Kein Handball-Wunder – Aber Deutschland gehört die Zukunft
Wieder kein Titel für die deutsche Handball-Nationalmannschaft. Natürlich große Enttäuschung, nachdem das Finale gegen Dänemark mit 27:34 verloren ging. Dennoch war die Europameisterschaft in Dänemark, Schweden und Norwegen für das DHB-Team ein Erfolg. Die Dänen zeigten sich erneut als „Übermannschaft“ und halten mit dem Sieg als zweite Mannschaft nach Frankreich 2010 als amtierender Olympiasieger, Weltmeister und nun wieder Europameister aktuell alle Titel. Deutschland war 2007 zuletzt Weltmeister und 2016 Europameister und sehnt sich nach einer Neuauflage. Ein Titelgewinn sollte in absehbarer Zeit Wirklichkeit werden. Dänemark gehört zweifellos die Gegenwart, aber Deutschland die Zukunft.
Optimismus strahlen auch Trainer und Spieler aus. Alfred Gislason (66), immer wieder in der Kritik, aber im Endeffekt erfolgreich, prophezeit der Mannschaft „erfolgreiche acht Jahre, die bevorstehen“. Er könnte sie selbst noch einleiten. Torhüter Andreas Wolff macht schon jetzt eine Kampfankündigung: „Heute hat noch Dänemark gewonnen, in zwei Jahren sind aber wir dran“ und er verweist auf die Weltmeisterschaft im Januar 2027 in Deutschland: „Da spielen wir vor unseren Fans, da ist alles möglich.“ Der Vertrag vom Isländer Gislason läuft bis dahin, er hat eine junge Mannschaft, die bis dahin wieder an Erfahrung gewonnen hat. Nur vier Spieler im EM-Kader waren jenseits der Zwanziger (Wolff 34, Dahmke 32, Zerbe und Kohlbacher 30), dafür waren auch vier U21-Weltmeister dabei, die jetzt schon eine wichtige Rolle spielen (Lichtlein, Fischer, Uscins, Grgic). Aktueller Vorbilder im Team sind Torhüter Wolff, der zum besten Keeper des Turniers gewählt wurde, und Kapitän Johannes Golla, der ebenfalls im All-Star-Team Aufnahme fand. Noch nicht der große Spielmacher war Juri Knorr (25), der zu selten sein großes Können zeigte, aber durchaus auf den Spuren seines Vorbildes wandeln sollte, dem Dänen Mathias Gidsel (26) von den Berliner Füchsen, Welthandballer, MVP des Turniers, der zudem mit 68 Treffern einen neuen EM-Torrekord aufstellte.
Das Interesse für die Handballer in Deutschland war groß, die TV-Einschaltquoten stiegen kontinuierlich und gipfelten in dem Rekord von 12,8 Millionen Zuschauern beim Finale. Allein mit dem Einzug ins Finale sollten die Handballer schon Vorbild für die Fußball-Stars sein, die im Sommer ihre Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko austragen. Das Halbfinale war vorher das erklärte Ziel der DHB-Auswahl, die eine regelrechte „Todesgruppe“ in der Hauptrunde hatte, aber zu großer Form auflief. Das müssen die Schützlinge von Bundestrainer Julian Nagelsmann erst einmal nachmachen und damit Punkte für die „Mannschaft des Jahres“ sammeln. Zuletzt waren dies die Basketballer als Welt- und Europameister.
Bayerns Schwäche, Hoffenheims Stärke, Dortmunds Glück
In der Fußball-Bundesliga herrschte Alltag, doch das Geschehen war keineswegs alltäglich. Die Kräfte an der Spitze haben sich ein bisschen geändert. Die bisher übermächtigen Bayern schwächeln, zwei Spiele ohne Sieg sind eine kleine Krise, der 1:2-Niederlage gegen Augsburg folgte ein 2:2 beim nächsten Abstiegskandidaten HSV. Die Hamburger kämpften mit allen Mitteln schier um ihr Leben, die Münchner waren sichtbar müde. Trainer Vincent Kompany ist froh, dass der Januar mit sieben Spielen in 20 Tagen vorbei ist. „Jetzt geht es mit frischen Kräften wieder von vorne los“, prophezeit er und freut sich über eine ruhige Woche und einen Februar mit nur einer englischen Woche (DFB-Pokal gegen Leipzig). Ob die Bayern wirklich gleich wieder den Faden finden? Zuletzt war es ruhig im Verein, aber jetzt könnte es rund um die verzögerte Vertragsunterschrift von Upamecano wieder Ärger geben.
„Mannschaft der Stunde“ ist die TSG Hoffenheim. Der Januar war ihr Erfolgsmonat, Es gab fünf Siege am Stück, Platz drei ist der Lohn. Torjäger Andrej Kramaric (34) hat großen Anteil daran und jubelt, „das ist die stärkste Mannschaft seit zehn Jahren“. Erstaunlich nach den Querelen im Verein. Aber jetzt folgt die „Stunde der Wahrheit“ für die Bayern und Hoffenheim mit dem direkten Duell am Sonntag (17.30 Uhr). Da können die Dortmunder als Zweite interessiert zuschauen, wenn sie in Wolfsburg gewinnen. Während der Spitzenreiter schwächelt, bietet die Borussia zwar keine Topleistungen an, aber sammelt fleißig Punkte, irgendwie verlässt sie am Ende meist als Sieger das Feld (nur eine Niederlage gegen die Bayern). Auch gegen Schlusslicht Heidenheim stand Dortmund am Rande einer Niederlage oder eines Punktverlustes, doch dann beendete Guirassy auf einmal seine Torflaute und erzielte zwei Treffer. Irgendeiner spielt immer den Retter.
