Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Oberstdorf: Was lässt Norwegen dem Rest der Welt übrig?

Am Donnerstag werden die ersten Medaillen bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft 2021 vergeben. Oberstdorf, der südlichste Ort Deutschlands, im WM-Fieber? Nein. Corona hat den Allgäuern die WM-Freude getrübt, Zuschauer dürfen keine kommen, die Weltmeisterschaft wird mehr oder weniger stimmungslos abgewickelt. Dabei gab es durchaus Vorfreude. Was war das für ein Jubel, als 2016 in Mexiko endlich Oberstdorf den Zuschlag für die WM 2021 erhielt. Vier Anläufe davor waren vergeblich gewesen, obwohl der Wintersportort mit einem beachtlichen Pfund wuchern konnte: Die Austragungen 1987 und vor allem 2005 waren perfekt, eine bessere Bewerbung gibt es nicht. Damals feierten 350.000 Besucher im 10.000-Einwohner-Ort, die WM-Bar mittendrin war über 200 Meter lang. „Das war die schönste WM“, erinnert sich Hermann Weinbuch, Bundestrainer der Kombinierer.

Und jetzt das. Keine Zuschauer, kein Trubel, nur ein bisschen Jubel von den Betreuern für die Athleten. Statt der Vorfreude gab es eher Vorärger, weil manche im Ort den Sinn nicht mehr verstehen und Angst davor haben, dass die 4500 Athleten, Betreuer und Funktionäre das Virus Covid-19 mit Anhang einschleppen. Jetzt gilt es, das Beste aus der Situation machen, viel Geld wurde ausgegeben, die Hoffnung liegt beim Fernsehen. Schöne Bilder von den Wettbewerben und vor allem von der Landschaft sollen in die Welt gehen und Werbung für den durch das Skispringen weltweit bekannten Ort machen. Zugleich hoffen die Oberstdorfer auch auf eine Wiedergutmachung vom Ski-Weltverband, der ihnen als Augleich die WM 2027 schenken soll, die bisher noch nicht vergeben ist.

Dennoch tun die Organisatoren in Oberstdorf natürlich alles dafür, dass die Weltmeisterschaft ein Erlebnis für alle wird, beste Bedingungen wurden geschaffen, auch wenn die starke Frühlingssonne derzeit den Schnee schmelzen lässt. Allein das Langlaufzentrum wurde für 40 Millionen Euro modernisiert, eine Investition für die Zukunft, auch für Freizeitsportler. Bund und Land haben sich an den Kosten beteiligt.

Muss nur noch der sportliche Ertrag stimmen. Die erste Frage lautet dabei allerdings: Was lässt Norwegen dem Rest der Welt übrig? Vor zwei Jahren in Seefeld holten die Skandinavier 13 der 22 Goldmedaillen, Deutschland war mit sechs über die Maßen erfolgreich, nur für Schweden (2) und Polen (1) fiel noch etwas ab. Auch diesmal sind die Norweger dominant, sie beherrschen das Skispringen der Herren und die Nordische Kombination, während im Langlauf die Konkurrenz größer ist. Dort könnten auch die Russen auftrumpfen, sie sind stark, vielleicht auch nur stark gedopt (das Misstrauen bleibt immer). Als Mannschaft gibt es Russland wegen der Doping-Bestrafung nicht.

Deutschland gibt es als Mannschaft, wie stark wird sie sein? Sie sollten sich an den alpinen Skisportlern orientieren, die kürzlich bei ihrer WM in Cortina d’Ampezzo positiv überraschten. Vier Medaillen waren mehr als erwartet. Vier Medaillen wären den Nordischen natürlich zu wenig, aber von sechs Goldmedaillen können sie nur träumen. Immer stehen die Norweger im Weg. Beim Skispringen dominierte Halvor Egner Granerud, in der Nordischen Kombination war Jarl Magnus Riiber schier unschlagbar. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Auf den Schanzen wollen Markus Eisenbichler (Zweiter im Weltcup) und Karl Geiger (10.) mitmischen. Vor allem der Oberstdorfer Geiger will auf seinen Heimschanzen den Sieg von der Vierschanzen-Tournee wiederholen. Aus einem Tief hatte er sich zuletzt wieder ein wenig erholt.

