Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Corona und Geldgier: Schatten über der Champions League

Der Profi-Fußball ist heute Sport-Unterhaltung und soll für Vereine und Verbände vor allem ein Geschäft sein, das weiß jedes Kind. Und dennoch träumen die Fans von alten Zeiten, wo es vor allem um Fußball ging. Deshalb wird besonders kritisch hingeschaut, wenn die Spitzenvereine am System basteln, das nur ein einziges Ziel hat: Noch mehr Einnahmen. Derzeit gibt es deshalb zwei Feinde für den Profi-Fußball: Die Corona-Pandemie und die Geldgier. Erstes soll durch medizinischen Fortschritt besiegt werden, das andere ist nicht heilbar! Schatten fallen derzeit vor allem auf die Champions League.

In der Saison 20/21 naht in der Champions League die Entscheidung, wenn in dieser und der nächsten Woche das Viertelfinale ausgetragen wird. Daneben steht aber noch ein bedeutenderer Termin am 19. April an, wenn es nämlich zum die Zukunft der CL geht. Die Gedankenspiele sind schon weit fortgeschritten und teilweise hanebüchend, weil die Spitzenvereine nach Möglichkeiten suchen, einerseits mehr zu kassieren, andererseits aber auch eine gewisse Garantie der ständigen Teilnahme zu erhalten. Die Geldquelle soll schließlich nicht versiegen. Als Grund für den Freifahrtschein für Top-Vereine nennen sie unverfroren „nur so kann eine Super-League verhindert werden“. Die CL soll also mehr oder weniger eine verkappte Super-League werden, welche die sportliche Qualifikation über die nationalen Ligen fast unbedeutend werden lässt. In gewisser Weise machen sich die Vereins-Bosse mit diesen Argumenten lächerlich, die Spannung in den nationalen Ligen wird nämlich weniger.

Ein Argument sticht: Die jetzige Gruppenphase ist oft langweilig, besser wären K.o.-Runden von Beginn an, aber dann ließen sich die derzeitigen Einnahmen nicht erzielen. Doch mit dem neuen System ab 2024 wird die Langeweile nicht vertrieben. Geplant ist eine Aufstockung von 32 auf 36 Teilnehmer (der perfide Vorschlag ist, dass die vier Plätze an die in der Vergangenheit erfolgreichsten Vereine vergeben werden sollen, so dass zum Beispiel der FC Liverpool Teilnehmer wäre, auch wenn er in England nur Siebter wird!), gespielt werden soll nach dem „Schweizer System“, alle 36 Teams in einer Liga, jede Mannschaft hat acht oder zehn Spiele, die Gegner werden mit Berücksichtigung der Erfolge zugelost. Es gibt eine Tabelle, die besten Vereine qualifizieren sich direkt für die K.o.-Runde, der Rest spielt noch eine Qualifikation, keiner scheidet also vorzeitig aus. Wo ist da die Spannung? Pferdefuß auch: Es soll noch mehr Spiele geben, 225 statt derzeit 125, dabei stoßen Spieler und Vereine bereits an ihre Leistungsgrenzen. Der Mensch zählt nichts, das Geld dafür umso mehr. Antreiber der Reform ist vor allem die Vereinigung der Spitzenteams (ECA), deren Vorsitzender Andrea Agnelli ist, Boss von Juventus Turin. Bezeichnend, dass die Spitzenklubs schon eine Gesellschaft gegründet haben, die sich um die Vermarktung kümmern soll. Die UEFA soll wohl ausgebootet werden, die Champions League zur Super League durch die Hintertür werden! Auf die Fans, die dieses Geschäftsgebaren ablehnen, wird nicht gehört.

Angesichts dieser Aussichten geht dem Betrachter der Spaß am laufenden Wettbewerb ein bisschen verloren, dabei stehen im Viertelfinale reizvolle Duelle an. Im Mittelpunkt steht natürlich die Neuauflage des letztjähriges Endspiels, wenn sich Bayern München und Paris St. Germain gegenüberstehen. Beide Teams können auf beeindruckende Bilanzen verweisen, beide haben aber auch personelle Sorgen. Die Bayern müssen auf Torjäger Robert Lewandowski verzichten, Paris hat ein Corona-Problem, die Mittelfeldasse Verratti und Florenzi befinden sich in Quarantäne. Die Bayern wollen auf jeden Fall ihre Siegesserie fortsetzen, sie sind seit 19 Spielen in der CL ungeschlagen (18 Siege, 1 Remis), 20 Spiele hat bisher nur der Rekordhalter übertrumpft: Manchester United mit 25 ungeschlagenen Spielen von 2007 bis 2009. Die Bayern sind übrigens das torgefährlichste Team seit der letzten fünf Jahre mit 2,8 Treffern pro Spiel, dahinter folgt Paris mit einem Schnitt von 2,5! In den letzten 43 Spielen in der CL blieb Paris nur einmal torlos – im Finale von Lissabon beim 1:0-Sieg der Bayern! Noch ein gutes Omen für die Münchner: Fünfmal trafen die Endspielgegner im nächsten Wettbewerb wieder aufeinander, immer siegte der Titelverteidiger.

Borussia Dortmund bekommt es mit Ex-Bayern-Trainer Pep Guardiola und Manchester City zu tun. Die Voraussetzungen könnten unterschiedlicher nicht sein: Da der Tabellenführer der Premier League, dort der Fünfte der Bundesliga, der bei sieben Punkten Rückstand auf Platz vier um die nächste Teilnahme an der Champions League fürchtet. Kein Wunder, dass die Stimmung in Dortmund nicht gut ist. „Die Mannschaft steht in der Verantwortung“, hat Boss Watzke noch einmal betont, „ich schütze die Mannschaft nicht mehr“. Wenn die direkte Qualifikation nicht klappt, führt der Weg nur über den Titelgewinn in der CL! Zwei deutsche Trainer sind außerdem beteiligt. Jürgen Klopp trifft mit dem FC Liverpool im Schlagerspiel auf Real Madrid, zwei Mannschaften, die durch Verletzungsprobleme in den nationalen Meisterschaften nicht so erfolgreich sind wie in den vergangenen Jahren. Thomas Tuchel hat mit Chelsea London mit Portugals Meister FC Porto das vermeintlich leichteste Los gezogen, doch das kann trügerisch sein. Porto ist ein CL-Spezialist und Chelseas Generalprobe fiel mit der 2:5-Niederlage gegen den Vorletzten West Bromwich verheerend aus. Zudem gab es Knatsch im Training, Nationalspieler Rüdiger wurde vorzeitig zum Duschen geschickt.

Erste Glückwünsche an Bayern

Es war eine Sache des Willens, die Bayern haben bewiesen, dass sie es auch mit Einsatz machen können, wenn die spielerischen Mittel nicht klappen. Der 1:0-Sieg im Bundesliga-Spitzenspiel in Leipzig wurde erkämpft, ohne den verletzten Torjäger Lewandowski musste ein Lichtblick her: Kimmichs langer Pass auf Müller, der Vorlagenkönig zurück zu Goretzka und der „Scoretzka“, die ihn die Fans jetzt nennen, netzte mit einem Gewaltschuss ein. Leipzig hatte mehr und bessere Chancen, doch Bayern-Keeper Neuer musste nur eine Glanztat vollbringen. Jetzt gingen schon die ersten Glückwünsche bei den Bayern ein, weil die Statistik eindeutig ist: Wer am 27. Spieltag sieben Punkte Vorsprung hatte, wurde bisher auch Meister. Den Kampfgeist werden sie weiter brauchen, der Stress lässt nicht nach, schaffen sie den Sprung ins CL-Halbfinale, gibt es im April nur englische Wochen.

Leipzig muss jetzt um die Vizemeisterschaft kämpfen, die Verfolger Wolfsburg und Frankfurt lassen nicht locker. Sehr zum Leidwesen von Borussia Dortmund, dass anders als die Bayern nicht auf den Punkt topfit war. Die 1:2-Niederlage gegen Frankfurt könnte viel Geld kosten, auch hier sieben Punkte Rückstand jetzt auf die Qualifikation für die Champions League. Dabei gibt es in Dortmund doppelten Ärger. Einmal Unverständnis über die Leistung der Mannschaft, zum anderen über das Benehmen des Haaland-Clans, denn Vater und Berater des torlosen Torjägers Erling Haaland verhandelten offensichtlich in Madrid und Barcelona über einen Vertrag. Und das vor einem wegweisenden Spiel seines Vereins! Ohne Champions League heißt für das nächste Jahr wohl auch ohne Haaland, notfalls wird sich sein Clan wegstreiken.

Ohne Champions League muss wohl auch in Leverkusen und Gladbach geplant werden, dort ist jetzt die Europa League das Ziel, beide Klubs haben wieder in die Spur gefunden, mit neuem und mit altem Trainer. Aber auch Union Berlin und Stuttgart mischen noch mit. Apropos VfB, der feierte mit dem 1:0 gegen Bremen ein Jubiläum – den 750. Bundesligasieg. Beim FC Augsburg war es erst der 100. Sieg seit dem Aufstieg 2011. Das 2:1 gegen Hoffenheim war aber wertvoll, der Klassenerhalt ist zwar nicht perfekt, kann aber als ziemlich sicher angesehen werden.

Den Teams am Tabellenende fehlen nämlich die Siege, Unentschieden bringen niemanden weiter, es bleibt alles beim Status quo. Schalke gilt als Absteiger und plant für die zweite Liga, u. a. mit Trainer Grammozis. Köln erlitt als einziger eine Niederlage, Mainz und Bielefeld im direkten Duell und ebenfalls die Hertha mit einem (wertvollen) 1:1 im Stadtderby gegen Union kamen nicht groß voran. Gerade Mainz muss aber jetzt punkten, nächster Gegner ist wieder ein Konkurrent im Abstiegskampf, nämlich Köln. Ein Blick auf das Restprogramm zeigt, dass vor allem Bielefeld die dicksten Brocken hinter sich hat. Aber in den ausstehenden sieben Spieltagen bis zum 22. Mai ist noch vieles möglich.

Thomas Müller Hoffnungsträger für Löw und Flick

Das hatte sich Joachim Löw sicherlich anders vorgestellt. Bei seinem letzten Pflichtspiel als Bundestrainer auf deutschem Boden gab es keine Gala und keinen glanzvollen Sieg gegen den Nobody Nordmazedonien, sondern ein Gemurkse wie in früheren Zeiten und mit der 1:2-Niederlage eine Blamage, die an das unselige 0:6 gegen Spanien erinnerte. So schloss der Bundestrainer seine Ära mit der ersten Niederlage in 33 Spielen der WM-Qualifikationen ab. Gut, dass Jogi Löw seinen Rücktritt bereits erklärt hat. Die erneuten Rücktrittsforderungen wären vehement ausgefallen.

