Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Die Bundesliga-Bilanz: Von Gewinnern und Verlierern

Die 56. Saison der Fußball-Bundesliga ist beendet. Fast könnte man sagen, sie endete wie zuletzt immer, nämlich mit dem Titelgewinn des FC Bayern München, dem 29. und zuletzt siebten in Folge. Aber es war in diesem Jahr doch einiges anders, zum Beispiel die Spannung bis zum Schluss. Die Fans waren die Gewinner, aber insgesamt muss man sich um die Zukunft schon Sorgen machen. Eine kleine Bilanz, wer waren die Gewinner und wer die Verlierer?

Die Gewinner der Saison 18/19

Natürlich muss man hier zuerst einmal den Meister nennen. Im Herbst sah es gar nicht nach einem Titelgewinn aus, Dortmund führte mit neun Punkten Vorsprung, die Bayern waren im Krisen-Modus. Doch der neue Trainer Niko Kovac meisterte die Situation, schließlich spielten die Bayern ihre beste Rückrunde aller Zeiten und so wurde am Ende der Trainer auch von den Fans gefeiert. Eine Aussage über seine gesicherte Zukunft (Vertrag bis 2021!) steht noch aus, doch Niko Kovac war am Ende ein Gewinner. Allerdings auch ein Verlierer durch das Hickhack in der Führungsetage um seine Person. Schafft nur ein Pokalsieg am Samstag gegen RB Leipzig und damit das Double die endgültige Klarheit? Gewinner im Verein waren natürlich am Ende auch Ribery und Robben mit einem glanzvollen Schlusspunkt ihrer Karriere bei den Bayern.

Eigentlich kann man bei den Gewinnern die Tabelle abarbeiten, aber nicht immer. Der Vizemeister sorgt für eine Lücke, aber Gewinner waren die nachfolgenden Teams, nämlich RB Leipzig (ein persönlicher Erfolg für Ralf Rangnick als Trainer-Statthalter), Bayer Leverkusen (die Wende kam durch Trainer Peter Bosz, beide Teams in der Champions League), danach natürlich auch Borussia Mönchengladbach (ein bisschen auch ein Verlierer, weil die Champions League durch eine Schwächeperiode am Ende verspielt wurde), vor allem der VfL Wolfsburg und Trainer Bruno Labbadia (von der Relegation in die Europa League) und Eintracht Frankfurter. Die Frankfurter starteten schlecht in die Saison, danach begeisterten sie vor allem in der Europa League, doch dann ging die Kraft aus. Mainz musste helfen, dass die Eintracht auf Platz 7 zumindest die Qualifikation für die EL schaffte. Also doch kein Scherbenhaufen. Trainer Adi Hütter und seine Truppe haben sich das verdient und durch diese „Hilfestellung“ wurde Mainz ebenfalls ein besonderer Gewinner.

Die Hoffnungen vor einer Saison sind ja sehr unterschiedlich, aber so können sich auch Werder Bremen, Fortuna Düsseldorf und der SC Freiburg zu den Gewinnern zählen. Die Bremer hatten zwar das Ziel Europa League ausgegeben, aber das sollte nur ein Hilfsmotor für eine gute Saison sein. Hat geklappt. Sie haben noch einen besonderen Gewinner, nämlich den „ewigen“ Claudio Pizarro. Der Peruaner wird immer beliebter. Die Fortuna als Neuling war fast so etwas wie die „Mannschaft der Saison“ und Trainer Friedhelm Funkel kann sich als „Trainer der Saison“ feiern lassen. Auch der SC Freiburg hat „gewonnen“, nämlich den sicheren Klassenerhalt trotz nachhaltiger Verletzungssorgen.

Die Verlierer der Saison 18/19

Der größte Verlierer war zweifellos Borussia Dortmund, das zwar mit der Vizemeisterschaft zufrieden sein kann, aber nicht, nachdem man einen Neun-Punkte-Vorsprung aus der Hand gegeben hat. So gab es vor allem Enttäuschung über Platz zwei und die Kampfansage für die nächste Saison gegenüber den Bayern. Gewinner könnte die Bundesliga sein. Dortmund will also nicht den Weg des letzten Vizemeisters gehen, nämlich dem von Ruhr-Pott-Rivalen Schalke 04. Vom Vizemeister zum Abstiegskandidaten der „Verlierer der Saison“. Enttäuschung auch in Hoffenheim. Die Champions League in Sichtweite, die Europa League fast sicher und doch am Ende nichts. Ein schwacher Abgang von Trainer Julian Nagelsmann, die große Trainer-Hoffnung wechselt mit ersten Kratzern am guten Ruf nach Leipzig. Sage und schreibe 26 Punkte verschenkte Hoffenheim nach einer Führung! Ein eher trauriger Abgang auch für Coach Pal Dardai in Berlin, wieder knickte die Hertha in der Rückrunde ein, die alte Dame schafft keine ganze Saison. So muss der Trainer jetzt gehen.

Am Tabellenende waren alle Mannschaften eine einzige Enttäuschung. Noch nie war das Tabellenende so schlecht, Nürnberg (18 Punkte) und Hannover (21) haben den Abstieg wahrlich verdient, Stuttgart mit nur 28 Zählern in der Relegation (aber Favorit gegen Union Berlin) – das sagt alles. Und so haben sich der FC Augsburg (eine Blamage das 1:8 in Wolfsburg, die Mannschaft fällt wohl auseinander) und Schalke 04 nur den Klassenerhalt geholt, weil die Konkurrenz dahinter noch schlechter war. Das spricht nicht für die Qualität der Bundesliga. Was zu denken gibt: Die Aufsteiger machen nicht mehr Hoffnung!

Natürlich darf man dem 1. FC Köln und SC Paderborn zum Aufstieg gratulieren, aber beiden steht eine harte Saison bevor. Vor allem die Paderborner wissen wohl gar nicht, wie ihnen geschehen ist. Die Konkurrenz machte bereitwillig den Weg nach oben frei, vor allem der krisengeschüttelte Hamburger SV, der sich als zu dumm für den Wiederaufstieg zeigte. Wie schwer es für Paderborn in der obersten Etage wird, zeigt schon die 1:3-Niederlage in Dresden. Typisch, den Aufstieg mit einer Niederlage geschafft! Da sind sogar die Fans skeptisch, Fan Wolfgang sagt zum Beispiel: „Die haben da oben nichts verloren“. Aber gefeiert werden darf natürlich trotzdem, schließlich gelang ein Durchmarsch von der 3. Liga bis ganz nach oben.

