Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Trotz Lewandowski – Bundesliga verliert an Reputation

Jetzt ist die Welt des Robert Lewandowski wieder in Ordnung und die der Fußball-Bundesliga sieht ein bisschen rosiger aus. Schließlich wirft die erneute Ehrung des Polen als Weltfußballer des Jahres auch Licht auf die Top-Liga in Deutschland, die ansonsten darum kämpfen muss, ihren guten Ruf als eine Spitzenliga in Europa nicht zu verlieren. In der Bundesliga ertönen schon lange die Alarmglocken, weil die prominenten Vereine mit Ausnahme von Bayern München schwächeln. Nichts gegen die aufstrebenden TSG Hoffenheim und SC Freiburg, doch international haben sie keinen Namen. Wo sind zum Beispiel Mönchengladbach, Schalke 04 oder der Hamburger SV? Im Tabellenkeller oder in der zweiten Liga. Mit ihnen aber könnte man besser werben.

Natürlich leidet die Bundesliga auch unter der Langeweile an der Tabellenspitze, weil jeder vor der Saison abwinkt und weiß, „die Bayern werden sowieso wieder Meister“. Irgendwann wird es mal nicht so sein, aber wann? Den Münchnern darf man keinen Vorwurf machen, sie sind sogar der Retter der Bundesliga durch ihre internationalen Erfolge. Aber was ist mit dem Rest, vor allem mit Dortmund? Leipzig, Dortmund und Wolfsburg sind in der Champions League alle vorzeitig ausgeschieden – das sagt alles. Nur die Bayern kämpfen um den Henkelpott, gehören erneut zum Favoritenkreis. Dortmund und Leipzig als Absteiger in die Europa League und Leverkusen sowie Frankfurt als Gruppensieger müssen in der Europa League endlich mal Erfolge erzielen, um den Ruf der Bundesliga aufzupolieren. Die EL war nämlich bisher wirklich ein Cup der Verlierer für die deutschen Klubs, die damit fleißig dafür sorgten, dass die Bundesliga international an Reputation verlor. Ein Cup-Gewinn wäre wie ein 6er im Lotto!

Es ist leider so, dass international, vor allem in Nordamerika und Asien, nur die großen Namen zählen. Und wenn diese nicht auftauchen, taucht die Bundesliga als Ganzes eben ab. Im Moment kann man nur mit den Bayern und Dortmund Werbung machen und da steht Deutschland gegenüber der Premier League in England zum Beispiel im Abseits. Dort fließt das Geld, dort sind mit Manchester City, FC Liverpool, Chelsea und Arsenal London, Tottenham Hotspurs und Manchester United gleich ein halbes Dutzend prominenter Vereine im Vorderfeld der Tabelle zu finden. In der Bundesliga geht derweil die Angst um, dass immer mehr Traditionsvereine in der Zweitklassigkeit verschwinden. Die letzten Aufsteiger waren dafür Greuther Fürth, Bochum und Bielefeld, jetzt könnten es – nichts gegen diese Klubs – Heidenheim, Darmstadt oder St. Pauli werden. International sind sie leider alle vollkommen uninteressant.

Messi hat sich blamiert

Da kam eben der Erfolg von Robert Lewandowski gerade recht. Leider kein deutscher Spieler, aber immerhin ein Star, der mit seinen Toren die Blicke auf die Bundesliga lenkt. Bei der Wahl zum Ballon d’Or hatte sich Lewandowski noch hinter Lionel Messi einreihen müssen, was die Fachwelt kaum verstanden hat. Für die Zeitung France Football wählen Journalisten, bei der FIFA-Wahl sind die Trainer, Kapitäne und je ein Journalist der Mitgliederländer gefragt, dazu gibt es ein Fan-Votum. Eigentlich die bessere Auswahl der Juroren. Nach einer Vorauswahl setzte sich Lewandowski knapp mit 48 Stimmen gegen Messi (44) und Mohamed Salah (39) vom FC Liverpool durch (Erling Haaland wurde 11. mit 7 Stimmen). Allerdings hat sich Argentiniens Kapitän Messi bei der Wahl kräftig blamiert.

Bei der Ehrung des Ballon d’Or hatte Sieger Messi noch gesäuselt, man sollte doch Robert Lewandowski die Ehrung für 2020 noch zukommen lassen. Sie war wegen Corona ausgefallen und der Pole war klarer Favorit. Jetzt aber zeigte sich Messi nicht großzügig, auf seiner Wahlliste (drei dürfen genannt werden) fehlte der Name des Bayern-Torjägers. Messi wählte seine Freunde Neymar, Mbappé und Benzema. Anders Lewandowski, seine Nummer 1 war Messi. Bezeichnend: Cristiano Ronaldo wollte von Messi nichts wissen. Für die deutschen Juroren Bundestrainer Hansi Flick und Kapitän Manuel Neuer war Lewandowski die Nummer 1, Salah die Nummer 2. Jetzt kann der deutsche Fußball nur darauf hoffen, dass es dem Polen weiter in München gefällt und er glaubt, mit den Bayern weiter erfolgreich sein zu können. Was seine Zukunft angeht, da ließ er alles offen, außer, dass er sich für viele Jahre noch fit fühlt.

Weitere Gewinner der FIFA-Wahl waren Thomas Tuchel (Chelsea) als Trainer des Jahres (er löste damit Jürgen Klopp ab) vor Roberto Mancini (Italien), Edouard Mendy (Chelsea) als bester Torhüter (Neuer auf Rang drei), sowie bei den Frauen Alexia Putellas (FC Barcelona) als Fußballerin des Jahres, Emma Hayes (Chelsea) beste Trainerin, Christiane Endler (Lyon) beste Torhüterin. Chelsea sahnte also ab. Interessant noch die FIFA-Auswahl: Donnarumma – Alaba, Bonucci, Ruben Dias – de Bruyne, Jorginho, Kanté – Cristiano Ronaldo, Lewandowski, Haaland, Messi. Ziemlich offensiv also.

Freie Fahrt im DFB-Pokal

Die Ergebnisse im Achtelfinale des DFB-Pokal passten wie die Faust aufs Auge zu dem heutigen Thema. Wieder haben sich die Bundesligisten blamiert, Dortmund, Gladbach und Köln schieden gegen Zweitligisten aus. Nur vier Bundesliga-Klubs schafften mit vier Zweitligisten den Sprung ins Viertelfinale, das gab es zuletzt in der Saison 2003/04. Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass es jetzt freie Fahrt für die Nobodys gibt. Keiner der Bundesligisten – Leipzig, Union Berlin, Freiburg, Bochum – konnte bisher den Pokal gewinnen! Da waren die Zweitligisten erfolgreicher – allerdings in vergangenen Zeiten. Zuletzt siegte Hannover 96 vor 30 Jahren – 1992 im Finale ausgerechnet gegen Gladbach, das man jetzt mit 3:0 nach Hause schickte. Der Karlsruher SC war 1955 und 1956 erfolgreich, der Hamburger SV 1963, 76 und 87. Lokalrivale St. Pauli spielte bisher keine bedeutende Rolle, das hat sich zum Teil also geändert, der Sieg über Dortmund war eine große Überraschung, aber auch eine bittere Pille für die Borussia, die ihre mangelnde Konstanz wieder einmal bewies. Das wird dem wankelmütigen Erling Haaland (gehe ich oder nicht?) nicht gefallen haben. Am 30. Januar wird das Viertelfinale (1./2. März) ausgelost, vielleicht siegt am 21. Mai im Finale in Berlin mal ein Berliner Verein oder ein Zweitligist feiert die Wiederauferstehung. Könnte ja der HSV sein! Beide Hamburger Klubs haben auf jeden Fall beste Werbung für ihr Derby am Freitag gemacht.

Keine Werbung für Handball ist die Europameisterschaft in der Slowakei und Ungarn. Der Sport-Grantler hatte es prophezeit, dass es eine Corona-EM wird und das deutsche Team eine Wundertüte ist. Allerdings hatte er es sportlich gemeint, jetzt weiß man bei der von Corona gebeutelten Mannschaft nicht, wer überhaupt spielen kann und was dabei herauskommen kann. Es geht ja fast buchstäblich ums Überleben, von 19 Spielern im Kader sind 12 positiv getestet, 11 wurden nachnominiert. Schon der Sieg über Polen war eine Überraschung, in der Hauptrunde darf man von der bunt zusammengewürfelten Mannschaft nichts erwarten. Aufgeben, also ein Rückzug, war zwar ein Thema, wurde aber verworfen. Nun heißt es gegen Favorit Spanien (Donnerstag, 18.00 Uhr), Norwegen (Freitag, 20.30 Uhr), Schweden (Sonntag, 18.00 Uhr) und Russland (Dienstag, 18.00 Uhr) durchhalten. Es kann ja nicht sein, dass es am Ende gar keinen gesunden Spieler mehr gibt. Eigentlich bestehen Zweifel, ob mit den Corona-Tests alles auch seine Richtigkeit hat. Eine Prognose hat sich aber auch erfüllt: Wer die wenigsten Erkrankungen hat, wird Europameister. Da scheidet Deutschland leider aus, Spanien und Norwegen sind als einzige Nationen bisher nicht betroffen.

Das Wechseltheater ist die größte Gefahr

Es gibt nicht nur Corona. Das Virus ist nicht die einzige Gefahr, welche die Klubs der Fußball-Bundesliga aus der Spur bringen könnte. In den nächsten Wochen könnte das Wechseltheater zur größten Gefahr werden. Die vielen Fragezeichen um die Zukunft der Spieler, der wirtschaftliche Druck der Vereine, Profis, deren Verträge im Sommer auslaufen, im Winter schnell noch an den Mann zu bringen, kann für eine Unruhe sorgen, die den sportlichen Erfolg gefährdet.

Bestes Beispiel ist Borussia Mönchengladbach, wo die Verträge von Matthias Ginter und Denis Zakaria im Sommer auslaufen und beide Spieler bereits kundgetan haben, dass sie den Verein verlassen werden. Damit entgehen dem Verein beachtliche Ablösesummen, also will Manager Max Eberl am liebsten beide noch im Winter verkaufen. Doch welcher Verein zahlt für Spieler, die ein paar Monate später ablösefrei zu haben sind? Es sieht aus, als wolle Eberl Druck machen und den Spielern signalisieren, „geht, sonst sitzt ihr auf der Bank“. Das traf beim 1:2 gegen Leverkusen Matthias Ginter, weil sein Nachfolger bereits verpflichtet wurde: Marvin Friedrich kam von Union Berlin – und gab einen unglücklichen Einstand, er verschuldete einen Elfmeter, war an beiden Gegentreffern beteiligt. Hat man Ginter auf der Bank lächeln sehen? Nicht zu vergessen, Gladbach befindet sich im Abstiegskampf, braucht eigentlich Ruhe, kein Theater.

