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Die Bundesliga zeigt ihr besseres Gesicht: Tore, Tempo, Siege

Welch ein Wandel! Vor noch gar nicht langer Zeit hörte man im und über den deutschen Fußball nur Wehklagen (auch an dieser Stelle). International fehlten die Erfolge, national in der Bundesliga eher Langeweile als Spannung und fehlende Qualität. Das hat sich total geändert. Auf Europas Bühne feierten die Bundesligisten quasi eine Wiederauferstehung mit teils überraschenden, teils glücklichen Siegen, in der Punktrunde reiben sich manche Fans die Augen, sie sehen Tempo und Tore, so dass Urteile wie „großes Kino in Augsburg“ (beim 2:3 gegen Bremen) keine Seltenheit sind. In Berlin heißt es „wir genießen“. Die Bundesliga wohlgemerkt – Frühlingserwachen im Herbst.

Es sind auch die Geschichten am Rande, welche die Bundesliga im Gespräch halten. Zum Beispiel auf Schalke der Disput zwischen Trainer und Spieler, als Stürmer Franco di Santo (einst ein Torjäger) mit seiner Auswechslung nicht einverstanden war und Trainer Domenico Tedesco anmeckerte, der beendete die Diskussion mit einem „halt die Fresse“. Logisch, nach vier Niederlagen in Folge ist die Stimmung ebenso im Keller wie die Mannschaft als Schlusslicht. Der Trainer fordert deshalb jetzt drei Siege, die Gegner heißen Freiburg, Mainz und Düsseldorf, allesamt vor der Saison dem Kreis der Abstiegsanwärter zugerechnet. Wenn nicht jetzt, wann dann? Und wenn später, dann wohl ohne Tedesco. Die Zeiten haben sich geändert.

Auch Bayern-Trainer Niko Kovac haben die Auguren Ärger mit Auswechslungen vorausgesagt, schließlich tritt er dabei immer einem Star auf die Füße. Bisher moderiert der neue Coach alle Schwierigkeiten hervorragend, wenn auch Arjen Robben auf der Bank oder Franck Ribery bei seiner Auswechslung keine gute Laune zeigen. Eigentlich logisch, bei Ribery aber deshalb seltsam, weil er vorher in einem Interview noch betont hat, dass er die Wechsel versteht und alle spielen müssten. Auf dem Spielfeld und neben dem Feld sind halt zwei paar Stiefel bzw. Ansichten. Bisher betonen allerdings alle Bayern-Spieler die gute Stimmung und Kovac lässt mit viel Gespür wirklich alle spielen. So durfte Renato Sanches in der Champions League in seiner Heimat Lissabon glänzen und Leon Goretzka bei seinem alten Verein Schalke auflaufen. Nur Siege sind für die Münchner das Resultat, Bayern ist das Gegenteil zu Schalke.

Siege verschenkt hat der FC Augsburg. Der Schuldige: Torhüter Fabian Giefer. Gegen Mainz kam er zweimal unglücklich aus dem Tor, aus dem 1:0 wurde ein 1:2. Gegen Bremen hatte der FCA mit viel Elan aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und war am Siegtreffer nahe dran, dann unterlief dem Schlussmann der Fehler eines Schülertorhüters, er ließ den Ball durch Hände und Beine rutschen – 2:3. Augsburg ist Elfter mit vier Punkten, könnte aber Vierter (jetzt Bremen) mit acht Punkten sein! Armer Torwart, armer Trainer. „Er ist ein Mensch, Menschen machen Fehler, aber ich muss nach Leistung gehen“, jammerte Trainer Manuel Baum, den Tränen nahe. Giefer oder Konkurrent Andreas Luthe (derzeit leicht verletzt) waren laut Baum auf gleicher Höhe, es war eine „Bauch-Entscheidung“ meint der Trainer, jetzt hat der Bauchschmerzen. In München, gegen Freiburg und in Dortmund braucht er einen guten Torhüter. Der nach Dortmund abgewanderte Marwin Hitz hinterlässt offensichtlich eine größere Lücke als gedacht.

Die Hetzjagd um Punkte geht weiter, viele Ligen in Europa nutzen die internationale Pause in dieser Woche zu Ligaspielen am Dienstag und Mittwoch, so bleibt eben auch die Bundesliga im Gespräch. Allerdings hat sie selbst verschuldet bzw. aus Geldgier die Regelung getroffen, dass am Freitag das Spitzenspiel Hertha BSC – Bayern München nur von einem kleinen Teil der Interessenten gesehen werden kann. Die TV-Rechte liegen bei Europasport, doch nur wenige nehmen die zusätzlichen Kosten für den Eurosportplayer zum anderen Pay-TV-Anbieter Sky auf sich. Oder wie wäre es mit einem Schmankerl bzw. PR im Free-TV?

Bekanntlich ist ja in Deutschland auch die Champions League im Pay-TV verschwunden, die Anbieter Sky und DAZN teilen sich den Kuchen. UEFA und Vereine kassieren mehr Geld, aber vielleicht geht der Schuss nach hinten los, denn das Interesse lässt nach. Sahen in den letzten Jahren beim ZDF Spiele der Bayern zum Beispiel bis zu acht Millionen Zuschauer, so waren es diesmal beim Match in Lissabon bei Sky gerade mal 770.000 bzw. zusammen mit der Konferenz insgesamt bescheidene 1,3 Millionen Fußball-Fans. So kann die Champions League keine Werbung für sich machen.