Verlierer der Saison waren auch die Trainer, die reihenweise ihren Hut nehmen mussten. Die Klub-Vorstände werden immer nervöser, immer ungeduldiger, das Wort vom „Schmerzensgeld“, das die Trainer erhalten statt Gehalt, macht wieder die Runde. Noch ärgerlicher die ewigen Diskussionen über die Handspiele, noch nie gab es so viele Handelfmeter, noch nie waren diese Entscheidungen so umstritten, obwohl die Schiedsrichter generell gar keinen so schlechten Job gemacht haben. Der Videobeweis hat für ein Stück Gerechtigkeit gesorgt, aber auch ein Stück die Emotionen geklaut. Auch hier also ein Gewinner und Verlierer.

Die Bundesliga ist zu Ende, aber die Saison noch lange nicht. National steht das Pokal-Finale an, in dem Trainer Niko Kovac diesmal mit den Bayern seinen Titel verteidigen kann. Er gewann bekanntlich vor einem Jahr mit Eintracht Frankfurt gegen seinen neuen Klub. Gegner ist diesmal der aufstrebende RB Leipzig, der langfristig zusammen mit Dortmund den Bayern die Hölle heiß machen will. Den „ewigen Meister“ Bayern soll es nicht geben. Die internationalen Endspiele in Europa League und Champions League gehen bekanntlich ohne die Bundesliga über die Bühne, da fehlt also die Reputation. Dazu gibt es viele Relegationen, wobei es stillos von der DFL ist, dass die Bundesliga-Relegation im Pay-TV verschwindet.

Danach stehen noch Länderspiele an und vor allem die Wechselgerüchte werden die Fußball-Fans in den nächsten Wochen im Bann halten (neueste Meldungen: Verlässt Mbappe Paris? Wen kauft Real Madrid? Landet Leroy Sane bei den Bayern?). Sicher ist, es wird nicht langweilig, der Fußball bleibt im Gespräch und der Sport-Grantler ist natürlich dabei.

Werbeanzeigen

Glorreichen Frankfurtern droht der Scherbenhaufen

Der Fußball kann grausam sein. Das muss in diesen Tagen Eintracht Frankfurt erkennen. Die Hessen lieferten bisher eine hervorragende Saison ab und begeisterten in der Europa League ganz Deutschland. Jetzt aber droht ein Scherbenhaufen. Am Ende stehen die glorreichen Frankfurter vielleicht mit leeren Händen da. Und mehr noch, auch die Mannschaft könnte am Ende eher einem Scherbenhaufen gleichen.

Trainer Adi Hütter und seine Schützlinge übertrafen bei weitem die Erwartungen – bisher. Seit dem 27. Spieltag lag die Eintracht in der Bundesliga auf Platz vier und träumte von der Champions League, nach dem 0:2 gegen Mainz folgte der Sturz auf Rang sechs und am Schluss könnte es Rang acht sein – und der Abschied von Europa. Die kräftezehrende Saison zeigt Wirkung. Verletzungen wichtiger Spieler (zuletzt Haller und Rode) als Folge der Hetzjagd. So hinterließ das Duell mit Chelsea London vom Donnerstag Spuren, in 120 Minuten ließen die Spieler viel Kraft, die Niederlage im Elfmeterschießen beschäftigt den Kopf. Und nun soll die Eintracht das Zünglein an der Waage ausgerechnet bei Titelverteidiger Bayern München sein. Rafft sich die Mannschaft noch einmal auf? Und was ist mit den Stars Jovic und Rebic? Beide stehen vor dem Abschied, letzterer könnte sogar bei den Bayern landen. Und der Eintracht fehlen Stürmer.

Der Fußball kann grausam sein, das erlebte Dortmunds früherer Trainer Jürgen Klopp gerade in der Premier League. 97 Punkte und nur eine Niederlage – und dennoch nur Vizemeister, wenn auch der beste aller Zeiten. Doch das ist kein Trost, wenn die Fans nach dem ersten Titel seit 1990 lechzen. Den holte Pep Guardiola mit Manchester City. Erstmals seit 2009 verteidigte ein Team seinen Titel erfolgreich, das englische Triple ist noch möglich, aber das Aus in der Champions League war die riesige Enttäuschung. Jürgen Klopp kann sich noch ein großes Trostpflaster holen: Den Gewinn der Champions League im Finale gegen Tottenham und den ersten Pokalgewinn und damit die Krönung seiner erfolgreichen Zeit in Liverpool. Die Fans lieben Klopp, den nächsten Angriff auf die Meisterschaft kündigt er für das nächste Jahr schon an: „Wir werden noch besser werden.“

Genauso spannend ist die Bundesliga. Erstmals seit 2009 fällt die Entscheidung um die Meisterschaft erst am letzten Spieltag. Die Ausgangslage ist einfach, die Bayern brauchen bei zwei Punkten Vorsprung vor Borussia Dortmund nur noch einen Zähler, entweder sie holen ihn gegen Frankfurt oder Dortmund verliert ihn bei Borussia Mönchengladbach. Die Spannung ist nicht zu überbieten, weil beide Gegner selbst Punkte benötigen, um den Traum Champions League zu erfüllen. Verschenkt wird also nichts. Die Psycho-Spielchen haben begonnen, „die Bayern können nur verlieren, wir alles gewinnen“, machte Dortmunds Boss Watzke deutlich, quasi ein Hinweis auf die Erwartungshaltung. Aber klar ist auch, das bessere Nervenkostüm darf man von den erfahrenen Bayern erwarten…

Eine besondere Konstellation ergibt sich noch für Bayern-Trainer Niko Kovac, der ausgerechnet seinen alten Verein, mit dem er vor einem Jahr als Pokalsieger den größten Erfolg errang, wieder ins Niemandsland schicken kann. Kovac kämpft aber auch um seine eigene Zukunft bei den Bayern. Die Krise vom Herbst wirkt noch nach, nicht jeder traut ihm den Aufbau der neuen Mannschaft zu, obwohl der Trainer schon in diesem Jahr einen Teil des Umbruchs erfolgreich gemeistert hat. Gnabry und Coman haben die verletzungsanfälligen Ribery und Robben vergessen lassen, die Altstars werden Abschied nehmen. Vielleicht einer von ihnen mit dem „goldenen Schuss“? Kovac muss liefern, die Meisterschaft könnte den Job retten, das Double mit dem Pokalsieg die Woche darauf würde gute Laune verbreiten. Die Generalprobe beim 0:0 in Leipzig verlief positiv, was die Leistung angeht, der Sieg zum Titel fehlte allerdings. Der Balkon am Marienplatz ist reserviert.