Immer für Medaillen gut sind die Mannschaften. Vor allem das Sprung-Mixed-Team mit zwei Männern und Frauen war bei den letzten drei Titelkämpfen nicht zu schlagen! Und auch im ersten Teamwettbewerb der Frauen vor zwei Jahren siegte Deutschland. Doch die deutschen Mädchen, die zum Beispiel 2014 in Sotschi bei der olympischen Premiere mit Carina Vogt die erste Olympiasiegerin stellten, kommen diesem Winter nicht in Schwung. Eher ist Fehlersuche als Medaillensuche angesagt, Katharina Althaus (Oberstdorf) ist als Zehnte im Weltcup bestplatzierte Deutsche. Ein stark ausgedünnter Terminplan mit vielen Pausen machte ihnen zu schaffen, der Rhythmus fehlt. Aber vielleicht platzt ausgerechnet bei der WM der Knoten.

Die Kombinierer haben ihre einstige Vormachtstellung eingebüßt. Sie sind vorn dabei, aber nur selten ganz vorn, die Formkurve jedoch stimmt. Entscheidend werden für Vinzenz Geiger, Eric Frenzel und Fabian Rießle als die formstärksten Athleten vor allem die Springen sein. Da holte Dominator Riiber immer schon den entscheidenden Vorsprung für den Langlauf. Siegchance gibt es dann eher in den Team-Wettbewerben. Nur dabei in der Nordischen Kombination sind auch die Damen, allerding ist es noch ein exotischer Wettbewerb, es gar erst einen Weltcup. Jenny Nowak (Schland) wurde 13. Da fehlt noch ein bisschen was für Gold. Die Ungewissheit ist hier am größten.

Von insgesamt diesmal 24 Goldmedaillen werden allein 12 im Langlaufen vergeben. Alle möglichen Wettbewerbe werden da hineingepackt, die deutschen Damen und Herren werden aber eher zu den zählen, die das Feld von hinten anschauen. Eine Medaille wäre eine Sensation und am ehesten noch der Damen-Staffel zuzutrauen. Allein Katharina Hennig aus Oberwiesenthal mischte manchmal vorne mit und könnte für eine Überraschung sorgen.

Schade, Fans werden sie in der Loipe nicht antreiben, werden an den Schanzen nicht für Aufwind sorgen. Aber so ist es in Corona-Zeiten, alle hoffen nur auf bessere Zeiten. Die Oberstdorfer wollen aber alles tun, dass die WM in guter Erinnerung bleibt. Und hoffen auf 2027 – dann mit Zuschauern.

Bundesliga: Wer lockt mit der besten Zukunft?

Der „Fall Rose“ hat die Fußball-Bundesliga in der vergangenen Woche beschäftigt, aber das Thema wird uns bis zum Schluss der Saison begleiten. Gladbachs Trainer hat kundgetan, dass er den Verein zum Saisonende verlassen wird und von der einen Borussia zur anderen wechselt. In Dortmund verspricht er sich offensichtlich bessere Bedingungen, um in seiner Karriere als Trainer auch mal einen Titel zu gewinnen. Marco Rose macht von seiner Ausstiegsklausel im Vertrag Gebrauch, ein übliches Geschäftsgebaren. Die harten Fans sehen das natürlich anders, sie sprechen von Verrat und vergessen dabei, dass die Zeiten vorbei sind, als Vereinstreue über die ganze Karriere hinweg Alltag war. Dennoch wird der Trainerwechsel Gladbachs Manager Max Eberl noch einige schlaflose Nächte kosten. Gut, dass er sich gerade erholt hat.