Wechseltheater hat auch Borussia Dortmund. Die Freude über das 5:1 gegen Freiburg und die souveräne Leistung, die den BVB als Bayern-Herausforderer bestätigte, war schnell verflogen, als Torjäger Erling Haaland auf den Verein schimpfte. „Sie setzen mich unter Druck, damit ich über meine Zukunft entscheide.“ Bekanntlich kann der 21-jährige Norweger im Sommer für eine feste Ablösesumme von 75 Millionen Euro gehen, fast ein Schnäppchen. Sein Manager hat das Wechseltheater bereits begonnen, Dortmund kämpft aber darum, dass Haaland zumindest eine Saison noch bleibt. Dass er irgendwann geht, können sie nicht verhindern. Die BVB-Bosse dementieren den Druck, aber bis Mai wollen sie Klarheit haben: Bleibt er oder geht er? Das Team könnte leiden, wenn der Norweger mehr ans Geld als an Tore denkt. Dann wäre es vorbei mit der Bayern-Jagd.

Die Bayern selbst wollen ebenfalls ein Wechseltheater verhindern und auch, dass ein Star wieder ablösefrei die Fliege macht, so wie David Alaba im letzten Sommer. Real Madrid reibt sich heute noch die Hände über das Geschäft mit dem neuen Abwehrchef. Die Bayern konnten immerhin erste Erfolge erzielen und Verträge, die im Sommer oder 2023 auslaufen, frühzeitig verlängern. Nach Kimmich und Goretzka unterschrieb jetzt auch Flügelflitzer Kingsley Coman bis 2027, als Dank erhielt er eine wesentliche Gehaltssteigerung. Jetzt fehlen noch Serge Gnabry, der ebenfalls mehr Geld will, und Niklas Süle, deren Verträge im Sommer auslaufen. So ganz ist das Wechseltheater also nicht beendet. Und dann laufen auch die Verträge von Neuer, Müller und Lewandowski 2023 aus. Angeblich liebäugeln Neuer und Müller schon mit einem Karriere-Ende in München, von Torjäger Lewandowski sind diese Gedanken nicht bekannt. Auch da werden Vertragsverlängerungen teuer werden.

Allerdings gibt es einen neuen Anreiz für den Polen, er brachte sich selbst in diese Situation. Beim überzeugenden 4:0 in Köln erzielte er nicht nur drei Tore, sondern vor allem den Jubiläumstreffer zu seinem 300. Bundesligator! Nur der legendäre Gerd Müller hat mit 365 Toren mehr, dafür würde bei seiner derzeitigen Quote Lewandowski noch zwei Bundesliga-Jahre benötigen – hieße also Vertragsverlängerung. Für die 300 Treffer benötigte der Torjäger übrigens 369 Spiele, Gerd Müller schaffte das nach 350 Spielen. Dritter in der ewigen Torschützenliste ist Klaus Fischer mit 268 Toren (in 535 Spielen von 1968 – 88) vor Jupp Heynckes mit 220 (369 von 1965 – 78). Ein Jubiläum feiert auch Thomas Müller, er bereitete zwei Treffer vor und erzielte so seinen 150. Assist in der Bundesliga, baute seinen Rekord also weiter aus. Nummer zwei ist sein ehemaliger Vereinskollege Franck Ribery mit 92 Assists! Die Bayern zeigten also, dass sie sich von Corona nicht bremsen lassen, allerdings kam ihnen Köln mit einem offenen Schlagabtausch entgegen. Trainer Steffen Baumgart blieb sich treu: „So spielen wir, auch gegen die Bayern.“ Erfolg hat er ja. Die Bayern stellten nebenbei wie erwartet einen neuen Bundesliga-Rekord auf, sie trafen jetzt in 66 Spielen hintereinander, bisher waren 65 die Höchstmarke, von den Münchnern selbst gehalten.

Apropos Wechsel, es braucht nicht immer neue Spieler, um besser zu sein, manchmal entdeckt man „Retter“ auch im eigenen Kader. Der FC Augsburg rüstete im Sturm auf, zu Niederlechner und Finnbason kam schon Zeqiri dazu und kürzlich US-Boy Pepi. Alle standen beim 1:1 gegen Frankfurt auf dem Feld, das Tor erzielte allerdings einer, der schon gehen sollte, der aber jetzt Hoffnungsträger sein könnte: Michael Gregoritsch hat wieder getroffen, nachdem der Österreicher vorher schon für Punkte sorgte. Mit vier Treffern ist er der beste Torschütze im Verein!

Im Abstiegskampf hilft ein Punktgewinn nicht viel, immerhin bleibt der FCA auf dem rettenden 15. Rang, weil Bielefeld gegen Schlusslicht Fürth nicht über ein 2:2 hinauskam. Vorletzter ist jetzt der VfB Stuttgart, der nicht auf Neuzugänge hofft, sondern auf Gesunde. Zuletzt verletzte Spieler sollen in Form kommen und für den Umschwung sorgen, wie Torjäger Sasa Kalajdzic zum Beispiel. Unentschieden helfen nicht weiter, das erfuhren auch die Sorgenklubs Wolfsburg und Hertha. Am Wochenende geht es noch einmal um Punkte, dann folgt eine Länderspielpause.

Der DFB-Pokal ist zu haben

Für zehn Bundesligisten und fünf Zweitligisten steht eine englische Woche an, der DFB-Pokal ruft. 16. im Bunde ist im Achtelfinale Drittligist 1860 München. Wer hätte das gedacht, dass die „Blauen“ den jetzt ansonsten übermächtigen „Roten“ voraus sind, aber die Bayern haben nach der 0:5-Pleite in Gladbach den Pokal praktisch „freigegeben“, sind allerdings jetzt froh um eine Trainingswoche. Der DFB-Pokal ist also zu haben. Jetzt dürfen auch mal andere Klubs von einem Pott träumen. Dortmund zum Beispiel, der Titelverteidiger, der vor einem Jahr RB Leipzig im Finale 4:1 schlug. Jetzt wird St. Pauli geprüft, ob die Hamburger wirklich das Zeug zur Bundesliga haben. Bayern-Besieger Gladbach sollte es in Hannover leichter haben, aber leicht wird es dennoch nicht. Im Mittelpunkt aber das Berliner Derby Hertha BSC gegen Union, die (wohl wenigen) Fans können singen „wir fahren nach Berlin“. Herthas Profis erfüllten sich aber noch nie den Traum vom Finale im eigenen Olympiastadion, blöd, wenn ihnen Union zuvor käme. Und 1860 München will noch eine Runde weiterkommen, gegen Karlsruhe.

Die Spiele: 1. FC Köln – Hamburger SV, 1860 München – Karlsruher SC, St. Pauli – Dortmund, Bochum – Mainz, Hannover – Gladbach, Leipzig – Rostock, Hoffenheim – Freiburg, Hertha – Union.

Die Last des Novak Djokovic

Im Mittelpunkt der Schlagzeilen stand am Wochenende nicht Fußball, sondern Tennis. Allerdings ging es im Vorfeld der Australian Open nicht um den Sport, sondern um rechtliche Fragen und um die Falscheinschätzung eines Weltstars, der glaubt, der Beste der Welt zu sein, die Regeln zu bestimmen und das Gesetze für ihn nicht gelten. Tennis-Star Novak Djokovic wurde schon öfters wegen seiner kruden Gedankengänge und Verhaltensweisen schief angeschaut, aber er wurde als Sportler respektiert. Der Serbe ist ein Ehrgeizling, der alles gewinnen will und sich von niemanden aufhalten lassen will. Auf dem Weg zum Grand-Slam-Rekord stoppten ihn allerdings australische Richter. Ungeimpfte lässt Australien nicht rein – auch die Nummer 1 der Welt im Tennis nicht. Das wollte Djokovic nicht wahrhaben, verstrickte sich in Lügen und hat wohl auch ganz einfach betrogen, offensichtlich sogar mit Hilfe von serbischen Behörden. Der Kampf um die Einreise wurde fast zur Zerreißprobe für Australiens Justiz, aber die Gerechtigkeit siegte doch.

Verlierer ist eindeutig Novak Djokovic, der den zehnten Triumph in Melbourne erzwingen wollte, der alleiniger Rekordinhaber der Grand-Slam-Siege mit 21 Erfolgen sein wollte, jetzt bleibt er bei 20 stehen wie die von den Fans mehr geschätzten Nadal und Roger Federer. Djokovic wird nie mehr die Anerkennung erfahren, die er erwartet, auch in den Geschichtsbüchern wird vor allem sein unrühmliches Auftreten rund um das Impfen im Vordergrund stehen. Vielleicht gewinnt der Serbe die Einsicht, dass er seine Karriere nur als Geimpfter krönen kann, in die USA kann er nach Stand der Dinge auch nicht einreisen. Oder steht das nächste Theater bevor? Legt er vielleicht Impfunterlagen vor, ohne geimpft zu sein? Würde jetzt wohl keinen mehr wundern!

Handball-EM mit Corona und Wundertüte Deutschland

Ja, Deutschland hat das Zeug dazu Europameister zu werden. Nein, Deutschland ist zu unerfahren und muss bei der Handball-EM erst einmal lernen. Beim Kontinentalturnier vom 13. bis 30. Januar in der Slowakei und Ungarn, dem ersten sportlichen Höhepunkt im neuen Jahr, gibt es viele Fragezeichen, nicht nur um das Abschneiden der DHB-Auswahl. Das größte Fragezeichen stellt Covid-19 zusammen mit dem Ableger Omikron dar, weil das Virus mitspielt. Nicht umsonst sagt mancher Trainer, „Europameister wird, wer die wenigsten Infektionen hat.“ Geht es nach rein sportlichen Kriterien werden vor allem Frankreich, Dänemark, Titelverteidiger Spanien und Norwegen als Favoriten genannt. Auch Ungarn könnte mit dem Heimvorteil (Finalrunde in Budapest) und Zuschauern als Mutmacher überraschen. In Budapest, Debrecen und Szeged dürfen Fans die Hallen füllen, in Bratislava (wo Deutschland spielt) und Kosice ist die Kapazität wegen Corona auf 25 Prozent begrenzt.

Aber was dürfen wir von der deutschen Auswahl erwarten? Die Frage ist eigentlich nicht zu beantworten. Der neue Kapitän Johannes Golla gibt sich optimistisch, „wir können jeden schlagen“, Kollege Timo Kastening glaubt auch, das alles passieren kann, warnt aber: „Wir können in der Vorrunde rausfliegen, wenn wir schon an die Finalrunde denken.“ Gegner in der Vorrunde sind Belarus (Freitag), Österreich (Sonntag) und Polen (Dienstag). In Deutschland übertragen ARD und ZDF die deutschen Spiele, dazu ist Eurosport dabei.

Was kommt also raus bei der Wundertüte Deutschland? Tatsache ist, dass im 19-köpfigen Kader zehn EM-Neulinge dabei sind. Der alte Kader wurde arg gerupft, Kapitän Uwe Gensheimer und Europameister Steffen Weinhold traten nach Olympia in Tokio zurück, Abwehrchef Hendrik Pekeler macht eine längere Pause, Torhüter Johannes Bitter steht nur im Notfall zur Verfügung, Paul Drux und Fabian Wiede sagten wegen Verletzungen ab, Patrick Groetzki aus familiären Gründen und Talent Juri Knorr darf als Ungeimpfter nicht antreten. So müssen es die Jungen richten, Till Klimpke (Wetzlar) soll als zweiter Torwart neben dem erfahrenen Andreas Wolff die alten Gesichter Bitter und Heinevetter ersetzen, der erst 21-jährige Julian Köster (Gummersbach) die Abwehr zusammen halten. Überraschungsmann im Sturm ist Djibril M’Bengue vom FC Porto.