Dortmund muss auf einen Ausrutscher des Konkurrenten warten. Dortmund ist in der Situation wie Liverpool, wie der frühere Trainer Jürgen Klopp. Bayern ist City, Kovac will die Rolle von Pep Guardiola spielen, in der Trainer-Philosophie ist er allerdings fast das Gegenteil.

Tränen der Freude und der Trauer begleiten das Saison-Finale. Der 1. FC Nürnberg und Hannover 96 stehen als verdiente Absteiger fest, noch nie war das Niveau am Tabellenende so schlecht. Der VfB Stuttgart rettete sich in die Relegation und wartet auf seinen Gegner, er heißt SC Paderborn oder Union Berlin. Gewinnt Paderborn in Dresden, so machen die Westfalen ein doppeltes Wunder perfekt. In einem Durchmarsch von der Bundesliga bis in die 3. Liga und jetzt das Ganze wieder zurück. Verrücktheit gehört auch zum Fußball. Union muss in Bochum ran und muss auf Dresden hoffen. Der 1. FC Köln feierte im Mai Karneval, ist zurück in der Bundesliga, ein verdienter Wiederaufstieg. Der Hamburger SV hat dagegen die nächste Saison in den Sand gesetzt. Auch mit neuem Personal in der Führung gelang die Wende nicht, wohl deshalb, weil auf dem Spielfeld mehrheitlich das alte, untaugliche Personal stand. Es wird Zeit für einen kompletten Neuanfang!

Eine kleine Meldung am Rande: Die Bayern haben schon einen Titel, die zweite Mannschaft wurde Meister in der Regionalliga Bayern, hat aber damit den Aufstieg in die 3. Liga noch nicht geschafft. Da will der Verein schon lange hin, weil die 3. Liga als besserer Unterbau für die Bundesliga gesehen wird, die jungen Spieler mehr gefordert werden. Im Weg steht eine andere zweite Mannschaft, die des VfL Wolfsburg. Fest steht damit, dass es in der 3. Liga wieder eine zweite Mannschaft eines Bundesligisten geben wird. Die Konkurrenz ist darüber gar nicht so glücklich, weil diese Teams bei ihren Gastspielen kaum Fans mitbringen.

In der 3. Liga stehen der VfL Osnabrück und Karlsruher SC als Rückkehrer in die 2. Bundesliga fest, dort werden sie die Plätze der Absteiger MSV Duisburg und 1. FC Magdeburg einnehmen.

Kann Deutschland Eishockey-Weltmeister werden?

Leon Draisaitl hat auf die Frage eine eindeutige Antwort: „Natürlich, wer zur Weltmeisterschaft fährt, will auch Weltmeister werden.“ Der neue deutsche Eishockey-Star blendet dabei die Realität nicht aus, sondern will nur die ganze Bandbreite der Möglichkeiten aufzeigen, nach dem Motto, wer bei Olympia die Silbermedaille gewann, kann auch Weltmeister werden. Doch von Silber bei Olympia zu Gold bei einer WM ist es mehr als nur ein Schritt. Die beiden Turniere sind nicht zu vergleichen.

Deutschland reist als Achter der Weltrangliste zur Weltmeisterschaft in der Slowakei, die am Freitag beginnt und am 26. Mai endet. Der achte Platz, sprich der Sprung ins Viertelfinale, ist auch das erste Ziel, denn das würde die direkte Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking bedeuten. Im Wege stehen in der Gruppe A Kanada (1. der Weltrangliste), die USA (4.), Finnland (5.), Gastgeber Slowakei (10.), Dänemark (12.), Frankreich (13.) und Neuling Großbritannien (22.), der erste (Aufbau-)Gegner am Samstag. Bei den Platzierungen wird deutlich, dass es vor allem gegen die Slowakei und Dänemark um Rang vier in der Vorrunde geht. Die „Großen“ Kanada, Finnland und die USA vertrauen vielfach auf NHL-Stars und schon das letzte Testspiel am Dienstag gegen die USA (2:5) zeigte, dass die Trauben hoch hängen.

Die NHL ist das Zauberwort bei einer Weltmeisterschaft, bekanntlich fehlten die Stars bei Olympia. In der Slowakei sind viele Größen dabei, so auch Russlands Top-Star Alexander Owetschkin (Washington) oder eben Leon Draisaitl. Der 23-Jährige mutierte ebenfalls zu einem Top-Star der NHL, erzielte 50 Tore für die Edmonton Oilers und gab 55 Vorlagen zu Toren und war damit zweitbester Torschütze und vierbester Vorlagengeber der Saison. Das hat noch kein deutscher Spieler geschafft. Dennoch waren die Oilers, die einst mit Superstar Wayne Gretzky den Stanley-Cup gewannen, eines der schlechtesten Teams der NHL, obwohl Draisaitl mit Kapitän Connor McDavid noch einen kongenialen Partner an seiner Seite hatte. Ähnliches könnte ihm im Nationalteam widerfahren, dass er glänzt, aber der Erfolg ausbleibt.

Oder führt er Deutschland zum Erfolg? Zwölf deutsche Spieler waren zu Saisonbeginn in der NHL dabei, gerade drei konnte der neue Bundestrainer Toni Söderholm im Team begrüßen. Neben Draisaitl sollen Verteidiger Korbinian Holzer (Anaheim Ducks) und Dominik Karhun (Chicago Blackhawks) für Stabilität sorgen. Die Hoffnungen ruhen noch darauf, dass Torhüter Philipp Grubauer nachkommt, der dann aber mit Colorado in den Play-Offs ausscheiden müsste. Im Vorjahr gewann Grubauer mit Washington als vierter deutscher Spieler den Stanley-Cup (nach Uwe Krupp 1996 und 2002, Dennis Seidenberg 2011 sowie Tom Kühnhackl 2016 und 2017). Kühnhackl sagt übrigens verletzt ab.