Aber was war an diesem lauem Abend in Duisburg los mit der DFB-Elf? Frühjahrsmüdigkeit oder Kraftlosigkeit mit dem dritten Spiel in sieben Tagen kann keine Erklärung sein, denn das erging dem Gegner nicht anders. Ein bisschen unterschätzt hat man Nordmazedonien, den 65. der Weltrangliste, sicherlich, auch wenn man wusste, dass es alle gestandene Profis sind. „Die können uns die Hölle heiß machen,“ hatte Löw noch gewarnt. Das war es zwar nicht gerade, aber sie bauten einen dichten Abwehrriegel auf und waren mit ihren Gegenstößen oft gefährlich. Löw hat nur leicht umgestellt, aber das ganze Team geriet gegenüber den ansehnlichen Spielen gegen Island und Rumänien vollkommen aus dem Takt, wirkte ideenlos und hilflos, blutleer und ohne Schwung. Einige waren fast Totalausfälle. Kai Havertz hätte Löw viel früher vom Feld nehmen müssen, Dribbelkünstler wie Musiala oder Younes hätten früher für Schwung sorgen können. Bezeichnend der Lapsus von Timo Werner, der dort weitermachte, was er zuletzt bei Chelsea London gezeigt hatte: Er trifft das Tor nicht mehr. Diesmal traf er nicht mal den Ball richtig, Chancentod statt Torjäger. Die Folge: Statt 2:1 ein 1:2.

Logisch, jetzt werden die Rufe nach den Ausgebooteten besonders laut. Geht es doch nicht ohne Müller, Hummels oder Boateng? Bessere Karten haben auch wieder die verschmähten Reus, Draxler, Brandt oder Kehrer. Aber sie haben eigentlich alle ihre Chancen gehabt und nicht genutzt. Jetzt sind eher die Talente Wirtz und Musiala dran. Aber die Mannschaft braucht vor allem Führungskräfte und da tauchen die Namen Hummels und Müller auf. Vor allem ein Thomas Müller wurde an diesem Abend vermisst. Einer der antreibt, einer der aufmuntert, einer der unvorhergesehene Sachen macht, die oft zu Toren führen. Vermisst wurde natürlich auch ein Torjäger und da befindet sich Müller jetzt in einer Doppelrolle: Als Hoffnungsträger für Jogi Löw und Vereinstrainer Hansi Flick, nachdem bei den Bayern Top-Torjäger Robert Lewandowski verletzt ausfällt. Jetzt ist Thomas Müller gefordert, der beste Vorlagengeber der Bundesliga mit 14 Zuspielen zu Treffern und mit zehn Toren auch der beste deutsche Torjäger nach Lars Stindl (Gladbach/11).

Einen Robert Lewandowski hat Jogi Löw sowieso nicht zur Verfügung und deutsche Mittelstürmer findet man in der Bundesliga kaum. Hätte also Kevin Volland, jetzt in Monaco, wieder eine Chance verdient? Ist Lukas Nmecha (Anderlecht), Torjäger der U21, ein Hoffnungsträger? Der Bundestrainer verhalf sich zuletzt nach dem Rücktritt von Weltmeister Miroslav Klose mit der „falschen Neun“, wollte das Manko spielerisch lösen, was nur zum Teil gelang. Vor der selben Aufgabe steht jetzt aber auch Bayern-Trainer Hansi Flick, der wohl mit Schrecken gesehen hat, dass es auch Gnabry und Sané an Torgefährlichkeit haben vermissen lassen. Wenigstens hat er im Verein und im Schlagerspiel am Samstag in Leipzig mit Coman einen Mann, der als besser und torgefährlicher als Havertz eingeschätzt werden darf. Und er hat Thomas Müller und zur Not auch Maxim Choupo-Moting. Übrigens: Bayern musste wieder erleben, dass die Vereine die Leidtragenden sind, wenn es Verletzungen beim Nationalteam gibt. Ausgerechnet gegen Andorra verletzte sich Lewandowski nachdem er zweimal getroffen hat. Von vier Wochen Pause ist die Rede, der Pole selbst macht in Optimismus und spricht von zwei Wochen. Der Weltfußballer will die Jagd nach Rekorden fortsetzen und natürlich helfen, dass Bayern die großen Ziele erreicht.

Zurück zur Nationalmannschaft. Eine gewisse Euphorie vor der Europameisterschaft ist verflogen, das zarte Pflänzchen der Hoffnung wieder verwelkt, Frust und Skepsis überwiegen. Die EM-Gruppengegner sind ja stärker einzuschätzen, sie heißen im Juni Frankreich, Portugal und Ungarn. Da hat es der Nachfolger von Jogi Löw leichter, am Donnerstag, 2. September, ist Liechtenstein der nächste Gegner in der WM-Qualifikation, bevor es am Sonntag danach gegen Armenien geht. Wieder ein „kleiner“ Gegner, nein, ungeschlagener Tabellenführer der Gruppe J (1:0 in Liechtenstein, 2:0 gegen Island, 3:2 gegen Rumänien). Außerdem: Die These gilt immer mehr, „Kleine“ gibt es nicht mehr, sie ärgern die „Großen“ mit Abwehrriegeln und Konterspiel. Dennoch liegen trotz vieler Probleme die Favoriten nach dem ersten Teil in der WM-Qualifikation vorn, nämlich Portugal, Spanien, Italien, Frankreich, Belgien, Dänemark, Kroatien und England. Nicht dazu zählt die Niederlande (Zweiter hinter der Türkei) und am schlechtesten steht Deutschland da – Dritter hinter Armenien und Nordmazedonien. Wem kann man jetzt zurufen: „Herr X übernehmen Sie!“

In der Frage nach der Zukunft fällt auch der Blick auf die U21, die mit viel Einsatz und Willen den Sprung in die Endrunde der Europameisterschaft geschafft hat. Das 3:0 gegen Ungarn, 1:1 gegen die Niederlande und 0:0 gegen Rumänien waren auch keine Offenbarung. Im Viertelfinale ist jetzt am 31. Mai in Ungarn (Szekesfehervar) Dänemark der Gegner. Ein Gewinner war höchstens Trainer Stefan Kuntz, der ebenfalls als Löw-Nachfolger gehandelt wird. Neben Torjäger Nmecha dürfte aber höchstens Ridle Baku als Kandidat für den Löw-Kader in Frage kommen. Die Zukunft schaut nicht unbedingt sehr hoffnungsvoll aus.

Die Meiterprüfung für Leipzig und Julian Nagelsmann

Am kommenden Wochenende, wenn die Fußball-Bundesliga mit Schlagerspielen wieder die Aufmerksamkeit auf sich zieht, sind die WM-Qualifikationsspiele Vergangenheit, aber die Nachwehen werden einige spüren. Vor allem in punkto Verletzungen oder weil sich einige Spieler noch in Quarantäne befinden. Das könnte auch das Duell an der Spitze beeinflussen, wenn Verfolger RB Leipzig am Samstag (18.30 Uhr) Dauer-Meister Bayern München erwartet. Dieses Match wird aber zur Meisterprüfung für Leipzig und Trainer Julian Nagelsmann.

Die Fußball-Fans lechzen danach, dass die Langeweile an der Bundesliga-Spitze beendet wird. Am Samstag steigt so etwas wie ein Finale. Allerdings fordert nicht der alte Kontrahent Borussia Dortmund die Bayern heraus, sondern der eigentlich ungeliebte Newcomer aus Leipzig. Doch diesmal hat der Brauseverein die Sympathien, wenn er auch bei vier Punkten Rückstand nicht an die Spitze springen kann. Allerdings könnte dann der Titelkampf so spannend werden wie das erste Formel-1-Rennen zwischen Hamilton, ebenfalls Seriensieger, und Verfolger Verstappen.

Was spricht für Leipzig? Der erst 33 Jahre alte Coach Julian Nagelsmann ist ein Trainer, der den Vorwärtsgang einschaltet und keine Zweifel lässt: „Ich will mit Leipzig was Blechernes gewinnen“, sagte er bei seinem Amtsantritt. Er hat ein ausgeglichenes Team zur Verfügung und mehr Wechselmöglichkeiten als die Bayern. Die Leipziger sind heiß, sie wollen den Titel, aber sie haben in der Vergangenheit in wichtigen Spielen nicht immer ihre Nerven im Griff gehabt. Sie sind zwar nach den Bayern das heimstärkste Team, aber ihnen hängt nach, dass sie das Spitzenspiel Anfang Januar gegen Dortmund mit 1:3 verloren haben. Ihr Vorteil könnte aber sein, dass die Münchner meist nach der Länderspielpause schwer in die Gänge kommen. Oft gab es in den Vergleichen keinen Sieger. Ausfälle müssen beide Teams verkraften. Bei Leipzig ist Mittelfeldmotor Kampl gesperrt, bei Bayern fehlen gesperrt Roadrunner Davies und Abwehrrecke Boateng. Fraglich sind bei RB Halstenberg wegen Quarantäne, die Bayern bangen sogar um Torjäger Robert Lewandowski, der sich beim Nationalteam eine Bänderverletzung im Knie zugezogen hat. Da ist also gleich doppelt für Spannung gesorgt. Die bleibt, wenn der Tabellenführer strauchelt, die nimmt massiv ab, wenn er um sieben Punkte davon zieht.

Aber nicht nur der Kampf um die Spitze verspricht Spannung, es gibt einige brisante Duelle. Eigentlich ist dies für den Rest der Saison gegeben. Im April werden bekanntlich die Weichen gestellt, im Mai gibt es dann die Endspiele. Nicht nur echte Finals um DFB-Pokal oder Champions League zum Beispiel, sondern auch Finals um die Plätze in Europa oder im Kampf gegen den Abstieg. Die Weichen werden aber vorher gestellt, am Wochenende im Duell Dortmund gegen Frankfurt im Kampf um Platz vier oder im Berliner Derby um die Vorherrschaft in der Stadt, für Hertha aber auch wichtig im Abstiegskampf, da gibt es zwischen Mainz und Bielefeld zudem ein direktes Duell von zwei Abstiegskandidaten. Die Bundesliga kehrt also mit Paukenschlägen zurück.