Damit sah die Masse der Fans auch das Schauspiel der Saison nicht. Superstar Cristiano Ronaldo flog beim Gastspiel seines neuen Vereins Juventus Turin in Valencia mit Rot vom Platz. Der „Schuldige“ war der deutsche Schiedsrichter Dr. Felix Brych bzw. sein Landsmann Marco Fritz, der eine Tätlichkeit von Ronaldo anzeigte (er griff nach einem Foul dem Gegenspieler in die Haare, gewertet als ein Ziehen). Brych reagierte erst auf einen Hinweis seines Kollegen.

So könnte die Diskussion abgelaufen sein, nachdem Brych zum Kollegen eilte: Brych: „Was hast Du denn gesehen?“ Fritz: „Der Ronaldo hat den anderen an den Haaren gezogen, das ist Rot.“ Brych: „Rot für Ronaldo, das können wir doch nicht machen.“ Fritz: „Gerade Rot für Ronaldo geht, der affektierte Bursche muss mal vom Feld, dem zeigen wir, wer hier das Sagen hat.“ Brych: „Rot für Ronaldo, das gibt einen Skandal.“ Fritz: „Toll, da sind wir doch mal richtig im Gespräch, los schick ihn runter.“ So schafften sie es, dass der Superstar in Tränen ausbrach und der Portugiese musste erkennen, es gibt auf dem Feld eine höhere Macht als ihn! Außerdem bitter: Ohne ihn lief es bei Juve besser…

EM 2024: Übrigens, es gibt in dieser Woche am Donnerstag noch die wichtige Entscheidung der Vergabe der Fußball-Europameisterschaft für 2024. Deutschland und die Türkei wollen die EM ausrichten. Mehr lesen Sie im nächsten Kommentar „Vergabe Fußball-EM 2024: Wie ticken die Funktionäre?“

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Vergabe Fußball-EM 2024: Wie ticken die Funktionäre?

Wieder steht für den deutschen Fußball eine bedeutsame, vielleicht sogar zukunftsweisende Entscheidung bevor: Die Vergabe der Fußball-Europameisterschaft 2024. Die Entscheidung fällt am Donnerstag, 27. September, in Nyon in der Schweiz, 18 Mitglieder des Exekutivkomitees der UEFA sind stimmberechtigt, nach Lage der Dinge werden 16 anwesend sein. Zwei Kandidaten stehen zur Wahl: Deutschland und die Türkei.

Der deutsche Fußball hat in der letzten Saison bekanntlich viele Rückschläge hinnehmen müssen, sportliche Fehlschläge wie das blamable Abschneiden der Klubs außer Bayern München in Champions- und Europa-League ebenso wie die Pleite der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland. Dazu kommt, dass der Bestechungsskandal rund um die WM 2006 in Deutschland immer noch nicht komplett aufgearbeitet ist. Eigentlich nicht die besten Voraussetzungen für einen Kandidaten, der ja Glanz und Gloria verbreiten soll oder zumindest versprechen. Dazu kommt, dass der umstrittene DFB-Präsident Reinhard Grindel unter besonderem Druck steht: Bekommt Deutschland die EM nicht, wird er wohl auch seinen Posten an der Spitze des Verbandes räumen müssen.

Die Hoffnung könnte groß sein, doch die Zweifel bleiben. Der Europäische Fußball-Verband hat den Evaluationsbericht zur Bewerbung der EM veröffentlicht und darin schneidet Deutschland in den meisten Kategorien besser ab als die Türkei. Dem DFB wird eine „inspirierende, kreative und sehr professionelle Vision“ bescheinigt. EM-Botschafter Philipp Lahm darf stolz sein, zumal die bekannten Mängel der Türkei hier schon aufgeführt wurden, Probleme mit der Infrastruktur, offene Fragen in punkto Wirtschaft und Menschenrechte. Dass Präsident Erdogan als größter Werbeträger auftritt, kann positiv und negativ bewertet werden. Die Türkei hofft auf einen Vorteil: Sie hat sich schon mehrfach beworben und oft wird so ein langer Atem belohnt.

Die Zweifel bleiben, weil keiner weiß, wie Funktionäre wirklich ticken, sie sind unberechenbar wie heutzutage viele Richter bei ihren Urteilen. Was ist im Hintergrund gelaufen, fließen doch wieder Gelder über dunkle Kanäle? Das Vertrauen in die Funktionäre bei der UEFA ist getrübt, auch wenn die Skandale in Europa nicht so groß waren wie beim Weltverband FIFA. Zählen nur die harten Fakten, dann kann die UEFA die EM 2024 nur nach Deutschland vergeben. Beobachter wollen wissen, dass die Mehrzahl der Delegierten dem DFB auch die Stimme geben wird, die Fachzeitung Sport-Bild will elf Sympathisanten für Deutschland festgestellt haben. Aber bis zum Donnerstag kann noch viel passieren.

Dass Funktionäre im Sport unberechenbar sind, zeigte sich ja jetzt auch wieder bei der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), deren Vorstände mit 9:2 Stimmen Russland den Weg zurück olympische Gemeinschaft ebneten. Der russischen Agentur Rusada wurde nach dreijähriger Sperre bescheinigt, dass sie wieder regelkonform arbeitet. Verschiedene Bedingungen müssen bis zum 30. Juni 2019 noch erfüllt werden, z. B. der freie Zugang zum Moskauer Analyselabor mit Einblick in die dortigen Doping-Daten und –Proben. Dabei hat Russland in letzter Zeit keine Anstalten gemacht, wirklich offen und sauber zu arbeiten, Insider bemängeln nach wie vor fehlende Kontrollen. Die Entscheidung ist ein Schlag ins Gesicht des sauberen Sports, deutsche Athleten, die ständig kontrolliert werden, müssen sich verschaukelt vorkommen. Für sie muss es so wirken, als ob sie auch in Zukunft wieder einen ungleichen Kampf führen müssen. Die Wada hat mit dieser Entscheidung Vertrauen verloren, sie kann sich eigentlich auflösen. Nicht klar ist auch, welche Rolle der russland-freundliche IOC-Präsident Thomas Bach gespielt hat.