Der eher unbekannte Söderholm tritt ein schweres Erbe an, denn Vorgänger Marco Sturm begeisterte Spieler und Fans mit seiner offenen Art und Erfolgen, wie eben Silber bei Olympia. Der Kater kam schon bei der folgenden WM mit Platz elf. Die Jahre davor waren es Rang acht und sieben, das lässt also hoffen. Der 40-Jährige Finne kommt offensichtlich bei der Mannschaft gut an, so dass Tiefpunkte wie in den Jahren 2012 bis 2016 nicht zu befürchten sind, als Deutschland unter „ferner spielten“ abschnitt.

Mit einer Weltmeisterschaft ist für das deutsche Eishockey die Hoffnung verbunden, endlich in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen zu werden, zum Beispiel durch Übertragungen im Free TV (Sport1). In der Entwicklung kommt der DEB aber nicht wirklich voran, obwohl von Präsident Franz Reindl oft große Sprüche und Hoffnungen zu vernehmen sind. In der Nachwuchsarbeit hakt es nach wie vor, Leon Draisaitl und der neue Kapitän Moritz Müller (Köln) fordern unisono, dass junge deutsche Spieler mehr Chancen in den Vereinen bekommen müssten. In der DEL dominieren die Ausländer, so dass Erfolge wie die Finalteilnahme der Red Bulls aus München in der Champions League Augenwischerei sind.

Aber woher kommen die vergleichsweise vielen Deutschen in der NHL? Deutsche Talente sind heute eher offen für eine Lebensveränderung als frühere Generationen von Erich Kühnhackl bis Udo Kießling oder Dieter Hegen. So ist auch hier Leon Draisaitl ein Beispiel. In jungen Jahren zog es ihn nach Kanada, dort wurde aus dem Talent ein Star. Ab 2012 spielte er im Juniorenteam der Prince Albert Raiders, zwei Jahre später wechselte er in die NHL nach Edmonton. Die beste Schule für künftige Eishockey-Cracks liegt also in Übersee und nicht in Deutschland. Folgen viele diesem Weg, kann Deutschland auch mal Eishockey-Weltmeister werden. Der DEB würde feiern, ändern bzw. bessern würde sich hierzulande aber nichts.

An jedem Spieltag wird jetzt gefeiert

Die Fußball-Saison geht ihrem Ende entgegen. Das macht die Fans zum Teil traurig, andererseits haben die letzten Spieltagen einen besonderen Reiz: An jedem Spieltag wird jetzt gefeiert! In Europas Ligen stehen einige Meister bereits fest, in der Bundesliga feierten der SC Freiburg, FC Augsburg und Schalke 04 den Klassenerhalt. Das Bangen und Zittern über viele Wochen hinweg hat ein glückliches Ende gefunden.

Und so fallen jetzt an jedem Spieltag Entscheidungen, allerdings nicht nur gute. Logisch, ein Abstieg stürzt die Vereine in ein finsteres Loch, manche finden daraus nicht mehr den Weg zurück ans Licht und an die Geldtöpfe der Bundesliga. Oft sind solche Abstürze allerdings durch schlechtes Management auch selbst gemacht. Hier steht der HSV als Beispiel, der eigentlich in einer Stadt wie Hamburg beste Voraussetzungen hat, aber durch jahrelange Misswirtschaft den Abstieg zu verantworten hatte und nun dabei ist, den möglichen sofortigen Wiederaufstieg zu verpassen. Ist es mutig, dass der HSV-Vorstand an Trainer Hannes Wolf festhält oder ist es nach einer Misserfolgsserie nicht eher fahrlässig? Das Spiel beim Überraschungszweiten Paderborn wird es zeigen. Der Fußball ist unberechenbar, da der Neuling, der nie mit einem Durchmarsch gerechnet hatte, dort der Altmeister, für den es nichts als den Aufstieg gab, der aber vor dem Scheitern steht. Wo wird am Schluss gefeiert?

In der Bundesliga werden wohl Hannover 96 und der 1. FC Nürnberg in diesem Jahr den Weg des HSV in die zweite Liga gehen. Sechs bzw. fünf Punkte Rückstand sind es auf den VfB Stuttgart, der sich fast schon auf die Relegationsspiele konzentrieren kann. Wie soll eine Mannschaft, die in 34 Spielen nur vier bzw. dreimal gewann, plötzlich zwei Spiele in Serie gewinnen? Möglich, aber unwahrscheinlich. Im Tabellenkeller waren die Leistungen in diesem Jahr katastrophal. Vor der Saison haben die Abstiegskandidaten meist das Ziel 40 Punkte zu erreichen, künftig sollten sie das Ziel auf 35 reduzieren, damit wäre man derzeit 13.! Schalke hat mit 31 Zählern den Klassenerhalt schon sicher. Das sagt alles. Bedenklich: Die Aufstiegskandidaten aus der 2. Bundesliga zeigen sich eigentlich außer Köln allesamt (Paderborn, HSV; Union Berlin, Heidenheim, St. Pauli) nicht als tauglich für das Oberhaus.

Überhaupt waren die Leistungen in dieser Saison überschaubar. Richtig guten Fußball bekamen die Fans nur selten geboten, teilweise zauberten Dortmund, Gladbach, Leverkusen oder Leipzig, aber niemand war konstant genug. Beispiel Dortmund, dass mit jugendlichem Elan begeisterte, aber als es ernst wurde, da flatterten die Nerven. So wird wohl der FC Bayern München wieder Meister, der selten begeisterte, sich aber auf solide Wertarbeit verlegte (Kovac-Schule) und nach seiner Krise im Herbst die Konkurrenz wohl einschüchterte. Dortmund verlor in der Rückrunde zehn Punkte auf die Bayern.

Nicht Dortmund, sondern der RB Leipzig wird zum Saisonschluss zum großen Konkurrenten der Bayern. Am Samstag geht es in Leipzig um die Meisterschaft, den Bayern reicht angesichts der weitaus besseren Tordifferenz ein Unentschieden, um den Meistertitel unter Dach und Fach zu bringen. Am 25. Mai geht es dann im Pokalfinale um das Double. Dass die Bayern die Vorlage der Borussia mit dem 2:2 in Bremen nicht nutzen, ist kaum vorstellbar. Dann können auch die Stars Arjen Robben und Franck Ribery zu ihrem Abschied gebührend gefeiert werden. So eine Feier kann man sich nicht nehmen lassen.