Interessant wird es sein, die Entwicklung in Leverkusen zu sehen, wo Hannes Wolf den einst so gelobten Peter Bosz als Trainer abgelöst hat. Wenn das Europa-Geschäft in Gefahr gerät, muss halt gehandelt werden. Bemerkenswert, dass sowohl Wolf als auch der „alte Haudegen“ und „Weltmeister der Co-Trainer“, der Ex-Leverkusener Peter Hermann, vom DFB freigegeben wurden, wo sie bei den Junioren arbeiteten.

Kein Rumpelfußball, keine Gala

Auf dem Prüfstand stand in den letzten Tagen die Nationalmannschaft. Die Fragen: Wie hat sie das 0:6 gegen Spanien verdaut, wie reagieren die Spieler auf den angekündigten Rücktritt von Bundestrainer Joachim Löw? Die Antworten: Von Verunsicherung war nichts zu spüren, eine Besserung wurde deutlich, beim 3:0 gegen Island und 1:0 in Rumänien gab es die erwarteten Siege, keinen Rumpelfußball wie zuletzt oft kritisiert, aber auch keine Gala. Vor allem der Bayern-Block mit Kimmich, Goretzka, Sané und Gnabry sorgte in beiden Spielen für Belebung, ein Hauch der Bayern-Klasse war spürbar, aber noch war nicht alles in Butter. Vor allem in Bukarest hätte es bei der mangelhaften Chancenverwertung noch schief gehen können. Robert Lewandowski ist bekanntlich Pole. Auffallend das starke Pressing der Mannschaft, wo sich Sané, Gnabry und Havertz bereits am gegnerischen Strafraum mit Balleroberungen verdient gemacht haben.

Das 3:0 gegen Island wurde ein bisschen überbewertet, deutlich wurde ja, dass da quasi alte Herren als Gegner auf dem Platz stehen. Die 0:2-Niederlage der Isländer in Armenien relativiert einiges. Rumänien war da schon ein anderes Kaliber, aber keineswegs ein Gegner wie er bei der Europameisterschaft vor allem mit Portugal und Frankreich zu erwarten ist. Es ist also schon noch einiges zu tun. Jogi Löw lobte aber den Spirit und „es war viel Elan zu sehen“. Am Mittwoch folgt noch der Nobody Mazedonien.

Fast mehr Aufmerksamkeit als der Sport erregte eine andere Aktion der DFB-Auswahl. In Duisburg präsentierte sich die Mannschaft mit einer Aussage zur WM 2022 in Katar, stellte sich exakt so auf, dass auf selbst bemalten Trikots die Aussage „Human Rights“ zu sehen war. Wie schon vorher die Auswahl Norwegens wollten die Spieler darauf aufmerksam machen, dass überall in der Welt die Menschenrechte eingehalten werden sollten. Der Beifall war den Spielern gewiss, in Rumänien legten sie nach. Kimmich und Co. machten deutlich, dass sie mit offenen Augen durchs Leben gehen und nicht nur in der „Blase Fußball“ leben. Eine Aktion die Lob verdient.

Zurück zum Sportlichen. Andere Favoriten hatten mehr Probleme als die deutsche Mannschaft. Die Niederlande wurde in der Türkei mit 4:2 abgefertigt, Spanien schaffte in Griechenland ebenso nur ein 1:1 wie Frankreich gegen die Ukraine. Einen besonderen Eklat gab es beim 2:2 von Serbien gegen Portugal, als in der Nachspielzeit ein klares Tor von Cristiano Ronaldo nicht gegeben wurde. Vor Wut warf er seinen Kapitänsbinde auf den Boden. Da waren die deutschen Spiele ruhig dagegen.

Ein weiterer Blog zu den WM-Qualifikationsspielen und dem Abschneiden der deutschen Mannschaft noch in dieser Woche.

Formel 1: Eine Fahrt ins Ungewisse

Corona trotzen, allen Unkenrufen trotzen, die ihr keine Zukunft geben – die Formel 1 lebt und präsentiert sich zum Start der Saison 2021 so interessant wie selten zuvor. Der Motorsport hat also noch seine internationale Bühne. Tatsächlich befindet sich die Formel 1 auf einer Fahrt ins Ungewisse – und das macht sie für die neue Saison spannend, so spannend wie selten zuvor. Der Vorwurf, dass Langeweile eingekehrt ist, gilt nicht mehr.

Von der Pandemie unbeeindruckt bastelten die Formel-1-Bosse einen Rekordkalender mit 23 Rennen. Ob sie am Ende auch alle stattfinden werden, das steht noch in den Sternen. Schon der Start musste verschoben werden, statt in Melbourne geht es jetzt in Bahrain los. Melbourne soll am 21. November nachgeholt werden, das letzte Rennen ist für den 12. Dezember in Abu Dhabi terminiert. Deutschland ist nicht vertreten, der Nürburgring darf sich dennoch Hoffnung machen, wenn es – wie im Vorjahr – irgendwo nicht klappt. Dafür feiert Saudi-Arabien am 5. Dezember seine Premiere. Die Kritik wegen mangelnder Menschenrechte im Land prallt an der Formel 1 ab.

Wenn schon ein Rekord-Kalender, dann ist es gut, dass es vor dem ersten Start Spannung wie selten gibt. Das Ungewisse für Konstrukteure und Fahrer ist das neue Reglement, das nicht nur eine Kostendeckelung vorsieht, sondern auch neue Autos für 2022. In diesem Jahr sorgt bereits eine Veränderung des Unterbodens für Aufregung, weil viele Rennställe mit der Balance Probleme haben, so auch Mercedes. Weltmeister Lewis Hamilton erlebte es am eigenen Leib, als er bei den Testfahrten im Kiesbett landete. Damit haben wir auch das erste Spannungsfeld: Hat Mercedes Probleme, ist die Dominanz der letzten Jahre vorbei und wer profitiert? Verfolger Max Verstappen hat Hoffnung, warnt aber auch: „Wir wollen sie herausfordern, aber Mercedes hat noch immer alle Probleme in den Griff bekommen.“ Ein unstabiles Auto würde auch Hamiltons Hoffnung zunichte machen. Lange hat er sich wegen einer Vertragsverlängerung geziert, hat nur für ein Jahr unterschrieben und das soll ihn zum alleinigen Rekordhalter machen. Der achte WM-Titel soll es sein, nachdem er Michael Schumacher mit sieben Meisterschaften eingeholt hat. Außerdem hat er runde Rekordmarken im Visier: 100 Siege (bisher 95) 100 Pole-Positions (98), das sollte ihm wohl gelingen. Danach, so klang es durch, könnte er sich zur Ruhe setzen.

Der Name Schumacher sorgt für Gänsehautfaktor. Aber auch für Michaels Sohn Mick wird es eine Fahrt ins Ungewisse. „Unglaublich glücklich“, gibt sich der 22-Jährige, der als Weltmeister der Formel 2 ein Cockpit bei Haas bekam. Allerdings sitzt er in einem der schwächsten Autos des Feldes und ist unter anderem davon abhängig, ob Ferrari, wo er zum Talenteschuppen gehört, wieder einen stärkeren Motor hinbekommt. Im Vorjahr war Haas das zweitschwächste Auto, holte nur drei Punkte, schlechter war nur noch Williams mit einer Nullnummer.

Teamchef Günther Steiner, Metzgersohn aus Südtirol, macht ihm keine Hoffnung: „Wir wissen, dass unser Auto nicht gut sein wird. Wir entwickeln zwei junge Fahrer und parallel dazu das rundum neue Auto für das kommende Jahr.“ Der Name Schumacher elektrisiert zwar die Motorsportfans in Deutschland, aber mit Erfolgen werden sie sich und Mick gedulden müssen. Für den Nachwuchsstar geht es nur darum, den zweiten jungen Fahrer im Team, den Russen Nikita Mazepin, in die Schranken zu weisen. Der Heißsporn, der gerne mal über die Stränge schlägt, hat einen Vorteil im Rücken: Sein Vater ist der Hauptsponsor des Teams, das jetzt Uralkali Haas heißt und für Aufregung sorgte, weil es in den Farben der russischen Nationalflagge lackiert ist. Russlands Bann im internationalen Sport gilt auch für die Formel 1. Angesichts dieses Theaters wird Mick nicht glücklich gewesen sein.

Von Mick reden alle, da vergisst man fast, dass sich gleich vier Weltmeister im Fahrerfeld befinden. Allerdings ist nur Hamilton ein echter Titelanwärter, Sebastian Vettel (4 Titel) will wenigstens zum Verfolgerfeld gehören, das erhofft sich auch Fernando Alonso (2), der bei Renault Alpine sein Comeback feiert, während Kimi Räikkönen (1) mit Alfa Romeo eher im hinteren Feld anzusiedeln ist. Für Vettel ist es ein Neuanfang, der Kalauer machte die Runde, die Ampel schaltet für ihn von Rot auf Grün. Nach den erfolglosen Ferrari-Jahren soll es bei Aston Martin wieder mehr Spaß machen. Unter dem alten Namen Racing Point war das Auto im Vorjahr oft vorne dabei und am Ende nur knapp hinter McLaren Vierter in der Konstrukteurswertung. Mit dem James-Bond-Auto Aston Martin soll es noch mehr Power geben, schließlich steckt ein Mercedes-Motor unter der Haube. Jetzt muss Vettel zeigen, ob seine vielen schwachen Rennen wirklich am Ferrari lagen. Fährt er wieder hinterher, wird es ein Offenbarungseid. Er schaffte es nur in sieben Rennen in die Punkte und war am Ende nur 13. im Gesamtklassement. Wie ernst Aston Martin sein Engagement in der Formel 1 nimmt, zeigt sich daran, dass die Firma auch beim Safety Car beteiligt ist, bisher hatte da Mercedes ein Alleinstellungsmerkmal, jetzt fährt zur Hälfte ein Vantage mit 510 PS. Den hätte auch James Bond gern gehabt.

Seltsam, die Formel 1 wird spannender, aber die Fernsehzuschauer in Deutschland schauen in punkto Free-TV in die Röhre. Nach mehr als 30 Jahren besitzt RTL nicht mehr die Erstrechte, hat sich aus finanziellen Gründen zurückgezogen – jetzt, wo es wieder spannender wird und die Einschaltquoten immer noch überraschend gut waren. Die Königsklasse ist jetzt allein beim Pay-TV-Sender Sky zu sehen, der gleich einen eigenen Motorsportkanal installiert hat und auch andere Serien dort zeigt. Vier Zuckerl gibt es allerdings, laut Vertrag muss Sky vier Rennen im Free-TV zeigen und hat hier RTL ins Boot genommen. Aus Imola, Barcelona, Monza und Sao Paulo wird auch RTL übertragen, ist also nicht ganz verschwunden. Wie verlautet, denkt man bei RTL heute auch schon wieder über eine Rückkehr nach. Sollte es wieder mal eine Schumacher-Euphorie geben, will man halt dabei sein. Aber wie vieles in der Formel 1, dies bleibt ungewiss.