Borussia Dortmund ist also noch ein attraktiver Verein, dass wird Boss Watzke freuen, der Wunschtrainer soll den BVB wieder an die Spitze führen. Dabei stellt sich die Frage, welcher Verein in der Bundesliga lockt eigentlich mit der besten Zukunft? Logisch, dass die erste Antwort Bayern München lautet. Doch nicht alle, die Titel gewinnen wollen, können in München spielen. Und angesichts der derzeitigen Krise bzw. Überbeanspruchung der Bayern in der Terminhatz deutet sich ein Ende der Alleinherrschaft an. Leipzig macht Druck und wirkt mit Jagdfieber ziemlich gefestigt. Könnte sein, dass man nicht unbedingt bei den Bayern spielen muss, um Titel zu gewinnen. So wird es auch spannend sein, zu sehen, wohin Florian Neuhaus wechselt. Der vielgelobte Gladbacher Mittelfeldstratege liebäugelt offensichtlich auch mit einem Vereinswechsel (armer Eberl) und gesteht: „Ich möchte Titel gewinnen“. Nur wo?

Sieht man die momentanen Kräfteverhältnisse in der Bundesliga an, dann könnte dies auch in Frankfurt gelingen. Die Eintracht ist derzeit die „Mannschaft der Stunde“ und seit elf Spielen ungeschlagen. In der Rückrunde holte das Team alle 15 möglichen Punkte und wurde vom Mitläufer zum Champions-League-Anwärter. Auf die Erfolgsspur brachte Trainer Adi Hütter seine Mannschaft mit einer kleinen System-Umstellung, die nicht alltäglich ist: Er opferte einen Stürmer zugunsten eines zweiten Zehners. Und dort wirbeln Kamada und der sich plötzlich in Bestform befindende Amin Younes. Er wurde auch zum Schreckgespenst der Bayern, die beim 1:2 in Frankfurt die gleiche Schwäche zeigten wie beim 3:3 gegen Bielefeld. Sie brauchen eine ganze Halbzeit, um in Schwung zu kommen. So verschlafen sie am Ende sogar neunten Titel in Folge. Innerhalb weniger Tage schmolz der Vorsprung von sieben auf zwei Punkte. Thomas Müller fehlt vor allem, vielleicht feiert er am Samstag gegen Köln sein Comeback. Danach wartet nämlich am 6. März die Aufgabe gegen Dortmund und vielleicht wird die Meisterschaft am 3. April beim Duell in Leipzig vorentschieden (27. Spieltag). Jedenfalls: So spannend war es an der Spitze schon lange nicht mehr. Frankfurt liegt allerdings noch sieben Punkte zurück, ebenso wie der VfL Wolfsburg, der fast heimlich, still und leise auf die gleiche Bilanz wie die Eintracht kommt (11 Siege, 9 Remis, nur 2 Niederlagen – Bayern und Leipzig je 3), ein Tor sogar besser ist und deshalb Dritter. Werden also auch sie zu attraktiven Klubs in Sachen Titelgewinn?

Dortmund kämpft, wie gesagt, darum, wieder als Spitzenklub wahrgenommen zu werden, das gelang in der Champions League beim 3:2-Sieg in Sevilla als auch beim 4:0 in Berlin mit der Haaland-Show. Aber wir kennen alle Dortmund, das kann am Samstag schon gegen Bielfeld anders ausschauen. Erfolgreicher sein möchten auch Leverkusen und Gladbach, doch das klappt einfach nicht. Beide haben zuletzt schlechte Erfahrungen mit Mainz gemacht, Bayer erreichte gerade noch ein 2:2, Gladbach verlor 1:2. Hoppla, gegen Mainz…