Eintracht Frankfurt könnte am Schlusstag noch der Spielverderber sein, wenn die Bayern in Leipzig verlieren. Doch die Helden auf Europas Bühnen kommen buchstäblich auf dem Zahnfleisch daher, sie könnten am Ende einer begeisternden Saison sogar noch mit leeren Händen dastehen. Kein Finale in der Europa League, kein Platz in der Champions League, vielleicht nicht einmal ein Platz für Europa. Wie Donnerhall kam Leverkusen über die Frankfurter mit dem Rekord von 6:1 zur Halbzeit. Das kann Spuren hinterlassen und gibt den Verfolgern Leverkusen, Gladbach (da fehlt derzeit aber auch die Form), Wolfsburg und Hoffenheim Auftrieb. Am Schluss können vier Klubs feiern, einer wird der Dumme sein.

Dumm ausgeschaut haben wieder einmal die Schiedsrichter in punkto Entscheidungen über ein Handspiel. Auf dem Feld und im Kölner Keller beim Videobeweis gab es nur Fehler. Keiner weiß mehr, wie entschieden wird, bei den Schiedsrichtern passt ein Filmtitel: Denn sie wissen nicht, was sie tun!

Meisterschaften werden gefeiert

In anderen Ligen Europas werden die Meisterschaften bereits gefeiert. Vorzeitig waren bereits Paris St. Germain in Frankreich, Juventus Turin in Italien, der FC Barcelona in Spanien und RB Salzburg in Österreich am Ziel. Nachgezogen haben jetzt unter anderem Zenit St. Petersburg in Russland und Celtic Glasgow in Schottland (50. Titel). Die Salzburger schafften mit dem Pokalsieg das Double und hoffen auf die Champions League. Ajax Amsterdam zeigte sich erneut als „Mannschaft der Stunde“ und holte mit dem Pokal in den Niederlanden den ersten von drei möglichen Titeln. Das Triple hat auch der FC Barcelona noch im Visier.

So wird in dieser Woche in der Champions League auch gefeiert oder getrauert. Nach den Hinspielen heißt es Vorteil Ajax (1:0 gegen Tottenham) und Barcelona (3:0 gegen Liverpool, wo Lionel Messi wieder einmal eine überragende Partie bot und bewies, er ist derzeit wieder der beste Fußballer der Welt). In der Europa League wird es für Eintracht Frankfurt schwer, das Finale zu erreichen, das 1:1 gegen Chelsea London machte für das Rückspiel nicht unbedingt Mut.

Gefeiert wurde die Meisterschaft auch bei den Frauen. Der VfL Wolfsburg ist endgültig am Ziel, ein mageres 1:0 in Hoffenheim bedeutete den fünften Titel. Nach dem Pokalsieg gegen Freiburg war es das dritte Double in Folge, deutliches Zeichen einer großen Dominanz. Wolfsburg verlor nur ein Spiel, nämlich beim Zweiten Bayern München. Dort steht ein gewaltiger Umbruch an, das Trainerteam um Thomas Wörle geht und gleichzeitig verlassen neun (!) Spielerinnen den Verein. Kapitänin Melanie Behringer beendet ihre Karriere, zu neuen Zielen brechen Gina Lewandowski (USA), Sara Däbritz (Paris), Manuela Zinsberger, Leonie Maier, Lucie Vonkova, Jill Roord, Fridolina Rölfö und Anna Gerhardt auf. Da wartet auf den neuen Trainer Jens Scheuer (bisher Freiburg) viel Arbeit.

Lesen Sie dazu ergänzend auch den nächsten Kommentar „Frauen-Fußball schafft den Durchbruch nicht“.

Frauen-Fußball schafft den Durchbruch nicht

Seit Jahrzehnten haben sich die Frauen im Fußball etabliert, seit Jahren ist die Nationalmannschaft international erfolgreich und kam mit vielen Titeln nach Hause, aber den endgültigen Durchbruch in punkto Anerkennung in der Öffentlichkeit hat der Frauen-Fußball bis heute nicht geschafft. Wenn es in Deutschland heißt, es gibt im Sport nur „Fußball, Fußball, Fußball“, dann ist dies auf die Männer gemünzt, die Frauen gehören mit der Bundesliga zu den Randsportarten.

Das Pokalfinale in Köln machte wieder deutlich, unter welchen Problemen der Frauen-Fußball unter anderem leidet. Natürlich an der allgemeinen Akzeptanz, mehr als kleine Notizen sind in den großen Medien nicht drin. Aber es fehlt auch der große Wettbewerb, die Bundesliga leidet unter der Dominanz von einzelnen Mannschaften. Waren es früher der 1. FFC Frankfurt und Turbine Potsdam, die zwischen 2001 und 2012 die Titelvergabe unter sich ausmachten, so dominiert seit 2013 der VfL Wolfsburg, der nur 2015 und 2016 Bayern München den Vortritt ließ und in diesem Jahr seinen fünften Titel gewinnen wird. Im Pokal sind die „Wölfinnen“ noch erfolgreicher, mit sechs Siegen, davon fünf zuletzt in Folge. In der Bundesliga blieben sie in den ersten sieben Spielen ohne Gegentor und schlugen dabei am 3. Spieltag den größten Widersacher Bayern mit 6:0! Eigentlich war da die Meisterschaft schon entschieden.

In Köln sahen nun rund 17.000 Zuschauer im Pokalfinale den 1:0-Sieg von Wolfsburg über den SC Freiburg, der sich tapfer schlug. Die Frauen sind mit dem eigenen Finale sehr zufrieden, sind nicht mehr Anhängsel des Männer-Finals, als sie in Berlin quasi das Vorspiel absolvierten. Aber mehr Besucher dürften es schon sein, zuletzt hatten Zuschauerrekorde im Ausland für Aufsehen gesorgt. 25.000 waren es im französischen Duell Lyon – Paris, 39.000 im italienischen Prestigeduell Juventus Turin – Florenz und gar 66.000 interessierten sich in Spanien für das Schlagerspiel Atletico Madrid – FC Barcelona. Nicht nur deshalb betont wohl der Barca-Präsident „Frauen-Fußball ist im Kommen“. Auch in Deutschland?