Teams und Fahrer: Mercedes (Hamilton, Bottas), Red Bull (Verstappen, Perez), McLaren (Ricciardo/Norris), Aston Martin (Vettel, Stroll), Renault Alpine (Alonso, Ocon), Ferrari (Leclerc, Sainz jr.), Alpha Tauri (Gasly, Tsunoda), Alfa Romeo (Räikkönen, Giovinazzi), Haas (Schumacher, Mazepin), Williams (Latifi, Russell).

Die Rennen: 28. März Bahrain, 18. April Imola, 2. Mai Portugal, 9. Mai Barcelona, 23. Mai Monte Carlo, 6. Juni Baku 13. Juni Montreal, 27. Juni Le Castellet, 4. Juli Spielberg, 18. Juli Silverstone, 1. August Budapest, 29. August Spa, 6. September Zandvoort, 12. September Monza, 26. September Sotschi, 3. Oktober Singapur, 10. Oktober Suzuka, 24. Oktober Austin/Texas, 31. Oktober Mexiko City, 7. November Sao Paulo, 21. November Melbourne, 5. Dezember Dschidda, 12. Dezember Abu Dhabi.

Verkehrte Welt des Fußballs

Die Fußball-Bundesliga hat sich mit Paukenschlägen in die Länderspielpause verabschiedet, lockt für Ostern aber bereits mit brisanten Duellen. Doch dazu später mehr. Jetzt gehört die Bühne zunächst einmal Bundestrainer Joachim Löw und seinen Mannen, die ihre ersten Aufgaben in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2022 bestehen müssen. Die Gegner gehören international nicht zur ersten Garde, können aber durchaus zu Stolpersteinen werden, Island am Donnerstag in Duisburg, Rumänien am Sonntag in Bukarest und Nordmazedonien am Mittwoch, 31. März, wieder in Duisburg.

Bei der Nominierung des Kaders für gleich drei Spiele hat Jogi Löw im Endspurt seines Bundestrainer-Daseins ein Beispiel für die verkehrte Welt des Fußballs gegeben, die in diesen Tagen zu bestaunen ist. Jogi Löw präsentierte eine überraschende Auswahl, weil er nämlich auf einige Lieblinge der Vergangenheit verzichtete, zum Beispiel auf Draxler und die Dortmunder Schulz, Brandt und Reus. Dafür wagt er Experimente, schaut auf aktuelle Form (Younes, Frankfurt) und gibt dem Nachwuchs eine Chance. Es schaut allerdings so aus, als könnte der 17-jährige Florian Wirtz (Leverkusen) nur das Feigenblatt für den 18-Jährigen Jamal Musiala von den Bayern sein, dem Löw Einsätze in Aussicht gestellt hat, damit er für Deutschland spielt. Wirtz wäre auch für die U21 in Frage gekommen, Musiala nicht, weil er dort bereits für England gespielt hat. Jetzt hat sich gebürtiger Stuttgarter im Seniorenbereich anders entschieden und Löw wird ihn auch einsetzen, damit sich das Talent in der WM-Qualifikation für Deutschland festspielt. Erst viel später wird der junge Mann erkennen können, ob er sich richtig entschieden hat.

Was auffällt, Löw hat für drei Spiele nur einen relativ kleinen Kader mit gleich vier Torhütern und 22 Feldspielern nominiert. Da hat der Kollege Franco Foda in Österreich ganz anders hingelangt, wegen der Corona-Unsicherheiten hat er nämlich gleich 43 Spieler nominiert! Löw propagiert zwar, dass einer nicht alle Spiele absolvieren könne, aber er wird doch auf ein Gerüst zurückgreifen, damit er die selbst gestellten Vorgaben, nämlich gute Leistungen zeigen und die Gunst der Fans zurückgewinnen, erfüllen kann. Basis sollte der starke Münchner Block mit Neuer, Süle, Kimmich und Gorotzka im Mittelfeld sowie Sané und Gnabry im Angriff sein. Doch wohin mit den formstarken Kroos und Gündogan? Alle auf einmal geht wohl nicht, wobei ein Mann fehlt: Ein echter Mittelstürmer und Torjäger wie etwa Lewandowski oder Haaland. Deutschland hat ihn nicht. Hätte es Kevin Volland, der in Monaco ständig trifft, sein können? Tobias Werner ist es wohl nicht.

Die erste Runde der WM-Qualifikationsspiele leidet vor allem unter der Corona-Pandemie. Es stellt sich überhaupt die Frage, ob nicht FIFA bzw. UEFA die Spiele der ersten Phase nicht hätten verlegen können, nachdem die Infektionszahlen fast weltweit nach wie vor hoch sind. So werden die Reisen und Begegnungen ein Spiel mit dem Feuer und eine organisatorische Herausforderung. Leidtragende sind am Ende Akteure und Vereine, die womöglich auf einige Asse verzichten müssen, weil sie in Quarantäne festsitzen. Verkehrte Welt des Fußballs.

Es geht aber nicht nur um die A-Nationalmannschaft, die U21 ist schon ein Stück weiter und bestreitet in Ungarn den ersten Teil der Europameisterschaft. Die wurde nämlich geteilt in die Gruppenphase im März und die K.o.-Spiele im Mai/Juni (gespielt wird auch in Slowenien). Corona hatte dazu gezwungen, wobei ein ungutes Gefühl bleibt, Ungarn gilt als Hochinzidenzgebiet. Bundestrainer Stefan Kuntz hatte Probleme mit der Nominierung und hat ebenfalls für Überraschungen gesorgt. So hat er einige Spieler für seinen Kader gewinnen können, die auch für andere Nationen hätten spielen können. Die große Auswahl hatte vor allem Malick Thiaw von Schalke, nämlich neben Deutschland auch Senegal oder Finnland. Für Deutschland hat sich auch der in Argentinien geborene Mateo Klimowicz (Stuttgart) entschieden. Mit dabei ist auch das 16-jährige Dortmunder Talent Youssouffa Moukoko. Kommt er zum Einsatz, wird er der jüngste EM-Teilnehmer aller Zeiten. Für Kuntz gilt es, die Endrunde zu erreichen, das wird gegen Ungarn (Mittwoch), Niederlande (Samstag) und Rumänien (Dienstag, 30. März) nicht leicht. Platz eins und zwei bringen den Einzug ins Viertelfinale, Kuntz kann sich aber auch als Nachfolger für Joachim Löw empfehlen. Besondere Situation: Die Spiele werden von Pro7 im Fernsehen übertragen, Reporter ist unter anderem Matthias Stach, sein Sohn Anton (Fürth) ist im Aufgebot dabei! Das ist die schöne Welt des Fußballs.

Bayern macht aus Unterzahl eine Überzahl

Es hat in der Bundesliga mal den Vorschlag gegeben, dass die Bayern in jedem Spiel mit einem Mann weniger antreten müssten, damit wieder Spannung aufkommt. Jetzt wurde der Beweis angetreten, dass das gar nichts bringt. Beim 4:0 gegen Stuttgart musste Davies bereits nach zehn Minuten vom Feld, die Bayern gerieten in Unterzahl, doch scheinbar wurde eine Überzahl draus. Ihren Rhythmus verloren nämlich die Stuttgarter, die stark begonnen hatten. Für die Bayern wurde die Unterzahl zur Motivation, sie spielten auf wie schon lange nicht mehr, es schien, sie waren ein Mann mehr. Lewandowski warf die Tormaschine an und überrollte den VfB. Der Pole steht jetzt bei 35 Treffern, Ziel sind bekanntlich die 40 von Gerd Müller, 50 Jahre früher erzielt. Es war das 50. Ligaspiel unter Trainer Hansi Flick, die Bayern erzielten in dieser Zeit 153 Tore, also 3,06 pro Spiel! Rekord für die Bundesliga, dahinter folgen andere Bayern-Trainer: Carlo Ancelotti mit 2,58 und Pep Guardiola mit 2,49. Vielleicht waren die Bayern auch so gut in Schwung, weil der Streit zwischen Trainer und Sportvorstand Salihamidzic offiziell ausgeräumt ist. Hansi Flick soll den Bayern übrigens mindestens bis Vertragsende 2023 erhalten bleiben, einem Wechsel zum DFB als Löw-Nachfolger schob Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge den Riegel vor.l

Die Bundesliga verabschiedete sich mit einem Feuerwerk an Toren und überraschenden Ergebnissen in die Länderspielpause. Brisante Duelle an Ostern verschaffen eine Vorfreude auf den Fortgang der Punktrunde. Es steht das Spitzenspiel zwischen Leipzig und München an, Dortmund kämpft dann im Duell mit Frankfurt um einen Platz in der Champions League und den Abschluss bildet das Berliner Derby zwischen Union und Hertha. Am Tabellenende siegten sich eben die Hertha und Mainz aus den Abstiegsrängen und stürzten Köln und Mainz nach unten. Da lässt sich die Länderspielpause leichter ertragen, bis es dann wieder ernst wird. Auf den Klassenerhalt braucht Schalke nicht mehr zu schauen, aber die Regelung für die Zukunft gestaltet sich ebenfalls schwierig. Ralf Rangnick hat abgesagt, er sieht die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit nicht gegeben. Für Schalke eine Bankrotterklärung. Oder will er doch lieber Bundestrainer werden?

Verkehrte Welt in der Champions League. Das Viertelfinale steht fest und einige werden vermisst. Erstmals seit Jahren sind Lionel Messi und Cristiano Ronaldo nicht dabei! Vereine aus Italien fehlen, dafür gibt es eine Premiere mit gleich vier deutschen Trainern (Flick/Bayern, Terzic/Dortmund, Klopp/Liverpool, Tuchel/Chelsea). Die Bayern stellten übrigens einen neuen Rekord auf, schafften zum 19. Mal den Sprung ins Viertelfinale, dahinter liegen Barcelona (18) und Real Madrid (17). Die Auslosung hatte es in sich, Ex-Bayern-Spieler Hamit Altintop zog eine Wiederholung des letztjährigen Finales zwischen den Bayern und Paris, Pep Guardiola kehrt mit Manchester City in die Bundesliga zu Dortmund zurück (die beiden Sieger treffen im Halbfinale aufeinander), Klopp muss mit LIverpool zu Real Madrid und Tuchel mit Chelsea London nach Porto, auch sie wären im Erfolgsfall also Gegner im Halbfinale. Spannende Welt des Fußballs.

