Deutschland setzt ein Zeichen – Die Kleinen mucken auf
Endlich hat sie begonnen, die Fußball-Weltmeisterschaft, die FIFA-Präsident Gianni Infantino in seiner bekannten Bescheidenheit als „das größte Ereignis in der Geschichte der Menschheit“ angekündigt hat. Allerdings ging es etwas kleiner los, gerade mal zehn Spiele in vier Tagen, teilweise leere Plätze in den Stadien, also nicht überall ausverkauft, und die großen Stars standen auch noch nicht auf dem Rasen. Aber es gab für die echten Fans bereits Interessantes: Deutschland startete nach zwei Pleiten 2018 und 2022 endlich wieder einmal mit einem Sieg ins Turnier und setzte beim 7:1 gegen den Fußball-Zwerg Curacao ein Zeichen, aber die „Kleinen“ muckten auf, besonders überrascht war die Türkei (selbsternannt im Kreis der Favoriten), die gegen Australien mit 0:2 unterlag! Katar ärgerte die Schweiz (1:1), Marokko (nicht unbedingt ein Kleiner) Mitfavorit Brasilien (1:1), Japan trotzte der Niederlande ein 2:2 ab und Schottland schaffte gerade mal ein 1:0 gegen Haiti. Dennoch brach in den USA schon so etwas wie WM-Fieber aus, die eigene Mannschaft sorgte dafür, glänzte beim 4:1 gegen Paraguay und sorgte so für den nötigen Schwung. Die ersten Tage machen wenigstens Appetit auf mehr. Herr Infantino, es geht auch bescheidener…
In Deutschland ist auch das WM-Fieber ausgebrochen. Die Anfangszeit beim ersten Spiel mit 19 Uhr am Sonntag war günstig, Public Viewing wurde vielfach geboten und 23,5 Millionen saßen vor den Fernsehschirmen. Sie alle konnten sich gut unterhalten fühlen, wenn die Nagelsmänner auch etwas brauchten, um in Schwung zu kommen. Das 1:0 von Felix Nmecha in der 6. Minute war zwar mit das schnellste WM-Tor des DFB, doch danach gab es eine Erholungsphase, Zwerg Curacao hat etwas von einem Riesen und glich aus, weil die Deutschen unkonzentriert waren und anfällig in der Abwehr. Das wird sich künftig rächen, diesmal nicht. Nach einem Eckball brachte Schlotterbeck mit dem Kopf wieder Ruhe rein, Kai Havertz erhöhte per Elfmeter auf 3:1, da war eigentlich alles klar. Es folgte eine starke Kür gegen einen nicht so starken Gegner, Musiala, Brown, Joker Undav und wieder Havertz (mit zwei Toren nach vier Tagen Erster der Torschützenliste) sorgten für gute Laune. Aber ein Abwehrbollwerk war es nicht, das es zu knacken galt, da werden die Aufgaben schwieriger, schon am Samstag gegen die Elfenbeinküste.
Bundestrainer Julian Nagelsmann hat allerdings schon die ersten Pluspunkte gesammelt. Mit seiner Personalauswahl lag er richtig, Nathaniel Brown (für Raum) schwang sich zu einem der besten Spieler auf, brachte Schwung in den Laden (künftig soll er bei den Bayern für Schwung sorgen), ebenso wie Felix Nmecha statt Goretzka im Mittelfeld, es waren bekanntlich zwei überraschende Nominierungen des Bundestrainers. Da konnte Leroy Sané nicht mithalten, er hatte einen seiner ruhigen Tage, dagegen sprühte Jamal Musiala geradezu vor Spielfreude, das macht Hoffnung. Als idealer Joker erwies sich Deniz Undav, der zwei Tore auflegte und selbst traf – beste Werbung in eigener Sache. Übrigens: Deutschland ist im Moment WM-Rekordtorschütze mit 239 Treffern, hat Brasilien (238) überholt, das allerdings am Samstag gegen Haiti spielt. Das letzte 7:1 gab es bekanntlich 2014 in Brasilien gegen Brasilien! Deutschland wurde danach Weltmeister.
Am Samstag (22 Uhr) wird es in Toronto allerdings wesentlich schwerer. Wenn Deutschland auf die Elfenbeinküste trifft, geht es gleich um Platz 1 in der Gruppe E, denn die Afrikaner besiegten Ecuador mit 1:0, es ist also ein Duell der Sieger. Flügelflitzer Amad Diallo von Manchester United schoss in der 90. Minute den Siegtreffer. Er gilt ebenso wie Leipzigs Jungstar Yan Diomande als versierter Konterstürmer, der Deutschlands Abwehr Sorgen bereiten kann. Dazu kommt noch der schnelle Bonny von Inter Mailand. Es wird ein hartes Brett, das es zu bohren gilt, nicht umsonst haben die Ivorer in der Vorbereitung Frankreich mit 2:1 geschlagen. Ecuador war übrigens Zweiter in der Südamerika-Qualifikation und 19 Spiele ungeschlagen!