Der Abstiegskampf wird immer härter, Verlierer waren am Tabellenende Schlusslicht Heidenheim und St. Pauli, die langsam den Anschluss verlieren. Mit zwei Siegen haben sich dagegen Mainz und Augsburg (2:1 gegen St. Pauli, Doppeltorschütze Neuzugang Gregoritsch!) nach oben gearbeitet. Vor allem die Rheinhessen ließen mit einem 2:1-Sieg in Leipzig aufhorchen. Dagegen kriselt es bei anderen Klubs, Gladbach, Wolfsburg und Bremen sind wieder mittendrin. Jetzt griff auch Werder zum letzten Mittel der Trainerentlassung, dabei war Horst Steffen nach erfolgreicher Arbeit in Elversberg als großer Hoffnungsträger gekommen. Die nächsten Spieltage bieten jeweils direkte Duelle im Abstiegskampf, früh in der Saison könnte es eine Vorentscheidung geben. Am Wochenende heißen die Duelle Mainz – Augsburg und Heidenheim – HSV, danach folgen HSV – Union und Augsburg – Heidenheim, am 23. Spieltag folgen Mainz – HSV, Wolfsburg – Augsburg und St. Pauli – Bremen. Der HSV hat also noch wichtigere Spiele als gegen die Bayern…
Aber nicht nur bei den Vereinen im Abstiegskampf herrscht schlechte Stimmung, die Not bei Eintracht Frankfurt ist weiterhin groß, sechs Spiele ohne Sieg und der Absturz auf Rang 8 haben Spuren hinterlassen , doch der Retter ist da. Albert Riera heißt der Nachfolger von Dino Toppmöller, Geschäftsführer Markus Krösche hat wieder einmal eine Überraschung parat. Der 43-jährige Spanier ist in Deutschland ein unbekanntes Gesicht, er begann seine Trainerkarriere 2020 bei Galatasaray Istanbul, arbeitete in Ljubljana und Bordeaux und zuletzt bei NK Celje in Slowenien. Riera gilt als Heißsporn und Heißmacher, sei zudem sehr kommunikativ. Der Präsident von Ljublnana lobt ihn: „Albert gewinnt sie alle, die Fans werden ihn lieben.“ Sein Nachteil: Er kennt die Bundesliga nicht.
Die Schiedsrichter kennen die Bundesliga, sie sollten auch die Regeln kennen, haben Unterstützung durch den Video-Assistent und trotzdem gibt es immer wieder Ärger. Am vergangenen Wochenende gab es wieder einige Brennpunkte und Diskussionen um umstrittene Elfmeter. Die Schiedsrichter zeigen sich oft stur und ihr größter Fehler in der Kommunikation ist, dass sie oft nicht selbst vor den Bildschirm gehen. Bei umstrittenen Entscheidungen würden sie zumindest deutlich machen, dass sie die Sache wirklich ernst nehmen, sich die Entscheidung nicht leicht machen. Einfach auf den VAR zu vertrauen geht nicht, zumal auch im Kölner Keller keine einheitliche Linie herrscht, daher rührt auch der Ärger. Verbesserung ist dringend notwendig.
Im Frauen-Fußball war die wichtigste Nachricht, dass der DFB mit Bundestrainer Christian Wück und seinen Assistenttrainerinnen Maren Meinert und Saskia Bartusiak die Verträge vorzeitig bis 2029 verlängert hat. Ihre Arbeit begann 2024, als nächste große Aufgaben warten die Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien, die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles und Heim-EM 2029. Da kann man ihnen nur viel Erfolg wünschen, ein Aufwärtstrend war beim Nationalteam zuletzt ja durchaus erkennbar.
Triumph Englands in der Champions League
Die Liga-Phase in der Champions League hat sich bewährt, die Runde ging beim Kampf um die besten Plätze spannend zu Ende, eine Spannung die in der früheren Gruppenphase fast immer gefehlt hat. Dominiert wurde die CL diesmal von der Premiere League, mit Arsenal stellte sie den Tabellenführer (vor Bayern), fünf Klubs insgesamt siegten sich unter die ersten acht Vereine, die direkt für das Achtelfinale qualifiziert sind. Mit dabei sind auch Barcelona und Sporting Lissabon. Ausgeschieden ist Eintracht Frankfurt, Leverkusen (16.) und Dortmund (17.) müssen in die Play-Offs. Aufgrund ihrer Platzierungen wäre ein deutsches Duell möglich gewesen, das Los vermied das aber. In den Play-Offs trifft Dortmund auf Atalanta Bergamo, Leverkusen auf Piräus. Gespielt wird am 17. und 25. Februar, die Sieger werden dann Arsenal und den Bayern zugelost.
In der Europa League, die Olympique Lyon auf Platz 1 beendete, schaffte Freiburg als Siebter den Sprung unter die besten Acht, Stuttgart muss in die Play-Offs und trifft dort auf Celtic Glasgow. Insgesamt hat sich die Bundesliga gut verkauft und liegt in der UEFA-Rangliste gut im Rennen um den fünften CL-Platz, weil die Konkurrenz aus Spanien und Italien schwächelte (Real 9. der CL).
Der Fußball spielt durch, gerät aber sicherlich in nächster Zeit etwas ins Hintertreffen, denn die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina stehen an. Mehr dazu in einem Blog in dieser Woche.