Dieses aktuelle Beispiel zeigt einmal mehr deutlich, dass Sport-Funktionäre in ihrer eigenen Welt leben und keinesfalls den Sport und die Athleten sowie einen fairen Kampf in den Vordergrund stellen. Sie sehen sich leider vielfach nicht als Diener des Sports, sondern als die Herrscher, die alles dürfen. Deshalb darf sich auch Deutschland vor der EM-Vergabe trotz bester Beurteilung nicht sicher fühlen – man weiß nie, wie Funktionäre ticken!

Bittere Pillen und blaue Grausamkeiten

Die Fußball-Bundesliga hat gerade drei Spieltage hinter sich – und schon werden Trainer in Frage gestellt und die vor der Saison rosig gezeichnete Zukunft nun schwarz gefärbt. Leute, nach 34 Spieltagen wird erst abgerechnet! Andererseits ist es richtig, wer den Start verschläft, muss erst einmal hinterherrennen. Wer gut beginnt, bekommt vielleicht einen Lauf.

Unruhe herrscht vor allem bei Bayer Leverkusen und Schalke 04. Die einen müssen bittere Pillen schlucken, die anderen blaue Grausamkeiten ertragen, beide liegen mit null Punkten am Ende der Tabelle. Rückblick: Vor einem Jahr war der 1. FC Köln nach drei Spieltagen Letzter mit 0 Punkten und stieg am Ende ab. Leverkusen war mit einem Zähler Vorletzter, schaffte es noch auf Rang fünf und in die Europa League, doch auf diese Aufholjagd wollte man in diesem Jahr verzichten und deshalb wackelt bereits der Stuhl von Trainer Heiko Herrlich. Es sind nicht wenige, die die Partie am Sonntag gegen Mainz als „Endspiel“ ausrufen. Schwung könnte sich Bayer mit einem Sieg in der Europa League am Donnerstag in Rasgrad, beim Meister Bulgariens, holen.

Ähnlich die Situation auf Schalke, drei Spiele, drei Niederlagen, dazu kommt Meister Bayern München am Samstag und am Dienstag geht es vorher in der Champions League gegen den FC Porto. Da sind Erfolgserlebnisse nicht leicht und der in der letzten Saison gefeierte Trainer Domenico Tedesco ist jetzt als Krisenmanager gefragt. Wo ist der Schwung geblieben? Auf Schalke erinnert man sich an den Start unter Trainer Markus Weinzierl mit fünf Niederlagen. Zwar schaffte der Straubinger damals die Wende, doch dieser Start war für ihn der Anfang vom Ende. Nun erlebt vielleicht Tedesco blaue Grausamkeiten.

Erstes Aufatmen gibt es anderswo. Bei Neuling Düsseldorf zum Beispiel, mit dem ersten Sieg und das gegen den Champions-League-Neuling Hoffenheim. Auch RB Leipzig feierte den ersten Saisonsieg, da rollte quasi der Stein der Erleichterung vom ganzen Verein. Und am Tabellenende punkteten Aufsteiger Nürnberg und die Baden-Württemberger Freiburg und Stuttgart im Derby im Ländle. Schon kleine Erfolgserlebnisse lassen aufatmen. Die genannten Vereine waren übrigens auch an den dramatischen Ereignissen beteiligt, die Bundesliga beeindruckte nämlich mit vielen Toren in den letzten Minuten. Da haben sich wohl einige die Bayern als Vorbild genommen, deren Markenzeichen ja unter anderem ist, dass sie Spiele noch in den letzten Minuten entscheiden können. Also ist das nicht mehr allein Bayern-Dusel.

Eine andere Diskussion wird rund um die Spitzenklubs geführt. Ist jetzt ein großer Kader von Vorteil oder nicht? Die Geschehnisse zeigen, dass beides falsch und richtig sein kann, das Schicksal entscheidet. Fall Dortmund: Trainer Lucien Favre ist glücklich, „endlich gibt es viele Spiele, da kann ich allen einen Einsatz gönnen“. Rotation zur Beruhigung der Gemüter, keine Rede von Dreifachbelastung. Eigentlich wollte die Borussia den Kader reduzieren.

Das taten die Bayern, doch das Schicksal war nicht auf ihrer Seite. Vidal, Bernat und Rudy durften gehen, um für mehr Ruhe im großen Kader zu sorgen, jetzt hat das Verletzungspech zugeschlagen: Drei Spiele, drei schwer verletzte Spieler. Wenn das so weiter geht, haben die Bayern am Ende keine Mannschaft mehr. Trainer Niko Kovac klagt, „wir dürfen kein Freiwild sein“. Coman und jetzt Rafinha zogen sich ihre Verletzungen nach bösen Fouls der Gegner zu, bei Tolisso war der Kreuzbandriss Pech in einem normalen Zweikampf, aber die Saison könnte für ihn beendet sein. Hieß es vorher, die Bayern müssen ihren Kader reduzieren, so melden sich jetzt Kritiker, dass die personelle Decke ein bisschen dünn geraten ist. Ja, hinterher weiß man es eben besser. Aber die Bayern, die normalerweise mit Mehrfachbelastung erst so richtig in Form kommen, werden die vielen Spiele jetzt mit anderen Augen sehen. So gibt es mit Kimmich und Alaba gerade noch zwei etatmäßige Außenverteidiger. Vielleicht heißt es bei den Gegner ja auch: Irgendwie müssen wir die Bayern doch klein kriegen!

