Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Timo Werner ist zurück mit Blick auf Flick

Die neue Saison der Fußball-Bundesliga ist gerade erst zwei Spieltage alt und dennoch sind die Weltmeisterschaft im November und die Nationalmannschaft immer präsent. Sie beeinflussen sogar die Spielerwechsel. Eklatantes Beispiel ist der Stürmer Timo Werner. Vor zwei Jahren zog es ihn von RB Leipzig weg zu Chelsea nach London, um bei einem Weltclub mehr Geld zu verdienen und Pokale zu gewinnen. Beides hat geklappt, der 26-jährige Torjäger gewann immerhin die Champions League. Glücklich wurde er allerdings nicht, seine persönliche Erfolge hielten sich in Grenzen, im zweiten Jahr verlor er sogar seinen Stammplatz und das drohte ihm jetzt auch in der Nationalmannschaft. Angesichts der fehlenden Vorbereitungszeit auf die WM hat Bundestrainer Hansi Flick das Motto ausgegeben, „dass er nur Kandidaten mit Spielpraxis nominieren werde“. Da läuteten bei Werner die Alarmglocken. Lieber Katar, dafür weniger Geld und Ruhm im Verein, aber vielleicht mehr Ruhm auf der WM-Bühne.

Erstaunlich also, welche Kehrtwendungen es im Fußballgeschäft gibt. Chelsea zahlte einst für Werner 55 Millionen Euro, Leipzig leistete sich die Rückkehr mit der Rekordablösesumme von etwa 20 Millionen, die auf 35 Millionen ansteigen könnte. Ein Gewinn für Leipzig, ein Gewinn für Werner, ein Verlust für Chelsea. Trainer Thomas Tuchel war der Wechsel deshalb auch ein Dorn im Auge: „Er soll sich bei uns durchbeißen und nicht weglaufen,“ moserte er. Werner wählte zweifellos die sicherere Variante in Richtung WM-Nominierung. Mit einem Tor, allerdings ein Geschenk von Kölns Torhüter Schwäbe, führte er sich gleich gut ein. Bleibt es so, wird Flick mit ihm planen.

Timo Werner ist also zurück mit dem Blick auf Flick. Könnte sein, dass auch andere Spieler des Bundestrainers Mahnung im Hinterkopf hatten, als sie ihre Entscheidungen über Wechsel oder Nichtwechsel trafen. Nico Schlotterbeck zum Beispiel zog es deshalb zu Borussia Dortmund, weil er dort Erfahrung auf internationaler Bühne sammeln kann. Im Gegensatz dazu könnte sich Antonio Rüdiger verrechnet haben und den Stammplatz an Schlotterbeck verlieren. Bei Real Madrid kommt Rüdiger derzeit meist nur als Einwechselspieler zum Zug, Trainer Carlo Ancelotti (der übrigens sein Karriere-Ende nach seiner Real-Zeit ankündigte) baut auf die Stammspieler vom Vorjahr, Militao und Alaba. Da könnte auch Flick der eingespielten Dortmunder Formation Süle (wenn er fit ist) und Schlotterbeck den Vorzug geben. Oder Matthias Ginter im Visier haben, der in Freiburg wieder Werbung für sich betreiben kann. Möglich auch, das Jonas Hofmann seinen Vertrag bei Borussia Mönchengladbach verlängerte, weil er dort den Stammplatz sicher hat. Bei Angeboten von Bayern oder Dortmund durfte er sich nicht so sicher sein.

Hansi Flick wird auch mit Freuden sehen, wie die Bayern aufspielen. Gegen Wolfsburg haben sie zwar an Schwung verloren, das 2:0 aber souverän herausgespielt. Der neue Star Jamal Musiala zeigt sich weiter in Bestform und schlüpfte mit drei Treffern in die Rolle des abgewanderten Robert Lewandowski als Torjäger. Keiner ist wohl auf Musiala als Nachfolger des Polen gekommen. Hält der erst 19-jährige junge Mann seine Form, kann auch Flick nicht an ihm vorbei und er wäre wohl auch gut beraten, auf das System von Bayern-Coach Julian Nagelsmann zurückgreifen und mit 4-2-2-2 zu spielen, schließlich hat auch Flick keinen Strafraumstürmer als echten Torjäger. Mit dem Bayern-System und -Stamm könnte die erste Elf dann so aussehen: Neuer – Hofmann, Süle, Schlotterbeck, Raum – Kimmich, Goretzka – Müller, Musiala – Gnabry, Werner. Aber noch ist Zeit, Ende September gibt es die einzigen Länderspiele und Tests im Rahmen der Nations League gegen Ungarn und England. Am 23. November steht das erste WM-Spiel gegen Japan an.

Keine Konkurrenz für Bayern und Dortmund

Nach zwei Spieltagen wirkt die Bundesliga logischerweise noch ein bisschen unsortiert, viele Vereine suchen noch ihre Form, die ersten Enttäuschungen müssen bereits verkraftet werden. Sie betreffen vor allem zwei Kandidaten, die eigentlich zum Kreis der möglichen Bayern-Konkurrenten gezählt wurden, jetzt aber noch ohne Sieg dastehen. Ganz im Gegenteil, Bayer Leverkusen ist nach dem 0:1 in Dortmund und 1:2 gegen Augsburg sogar Tabellenletzter! Nur Bochum ist ebenfalls noch ohne Punktgewinn – und jetzt kommen die Bayern! Bei Leverkusen aber macht sich schon Unsicherheit breit, gegen den FCA hat Bayer in den zwölf Augsburger Bundesliga-Jahren noch nie verloren! Nächste Chance zum Punktesammeln am Samstag gegen Hoffenheim.

Unzufriedenheit auch in Leipzig, Erinnerungen ans Vorjahr mit einer verkorksten Hinrunde werden wach, zwei Unentschieden gegen Stuttgart und Köln sind nicht das, was ein Titelanwärter liefern sollte und was man sich erhofft hatte. Und dabei war man eigentlich als Pokalsieger mit breiter Brust in die Saison gegangen. Jetzt ist die Luft ein bisschen raus. Im Gegensatz dazu starteten die Bayern und Dortmund als einzige Klubs mit zwei Siegen, wobei die Borussia unter Trainer Edin Terzic in Freiburg beim 3:1-Sieg alte Tugenden zeigte: Kampfgeist, nicht aufgeben und ein glückliches Händchen des Trainers bei den Wechseln. Ähnlich wie Musiala in München spielen sich in Dortmund die Talente Bynoe-Gittens und Moukoko in den Vordergrund.

Das die Bundesliga manchmal das reinste Theater ist, zeigte sich zum Beispiel in Augsburg. Dort ist man im Zweifel, ob Rafal Gikiewicz noch der richtige Torhüter ist, er patzte zuletzt wiederholt. So hat Sportchef Stefan Reuter die Fühler nach dem Mainzer Ex-U21-Nationaltorhüter Finn Dahmen ausgestreckt. Dahmen will, Mainz nicht, eventuell wird es erst 2023 etwas. Gikiewicz ist angesichts der Diskussionen sauer, er hat eigentlich den Traum, mal in der polnischen Nationalmannschaft zu spielen. Er setzte Ärger in Leistung um, war in Leverkusen mit Glanzparaden der Matchwinner. Polen kann kommen, Dahmen kann warten. Oder doch nur eine Eintagsfliege? Am Samstag kann man reden, da kommt Mainz nach Augsburg.

Theater auch in Frankfurt. Der Auftritt auf großer Bühne konnte nicht genossen werden. Zuerst war Filip Kostic der Hauptdarsteller, der Star der letzten Jahre verabschiedete sich endgültig zu Juventus Turin, 15 Millionen Euro sind der Trostpreis. Dann war Real Madrid im Finale des Supercup der Hauptdarsteller, der Eintracht blieb nur die Nebenrolle, das Märchen Europa endete abrupt. Frankfurt ist halt doch zu klein für die Großen, obwohl Real sich beim 2:0 nicht in Bestform zeigte. Doch es reichte dank Alaba und Benzema. Ob es so in der Champions League reicht? Eher muss die Eintracht in der Bundesliga die Kurve bekommen, damit der Traum von Europa weitergehen kann. Der Start war nicht vielversprechend, bei Hertha sollte mehr als ein 1:1 möglich sein. Allerdings: Wer will, kann sagen, Hertha befindet sich im Aufwind. In der letzten Saison waren die Berliner nach zwei Spieltagen mit null Punkten Letzter. Jetzt haben sie einen Zähler…

Apropos Theater: Den gibt es weiterhin um den Video-Schiedsrichter. Die Regelauslegung ist einfach nicht eindeutig und nicht einheitlich, manche Entscheidungen dauern erschreckend lange. So ist dem Fußball nicht gedient. Fußball im Wartestand, das geht nicht, das ist absurdes Theater.

Olympia als Zugpferd, Olympia als Hindernis

Die European Championships, die vom 11. bis 21. August in München ausgetragen werden, sind ja eigentlich eine gute Idee. Es ist ein Zusammenschluss von Sportarten, die ansonsten meist im Schatten leben und selten in den Blick der Öffentlichkeit geraten. Die Ausnahme ist sicherlich Leichtathletik. Aber vor den Wettkämpfen in München war immer von Olympia die Rede. Einmal sollte die olympische Idee als Zugpferd dienen, der Verweis darauf, dass München wohl vor allem deshalb die Championships bekommen hat, weil es schön als Jubiläum 50 Jahre nach den Olympischen Sommerspielen 1972 passt. So war jetzt oft von München 2022 die Rede. Der Blick auf Olympia kann aber auch Hindernis sein. Die Championships wollen keinen Gigantismus, es sollen keine Meisterschaften des Kommerz sein, sondern die teilnehmenden Sportarten wollen vor allem das Publikum mit einbinden, natürlich aber auch im Fernsehen vertreten sein. Der deutsche Weitsprung-Star Malaika Mihambo hat das Motto vorgegeben: „Sport ist mehr als nur Fußball.“

Eines darf man aber nicht vergessen: München hatte bekanntlich Interesse an den Olympischen Winterspielen 2022, wollte die erste Stadt sein, die Olympia im Sommer und Winter austrägt. Doch die Bevölkerung konnte dafür nicht begeistert werden, vor allem die Umweltschützer wehrten sich, ein Referendum ließ die Idee scheitern. Dafür wurde Peking die erste Stadt mit Sommer- und Winterspielen. In China haben weder die Bevölkerung noch die Umweltschützer etwas zu sagen.