Der Hoffnungsträger schlechthin ist Trainer Alfred Gislason, der 62-jährige Isländer hat gerade seinen Vertrag bis 2024 verlängert, obwohl die deutsche Mannschaft zuletzt eher Enttäuschungen zu verkraften hatte. Jetzt will man auf den Spuren vom Titelgewinn 2016 wandeln, als sich das Team vor dem Turnier auch nichts ausgerechnet hatte und eine Euphoriewelle über Deutschland schwappte. „Auf einmal lief es, klappte alles“, erinnert sich der damalige Finalheld Andreas Wolff (24:17 gegen Spanien). Mehr im Visier hat man allerdings 2024 mit der EM im eigenen Land, da soll Deutschland wirklich um den Titel mitspielen können. Wie man Meisterschaften gewinnt, weiß Gislason, der von 2008 bis 2019 den THW Kiel trainiert hat, dreimal die Champions League gewann, sieben deutsche Meisterschaften holte und fünfmal zum Trainer des Jahres gewählt wurde. Seit 2020 ist der Isländer jetzt Bundestrainer. Vielleicht ist es ein gutes Omen, dass 2016 beim letzten Titelgewinn mit Dagur Sigurdsson ein Landsmann das Sagen hatte. Davor holte Deutschland 2004 in Slowenien den EM-Titel. Rekordsieger ist Schweden, die Skandinavier gewannen viermal den Pokal (1994, 1998, 2000, 2002).

Die deutsche Gruppe gilt als ausgesprochen ausgeglichen, Gislason sieht vor allem viel Erfahrung als Vorteil bei den Gegnern, die in der Champions League erprobte Asse aufbieten können. Belarus, Österreich und Polen sind zwar schlagbar, aber Deutschland eben eine Wundertüte. Zwei Mannschaften kommen weiter, in der Hauptrunde (wieder in Bratislava) sind die beiden besten Teams der Gruppe E (Spanien, Schweden, Tschechien, Bosnien-Herzegowina) und F (Norwegen, Russland, Slowakei, Litauen) die Gegner. Der Weg ins Halbfinale wird hart. Insgesamt 24 Nationen spielen in sechs Gruppen. Die Hauptrunde wird vom 20. bis 26. Januar ausgetragen, die Finalrunde in Budapest vom 29. bis 30. Januar mit dem Finale am 30. 1. um 18.00 Uhr.

Das deutsche Aufgebot: Tor: Andreas Wolff (Kielce/Pol), Joel Birlehm (Leipzig), Till Klimpke (Wetzlar). – Linksaußen: Marcel Schiller (Göppingen), Lukas Mertens (Magdeburg). – Rückraum links: Julius Kühn (Melsungen), Sebastian Heymann (Göppingen), Julian Köster (Gummersbach). – Rückraum Mitte: Philipp Weber (Magdeburg), Luca Witzke, Simon Ernst (beide Leipzig). – Rückraum rechts: Kai Häfner (Melsungen), Djibril M’Bengue (Porto), Christoph Steinert (Erlangen). – Rechtsaußen: Timo Kastening (Melsungen), Lukas Zerbe (Lemgo). Kreis: Johannes Golla (Flensburg), Jannik Kohlbacher (Rhein-Neckar-Löwen), Patrick Wiencek (Kiel). 16 Mann dürfen für ein Spiel nominiert werden.

Jetzt sind die Bayern auch Corona-Meister und ein Zeichen von Dortmund

Der Zeitpunkt ist zum Start der Rückrunde der Fußball-Bundesliga sicherlich durchaus passend und dennoch ein bisschen unglücklich. Die Fachzeitung kicker beleuchtet in der Montag-Ausgabe in einem mehrseitigem Report, warum Bayern München auf den 10. Titel in Serie zusteuert. Die Bundesliga wird dabei zur „Bayernliga“. Allerdings gibt es ja wieder Hoffnung für die Verfolger, Corona sei dank. Die geschwächten Bayern unterlagen Gladbach, während Dortmund in Frankfurt mit 3:2 gewann. Dabei gab es ein Zeichen vom Zweiten, dem ja immer Motivationsprobleme attestiert werden. In Frankfurt machte die Borussia aus einem 0:2 nach dem Bayern-Motto „mia san mia“ in den letzten Minuten noch einen 3:2-Sieg. Die Hoffnung lebt also.

Interessant sind Hintergründe und einige Daten der Bayern-Erfolgsjahre. Karl-Heinz Rummenigge benennt exakt den Ursprung: Es war 2012, als sich die Münchner mit dem genauen Gegenteil auseinander setzen mussten, sie befanden sich im Tal der Tränen. Dortmund feierte das Double aus Meisterschaft und Pokal, demütigte im Finale die Bayern mit 5:2. Eine Woche später das traumatische „Finale dahoam“ in der Champions League mit einer Niederlage gegen Chelsea London. Rummenigge: „Der Stachel saß tief, wir mussten handeln“. Die Bayern kauften ein, vor allem der Spanier Javi Martinez (Bilbao) war ein Zeichen, ein Erfolgsgarant, der mit 40 Millionen Euro eine Rekordablösesumme kostete. 2013 führte Jupp Heynckes die Bayern zum Triple, das Titel-Monopol begann. Diese Erfolgsserie ist in Europa einmalig, in dieser Zeit gab es in England fünf verschiedene Meister, in Spanien und Frankreich je drei und auch Dauersieger Juventus Turin gab in Italien nach acht Titeln vorzeitig auf (zuletzt Inter Mailand). Überall-Experte Lothar Matthäus behauptet, die Bayern würden Meister werden, solange Neuer, Müller und Lewandowski spielen. Hat er vielleicht mal den Sport-Grantler gelesen?

Nach Ende der Vorrunde sah natürlich alles nach einem erneuten Alleingang der Bayern aus, die in den Erfolgsjahren im Schnitt 14 Punkte mehr als der Zweite holten. Neun Zähler diesmal der Vorsprung, jetzt sind es nur noch sechs. Die Bayern wären aber nicht die Bayern, wenn sie nicht auch in der Not einen Titel holen würden: Jetzt sind sie halt Corona-Meister! Neun Corona-Ausfälle hatten die Münchner zu verzeichnen, dazu vier durch Abstellungen zum Afrika-Cup und Verletzungen. In der Corona-Tabelle ist der VfB Stuttgart Zweiter mit sechs Ausfällen, Frankfurt, Freiburg und Gladbach beklagten vier. Und dennoch hätten die Bayern gegen Gladbach nicht verlieren müssen, beim 1:2 waren sie keineswegs schlechter, am meisten fehlte wohl Manuel Neuer, Vertreter Sven Ulreich machte bei den Gegentreffern keine glückliche Figur. So litt übrigens auch Freiburg beim 2:2 gegen Bielefeld, Flekken-Vertreter Uphoff verschuldete beide Gegentreffer! Der Gladbacher Sieg kam aber nicht nur wegen Corona wenig überraschend, kein anderer Bundesligist siegte gegen die Bayern öfters, von den letzten zehn Niederlagen erlitten die Bayern allein vier gegen Gladbach und konnten auch in dieser Saison gegen die Fohlen nicht gewinnen.

Aber wie lange die Zeit der Ausfälle dauert, steht in den Sternen. Auch am Samstag in Köln, als Sechster im Aufwind und unter Trainer Steffen Baumgart spektakulär, wird es nicht leicht, schon im Hinspiel war der Meister über das 3:2 glücklich. Dennoch könnte es wieder einen Rekord geben, wenn die Bayern treffen, dann hätten sie in 66 Spielen hintereinander eingenetzt, die (selbst gehaltene) Bestleistung haben sie eingestellt. Manuel Neuer dürfte wieder an Bord sein, Richards, Tolisso und Coman befinden sich im Training, allerdings befinden sich Letztere nach Verletzungen im Aufbautraining. Auch Kimmich und Sabitzer merkte man gegen Gladbach die Ausfallzeit an, vor allem die Flitzer Davies und Sané fehlten auf der linken Seite. Statt eines Schnellboots war mit Sabitzer und Tillmann nur ein Ruderboot im Einsatz. Immerhin, eine Woche Training sollte Trainer Nagelsmann helfen, weitere Rückschläge zu verhindern. Jugendspieler werden trotzdem wieder im Kader stehen, Wanner und Copado kamen sogar zum Einsatz. Vor allem Paul Wanner machte Schlagzeilen, mit 16 Jahren und 15 Tagen ist er Bayerns jüngster und insgesamt in der Bundesliga (nach Dortmunds Moukoko, 16/1 Tag) zweitjüngster Spieler aller Zeiten. Jetzt wird schon seine Zukunft debattiert, im Sommer läuft sein Vertrag in München aus.

Dortmund sollte Mut geschöpft haben. Trainer Marco Rose lobte vor allem Erling Haaland, der zwar ohne Tor blieb, aber wieder einmal als Motivationsmonster ein Vorbild war. Konstanz war bisher aber immer ein Fremdwort bei der Borussia, sie muss am Freitag gegen Freiburg nachlegen. Das Duell ist das Schlagerspiel der Bundesliga, Freiburg steht als Vierter auf einem Platz für die Champions League und ist ein Sensationsteam der Saison, auch wenn Trainer Christian Streich diese Aussage nicht gefällt. Heimlich, still und leise schlich sich die TSG Hoffenheim sogar auf Rang drei. Trainer Sebastian Hoeneß hat harte Zeiten hinter sich, doch die Spieler halten zu ihm und endlich stellte sich der Erfolg ein. Der FC Augsburg war beim 3:1 vielleicht nicht der große Prüfstein, doch die Schlagzeilen gehörten vor dem Match dem Abstiegskandidaten. Und das in der Person von Ricardo Pepi, einem 19jährigen amerikanischen Stürmer-Talent, das weiß, wo das Tor steht. Ein kurzer erster Einsatz war ein Reinschnuppern, doch bald sollen für die von Verletzungen gebeutelten Augsburger die notwendigen Tore folgen. Dafür haben sie eine zweistellige Rekordablösesumme ausgegeben. Die nächsten Aufgaben vor der Länderspielpause Ende Januar haben es aber in sich, erst kommt Frankfurt, dann geht es nach Leverkusen. Danach könnte es ein direkter Abstiegsplatz sein.

Durch Stuttgarts 0:0 in Fürth (für die Schwaben zu wenig) rutschte der FCA auf den Relegationsplatz. Bielefeld liegt nur einen Zähler zurück und hat nun gegen Schlusslicht Fürth, das verzweifelt um Anerkennung kämpft, die Chance, vorzurücken. Wie weit dies möglich wäre, liegt auch an den anderen Abstiegskandidaten, Der VfB ist mittendrin und hofft auch auf einen Torjäger, nämlich Sasa Kalajdzic, der nach langer Ausfallzeit wieder an Bord ist. Gegen Leipzig hängen die Punkte allerdings hoch, danach geht es nach Freiburg. Alarm auch weiterhin in Wolfsburg, das 0:1 in Bochum war schon die achte Pflichtspielniederlage hintereinander (sechs in der BL), Trainer Florian Kohfeldt wackelt und hat vielleicht noch zwei Spiele Karenzzeit. Vielleicht kommt da das zweite Sorgenkind Hertha BSC gerade recht, auch die Berliner starteten gegen Köln misarabel und wirkten wie ein Abstiegskandidat.