Dürfen Trainer denn auf ihr Bauchgefühl hören? Augsburgs Coach Manuel Baum wird sich da hinterfragen. Vor der Saison hatte er mit Fabian Giefer und Andreas Luthe als Nachfolger von Stammtorhüter Marwin Hitz, der nach Dortmund wechselte, zwei angeblich sich auf gleicher Höhe befindende Kandidaten. Nach „schlaflosen Nächten“ die Bauchentscheidung für Giefer, der Keeper aber verursachte mit zwei dicken Patzern die 1:2-Niederlage in Mainz. Was jetzt? Was sagt der Bauch? Darf man als Trainer nach Torwartfehlern gleich wechseln oder gibt man dem Unglücksraben noch eine Chance. Entscheidungen, die schwer fallen. Hinterher weiß man es aber besser. Die nächste Prüfung heißt Werder Bremen. Lustig: Der FC Augsburg hat wie im Vorjahr vier Punkte und ist wieder Achter in der Tabelle.

In der Woche sind die Augen auf Europa gerichtet, Champions League und Europa League starten mit der Saison 2018/19. Die Bundesliga erhofft sich eine bessere Bilanz als im Vorjahr, aber einige Vereine lassen derzeit zweifeln, ob das wirklich gelingt. Hoffenheim und Schalke in der CL sowie Leverkusen und Frankfurt in der EL sind keineswegs in Form. Die Hoffnung, über den internationalen Wettbewerb die Form für die Bundesliga zu bekommen, kann trügerisch sein.

Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar „Champions League: Alle gegen Real, die Bundesliga auf Wiedergutmachungskurs“.

Champions League: Alle gegen Real, die Bundesliga auf Wiedergutmachungskurs

Eigentlich freuen sich die Fußball-Fans drauf, aber die Funktionäre sorgen dafür, dass die Freude auf die neue Champions-League-Saison getrübt wird. Überschattet wird der Start am Dienstag, 18. September, von der Diskussion um einen dritten europäischen Pokal-Wettbewerb. Nach Champions League (CL) und Europa League (EL) soll 2021 pünktlich zu den neuen Fernsehverträgen ein dritter Pokal ausgespielt werden, damit auch die kleinen Verbände bzw. Vereine „ihren“ Cup haben. Da ist der Sport-Grantler aber gespannt, wie der Wettbewerb heißen wird, die „Liga der Kleinen“ vielleicht? Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann hat es auf den Punkt gebracht: „Wer sich rar macht, ist wertvoll, hier wird der Sport verwässert.“ Es ist wie immer: Ein neuer Wettbewerb wird eingeführt, damit die großen Funktionäre bei der nächsten Wahl die Stimmen der Kleinen bekommen. Darauf einen Cup!

Bleiben wir also bei der Champions League, bei der Königsklasse. Schon die Europa League hat „Kaiser“ Franz Beckenbauer einst als „Cup der Verlierer“ verunglimpft, die Bedeutung aber damit deutlich herausgestellt. In der CL aber dürfen sich die Fußball-Fans in der neuen Saison auf neue Spannung freuen. So richtig allerdings erst – wie immer – nach der Gruppenphase, im Herbst sind die echten Highlights dünn gesät, eins davon allerdings zum Start, wenn in der Gruppe C Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool den Kollegen Thomas Tuchel mit Paris St. Germain erwartet. Das elektrisiert natürlich auch die deutschen Fans. Damit sind aber schon zwei Vereine genannt, die auch am Ende im Blickpunkt stehen wollen und die mit einigen anderen Konkurrenten nur ein Ziel haben: Den Hattrick-Sieger Real Madrid entthronen und selbst den Pokal holen. Also: Alle gegen Real!

Die üblichen Verdächtigen, also die Favoriten, werden auch in diesem Jahr wieder genannt. Eine große Rolle traut man vor allem Juventus Turin zu, nachdem sich die Italiener den Weltfußballer Cristiano Ronaldo geangelt haben. Vorne dran aber vor allem die Engländer, wo sich alle Starter Titelhoffnungen machen: Manchester City, Manchester United, FC Liverpool und Tottenham Hotspur. Mittendrin auch wieder der FC Bayern München, der eine konträre Transferpolitik betrieb, kein Geld für Neue ausgeben, lieber sparen und dennoch verdeutlicht Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge das Ziel: Wir wollen den Pott. Alle gegen Real, natürlich auch die spanischen Konkurrenten FC Barcelona und Atletico Madrid, das mit seinem Stadion am 1. Juni 2019 quasi Gastgeber ist. Das muss doch interessant werden, allerdings so richtig wie gesagt erst im Frühjahr. Die Gruppenphase kann allein die Wartezeit verkürzen.

Die Bundesliga ist in den europäischen Wettbewerben dabei, aber eigentlich – außer den Bayern – nicht mehr mittendrin. Die letztjährige Pleite ist unvergessen, die Bundesliga verlor den vierten Platz in der UEFA-Rangliste an Italien und wird jetzt bedrängt von Frankreich. Deshalb befinden sich die sieben Klubs auf der internationalen Bühne auf Wiedergutmachungskurs. Neben den Bayern heißt es für Borussia Dortmund, Schalke 04 und der TSG Hoffenheim in der CL sowie Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt und RB Leipzig in der Europa League punkten, die Gruppenphase überstehen und damit auch wieder etwas für die Rangliste tun. Es geht nicht nur um den Verein, sondern auch um die Reputation der Bundesliga und des deutschen Fußballs insgesamt, der bekanntlich in diesem Sommer ziemlich gelitten hat. Trainer, Spieler und Fans sollten sich eines deutlich machen: Europa ist keine Mehrfachbelastung, sondern eine zusätzliche Belohnung!