Die Rheinhessen sind mittendrin im Aufstand am Tabellenende. Noch auf einem Abstiegsplatz, aber nur einen Zähler hinter Bielefeld und Hertha, vier hinter Köln und sechs hinter FCA und Werder. Plötzlich müssen sich einige Teams warm anziehen, die schon an ein relaxtes Wohlfühlbad in der Bundesliga gedacht haben. Hertha zum Beispiel, aber auch Augsburg. Der FCA versucht sich selbst stark zu reden („Wir halten die Klasse, wir sind im Aufwind“) und Manager Stefan Reuter stärkt dem nicht unumstrittenen Trainer Heiko Herrlich den Rücken („Er wird noch lange bei uns bleiben“). Wie lange das „noch lange“ geht, wird sich vielleicht in den nächsten zwei Spielen zeigen: Sonntag in Mainz und am 6. März bei der Hertha. Der FCA hat keine Angst in der Fremde (11 Punkte), aber hier könnte sich die nahe Zukunft entscheiden: Rettung oder Abstiegskampf pur. Dann mit Herrlich?

Schlusslicht Schalke 04 ist wohl nicht mehr zu retten. Das Revierderby am Samstag war wohl das letzte auf lange Zeit. Der bevorstehende Absturz in die 2. Bundesliga ist hausgemacht, beim 0:4 gegen Dortmund war kein Aufbäumen zu sehen. Ein trauriger Abschied vor allem für die Fans, die von den Rängen keine Unterstützung geben konnten, aber vielleicht fällt auf diese Art der Abschied auch leichter. 52 Jahre spielte Schalke seit der Einführung der Bundesliga 1963 im Oberhaus, in dieser Zeit allerdings auch fünf Jahre in der zweiten Liga. Es sieht nicht aus, als sollte es für den Siebten der ewigen Tabelle eine schnelle Rückkehr geben.

In Europa wird ebenfalls wieder gespielt. Im ersten Teil haben sich die Bundesligisten nicht gerade mi Ruhm bekleckert, Dortmund war mit dem 3:2 in Sevilla die Ausnahme, Leipzig hatte sich mehr erhofft, als das 0:2 gegen Liverpool. Für Jürgen Klopp war das Balsam auf die Wunden, in der Premier League haben die „Reds“ jetzt vier Niederlagen in Folge erlitten, der Titel gilt als verloren. Tabellenführer ist mit zehn Punkten Vorsprung auf Leicester Manchester City. Das sagt alles über auf die Aufgabe von Borussia Mönchengladbach gegen Pep Guardiola und seine Mannen, bei denen vor allem Ilkay Gündogan sich in Bestform präsentiert. Gespielt wird wieder in Budapest, da wäre das Leipziger Ergebnis fast schon gut.

Der FC Bayern tritt in Rom im Stadion Olimpico an, daran hat der deutsche Fußball beste Erinnerungen mit den Titelgewinnen 1980 (EM) und 1990 (WM). Die Bayern haben auch gute Erinnerungen an Lazio Rom, dort gab es im Oktober 2014 mit 7:1 den höchsten Auswärtssieg in der Münchner CL-Geschichte. Als Aufbaugegner werden die Römer nicht dienen, sie sind im Gegensatz zu den Bayern in Bestform, bauen auf Ciro Immobile, der im Vorjahr vor Lewandowski Europas bester Torjäger war, und vor allem auf Mittelfeldlenker Luis Alberto, der jetzt auch als Torschütze glänzt. Bayern-Trainer Hansi Flick hofft auf Leon Goretzka und darauf, dass seine Mannen mal von Anfang hellwach sind. Hoffnung macht: Lazio stand in den letzten 21 Jahren nie im Viertelfinale der Champions League. Aber aufgepasst: Jede Serie reisst einmal! Im Gegensatz dazu trachten die Bayern ja nach einer erfolgreichen Titelverteidigung.

In der Europa League haben sich Bayer Leverkusen mit dem 3:4 in Bern und Hoffenheim beim 3:3 gegen Norwegens Vertreter Molde fast blamiert. Wiedergutmachung sollte es am Donnerstag geben. Oder setzt sich der Fluch fort, dass die Bundesligisten Europa League nicht können?