In Deutschland würde man sich wünschen, dass es zumindest die Bayern schaffen, den Wolfsburgerinnen mehr Paroli zu bieten, die anderen Vereine leiden unter der Finanzkraft der Großen, so dass auch Potsdam, Frankfurt Freiburg und Essen nur ab und zu Überraschungen zu Wege bringen. Die Bayern hoffen auf den neuen Trainer Jens Scheuer, der in Freiburg beeindruckte und neuen Schwung bringen soll. Allerdings fehlt den Münchnern ein Stürmerstar wie es Wolfsburg mit Europas Fußballerin des Jahres Pernille Harder hat oder ein Abwehr-Ass wie Schwedens Star Nilla Fischer. Eine Schwächung wäre es, wenn die wohl beste Spielerin dieses Jahres, Sara Däbritz, nach Paris wechseln würde. Ersatz für die Torjägerin Vivianne Miedema aus den Niederlanden haben die Bayern-Mädchen nicht gefunden. Miedema wechselte zu Arsenal und wurde in England gerade zur „Spielerin des Jahres“ gekürt.

Dies zeigt aber auch das Dilemma des deutschen Frauen-Fußballs, weil (siehe Barcelona) einige große Vereine im Ausland aufrüsten. Olympique Lyon gewann die letzten drei Jahre die Champions League und wird es wohl auch dieses Jahr wieder tun. Seit 2015 stand mit Paris St. Germain und Lyon immer eine französische Mannschaft im Finale, So lange sind auch die deutschen Siege durch Wolfsburg und Frankfurt her. Aber Frankreichs Konkurrenz sitzt vielleicht nicht mehr nur in Deutschland, sondern in Spanien, wo eben Atletico Madrid und der FC Barcelona (der Bayern ausschaltete) vermehrt Anstrengungen unternehmen (nicht Real Madrid!!), in England mit Chelsea und Arsenal London und in Italien mit Juventus Turin. Da müssen sich die deutschen Mannschaften strecken.

So baut der Frauen-Fußball hierzulande auch weiterhin vor allem auf die Nationalmannschaft, die allerdings wie die Männer beim letzten Turnier leider enttäuscht hat. Bei der Weltmeisterschaft vom 7. Juni bis 7. Juli in Frankreich soll es unter der neuen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg besser laufen. Nur mit einer erfolgreichen Nationalmannschaft kann die Frauen-Bundesliga überhaupt den Durchbruch schaffen.

Warum es am Saison-Ende drunter und drüber geht

Der 31. Spieltag der Fußball-Bundesliga war alles andere als normal. In fast allen Begegnungen gab es Überraschungen, an der Spitze natürlich der Triumph von Schalke 04 im Ruhrpott-Derby in Dortmund. 42 Punkte Unterschied waren es vorher, das 2:4 entsprechend ein passendes Ergebnis. Warum aber geht es zum Saison-Ende hin in den Ligen drunter und drüber? Ein Versuch der Ursachenforschung.

Es gibt sicherlich vielerlei Gründe dafür, dass die Papierform nur noch etwas für den Papierkorb ist. In erster Linie spielen bei vielen die Nerven nicht mit, wenn es wirklich dramatisch wird. Unter der Saison bleiben Funktionäre, Trainer und Spieler gelassen mit der Aussicht auf Besserung und dem Hinweis, „es sind ja noch so und so viele Spiele“. Doch plötzlich werden die Spiele für die Umkehr immer weniger, die Nervosität steigt, Trainer müssen gehen, Spieler werden verbannt, das Glück herbeigesehnt. Jetzt sind es in der Bundesliga nur noch drei Spieltage, an jedem kann es Entscheidungen über Meisterschaft, Europaplätze und Abstieg geben. Ein Fall für starke Nerven also.

Am Saison-Ende hin spielen aber auch verstärkt Faktoren eine Rolle, die Mitte der Spielzeit noch nicht relevant sind. Vereinswechsel zum Beispiel, da beschäftigt sich der Kopf plötzlich mit anderen Sachen. Bei gefährdeten Mannschaften gibt es oft aber auch ein letztes Aufbäumen, plötzlich werden Kräfte freigelegt, die schon verschüttet waren. Die Folge sind überraschende Ergebnisse, wie der Sieg von Schalke in Dortmund oder das 1:1 von Nürnberg gegen die Bayern. Andere wiederum haken die Saison vielleicht frühzeitig ab, weil entweder der Klassenerhalt überraschend geschafft ist oder Ziele nach oben nicht mehr erreichbar sind. Ein Beispiel ist die Niederlage von Mainz in Hannover, die Rheinhessen feierten vorher den frühzeitigen Klassenerhalt, da lässt die Konzentration nach. Ein Gegenbeispiel ist aber auch Fortuna Düsseldorf, der Neuling spielt befreit auf, weil unerwartet erfolgreich ist. Beim 4:1 gegen Bremen traf die Fortuna auf einen Gegner, der von einer ereignisreichen Woche geschafft war, zweimal unglücklich gegen die Bayern verloren, die Erfolgsserie von zwölf Spielen ohne Niederlage beendet und jetzt gleich drei auf einmal. Da spielte psychische und physische Müdigkeit eine Rolle. Müde sind wohl auch die Cracks der Frankfurter Eintracht, ihr Erfolgsweg in der Bundesliga und in der Europa League kostete viel Kraft. Zu viel für den Saison-Endspurt? Gibt es auf der Zielgeraden noch ein bitteres Erwachen? Auch darum geht es am Saison-Ende drunter und drüber!

Trainer Favre verliert die Nerven

Starke Nerven sind vor allem in einem engen Titelkampf nötig. Die scheint Dortmunds Trainer Lucien Favre nicht zu haben. Er wirkt unsicher, angreifbar und gereizt, nur so ist auch seine Schimpfkanonade nach dem 2:4 gegen Schalke über den umstrittenen Handelfmeter zu werten. Er steigerte sich in seinem Zorn bis zum „größten Skandal in der Fußball-Geschichte“ und sah die Entscheidung im Kampf um die Meisterschaft gefallen. Da bekam er sogar von seinen Bossen Gegenwind und selbst die Bayern führten ihm vor, dass er zu voreilig war. Weniger ging Favre darauf ein, dass auch seine Spieler schwache Nerven zeigten und überambitioniert waren, wie die berechtigten Roten Karten für Reus und Wolf zeigten. Eine Schwächung für die Borussia im nächsten Spiel bei den gebeutelten Bremern, die wohl wie Schalke um ihre letzte Chance kämpfen. Da dürften es die Bayern gegen Hannover leichter haben, aber Abstiegskandidaten sind nicht zu unterschätzen, siehe Nürnberg.