Ab Montag geht es so richtig los, wenn die großen Favoriten Spanien, Argentinien und Frankreich eingreifen. England muss am Mittwoch gleich gegen Kroatien ran und musste sich neue Schuhe kaufen, die Mannschaft wurde im Trainingslager bestohlen, die Täter inzwischen gefasst.
Wo die WM nicht im Mittelpunkt stand
In New York (New Jersey) findet bekanntlich am 19. Juli das WM-Finale statt, es ist aber kaum zu erwarten, dass die Metropole an diesem Tag derart in den Wahnsinn verfällt wie es in der Nacht von Samstag auf Sonntag der Fall war. Da löste der Sieg der Basketballer bei den San Antonio Spurs nämlich einen wahren Begeisterungsrausch aus. Die New York Knicks gewannen erstmals seit 53 Jahren (!) wieder den Titel im Basketball. Und spannender geht es wirklich nicht, der entscheidende Ball fiel im fünften Spiel genau 1,2 Sekunden vor Spielende in den Korb. Zuvor waren die Knicks bereits mit 29 Punkten im Rückstand gelegen, ehe sie eine Aufholjagd starteten. Nach dem 94:90-Erfolg brachen auf den Straßen alle Dämme. Mit dabei, allerdings hatte er nur wenig Spielzeit in den Play-Offs, war der Deutsche Ariel Hukporti. Von der Fußball-WM wollte am Wochenende in New York niemand etwas wissen.
Und noch etwas war im Sport wichtiger als die WM, der Stanley Cup im Eishockey wurde ebenfalls entschieden. Der deutsche Star Leon Draisaitl konnte mit seinen Edmonton Oilers nur zuschauen, es siegten mit dem dritten Erfolg im vierten Spiel die Caroline Hurricanes gegen Las Vegas Gold Knights. Genau 20 Jahre nach dem ersten Sieg 2006 war es der zweite Cup-Gewinn für Caroline.
Der „König des Fußballs“, wie sich Infantino gerne sieht, wird mit Erstaunen festgestellt haben, dass Sport-Könige abgewählt werden können. Im Skiverband sah sich der britisch-schwedische Präsident Johan Eliasch als Alleinherrscher wie Infantino, doch eine Allianz der Vernünftigen brachte ihn jetzt bei den Neuwahlen zu Fall. Eliasch hatte im Verband für Chaos gesorgt und hinterlässt einen Schuldenberg. Der Milliardär und CEO der Firma Head versuchte mit Geld seinen Fall zu verhindern und holte sich sogar die Staatsbürgerschaft von Georgien, um von diesem Land für die Wahl nominiert zu werden. Großbritannien und Schweden lehnten dies ab. Mit einer Stimme Vorsprung gewann allerdings der Liechtensteiner Alexander Ospelt, dem zugetraut wird, die FIS-Familie wieder zu vereinen. Auch der Deutsche Ski-Verband hatte sich gegen Eliasch gestellt.
Werner in Leipzig vor dem Aus
Das kam für die Fußball-Fans überraschend, in der Bundesliga schlug die Nachricht wie eine Bombe ein: Trainer Ole Werner steht bei RB Leipzig vor dem Aus. Sein Vertrag war erst bis 2027 verlängert worden, nachdem er die Sachsen wieder in die Champions League geführt hatte. Auftrag eigentlich erfüllt, aber über die Arbeit für die Zukunft gab es offensichtlich Differenzen. Bei der Ablösung soll auch Sportberater Jürgen Klopp eine wichtige Rolle gespielt haben. Als Nachfolger wird der frühere Bayern-Spieler Martin Demichelis gehandelt, der seine Trainer-Laufbahn bei den Amateuren der Bayern begann, jetzt aber mit Mallorca aus der ersten Liga in Spanien abgestiegen ist. Demichelis soll ein guter Kumpel von Jürgen Klopp sein, der ins Gespräch kam, weil der Kandidat Nummer 1, der einstige spanische Star Cesc Fabregas, Trainer bei Como in Italien bleibt.
Eine Bombe könnte auch in Frankfurt noch platzen, offensichtlich will AC Mailand der Eintracht den erfolgreichen Sportvorstand Markus Krösche abwerben. Krösche selbst will die Gerüchte nicht kommentieren, sagte aber nach den Problemen in der vergangenen Saison und vor dem anstehenden Umbruch „ich bin keiner, der wegläuft“. Mailand müsste bei einem Abwerben tief in die Tasche greifen.