Es darf also wieder eifrig diskutiert werden, ab dem kommenden Wochenende auch wieder in der 2. Bundesliga, die vor einer spannenden Rückrunde steht. Im Hintergrund lauert aber Corona mit Omikron, es kann entscheidende Ausfälle geben und nur mit viel Glück und Vorsorge wird die Saison im Profi-Fußball sportlich entschieden. Andere Verbände haben die gleichen Sorgen, da fallen vor allem im Eishockey reihenweise Spiele aus, was der Fußball noch verhindern konnte. Jetzt gibt es sogar den Gedanken, das Eishockey-Turnier bei den Olympischen Spielen in Peking abzusagen, rund einen Monat vor dem Start! Gegen Corona und die Bestimmungen in Australien kämpft verzweifelt die Nummer 1 im Tennis, Novak Djokovic. Hier hat er es mit anderen Gegnern als in seinem Sport zu tun. Allerdings haben sich er bzw. seine Berater auch ziemlich einfältig verhalten. Aber es scheint, als wäre Corona ein übermächtiger Gegner für den Sport.

Dies kann er auch bei Olympia sein und in Kürze bei der Handball-Europameisterschaft, wo es heißt, den Titel holt die Nation, welche die wenigsten Corona-Fälle zu verzeichnen hat. Mehr dazu in einem weiteren Blog in dieser Woche.

2022: Noch ein Corona-Jahr? Jahr der Politik? Jahr des Geldes? Jahr des Sports?

Mit frischem Mut ins neue Jahr? Das wird nicht allen und nicht überall gelungen sein, die Corona-Pandemie wirft weiter einen Schatten auf unser Leben. Auch der Sport leidet weiter darunter und so schauen Sport-Fans, Verbände, Vereine und Sportlerinnen und Sportler mit einiger Skepsis auf 2022. Natürlich stehen wieder zahlreiche tolle Veranstaltungen bevor, mit den Olympischen Winterspielen und der Fußball-Weltmeisterschaft als Höhepunkten, doch selbst die werden nicht nur von der Pandemie überschattet, sondern auch von der Politik. Und auch das Geld spielt vor allem im Profisport eine immer größere Rolle. Gefährdet die Macht des Geldes den Sport? Was dürfen wir also von 2022 erwarten: Noch ein Corona-Jahr? Ein Jahr der Politik? Ein Jahr des Geldes? Oder dürfen wir uns auf ein Jahr freuen, in dem der Sport im Mittelpunkt steht?

Das Corona-Jahr

Der Sport leidet, vor allem Covid-19 und die Mutante Omikron sorgen dafür, dass fast kein geregelter Spielbetrieb mehr möglich ist und Veranstaltungen nicht das übliche Flair entwickeln können. National bangen die Profiligen um den Spielbetrieb und die Vereine um ihre Existenz. Selbst in der Bundesliga wird es immer brenzliger, Bayern München, Gladbach und der VfB Stuttgart haben je vier Spieler in Quarantäne. Urlaubsreisen in der Winterpause waren wohl der Auslöser. Mussten sie sein? Jeder hat sie sich verdient, aber die Folgen müssen die Vereine tragen. Als erstes Großereignis stehen die Australien Open im Tennis an, viele Stars sind nicht dabei, aus Angst vor einer Infektion, aber auch vor der Corona-Blase und einem Leben wie im Gefängnis. Die Form könnte verloren gehen. Ähnliches gilt für die Winterspiele in Peking. Corona wird auch 2022 zu einer Belastung für den Sport.

Höhepunkte 2022

Und dennoch sollten wir uns auf ein Sportjahr freuen, vielleicht kehrt die Normalität Stück für Stück zurück. Es ist unmöglich auf alle großen Veranstaltungen hinzuweisen, der Sport-Grantler freut sich zunächst aber auf die Handball-Europameisterschaft vom 13. – 30. Januar in Ungarn und der Slowakei. Im Februar stehen natürlich die Olympischen Winterspiele in Peking im Mittelpunkt, hoffentlich mit packendem Sport und nicht mit politischen Streitereien. Die Sportler können die Probleme der Politik nicht lösen, das gilt auch für Katar. Vom 4. bis 20. Februar geht es also um Gold, Silber und Bronze, für manche Teilnehmer aber auch um das Durchhalten in der Corona-Blase. Die Paralympics schließen sich vom 4. – 13. März an. In dieser Zeit werden in Frankfurt/Main auch wichtige Weichen gestellt. Der DFB-Bundestag wählt am 11. März einen neuen Präsidenten und soll ein Zukunftskonzept verabschieden. Das Kasperltheater im Verband soll vorbei sein.

Wenn es im Mai schon warm wird, dann sorgt ein Wintersport noch für Abkühlung, die Eishockey-Weltmeisterschaft in Finnland. Bei Olympia fehlen die NHL-Profis, einige könnten zum Saison-Ausklang ihre Teams verstärken. Aber sportlich eigentlich unverständlich, im Olympia-Jahr auch eine WM durchzuführen. Das Geld spielte bei den Überlegungen die Hauptrolle und der Gedanken der Funktionäre, auf schöne Reisen nicht verzichten zu wollen. Das sieht beim Frauen-Fußball anders aus, da wird die Europameisterschaft vom 6. bis 31. Juli aus 2021 nachgeholt. In England genießt der Frauen-Fußball wohl den höchsten Stellenwert in Europa, das sollte sich in großer Begeisterung niederschlagen. Kann auch das DFB-Team begeistern?

Im August schließt sich ein besonderes Sport-Ereignis in München an, die European Games. München bekam auch wegen des Jubiläums 50 Jahre nach den Olympischen Sommerspielen 1972 den Zuschlag. Im Olympiapark wird wieder gefeiert und gekämpft. Titelkämpfe tragen vom 11. – 21. August unter anderem die Leichtathleten, Ruderer und Schwimmer aus und lassen bestimmt Erinnerungen an die großartigen Spiele 72 wach werden. Die Basketball-EM in vier Ländern schließt sich vom 1. – 18. September an und den Jahresabschluss macht das Großereignis Fußball-Weltmeisterschaft in Katar vom 21. November bis 18. Dezember. Eine WM vor Weihnachten gab es noch nie, entsprechend umstritten ist das Turnier, auch wegen der politischen Lage in Katar. Da kommt alles zusammen, eine WM der Politik, des Geldes und des Sports (siehe auch den nachfolgenden Blog „Der kaputte Sport“). Spielt auch Corona noch eine Rolle?

Abseits davon gibt es natürlich massenhaft Großveranstaltungen, die Turniere im Tennis und Golf, die Radsport-Highlights mit der Tour de France als Krönung und die WM der Formel 1, die am 20. März in Bahrain starten soll und am 20. November in Abu Dhabi ihr Finale erlebt, diesmal hoffentlich ohne Skandal!

Es könnte aber auch noch ganz besondere Weichenstellungen geben, zum Beispiel beim absurden Plan von FIFA-Präsident Gianni Infantino, die WM alle zwei Jahre durchzuführen. Es ist der Kampf der Funktionäre um eine volle Kasse (für den Fußball und sich selbst!).

DFL unter neuer Führung

16 Jahre lang hat Christian Seifert als Geschäftsführer die Deutsche Fußball-Liga erfolgreich geführt, jetzt wollte er sich anderen Aufgaben zuwenden. Seine Nachfolgerin betritt Neuland und sieht sich schweren Aufgaben gegenüber. Die Medienmanagerin (u. a. bei Axel Springer) Donata Hopfen (44) wird gleich ins kalte Wasser geworfen. Wird sie gegen die Geld-Haie der Bundesliga bestehen, kann sie die DFL in ruhigem Fahrwasser halten, die Probleme 50+1 lösen oder einen neuen Grundlagenvertrag durchbringen? Auf Ratschläge eines erfahrenen Karl-Heinz Rummenigge muss sie verzichten, der neue Aufsichtsratchef Hans-Joachim Watzke wird sie vielleicht ein bisschen „an die Hand nehmen“. Gerade im Hinblick auf Auslandsvermarktung und Sponsoren sollte die Bundesliga weiter funktionieren und ihren guten internationalen Ruf behalten. Seifert hatte vor allem das Corona-Problem hervorragend gelöst.

Ab dem 1. Januar gibt es noch etwas Neues in der Bundesliga, die Schiedsrichter GmbH hat unter 48-prozentiger Beteiligung der DFL ihre Arbeit aufgenommen. Geschäftsführer Sport ist Schiedsrichter Chef Lutz Michael Fröhlich, das Führungsteam bleibt unverändert, es sollen aber vermehrt professionelle Strukturen Einzug halten. Fröhlich spricht davon, mehr ligenbezogen zu arbeiten.

Corona erster Bayern-Gegner

Neun Punkte Vorsprung, es scheint die Konkurrenz hat aufgegeben. Vor dem Gewinn der zehnten Meisterschaft in Folge könnte für Bayern München ein ganz anderer Gegner die Ziele gefährden: Das Virus Corona. Vier Spieler (Neuer, Tolisso, Coman, Richards) und Co-Trainer Dino Toppmöller haben sich infiziert und sind in Quarantäne. Vor allem Manuel Neuer wird den Münchnern gegen Gladbach am Freitag und dann in Köln wohl fehlen. So wird zum Rückrundenstart der Bundesliga am Freitag Sven Ulreich ohne Spielpraxis nach langer Verletzung das Tor hüten. Aber die Bayern stehen mit ihren Corona-Problemen nicht allein da, 13 Klubs sind von 27 Fällen betroffen, hat der kicker ausgerechnet. Das kann Einfluss auf das Geschehen nehmen, könnte aber auch verstärkt noch Transferaktivitäten auslösen.

Da hat der FC Augsburg schon auf sich aufmerksam gemacht, mit der Verpflichtung des 18jährigen US-Talents Ricardo Pepi. Der Stürmer stand auch bei großen Vereinen auf der Liste, auch Bayern soll Interesse gehabt haben. Er verspricht sich in Augsburg wohl vor allem Spielpraxis, der Abstiegskandidat hofft dagegen auf entscheidende Tore, nachdem die Torjäger Finnbogason und Niederlechner oft wegen Verletzungen ausfielen. Ein Torjäger darf sich freuen: Robert Lewandowski hat wieder einmal eine Wahl gewonnen, seine Kollegen in der Bundesliga wählten den Polen bei einer Umfrage vom kicker zum besten Fußballer der Welt. Das Ergebnis wünscht sich Lewandowski jetzt auch bei der FIFA-Wahl!

Die Bundesliga hat aber noch ein Problem. Nein, nicht nur die Bundesliga, sondern der gesamte Profi-Fußball in Europa klagt. Nämlich darüber, dass ihre afrikanischen Nationalspieler im Januar nicht zur Verfügung stehen. Vom 9,. Januar bis zum 6. Februar läuft der Afrika Cup in Kamerun. Der FC Liverpool muss zum Beispiel auf seine Torjäger Salah und Mané verzichten, Union Berlin gefällt es nicht, dass Stürmer Awoniyi fehlt. Bei einige Bundesligisten gibt es Lücken, doch für Klagen besteht eigentlich kein Anlass, denn die Vereine haben schließlich gewusst, dass fast jährlich der Afrika Cup ausgetragen wird. Zuletzt sorgte Corona ebenfalls für eine Absage, Algerien war 2019 in Ägypten (mit sieben Titeln Rekordsieger) der Cup-Gewinner. Jetzt treten erneut 24 Nationen in vier Gruppen in Kamerun an, 2023 geht es schon wieder in der Elfenbeinküste weiter, 2025 folgt Guinea. Allerdings bangen die Vereine Europas auch, ob in Kamerun die Corona-Regeln entsprechend eingehalten werden.