Die Gruppen-Auslosungen sorgten eigentlich dafür, dass die deutschen Klubs hoffen dürfen. Bayern München ist in der Gruppe E gegen Ajax Amsterdam, AEV Athen und Benfica Lissabon klarer Favorit, Schalke 04 hat mit FC Porto, Galatasaray Istanbul und Lokomotive Moskau zwar drei Meister, aber keinen echten Brocken erwischt. Borussia Dortmund hat es da schon schwerer, Atletico Madrid ist ein echter Stolperstein, aber auch AS Monaco kann es sein, dazu geht es gegen Club Brügge. Bei Neuling Hoffenheim muss man abwarten, wie sich die Mannschaft im neuen Umfeld einfindet, dazu geht es gegen Pep Guardiola und Manchester City, einen der großen Favoriten. Aber auch Olympique Lyon und Schachtor Donezk sind nicht zu unterschätzen. Das Ausscheiden wäre keine Überraschung.

In der Europa League haben die deutschen Klubs fast schon seit Menschengedenken nichts mehr zuwege gebracht. Da ist der Wiedergutmachungskurs besonders notwendig, die Hoffnungen ruhen dabei auf Bayer Leverkusen, trotz des schlechten Starts in der Bundesliga. Larnaka, FC Zürich und Rasgrad sind schlagbare Gegner. Der RB Leipzig musste durch die Qualifikationsmühle und hat fast in letzter Sekunde bestanden. Der Lohn der Auslosung: „Bruderduell“ gegen den FC Salzburg, der nicht mehr Red Bull heißen darf, dazu gibt es Trondheim und Celtic Glasgow. Bei Pokalsieger Eintracht Frankfurt ist die Euphorie nach dem Coup gegen die Bayern inzwischen verflogen, dabei könnten die Hessen ein bisschen Elan gegen Limassol, Marseille und Lazio Rom schon brauchen. Zweifellos die schwerste Gruppe der deutschen Teilnehmer. Das Finale wird übrigens am 29. Mai in Baku gespielt. Ob da ein deutscher Vertreter dabei ist?

Nicht alles, aber doch das Eine oder Andere ist neu in der CL. Auffallend die Anfangszeiten, es geht nicht mehr einheitlich um 20:45 Uhr los, sondern es gibt zwei Startzeiten: 18.55 Uhr und 21.00 Uhr. Eine Entzerrung zugunsten des Fernsehens und zulasten der Fans – wie es im Fußball halt so ist. Deshalb gibt es auch wieder mehr Geld, 15,25 Millionen Euro kann jeder Verein schon für die Gruppenphase einplanen, jeder Sieger bekommt statt bisher 1,5 Millionen Euro jetzt sogar 2,7 Millionen. Geld statt Ehre als Anreiz! Gewinnt ein Verein alle Spiele, kann er am Ende 82,45 Millionen Euro einstreichen. Mit rund 70 Millionen kalkulieren auch die Bayern, wenn sie wieder einsamer deutscher Vertreter wären.

Die Klubs streichen ein, die Fans sollen zahlen. Nicht nur in den Stadien, sondern auch an den Bildschirmen. Engländer oder Italiener sind dies zum Beispiel gewohnt, die deutschen Zuschauer müssen sich komplett umstellen. Im freien Fernsehen gibt es kein Spiel mehr zu sehen (Ausnahme wäre nur das Finale mit deutscher Beteiligung und einige Spiele der EL bei RTL Nitro). Mit dem gewohnten Pay-TV-Sender Sky (hat die EL nicht mehr) allein ist es auch nicht mehr getan, wenn man alle Spiele live sehen will, zweiter Rechteinhaber ist der Streamingdienst DAZN. Es könnte sein, dass die Champions Laegue zumindest in Deutschland an Glanz und Interesse verliert.

Löws Problem: Ohne Tore keine Siege

Mit Spannung wurde das erste Auftreten der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach der verpatzten Weltmeisterschaft im Sommer erwartet. Und, wie ist jetzt die Stimmung? Die Antwort: Sie könnte unterschiedlicher nicht sein! Auf der einen Seite monieren Kritiker, warum die Nationalspieler bei der wichtigen WM nicht den doch möglichen Einsatz gezeigt haben, auf der anderen Seite die Erleichterung nach dem 0:0 gegen Weltmeister Frankreich und dem 2:1 gegen Peru. Motto: Sie können es also doch noch. Zumindest ein bisschen, denn noch war nicht alles Gold, was da glänzte.

Bundestrainer Joachim Löw hat sicherlich die richtigen Lehren aus der Pleite in Russland gezogen und vor allem gegen Frankreich auf eine starke Defensive gesetzt, nach der Devise: Nur nicht verlieren. Das hat geklappt. Gegen Peru durfte gestürmt werden, doch da zeigten sich wieder die alten Probleme: Fehler in der Abwehr, mangelnde Abschlussqualität im Angriff. Künftig werden wir wohl vor allem zwei taktische Varianten sehen: Gegen scheinbar starke Gegner heißt es „Sicherheit zuerst“, bei Spielen, die man gegen schwächere Gegner unbedingt gewinnen muss wiederum „freie Bahn nach vorn“.

Die taktischen und personellen Varianten, die Löw diesmal ausprobierte, lassen nur einen Schluss zu: Er hatte bei der Nominierung des Kaders die Konzepte noch gar nicht erarbeitet. Sonst hätte er eigentlich einen Kimmich-Vertreter als Rechtsverteidiger nominieren müssen, wenn er schon den Plan hatte, den Münchner als „Sechser“ zu testen. Dass Joshua Kimmich das kann und gerne spielt, war bekannt. Der Bundestrainer hat ein Loch gestopft und andere aufgerissen: Jetzt sucht er gleich zwei starke Außenverteidiger, denn links kann er mit den Lösungen um Stammspieler Hector sowie die möglichen Vertreter Plattenhardt und jetzt Nico Schulz auch nicht unbedingt zufrieden sein. Da bietet sich schon ein Versuch mit dem Augsburger Philipp Max an, der als Vorlagen-König in der Bundesliga glänzte.