Übrigens: Auch bei den Frauen steht das Viertelfinale in der Champions League an, gespielt wird schon am 24. und 31. März. Der VfL Wolfsburg trifft auf Chelsea (in Budapest), die Bayern erwarten die Schwedinnen vom FC Rosengard (Rückspiel am 1. April). Siegen sie, treffen die beiden deutschen Klubs im Halbfinale aufeinander.

Die verkehrte Welt des Fußballs kam auch in der Diskussion um Zuschauer wieder zum Vorschein. UEFA-Boss Ceferin setzte die Welt in Erstaunen, als er feststellte, dass die Europameisterschaft im Sommer auf jeden Fall mit Zuschauern gespielt werden wird und er drohte damit, die Städte zu streichen, die keine Fans zulassen können. Im Gegensatz dazu offenbarten die Ausrichter der Olympischen Spiele in Tokio, dass die Sommerspiele ohne Fans aus dem Ausland über die Bühne gehen müssen. Da geht Sicherheit vor, einheimische Fans könnte es nach Impfungen geben. Der UEFA-Boss zeigte sich aber instinktlos und hat mit seinen Forderungen dem Ansehen des Fußballs geschadet. Wieder heißt es nämlich von Kritikern: „Wo bleibt die Demut des Fußballs?“

Dem Wintersport fehlt der Nachwuchs – Biathlon vor dem Absturz

Am kommenden Wochenende nimmt der Sport endgültig Abschied vom Winter. Doch der lässt sich nicht so einfach beiseite schieben, wie das Schneechaos mit Rennabsagen der Alpinen im Schweizerischen Lenzerheide zeigt. Das Wetter ist das eine Problem des Wintersports, der manchmal unter fehlendem Schnee leidet, aber auch immer mit Sturm und Nebel rechnen muss. Der deutsche Wintersport hat aber noch ein ganz anderes Problem, das keine gute Zukunft prophezeit: Es fehlt der sportliche Nachwuchs.

Fehlende Talente ist das Problem aller Wintersportdisziplinen und wird in Zukunft durch den Klimawandel noch verstärkt auftreten. Wo die Kinder in den Alpen früher am Nachmittag nach der Schule einfach zum Skifahren gegangen sind, wenden sie sich heute – wenn sie nicht vor dem Computer sitzen – anderen Sportarten zu, weil eben der Schnee fehlt. Früher war auch die Bereitschaft der Eltern größer, Mühen für ihre Kinder aufzuwenden, um ihnen den Sport zu ermöglichen. Größere berufliche Anstrengungen und finanzielle Probleme setzen hier Grenzen. Ein Dilemma, für das die Verbände oft kein probates Gegenmittel haben.

In diesem WM-Winter gibt es noch einige Sportarten, die für die bevorstehenden Olympischen Winterspiele 2022 in Peking hoffen lassen. Die Rodler zum Beispiel, die an ihren Standorten in Königssee, Winterberg und Oberhof immer wieder Talente finden und Medaillen hamsterten. Erfreulich, dass Natalie Geisenberger nach ihrer Babypause gleich wieder den Weltcup gewann und das Felix Loch nach einem Leistungstief zu alter Form zurückfand. Bei den Bobfahrern gehörten die Schlagzeilen Francesco Friedrich, der Rekorde einheimste und weil auch die Frauen stark fahren, ist Deutschland die Bob- und Rodel-Nation Nummer 1!

Das kann man bei Ski alpin natürlich nicht sagen, aber nach den Rücktritten von Felix Neureuther und Regina Rebensburg sah die Saisonbilanz insgesamt besser aus als gedacht. In Cortina d’Ampezzo spielte auch das Wetter mit, so dass DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier doppelt strahlte: „Es waren extrem schöne Wettkämpfe in einer sensationellen Landschaft und wir haben uns selbst überrascht.“ Zwei Medaillen waren sein Ziel, was schon als zu hoch gegriffen angesehen wurde, sogar vier sind es geworden. Deshalb, weil die Speedfahrer „explodierten“, Andreas Sander und Romed Baumann mischten plötzlich vorne mit und gewannen ebenso Silber wie sensationell Kira Weidle in der Damen-Abfahrt. Sonnig sind die Zukunftsaussichten wie gesagt nicht, der Nachwuchs fehlt ebenso wie wohl immer öfters der Schnee.

Sonne und Schnee gab es bei der Nordischen Weltmeisterschaft in Oberstdorf, aber wie auch bei den anderen Veranstaltungen leider keine Zuschauer. Die deutsche Mannschaft konnte mit dem Gesamtergebnis zufrieden sein, doch Nachdenklichkeit kommt mit Blick auf die Zukunft auf. Die Bilanz war ausgeglichen, je zweimal Gold, Silber und Bronze waren ein guter Ertrag, Norwegen dominierte mit 13x Gold,11x Silber und 7x Bronze das Geschehen, in der Nationenwertung folgten mit großen Abstand Österreich und Schweden vor Deutschland. Die Skispringer flogen zu überraschenden Siegen, profitierten aber vor allem von der immensen Nervenstärke von Karl Geiger, der auf seinen Heimschanzen zweimal der entscheidende Schlussspringer war. Vier Medaillen gab es insgesamt. Die Kombinierer waren noch vor kurzem die dominierende Mannschaft, jetzt hat ihnen Norwegen den Rang abgelaufen und in Österreich erwächst starke Konkurrenz. Zwei Medaillen blieben übrig, einen Mann wie den Einzelsieger von der Großschanze, den erst 19-jährigen Österreicher Johann Lamparter, hat Deutschland nicht. Auch der Dominator Jarl Magnus Riiber aus Norwegen ist erst 23 Jahre alt. In der Altersklasse kann gerade mal der 23-jährige Oberstdorfer Vizenz Geiger mithalten, ansonsten fehlt der Nachschub.

Ganz schlecht sieht es im Biathlon aus, da war aktuell der Rücktritt von Arnd Peiffer eine Nachricht, die wie die Faust aufs Auge passt. Es ist niemand in Sicht, der die Erfolge eines Simon Schempp oder Arnd Peiffer in letzter Zeit oder bei den Damen einer Magdalena Neuner oder Laura Dahlmeier wiederholen kann. Bei der WM war die Ausbeute mit zweimal Silber so schlecht wie seit 2013 nicht mehr. Bei den Herren werden trotz Benedikt Doll und Erik Lesser Podestplätze in Zukunft überhaupt Mangelware sein, bei den Damen ruhen die Hoffnungen kurzfristig noch auf Franziska Preuß und Denise Herrmann, aber dahinter tut sich eine große Lücke auf.

Die Norweger dominieren auch im Biathlon das Geschehen, bei den Herren befinden sich vier Norweger unter den besten fünf Startern im Weltcup, bei den Damen führen zwei Norwegerinnen. Mit dem 24-jährigen Stura Holm Laegreid präsentieren die Skandinavier auch das größte Talent. Die Hoffnung der Deutschen ruht da eher auf dem Nesselwanger Philipp Nawarath, der im zweitklassigen IBU-Cup in der Saisonwertung Zweiter wurde, aber bereits 28 Jahre alt ist. Da gilt Vanessa Voigt bei den Damen als größere Hoffnung, die Thüringerin gewann den IBU-Cup und ist erst 23 Jahre alt. Auf breiter Front sieht es aber nicht so aus, als sollten die alten Erfolge Bestand haben können. Biathlon droht der Absturz!

In diesem Winter war Biathlon noch das Lieblingskind der deutschen Fernsehzuschauer. Die Einschaltquoten lagen oft bei über vier Millionen Zuschauern und übertrumpften alle anderen Wintersportarten um Längen, allein Skispringen konnte da mithalten. Aber auch Handball kam trotz Weltmeisterschaft hinter Biathlon und auch die Formel 1 kann im Sommer kaum mehr Zuschauer vorweisen. Der Mix aus Laufen und Schießen kommt an, vor allem die Spannung, dass bei jedem Schießen sich das Ergebnis ändern kann, sorgt für Spannung. Den Höhepunkt lieferte Franziska Preuß mit einer Aufholjagd bei der WM-Staffel, als sie als Schlussläuferin noch Silber rettete. Fragt sich für die Zukunft, ob die deutschen Zuschauer dem Biathlon treu bleiben, wenn die deutsche Mannschaft kaum mehr um den Sieg mitkämpfen kann. Nur den Norwegern zujubeln, reißt wohl nicht so viele von den Sitzen.

Die Männer der Woche – Nicht nur aus dem Fußball

Am 8. März wurde zwar der Weltfrauentag gefeiert, aber hier geht es heute trotzdem um die „Männer der Woche“. Dies ist gerechtfertigt, weil es auffallend war, dass einige Herren in den letzten Tagen die Schlagzeilen bestimmt haben. Und das sind die „Männer der Woche“, wobei die Nennung keine Rangfolge bedeutet und die Auswahl natürlich nicht komplett sein kann. Nicht nur der Fußball hatte für Aufmerksamkeit gesorgt.

Joachim Löw: Der Bundestrainer sorgte mit seiner Rücktrittsankündigung nach der Fußball-Europameisterschaft für den „Hammer der Woche“. Kurzzeitig stellte er Corona, Impfchaos und Politik in den Schatten. Er hat zweifellos einen Coup gelandet und sich aus der Bredouille gebracht. Jetzt liegt beim Turnier im Sommer alle Last auf den Spielern. Klappt es nicht, heißt es, die Spieler sind schuld, der Löw hört ja sowieso auf. Klappt es, wird Löw gefeiert und er hat einen großen Abgang. Irritierend nur, dass der 61-Jährige sich angeblich noch keine Gedanken über seine Zukunft gemacht hat.

Hansi Flick: Diese Diskussion bleibt natürlich nicht aus und wird bis zur Entscheidung weitergehen: Wer wird denn Jogi Löw beerben? Favorit ist Bayern-Trainer Hansi Flick, der zwar auf seinen Vertrag beim Verein bis 2023 verweist, aber nicht kategorisch einen Wechsel verneint, wie es Jürgen Klopp getan hat. Die Ungewissheit bleibt und wird die Bayern bis zum Ende der Saison beschäftigen. Alle anderen Kandidaten sind zweite Wahl, Lothar Matthäus hat sich in früheren Zeiten eigentlich schon selbst disqualifiziert, Löw-Assistent Marcus Sorge ist keine echte Alternative, U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz nicht mehr als eine Notlösung. Sportdirektor Oliver Bierhoff ist verantwortlich und betont, „ein deutscher Trainer soll es sein“.