Jetzt also dafür die European Championships, die zum zweiten Mal nach Glasgow 2018 ausgetragen werden. Europameisterschaften in neun Sportarten, etwa 4700 Athletinnen und Athleten am Start, 177 Goldmedaillen werden vergeben. Der Olympiapark, das attraktive und gepflegte Erbe der Spiele 1972, wird im Mittelpunkt stehen, aber die ganze Stadt soll den Sport atmen. Beachvolleyball und Klettern finden am Königsplatz statt, Straßenradfahren, Marathon und Gehen enden am Odeonsplatz, Bahnradsport gibt es in Riem, Rudern und Kanu auf der Olympia-Regattastrecke in Oberschleißheim, Tischtennis in der Rudi-Sedlmayer-Halle, Turnen in der Olympiahalle, Leichtathletik im Olympiastadion und dazu Mountainbike, BMX und Triathlon verteilt im Olympiapark, der ein Erlebnispark sein soll. Die Zuschauer werden zum Teil mit freiem Eintritt angelockt, manche Finaltage, wie Beachvolleyball zum Beispiel, sind schon ausverkauft. Viel Platz wäre im Olympiastadion (55.000), aber die Leichtathleten wären mit 30.000 schon froh und hoffen auf gute Stimmung. Wer nicht live zuschauen kann, wird bei ARD und ZDF im Fernsehen gut bedient. Die Sender übertragen täglich 14 Stunden live im TV und im Stream, sind auch im Abendprogramm auf Sendung. Die Hoffnung auf Aufmerksamkeit erfüllt sich für die Sportarten.

Für die Sportlerinnen und Sportler sind die European Championships der Höhepunkt im Sportjahr, doch auch Weltmeisterschaften standen im Weg, weil wegen Corona manche Titelkämpfe verlegt wurden. So kämpften die Leichtathleten gerade in Eugene in Oregon/USA um Medaillen, die Kanuten kommen fast direkt von den Weltmeisterschaften in Halifax. Dennoch wollen sie in München an den Start gehen. Wollen muss es immer heißen, denn im Vorfeld haben Corona-Erkrankungen manche schon gestoppt. Leidtragende war mit Malaika Mihambo auch das Aushängeschild der Championships. Die weltbeste Weitspringerin erkrankte an Corona und musste eine Trainingspause einlegen, wird nach Gold in Eugene also nicht in Bestform antreten können, will aber die Qualifikation am Dienstag und das Finale am Donnerstag bestreiten.

Deutsche Erfolge wären überhaupt die beste PR für die Wettkämpfe, auf die Leichtathleten darf man da wohl weniger hoffen, die erlebten bei der WM einen Tiefpunkt. Neben Mihambo glänzten nur die „Golden Girls“, die Frauen-Staffel über 4×100 m, mit Bronze. Sie wollen in München jetzt den Titel. Im Blickpunkt stehen aber auch die Kanuten mit den Weltmeistern Sebastian Brendel und Tim Hecker, Ruderer Oliver Zeidler, der in Oberschleißheim auf den Spuren seines Opas wandelt, der 1972 bei Olympia Gold gewann. Im Radsport ist einiges möglich, im Tischtennis sowieso und auch im Klettern.

Die Athletinnen und Athleten freuen sich aber vor allem auf Wettkämpfe in olympischen Stadien, hoffen auf olympisches Flair und freuen sich auf besondere Medaillen, die echte Schmuckstücke sein sollen. Die dreieckige Form wurde von 2018 in Glasgow übernommen, der Schliff soll das Zeltdach stilisieren und im verschlungenen Band sind die Piktogramme von 1972 zu erkennen. Ein Maskottchen gibt es auch, der beliebte Waldi von 1972 erlebt keine Neuauflage, dafür gibt es das Eichhörnchen „Gfreidi“, weil Eichhörnchen Dauergäste im Olympiapark sind.

Der Olympiapark erlebt also wieder einmal einen sportlichen Höhepunkt, nachdem der große Fußball ausgezogen ist. Der Park soll ja Weltkulturerbe werden und kann beweisen, dass München 1972 Vorbild für alle Olympiastädte ist: Nirgends sonst gab es so eine sinnvolle Nachnutzung der Stadien. Insofern können die European Championships doch Klein-Olympia genannt werden. Vermisst wird höchstens das Schwimmen, das leider parallel die Titelkämpfe in Rom austrägt. Schade drum, die Schwimmhalle hätte auf einen Spitz-Nachfolger gewartet… Dafür freut sich Malaika Mihambo, dass sie erstmals im Olympiastadion springen darf, das wird sie trösten, wenn die Form auch nicht die beste sein kann. Fünf Tage nachdem die Championships enden, hatten am 26. August vor 50 Jahren die Olympischen Sommerspiele 1972 begonnen!

Die Bayern haben Spaß – der Rest der Bundesliga eher nicht

Was war vor dem Start der Fußball-Bundesliga spekuliert oder gehofft worden, wie es mit dem Abo-Meister Bayern München ohne Torjäger Robert Lewandowski weitergehen würde. Endlich das Ende der Titel-Langeweile? Die Münchner sorgten für Ernüchterung. Schlechter ohne Lewandowski? Nein, besser! Thomas Müller bringt es wie fast immer auf den Punkt: „Wir haben nicht nur einen Zielspieler, wir haben jetzt viele.“ Die Bayern bitten die Konkurrenz zum Tanz, elf Tore in zwei Spielen gegen beste Bundesliga-Konkurrenz, das ist ein Statement. Die Bayern haben Spaß – der Rest der Bundesliga eher nicht.

Dumm ist natürlich die Frage, die bereits durch die Medien geistert: Sind die Bayern schon Deutscher Meister? Dies nach dem ersten von 34 Spieltagen! Irgendwann haben auch die Bayern ausgetanzt und sie müssen erst noch die Frage beantworten, wie ihr Tänzchen gegen ein Abwehr-Bollwerk aussieht. Das könnte ihr alter Trainer Niko Kovac mit dem VfL Wolfsburg als nächster Gegner am Sonntag quasi zur Selbstverteidigung aufbauen. Da hilft dann vielleicht der „schnellste Angriff Europas“ (Ex-Boss Rummenigge) auch nicht mehr. Aber beeindruckend war es schon, wie Jamal Musiala (in überragender Form zum Saisonstart), Sadio Mané, Thomas Müller und Serge Gnabry und die meisten anderen aufspielen. Da haben auch die Zuschauer ihren Spaß, wenn sie nicht gerade zu den Gegnern gehören.

„Ein bisschen Spaß muss sein“, sang einst Roberto Blanco, ein wenig das Motto der Bundesliga. Ein bisschen Spaß hatten natürlich auch andere Mannschaften. Borussia Dortmund zum Beispiel, wohl noch der ernsthafteste Bayern-Rivale. Das 1:0 gegen Bayer Leverkusen war kein Glanzstück, aber es hatte typische Dortmund-Attribute: Muskelverletzungen einerseits (Süle und Özcan fielen aus, danach erwischte Adeyemi), andererseits wurde das Fehlen eines Torjägers (Haaland bekanntlich weg) anders wettgemacht, wie Sportchef Sebastian Kehl feststellte: „Wir haben gekämpft, gekratzt, gebissen. Das ist es, was die Menschen hier sehen wollen.“ Tore jedoch auch, für die soll für den Rest der Saison Anthony Modeste sorgen. Der Franzose hatte keine Lust mehr auf Köln, kennt keine Dankbarkeit, sondern geht dorthin, wo er mehr verdienen kann. Das dieser Wechsel rund um den ersten Spieltag die Schlagzeilen beherrschte, ärgerte vor allem Kölns Trainer Steffen Baumgart: „Das ist zum Kotzen“. Da hört halt der Spaß auf. Ein bisschen davon hatten die Kölner allerdings doch durch das 3:1 gegen Schalke. Geht also auch ohne Modeste.

Spaß hatten vor allem auch Union Berlin und der SC Freiburg. Die „Eisernen“ bleiben Stadtmeister und sind saisonübergreifend mit acht Spielen ohne Niederlage beste Mannschaft der Bundesliga. Das 3:1 war ihr erster Sieg am ersten Spieltag. Hertha ist eher das Gegenteil, nach dem Ausscheiden im Pokal die nächste Niederlage, Tristesse macht sich wieder breit, der Abstiegskampf hat begonnen. Ähnliches in Augsburg. Da Freiburg, das 4:0 auftrumpfte, dort ein FCA, der Beruhigung in der Vergangenheit sucht. Auch im letzten Jahr ging der Saison-Auftakt gegen Hoffenheim mit 0:4 verloren. Am Ende stand der Klassenerhalt. In Leverkusen wird es nicht leichter, danach heißen die Gegner Mainz, Hoffenheim und Hertha, da muss gepunktet werden. Lustig: Erster Torschütze für Freiburg war ausgerechnet Michael Gregoritsch, der ja im Tausch mit Demirovic vom FCA zum SCF wechselte. Unter den Torschützen war auch Matthias Ginter, der FCA ist immer sein Opfer in einem ersten Spiel für Freiburg. Das war am 21. Januar 2012 so, in seinem ersten Bundesligaspiel für Freiburg, und jetzt wieder, in seinem ersten Spiel nach der Rückkehr! Auf eine härtere Probe wird der SCF wohl am Freitag gegen Dortmund gestellt.

Wer hatte noch ein bisschen Spaß? Natürlich die Sieger Mönchengladbach (3:1 gegen Hoffenheim, Farke war der einzige neue Trainer, der gewann) und Mainz 05 (2:1 in Bochum, erster Auswärtssieg am 1. Spieltag), Stuttgart war mit dem 1:1 gegen Leipzig glücklich, Werder mit dem 2:2 in Wolfsburg zumindest zufrieden. Im Gegensatz haderten sie in Leipzig und Wolfsburg. Spaß hatten aber meist auch die Zuschauer. Kein Spaß ist es allerdings, wenn es schon wieder Ausschreitungen gibt und die unsägliche Pyrotechnik gezündet wird. Das wird vor allem für Frankfurt teuer und kann im Wiederholungsfall beim UEFA-Cup zu Geisterspielen führen. Die Strafe gegen die Bayern folgte sogar direkt: Joshua Kimmich zirkelte den Freistoß im Pyro-Nebel ins Tor. Kevin Trapp stand schlecht, hatte aber auch schlechte Sicht. Ob die Ultras so weit denken… Ansonsten könnte eine spaßige Bundesliga-Saison bevorstehen.

Die Eintracht muss das Europa-Gesicht zeigen

Die 1:6-Klatsche gegen die Bayern muss den Frankfurtern eigentlich Angst machen vor dem UEFA-Supercupfinale am Mittwoch in Helsinki gegen Real Madrid. Aber die Eintracht in der Bundesliga und auf Europas Bühne sind zwei Paar Stiefel. Jetzt muss die Eintracht wieder ihr Europa-Gesicht zeigen und die Bundesliga würdig vertreten (ohne Pyro!). Schade, dass spekuliert wird, ob Filip Kostic noch vorher den Verein verlässt, Juventus Turin ist im Gespräch. Das stört die Vorbereitung auf das wichtige Spiel, könnte aber auch den Ehrgeiz doppelt anstacheln.