Löws Hauptproblem: Ohne Tore keine Siege. Die Abschlussschwächen dauern schon allzu lange an und man darf nicht darauf vertrauen, dass immer der gegnerische Torhüter dem DFB-Team den Sieg schenkt, wie jetzt Perus Schlussmann. Ein neuer Gerd Müller oder Miroslav Klose oder Mario Gomez (als er noch in Form war) wird gesucht. Nur mit schnellen Stürmern und Positionswechseln allein geht es halt doch nicht. Timo Werner und Marco Reus zeigten sich leider nicht als Torjäger, sondern eher als Chancentod.

Wo sind die Torjäger? Namen gibt es viele, aber wer schafft den Sprung? Naheliegend wäre der nächste Versuch mit Stoßstürmern wie Daniel Ginczek (Wolfsburg), Mark Uth (Schalke) oder sogar Niclas Füllkrug (Hannover), nachdem der nominierte Nils Petersen (Freiburg) ein bisschen zu gehemmt wirkt. Aber auch Junioren, also U21-Kandidaten, sollte Löw im Blick haben, wie Davie Selke (Hertha), Aaron Seydel (1,99 m groß!), Janni Serra (beide Holstein Kiel) oder den Augsburger Marco Richter, ein technisch beschlagener Stürmer. Da sollte Jogi Löw der Mut nicht verlassen, schlechter kann die Torausbeute ja wohl kaum werden.

Auffallend ist, dass die neugeschaffene und mit viel Kritik begleitete Nations League offensichtlich Gefallen gefunden hat. Europas Fußball war im Gespräch, Pflichtspiele statt uninteressante Freundschaftsspiele war ein guter Tausch, die Trainer kamen an ihrer stärksten Mannschaft nicht vorbei und sogar Dänemark setzte den Streik aus. So hat die Nations League Zukunft, doch alle Gedanken an eine Ausdehnung sollte man ad acta legen.

Der heiße Herbst beginnt

Der Fußball in Europa bleibt im Gespräch, nein, er nimmt jetzt erst richtig Fahrt auf, die Nations League war quasi nur ein Vorgeschmack, denn am 18. September beginnt auch die Champions League, der heiße Herbst kommt. Das bedeutet für Vereine, Spieler und Fans, es geht Schlag auf Schlag. Das Beispiel Bayern München, zwischen dem 15. September und 6. Oktober stehen sieben Spiele in 22 Tagen auf dem Programm. Langeweile kommt da nicht auf.

Zunächst gehört das Wochenende den nationalen Meisterschaften. Die Bundesliga wird da mindestens so interessant sein wie die Nations League, wenn zum Beispiel die Partie Wolfsburg – Hertha schon zum Spitzenspiel wird, weil eben zwei der bisher drei Teams ohne Punktverlust aufeinandertreffen. Der Dritte im Bunde ist Bayern München und der hat Bayer Leverkusen zu Gast. Oft ein unangenehmer Gegner, aber jetzt? Leverkusen verpatzte den Start, hat null Punkte und das Problem, dass Trainer Heiko Herrlich schon in Frage gestellt wird. Ähnlich sieht es auf Schalke aus, zwei Niederlagen ließen die Stimmung in den Keller sinken. Was ist aus dem stolzen Vizemeister geworden? Erinnerungen an einen ähnlichen Absturz werden wach. Schalke liebt ja bekanntlich die Extreme. Kommt die Wende ausgerechnet in Gladbach (und dann kommen die Bayern!). Und auch in Stuttgart sehnt man sich nach einer Wende, die Euphorie war groß und dann zwei Niederlagen zum Start! Ausgerechnet beim Derby im Ländle, in Freiburg, soll das Ruder herumgerissen werden. Also: Die Vorzeichen sind gut, die Bundesliga ist interessant und liefert sicherlich den richtigen Start in den heißen Herbst.

Nations League: Sport mit Mehrwert oder Betrug an den Fans?

Vor sieben Tagen war an dieser Stelle von einer „Woche des Fußballs“ die Rede. Der Fußball hört aber nicht auf, sich international ins Gespräch zu bringen. In dieser Woche ist es die Premiere der neuen Nations League, eine Erfindung, um aus Testspielen einen Ernstfall zu machen und die Stadien zu füllen. Am Ende muss also die Frage beantwortet werden, ist die Nations League Sport mit Mehrwert oder nur Betrug an den Fans?

Sieht man sich die ganze Konstruktion an, so könnte die Nations League durchaus ihren Reiz haben, 55 Nationen sind in vier Leistungsklassen unterteilt, die ihren jeweiligen Sieger in vier Gruppen mit je drei oder vier Teams ausspielen. Die Gruppenspiele werden bis November absolviert, im Juni 2019 wird dann der Sieger der Nations League in einem Finalturnier der vier Gruppensieger der Liga A ausgespielt. Zudem soll ein Abstieg für Spannung sorgen, der Gruppenletzte muss in die nächst tiefere Liga zurück. Ein besonderer Anreiz wurde noch für die schwächeren Nationen geschaffen, denn vier Nationen können sich über die Nations League noch für die Europameisterschaft 2020 qualifizieren und zwar in einer Ausscheidung jeweils die Gruppensieger bzw. der Nächstplazierte der Gruppe, der sich nicht schon über die EM-Ausscheidung qualifiziert hat. Ein bisschen kompliziert, es werden aber quasi vier zusätzliche EM-Tickets verschenkt, mit einer Chance für die schwächeren Nationen (je ein Team aus Liga A, B, C und D).