Was den Bayern derzeit fehlt, sind in der Bundesliga die Tore von Robert Lewandowski, der gerade Ladehemmung hat (außer beim Elfmeter in Bremen). Das Bayern-Dusel ist ihnen treu, will aber auch nicht übertreiben. In Bremen ein umstrittener Handelfmeter, in Nürnberg ein gegnerischer Elfmeter in der Nachspielzeit an den Pfosten, zuvor ein Glückstor von Gnabry zum Ausgleich, das wohl weniger dem Können zugerechnet werden kann. Dann aber sagte das Dusel Schluss und Coman nahm in der Schlussminute das Geschenk für einen möglichen Siegtreffer nicht an. Es ging am Ende wirklich drunter und drüber. Allerdings hat sich Bayerns Ausgangsposition dennoch entscheidend verbessert: Nicht mehr drei Spiele und drei Siege, sondern zwei Siege und ein Unentschieden (in Leipzig?) sind notwendig zum Titelgewinn – wenn Dortmund nicht wieder strauchelt.

Drunter und drüber geht es auch im Abstiegskampf. Aufstand am Tabellenende, 1:0-Siege weckten in Hannover und Stuttgart die Lebensgeister und Hoffnungen. Das Motto heißt „rette sich wer kann!“, das gilt vor allem für Schalke und Augsburg, die der VfB noch in die Relegation schicken will (direkt absteigen können sie nicht mehr). Welch ein Terminplan: Die beiden Klubs treffen am Sonntag auf Schalke aufeinander und der Sieger ist auf jeden Fall gerettet. Der VfB aber kämpft um eine weitere Chance in Berlin. Drunter und drüber geht es auch im Kampf um die Plätze für Europa, wobei das Angebot ja vergrößert wurde, da die Pokalfinalisten München und Leipzig in die Champions League einziehen. So darf der Bundesliga-Siebte die EL-Qualifikation bestreiten. Frankfurt, Gladbach, Leverkusen und Hoffenheim kämpfen aber um die vierten Platz für die Champions League. Den besten Lauf hat derzeit Leverkusen.

Vorgezogenes Finale in der Champions League

Apropos Champions League, die steht in dieser Woche wieder im Mittelpunkt, auch hier sind wir auf der Zielgeraden. Dabei wird das eigentliche Finale vorweggenommen, denn im Duell FC Barcelona – FC Liverpool treffen am Mittwoch die beiden großen Favoriten aufeinander. Aber auch in der CL geht es zuweilen drunter und drüber, also haben Außenseiter eine Chance. Wer wirklich eine Chance auf den Henkelpott hat, tragen Tottenham Hotspur und Ajax Amsterdam am Dienstag aus.

Barca hat sich schon mal von einer Last befreit, holte in Spanien seinen 26. Titel, davon zehn in den letzten 15 Jahren. Jetzt träumt man vom Triple, will auch Pokal und CL gewinnen. Ganz anders die Stimmung bei Real Madrid, die Königlichen sind nach einem 0:1 bei Schlusslicht Vallecano am Boden. Dort trifft man auch Thomas Tuchel, der mit Paris St. Germain wieder eine Enttäuschung erlebte, nämlich eine 5:6-Niederlage nach Elfmeterschießen gegen Stade Rennes im Pokalfinale. Geld schießt also nicht immer die Tore, vor allem sorgt Geld nicht immer für gute Nerven. Auch international geht es also gerne mal drunter und drüber.

Transfer-Poker ist eine Gefahr im Bundesliga-Finale

Die Fußball-Mannschaften in allen Ligen befinden sich mitten drin im Saison-Finale. Die Spannung steigt und eigentlich sollten sich alle auf den Sport konzentrieren, darauf, den Kampf um Meisterschaft, Auf- und Abstieg zu bestehen. Doch tun dies Vereinsverantwortliche, vor allem aber Trainer und Spieler wirklich? Besonders im Profi-Fußball spielt auch die neue Saison schon eine große Rolle. Der Sport, und sei die Situation auch noch so brisant, wird in den Hintergrund gedrängt, die Transfers, so hat der Beobachter das Gefühl, spielen die Hauptrolle. Der Transfer-Poker ist aber eine Gefahr für die Bundesliga! Wo haben die Spieler ihre Gedanken? Können sie wirklich die Verhandlungen ausblenden und sich auf die Gegenwart konzentrieren? Nicht immer hat man das Gefühl, dass die Spieler auf dem Feld hundertprozentig bei der Sache sind.

Die Medien lieben den Transfer-Poker, denn leichter sind Schlagzeilen nicht zu bekommen, man kann vor allem so herrlich spekulieren, während es sich die Klubs angewöhnt haben, eine Erfolgsmeldung erst nach getätigter Unterschrift zu verbreiten. Stars werden mit großem Brimborium vorgestellt, bei Spielern, die den Kader eher nur auffüllen sollen, reichen ein paar Zeilen. Aber egal, die Medien stürzen sich auf jedes Gerücht und so heißt es zum Beispiel marktschreierisch „Transfer-Schlacht um die Stars“. Im Transfer-Geschäft wiederum heißt es, den Spieler zu überzeugen bzw. die notwendigen Scheine eben auf den Tisch zu legen.