Wer folgt also Chelsea London, das vor einem Jahr gegen die Spanier aus Villarreal mit 6:5 nach Elfmeterschießen siegte. Real Madrid könnte mit einem Erfolg Rekordsieger werden, gewann bisher viermal, genau wie der FC Liverpool, nur der AC Mailand und FC Barcelona haben fünf Siege. Frankfurt ist erstmals im Finale, letzter deutscher Sieger war Bayern München 2020 (gegen Chelsea), gewann auch 2013. Die Bayern waren aber zweimal im Finale unterlegen (1975 und 76), auch die anderen deutschen Versuche gingen daneben, der Hamburger SV (1977 + 1983), Werder Bremen (1992) und Borussia Dortmund (1997) verloren jeweils das Finale. Insgesamt gewann der Champions-League-Sieger bzw. Sieger im Europapokal der Landesmeister in den 46 Finals 26mal. Gegner waren früher die Sieger im UEFA-Cup bzw. im Europapokal der Pokalsieger. Ein großer Titel ist nicht zu gewinnen, aber immerhin gibt es 3,5 Millionen Euro als Antrittsgeld und zusätzlich eine Million für den Sieger.

Auf Rekordkurs ist übrigens auch Toni Kroos, der viermal den Supercup schon gewann, dreimal (2014, 2016, 2017) mit Real und 2013 mit den Bayern, nur Paolo Maldini siegte fünfmal mit dem AC Mailand. Kroos wird wohl sicher dabei sein, Teamkollege Antonio Rüdiger muss dagegen bangen, ob ihn Trainer Carlo Ancelotti nominiert. Der deutsche Abwehrspieler hat sich bei seinem Wechsel von Chelsea zu Real vielleicht spekuliert, wenn er nicht regelmäßig zum Einsatz kommt. Das wird auch Bundestrainer Hansi Flick nicht gefallen.

Am Donnerstag beginnt in München ein weiteres sportliches Großereignis, die European Games, eine Ballung von Europameisterschaften in neun Sportarten. München erhielt für 2022 den Zuschlag zum Jubiläum 50 Jahre nach den Olympischen Sommerspielen 1972. Rund 4700 Athletinnen und Athleten sind diesmal am Start. Mehr dazu in einer weiteren Kolumne im Laufe der Woche.

Bundesliga-Start: Eine Saison voller Spannung!

Die Frauen haben zuletzt Fußball-Deutschland verzaubert, jetzt sind die Männer wieder gefragt und zum Start der Bundesliga liegt die Latte also hoch. Zeigt endlich begeisternden Fußball! Eigentlich könnte die Fans in froher Erwartung sein, denn mit viel Spannung geht es los, selten gab es rund um die Vereine so viele Fragezeichen, nur selten konnte das Leistungsvermögen der 18 Vereine so schlecht eingeschätzt werden. Überraschungen könnten also an der Tagesordnung sein und die Klubs sich freuen, dass nach dem Corona-Einbruch die Stadien wieder voll sind, die Fans den Weg zurück in die Bundesliga finden. Also freuen wir uns auf eine tolle Saison! Es gibt sogar ein Jubiläum, es ist nämlich das 60. Spieljahr! Und der erste Spieltag hat es gleich in sich.

Die erste Frage: Wie geht es Dauer-Meister FC Bayern München ohne seinen Torjäger Robert Lewandowski? Hoffnungsfunken bei der Konkurrenz. Trainer Julian Nagelsmann gibt zu: „Wir haben uns verändert.“ Er warnt aber auch die Verfolger nach verkorkster Rückrunde: „Wir haben gelernt, wir ziehen unser Spiel durch, werden die Taktik nicht mehr so variieren.“ Dafür soll das Spiel mit Weltstar Sadio Mané variabel ausgelegt sein, mit Positionswechseln von allen, Müller, Gnabry, Musiala, Coman oder Sané sind nicht festgelegt. Das zeigte sich schon gegen Leipzig und soll sich gegen Frankfurt wiederholen.

Ein Eröffnungsspiel der Bundesliga am Freitag (20.30 Uhr), wie es besser nicht sein könnte. Der Europa-League-Champion gegen den nationalen Abo-Champion. Es könnte ein Torfestival wie in Leipzig geben, die Stärken liegen bei beiden im Angriff, die Schwächen in der Abwehr. Aber Achtung: Die Bayern haben 20mal das Eröffnungsspiel bestritten und keines verloren (15 Siege, 5 Unentschieden). Letzte Saison gab es ein 1:1 in Mönchengladbach. Andererseits haben beide Vereine an einem schlechten Abschluss der letzten Saison zu kauen, die Bayern beendeten die Saison mit drei Spielen ohne Sieg, die Eintracht sogar mit acht erfolgslosen Begegnungen! Kurios: Im letzten Jahr haben beide Gegner ihre Heimspiele verloren, 1:2 hieß es in München, 0:1 in Frankfurt.

Die Eintracht umwehen auch einige Fragen, zum Beispiel wie sich der internationale Erfolg auf die Bundesliga auswirkt, dazu ist die Belastung der Champions League zu meistern. Mit Mario Götze machte die Eintracht auch einen spektakulären Einkauf, der WM-Held von 2014 will neu angreifen und hat auch die Nationalmannschaft und die WM in Katar im Visier. Alles ist in Frankfurt möglich.

Apropos Neuzugänge, da schlug zuerst Borussia Dortmund zu und setzte die Bayern unter Druck. Allerdings gab es Rückschläge, vor allem durch die Krebserkrankung von Torjäger Haller. Dennoch: Die Borussia gilt als Bayern-Konkurrent Nummer 1 und will das gleich dem Mitkonkurrenten Bayer Leverkusen zeigen. Noch ein Schlagerspiel am ersten Spieltag, das nach einem Torfestival riecht, im Vorjahr hieß es 5:2 für Bayer und 4:3 für die Borussia! Bayer hat allerdings mit der Niederlage im Pokal in Elversberg keine Werbung betrieben. Folgt eine Trotzreaktion?

Nummer vier im Vorjahr war RB Leipzig, der Pokalsieger will sich mit dieser Rolle nicht zufrieden geben und hat alles getan, um sich ebenfalls zu verstärken. Mit David Raum kommt ein Dampfmacher auf links, Torjäger Nkunku, Spieler des Jahres und auf dem internationalen Markt begeht, konnte gehalten werden, Timo Werner, bei Chelsea London nicht glücklich, soll eventuell noch kommen. Leipzig bläst zum Angriff mit dem Rückenwind des Pokalsiegs.

Nummer fünf im Vorjahr war Union Berlin und es steht schon das nächste Schlagerspiel an, das Berliner Derby nämlich. Aber bitte, die Rollen sind total anders verteilt: Da Union, das seit Jahren positiv überrascht, dort die Hertha, die von einem Dilemma ins nächste taumelt und gerade noch die Klasse halten konnte. Jetzt soll es Sandro Schwarz richten, einer von insgesamt sieben neuen Trainern in der Bundesliga. Aber auch er musste mit einem Rückschlag im Pokal leben, die Hertha zählt wieder zu den Abstiegskandidaten.

Der SC Freiburg zählt sich selbst meist zu dieser Kategorie, in diesem Jahr allerdings nicht. Christian Streich war es fast schon peinlich, dass er zum „Trainer des Jahres“ gekürt wurde, er will nicht im Mittelpunkt stehen, freut sich aber natürlich über ein erfolgreiches Team und die Schwarzwälder könnten wieder um die Europaplätze mitmischen. Solche Ambitionen haben Köln, Mainz und Hoffenheim, die dahinter lagen, nicht unbedingt. Köln, mit der Belastung in der Conference League, und Mainz zählen sich eher zum Mittelfeld, in Hoffenheim allerdings sind die Ambitionen anders. Mäzen Dietmar Hopp fordert einen Europaplatz, Trainer Andre Breitenreiter, der Hoeneß-Nachfolger, soll liefern. Abgang Raum soll adäquat ersetzt werden, vielleicht mit dem Ex-Augsburger Max.

Hoffnungen auf Europa hat auch Borussia Mönchengladbach mit dem neuen Trainer Daniel Farke, er hat Schwung in den Verein gebracht, Platz zehn ist nicht der Anspruch, Gladbach will wieder nach Europa. Das gilt auch für den VfL Wolfsburg, auch dort mit Niko Kovac ein neuer Trainer und alte Ziele – Europa. Aber ob die Mannschaft wirklich so stark ist? Das größte Rätsel: Wie geht Kovac mit dem introvertierten Max Kruse um, der für ein Laufspiel eigentlich nicht geeignet ist?

Dahinter beginnt das Feld der Abstiesgkandidaten, am meisten genannt werden neben der Hertha noch der VfL Bochum und der FC Augsburg, die sich aber im Vorjahr noch vor dem letzten Spieltag in sicheren Gefilden befanden. Doch der Kampf gegen den Abstieg geht weiter, Bochum als vorjähriger Neuling muß das „verflixte 2. Jahr“ überstehen, der FCA will nach Turbulenzen zum Saisonschluss in ruhiges Fahrwasser. Mit dem neuen Trainer Enrico Maaßen, noch bundesliga-unerfahren, von Dortmund II, soll es einen Neuanfang geben und im zwölften Jahr hintereinander im Oberhaus keinesfalls einen Abgang. Da muss aber auch US-Stürmerstar Pepi zünden! Für Motivation ist gesorgt: Die Experten Didi Hamann und Felix Magath sahen beide den FCA als Absteiger! Ähnliche Probleme hat der VfB Stuttgart, rund um die Mannschaft gab es viele Wechselgerüchte, aber wenig Wechsel. Bleiben sogar die begehrten Sosa und Kalajdzic sollte es eher nach oben gehen. Die Vereinsführung zeigte starke Nerven und Vertrauen, dass sie an Trainer Pellegrino Matarazzo trotz Rückschlägen festhielt. Das sollte mit einer Fortentwicklung belohnt werden.

Normalerweise zählen Neulinge zu den Abstiegskandidaten. In diesem Jahr nur begrenzt, sind es doch besondere Aufsteiger. Die Traditionsklubs Werder Bremen und Schalke 04 kehrten für Arminia Bielefeld und Greuther Fürth wieder zurück. Sie wurden freudig begrüßt und sollen bleiben. Doch können sie auch? Werder traut man dies zu, Trainer Ole Werner wurde zum Erfolgscoach mit Feeling für das Team. Anders sieht es auf Schalke aus, der neue Trainer Frank Kramer ist nicht unumstritten und musste schließlich den Abstieg der Arminia verantworten. So freut sich der Ruhrpott zwar auf die Derbys zwischen Dortmund, Schalke und Bochum, doch am Ende könnte er sogar Trauer tragen, wenn sogar Schalke und Bochum ihre Aufgaben nicht erfüllen…

Aber wir stehen ja erst am Anfang, allerdings überall nur Fragezeichen, die Antworten gibt es in den 34 Spieltagen, manche vielleicht sogar am letzten Spieltag am 27. Mai 2023. Durch die WM in Katar wird es ja sowieso eine besondere Saison, die nach dem 15. Spieltag am 13. November bis zum 16. Spieltag ab 20. Januar 23 unterbrochen wird. Bereits am 18. November beginnt die WM. Und für die Klubs auf Europas Bühne gibt es ab September nur Stress-Wochen. Wer hält durch, wer kann Verletzungen vermeiden? Auch deshalb steht eine Saison mit vielen Unwägbarkeiten vor uns.

