WM vor dem Höhepunkt, doch mit Infantino ist die Zukunft ungewiss
Die XXL-Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada biegt auf die Zielgeraden ein. Genau 100 Spiele sind absolviert, nur noch vier stehen aus, aber sie versprechen ein echter Höhepunkt zu werden. FIFA-Boss Gianni Infantino hat alle möglichen Tricks angewendet, um neue Gesichter und Mannschaften auf die WM-Bühne zu bringen, am Ende aber haben sich die Favoriten durchgesetzt. Die Halbfinals Frankreich – Spanien am Dienstag in Dallas und England – Argentinien am Mittwoch in Atlanta (jeweils 21 Uhr) versprechen einiges. Danach gibt noch das Spiel der Verlierer am Samstag (23 Uhr) in Miami und das große Finale am Sonntag (21 Uhr) in New York/New Jersey. Dort hat sich Infantino noch eine große Show mit Weltstars vorgestellt. Für Madonna, Shakira und Justin Bieber könnte sogar die Halbzeitpause verlängert werden. Infantino interessieren bekanntlich keine bestehenden Regeln. Eine Halbzeitpause dauert 15 Minuten Herr Infantino!
Der allmächtige und allgegenwärtige FIFA-Boss, der sich gern als „König des Fußballs“ sieht, damit er mit den gekrönten Häuptern der Welt auf einer Stufe steht, ist mit der WM mit 48 Nationen und vielen Milliarden Euro Gewinn noch nicht am Ziel seiner Wünsche. Schon jetzt bringt er die weitere Aufstockung auf 64 Nationen verstärkt ins Gespräch, weil er Platz schaffen will für die bevölkerungsreichsten Länder der Welt, so möchte er unbedingt China und Indien dabei haben, weil er sich dort noch mehr Einnahmen verspricht. Ob so eine WM noch interessant ist, ob 128 statt 104 Spiele den Bogen nicht überspannen, organisatorisch und vor allem klimamäßig, darüber macht sich der geldgierige Schweizer, der auch im Libanon, Katar und Miami wohnt, offensichtlich keine Gedanken. Schon die WM 2030 stellt alle vor große logistische Herausforderungen mit Eröffnungsspielen in Uruguay, Argentinien und Paraguay, sowie Spielen in Spanien, Portugal und Marokko, also auf drei Kontinenten. Da bietet sich doch eine weitere Aufstockung zum XXXL-Format an, oder? Nach dem Motto „Gleich in die Vollen“! Seine Getreuen, die von der FIFA mit Geld zugeschüttet werden, die Verbände in Südamerika und Asien zum Beispiel, stehen schon auf seiner Seite. Europa ist dagegen machtlos. Dass Infantino weltweit für seine Fußball-Diktatur Kritik einheimst, stört ihn nicht. So heißt es „Infantino ist der unwürdigste FIFA-Präsident aller Zeiten“, „Seine Gier kennt keine Grenzen, 5,27 Millionen Euro Gehalt reichen ihm nicht“, Vorgänger Sepp Blatter macht deutlich, „die FIFA ist unter Infantino eine Diktatur“. Die Zukunft ist also ungewiss.
Die Besten unter sich
Das größere Teilnehmerfeld bei der WM sollte kleineren Nationen die Möglichkeit der Teilnahme bringen und einige haben sich auch achtbar aus der Affäre gezogen oder mit sangesfreudigen Fans für mehr Unterhaltung gesorgt. Sportlich hatten sie am Ende aber keine Chance. Eine komplette Bilanz gibt es hier erst nach dem Finale, aber eins fällt auf: Im Halbfinale sind die Besten unter sich, nämlich die ersten Vier der Weltrangliste! Eines haben beide Duelle gemeinsam – es gibt eine Vorgeschichte. Und eines ist auch sicher: Es wird keinen neuen Namen auf der Liste der Weltmeister geben.
Frankreich hat eine schlechte Erinnerung an Spanien, denn bei der Europameisterschaft 2024 siegte die Iberer im Halbfinale mit 2:1, Superstar Lamin Yamal hatte den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielt und er strotzt vor Selbstbewusstsein: „Wenn Frankreich jemand fürchten muss, dann uns.“ Auch im Halbfinale der Nations League vor einem Jahr war für die Franzosen im Halbfinale gegen Spanien Endstation (4:5).