Ralf Rangnick: Er fehlt in der obigen Aufzählung und wäre nach Flick wohl die naheliegendste Lösung, obwohl seine unbequeme Art problematisch sein kann. „Ich bin frei“, verrät er, mit dem Zusatz „im Moment“. Der Moment könnte sich darauf beziehen, dass er auch auf Schalke als neuer Sportvorstand im Gespräch ist. Allerdings ist er da in einem Machtkampf im Aufsichtsrat über die Zukunft des Vereins mittendrin. Ob er sich das antut? Immerhin: Die Schalke-Fans plädieren für Rangnick, das ist ein Pfund. Bundestrainer wäre zweifellos der ruhigere Job.

Erling Haaland: Der 20-jährige Norweger fegt manchmal wie ein Orkan über seine Gegner hinweg. Beim 2:2 gegen FC Sevilla schoss er Borussia Dortmund mit seinen zwei Toren in die nächsten Runde und stellte CL-Rekorde auf, u. a. 20 Tore in 14 Spielen sind neuer Bestwert (bisher kein Geringerer als Harry Kane mit 20 Toren in allerdings 24 Spielen). Mit 20 Jahren und 231 Tagen ist Haaland der jüngste Spieler mit 20 Toren. Bisher war es Kylian Mbappe mit 21 Jahren und 355 Tagen. Und Haaland spielt noch eine Rolle – siehe bei Messi. Es wäre überraschend, sollte er über die Saison hinaus in Dortmund bleiben.

Robert Lewandowski: Er trifft und trifft und trifft, der Bayern-Torjäger jagt ebenfalls die Rekorde. Auch gegen Werder Bremen traf er (zudem dreimal Latte und Pfosten, das kann vielleicht noch mal weh tun!), und holte damit Klaus Fischer in der ewigen Torjägerliste ein. Bei 268 Treffern stehen beide, Lewandowski wird bald die alleinige Nummer zwei sein hinter Gerd Müller mit 365 Toren. Zum Saison-Rekord von Müllers 40 Treffern fehlen acht Tore – neun Spiele hat er noch.

Lionel Messi: Was macht der Großverdiener des FC Barcelona nach dieser Saison? Paris mit Mbappe und Neymar und die Hoffnung auf den Gewinn der Champions League locken nach dem Sommer, aber Barcelona hat einen Trumpf: Der neue Präsident Joan Laporta hat die Sympathien von Messi und er verspricht Verstärkung. Im Gespräch: Erling Haaland (!), David Alaba (Bayern) und Eric Garcia (Manchester City). An Millionen soll es nicht fehlen, trotz bombastischen 1,17 Milliarden Euro Schulden von Barca. Kann er Messi umstimmen, der schon von seinem Abgang sprach, andererseits mit der Wahl von Laporta ein Zeichen setzte?

Cristiano Ronaldo: Der Argentinier und der Portugiese beherrschten in den letzten Jahren den internationalen Fußball, jagten Rekorde und gewannen fast alle Wahlen. Jetzt erlebte Ronaldo eine bittere Stunde: Für viel Geld von Juventus Turin geholt, um den Traum der Italiener vom Gewinn der Champions League wahr werden zu lassen, erlebte er stattdessen jedes Jahr eine Pleite. Die Fans lasten ihm dies an. Auch diesmal scheitere die „Alte Dame“ bereits im Achtelfinale am Außenseiter FC Porto – ohne Ronaldo-Tor. Viertelfinale, Achtelfinale, Achtelfinale – die schwache Bilanz von Juve und Ronaldo, seit er 2018 von Real Madrid kam. Am Sonntag schoss er sich aber den Frust von der Seele mit drei Treffern beim 3:1 in Cagliari. Über einen Abgang in Turin wird allerdings spekuliert. Ronaldo steht mehr in der Kritik als Trainer Andrea Pirlo, einst als Spieler verehrt.

Dr. Thomas Bach: Der einstige Fechter bleibt Herrscher beim IOC. Der Deutsche wurde als IOC-Präsident mit nur einer Gegenstimme wieder gewählt. Einen Gegenkandidaten hatte er nicht, aber dennoch international in den Medien viel Gegenwind. Ihm wird vor allem vorgeworfen, dass er das IOC quasi unter seine Fittiche gebracht hat, die Bach-Getreuen entsprechend positioniert hat. Bach und das IOC sind allerdings dabei, den guten Ruf von Olympia zu ruinieren und auch die Vergabe der Olympischen Spiele wird immer mehr zu einer Mauschelei im Hinterzimmer. Die Sommerspiele in Tokio will Bach um jeden Preis retten, dafür stößt er auch die Gastgeber vor den Kopf, wenn er das Angebot der Chinesen annimmt, ausgerechnet in Japan für die notwendigen Impfungen zu sorgen. Instinktloser geht es nicht.

Alfred Gislason: Als der Isländer vor einem Jahr Bundestrainer im Handball wurde, da stand er zunächst ohne Spiele da, weil die Corona-Pandemie den Sport stoppte. Bei der Weltmeisterschaft in Ägypten stand er ohne Spieler da, weil einige wegen der Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19 verzichteten. Jetzt hatte er sein komplettes Team zur Verfügung und schaffte grandios die Qualifikation für Olympia, unter anderem auch, weil Gislason die Mannschaft taktisch richtig eingestellt hatte. Sein größter Schachzug war der Einsatz vom unerschrockenen Linksaußen Marcel Schiller für Kapitän Uwe Gensheimer. Handball hat geliefert und darf jetzt wirklich von Olympia-Gold träumen, Deutschland zählt auf jeden Fall zum Favoritenkreis.

Leipzig verliert an Boden

In der Fußball-Bundesliga hatten die Bayern am Samstag mit einem problemlosen 3:1 in Bremen vorgelegt, sich die 800. Tabellenführung (!) gesichert und dann zählten sie am Sonntag noch einmal zu den Gewinnern, weil der einzige Verfolger RB Leipzig beim 1:1 gegen Frankfurt patzte und an Boden verlor. Jetzt haben die Bayern wieder vier Punkte Vorsprung und wollen ihn gegen Stuttgart am Samstag verteidigen. RB tritt in Bielefeld an und dann folgt nach der Länderspielpause das große Duell in Leipzig. Dann stehen sich vielleicht zwei Bayern-Trainer gegenüber: Der aktuelle, Hansi Flick, und sein möglicher Nachfolger, Julian Nagelsmann. Der wird nämlich als Favorit auf den Posten gehandelt, wenn Flick doch Bundestrainer werden will. Nur eine Pflichtaufgabe müssen die Münchner vorher lösen, nämlich in der Champions League am Mittwoch gegen Lazio Rom, nach dem 4:1 im Hinspiel sollte es nur Formsache sein. Spannender ist dann wohl die Auslosung des Viertelfinales am Freitag. Leipzig musste mit dem erneuten 0:2 gegen Liverpool einen Dämpfer hinnehmen.

Im Abstiegskampf wird es immer spannender, weil Mainz und Bielefeld eine Aufholjagd gestartet haben. So rutschte Hertha BSC auf den Relegationsplatz ab, die hochfliegenden Berliner Träume könnten urplötzlich platzen. Aber auch Köln gerät wieder in Schwierigkeiten, gegen Dortmund sollte man von Trainer Markus Gisdol allerdings keinen Sieg erwarten. Andererseits steht er auf der Kippe und die Länderspielpause eignet sich wunderbar für einen Trainerwechsel… Schalke hat bereits den fünften Trainer in der Saison, dort muss man nach dem 0:5 in Wolfsburg und den mäßigen Leistungen zwangsläufig für die 2. Bundesliga planen. Ob mit oder ohne Ralf Rangnick wird sich zeigen. Die „Männer der Woche“ werden noch länger im Gespräch bleiben.

Gold-Sehnsucht: Handballer müssen liefern!

Es ist schon seltsam: Bei der Handball-Weltmeisterschaft im Januar in Ägypten schied Deutschland vorzeitig krachend aus, wurde auf dem historisch schlechten zwölften Platz notiert und dennoch war danach davon die Rede, dass man bei Olympia Gold holen wolle! „Haben die denn noch alle?“ wunderte sich der Laie, der Fachmann aber beschwichtigte: „Möglich wäre das schon.“ Dafür müsste natürlich alles passen, zuerst einmal muss sich das DHB-Team für die Olympischen Spiele im Sommer in Tokio (wenn sie denn stattfinden!) überhaupt qualifizieren – und das wird schwer genug.

Als sich der Handball-Bund um das Qualifikationsturnier bemühte, da hatten die Funktionäre im Hinterkopf, dass der Heimvorteil Hilfestellung leisten könnte. Nun wird in der Max-Schmeling-Halle in Berlin gespielt, aber die Corona-Pandemie hat den Heimvorteil gekippt, wie überall wird die Halle leer sein. Gespielt wird praktisch auf neutralem Parkett. Die Gegner sind nicht von Pappe, sie haben sich u. a. bei der WM profiliert. Schweden (erster Gegner am Freitag, 15.15 Uhr, alle deutschen Spiele im Fernsehen bei ARD und ZDF) wurde Vize-Weltmeister, Slowenien (Samstag, 15.35 Uhr) war EM-Vierter, Außenseiter ist dagegen Afrika-Vertreter Algerien (Sonntag, 15.45 Uhr). Die letzte Paarung des Turniers heißt Schweden – Slowenien, geht alles gut, kämpfen diese beiden Nationen um das zweite Ticket und Deutschland hat das erste in der Tasche. Dann dürfte sie gelebt werden, die Sehnsucht nach dem Gold.

Die Zuversicht im deutschen Lager hat einen Namen: Abwehrwall. Bei der WM fehlten die besten Abwehrspieler aus privaten Gründen (Corona-Angst um die Familie) und so bröckelte die Abwehrmauer. Im Handball ist es wie im Fußball, die Abwehr gewinnt Meisterschaften. Und da atmet der bisher unglückliche Bundestrainer Alfred Gislason, dessen Qualitäten unbestritten sind, spürbar auf: „Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek gehören zu den Besten der Welt“. Dazu gesellt sich Steffen Weinhold und schon ist das Fort Knox des Handballs, wie die Abwehr gern bezeichnet wird, wieder dicht. Nachdem alle drei auch die Stützen des THW Kiel bilden, stärkt das die Hoffnung, dass sie nicht nur mit Kiel Titel gewinnen, nämlich überraschend die Champions League.