Auch ohne Titel: Fußball-Frauen müssen die Begeisterung nutzen

Deutschland hat eine neue Lieblings-Mannschaft: Die deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Frauen! 17,9 Millionen Zuschauer saßen am Sonntag an den Bildschirmen, um das Endspiel der Europameisterschaft gegen England zu sehen, 64,8 Prozent betrug der Marktanteil, fast zwei Drittel wollten die glorreichen Frauen sehen. Das Happy End blieb leider aus, England siegte mit 2:1, nichts war es mit dem neunten EM-Titel für Deutschland. Und doch war das DFB-Team bei der Europameisterschaft ein großer Sieger. Die Mädchen begeisterten mit ihrem Spiel und ihrem Auftreten, sie stahlen den Männern die Show, England wird die WM im November/Dezember in Katar in punkto Begeisterung schlagen. Doch jetzt kommt eine große Aufgabe auf den Verband, die Vereine und alle Funktionäre zu: Sie müssen die Begeisterung nutzen, der Frauen-Fußball muss endgültig aus einem Schattendasein mit nur etwa 1000 Zuschauern bei den Bundesligaspielen geführt werden.

Mit einem Titel wäre es vielleicht noch leichter gewesen, doch ausgerechnet im Finale verließ das Glück das DFB-Team. So war es eine entscheidende Schwächung, dass sich ausgerechnet die Kapitänin Alexandra Popp beim Aufwärmen verletzte und nicht einsatzbereit war. Sie hatte die Mannschaft mit ihrer Wucht und sechs Toren maßgeblich ins Finale gebracht, so fehlte eine Antreiberin. Und dann die 26. Minute: Ein Handspiel von Englands Kapitän Leah Williamson vor dem eigenen Tor wurde weder von der schwachen Schiedsrichterin noch vom Video-SR geahndet. Parallelen zu 1966 und dem berühmten Wembley-Tor kamen hoch. Dazu kam, dass es die Deutschen nicht schafften, den Ball in einer entscheidenden Szene über die Linie zu stochern, wohl aber die Engländerinnen durch Maggie Kelly in der 111. Minute der Verlängerung nach einem Eckball. Die „Lionesses“ (Löwinnen), wie die Engländerinnen genannt werden, feierten am Ende überglücklich, die deutschen Mädchen sanken in einem Strom von Tränen traurig zu Boden. Nicht einmal Lena Oberdorf brachte ein Lächeln zuwege, obwohl sie zur besten jungen Spielerin gekürt wurde.

Für England ging eine Ära des Schmachs zu Ende. Seit 1966 gelang keiner englischen Nationalmannschaft mehr ein Titelgewinn bei EM oder WM, bis jetzt die Frauen kamen. Und oft stand ihnen Deutschland im Wege, auch bei den Frauen – das ist jetzt alles vorbei! Englands Frauen-Fußball hat einen langen Weg der Entwicklung erfolgreich abgeschlossen, Verband und Vereine haben die Frauen unterstützt, die reichen Klubs der Premier League, vor allem Manchester City, Chelsea und Arsenal London, haben in den Frauen-Fußball investiert. Zur Nationalmannschaft kam mit der Holländerin Sarina Wiegman eine erfahrene Trainerin, die bei der letzten EM 2017 die Niederlande zum Titel führte. Mit England ist sie seit ihrem Amtsantritt im September 2021 ungeschlagen. Das löste auch Begeisterung in England aus, auch dort sahen noch nie so viele Zuschauer den Frauen am Fernsehen zu, über 17 Millionen bei BBC. Aber auch weltweit brach die EM alle Einschaltrekorde im Frauen-Fußball.

England muss jetzt Vorbild für Deutschland sein. Nicht, dass die Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg abgelöst werden muss, sie hat erfolgreich gearbeitet und sie hatte schon im Vorfeld gesagt, dass die Entwicklung der jungen Mannschaft noch nicht abgeschlossen sei. Im Visier ist die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Australien und Neuseeland. Voss-Tecklenburg würde ihren Vertrag, der bis dahin läuft, gern vorzeitig bis 2027 verlängern. Sie hat es sich verdient.

Wichtiger aber noch ist, dass die Weichen dafür gestellt werden, dass die Mädchen mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bekommen. Acht EM-Titel verpufften bekanntlich ohne nennenswerte Aufwärtsentwicklung. Da müssen vor allem auch die Medien mithelfen, die jetzt oft scheinheilig urteilen, dass die Frauen mehr Aufmerksamkeit verdient haben, den Frauen-Fußball aber als fünftes Rad am Wagen sehen. Auch hier muss es Gleichberechtigung mit den Männern geben, die manche auch beim Geld fordern. Doch das ist utopisch, denn die Frauen-Teams können dieses Geld nicht einspielen. 30.000 Euro Prämien sollen jetzt für die Finalteilnahme ausgezahlt werden.

Wir werden sehen, ob es Fortschritte schon in der kommenden Bundesliga-Saison gibt, die am 16. September mit dem Eröffnungsspiel Eintracht Frankfurt gegen Bayern München in der großen Arena, dem Deutsche-Bank-Park, beginnt. Die Pause ist kurz, davor gibt es nämlich sogar noch zwei Länderspiele, leider nicht in Deutschland, sondern in der WM-Qualifikation am 3. September in der Türkei und am 6. September in Bulgarien. Deutschland ist Tabellenführer und braucht noch einen Sieg, um zur WM zu fliegen. Die Terminierung zu Beginn der Saison ist allerdings sportlich seltsam und typisch für den Frauen-Fußball. Bei den Auftritten in Deutschland muss es künftig aber auch attraktive Anfangszeiten (bisher meist am Nachmittag) und TV-Übertragungen geben.

Erster Titel für die Bayern

Wer hätte das gedacht, im Schatten der Frauen-EM läutete die Männer-Bundesliga die neue Saison ein. Traditionell mit dem Supercup, mit dem Duell Pokalsieger gegen Meister. Wie meist, ging auch diesmal Bayern München als Sieger vom Platz. Als wollten die Männer zeigen, dass sie wie die Frauen tollen Fußball bieten können, zeigten zuerst die Bayern, dann auch Leipzig ein unterhaltsames Spiel. So lange die Füße trugen nach einer nur kurzen Vorbereitung, zeigten die Münchner, welch flotten Fußball sie künftig zu spielen gedenken, Leipzig schaute fast schon konsterniert zu, vor allem der junge Jamal Musiala und Neuzugang Mané sorgten für Furore. Nach dem 1:4 wachte RB auf und es wurde ein Final-Torreigen wie noch nie. Doch den Titel ließ sich der Meister nicht mehr nehmen, das 5:3 deutet an, welche Sturmkraft die Bayern haben, die Gegentore wiederum weisen auf alte Schwächen hin.

Leipzig gewann nicht auf dem Feld, aber bei den Verpflichtungen. Nach dem verlorenen Finale wurde Verstärkung an Land gezogen, für rund 30 Millionen kommt Nationalspieler David Raum von der TSG Hoffenheim. Mittelfeldspieler Konrad Laimer soll zudem gehalten werden und erst 2023 zu den Bayern wechseln. Außerdem baggert Leipzig an der Rückkehr von Torjäger Timo Werner, der ja bei Chelsea London nicht glücklich wurde, damit RB wirklich als ernsthafter Anwärter für den Titelkampf gilt.

Einen Sieger hatte Leipzig übrigens doch. Vor dem neuen Spieljahr wurden die Besten der letzten Saison gewählt. Der kicker ruft dazu die Sportjournalisten auf. Als bester Spieler wurde Christopher Nkunku (Leipzig) vor Robert Lewandowski (Bayern) und Kevin Trapp (Frankfurt) gewählt, als bester Trainer Christian Streich vom SC Freiburg gekürt (vor Oliver Glasner, Frankfurt, und Steffen Baumgart, Köln). Beste Spielerin wurde Bayerns Torjägerin Lea Schüller vor Alexandra Popp. Schade, dass sich Schüller nicht mit noch einem Titel belohnen konnte.

Favoritenstürze im Pokal

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze heißt es, dies wurde gleich wieder in der ersten Runde 22/23 deutlich. Wie im Vorjahr erwischte es drei Bundesligisten (ohne Montagspiele), für Bayer Leverkusen und den 1. FC Köln gab es einen „doppelten Rheinfall“ (kicker). In Leverkusen brannte nach dem 3:4 beim Drittligisten SV Elversberg gleich die Hütte, den jungen Spielern wurde mangelnde Konzentration und Überheblichkeit vorgeworfen. Ist diese Niederlage ein Alarmsignal Richtung Bundesliga oder der Beweis, dass Leverkusen doch kein ernsthafter Bayern-Konkurrent sein kann? Fast könnte man sagen, die Antwort gibt es am Samstag im Duell mit Borussia Dortmund, das beim 3:0-Sieg bei 1860 München erfrischenden Fußball zeigte.

Der 1. FC Köln erlebte bei Jahn Regensburg beim 3:4 (nach 120 Minuten 2:2) im Elfmeterschießen ein Deja-vu, denn schon einmal schieden die Rheinländer mit diesem Ergebnis in Regensburg aus. Jetzt beklagt der finanziell klamme Verein vor allem die fehlenden Einnahmen. Auch hier die Frage: Wird es nach dem Höhenflug im letzten Jahr jetzt eine schwierige Saison? Gleiches erlebte Hertha BSC Berlin mit Eintracht Braunschweig, alle Hoffnungen auf Besserung erhielten mit der Niederlage beim Zweitliga-Neuling einen Dämpfer. Nach dem furiosen 4:4 siegte Braunschweig im Elfmeterschießen mit 6:5. Schon 2004 und 2020 hatte Braunschweig die Hertha ausgeschaltet. Die Berliner werden sich wohl wieder auf einen Abstiegskampf einrichten müssen.

Zur neuen Saison der Bundesliga, die bekanntlich am Freitag mit dem Spiel Eintracht Frankfurt – Bayern München beginnt, gibt es im Laufe der Woche noch einen eigenen Blog mit allen Hintergründen.

Fußball-Frauen begeistern ganz Deutschland

Wer hätte das gedacht, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen, die zuletzt bei Welt- und Europameisterschaft ebenso „gerumpelt“ hat wie die Männer und jeweils im Viertelfinale ausgeschieden ist, begeistert jetzt ganz Deutschland. Die Mädchen sind die Sommer-Sensation und sorgen dafür, dass es im Sport kein Sommerloch gibt. 9,5 Millionen Zuschauer drückten an den Bildschirmen die Daumen und am Mittwoch beim Halbfinale gegen Frankreich werden es wohl noch mehr sein. Eine schwere Aufgabe, aber die EM-Reise und die Begeisterung sollen noch nicht zu Ende sein, es wartet das Finale am Sonntag.

