus der Zone der privilegierten Nationen verabschieden, nämlich Rang der 4 der Jahreswertung gegen Frankreich oder Russland verlieren und damit auch vier fixe Starter in der Champions League. Dann allerdings ist das Geschrei in der Liga wieder groß.

Vielleicht gibt es ein bisschen Wiedergutmachung schon in den K.o.-Spielen im Frühjahr, wenn Bayern München der Konkurrenz trotzt, Borussia Dortmund zu alter Stärke zurückfindet und Punkte in der EL holt und RB Leipzig im Lernprozess weiter kommt und die Überraschung gegen Neapel schafft. Auch für die Bundesliga gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ob nur ein vorübergehendes Tief oder eine echte Krise werden wir im nächsten Jahr sehen. Doch von der Bundesliga als bester Liga in Europa wollen wir nicht mehr reden. Da lässt England grüßen.

Das IOC zwischen Angst und Verantwortung

Mit Spannung war die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Hinblick auf die Vorwürfe des staatlichen Dopings von Russland bei den Winterspielen 2014 in Sotschi erwartet worden. Im Hintergrund glühten die Drähte, um zu ergründen, wie ein salomonisches Urteil aussehen könnte, das die 14-köpfige Exekutive des IOC schließlich auch traf. Das IOC zwischen Angst und Verantwortung, Russland für Doping-Betrügereien sanktionieren, aber dennoch nicht gänzlich auf den Fuß steigen. Der Kompromiss, dass Russland als Mannschaft ausgeschlossen wird, einzelne russische Athleten aber starten dürfen, wenn sie den Nachweis erbringen, dass sie unbelastet sind, sieht nach einem Kuhhandel im Hintergrund zwischen IOC-Präsident Dr. Thomas Bach und Russlands Präsident Wladimir Putin aus.

Die Beweise für das staatliche Doping unter Einbeziehung des Geheimdienstes müssen erdrückend sein, sonst hätte Russland die Suspendierung nicht angenommen. Das Donnerwetter aus Moskau war pflichtgemäß inszeniert, Putin sorgte dafür, dass die unangenehmen Schlagzeilen national in den Hintergrund gedrängt wurden, weil er punktgenau seine erneute Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen kundtat. Am Ende konnte sich IOC-Präsident Bach für die konsequente Haltung des IOC feiern lassen, während man in Russland wohl zur Tagesordnung übergehen wird, nach dem Motto „alles nicht so schlimm“, machen wir weiter, wir dürfen uns nur nicht mehr erwischen lassen. Zum Glück gibt es aber immer wieder Leute, wie den früheren Leiter des Moskauer Anti-Dopinglabors, Rodschenkow, die des Betrugs überdrüssig sind und an die Öffentlichkeit gehen. Das IOC und alle Verbände sind dazu aufgefordert, dafür zu sorgen, dass russische Sportler strengen unabhängigen Kontrollen unterliegen. Eine Medaillenflut wie in Sotschi, als Russland die Nationenwertung zunächst offiziell gewann, wird es dann nicht mehr geben. 25 russische Sportler wurden nachträglich gesperrt, elf Medaillen, darunter vier Goldene, aberkannt. Das Ende wird es noch nicht sein.

Gespannt sein darf man, wie die Klagen der russischen Sportler beim Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne enden. 22 wurden wegen Dopings lebenslang gesperrt. Im schlimmsten Falle könnte es sein, dass der Ausschluss Russlands noch einmal ins Wanken gerät, wenn die Beweislast doch nicht hieb- und stichfest ist. Allerdings hätte dann wohl Russland die Sanktionen nicht akzeptiert.

Im Zuge des IOC-Urteils gerät auch der Fußball-Weltverband FIFA und sein Präsident Gianni Infantino immer mehr unter Druck. Russlands Sportminister und Vize-Premier Witali Mutko wurde als Drahtzieher des Staats-Dopings vom IOC lebenslang gesperrt, gleichzeitig lobt aber Infantino die Arbeit Mutkos als Cheforganisator der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Hier hat die FIFA mehr Angst als Verantwortung, denn sonst müsste sie schon lange den Vorwürfen des Dopings in Russlands Fußball nachgehen. Die Nationalmannschaft des Gastgeberlandes 2018 ist schon lange ziemlich erfolglos, soll aber 2018 für Furore sorgen. Mit Unterstützung vielleicht wie die russischen Olympia-Sportler 2014…

Infantino hat Angst vor einer Weltmeisterschaft ohne den Gastgeber und sieht sich nicht in der Verantwortung, den Doping-Anschuldigungen nachzugehen. Dagegen lobt er den Ausrichter, freut sich auf die „beste Weltmeisterschaft aller Zeiten“ und gibt sich damit selbst und die FIFA der Lächerlichkeit preis. Er hofft wohl darauf, dass die Zeit Wunden heilt. Schließlich hat das IOC Putins Reich auch ein Hintertürchen offen gehalten: Bei der Siegerehrung wird bei einem russischer Sportler, der unter neutraler Flagge antritt, genannt, dass er aus Russland kommt. Und bleiben alle brav und sauber, dann wird bei der Olympia-Schlussfeier in Pyongchang in Südkorea doch wieder die russische Fahne wehen. Alles vorbei, alles wieder gut. Infantino setzt darauf, dass bei der Fußball-WM das Doping-Theater nur noch Vergangenheit ist. Er verschließt die Augen und will ein fröhliches Fest feiern. Viel Spaß 2018.