Achtung: In dieser Woche noch eine Kolumne zur Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Oberstdorf.

Den Fußballteams wünscht keiner einen „guten Flug“

Die Bundesliga bleibt natürlich die Hauptsache, aber ab sofort wird sie im Fußball dennoch in den Hintergrund gedrängt, weil Champions League und Europa League wieder den Spielbetrieb aufnehmen. Das Achtelfinale bzw. die Zwischenrunde stehen an und sechs deutsche Klubs sind noch dabei. Sie haben allerdings mit der Corona-Pandemie die gleichen Probleme wie alle anderen Vereine, die in Ländern beheimatet sind, wo es strenge Auflagen gibt, um das Virus nicht zu verbreiten. Die UEFA will natürlich (Geschäft ist Geschäft) die Spiele durchführen und so kommt es zu kuriosen Spielverlegungen ins Ausland. Gespielt wird in Ländern, wo die Angst vor dem Virus geringer ist oder es keine Einschränkungen gibt. Manche Länder oder Städte, wie Ungarn bzw. Budapest, drängen sich sogar danach und sehen die Spiele als Werbung an. Doch insgesamt herrscht Kritik an den unnützen Flugreisen quer durch Europa. Den Fußballteams wünscht jedenfalls keiner einen „guten Flug“.

Es bleibt natürlich nicht aus, dass auch die deutschen Klubs betroffen sind. In der ersten Runde ist jeweils Budapest das Ziel, wenn Leipzig am Dienstag auf Liverpool trifft und am 24. Februar Gladbach auf Manchester City. Auch die Rückspiele müssen wohl in anderen Ländern ausgetragen werden, weil man von England aus nicht ohne Quarantäne nach Deutschland einreisen darf. Da die deutschen Bestimmungen die Austragung eines Heimspiels der Engländer verhindern, müssen die deutschen Klubs die Kosten von rund 300.000 Euro tragen. Der Spielbetrieb wird also schwierig. Besonders krass ist es in der Europa League im Duell Benfica Lissabon gegen Arsenal London, denn in beiden Ländern droht Quarantäne. So spielt Benfica in Rom, Arsenal in Piräus. Die Kritiker haben also Hochkonjunktur, der Fußball sieht sich an den Pranger gestellt, Bayern-Trainer Hansi Flick erging es dabei wohl wie vielen, dass er sich dagegen wehrte, dass manche ohne Kenntnis der Situation urteilen, allen voran ein gewisser Karl Lauterbach, der „Besserwisser der Nation“, der in der Politik eigentlich keine wichtige Figur mehr ist, sich aber immer wichtig nimmt.

Von Corona zum Sport, der ja reizvolle Begegnungen bietet, so vor allem das Duell von Leipzig mit dem FC Liverpool und ebenfalls am Dienstag FC Barcelona – Paris Saint-Germain. Jürgen Klopp war mit Liverpool zuletzt immer Endstation für die deutschen Klubs, er schaltete den FC Augsburg, Borussia Dortmund, Hoffenheim und sogar den FC Bayern (auf dem Weg zum Triumph in der Champions League) schon aus. In Hoffenheim war damals Julian Nagelsmann der Trainer, jetzt also der zweite Versuch. Die Voraussetzungen sind günstig, denn Klopp musste mit seinem Team zuletzt drei Niederlagen in der Premier League verkraften, die „Reds“ scheinen auch aufgrund von Verletzungen nicht in Bestform zu sein. Das hoffte ebenfalls Paris vom Gegner Barcelona, doch zeigen sich Barca und Messi im Aufwind.