Es ist kein Wunder geschehen rund um die erfolgreiche Mannschaft, sondern Trainerteam und Spielerinnen haben ganz einfach ihre Hausaufgaben gemacht. Sie haben analysiert, nach den Gründen der Problemen gesucht und haben es geschafft, diese zu beseitigen. Mit Teamgeist, großem Willen und natürlich auch einer gewaltigen Portion Können wurde der Erfolgsweg beschritten. „Bei uns kämpft wirklich jede für jede,“ merkt Svenja Huth an, kämpferisches Vorbild überhaupt ist dabei Lena Oberdorf vor der Abwehr, die auch im Viertelfinale gegen Österreich entscheidend dazu beitrug, den 2:0-Sieg nicht zu gefährden. Als die Spannung nachzulassen drohte, grätschte sie wieder den Kampfeswillen herbei und frohlockte, „bei allen war wieder das Feuer in den Augen zu sehen“. Im Gegensatz zu den furchtbaren Waldbränden überall auf der Welt soll dieses Feuer nicht gelöscht werden…

Der Weg ins Halbfinale gegen Frankreich am Mittwoch (21.00 UhrZDF) in Milton Keynes wurde ohne Makel beschritten, noch kein Gegentor erhalten, fast immer das Geschehen bestimmt. Vor allem der Sieg über den Mitfavoriten Spanien machte den Weg und die Gedanken an den Erfolg frei. Frankreich um die überragende Abwehrchefin Wendie Renard ist ein ähnliches Kaliber, die Chancen stehen 50:50. Beim letzten Aufeinandertreffen bei einem Turnier, bei der WM 2015 in Kanada, siegte Deutschland im Viertelfinale in Montreal nach dem 1:1 nach Verlängerung im Elfmeterschießen mit 5:4. Sara Däbritz und Alexandra Popp waren schon dabei. Das letzte Freundschaftsspiel gewann allerdings Frankreich mit 1:0, da war dies aber noch eine andere deutsche Mannschaft!

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hat ihr Stammteam bei diesem Turnier gefunden, das immer angefangen hat, wenn alle spielfähig waren, aber es konnte auch immer erfolgreich gewechselt werden, eine große Stärke. Jetzt kann ihr Frankreich-Liebhaberin Sara Däbritz, die in Paris spielte und jetzt nach Lyon wechselt, gute Tipps geben. Außerdem konnten sich die deutschen Mädchen länger ausruhen, Deutschland spielte schon am Donnerstag, Frankreich musste am Samstag 120 Minuten beim 1:0 gegen die Niederlande gehen. Da dürfen Mädchen und Fans wohl vom Traumfinale in Wembley am Sonntag (18.00 Uhr) gegen England träumen. Die Engländerinnen gelten gegen Schweden als klare Favoritinnen.

Erst nach dem Turnier wird sich allerdings zeigen, ob die Euphorie für die Fußball-Frauen auch in die Bundesliga getragen werden kann. Bisher wurde das Nationalteam oft gefeiert, die Vereine aber profitierten davon nicht, die Fans fanden nur in geringem Maße den Weg in die Stadien.

DFB-Pokal als Fest und Test

Die 2. Bundesliga und die 3. Liga haben bereits mit ihren Punktrunden begonnen, aber am kommenden Wochenende geht die neue Saison erst richtig los, als Vorgeschmack steht der DFB-Pokal an. Er ist in der ersten Runde immer ein Fest für die Amateure, die glücklich sind, einmal prominente Vereine bei sich begrüßen zu können. Manchmal erinnern sich Generationen an solche Tage, vor allem dann, wenn die Amateure für eine Sensation gesorgt haben. Die könnte es auch diesmal wieder geben. Gerade die Bundesligisten haben nach einer kurzen Pause und ebenso kurzen Vorbereitung vielfach zwiespältig Gefühle über ihren Leistungsstand. Spielerwechsel standen mehr im Vordergrund, doch wenn es nicht klappt, dann droht das Aus. So wird der DFB-Pokal zum großen Test, bevor am 5. August die Bundesliga beginnt. Der Pokal bleibt aber auch lukrativ, jeder Verein kassiert in der ersten Runde rund 128.000 Euro, in der 2. Runde sind es 257.000, später im Viertelfinale schon eine Million.

Im DFB-Pokal gibt es einige Neuerungen, die Runden müssen natürlich auch an den Spielplan rund um die Weltmeisterschaft in Katar im November/Dezember angeglichen werden. Die 2. Runde wird im Oktober gespielt, das Achtelfinale erst im Januar/Februar und wird dann über zwei Wochen gestreckt (künftig soll dies beim Viertelfinale der Fall sein). 15 Spiele werden im Free-TV übertragen, so viele wie noch nie. Das ZDF feiert sein Comeback, teilt sich die Spiele mit der ARD (alle Spiele live bei Sky im Pay-TV) und startet am Freitag (20.45 Uhr) mit dem Duell 1860 München – Borussia Dortmund im ausverkauften Grünwalder Stadion. Die ARD beschließt den Pokalreigen am Montag, 1. August (20.45 Uhr) mit dem Spiel SC Magdeburg – Eintracht Frankfurt. Verlegt wurden die Spiele von RB Leipzig und Bayern München, denn die kämpfen am Samstag um den Supercup. Leipzig ist ja Titelverteidiger im Pokal und tritt erst am 30. August bei Teutonia Ottensen an (ZDF), die Bayern sind einen Tag später bei Viktoria Köln (ARD).

RB Leipzig feierte überschwänglich mit dem Pokalsieg den ersten Titelgewinn der jungen Vereinsgeschichte und hofft darauf, dass in der Mannschaft endgültig die Siegermentalität Einzug gehalten hat. Das soll sich auch am Samstag (20.30 Uhr) gegen Meister Bayern München im Supercup zeigen. Die Bayern hatten ja keine ideale Saisonvorbereitung, im Gespräch waren vor allem die Neuverpflichtungen nach Mané auch de Light und jetzt auch noch Frankreichs Sturmtalent Mathys Tel. Für den 17.jährigen von Stade Rennes zahlen die Münchner 20 Millionen Euro plus Boni. Trainer Julian Nagelsmann ist sich sicher: „Er wird einmal 40 Tore in der Saison schießen.“ Doch ein Lewandowski-Ersatz ist er derzeit noch nicht. Die Bayern kamen im letzten Testspiel in Green Bay nach Gewitterunterbrechungen gegen Manchester City beim 0:1 nicht richtig auf die Füße. Torschütze Erling Haaland erinnerte sie an die Bundesliga, jetzt müssen sie sich an alte Stärke erinnern. Immerhin, auch beim Supercup sind die Münchner Rekordsieger mit zehn Titelgewinnen, im letzten Jahr gewannen sie in Dortmund 3:1.

Trauer um Uwe Seeler

Die Fußball-Welt trauert um einen ihrer ganz Großen, menschlich gesehen vielleicht sogar der Größte. Uwe Seeler, Ehrenspielführer der Nationalmannschaft, ist im Alter von 85 Jahren im Kreise seiner Familie gestorben. Ihn hat seine Bescheidenheit ebenso ausgezeichnet wie sein fußballerisches Können. Legendär, dass er Millionen-Angeboten standhielt und seinem HSV treu blieb. Dem diente er auch als Präsident, doch das war eigentlich nicht sein Metier. Uwe Seeler war ein Aushängeschild für seine Heimatstadt, für den HSV und auch für den Fußball in Deutschland. Weltmeister wurde er nie, das verhinderte zum Beispiel 1966 das Wembley-Tor in England. Wie er gesenkten Kopfes das Spielfeld im Kreis von Polizisten verlässt, war eines der bemerkenswertesten Sportbilder aller Zeiten.

Der Sport-Grantler begleitete Uwe Seeler bei seinem Abschiedsspiel aus der Nationalmannschaft 1970 in Nürnberg. Er wird sich wie alle an einen großen und sympathischen Sportler erinnern. Sein HSV ehrte Seeler indem er am Sonntag in Trikots mit der Aufschrift „Uns Uwe“ antrat. Das machte die heutige Generation wohl nervös und sie schenkte dem Idol keinen Sieg, sondern musste gegen Hansa Rostock eine unglückliche 0:1-Niederlage hinnehmen. „So ist der Sport,“ hätte Uwe Seeler gesagt, „halt beim nächsten Mal, ich drücke die Daumen“. Es war ihm leider nicht vergönnt, den Wiederaufstieg des HSV in die Bundesliga noch zu erleben. Wer weiß auch, wie lange dies dauert. Uwe Seeler wird auch von oben nicht allzu lange zuschauen wollen…

Neue Bayern + Neue Borussia = Neuer Meister?

Alle Rätsel um Torjäger Robert Lewandowski haben sich am Wochenende aufgelöst, der Wechsel vom FC Bayern München zum FC Barcelona wurde perfekt gemacht. Damit drängte der Pole die erfolgreiche Frauen-Nationalmannschaft aus den Schlagzeilen. Ein Schicksal, das die Fußballerinnen immer wieder hinnehmen müssen, dabei machen sie bei der Europameisterschaft doch beste Werbung für sich. Aber von den Millionen Euro, die bei den Männern umgesetzt werden, können sie nur träumen.

Das größte Wechseltheater ist zu Ende, die Fragezeichen aber bleiben. Es war eigentlich von Anfang an klar, dass das „Basta“ von Bayern-Boss Oliver Kahn nur ein taktisches „Basta“ war, um den Preis in die Höhe zu treiben. Alle spielten ihr Spielchen, Vereine, Berater und Lewandowski selbst, dem eine Rufschädigung schlichtweg egal war. Vom Verein mit Festgeldkonto wechselt er zum Schuldenclub, der durch finanzielle Winkelzüge Millionen locker macht. Der im August 34-jährige Pole erhält in Spanien einen Vertrag bis 2026, in München sollte er zunächst mal um ein Jahr bis 2024 verlängern. Die Bayern kassieren (bei Boni) die 50 Millionen Euro, die als Schmerzgrenze galten. Die Fans vom FCB (jetzt FC Barcelona, nicht mehr FC Bayern) schwärmen vom Neuzugang, der behauptet, er hätte schon immer in der „La Liga“ spielen wollen, als Garant für Erfolg. Wir werden sehen, auch ein fitter Torjäger merkt das Alter.

Bei den Bayern geht eine Ära zu Ende. Lewandowski hinterlässt eine Flut an Rekorden, wurde in seinen acht Jahren in München immer Meister, wurde dreimal Pokalsieger, gewann Champions League sowie Klub-WM und wurde zweimal Weltfußballer des Jahres. Erfolge, die er anstrebte, er blieb lange Zeit nur deshalb in München, weil er sah, dass er sie mit den Bayern erreichen konnte. Der Pole ist eine Ich-AG, ein Egoist, kein Mannschaftsspieler. So wurde er von den Fans geachtet, bewundert, aber nicht geliebt wie einst zum Beispiel Gerd Müller. Als er dessen Saison-Torrekord auslöschte erinnerte er an den „Bomber“, das kam nicht von Herzen, sondern war Kalkül. 312 Tore hat Lewandowski seit 2010 in der Bundesliga erzielt (vorher für Dortmund), da bleibt Gerd Müller immerhin der Rekord mit 365 Treffern, den wird jetzt endgültig niemand mehr erreichen. Aber für dieses Vorhaben wollte Lewandowski dann doch nicht bleiben. Der kicker listet für ihn fast schon sensationelle 14 Bundesliga-Rekorde auf. Allein dies zeigt, welche Lücke der Dauer-Meister schließen muss. Andererseits soll der Pole zuletzt ein Stimmungskiller im Team gewesen sein.