Schlechte Erinnerungen hat auch England gegen Argentinien. 1986 schieden sie im Viertelfinale mit 1:2 gegen Argentinien aus. An die WM in Mexiko erinnert sich die Welt für alle Zeiten, denn Maradona erzielte beim 2:1 ein Tor mit der Hand, was der Schiedsrichter übersah. Legendär seine Begründung „das war die Hand Gottes“. England schied aus, Argentinien wurde Weltmeister mit einem 3:2 im Finale gegen Deutschland. England geht aber mit besonderem Ehrgeiz in die letzten Spiele, denn der letzte Titelgewinn ist genau 60 Jahre her, das war 1966 in Wembley mit dem ebenfalls legendären Siegtreffer gegen Deutschland (3:2), als der Ball inzwischen nachweisbar nicht die Linie überschritten hatte. In den bisherigen Spielen überzeugte England vor allem mit großer Motivation, der sonst so spröde Trainer Thomas Tuchel wird inzwischen in England geliebt. Er hat seinem Team Beine gemacht und mit Harry Kane und Jude Bellingham gleich zwei Torjäger. Mit je sechs Treffern liegen sie hinter Mbappé, Messi (je 8) und Haaland (7). Argentinien zeigte sich bisher nicht unbedingt in Bestform, die entscheidenden Siege hatten immer einen glücklichen Anstrich, aber sie glauben fest an Lionel Messi, dass er sie zu einer erfolgreichen Titelverteidigung führt. Beim 3:1 n.V. gegen die Schweiz erzielte Messi zwar kein Tor, aber der Gegner schwächte sich selbst: Embolos Schwalbe erkannte der VAR (darf da jetzt einschreiten), was zur zweiten Gelben Karte und Platzverweis nach 72 Minuten führte. Es stand zu der Zeit 1:1. Vor vier Jahren in Katar siegte Argentinien gegen Frankreich mit 4:2 im Elfmeterschießen (2:0, 2:2, 3:3). Die Südamerikaner müssen also starke Nerven haben. Dritter war damals übrigens Kroatien mit einem 2:1 über Marokko.
Jürgen Klopp kommt nicht als Werbefigur
Da haben sich einige wohl zu früh aufgeregt. Als die Meldung die Runde machte, dass der künftige Bundestrainer Jürgen Klopp Werbefigur für seinen bisherigen Arbeitgeber Red Bull bleiben soll, meldeten sich sofort Kritiker zu Wort, am schnellsten der Verband der Fans, für den Red Bull ein rotes Tuch ist. Aber auch einige Landesverbände monierten, dass dies nicht möglich sein kann. Aber die Beruhigung kam nach den Verhandlungen mit Klopp am Wochenende in New York, der DFB betont, dass dies nicht der Fall sein wird. Mit Red Bull wird in den nächsten Tagen verhandelt, jetzt drang aber durch, dass Klopp bei Red Bull einen Nebenjob als Berater behalten soll, aber nur intern, nicht in der Öffentlichkeit.
Über das Geld wird wohl noch verhandelt werden, aber eine grundsätzliche Einigung mit Klopp hat der DFB wohl getroffen, dabei soll Klopp wesentlich weniger verdienen als bei Red Bull, von sieben Millionen Euro wie für Julian Nagelsmann ist die Rede. Finanziell geht es dem DFB künftig sowieso besser, denn Nike zahlt als neuer Trikotsponsor wesentlich mehr als Adidas, 50 Millionen Euro pro Jahr sollen es sein. Klopp ist übrigens auch Werbeträger für Adidas, was dann auch nicht mehr geht. Der DFB hat bei der WM nicht nur sportlich schlecht abgeschnitten, sondern auch finanziell, ein Minus von rund 10 MIllionen Euro wurde bestätigt. Es kann also fast nur noch aufwärts gehen. Ein leichtes Spiel für Klopp wird es aber nicht.
Am Wochenende gab es beim DFB noch Hoffnung auf zwei Titel, aber sowohl die U19 der Junioren als auch die U19 der Juniorinnen unterlagen in den EM-Finals Spanien. Die Junioren von Christian Wörns waren beim 0:2 in Wales chancenlos, die Mädchen von Trainerin Melanie Behringer beim 0:1 in Bosnien eher unglücklich. Schon vor zwei Jahren war Deutschland den Spanierinnen mit 2:3 nach Elfmeterschießen unterlegen. Es hat sich also bestätigt, dass sich Deutschland in der Nachwuchsarbeit an Spanien orientieren sollte. Wörns als auch Behringer prophezeien vielen ihrer Schützlinge eine gute Zukunft. Trostlos sieht es also nicht aus,.
Noch jemand hat ein Finale verloren: Tennis-Star Alexander Zverev stand fünf Wochen nach seinem Sieg in Paris auch in Wimbledon wieder im Finale, diesmal war aber sein alter Konkurrent Jannik Sinner, der in Paris noch frühzeitig ausschied, wieder stärker. Der Südtiroler siegte 6:7, 7:6, 6:3 und 6:4. Es war für Zverev die zehnte Niederlage in Folge gegen Sinner, der Nummer 1 in der Weltrangliste. Zverev bot in Wimbledon aber beeindruckendes Tennis, zeigte sich weiter verbessert und rückte auf Platz 2 in der Weltrangliste vor. Als Andenken hat er sich u. a. ein dickes Knie eingehandelt…