Die Spannungen im Team sind offensichtlich ausgeräumt, Torhüter Andreas Wolff hatte im Vorfeld der WM für Unruhe gesorgt, als er die Absagen der Stammspieler kritisierte. Um sich die Sehnsucht Gold zu erfüllen, wollen alle an einem Strang ziehen und es ist selten genug, dass der Bundestrainer seine stärksten Spieler zur Verfügung hat. Dazu zeigte sich die Bundesliga kulant und ermöglichte durch Terminverschiebungen einige Tage mehr Vorbereitung. Keine Selbstverständlichkeit in der Hetzjagd, unter der auch die Handballer leiden. So müssen Schweden und Slowenien drei Tage vor dem Turnier noch ausgefallene Spiele der EM-Qualifikation nachholen. Ob das ein Vorteil (Test) oder Nachteil (Müdigkeit) ist, wird sich zeigen.

Eine Qualifikation für die Olympischen Spiele ist für den Handball-Bund mit Blickrichtung Zukunft von entscheidender Bedeutung. Nur bei sportlichem Erfolg fließen die notwendigen Förderungen vom Staat, nur bei Erfolg interessiert sich die Öffentlichkeit für Handball (in der Vergangenheit schon mit beachtlichen zweistelligen TV-Einschaltquoten), nur bei Erfolg geraten auch die lukrativen Fernsehverträge mit ARD und ZDF nicht in Gefahr. So träumt eben Vizepräsident Bob Hanning, der immer mit seinen bunten Pullovern auffällt, von Gold, das viele Hürden beseitigen würde. Liefern müssen die Spieler, zunächst in Berlin und dann vielleicht in Tokio.

Das Aufgebot: Tor: Wolff (Kielce/Pol), Bitter (Stuttgart), Heinevetter (Melsungen). Kreis: Wiencek, Pekeler (beide Kiel), Golla (Flensburg). Rückraum: Drux , Wiede (beide Berlin), Kühn, Häfner (beide Melsungen), Heymann (Göppingen), Weber (Leipzig), Böhm (Hannover), Knorr (Minden), Weinhold (Kiel). Linksaußen: Gensheimer (Rhein-Neckar-Löwen), Schiller (Göppingen). Rechtsaußen: Kastening (Melsungen), Groetzki (Rhein-Neckar-Löwen).

Der siebte Titel: Die Bayern sind auch Geister-Meister!

Was wurden die Bayern auf ihrem Weg zu sechs Titeln in einer Saison gefeiert. Doch bei diesem Sixpack mit Meisterschaft, Pokal, Champions League, nationalem Supercup, UEFA-Supercup und Klub-Weltmeisterschaft bleibt es nicht. Die Bayern sind auch Geister-Meister! Doch feiern will natürlich keiner, aber es ist leider einfach Tatsache, dass sich am 11. März die Zeit der Geisterspiele jährt. Corona verbannte die Zuschauer aus den Stadien, die DFL ersann ein schlüssiges Hygienekonzept und so durfte die Fußball-Bundesliga wieder spielen, allerdings nur vor leeren Rängen, aber mit Fernsehkameras. Am 11. März gab zwischen Gladbach und Köln das erste Geisterspiel in der Geschichte des Fußballs. Ein Jahr später bleibt leider immer noch die Frage offen, wann es wieder das erste Bundesligaspiel vor vollen Rängen geben wird.

Es wäre wohl falsch, wenn wir heute urteilen würden, wir haben uns an die Spiele ohne Fans gewöhnt. Nein, haben wir nicht, vor allem die Spieler auf dem Feld nicht, egal in welcher Liga. Gab es vorher Ärger mit lärmenden, gewalttätigen und beleidigenden Fans, so wurde dieser Ärger inzwischen verdrängt, vermisst wird die Anfeuerung, die Unterstützung, schlichtweg die Stimmung. Heute versuchen es die Betreuer am Rande des Spielfelds, manchmal ist auch das nervig und sogar peinlich. Immerhin, die Bundesliga lebt, spielt und hat zumindest die Zuschauer an den Bildschirmen zurückgewonnen. Sank am Anfang das Interesse an den Spielen, so haben die TV-Einschaltquoten bei Sky, ARD und ZDF die alten Zahlen wieder erreicht.

Andere Zahlen sind nicht so erfreulich, mit den Fans fehlen auch die Einnahmen von Eintrittskarten, dem Catering und allem anderen Drumherum. Der Verlust allein von der Bundesliga dürfte sich laut Insidern bis auf eine Milliarde Euro beziffern. Geht es noch länger ohne Zuschauer weiter, droht dem einen oder anderen Profi-Verein die Pleite. Auch sportlich gab es Auswirkungen, ohne Fans gibt es den Heimvorteil nicht mehr, gab es vorher 44 Prozent Heimsiege und nur 35 % Auswärtssiege, so drehte sich die Statistik auf 36 % Heimsiege und 37 % Auswärtssiege, bei 27 % Unentschieden. Möglich, dass sich auch anderweitig der fehlende Einfluss der Fans bemerkbar macht, die Chancenverwertung steigerte sich von 28,8 auf 30,6 Prozent und es gab weniger Rote Karten, sind die Spieler jetzt also konzentrieter und weniger heißblütig, bzw. werden sie derzeit weniger angestachelt? Jeder für sich muss allerdings die Frage beantworten, ob das Niveau gesunken oder gestiegen ist…

Rein sportlich gesehen gibt es allerdings keine Überraschung, wenn man eine Tabelle der Geisterspiele erstellt. Geister-Meister ist – natürlich – der FC Bayern München. In 33 Spielen haben die Bayern 82 Punkte geholt, 13 mehr als der RB Leipzig, der aktuell schärfste Konkurrent. Dahinter überraschend Frankfurt (60 Punkte in 34 Spielen) und Wolfsburg (58/33). Erst dann kommt Borussia Dortmund (57/33). Dort sehnt man sich wohl am meisten nach der Unterstützung der Fans, Stichwort „Gelbe Wand“. Das Schlusslicht überrascht wohl nicht, auch bei den Geisterspielen wird das Dilemma von Schalke 04 deutlich, nur 12 Punkte in 33 Spielen, Köln hat als Vorletzter mit 25 Punkten (33) immerhin das Doppelte geholt (gewertet nur Vereine mit über 30 Spielen, Auf- und Absteiger haben ja weniger).

Kampfansage von Leipzig

Auch ohne Zuschauer, aufregend ist die Fußball-Bundesliga aktuell genug. RB Leipzig hat sich zum ernsthaften Rivalen für die Bayern aufgeschwungen will den Titel. Die Sachsen wirken stabil, selbst Bayern-Trainer Hansi Flick schwärmt: „Es macht Spaß, sie anzuschauen“. Und Freiburgs Trainer Christian Streich prophezeit nach den Erfahrungen des 0:3 gegen Leipzig: „Die können Bayern fordern, das wird ein harter Zweikampf.“ Vor allem dann, wenn es mit den Aufholjagden der Münchner nicht mehr klappt. Auch gegen Dortmund hieß es zunächst „macht auf die Tür, das Tor macht weit“, nach neun Minuten stand es 0:2 durch zwei Haaland-Treffer. Allerdings behielt der Meister die Ruhe, Dortmund wurde eher ängstlich und Torjäger Robert Lewandowski entschied mit drei „Buden“ auch das Duell der Torjäger für sich. Sechsmal schon wandelten die Bayern einen Rückstand in einen Sieg um, das ist Einstellung des Vereinsrekords. Vielleicht holen sie sich noch den Bundesliga-Rekord von Bayer Leverkusen, das in der Saison 1999/2000 achtmal die Wende schaffte. Allerdings beklagen die Münchner Spieler selbst, „so eine Aufholjagd geht an die Substanz“.

Und was den Rest der Saison angeht, da dürfen wir auch gespannt sein, ob Robert Lewandowski locker bleibt. Seine Jagd nach dem Rekord von Gerd Müller (40 Tore) wird von den Medien begleitet und der Pole denkt mit Sicherheit an diese Zahl, auch wenn er beteuert, eben nicht daran zu denken. Müller hatte 71/72 nach 24 Spieltagen 26 Tore, Lewandowski steht bei 31 und hat noch zehn Spieltage vor sich. Ein Treffer pro Spiel reicht also! Am meisten wünscht er ihn sich wohl für den 3. April im Duell bei RB Leipzig.

Spannend ist es in allen Teilen der Bundesliga-Tabelle. Dortmund hat vier Punkte Rückstand auf einen Platz in der Champions League. In diesem Kampf erlitten Wolfsburg (1:2 bei Hoffenheim) und Frankfurt (1:1 gegen Stuttgart) einen Rückschlag. Vor allem für Wolfsburg war es eine schlechte Woche nach dem 0: 2 im Pokal in Leipzig und dann mit dem Ende der Erfolgsserie von neun Bundesligaspielen ohne Niederlage. Und Torhüter Koen Casteels musste nach 673 Minuten erstmals wieder hinter sich greifen. Timo Hildebrand (damals VfB Stuttgart) behält also seinen Rekord von 884 Minuten ohne Gegentor.

Besser ging es Bayer Leverkusen, das im Duell der Sorgenkinder in Gladbach glücklich mit 1:0 gewann. Trainer Peter Bosz kann durchatmen, aber drei Punkte fehlen noch zu Platz vier. In Gladbach bleiben dagegen die Sorgen, Trainer Marco Rose kann nach den bekannt gewordenen Wechselabsichten zu Dortmund nicht mehr gewinnen. Nächste Chance ist am Freitag in Augsburg. Der FCA verhalf Pal Dardai bei Hertha BSC zum ersten Erfolgserlebnis, haben die Mannen von Heiko Herrlich auch ein Herz für Marco Rose…

Am Tabellenende nichts Neues, Unentschieden bringen keine Veränderung, umso wertvoller der Sieg für Hertha BSC. Schalke hat vorausschauend den neuen Trainer Dimitrios Grammozis für die erste und zweite Bundesliga bis 2022 verpflichtet. Das 0:0 gegen Mainz war Not gegen Elend. Auch Bielefeld bewegte sich mit dem neuen Coach Frank Kramer nicht vorwärts, bezeichnend, dass es gegen Union Berlin ebenfalls ein 0:0 gab. Für die neuen Trainer war die Zeit natürlich zu kurz, um etwas bewegen zu können, bis die Teams allerdings wirklich in Form kommen, könnte die Saison vielleicht schon zu Ende sein…

Seinen wichtigen Sieg hat Borussia Dortmund bereits im Pokal gegen Gladbach errungen. Das 1:0 bringt die Mannschaft ins Halbfinale, wo jetzt Holstein Kiel der Gegner ist. Leipzig muss zum Sieger der wegen Corona bei Regensburg verlegten Partie des Jahn gegen Werder Bremen. Das schaut dann ganz nach einem großen Finale zwischen Dortmund und Leipzig aus. Die Bayern hatten dafür den Weg frei gemacht.