Dies ist jetzt die große Frage, wie geht es weiter in der Bundesliga, bei den Bayern und den anderen Klubs? „Alle gegen Bayern“ titelte der kicker in seinem Bundesliga-Sonderheft (bekanntlich ein Kult-Produkt für alle Fußball-Fans), aber nicht einmal eine handvoll kann sich wirklich Hoffnungen machen. Im Prinzip heißt die Frage: Neue Bayern + Neue Borussia = Neuer Meister?

Die Dortmunder gelten als großer Konkurrent und hatten schon vor Wochen zur Attacke aufgerufen und mit den Verpflichtungen von Süle, Haller, Adeyemi, Nico Schlotterbeck und Özcan bei den Fans Hoffnungen geweckt und die Bayern unter Druck gesetzt. Die ließen den Rivalen erst machen und konterten vor allem mit der Verpflichtung von Sadio Mané vom FC Liverpool, ein Weltklassestürmer als Absicherung gegen den Lewandowski-Abgang. Dazu kamen die Ajax-Spieler Grevenberch und Mazraoui und rechtzeitig zur Team-Vorstellung am Samstag die Vertragsverlängerung bis 2026 mit Serge Gnabry, der sich sogar die Lewandowski-Rolle in der Mitte vorstellen kann. Mit den Lewandowski-Millionen (und noch was draufgelegt) wurde zudem Abwehr-As de Ligt von Juventus Turin gekauft.

Insgesamt ruft Trainer Julian Nagelsmann eine neue Bayern-Ära aus, das Spiel soll schneller, beweglicher und schlechter durchschaubar werden. Nicht einer soll Tore schießen, sondern viele, die Meister-Ära soll fortgesetzt werden. Die Bayern sagen im „mia-san-mia“-Stil: „Auch Gerd Müller und Franz Beckenbauer mussten ersetzt werden, wir waren dennoch weiter erfolgreich“. Aber immerhin nicht immer Meister! Dortmund aber will seine Schwächen ausmerzen, Leverkusen und RB Leipzig wollen angreifen, ein neuer Meister ist für die neue Saison nicht unwahrscheinlich. Wobei sich erst zeigen muss, welcher Verein für die harten Wochen bis zum Beginn der Weltmeisterschaft Mitte November gut gerüstet ist. Dortmund holt sich den letzten Schliff derzeit im Trainingslager in Bad Ragaz, die Bayern haben eine etwas holprige Vorbereitung und gingen am Montag auf USA-Reise. Dort treffen sie am Donnerstag auf Washington United und am Sonntag vor dem Rückflug in Green Bay noch auf Manchester City mit ihrem ehemaligen Trainer Pep Guardiola. „Dazwischen müssen wir unser Spiel einstudieren,“ betont Nagelsmann. Der erste ernste Auftritt ist der Supercup am 30. Juli bei Pokalsieger RB Leipzig.

Die Bundesliga startet am 5. August, die zweite Liga legte bereits am vergangenen Wochenende los (siehe auch den nächsten Kommentar „Die Prominenz will weg: Bald wieder Alltag in der 2. Bundesliga?“) und mancher Favorit musste die erste Enttäuschung hinnehmen. So mussten die Absteiger Fürth (2:2 gegen Kiel) und Bielefeld (1:2 in Sandhausen) erkennen, dass das Unterhaus kein Zuckerschlecken wird. Auffallend: Die Bild am Sonntag rückte von der „Kult-Liga“ wieder ab – Alltag in der 2. Bundesliga. Gefeiert wurde aber dennoch, vor allem in Hamburg, St. Pauli besiegte den Club aus Nürnberg mit 3:2 und der HSV machte beim 2:0 in Braunschweig deutlich, dass er sich auf den Weg nach oben macht. Einiges Glück war dabei, aber ohne das geht es nicht.

Frauen träumen vom Finale

Drei Siege, 9:0 Tore, die Bilanz der deutschen Fußball-Frauen nach der Gruppenphase der Europameisterschaft in England kann sich sehen lassen. Es bewahrheitete sich der Eindruck, dass das Team wirklich eine echte Mannschaft und ausgeglichen besetzt ist. Trainerin Martina Voss-Tecklenburg hat inzwischen alle Feldspielerinnen eingesetzt! Und da sorgten vor allem die „Aushilfskräfte“ als Außenverteidigerinnen, Sophia Kleinherne und Nicole Anyomi, für Aufsehen mit ihren Leistungen und ersten EM-Toren. Nur der Corona-Ausfall von Lea Schüller tut weh, dafür lässt es Kapitänin Alexandra Popp krachen, als erste deutsche Spielerin traf sie in allen drei Gruppenspielen.

So kann es weitergehen, die Frauen träumen jetzt sogar vom Finale. Die nächste Hürde ist am Donnerstag Österreich, das sich überraschend gegen Norwegen durchgesetzt hat. Es ist quasi ein Bundesliga-Duell, denn 13 Mädchen aus dem Austria-Kader spielen in der Bundesliga. Österreich beeindruckte mit spielerischer Klasse und viel Kampfgeist, spielt ähnlich kompakt wie Deutschland. Das kann eine zähe Angelegenheit werden. Seltsam, bisher gab es nur zwei Länderspiele zwischen den beiden Nationen, Deutschland siegte 2016 mit 4:2 und 2018 mit 3:1. Das sollte sich am besten wiederholen. Aber Achtung: Österreich stellt mit Nicole Billa die Bundesliga-Torschützenkönigin der Saison 2020/21 und „Spielerin des Jahres 2021“. Wird Österreich gemeistert, baut sich voraussichtlich Frankreich als nächste große Hürde im Halbfinale auf.

Die Fußball-Frauen haben es aber jetzt schon geschafft, dass die Sportfans in Deutschland auf sie aufmerksam wurden. Die EM-Spiele sind auch ein Quoten-Hit bei den deutschen Zuschauern im Fernsehen, so daß schon Hoffnung besteht, dass der Frauen-Fußball auf Dauer von diesem Turnier profitiert. Und Robert Lewandowski ist ja weg.

Die Prominenz will weg: Bald wieder Alltag in der 2. Bundesliga?

Die Europameisterschaft der Frauen steht derzeit im Blickpunkt der Sport-Öffentlichkeit, doch die Fußball-Fans in Deutschland haben auch schon die erste neue Punktrunde im Visier: Es hat sich in den letzten Jahren bewährt, dass die 2. Bundesliga früher beginnt als das Oberhaus und damit mehr Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Auch in diesem Jahr also ein Frühstart schon am kommenden Freitag, 15. Juli. Die Bundesliga beginnt erst am 5. August.

Die 2. Bundesliga startet natürlich wieder mit viel Hoffnung, aber auch ein bisschen Wehmut. Hoffnung bei vielen Klubs darauf, den Aufstieg in die 1. Bundesliga zu schaffen, bei anderen wiederum auf eine gute Saison, die keine finanziellen Schwierigkeiten bringt oder die Hoffnung, einfach die Klasse zu halten. Bei allen ist aber Wehmut dabei, weil sich die herausragende Saison 2021/22 nicht wiederholen wird: So prominent wie vor einem Jahr war die zweite Liga noch nie besetzt, sie wurde sogar als „Kult-Liga“ gefeiert. Die attraktiven Vereine Schalke 04 und Werder Bremen haben aber nur ein einjähriges Gastspiel gegeben (vorerst?), sie haben es geschafft, den Abstieg als Fehltritt abzutun. Die Prominenz will weg, sie will nach oben, so könnte in der 2. Bundesliga wieder der Alltag einkehren. Sie bietet guten Sport, doch der Großteil der Klubs ist nicht damit zufrieden.

Prominenz ist aber noch da, vorneweg natürlich der Hamburger SV. Der einstige Bundesliga-Dino krebst jetzt schon vier Jahre im Unterhaus herum, nach drei unglücklichen vierten Plätzen war man im Mai mit dem Einzug in die Relegation der Rückkehr so nahe wie nie. Nach einem 1:0-Sieg in Berlin scheiterte der HSV dennoch mit einem 0:2 im Rückspiel an Hertha BSC Berlin, das dafür den Retter-Trainer Felix Magath feierte. Aufgeschoben soll aber nicht aufgehoben sein. Trainer Tim Walter impfte seiner Mannschaft und dem Verein Selbstbewusstsein ein, die neue Saison steht unter dem Motto: Jetzt oder nie!

Die Hamburger wollen nicht als einzige nach oben, so prominent wie im Vorjahr sind die Absteiger aus dem Oberhaus mit Arminia Bielefeld und der SpVgg Greuther Fürth diesmal nicht. Ambitionen haben andere, so Darmstadt 98, im Vorjahr Vierter, oder der FC St. Pauli, vor allem aber auch die Ex-Bundesligisten 1. FC Nürnberg, Fortuna Düsseldorf und Hannover 96. Wie immer, wird es auch diesmal ein Überraschungsteam geben. Ein bisschen Prominenz kam auch durch die Aufsteiger in die 2. Bundesliga, der 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Braunschweig und SC Magdeburg gelten immerhin als Traditionsklubs. Aber aktivieren sie auch das Publikum? Es sieht eher nach Alltag in der 2. Bundesliga aus.

Das ist der 1. Spieltag: Freitag, 20.30 Uhr: Kaiserslautern – Hannover. Samstag, 13.00 Uhr: Fürth – Kiel, St. Pauli – Nürnberg, Sandhausen – Bielefeld, Regensburg – Darmstadt. Samstag, 20,.30 Uhr: Magdeburg – Düsseldorf. Sonntag, 13.00 Uhr: Paderborn – Karlsruhe, Rostock – Heidenheim, Braunschweig – HSV.

Deutschland mit viel Spaß

Na, das war ja ein toller Auftakt der deutschen Frauen bei der Europameisterschaft in England. Gab es vorher bei den Beobachtern Zweifel über die Spielstärke der Mannschaft, so hat sie jetzt alle eines Besseren belehrt. Das 4:0 gegen den letzten Vize-Europameister Dänemark war ein Statement, vor allem das Auftreten der Mannschaft. Es war den Mädchen anzusehen, dass sie Spaß hatten, sie kämpften füreinander, sie machten Tempo. Bundestrainer Martina Voss-Tecklenburg durfte sich in allen Punkten bestätigt sehen. Besonders beeindruckend vor allem zwei Münchnerinnen, Lena Magull, als beste Spielerin überhaupt, und Giulia Gwinn, die Dänen-Star Harder zur Statistin machte.