Auffallend in diesem Jahr ist, dass es nicht nur um die Spieler geht, sondern verstärkt auch um Trainer und Sportdirektoren. Die Fluktuation war in diesem Jahr auf diesen Posten so groß wie noch nie, einige Klubs (z. B. Gladbach und Hertha) kündigten schon frühzeitig an, dass die Trainer im Sommer gehen müssen. Gladbach, Wolfsburg, Hertha, Schalke, Stuttgart, Nürnberg und Hannover suchen Trainer für die neue Saison. Eine Schlacht also auch um die Trainer. Dazu werden Manager gesucht und vor allem neuerdings „Kaderplaner“. Ein alter Job mit neuem Namen, aber einfach „in“. Wenn die Kaderplanung nicht funktioniert, geht aber nicht zuerst der Kaderplaner, sondern immer noch der Trainer. Oft aber nicht mehr alleine…

Ein Drittel der Vereine, außer Leverkusen alle im Abstiegskampf, hat sich über einen Trainerwechsel Besserung erhofft. Der Glücklichste ist wohl der FC Augsburg, denn mit Martin Schmidt für Manuel Baum wurde quasi der Klassenerhalt eingekauft. Der Schweizer legte einen spektakulären Start hin mit Siegen in Frankfurt und gegen Stuttgart, das „Endspiel gegen den Abstieg“. Schmidt war der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt. Vorgänger Baum hatte die Mannschaft in Schuss, aber er hat offensichtlich die Spieler mit Taktik überfrachtet, so dass sie nicht mehr befreit aufgespielt haben. Martin Schmidt hatte eine einfache Lösung, bringe Spaß in den Laden und er läuft – das 6:0 gegen den VfB war der Beweis.

Die Ereignisse rund um dieses Spiel hatten eine Besonderheit: Stuttgarts Coach Markus Weinzierl musste noch am gleichen Tag seinen Hut nehmen. Der neue Sportdirektor Thomas HItzlsperger (für Michael Reschke) wollte die Saison zwar mit Weinzierl durchziehen, aber jetzt zogen die Verantwortlichen die Notbremse. Jetzt war Weinzierl selbst der Betroffene beim FCA-Sieg, als der Straubinger noch FCA-Trainer war, wechselte der VfB schon dreimal den Trainer nach einer Niederlage gegen Augsburg! Wehe, wenn Stuttgart auf den FCA trifft! Junioren-Trainer Nico Willig soll es für den Rest der Saison richten, er arbeitete mit der U19 überaus erfolgreich. Kann er auch die Bremsen lösen?

Augsburg zog an Schalke (2:5 gegen Hoffenheim) vorbei und hat den Klassenerhalt fast sicher. Dahinter herrscht nur Tristesse. Allein Nürnberg scheint sich gegen den drohenden Abstieg zu wehren und macht trotz Niederlagen eine gute Figur. Gerettet haben sich endgültig Mainz (dort wurde groß gefeiert, weil der Klassenerhalt vier Spieltage vor Saisonende ein Erfolg ist) und die Hertha, doch bei den Berlinern war das 0:0 gegen Hannover fast schon wieder ein Offenbarungseid. Ob die Spieler mit ihren Gedanken bei neuen Vereinen sind?

An der Spitze nichts Neues, die Bayern und Dortmund gaben sich keine Blöße, die Münchner taten sich aber beim 1:0 gegen Bremen schwerer, vergaben viele Chancen und siegten durch einen abgefälschten Schuss von Niklas Süle. Die Borussia hatte das Glück des frühen Tores, danach lief es beim 4:0 gegen Freiburg fast allein. Derby-Aufgaben warten, Schalke muss allerdings schon über sich hinaus wachsen, um eine Chance zu haben, der Club in Nürnberg macht sich mehr Hoffnung gegen die Bayern. Schalke hat einen Anreiz: Ein Erfolg über die verhassten Dortmunder sorgt für Wiedergutmachung bei den Fans.

Der Pokal sorgt für Abwechslung

Das Duell Bayern – Werder geht ja weiter, jetzt am Mittwoch in Bremen im DFB-Pokal. Höhepunkt und Abwechslung von der Bundesliga zugleich. Zwei schlechte Nachrichten für die Münchner, die im letzten Jahr im Finale gegen Frankfurt und ihren jetzigen Trainer Niko Kovac unterlagen: Ausgerechnet Torschütze Niklas Süle ist gesperrt (dafür kann Mats Hummels wieder spielen) und die Bremer haben eine beeindruckende Heimbilanz – seit April 1988 sind sie im Pokal im Weserstadion ungeschlagen. Allerdings stand Werder zuletzt 2011 in einem Halbfinale, Bayern ist dort Stammgast. Aber das „Vorspiel“ in der Bundesliga machte deutlich, leicht wird es nicht für die Bayern. Immerhin: Trainer Kovac weiß, wie man ins Finale kommt. Notfalls mit ein wenig Spielglück…

Im zweiten Halbfinale sind die Rollen klar verteilt. Da der selbst in der zweiten Liga strauchelnde Hamburger SV, dort der RB Leipzig, der in der Bundesliga einen Lauf hat und die Champions League anpeilt. Leipzig wird zwar inzwischen als starker Verein akzeptiert, aber ein Teil der Ultra-Fans lässt nicht locker mit Schmähungen gegen Besitzer Red Bull und RB-Funktionäre. In Gladbach traf es Trainer-Manager Ralf Rangnick mit Sprüchen unter der Gürtellinie. Schade, dass bei einem Teil der Fans die Vernunft abhanden gekommen ist. Unbeeindruckt davon peilt Leipzig den größten Erfolg der noch jungen Vereinsgeschichte an. Für den HSV wäre der Aufstieg in die Bundesliga wichtiger. Allein die Pokalprämien helfen dem Altmeister aber ein wenig.

Übrigens: Die Bayern haderten mit dem Ausscheiden in der Champions League, dabei sind sie ja im Halbfinale vertreten. Allerdings „nur“ bei den Frauen, da verloren die Bayern-Mädchen jedoch das Heimspiel mit 0:1 gegen den FC Barcelona, machen sich aber für das Rückspiel am Sonntag (Spielbeginn 12.00 Uhr!) noch Hoffnung. Barcelona will die Frauen aber stärker unterstützen, als es wohl die Bayern tun, der Barca-Präsident verkündete bereits: „Der Frauen-Fußball ist im Kommen“. Auf Europas Bühnen dominierten zuletzt die Franzosen von Olympique Lyon und Paris St. Germain, der VfL Wolfsburg war wohl der größte Gegner, aber auch Arsenal und Chelsea London rüsten auf und wollen in Europa mitmischen. Da müssen sich die Bayern strecken, wenn sie weiter vorne mitmischen wollen.

De nachfolgende Kommentar widmet sich der Champions League der Männer: Ajax ist ein Vorbild für ganz Europa.