Zuvor müssen beide Teams allerdings in der Champions League bestehen. Dortmund hat es vom Ergebnis her leichter, denn der 3:2-Sieg im Hinspiel in Sevilla öffnete die Tür. Doch das Durchgehen dürfte noch schwer werden, da die Borussia mit zahlreichen Ausfälle zu kämpfen hat. Besonders ist die Konstellation im Duell Liverpool gegen Leipzig: Da die kriselnde Mannschaft von Jürgen Kloppp, die nach sechs Heimniederlagen in Folge in der Premier League nur noch auf Platz sieben steht, da der RB im Aufwind, der allerdings ein 0:2 aufholen muss. Vielleicht ist es für die „Reds“ entscheidend, dass das „Heimspiel“ in Budapest ausgetragen wird! Leipzig wiederum muss beweisen, dass es auch in entscheidenden Spielen Bestform zeigen kann. Die Weichen muss Trainer Julian Nagelsmann stellen. Eine Nagel(smann)probe also für das kommende Duell gegen die Bayern!

Pleiten, Chaos und Streit – das Innenleben der Fußball-Bundesliga

Werbe-Strategen behaupten, auch negative Schlagzeilen sind Werbung, Hauptsache im Gespräch. Das hat sich offensichtlich die Fußball-Bundesliga zu Herzen genommen. Der Wintersport drängt mit Weltmeisterschaften in den Vordergrund, doch mit Pleiten, Chaos und Streit hält die Bundesliga dagegen. Die TV-Einschaltquoten und die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit beweisen, Fußball bleibt die Nummer 1. Seltsam, bei den ganzen Schlagzeilen spielt das Aushängeschild FC Bayern München nur ein Nebenrolle. Und bei Pleiten, Chaos und Streit möchte auch Bundestrainer Joachim Löw nicht dabei sein.

Im Mittelpunkt steht aktuell das Chaos bei Schalke 04. Sportlich bereits am Ende hat jetzt das 1:5 in Stuttgart das Fass zum Überlaufen gebracht, am Sonntag wurde „klar Schiff“ gemacht mit Massenentlassungen. Trainer Christian Gross, Sportvorstand Jochen Schneider und Teammanager Sascha Riether, dazu Fitnesstrainer Werner Leuthard (einst ein Guru in der Branche) und Trainer-Assistent Rainer Widmayer (galt mal als der beste Assistent schlechthin) wurden vor die Tür gesetzt. Der Aufsichtsrat handelte, allerdings viel zu spät. Die Geschichte von Schalke ist eine Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen und einer Team-Planung ohne Geschick und Verstand. Vier Trainer durften sich versuchen, der eine so ungeeignet wie der andere, egal ob der zuerst erfolgreiche David Wagner, Manuel Baum oder Gross (zwischendurch Nothelfer Huub Stevens). Aus dem einstigen „Meister der Herzen“ wurde ein „Meister der Missgriffe“, dessen Entwicklung nur mit Kopfschütteln verfolgt werden kann. Chaos pur. Die Hauptschuldigen bleiben, nämlich die Spieler. Sie sollen jetzt mit Nachwuchschef Peter Knäbel die Saison einigermaßen würdig zu Ende bringen, ihm zur Seite stehen die Schalke-Ikonen Mike Büskens und Gerald Asamoah. Die letzte Chance zur Wende ist am Freitag gegen den Vorletzten Mainz 05. Aber der Klassenerhalt wäre ein Wunder.

Eine Trainer-Entlassung bleibt für die Klubs der erste Versuch zur Wende. So handelte jetzt auch Neuling Arminia Bielelfeld, indem Trainer Uwe Neuhaus entlassen wurde. Gerät der Klassenerhalt in Gefahr, zählen nicht mehr die Meriten der Vergangenheit. Einst gefeiert, bald gefeuert – oft das Schicksal der Aufstiegstrainer. Zwei Heimspiele stehen an, gegen Union Berlin und Werder Bremen. Wirklich die Zeit der Wende? Nicht jedem wird es so leicht gemacht wie dem FC Augsburg. Der profitierte zuletzt zweimal hintereiander von eklatanten Torwartfehlern beim Gegner (Lomb, Leverkusen, und Zentner, Mainz), kassierte vier Punkte und das sorgt für Ruhe im Verein bei wohltuendem Abstand zum Tabellenende. Jetzt geht es zur Hertha, auch dort Chaos, den Trainerwechsel hat der Verein hinter sich, der Erfolg kehrte mit Pal Dardai nicht ein. Jetzt soll der FCA die Punkte abgeben, verteilen im Gegenzug die Augsburger mal Geschenke?

Sportlich erlebte die Bundesliga die kollektive Pleite mit der Bauchlandung von Bayer Leverkusen und der TSG Hoffenheim in der Europa League. Das Ausscheiden beschädigt den Ruf als beste Liga in Europa, egal ob gegen den Schweizer Meister Bern oder die Norweger aus Molde, die sich ja eigentlich in der Winterpause befinden, das Ausscheiden war eine Blamage, auch wenn es für die UEFA-Jahreswertung kaum eine Rolle spielt. Der gute internationale Ruf wurde aber auf jeden Fall beschädigt mit Niederlagen gegen Gegner „aus der zweiten Reihe“.

Leverkusen gehört auch national zu den Sorgenkindern. Natürlich geht es um den Trainer. So steht Peter Bosz vor einem Rätsel. Am 12. Spieltag war Leverkusen mit 28 Punkten noch ungeschlagener Tabellenführer, ehe die 1:2-Niederlage gegen die Bayern auch den Niedergang einleitete, der jetzt in sechs Niederlagen in acht Spielen gipfelte. Zwar war auch Bayer, wie fast jeder Vereine, vom Verletzungspech gebeutelt, aber das allein erklärt den Absturz nicht. Sportdirektor Rudi Völler bewahrt (noch) die Ruhe und hofft auf die Wende, die Peter Bosz schon einmal gelang. Der Trainer sieht spielerisch einen Aufwärtstrend trotz des 1:2 gegen Freiburg, aber Tore und eben die richtigen Ergebnisse, nämlich Siege, fehlen. Noch ist es Rang 6, was Europa League bedeutet, doch Bayer möchte in die Champions League und sind es fünf Punkte Rückstand auf Frankfurt.

Um den Trainer geht es auch bei Mönchengladbach, weil die Borussia noch weiter von der Sehnsucht Champions League entfernt ist. Platz 9 und noch vier Punkte weniger als Leverkusen, das ist nicht das, was man sich ausgerechnet hatte. Die Schuld wird von außen schnell bei Trainer Marco Rose gesucht, der bekanntlich schon in Dortmund im Wort steht. Kann er also seine Mannschaft noch begeistern? Wechseltheater und Krise gingen Hand in Hand. Auch Manager Max Eberl will die Nerven behalten, das Spiel der Spiele folgt im DFB-Pokal, wo in Gladbach ausgerechnet Borussia Dortmund der Gegner ist! Marco Rose wird seine jetzigen Jungs sicher heiß machen, denn wenn seine künftige Mannschaft schon in diesem Jahr den Pokalsieg feiert, wird sein Einstieg ein Stückchen schwieriger! Lieber verabschiedet er sich in Gladbach mit einem Titel. Eine verrückte Konstellation.

Streit gibt es zusätzlich zur Genüge, einen besonderen Zwist tragen Bremen und Frankfurt aus. Die Erfolgsserie der Hessen wurde im Norden jäh gestoppt, doch die Atmosphäre war vergiftet. Bei Werder gehen sie mit besonderen Mittel gegen die Geisterkulisse vor, mit Krach von der Bank wollen sie für Stimmung sorgen, manchmal sehr zum Missfallen der Gegner. Besonders giftig war es jetzt gegen die Eintracht, die beschwerte sich über „böse Geister“.

Pause bei den europäischen Wettbewerben, dafür gibt es den DFB-Pokal. Aber auch da schlägt Corona zu, der Partie Regensburg – Bremen droht wegen Corona-Fällen bei Jahn die Absage. Dagegen steht Dortmund vor der heißen Phase der Saison, Weichenstellungen in drei Schlagerspielen: Zuerst gegen Gladbach geht es um das Weiterkommen im Pokal, am Samstag (18.30 Uhr) das Schlagerspiel bei Bayern München, das nicht verloren werden darf, um den Anschluss an die CL-Plätze nicht zu verlieren, dann das Rückspiel in der Champions League gegen Sevilla. Der Rückenwind für die entscheidenden Spiele gibt es mit drei Siegen in Folge. Das zweite Schlagerspiel bestreiten Leipzig und Wolfsburg, hier will vor allem RB auf der Erfolgswelle bleiben, schließlich hat Trainer Julian Nagelsmann von einer Titeljagd gesprochen. Das ist in Pokal und Meisterschaft noch möglich. Der Exot im Viertelfinale ist Viertligist Rot-Weiß Essen, jetzt hofft man auf den Coup Halbfinale mit einem Sieg gegen Kiel. Die erste Niederlage in der Regionalliga kam da allerdings zur falschen Zeit.

Die Bayern sind im Pokal nach dem Ausscheiden in Kiel nur Zuschauer, eine ungewohnte Rolle. Seltsam: Die spielen sie im Moment gern, nach dem Titel-Sixpack der letzten Saison schadet ein bisschen Ruhe nicht und auf den DFB-Pokal verzichten sie scheinbar am ehesten. Dafür gibt es zwei ruhige Trainingswochen nur mit Spielen am Wochenende. Trainer Hansi Flick freut sich auf Trainingstage und darauf, wieder mal einiges üben zu können, zum Beispiel die Abwehr stabilisieren. Bayern macht sich fit für den Saison-Endspurt. Dortmund soll es merken.

Pleiten, Chaos und Streit – davon will sich Bundestrainer Joachim Löw distanzieren. Er hat jetzt in einem großen Interview in der Fachzeitschrift kicker über die Zukunft geplauert und spricht natürlich von Erfolgen. Und um jeglichen Streit zu unterdrücken, hat er auch die Möglichkeit der Rückkehr von Hummels, Boateng und Thomas Müller angesprochen, wenn er Umbruch zur Europameisterschaft im Sommer vielleicht unterbrochen werden muss. Es kann ja nie schaden, sich eine Hintertür offen zu halten und alles zu tun, um die Stimmung nicht zu trüben. Da haben die Trainer im Abstiegskampf halt ganz andere Sorgen.