Aber es gibt viele Geschichten rund um diesen geglückten EM-Start mit Spaß. Die Männer haben ihren Slogan „Die Mannschaft“, die Frauen leben ihn vor. Die Frauen setzten sich vor der Turnier-Vorbereitung auch zu einer reinigenden Aussprache zusammen, persönliche Dinge, taktische Fragen und das Verhältnis Spieler-Trainerteam wurden geklärt. Herausgekommen ist eine verschworene Gemeinschaft, die nach dem 7:0 im Test gegen die Schweiz nun beim 4:0 gegen Dänemark den Eindruck macht, als sei sie nicht zu stoppen. Das wird sich als Nächstes am Dienstag gegen einen der großen Favoriten Spanien zeigen (4:1 gegen Finnland).

Die Bundestrainerin hatte aber auch mit ihrer Einschätzung recht, dass der Mannschaft von der Bank immer neue Impulse gegeben werden können. Dies bewiesen vor allem Lena Lattwein und Alexandra Popp mit ihren Toren. Für die eigentliche Kapitänin Popp war eine EM bisher ein Flop, sie musste jeweils wegen Verletzungen passen. Jetzt bestritt sie nach einer Corona-Zwangspause ihre ersten EM-Minuten und krönte diese mit dem Treffer zum 4:0. Mehr Spaß kann nicht sein!

Ein Urteil gegen Infantino

Nicht nur die deutschen Frauen hatten ihren Spaß, zwei strahlende alte Männer gaben ebenfalls ein beeindruckendes Bild ab und innerhalb des Weltverbandes FIFA könnten diese lachenden Männer noch für viel Wirbel sorgen. Das Schweizer Bundesstrafgericht hat in Bellinzona ein Urteil gefällt, das andere bei der FIFA zittern lassen könnte. Der ehemalige Weltpräsident Sepp Blatter und ehemalige UEFA-Präsident Michel Platini erhielten einen Freispruch, sie hätten sich bei einer umstrittenen Millionenzahlung nichts zu Schulden kommen lassen, man können ihnen zumindest nichts nachweisen. Platini war auf dem Sprung, Blatter in seinem Amt abzulösen, doch dies verhinderten Machenschaften von FIFA-Leuten mit Verbindungen zur Schweizer Justiz. Präsident wurde: Gianni Infantino.

Der müsste jetzt im Mittelpunkt der nächsten Schritte der Schweizer Justiz stehen und sollte eigentlich schon das Zittern bekommen haben. Platini kündigte gleich weitere juristische Schritte an und das nächste Verfahren ist im Blick, denn der damalige Chefermittler der Bundesanwaltschaft hat offensichtlich nicht einwandfrei gearbeitet, sondern in Infantinos Sinne, seine Einlassungen vor Gericht stimmen mit den Akten nicht überein und wurden von einem Zeugen zerpflückt. Deshalb auch der Freispruch für Blatter und Platini. Die Süddeutsche Zeitung sagt es genau richtig: „Das Urteil von Bellinzona dürfte noch Konsequenzen haben. Und es rückt endgültig jenen Mann in den Fokus, der vom durch schräge Ermittlungen und Behörden-Schmutzeleien bewirkten Sturz Platinis damals profitierte und der FIFA seit Amtsbeginn in üblere Verwerfungen und Skandale geführt hat, als es sein Vorgänger Blatter je vermochte: Gianni Infantino.

Klarheit bei den Bayern?

Die Bundesliga wollen wir nicht gänzlich außen vorlassen. Wenn man alle Spekulationen und Einschätzungen richtig deutet, wird es bei Bayern München eine spektakuläre Klärung im „Fall Lewandowski“ geben. Der Pole soll eigentlich am 12. Juli zum Training erscheinen, doch bis dahin gibt es vielleicht Klarheit, dass er doch nicht mehr für den Dauer-Meister spielen wird. Kassieren die Bayern nämlich eine dicke Ablöse für den Torjäger, so könnten sie den Toreverhinderer Matthijs de Ligt von Juventus Turin verpflichten. Der Holländer möchte gern zu den Bayern, diese wollen ihn, können aber die verlangte Ablösesumme (etwa 80 Millionen Euro) nicht zahlen. Es sei denn, es kommt Geld ins Haus. Bayern-Boss Oliver Kahn will einen Spieler für die Abwehr, der organisiert und redet, das sind weder Hernandez, Upamecano oder Pavard, der diese Rolle gern spielen würde. Möglich sogar, dass Pavard im Gegenzug nach Turin geht, damit die Ablöse niedriger wird. Das Spiel der Münchner würde sich ändern, für Tore könnte dann neben Mané auch noch Serge Gnabry sorgen. Bayern hätte etwas Neues (auch für Torhüter Neuer): Eine sichere Abwehr!

Tauschgeschäfte sind ja gar nicht so selten, so jetzt auch zwischen Freiburg und Augsburg praktiziert. Der Österreicher Michael Gregoritsch, zuletzt sogar so etwas wie die Lebensversicherung der Augsburger, wechselt nach Freiburg, dafür geben die Schwarzwälder ihren Stürmer Ermedin Demirovic zum FCA ab. Der Bosnier kam in Freiburg nicht so zum Zug wie gewollt. Mal sehen, welcher Verein mehr Spaß an seinem Stürmer hat. Spaß muss schließlich sein, wie die EM-Frauen beweisen!

Frauen-EM: Der Anfang soll nicht das Ende sein

Bühne frei für die Fußball-Frauen! Die Männer machen im Sommer Platz und so wird die Europameisterschaft der Frauen im Juli zum Fußball-Höhepunkt im Sommer. Da passt es, dass wegen Corona die EM um ein Jahr verschoben werden musste, da passt es, dass England der Ausrichter ist. Das Land nämlich, in dem der Frauen-Fußball eine immer bedeutendere Rolle spielt und viele Fans anzieht. Von 700.000 Karten sind bereits über 500.000 verkauft, das Finale am Sonntag, 31. Juli (18.00 Uhr), in Wembley wird zum besonderen Erlebnis. Im Gegensatz zur umstrittenen WM der Männer im Winter in Katar gibt es für die EM der Frauen nur positive Schlagzeilen.

Der Frauen-Fußball braucht die große Bühne (in Deutschland zum Beispiel viele Live-Übertragenen zur besten Sendezeit in ARD und ZDF), denn er kämpft nach wie vor weltweit um mehr Anerkennung. Teilerfolge wurden erzielt, wie in den USA und Spanien zum Beispiel, wo die Frauen genauso viel verdienen sollen wie die Männer. Andererseits geht es den Mädchen in erster Linie gar nicht ums Geld, sie wollen einfach mehr Anerkennung und in ihrer Organisation mehr Professionalität, dabei soll national auch die Männer-Bundesliga helfen. Die großen Vereine sollen sich auch um die Frauen kümmern.

1984 wurde erstmals eine Europameisterschaft der Frauen ausgetragen, Sieger war Schweden. Von 1987 bis 1997 wurde die EM alle zwei Jahre ausgetragen, ab da alle vier Jahre, jeweils im Jahr nach der EM der Männer, um im Zyklus den großen Turnieren der Männer aus dem Weg zu gehen. Bestimmt wurden die EM-Turniere von Deutschland, das acht Mal Europameister wurde und von 1995 bis 2009 immer siegte, dazu kamen die Titel 1989, 1991 und 2013. Norwegen gewann 1987 und 1993, die Niederlande überraschend 2017 und sind damit Titelverteidiger.

Die Dominanz hat Deutschland verloren, der Frauen-Fußball hat sich international sportlich stark entwickelt und da ist das DFB-Team leider nicht mehr ganz mitgekommen. Zuletzt verpasste der Olympiasieger von 2016 sogar die Qualifikation für Olympia und bei der letzten EM und WM kam das Aus im Viertelfinale. Der Spannung ist es allerdings dienlich, dass es inzwischen einen großen Kreis von Favoriten-Teams gibt. Von den 16 Nationen, aufgeteilt in vier Gruppen, wird der Hälfte der Titelgewinn zugetraut, vor allem England als Gastgeber und Spanien, das vielleicht die größten Fortschritte gemacht hat, aber auch Norwegen, Dänemark, Schweden, Frankreich, natürlich Titelverteidiger Niederlande und ein kleines bisschen auch Deutschland.

Ein Blick auf diese Mannschaften zeigt, dass es das DFB-Team in der Gruppe B mit Dänemark, Spanien und Finnland als Außenseiter schwer hat, nur zwei Mannschaften ziehen ins Viertelfinale ein. Erster Gegner ist am Freitag (21.00 Uhr/ZDF) ist Dänemark, gegen das Deutschland vor vier Jahren im Viertelfinale 1:2 unterlag. Jetzt muss aber ein Sieg her, denn Spanien (Dienstag, 12.7., 21.00 Uhr/ARD) gilt als noch stärker und zum Abschluss folgt Außenseiter Finnland (Samstag, 16.7., 21.00 Uhr/ZDF). Das erste Spiel, in einem Turnier eher gern als leichter Einstieg gesehen, muss also gewonnen werden, der Anfang soll schließlich nicht das Ende sein, die EM nach zwei Spielen nicht abgehakt. Wobei es mit den schweren Aufgaben weitergeht, denn im Viertelfinale droht Gastgeber England. Der eröffnet auch das Turnier am Mittwoch (21.00 Uhr/ARD) gegen Österreich.

Trotzdem ist die deutsche Mannschaft mit Optimismus nach England gereist. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, seit 2018 im Amt und als Spielerin vier Mal Europameister, sagt selbst, dass sie die Mannschaft jetzt besser kennt („Wir hatten praktisch drei Jahre Vorbereitungszeit“) und ihr Ziel ist klar: Sie will auch als Trainerin den Titel gewinnen. Die Mannschaft ist eine Mischung aus jungen und erfahrenen Spielerinnen, schmerzlich fehlen die verletzte Dszenifer Marozsan und die schwangere Melanie Leupolz. Aber auch mit Däbritz, Oberdorf und Magull gilt das Mittelfeld als Glanzstück, Schwächen sind eher in der Abwehr auszumachen, wo im Tor Merle Frohms die langjährige Stammkraft Almuth Schult nach deren langen Schwangerschafts- und Verletzungspause als Nummer 1 abgelöst hat. Ein Trumpf könnte eine starke Auswechselbank sein, eine Stärke die Frische und Energie der Mannschaft, die in drei Trainingslagern zu einer echten Einheit zusammengewachsen ist. In Herzogenaurach war man bestens untergebracht, am Sonntag bezog die DFB-Elf ein nobles Quartier im Londoner Stadtteil Brentford, in der Nähe, im Community Stadium, startet für Deutschland am Freitag das Turnier. Das könnte dabei die Startelf sein: Frohms – Gwinn, Hendrich, Hegering, Rauch – Däbritz, Oberdorf, Magull – Huth, Schüller (Popp), Bühl.