Für Deutschland und die Fans hierzulande wird der Start besonders interessant, ist es doch das erste Auftreten der Nationalmannschaft nach der WM-Pleite in Russland mit dem ersten Fingerzeig, was Bundestrainer Joachim Löw in punkto Einstellung und Einsatz beim DFB-Team wirklich ändern kann. Selten wurde ein Länderspiel mit so viel Spannung erwartet, zumal ausgerechnet Deutschlands Weltmeister-Nachfolger Frankreich am Donnerstag, 6. September, in München der Gegner ist. Wie wird die Stimmung am Abend nach dem Spiel sein. Nationalspieler Thomas Müller bringt die zwei Möglichkeiten auf den Punkt: „Bei einem Sieg wäre es ein Riesenschritt in die richtige Richtung, dass wir die Pleite vom Sommer auswetzen, bei einer Niederlage wird die Diskussion weitergehen.“ Eins ist klar: Das DFB-Team befindet sich auf Wiedergutmachungskurs. Also Sport mit Mehrwert!

Dabei dürfen einige Entscheidungen von Jogi Löw mit besonderer Spannung erwartet werden. Wird er das System ändern? Wie will er die schnellen Stürmer des Weltmeisters stoppen? Mit einem 3-4-3 oder 4-2-3-1 oder 4-4-2? Wer wird den nach dem Erdogan-Skandal zurückgetretenen Mesut Özil ersetzen? Bekommt Thomas Müller eine neue Rolle in der Mitte, wo er sich am wohlsten fühlt und ersetzen ihn echte Flügelflitzer wie Brand oder Sané? Allerdings ist ein Schatten auf Löws Nominierung gefallen. Ausgerechnet Talent Leroy Sané kam negativ in die Schlagzeilen. Bei der WM verzichtete Löw auf ihn und unterschwellig drang durch, dass der Bundestrainer mit seiner Einstellung und Konzentration nicht zufrieden war. Jetzt setzte ihn auch sein Vereinstrainer Pep Guardiola bei Manchester City auf die Tribüne. Die englische Presse will wissen, dass dem Coach die Einstellung seines Juwels missfiel. Im Vorjahr war Sané in England bekanntlich das „Talent des Jahres“. Haben wir hier wieder einen jungen Mann, der sein Talent verschleudert?

Übrigens, zweiter Gruppengegner Deutschlands in der Nations League sind die Niederlande, die am 13. Oktober Gastgeber sind. Nach der WM-Pleite werden sogar Gedanken, dass ein Abstieg möglich wäre, laut. Auch hier also wird das erste Spiel gleich Wegweiser sein. Die öffentlichen-rechtlichen Sender ARD und ZDF haben sich die Austragungsrechte bis 2022 gesichert.

Deutschlands Termine in der Nations League: 6. September Deutschland – Frankreich, 13. Oktober Niederlande – Deutschland, 16. Oktober Frankreich – Deutschland, 19. November Deutschland – Niederlande.

Die weiteren Gruppen der Liga A:
2: Belgien, Schweiz, Island. 3: Portugal, Italien, Polen. 4: Spanien, England, Kroatien.

Das Freundschaftsländerspiel des DFB-Teams am Sonntag, 20.45 Uhr, in Sinsheim gegen Peru wird angesichts der Premiere der Nations League fast vergessen. Da wird der Unterschied deutlich werden, Stars werden fehlen, viele Wechsel werden den Spielfluss stören. Kein Wunder, dass die Zuschauer wegbleiben. Gegenmittel des DFB kann nur sein, die Eintrittspreise zu senken, im Vorfeld Show-Trainings anzubieten und auf diese vielen Wechsel zu verzichten. Bei nur zehn Minuten Einsatzzeit kann der Trainer kaum große Erkenntnisse erlangen. Tests müssen wohl sein, dann aber über die ganze Spielzeit und eben auch nur drei Wechsel wie bei Pflichtspielen. Außerdem wären familienfreundliche, frühere Anfangszeiten für die Kinder dazu angetan, die Stadien zu füllen. Der DFB muss auch hier lernen. Länderspiele dürfen kein Betrug an den Fans sein.

Die nationalen Ligen haben kaum begonnen und müssen schon wieder Pause machen. Der internationale Spielkalender will es so. Die Bundesliga hat gerade mal zwei Spieltage absolviert und es ist wie immer: Bayern München ist Tabellenführer. Aber es gibt nicht nur glückliche Gesichter wie vor allem In Wolfsburg und Berlin (als „Bayern-Verfolger“), sondern auch erste Sorgenfalten wie in Leverkusen, auf Schalke oder Leipzig. Während die „Bullen“ wohl vor allem ihrem internationalen Frühstart wohl Tribut zollen müssen, fliegen in Leverkusen und Gelsenkirchen die großen Pläne davon. Jetzt heißt es erst einmal, einen Fehlstart zu vermeiden, was bei den nächsten Gegnern nicht einfach wird: Leverkusen muss nach München, Schalke nach Gladbach.

Dabei gab es unter der Woche noch zufriedene Gesichter, machbare Gruppen nämlich in der Champions- und Europa League. Sowohl Schalke gegen Porto, Lok Moskau und Galatasary Istanbul, als auch Leverkusen gegen Rasgrad, FC Zürich und Larnaka hoffen auf ein Weiterkommen. Überhaupt haben die deutschen Mannschaften Gruppen ausgelost bekommen, die auf ein besseres Abschneiden als im letzten Jahr hoffen lassen. Die Bayern zum Beispiel haben keinen großen Brocken, sie sind gegen Benfica Lissabon, Ajax Amsterdam und AEK Athen klarer Favorit. Gefahr: Nur nicht überheblich werden.