Und so fragt man sich zu Beginn des Jahres, ob Corona, die politischen Einmischungen, der Streit ums Geld oder der Sport am Ende von 2022 in Erinnerung bleiben.

Der kaputte Sport

Zum Jahreswechsel wird gern Bilanz gezogen, natürlich auch im Sport. Der Blick geht zurück, aber auch in die Zukunft. Die Welt hat vor allem durch die Corona-Pandemie ein schwieriges Jahr hinter sich, darunter litt natürlich auch der Sport. Verbände, Vereine und Funktionäre waren vor allem damit beschäftigt, das Überleben in Zeiten der Unsicherheit zu ermöglichen. Die Zukunft steht vielerorts in den Sternen. So wird der Sport vor allem darunter leiden, dass durch die Beschränkungen in der Pandemie die Nachwuchsarbeit brach lag, Kinder sich andererseits orientierten und auch potentielle Fans dem Sport verloren gingen. Selbst die Fußball-Bundesliga merkt dies. Dazu kommen unfähige Funktionäre, die fernab von jeglicher Realität Luftschlösser bauen, mit Millionen-Einnahmen werben und die Basis vergessen. Der Sport hatte 2021 ein schwieriges Jahr, 2022 könnte noch schlimmer werden. Ein Blick hinter die Kulissen macht deutlich : Wir blicken auf einen kaputten Sport.

Diejenigen, die eigentlich für einen gesunden Sport verantwortlich wären, sorgen dafür, dass der Sport an Anerkennung und Bedeutung verliert. Gerade Verbandspräsidenten werden zu Totengräbern, sorgen in ihrer Geldgier und Abgehobenheit dafür, dass der Spitzensport die Masse verliert und eher zu einem elitären Kreis wird. Beispiele sind FIFA-Präsident Gianni Infantino und IOC-Präsident Thomas Bach. Nur Geld zählt, die Sportler nicht, sie sind Mittel zum Zweck. Zum Teil wird sogar Raubbau mit ihrer Gesundheit betrieben.

2022 bietet mit den Olympischen Winterspielen in Peking und der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar umstrittene Veranstaltungsorte. Das IOC hat die Spiele an ein totalitäres Regime vergeben, Völkermord wird verschwiegen, die Demokratie in Hongkong zerschlagen, eine Tennisspielerin zum Schweigen gebracht, die Pandemie mit rigorosen Mitteln bekämpft, die Sportler notfalls nicht mehr als Menschen behandelt, sondern als kranker Abfall. Kein Wunder, dass sich viele Athleten überlegen, ob sie sich Peking überhaupt antun sollen.

Ähnliches in Katar, die Menschenrechte werden mit Füßen getreten, dass Land wurde selbst von den Nachbarn isoliert. Die WM sollte der Reputation dienen, die FIFA machte sich zum politischen Handlanger. Das tausende Arbeiter beim Bau der Stadien gestorben sind, interessiert den Fußball-Weltverband nur wenig. Zur ungünstigen Winterzeit in Europa, dort wo die meisten Fans zu finden sind, wird das Turnier durchgezogen, die Länder müssen sich in ihren Terminplänen danach richten, die Sportler müssen dies ausbaden und sind mit ihren Kräften teilweise am Ende, die Verletzungen häufen sich. Der kaputte Sport.

Es ist bezeichnend, dass Weltfunktionäre wie Infantino danach trachten, ihr Produkt noch mehr zur Melkkuh zu machen. Deshalb die Idee die Fußball-Weltmeisterschaften alle zwei Jahre auszutragen. Vor allem Europa und Südamerika wehren sich dagegen, die Mehrheit könnte aber bei den Verbänden liegen, die sportlich keine Rolle spielen, deren Funktionäre aber abkassieren wollen – für sich, nicht für den Fußball. Ähnliche Gedanken waren der Ausgangspunkt für die Idee einer Super League in Europa, weil Vereinsbosse auf die maroden Finanzen ihrer Klubs schauten, Folge der Misswirtschaft über viele Jahre hinweg. Die Rettung also über einen Wettbewerb für den sich Geldgeber fanden, der aber dem normalen Spielbetrieb Schaden zufügen würde. Doch über den Tellerrand schauen sie nicht hinaus. Dabei sind sie Auslöser für einen kaputten Sport.

Drahtzieher waren vor allem die Präsidenten von Juventus Turin, Real Madrid und dem FC Barcelona. Was ist dort los? Juventus Turin hat Italiens Steuerfahndung im Visier, es soll gleich in 42 Fällen zu strafrelevanten Transfer-Tricks gekommen sein. Namenlose Spieler waren plötzlich Millionen wert, damit die Bilanz stimmt und Verluste verschleiert werden. Auch bei Inter Mailand ist die Steuerpolizei bereits aufgetaucht. Der FC Barcelona kommt vor lauter Schulden nicht mehr auf die Füße, ist in Spaniens Liga nur noch Mitläufer statt Meisterkandidat. Messi ging und damit der Erfolg. Zurück bleiben Schulden, die sich über Jahre angehäuft haben. Größenwahnsinnige Funktionäre hinterlassen verbrannte Erde, einen kaputten Sport.

Der kaputte Sport wird auch in den nationalen Verbänden deutlich, der DFB wurde zum Skandalverband, Korruption und Verschleierung sorgte dafür, dass sich Öffentlichkeit angewidert abwandte, weil einer der Hauptübeltäter, der fast ständige Interimspräsident Dr. Koch immer noch im Sattel sitzt und die Fäden zieht. Nicht zum Wohle des Fußballs! Ähnliches beim Olympischen Sportbund, der eigentlich im deutschen Sport führen soll, aber mit internen Zwistigkeiten beschäftigt war. Ob es mit einem neuen Präsident besser wird?

Ein Beispiel für den kaputten Sport bot vor allem die Formel 1 in ihrem Saisonfinale. Nicht der Sport stand im Mittelpunkt, sondern die Show. Um in einem heißen Duell den Weltmeister zu ermitteln, wurden die Regeln gebeugt. Ein schwammiger Paragraph sorgte dafür, dass der Rennleiter durch seine Entscheidung quasi bestimmen konnte, wer Weltmeister wird. Er beugte die Regeln für Max Verstappen, damit die langweilige Regentschaft von Mercedes und Hamilton ein Ende nahm. Der Sport braucht Regeln und die müssen eingehalten werden, alles andere ist Betrug. Bezeichnend, dass die Formel 1 mit ihren neuen technischen Reformen vor allem eines im Visier hat: Mehr Action, mehr Überholmanöver. Es geht nicht darum, den Sport sicherer oder umweltverträglicher zu machen, es geht um Spektakel für die Fans.

Es gab in der Vergangenheit leider schon viele Beispiele für korrupte Funktionäre (denken wir nur an die Leichtathletik), die ihre eigenen Geldbeutel füllen wollten und nicht an den Sport dachten. Aber der Sport wird immer überleben, weil der Wettkampf, bei dem nicht sicher ist, wer gewinnt, einen besonderen Reiz ausübt. Teile des Sports gehen kaputt, wenn dieser Reiz manipuliert wird.

Hoffen wir insofern auf ein spannendes und faires Sportjahr 2022 mit vielen Höhepunkten und Veranstaltungen, wo wirklich alles für die Athleten getan wird, denn die Sportlerinnen und Sportler sollen im Mittelpunkt stehen, nicht das Geld oder die Funktionäre.Vielleicht haben wir Fans dann auch weiterhin Spaß am Sport. Allen Leserinnen und Lesern deshalb ein gesundes und gutes neues Jahr und viel Spaß mit Sport und dem Sport-Grantler.

Nur ein neuer Trainer ist ein Volltreffer

Die Fußball-Bundesliga hat sich in die kürzeste Winterpause aller Zeiten verabschiedet, denn bereits nach drei Wochen, am 7. Januar, geht es weiter. Dies ist der Winter-Weltmeisterschaft im November in Katar geschuldet. Für die Profis gibt es also keine wirkliche Erholung, ein bisschen Generation, für einige heißt es Wunden lecken, andere können fröhliche Weihnachten feiern. Zur Halbzeit der Saison heißt es aber auch Bilanz zu ziehen. Vor allem die Trainer standen im Mittelpunkt, weil gleich eine Rekordzahl von acht Neuen die Arbeit zu Saisonbeginn aufnahm. Nach 17 Spieltagen kann man sagen: Nur ein neuer Trainer ist ein Volltreffer!

Die Antwort fällt nicht schwer, es ist natürlich Julian Nagelsmann, der überraschend reibungslos den erfolgreichen Hansi Flick ablöste. Die hohe Ablösesumme an RB Leipzig hat sich für die Bayern gelohnt, Nagelsmann verpasste dem Meister ein noch offensiveres und erfolgreicheres Konzept, glänzte zudem als Moderator und Krisenmanager. Als in der Impf-Diskussion um Joshua Kimmich und der Katar-Debatte rund um die missglückte Jahreshauptversammlung die Hütte brannte, da zeichnete sich Nagelsmann als bester Feuerwehrmann aus. Man merkt ihm an, dass er seinen Traumplatz gefunden hat und heute träumt er schon davon, dass er die Bayern nicht nur fünf Jahre, sondern doch eigentlich auch zehn Jahre oder mehr trainieren könnte.

Im Moment würde keiner Nein sagen, es läuft bei den Bayern, ein Rekord löst den anderen ab, Ausfälle werden spielend kompensiert, selbst Kimmich und Goretzka wurden kaum vermisst. Da trat der 18jährige Jamal Musiala in ihre Fußstapfen (nach kicker-Noten ist er der beste Feldspieler der Liga vor Nico Schlotterbeck und Robert Lewandowski!) und Ersatzmann Marc Roca spielt wie ein Stammspieler. Nagelsmann hat aus dem Talent Leroy Sané einen Weltklassemann gemacht und Thomas Müller hat seine alte Form wieder gefunden. Er wirkt, als könnte er ebenfalls noch zehn Jahre bei den Bayern spielen!

Die größte Wandlung ist bei Robert Lewandowski festzustellen, erkennbar zum Beispiel beim 4:0 (passend zum 4. Advent) gegen Wolfsburg. Lewandowski machte sich nicht nur selbst glücklich mit dem Tor zum 4:0 kurz vor Schluss, womit er den Jahresrekord von Bomber Gerd Müller aus dem Jahr 1972 mit 43 Treffern auslöschte (bisher 42). Nein, Lewandowski zog sich auch zurück, glänzte als Spielmacher und wenn es hinten brannte, organisierte er bei Freistößen die Abwehr. Die ist zwar immer noch anfällig, aber das Pressing der Offensive ist so stark, dass dies kaum ins Gewicht fällt. Die Bilanz kann sich schließlich sehen lassen, 56:16 Tore, neun Punkte Vorsprung auf „Verfolger“ Borussia Dortmund. In der Vorrunde haben die Bayern nur acht Zähler abgegeben (Niederlagen gegen Frankfurt und Augsburg, Remis in Gladbach), es ist also durchaus verständlich, wenn es heißt, der Titel ist vergeben. Dazu wackelt der Saison-Torrekord, 1971/72 erzielten die Münchner 101 Tore, bei Halbzeit waren es damals 47 – jetzt liegen sie bei 56!