Von Aufwind ist in Dortmund nichts zu spüren, da kommt das Duell mit dem FC Sevilla wohl zu Unzeit oder spielen die Schützlinge von Trainer Edin Terdic plötzlich befreit auf? Dortmund kann eigentlich nur positiv überraschen, allerdings zeigte sich Sevilla zuletzt gut in Form und ist Vierter in Spanien. Borussias Sturm-Tank Erling Haaland warnt mit Blick auf die letzten Leistungen: „So haben wir keine Chance.“ Die Bayern (bei Lazio Rom) und Gladbach sind eine Woche später dran, da die UEFA das Achtelfinale für das Fernsehen mit immer nur zwei Spielen am Tag jeweils über zwei Wochen streckt. Auf „neutralem Boden“ spielt auch Hoffenheim in der Europa League, denn Molde (Norwegen) darf die Deutschen nicht empfangen und zieht nach Villareal/Spanien um. Bayer Leverkusen darf dagegen in die Schweiz zu den Young Boys Bern reisen, dem Tabellenführer der Schweizer Liga. Leverkusen hat ähnlich wie Dortmund mit Formproblemen zu kämpfen. Auch hier gilt: Vielleicht befreit ein Gastspiel auf Europas Bühnen.

Duell der Giganten in der Bundesliga

Die Bundesliga ist die Grundlage, nur die besten sechs Klubs dürfen sich auf den Weg nach Europa machen. „Mannschaft der Stunde“ bleibt Eintracht Frankfurt als Erster einer Jahrestabelle für 2021. Die Eintracht ist seit zehn Spielen ungeschlagen und träumt von der Champions League, da kommt im Duell der Giganten Bayern München am Samstag gerade recht. Die Bayern kommen zwar als Klub-Weltmeister und Halbzeitmeister, aber auch mit einem Haufen Sorgen im Gepäck, Corona und Verletzungen reduzieren den Kader und der Spiele-Stress bringt wohl alle an die Grenzen der Belastbarkeit. Allerdings: Schon einmal haben die Bayern Erfolgsserien beendet, nämlich die von Leverkusen und Wolfsburg. Bei solchen Gelegenheiten zeigt der Abonnementsmeister besonderen Ehrgeiz und gute Nerven.

Ehrgeiz zeigen die Bayern auch bei den Transfers, so haben sie im Rennen um Leipzigs Abwehrhoffnung Dayot Upamecano die englischen Klubs Manchester United und Chelsea London ausgestochen. Für die Ablösesumme von 42,5 Millionen Euro wird nebenbei der Hauptkonkurrent geschwächt, ein altes Erfolgsrezept der Bayern. Allerdings hätte Leipzig den Franzosen sowieso nicht halten können. Die Bayern bauen offensichtlich nach dem Abgang von David Alaba auf einen Franzosen-Abwehr mit Pavard, Upamecano, Talent Nianzou und Hernandez.

Neben dem Duell der Erfolgreichen gibt es das Duell Not gegen Elend, nämlich das Ruhrpott-Derby. Einst ein Schlager gilt es jetzt eher als Hilfsprogramm für Schalke 04 und Borussia Dortmund. Im Hinspiel erlitt Schalke beim 0:3 eine seiner 14 Niederlagen, jetzt könnte ein Sieg Hoffnung und Versöhnung mit den Fans bedeuten, die schon den Schuldigen für den drohenden Abstieg ausgemacht haben: „Schneider raus“ hallte es vor der Geschäftsstelle. Sportvorstand Jochen Schneider hat sicherlich keine Zukunft mehr auf Schalke.