Eine Art „Outing“ vollzog der große Star Cristiano Ronaldo, er blieb der Ehrung zu „Europas Fußballer des Jahres“ in Monte Carlo fern. Es war unter seiner Würde, mit dem zweiten Platz vorlieb zu nehmen hinter Sieger Luka Modric. Das sagt alles über das Selbstverständnis affektierten Dauersiegers, der ja gestand, am liebsten sich im Spiegel zu sehen. Als Zweiter schaut er da nicht mehr rein…

Die Zukunft von Jogi Löw: Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Es war die längste Pressekonferenz des Deutschen Fußball-Bundes aller Zeiten. Es war ja auch die größte Schmach des deutschen Fußballs aller Zeiten, die Pleite bei der WM in Russland. Also warteten alle in Deutschland, nicht nur die Fans, auf die Erklärungen von Bundestrainer Joachim Löw. DFB-Präsident Grindel hatte nach dem Bericht des Bundestrainers vor dem DFB-Präsidium gelobt, es sei eine umfassende und erstklassige Aufarbeitung der WM gewesen. Was Jogi Löw jetzt präsentierte, war nicht viel mehr, als jeder selbst in Russland gesehen hatte. Insofern fragt man sich, warum sich Jogi Löw nicht früher geäußert hatte. Diese Analyse hätte er auch innerhalb von 24 Stunden erstellen können.

Jeder hat es bei den Spielen gesehen: Deutschland hatte keine Begeisterung, das Spiel war zu langsam, die Abstimmung fehlte und die taktische Einstellung war oftmals falsch. Das Resultat dementsprechend erschütternd: Tabellenletzter in einer Gruppe mit Mexiko, Schweden und Südkorea. Angeblich eine eher leichte Gruppe. Immerhin wollte der Bundestrainer nichts beschönigen, er streute Asche auf sein Haupt und gestand, „wir waren teilweise zu arrogant, wir haben in der Summe versagt.“ Klar war auch, der Mannschaftsgeist, der vier Jahre zuvor in Brasilien den Titel gebracht hatte, war diesmal nicht vorhanden.

Jetzt geht es um die Zukunft. Jetzt muss Joachim Löw wirklich zeigen, was er kann, dass er den Schalter umlegen und die Spieler begeistern kann. Die kleinen Korrekturen rund um die Mannschaft, dass aus dem Co-Trainer Thomas Schneider jetzt der Chef der Scouts wird und dass der Betreuerstab verkleinert wird (einige wie Teamarzt Müller-Wohlfahrt scheiden sowieso aus Altersgründen aus) bringen noch keine gravierenden Verbesserungen oder einen Stimmungsumschwung. Der muss im Spiel kommen, der muss aus der Mannschaft kommen. Noch nie war der Spruch von Altmeister Otto Rehhagel wohl so treffend: Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Die Wahrheit zeigt sich am 6. September zum Start der Nations League gegen Weltmeister Frankreich. Tempo, Einsatz und Begeisterung müssen als Grundvoraussetzung zu sehen sein. Löw verspricht, in der Taktik künftig flexibler und variabler zu sein, das Risiko möchte er reduzieren. Damit auch das Risiko eines nahen Ende seiner Amtszeit reduziert wird.

Einen Umbruch im Team wird es allerdings nicht geben, kann es eigentlich auch gar nicht geben, denn neue Talente bieten sich kaum an. So sind 17 WM-Teilnehmer gegen Frankreich und am 9. September im Testspiel in Sinsheim gegen Peru wieder dabei. Einziges „Bauernopfer“ wurde Sami Khedira, aber er ist nicht ohne Zukunft. Die für die WM verschmähten Tah, Petersen und vor allem Flügelflitzer Leroy Sane sind wieder dabei, dazu die drei Neulinge Thilo Kehrer, Nico Schulz und Kai Havertz. Der Leverkusener könnte der Özil-Nachfolger werden.

Allerdings muss sich nicht nur auf dem Spielfeld einiges ändern, sondern auch einiges rund um die Mannschaft. Teammanager Oliver Bierhoff gestand zwar seine Fehler nicht so offen ein wie Jogi Löw, sondern schob viel auf andere ab, aber auch er gestand, verstanden zu haben: Der DFB will sich wieder um mehr Fan-Nähe bemühen, das heißt, wieder mehr öffentliche Trainingseinheiten, mehr Zeit für Autogramme oder Selfies. Was noch fehlt: Gerade für Testspiele muss der DFB moderatere Eintrittspreise anbieten, zumal in solchen Spielen selten die erste Garnitur zu sehen ist (sind eben Testspiele). Mal sehen, ob der DFB auch hier verstanden hat.

Deutlich wurde Jogi Löw auch in Sachen Mesut Özil, einst sein Lieblingsschüler. Auch ihm zeigte der in Wut zurückgetretene Spielmacher die kalte Schulter, auch für den Bundestrainer hieß es „kein Anschluss unter dieser Nummer“. Es wird immer deutlicher, dass sich der Deutsch-Türke von seinen Beratern und anderen Gestalten um ihn herum falsch steuern lässt, angeblich soll er sich für die EM-Bewerbung der Türkei für 2024 gegen Deutschland vereinnahmen lassen. Das würde dann das Bild abrunden.

Die Wahrheit liegt auf dem Platz, warten wir die Wahrheiten gegen Frankreich und Peru ab und die Vergabe der EM 2024 am 27. September. Danach wird es möglicherweise im DFB eine erneute Aufarbeitung geben.

Die weiteren Termine in diesem Jahr: 13. Oktober in Amsterdam Niederlande – Deutschland (Nations League), 16. 10. in Paris Frankreich – D (NL), 15. 11. in Leipzig Testspiel D – Russland, 19. 11. in Gelsenkirchen D – Niederlande (NL).