Lewandowski steht allerdings auch im Mittelpunkt nach der Frage für die Zukunft. Sein Vertrag bei den Bayern läuft bis 2023, unglücklich war er, weil er den Ballon d’Or nicht gewann und so bleibt immer offen, ob er sein Glück weiter bei den Bayern sieht oder es noch einmal bei einem anderen Top-Klub versuchen will. Erling Haaland wird als sein möglicher Nachfolger genannt, doch eigentlich passt seine Spielweise, die Körperlichkeit und Schnelligkeit, nicht zum Spiel der Bayern. Aber Haaland lässt die Dortmunder zittern, was seine Zukunft angeht. Kein Geheimnis ist, dass Real Madrid sein Lieblingsverein ist, doch Reals Lieblingsspieler heißt Mbappe (Paris). Da wird es unruhig bleiben.

In der Bundesliga schaut Dortmund ebenfalls wieder einmal in die Röhre. Der neue Trainer Marco Rose konnte nicht wie Nagelsmann in München für Schwung sorgen, er konnte den Borussen keine neue Mentalität einimpfen. Das „mia san mia“ geht den Westfalen ab, sie bleiben weiter zu schwankend in ihren Leistungen. Sind sie nah dran am Titelverteidiger, folgen Rückschläge. Ein Punkt Abstand war es nur vor dem Duell mit den Bayern, innerhalb weniger Spieltage sind es nach der unglücklichen Niederlage neun. Was bleibt, ist der Vizetitel und der Trost vielleicht im Pokal. Ein Volltreffer war Marco Rose also nicht.

Als kleiner König kann sich dagegen Steffen Baumgart in Köln fühlen. Er hat die Diva am Rhein auf Kurs gebracht und selbst Rückschläge so weg moderiert, dass keine Unruhe im Verein aufkam. Platz acht mit Blick auf die Europa-Plätze ist der Lohn beim vorjährigen Abstiegskandidaten, Baumgart ist also zumindest ein Treffer.

Danach schauen die Bilanzen schon zwiespältig aus. Oliver Glasner hatte in Frankfurt anfangs Probleme, jetzt läuft es. Sechs Siege und nur eine Niederlage in den letzten sieben Spielen machen die Eintracht zur Mannschaft der Stunde. Davon träumte auch Gerardo Seoane in Leverkusen, aber zu wankelmütig ist die talentierte Mannschaft. Da fehlt also noch was. So zog am Ende noch der SC Freiburg auf Platz drei vorbei, als die Überraschung der Vorrunde. Da ist sogar der eigenwillige Christian Streich glücklich.

Adi Hütter hatte schon in Frankfurt überzeugt, aber er hat sich in Gladbach wohl noch mehr versprochen, als der Trainerstuhl frei wurde. Jetzt fühlt er sich eher im falschen Film, ist mehr Karfreitag als fröhliches Weihnachten. Die Mannschaft hat höhere Qualität als sie derzeit auf den Platz bringt. Ein Rätsel. Manager Max Eberl wird aber am Trainer festhalten, zumal Hütter sich schon als Krisenmanager bewährte und viel Geld kostete. Aber die Situation im Abstiegskampf ist gefährlich. Nicht glücklich wurden Mark van Bommel in Wolfsburg und Jesse Marsch in Leipzig. Beide Klubs sprachen von ihrem Wunschtrainer, beide hatten auf das falsche Pferd gesetzt. Florian Kohfeldt und Domenico Tedesco sind jetzt mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt, der Erfolg will sich nicht recht einstellen. Besonders gefährlich für Kohfeldt nach sieben Niederlagen in Folge. Das gab es in Wolfsburg noch nie.

Erfreulich und erstaunlich, die vier Trainer der Teams am Tabellenende sitzen momentan scheinbar noch fest im Sattel. Stefan Leitl wurde in Fürth für den Aufstieg gefeiert, jetzt muss er wie der Verein leiden. Frank Kramer hat in Bielefeld noch Kredit, zuletzt ging es aufwärts. Pellegrino Matarazzo litt in Stuttgart vor allem unter Verletzungspech, das Abrutschen auf den Relegationsplatz lässt aber langsam Unruhe aufkommen. Die gibt es immer wieder auch in Augsburg, wo es zumindest ein kleines Erfolgserlebnis gab. Wenigstens ist es zur Halbzeit der rettende 15. Platz, 18 Punkte sind etwa die Hälfte dessen, was man am Ende zum Klassenerhalt braucht. Trotz schwankender Leistungen, eines ständigen Auf und Ab alles also mehr oder weniger im Lot. Das Weihnachtsfest ist zumindest nicht versaut.

In der 2. Bundesliga liegen mit St. Pauli und Darmstadt zwei Überraschungsteams vorne, der Abstand ist mit sechs und fünf Punkten beachtlich. Dahinter drängen sich außer Außenseiter Heidenheim die Traditionsklubs HSV, Schalke, Nürnberg und Bremen – alle wieder erstarkt, alle im Aufwind. Das wird ab dem 14. Januar in der stärksten zweiten Liga aller Zeiten die vielleicht spannendste Rückrunde aller Zeiten. Dann feiert mal schön auf Vorrat fröhliche Weihnachten.

Ein Blick noch auf die Frauen-Bundesliga, die bis zum 4. Februar Winterpause macht. Da hat Corona den Schlager Potsdam – Wolfsburg gestoppt, so stürmte Titelverteidiger Bayern mit einem 2:0 in Bremen vorübergehend an die Spitze. Für Furore sorgten die Frauen (anders als die Männer) aber in der Champions League. Hoffenheim fieselte Arsenal London mit 4:1 ab, die Bayern distanzierten Benfica Lissabon mit 4:0 und genauso siegte Wolfsburg überraschend gegen den Vorjahresfinalisten Chelsea London und wurde sogar Gruppensieger. Damit stehen die Bayern und Wolfsburg im Viertelfinale im März! Ein deutsches Duell blieb ihnen erspart. Wolfsburg hat mit Arsenal sicher das leichtere Los als die Münchnerinnen, die auf den Mitfavoriten Paris St. Germain treffen, der in sechs Gruppenspielen kein einziges Gegentor kassierte!

Es gab aber auch eine unerfreuliche Premiere im deutschen Profi-Fußball. Erstmals wurde ein Spiel wegen Rassismus abgebrochen. Betroffen war die Partie der 3. Liga zwischen Duisburg und Osnabrück, als Gästespieler Opuku rassistisch beleidigt wurde. Der Schiedsrichter brach schließlich ab, da sich Osnabrück und der Spieler nicht im Stande sahen, weiterzuspielen. Andere Zuschauer konnten den Übeltäter identifizieren, er wurde festgenommen. MSV-Präsident Ingo Wald entschuldigte sich, „wir sind alle fassungslos, wie man den Fußball so zerstören und sabotieren kann.“ Keine fröhliche Weihnachten also.

Der Sport-Grantler hofft aber, dass seine Leserinnen und Leser fröhliche und geruhsame Weihnachten feiern können und er hat zwei Wünsche: Bleiben Sie gesund und dem Blog treu.

Die Fußball-Bundesliga als fröhliches Weihnachtsrätsel

Überall in den Medien gibt es derzeit Weihnachtsrätsel zu lösen, Unterhaltung für die Leserinnen und Leser und wichtige Leser-Blatt-Bindung. Da will auch die Fußball-Bundesliga nicht abseits stehen, auch in Corona-Zeiten kämpft sie um die Bindung zu den Fans und zeigt sich zur richtigen Zeit als fröhliches Weihnachtsrätsel. Mit einem Doppel-Spieltag geht zudem die Vorrunde in dieser Woche zu Ende und da stellt sich dann zudem die Frage, wer fröhliche Weihnachten feiern kann.

Zuerst zu den Rätseln. Ein Rätsel ist seit Jahren Borussia Dortmund, startet jede Saison als größter Konkurrent, schafft es aber nie, die Konstanz auf das Feld zu bringen wie Dauermeister Bayern München. Es ist ein Rätsel, dass sich tolle Leistungen mit fehlerhaften Spielen in entscheidenden Momenten immer wieder abwechseln. Der Verfolger ist wieder gestoppt, der Niederlage gegen den Titelverteidiger folgte ein Remis im Derby gegen Neuling Bochum, macht aktuell sechs statt nur einen Punkt Rückstand. Das Rätsel kann nicht aufgelöst werden.

Rätselhaft ist derzeit, was bei der anderen Borussia passiert, der in Mönchengladbach. In Erinnerung ist das 5:0 gegen die Bayern im DFB-Pokal, zuletzt aber gab es drei fast peinliche Niederlagen in der Bundesliga: 1:4 in Köln, 0:6 gegen Freiburg, 1:4 in Leipzig. „Schuld sind wir alle,“ will Manager Max Eberl Trainer Adi Hütter nicht in Frage stellen. Die Mannschaft gerät allerdings aus den Fugen, es wird eher über Abwanderungsgelüste geredet als über den nächsten Gegner. „Wir sind keine Mannschaft,“ heißt es aus dem Team: Rätsel gelöst? Die nächsten Gegner sind Frankfurt und Hoffenheim. Das wird nicht einfach für eine Wende.

Rätsel gibt auch der VfL Wolfsburg auf. Unter Wert hat er sich schon mit Trainer Mark van Bommel verkauft, im Aufwind ging es mit Nachfolger Florian Kohfeldt los und jetzt wieder die Krise, ein Rückfall in alte Zeiten, fünf Pflichtspielniederlagen in Serie. Kein Wolfsburger Trainer verlor so oft in Folge! Ein Rätsel auch der FC Augsburg, einmal hui, dann wieder pfui. Mit dem 2:0 in Köln wieder Hoffnung auf Besserung. Es war der erste Auswärtssieg, für Köln die erste Heimniederlage – auch rätselhaft. Und wie kam das 5:2 von Eintracht Frankfurt gegen Bayer Leverkusen zustande? Da ein Verein, der seine Bestform sucht, dort ein Anwärter auf einen Spitzenplatz. Patrick Schick machte Leverkusen zunächst glücklich, traf zur 2:0-Führung – und dann spielte nur noch die Eintracht wie im Rausch. So ist Fußball könnte des Rätsels Lösung sein. Schick aber sorgt für Furore, alle reden von Lewandowski und Haaland, Schick macht die Tore, ist erster Verfolger des Polen. Sein Elfmeter zum 2:0 war ein Jubiläumsschuss: Zum 5000. Mal trat ein Spieler in der BL zum Strafstoß an und er war genau der 1000. Schütze!

