Jürgen Klopp allein reicht nicht – Beim DFB muss es Konsequenzen geben
Die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada steuert auf ihren Höhepunkt zu und sie sorgt weiterhin für Gesprächsstoff. Das Wetter sorgt für Verzögerung, die Schiedsrichter sorgen für Kopfschütteln, Infantino wie üblich für einen Skandal und Freude und Leid liegen naturgemäß in der K.o.-Runde eng beieinander. Deutschland schaut zu und versucht nach drei WM-Pleiten in Folge nach einem Weg zum Erfolg. Einer soll es schaffen, alle Augen sind auf Jürgen Klopp gerichtet, der keine Zweifel daran lässt, dass er bereit ist. Es ist der dritte Anlauf, auch nach den Abgängen von Jogi Löw und Hansi Flick gab es den Ruf nach Klopp, der aber wollte lieber Vereinstrainer bleiben. Jetzt ist die Tür wieder offen, doch Fallstricke gibt es noch.
Von Anfang an ging es nur um den 59-Jährigen als Nagelsmann-Nachfolger. Schon in der Meldung um den Rücktritt des gescheiterten Bundestrainers tat der DFB kund, dass Klopp bereit wäre, die Nachfolge anzutreten. Damit hat sich der DFB selbst unnötig in eine schwache Verhandlungsposition gebracht. Die Fallstrecke sind einmal das Gehalt des Auserkorenen, der zweistellige Millionengagen gewöhnt ist, was sich der Verband aber nicht leisten kann. Und der Vertrag bei Arbeitgeber Red Bull, der bis 2029 läuft. Die angebliche Abmachung des Ausstiegs mit Red-Bull-Boss Oliver Mintzlaff ist nur mündlicher Art, das Sagen im Konzern hat aber ein thailändischer Milliardär, der die Mehrheit der Anteile an der Firma hält. Andererseits kann sich Red Bull kaum leisten, Klopp nicht freizugeben, das würde die Fans auf die Barrikaden bringen und einen Imageverlust für die Firma bedeuten. Den hat auch Klopp erlitten mit seinem Engagement bei den Österreichern. Wird die Kehrtwende vollzogen, dann verzeihen ihm die Fans, „Kloppo“ wird gefeiert und das veranlasst ihn vielleicht auch, auf ein hohes Gehalt beim DFB zu verzichten. Entscheidende Gespräche sollen bereits am Ende dieser Woche laufen, DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Ligen-Boss Hans-Joachim Watzke, der Klopp einst nach Dortmund holte und ein gutes Verhältnis zu ihm hat, fliegen nach New York zu einem Treffen mit Klopp, an dem auch Mintzlaff beiwohnen könnte.
Jürgen Klopp macht sich bereits Gedanken um seinen künftigen Job und er hat erkannt, „der deutsche Fußball steht am Wendepunkt, wir müssen verschiedene Dinge grundlegend ändern“. Er macht also deutlich, ein Klopp allein reicht nicht, sondern dass es beim Verband Konsequenzen geben muss. Nach dem Gewinn des WM-Titels 2014 ging es abwärts und trotz des Scheiterns 2018 und 2022 änderte sich nichts, das erneute Versagen in diesem Jahr war die Folge. DFB-Präsident Neuendorf feierte dieser Tage seinen 65. Geburtstag, doch zum Feiern hatte er keinen Grund als erfolglosester Präsident aller Zeiten!
Die Strukturen im sportlichen Bereich rund um die Auswahlmannschaften im Verband müssen sich ändern. Da hat Sportgeschäftsführer Andreas Rettig, dessen Vertrag am Jahresende ausläuft und nicht verlängert wird, versagt. Während andere Nationen wie Frankreich und Spanien und immer mehr auch England vermehrt Anstrengungen in der Nachwuchsförderung unternehmen, schläft man in Deutschland und bringt nichts voran. Ein erster Schritt in die richtige Richtung soll die neue U21-Liga sein, die nach Jahren der Diskussionen endlich installiert wurde. Wie Klopp betont, es muss ich grundlegend etwas ändern. Gedanken macht er sich offensichtlich aber auch um sein Team, seine langjährigen Weggefährten Peter Krawitz und Pepijn Lijnders werden schon als neue Assistenztrainer gehandelt. Mit Nagelsmann wurden auch dessen Getreuen Benjamin Glück, Benjamin Hübner und Bram Geers entlassen, bei Alfred Schreuder lief der Vertrag sowieso aus. Die Frage ist, was macht Rudi Völler, bleibt er Sportdirektor (Vertrag bis 2028)? Für die Fans wären „Ruuudi“ und „Kloppo“ ein Traumteam, so gut sollen sie sich allerdings nicht verstehen.