Neben Schalke müssen sich weiterhin auch Mainz, Bielefeld, die Hertha und Köln gegen den Gang in die zweite Liga wehren. Da lohnt sich ein Blick nach unten. Dort geht es im Kampf um den Aufstieg so spannend zu, wie es die Bundesliga an der Spitze gerne hätte. Gleich drei Mannschaften liegen mit je 42 Punkten gleichauf, der Hamburger SV noch als Tabellenführer sowie die Überraschungsteams aus Bochum und Kiel, nur drei weitere Zähler dahinter lauert mit Fürth eine weitere Überraschungsmannschaft. Beim HSV beginnt offensichtlich wieder das Zittern, ein Vorsprung wurde wieder einmal verspielt. Nach dem Gastspiel bei Schlusslicht Würzburg stehen die Knaller an: Derby auf St. Pauli, gegen Holstein Kiel und VfL Bochum. Die Wochen der Entscheidung. Erinnerungen werden wach, vor zwei Jahren verspielte der HSV in ähnlicher Position den Aufstieg mit Niederlagen bei den späteren Aufsteigern Union Berlin (0:2) und Paderborn (1:4), im Vorjahr bedeutete am Ende ein 0:0 gegen Bielefeld und 2:3 gegen Stuttgart (beide gingen hoch) und 1:2 in Heidenheim das Ende aller Aufstiegsträume. Der HSV kämpft dagegen an, dass sich Geschichte wiederholt.

Klub-Weltmeister – ein Titel für die Geschichte

Was war das nun für ein Turnier, die Klub-Weltmeisterschaft im Fußball in Katar? War es, wie es viele Kritiker bezeichnen, eine sportlich wertlose Veranstaltung oder darf sich der Sieger FC Bayern München doch über einen wichtigen Titel freuen? Den Kritikern sei es gesagt und den Bayern-Fans zum Trost: Der Gewinn der Klub-Weltmeisterschaft ist nicht nur ein Titel für den Briefkopf, er ist auch ein Titel für die Geschichte, insofern dürfen sich alle Bayern über den 1:0-Sieg gegen Tigres Monterrey aus Mexiko freuen. Allein die Tatsache, dass außer dem FC Barcelona mit Trainer Pep Guardiola und Lionel Messi im Jahr 2009 noch keiner sechs Titel in einer Saison geholt hat, würdigt diesen Erfolg als große Leistung! Eine besondere Leistung vor allem von Trainer Hansi Flick, der zum Einstieg gleich den Sixpack schaffte!

Ob die Klub-Weltmeisterschaft nun großen Sport bietet, darüber kann man natürlich streiten. Aber es ist genau das Finale, das die Meister der verschiedenen Konförderationen des Weltverbandes ehrt. Da ist kein Zweiter und Dritter aus Europa oder Südamerika dabei, wo vielleicht besser Fußball gespielt wird als in Afrika oder Asien. Die Champions League in Europa ist bekanntlich kein Wettbewerb der Champions, sondern der besten Mannschaften, die Interesse wecken und Geld bringen. Dies als Vorbild genommen, will bekanntlich FIFA-Präsident Infantino die Klub-Weltmeisterschaft auch aufmotzen, auf 24 Mannschaften mit vielen interessanten Namen. Gewinner wäre die FIFA, nicht der Fußball und die Spieler schon gleich gar nicht, denn wie die das im jetzt schon vollen Terminkalender verkraften sollen, das sagt Infantino nicht. Er will ja nur kassieren. Der Spielbetrieb in Corona-Zeiten beweist, wie die Qualität unter dem Dauerstress leidet.

Die Bayern sind bisher kein Stress-Opfer, aber das kann noch kommen. Sie gewinnen zwar, zeigen dabei vor allem großen Willen, aber sie zeigen aus verständlichen Gründen keine großen Leistungen, die spielerische Leichtigkeit des Vorjahres ist in der Corona-Terminhetze verloren gegangen. Und wenn sich noch Corona-Ausfälle wie jetzt Martinez, Goretzka und Müller sowie Verletzungen häufen, dann werden die sieben Punkte Vorsprung in der Bundesliga bald dahinschmelzen. Schon am Montag kann sich Arminia Bielefeld wie 2013 der FC St. Pauli vielleicht zum Weltpokalsieger-Besieger küren. Trotz allem, das Jahr 2020 (die Klub-Weltmeisterschaft zählt ja für 2020, sollte im Dezember ausgetragen werden) wird wohl einmalig in der Bayern-Geschichte bleiben. Ein glänzender Abschluss einer Veranstaltung, die mit dem Flugchaos in Berlin begann. Die auch noch einen persönlichen Sieger brachte, nämlich Robert Lewandowski. Der Weltfußballer des Jahres wurde in jedem Spiel „Man of the Match“ und logisch auch als bester Spieler des Turniers gewählt (Dritter Kimmich).