Kein Rätsel mehr ist die Frage nach dem Weihnachts- oder Halbzeitmeister. Die Bayern haben vor den beiden letzten Spielen sechs Punkte und 18 Tore Vorsprung auf Dortmund. Die Frage stellt sich aber, wer fröhliche Weihnachten feiern kann, dafür müssen bekanntlich Siege her. Auch bei den Bayern natürlich, denn der Vorsprung soll in Stuttgart und gegen Wolfsburg gehalten werden. Und das, obwohl das Herzstück mit Kimmich und Goretzka fehlt! Tolisso und Talent Musiala lassen sie vergessen, aber beide sind angeschlagen, könnten ausfallen. Am Ende hieß beim 2:1 gegen Mainz das Herzstück sogar Roca/Nianzou! Kimmich machte noch anderweitig Schlagzeilen, er will sich impfen lassen, muss aber erst noch Probleme der Lunge auskurieren. Zum Rückrundenstart am 7. Januar will er wie Kollege Goretzka wieder an Bord sein.

Der Doppelspieltag in dieser Woche hat es in sich, vor allem im Mittelfeld rückt alles enger zusammen. Vor allem am Mittwoch gibt es im Verfolgerfeld die interessanten Duelle Leverkusen – Hoffenheim und Union Berlin Freiburg. Im Abstiegskampf kämpft Bielefeld gegen Bochum um den Anschluss. Schlusslicht Fürth feierte schon zwei Wochen vor Weihnachten einen historischen Erfolg, es gab beim 1:0 gegen Union den überhaupt ersten Heimsieg in der Bundesliga. Ist es das berühmte Licht am Ende des Tunnels? Und welches Gesicht zeigt Dortmund gegen Fürth und bei der Hertha? Viele Rätsel werden wir in die Rückrunde ab 7. Januar mitnehmen.

Bayern CL-Alleinunterhalter

Spannender als die Spiele sind manchmal die Auslosungen. Am Montag war es wieder so weit, die nächsten Runden in der Champions- und Europa League wurden ausgelost. Allerdings gestaltete sich das Prozedere als spannender als gewollt, weil die erste Auslosung der CL wegen eines Fehlers in der Software annulliert werden musste. Atletico Madrid wurde Bayern München zugelost,war aber ungültig. Also hier nichts Neues.

Allein, die deutschen Klubs wurden auf der internationalen Bühne nicht glücklich. Bayern München ist wieder einmal der Alleinunterhalter der Bundesliga in der Champions League. Wie schwach die Bundesliga insgesamt war, zeigt die UEFA-Wertung. Deutschland hält zwar den wichtigen Gesamtrang vier mit großem Vorsprung vor Frankreich, doch in der Jahreswertung sind nicht nur England, Spanien und Italien besser, sondern auch Frankreich, Russland und sogar Österreich!

Borussia Dortmund hat die CL leichtfertig verspielt, Wolfsburg zeigte im entscheidenden Spiel Nerven und schied mit dem 1:3 gegen FC Sevilla ganz aus. Sevilla rettete sich in die Europa League, dort, wo der Verein erfolgreich ist (vier Siege in zehn Jahren) und sein Zuhause sieht. Für Dortmund und den RB Leipzig geht es darum, in der Europa League die schlechte Bilanz der Bundesliga aufzuhübschen. Aber es gibt prominente Konkurrenz wie den FC Barcelona, der erstmals nach 21 Jahren in der Gruppenphase der CL ausschied. Das Duell mit dem SSC Neapel hat CL-Feeling. Dortmund bekommt es in der Play-Off-Runde mit den Glasgow Rangers zu tun, RB Leipzig mit San Sebastian, Gegner, die man schlagen kann. Los geht es am 17. Februar.

Formel-1-Theater ohne Ende

Spektakulär wie die ganze Saison ging die Weltmeisterschaft der Formel 1 in Abu Dhabi zu Ende. Erst auf der letzten Runde wurde der Zweikampf der punktgleich Führenden zugunsten von Max Verstappen gegen Lewis Hamilton entschieden. Red Bull und der Niederländer jubelten, der Engländer verpasste die Chance auf den achten Titel und damit, alleiniger Rekordweltmeister zu sein. Allerdings zeigte sich auch im letzten Rennen, dass sich die Formel 1 immer mehr vom Sport entfernt und nur noch Unterhaltung bieten will und dazu Regel gebrochen oder Schmierentheater aufgeführt werden. Das war schon in Spa so, als skandalös des Rennen unter unmöglichen Bedingungen teilweise durchgepaukt wurde, um Verträge einzuhalten. Das zeigte sich bei der Großzügigkeit gegenüber Max Verstappen bei Regelverstößen, damit die Spannung erhalten bleibt und der Zweikampf mit Hamilton bis ins Finale getragen werden kann.

Und jetzt? Jetzt ist es eigentlich ein Formel-1-Theater ohne Ende. Geht es nach dem Regelbuch, so sollte Max Verstappen den Gewinn der Weltmeisterschaft nicht so ausgiebig feiern, der Protest von Mercedes hat eigentlich Hand und Fuß, doch was zählt das schon in der Formel 1. Hamilton dominierte das Rennen, doch Crashs von Hintermännern spielten Verstappen in die Karten. Schließlich wurde das Safety Car bemüht und dann die Platzierung hinter Hamilton seltsam verändert. Plötzlich lag Verstappen mit frischen Reifen hinter dem Engländer, mit allen Tricks wurde das Rennen für eine Runde noch einmal freigegeben und Verstappen düpierte Hamilton und Mercedes. Auch ein verbotenes Überholmanöver von Verstappen gab es. Mal sehen was der Protest bringt, der erste Einspruch wurde abgelehnt, Mercedes geht in die Berufung. Die nennt Red Bull als „unwürdig“, doch gerade Red Bull und Verstappen führten sich wie kleine Kinder auf, wenn ihre Regelverstöße geahndet wurden. Sie haben das Selbstverständnis, dass sie alles machen dürfen, der Gegner nichts außer brav zu sein. In dem ganzen Theater ging auch unter, dass Mercedes zum achten Mal hintereinander die Teamwertung gewonnen hat.

Max Verstappen mag sportlich ein würdiger Weltmeister sein, er hat Klasse gezeigt, aber leider auch Rambo-Methoden, die eines Weltmeisters nicht würdig sind. Hamilton zeigte Größe und gratulierte fair, in ihm muss es gebrodelt haben. Wie auch das Urteil am grünen Tisch ausfällt, 2022 werden die Karten neu gemischt, schließlich gibt es neue technische Vorgaben und damit neue Autos. Allerdings könnte die Formel 1 viele Fans verlieren, weil sie nicht mehr an einen fairen Sport glauben.

Formel-1-Thriller: Ein Mann geht über Leichen

Wird der 12. Dezember 2021 ein historisches Datum in der Formel 1? Erstmals seit 1974 gehen zwei Fahrer punktgleich in das letzte Rennen der Saison. Erstmals gibt es allerdings die Angst, dass die Saison mit einer Katastrophe enden könnte, denn die letzten Rennen bewiesen: Max Verstappen, der 24jährige Heißsporn, der seinen Vorsprung inzwischen eingebüßt hat, kennt keine Hemmungen, wie im TV-Thriller von 1996 „Jim Profit – Ein Mann geht über Leichen“, scheint es, dass der Niederländer auch so denkt „Ein Mann geht über Leichen“. Jedenfalls wird Max Verstappen keinem Crash aus dem Wege gehen. Sein Vorteil: Scheiden er und sein Konkurrent Lewis Hamilton beide aus, ist Verstappen Weltmeister, weil er neun Saisonsiege zu verzeichnen hat, Hamilton deren nur acht.

Zur Erinnerung, es wäre nicht das erste Mal, dass in der Formel 1 mit Unfällen die Weltmeisterschaft entschieden wird. 1989 und 1990 galten die Teamkollegen Ayrton Senna und Alain Prost im McLaren als die größten Rivalen im Motorsport, zweimal crashten sie im letzten Rennen, einmal wurde Prost Weltmeister, einmal Senna. 1994 holte sich Rekord-Weltmeister Michael Schumacher mit einem Crash seinen ersten Titel. Als Konkurrent Damon Hill ihn zu überholen versuchte, kam es zum Unfall. Schumacher fiel sofort aus, Hill wäre Weltmeister gewesen, doch er musste später ebenfalls seinen Wagen abstellen, so war Schumacher der Glückliche. Sieben Titel hat er dann gewonnen, Lewis Hamilton hat ihn inzwischen eingeholt.

Am Sonntag in Abu Dhabi könnte der 36jährige Engländer mit dem achten Titelgewinn alleiniger Rekordweltmeister werden. Er könnte unsterblich in der Sportgeschichte werden, doch dann müsste er einen Crash überstehen oder ihm aus dem Wege gehen. Max Verstappen wird mit dem Messer zwischen den Zähnen kämpfen. „Er wird alles versuchen, um den Sieg zu holen, das ist sicher“, kündigte Vater Jos Verstappen an. Das letzte Rennen in Dschidda in Saudi-Arabien war bereits der Beweis. Verstappen brach die Regeln, sein Fahrstil war an Rücksichtslosigkeit nicht zu überbieten, einschließlich verbotener Bremsmanöver. Die Strafen von einmal fünf und einmal zehn Sekunden waren lächerlich, aber vor einer Disqualifikation scheuten die Formel-1-Bosse zurück, sie wollten sich nicht das eigene Geschäft kaputtmachen. Nach Jahren der Langeweile ist der Formel-1-Thriller schließlich ein Glücksfall als Werbung.

Der Yas Marina Circuit hat schon viele bedeutungsschwere Rennen zum Finale der Formel 1 gesehen. Sebastian Vettel war beim Debüt 2009 erster Sieger und holte dort 2010 mit Red Bull seinen ersten WM-Titel. Davon träumt jetzt auch Verstappen, der sogar Titelverteidiger ist, vor einem Jahr gewann er in Abu Dhabi. Lewis Hamilton ist allerdings mit fünf Erfolgen Rekordsieger (vor Vettel mit drei), hat aber auch schlechte Erinnerungen, so, als er 2016 mit Ausbremsmanövern nicht verhindern konnte, dass sein Teamkollege Nico Rosberg Weltmeister wurde. Der beendete danach entnervt seine Karriere. Jetzt sieht sich Hamilton einem Gegner gegenüber, der Bremsmanöver höchstens als Kinkerlitzchen ansieht. Verstappen greift notfalls sicherlich zu härteren Maßnahmen – er ist ein Mann, der über Leichen geht!

Entscheidend wird wieder einmal der Start (um 14.00 Uhr MEZ) sein. Zuletzt kam Verstappen besser weg, hatte die kürzere Reaktionszeit. Sollte die erste Kurve unfallfrei überstanden werden, gibt es Hoffnung auf ein Rennen, gibt es Hoffnung auf echten Sport, wobei in der Formel 1 noch die Taktik beim Reifenwechsel eine große Rolle spielt. Eine große Rolle könnten aber auch die zweiten Fahrer in den Teams spielen. Valtteri Bottas konnte zuletzt Hamilton bei Mercedes nicht richtig helfen, kämpft selbst noch um Platz drei in der WM. Sergio Perez ist bei Red Bull vielleicht der schnellere Mann, allerdings konnte er das zuletzt nicht unter Beweis stellen. Beide Kontrahenten träumen davon, mit ihrem Teamkollegen die erste Startreihe zu bilden. Hamilton wiederum kann bei einem schlechteren Start noch auf das schnellere Auto vertrauen. Sein Gegner weiß allerdings, wie man den Konkurrenten ausbremst. Nebenbei geht es auch um die Teamwertung, in der Mercedes mit 587,5 Punkten klar vor Red Bull (559,5 führt).