Das Aufgebot insgesamt: Tor: Merle Frohms (Frankfurt), Almuth Schult (Wolfsburg), Ann-Katrin Berger (Chelsea). – Abwehr: Sara Doorsoun, Sophia Kleinherne (beide Frankfurt), Giulia Gwinn, Marina Hegering (beide Bayern), Kathrin Hendrich, Felicitas Rauch (beide Wolfsburg). – Mittelfeld/Sturm: Svenja Huth, Lena Lattwein, Lena Oberdorf, Alexandra Popp, Tabea Waßmuth (alle Wolfsburg), Klara Bühl, Linda Dallmann, Sydney Lohmann, Lina Magull, Lea Schüller (alle Bayern), Nicole Anyomi, Laura Freigang (beide Frankfurt), Jule Brand (Hoffenheim), Sara Däbritz (Paris St. Germain).

Bayern und der Maulwurf

Am Montag hat als letzter Bundesligist auch Meister Bayern München das Training aufgenommen. Doch von den alten Stammspielern waren nur drei dabei, die strapazierten Nationalspieler haben je nach Einsätzen noch bis 8. oder 12. Juli Urlaub. Bei der Arbeit war aber Trainer Julian Nagelsmann, der in der letzten Woche für die Schlagzeilen sorgte und den „FC Hollywood“ wieder zum Leben erweckte. Er enthüllte im Urlaub auf Ibiza selbst das Geheimnis, dass er neuerdings neu liiert ist. Die Frau an seiner Seite sorgte allerdings für Aufregung: Bild-Reporterin Lena Wurzenberger mit dem Hauptaufgabengebiet – Bayern München. Bild verkündete „Julian Nagelsmann liebt Bild-Reporterin“ danach allerdings auch fettgedruckt, dass man die Reporterin „mit sofortiger Wirkung von der Berichterstattung über den FC Bayern entbunden habe“.

Dies ist Privatsache von Nagelsmann, doch die Frage stellt sich, ob da in der Vergangenheit der „Maulwurf“ zu finden ist, der den Bayern seit Jahren zu schaffen macht. Einzelheiten aus Verein und vor allem Mannschaft tauchen immer wieder im Boulevard-Blatt auf. Anschließend nämlich auch die Meldung über das Lewandowski-Theater mit dem Hinweis „Bild weiß, was Bayern zum neuen Barca-Angebot sagt“. Das Spielchen um Lewandowski geht übrigens weiter, in allen Medien. Der Barca-Präsident ruderte allerdings ein bisschen zurück und zeigte sich „geehrt“, dass der Pole nach Barcelona will. Es bleibt dabei, dass Barca erst die finanziellen Voraussetzungen schaffen muss, um überhaupt Verstärkungen zu verpflichten. Lewandowski könnte doch zu der Erkenntnis kommen, dass er noch ein Jahr lang in München besser aufgehoben ist.

Am Freitag steht übrigens nicht nur die deutsche Frauen-Nationalmannschaft im Fokus, sondern der Blick richtet sich auch in die Schweiz. Am Freitag soll im Verfahren Blatter/Platini von der Schweizer Justiz das Urteil gesprochen werden. Im Rahmen der Verhandlung und der Zeugenaussagen, erhärtete sich allerdings der Verdacht, dass es um Ränkespiele in der FIFA geht und Gianni Infantino nur zum Präsidenten gewählt werden konnte, weil die Schweizer Justiz mithalf, den Franzosen Michel Platini zu stoppen. Könnte sein, dass die Affäre jetzt erst richtig beginnt, mit seriösen Ermittlungen, weil die Schweizer Justiz wohl ihren Ruf retten will. Dies unabhängig davon, wie der Richterspruch lautet.

Im Sommer träumen alle von einer goldenen Zukunft

Am Ende einer Fußball-Saison gibt es wohl mehr enttäuschte Anhänger als solche, die feiern können. Von 14, 16, 18 oder mehr Vereinen, egal ob Amateure oder Profis, kann nur einer den Titel feiern, in manchen Ligen gibt es höchstens noch die Relegation. So sind doch eigentlich die Wochen zwischen den Spielzeiten, nämlich der Sommer, die schönste Zeit für Vereine und Fans. Da tut sich was in den Klubs (siehe Thema Wechsel vom 20. Juni: „Das Wechseltheater ist spannender als die Punktrunde“) und alle träumen von einer goldenen Zukunft, die soll nämlich meist besser und erfolgreicher werden (bei manchen geht schlechter oder chaotischer gar nicht mehr).

Bestes Beispiel für die Träume von einer goldenen Zukunft ist Hertha BSC Berlin. Dort gab es bei großer Hitze (wie fast überall in Deutschland) am Sonntag eine Außerordentliche Mitgliederversammlung, auf der es im CityCube im Messegelände noch hitziger zuging als draußen und die Weichen für eine bessere Zukunft gestellt werden sollte. Ob das gelungen ist, wird sich zeigen, aber wie so oft, hat Hertha wieder einen besonderen Weg eingeschlagen. Der Aufstieg ist nämlich einmalig in der Bundesliga, von der Kurve an die Spitze des Vereins. Nachfolger des zuletzt ungeliebten Präsidenten Werner Gegenbauer, der 14 Jahre lang den Verein führte, wurde mit Kay Bernstein ein Mann der Fans. Er setzte sich mit 1670 zu 1280 Stimmen gegen seinen Hauptkonkurrenten Frank Steffel durch, früherer Bundestagsabgeordneter, Boss von Handball-Bundesligist Füchse Berlin und vom Aufsichtsrat vorgeschlagen. Ein Mann des Establishment halt, aber die Mehrheit wollte einen Neuanfang.

Für den steht Kay Bernstein, ein „Mann der Kurve“, wie er selbst sagt, Mitbegründer der Ultra-Gruppe „Harlekins ’98“, die später mit sozialen Projekten auf sich aufmerksam machte. Heute ist der 41-Jährige Event- und Kommunikationsmanager, er sollte zumindest das Handwerk des Verkaufens verstehen. Gut verkauft hat er sich den Mitgliedern gegenüber schon, analysierte „unsere Dame liegt auf der Intensivstation, wir können sie nur von innen gesund machen, eine Entgiftung von innen heraus“. Sein Ziel: „Wir müssen unsere blauweiße Seele zurückgewinnen.“ Er stand nicht im Anzug am Rednerpult, sondern in einer Hertha-Jacke. In seinem Zehn-Punkte-Programm als erste Maßnahmen steht u. a., dass die Profis für die Mitarbeiter der Geschäftsstelle grillen. Motto: Es geht nur gemeinsam. Mit Geldgeber Lars Windhorst will er sich schnell zusammensetzen, noch wichtiger ist das Gespräch mit Manager Fredi Bobic.

Von einer goldenen Zukunft träumen sie alle, selbst bei Bayern München, dort ist der Gewinn der Champions League das Ziel. Eine bisschen bescheidener ist man in Dortmund, dort will man bald die Bayern an der Spitze der Bundesliga ablösen. Aber wer schon oben ist, bei dem sind die Wünsche nicht so ausgeprägt. Anders ist es wohl in Mönchengladbach, dort wird von Europa geträumt, zuletzt war man eher in der Abstiegszone zu finden. Jetzt wird wieder geträumt, der neue Trainer Daniel Farke hat frischen Schwung in den Verein gebracht, er ist einer der „jungen Wilden“, auf die derzeit viele Vereine setzen.

Da ist der FC Augsburg ein typisches Beispiel, Enrico Maaßen, erst 38, hat Markus Weinzierl abgelöst, der zwar die Hauptaufgabe erfüllt hat, weil die Bundesliga erhalten blieb, aber an internen Streitigkeiten scheiterte. Maaßen kommt von Dortmunds zweiter Mannschaft und sieht den FCA als Sprungbrett und weiß wie sich der Verein die Zukunft wünscht: „Wir wollen wieder eine klare Identität kreieren, etwas, wofür der Verein steht.“ Manager Stefan Reuter will endlich Ruhe auf dem Trainerposten, der Neuling bekam einen Drei-Jahres-Vertrag, weil er für Schwung, ein Miteinander und spielerischen Fortschritt steht. So etwas wünschen sich viele Vereine, eine goldene Zukunft eben.

Der 1. FC Köln spricht dagegen fast schon von einer goldenen Vergangenheit, der neuer Trainer Steffen Baumgart hat den Verein vom Tabellenende weg nach Europa geführt. Diese goldenen Tage sollen Bestand haben, sein Vertrag wurde vorzeitig von 2023 bis 2024 verlängert. Nach Freiburger Vorbild will es der neue Geschäftsführer Christian Keller auch so handhaben, frühzeitig reden, dann vorsichtig für ein Jahr verlängern. Mit Baumgart liegt er da auf einer Linie. Köln lebt also eine goldene Gegenwart.

Frauen lassen hoffen

Zuletzt hatte es bei den Fußball-Frauen ja ein bisschen gehapert, die Leistungen war nicht zufriedenstellend, gegen Serbien gab es in der WM-Qualifikation sogar eine Niederlage. Wie soll es dann gegen die Großen bei der Europameisterschaft aussehen? Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hatte allerdings den Optimismus nie verloren und versprach fast schon gebetsmühlenartig, dass die Nationalspielerinnen bis zur Europameisterschaft in England in Form kommen werden. Das Versprechen wurde fast schon eingelöst, der Schwung und die Begeisterung, mit der ihre Schützlinge die Schweiz mit 7:0 an die Wand spielten, lässt hoffen. Noch fehlt es vielleicht ein bisschen an Präzision, aber mit dem schnellen Spiel sollte auch Dänemark als erster Gegner am 8. Juli vor Probleme gestellt werden.

Vorteil Deutschland, Vorteil Voss-Tecklenburg: Der Kader ist sehr ausgeglichen, die Bundestrainerin kann nachlegen, wenn jemand nicht in Form ist. Die Auswechslungen gegen die Schweiz brachten keinen Bruch im Spiel, sondern eher noch mehr Schwung. Und Frankfurts Stürmerin Nicole Anyomi glänzte plötzlich als rechte Verteidigerin, nachdem Giulia Gwinn vom Feld ging. Dabei war die Außenverteidiger-Position als Schwachstelle ausgemacht worden, weil es für Gwinn und Felicitas Rauch keinen wirklich Ersatz im Kader gibt. Passende Notlösungen offensichtlich schon.

Angeführt wurde das Team gegen die Schweiz von Klara Bühl von Bayern München, der einfach alles gelang, an vier Toren war sie beteiligt. Als sie ging, kam Jule Brand (Hoffenheim) – und traf! Auch im Mittelfeld zeigten Oberdorf-Magull-Däbritz eine Harmonie, die hoffen lässt. Nicht geprüft wurde die Abwehr, die vielleicht ein Sorgenkind sein könnte. Noch sind es ja eineinhalb Wochen bis zum Start, die Mädchen träumen jedenfalls auch von einer (nahen) goldenen Zukunft.

Mehr zur Europameisterschaft der Frauen an dieser Stelle in einer Woche.