Nachwehen von dem Scheitern mit Julian Nagelsmann gibt es immer mehr, so wird jetzt offengelegt, dass die Stimmung im Team gar nicht so gut war, wie es erzählt wurde. So wirkte die WM beim DFB wie ein Familienausflug, Fußball war das Freizeitvergnügen, da fehlte die Konzentration auf die entscheidenden Spiele. Wie Medien berichten, gab es untereinander Eifersüchteleien, weil die Spieler offensichtlich unterschiedlich behandelt wurden. Bei den einen waren Frauen und Kinder dabei, die sogar mit der Mannschaft mitfliegen konnten, für andere Angehörige war kein Platz, die auf Linienmaschinen ausweichen mussten. Da ist Ärger programmiert. Außerdem beschweren sich jetzt Spieler über eine mangelnde Kommunikation mit dem Trainerteam. Viele Anweisungen oder Kontakt gab es nur über das Internet. Einern sturen Eindruck machte Nagelsmann oft auch in der Öffentlichkeit. Da ist Jürgen Klopp das ganze Gegenteil, er gilt als „Menschenfänger“. Die Aufgabe Nationalmannschaft war für Nagelsmann eine Nummer zu groß. Er gilt ja als guter Trainer, aber im Umgang mit den Spielern hat er Schwächen, das zeigte sich auch schon bei den Bayern. Der Umgang mit Stars liegt ihm nicht. Die Mannschaft wurde aber auch überschätzt.
Die WM hat wieder einen Infantino-Skandal
Die WM läuft auch ohne Deutschland weiter, aber Theater gibt es viel. Deutschland-Bezwinger Paraguay wehrte sich gegen Frankreich im Achtelfinale buchstäblich mit allen Mitteln, die Franzosen behielten trotz aller Fouls einen kühlen Kopf und siegten per Elfmeter 1:0 (Mbappé). Die Leistung des Schiedsrichters war desaströs, keine Gelbe Karte gegen Paraguay, zwei gegen Frankreich spricht Bände. Frankreich bleibt Titelanwärter Nummr 1 und trifft am Donnerstag auf Marokko. Für eine Überraschung sorgte Norwegen, das mit zwei Haaland-Toren Brasilien aus dem Turnier warf! Der kleine Inselstaat Kap Verde wehrte sich auch gegen Titelverteidiger Argentinien und zwang die Südamerikaner in die Verlängerung (2:3). Kap Verde war mit die sympathischste Mannschaft des Turniers, also ein Gewinn. Mit Kanada (0:3 gegen Marokko, Neu-Bayern-Star Saibari schied verletzt aus) und Mexiko (2:3 gegen England, das Spiel begann wegen Unwetter eine Stunde später) schieden zwei Gastgeber bereits aus. Kanada zeigte sich aber als Fußball-Land. Die USA bekommen es am Dienstag mit Belgien zu tun.
Im Vorfeld von diesem Duell gab es einen Skandal. US-Torjäger Falorin Balogun (drei Treffer) wurde nach einem rabiaten Foul beim 2:0-Sieg gegen Bosnien vom Platz gestellt. Eine Rote Karte bedeutet nach den Regeln automatisch ein Spiel Sperre, es können aber auch zwei oder drei sein. Jetzt aber wurde die Sperre für Balogun von der Disziplinarkommission aufgehoben und zur Bewährung ausgesetzt. Hintergrund, wie Medien berichten: US-Präsident Donald Trump, bisher bei der WM nicht zu sehen, soll seinen „Freund“ Gianni Infantino angerufen haben und der Einfluss genommen haben. Trump brüstete sich auf seinem Internetkanal, dass die FIFA vernünftig gehandelt hätte, es gehe doch um die USA. Gegner Belgien aber fiel aus allen Wolken und sprach von einem „Aprilscherz“ und legte Berufung ein. Die UEFA schimpfte, „da wurde eine rote Linie“ überschritten. Selbst wenn die Sperre doch noch Bestand haben sollte, ist der nächste Infantino-Skandal perfekt. Für Trump bricht er selbst die eigenen Regeln, wie er es schon mit der Verleihung des „FIFA-Friedenspreis“ bewiesen hat. Die FIFA muss unpolitisch bleiben – und ihre Regeln achten! Aber für „König Trump“ und seinen Lakaien Infantino gelten offensichtlich keine Regeln.