Es ist also angerichtet, hoffentlich bringt der Krimi-Nachmittag in der Formel 1 Spaß, ehrlichen Sport und keine Katastrophe. Dem übertragenden Pay-TV-Sender Sky dürfte er hohe Einschaltquoten bescheren. RTL ist diesmal nicht dabei, hat sich aber bei der Übertragung von Saudi-Arabien blamiert, als es das Spektakel wegen eines Jahresrückblicks mit Günther Jauch ausblendete. Pech gehabt, die Formel 1 interessierten mit 3,5 Millionen mehr Zuschauer als danach Herrn Jauch (nur 3 Millionen). Ein Umschalten auf ntv sahen die Fans wohl nicht als attraktiv an, die Mehrheit schaltete ab. Das würde am Sonntag nicht passieren.

Beste Werbung für die Bundesliga mit einem Spieltag, der es in sich hatte

Nörgler können nach dem 3:2-Erfolg der Bayern bei Verfolger Dortmund wieder mosern, „jetzt ist die Spannung doch wieder hin“. Es war aber ein tolles Spiel, das weltweit übertragen wurde und beste Werbung für die Fußball-Bundesliga darstellte. Überhaupt war der 14. Spieltag eine Art PR-Aktion für die Bundesliga, um zu zeigen, was im Fußball alles möglich ist.

Der einzige Schatten, der auf das Schlagerspiel fiel, waren die Entscheidungen von Schiedsrichter Felix Zwayer. Sie waren zwar nicht grundsätzlich falsch, aber über sie wurde nach dem Match diskutiert und nicht über die Rasanz auf dem Rasen. Einzig Borussia-Abwehrchef Mats Hummels dürfte darüber froh sein, er hatte einen gebrauchten Tag, war an allen drei Gegentoren beteiligt und zeigte dem auf der Tribüne sitzenden Bundestrainer Hansi Flick deutlich „meine Zeit ist vorbei, rechne nicht mehr mit mir.“

Mit Felix Zwayer wird man aber noch rechnen müssen, es ist aber nie gut, wenn der Schiedsrichter ein Spiel entscheidet, auch wenn er nicht grundsätzlich falsch liegt. Das geahndete Handspiel von Hummels entdeckte erst der Videoschiedsrichter, Zwayer folgte ihm, obwohl er vorher unsicher war, ob es Hand war. Hummels streckte den Arm aus, befand sich aber im Zweikampf und wurde behindert. Wirklich Absicht, wirklich zu ahnden? Hier sollte der Unparteiische zurückhaltend sein, im Zweifel nicht das Spiel mit Elfmeter entscheiden. Seine großzügige Spielleitung bewies er ja auch beim Zweikampf zwischen Hernandez und Reus, als er zurecht keinen Elfmeter gab. Überhaupt wurde diese strittige Szene, über die sich die Dortmunder fast noch mehr aufregten, nachträglich vom DFB entschärft: Haaland befand sich vorher im Abseits, ein Elfmeter wäre zurückgenommen worden.

Interessante Statistiken am Rande: Robert Lewandowski stellte schon wieder einen neuen Rekord auf: 118 Auswärtstore in der Bundesliga (bisher 117 Klaus Fischer, Gerd Müller kam auf 115). Kingsley Coman ist der einzige Spieler der Bundesliga der achtmal gegen Dortmund spielte und immer gewann. Erling Haaland erzielte in allen vier Spielen gegen die Bayern ein Tor, gewann aber im Gegensatz zu Coman nie!

Die Anspannung des Spitzenkampfes entlud sich nicht nur auf dem Feld oder am Rande (Rot für Borussen-Trainer Rose), sondern vor allem danach in der Enttäuschung des Verlierers, der so gerne Tabellenführer geworden wäre. Aber ausgerechnet der erst 18jährige Engländer Bellingham fiel aus dem Rahmen, als er in norwegischen Medien in Zwayers Vergangenheit wühlte (Erstaunlich, das er vom Bestechungsskandal überhaupt weiß. Wahrscheinlich selbst nicht, sondern der angestellte Schreiber!) und kritisierte, „man gibt einem Schiedsrichter, der schon mal ein Spiel verschoben hat, das größte Spiel in Deutschland. Was soll man da erwarten?“ Erwarten darf Jude Bellingham nun eine Strafe vom DFB.

Jetzt haben die Bayern also wieder vier Punkte Vorsprung vor Dortmund und sollten sich die Weihnachtsmeisterschaft nicht entgehen lassen, die restlichen Gegner sind Mainz, Stuttgart und Wolfsburg. Dortmund hat ein Revierderby mit Bochum, spielt gegen Schlusslicht Fürth und bei der Hertha. Von der Konkurrenz freute sich vor allem Leverkusen, dass mit einem 7:1 gegen Fürth auf drei Punkte an Dortmund heranrückte. In diesem Spiel stahl der Tscheche Patrik Schick mit vier Toren in 27 MInuten vom 4:1 zum 7:1 den großen Torjägern Lewandowski und Haaland die Show. Bemitleidenswert der Aufsteiger, der Gefahr läuft, den Minusrekord von Tasmania Berlin aus der Saison 1965/66 zu brechen. Tasmania stieg damals als schlechteste Mannschaft aller Zeiten mit acht Punkten und gerade mal zwei Siegen ab. Fürth wartet noch auf den ersten Sieg und hat nur ein Pünktchen auf seinem Konto. 13 Niederlagen in den ersten 14 Spielen erlitt noch niemand. Die Bundesliga ist einfach eine Nummer zu groß.

Der 14. Spieltag war aber überhaupt ein Spieltag, der es in sich hatte. Es begann schon am Freitag, als RB Leipzig bei Union Berlin 1:2 unterlag und eine eher desolate Leistung bot. Am Sonntag die Konsequenz, Trainer Jesse Marsch wurde nach drei Niederlagen in Folge entlassen. Der Amerikaner kam im Sommer von RB Leipzig als Hoffnungsträger und Nachfolger von Julian Nagelsmann, Vorstandschef Oliver Mintzlaff ätzte in Richtung scheidenden Coach, „wir haben nicht um ihn gekämpft, wir haben jetzt unseren absoluten Wunschtrainer“. Damit wollte er wohl ablenken, dass er Nagelsmann nicht halten konnte. Co-Trainer Achim Beierlorzer soll bis Weihnachten übernehmen, als Wunschtrainer gilt Roger Schmidt (früher Leverkusen, RB Salzburg), der aber noch beim PSV Eindhoven bis Sommer unter Vertrag steht. Verfügbar wäre dagegen Domenico Tedesco (früher Schalke). Wie auch immer, ein Platz im Mittelfeld gefällt dem Brause-Klub gar nicht, der zudem in der Champions League ausgeschieden ist und um die Europa League bangen muss.

Zu einem Spieltag, der es in sich hatte, zählt vor allem Freiburgs 6:0 in Mönchengladbach. Die Hausherren waren quasi nicht vorhanden, nach 25 Minuten stand es 0:5. Trainer Adi Hütter konsterniert: „Das ist nicht erklärbar.“ Gerüchte um eine Entlassung konterte Manager Max Eberl auf seine Art: „Vollkommener Blödsinn.“ Auffallend, dass die Höhenflüge von Wolfsburg (0:3 in Mainz) und Frankfurt (2:3 bei Hoffenheim) abrupt gestoppt wurden. Seltsam auch sie Serie des FC Augsburg, der zu Hause noch nie gegen einen Neuling gewann, jetzt auch gegen Bochum nicht, beim 2:3 war die erste Halbzeit (0:3) desolat. Freilich, es musste wieder eine Not-Innenverteidigung her, die Stammspieler sind verletzt. Dabei sollte Bochum in den Abstiegskampf gezogen werden, stattdessen schwirrte der Neuling ins Mittelfeld ab, steht noch vor Leipzig, Frankfurt und Gladbach!

Die 2. Bundesliga ist schon ein Stück weiter, sie beendet am kommenden Wochenende bereits die Vorrunde. Der FC St. Pauli steht als Halbzeitmeister fest, mit sechs Punkten Vorsprung auf Darmstadt. Dahinter rangieren Regensburg und Paderborn. Und die Prominenz? Nürnberg 5., der HSV 7., Schalke 8. und Bremen 9. Fünf Punkte Rückstand haben die Hanseaten auf den Relegationsplatz. Bei St. Pauli wird es zwiespältige Gefühle geben, 27 von 39 Halbzeitmeister stiegen auf, in den letzten fünf Jahren allerdings nur Bielefeld. Braunschweig, Kiel und gleich zweimal der HSV scheiterten dagegen, der HSV wurde jeweils Vierter! Das will der „kleine“ Lokalrivale nicht wiederholen.

Gruppen-Finale in der Champions League

Der Dezember ist der Stress-Monat der Bundesligisten, zunächst steht das Gruppen-Finale auf Europas Bühne an. In der Champions League ist es noch wichtig für Wolfsburg und Leipzig. Eine Rarität sicherlich die Konstellation für die Wölfe: Sie können am Mittwoch gegen Lille noch Erster werden oder sogar Letzter! Eine Niederlage besiegelt das Ausscheiden, ein Sieg sichert das Achtelfinale, den Rest entscheiden auch Salzburg und FC Sevilla im zweiten Duell. Leipzig hofft aufs Weitermachen in der Europa League, Manchester City steht vor Paris als Gruppensieger fest. Beide Klubs sind im Achtelfinale, schenken sie die Punkte her, könnte einer der punktgleichen Brügge oder Leipzig profitieren. RB erwartet am Dienstag ManCity, Brügge gastiert in Paris. Wie ernst nehmen also die großen Klubs das Finale?

Für Borussia Dortmund geht es im letzten Spiel gegen Besiktas Istanbul nur um einen guten Abgang, Rang drei ist zementiert. Bayern München steht als Gruppensieger fest und spielt gegen den FC Barcelona nur um seine gute Statistik. 27 Gruppenspiele sind die Bayern jetzt ungeschlagen, nur Real Madrid hat mit 30 mehr. Die letzten drei Spiele gewannen die Münchner gegen Barca, in Erinnerung vor allem das 8:2 im August 2020 auf dem Weg zum Triple. Im Hinspiel gewann Bayern 3:0. Barcelona kämpft dagegen ums Weiterkommen, hat nur zwei Punkte Vorsprung auf Benfica Lissabon und muss gewinnen, wenn Benfica seinerseits gegen Dynamo Kiew gewinnt. Das wird Barca mit dem neuen Trainer Xavi nicht leicht fallen, denn gegen keinen anderen Klub verlor Barca so oft wie gegen die Bayern (sieben Niederlagen). Tragisch, es wäre das erste Ausscheiden nach der Gruppenphase seit 21 Jahren! Die Auslosung für das Achtelfinale folgt am 13. Dezember.

Auch die Frauen freuen sich auf die Champions League. Meister Bayern München kann am Donnerstag in Schweden beim BK Häcken die Weichen für das Viertelfinale stellen, Wolfsburg in Genf und Hoffenheim in Köge kämpfen am Mittwoch um eine gute Ausgangsposition für den letzten Spieltag eine Woche später.