Das sind die sechs Titel der Bayern: Deutscher Meister mit 82 Punkten (100:32 Tore). Pokalsieger (4:2 gegen Leverkusen). Champions League (1:0 gegen Paris St. Germain. UEFA-Supercup (2:1 n.V. gegen FC Sevilla). DFL-Supercup: 3:2 gegen Borussia Dortmund. Klub-WM (1:0 gegen Tigres UANL/Mexiko).

Fußball-Blase mit Schwächen

Der Fußball polarisiert, der Fußball sorgt für Diskussionen und jeder, der mit seinem Namen in den Medien erscheinen will, drängt sich vor, um den Profi-Fußball endlich mal so richtig die Leviten zu lesen. Dies ist jedenfalls der Eindruck, wenn man die Kommentare rund um die Probleme der Punktrunden in Corona-Zeiten liest und hört. Zur Klarstellung: Der Profi-Fußball ist ein Wirtschaftsunternehmen, das wie andere Unternehmen auch um sein Überleben kämpft. Es hängen auch tausende Arbeitsplätze dran. Der Profi-Fußball ist mit normalen Wirtschaftsunternehmen nicht zu vergleichen, weil er finanziell abhängig ist von Fernsehen und Sponsoren. nur wenn die zahlen, überlebt der Fußball. Geisterspiele ohne Fans (und Einnahmen) waren die Rettung. Dass der Profi-Fußball zum Teil den Boden der Vernunft verlassen hat, liegt auch daran, dass er so attraktiv ist, dass die Geldgeber mehr gezahlt haben, als der Fußball wert ist. Profiteure waren vor allem die Spieler und seit einigen Jahren vor allem auch ihre Berater.

Dies nur noch einmal zur Klarstellung, warum der Profi-Fußball in Corona-Zeiten vor allem mit ständigen Tests arbeitet und den Spielbetrieb mehr oder weniger in einer Blase abwickelt. Dabei gibt es natürlich eine Blasen-Schwäche, denn für den normalen Spielbetrieb kann man alle Beteiligten (Spieler, Trainer, Betreuer, Funktionäre etc.) nicht wegsperren. Sie sind bei ihren Familien, bewegen sich im Alltag wie jeder Bürger, die Gefahr einer Infektion inbegriffen. Nur: Im Fußball wird laufend getestet, Infektionen werden frühzeitig erkannt. Da wird auch viel Geld für Sicherheit investiert.

Gibt es Turniere wie in Katar oder sind die Mannschaften unterwegs, dann können die Delegationen in einer Blase leben. Natürlich kann man hinterfragen, ob es sein muss, dass die Mannschaften in den nächsten Wochen in der Champions League und Europa League durch Europa fliegen, zum Teil auch, weil Corona-Verbote ein Spiel im eigenen Land unmöglich machen. Wenn der Fußball hier eine Sonderbehandlung ins Spiel bringt, ist der Aufschrei zunächst einmal groß. Das Nachdenken dazu fehlt allerdings bei den meisten. Denn die Mannschaften sind ja keine Touristen, die unterwegs sind, sondern abgeschottete Delegationen, die keinen Kontakt mit der Bevölkerung haben. Eine Sondergenehmigung müsste also möglich sein und würde verhindern, dass Vereine ihre Heimspiele in andere Länder verlegen müssen, wie der RB Leipzig, der gegen den FC Liverpool in Budapest antritt. In Ungarn ist Corona durchaus präsentiert, doch dort werden diese zusätzlichen Gastspiele als Werbung für das ganze Land gesehen. Könnten die Klubs aber zu Hause antreten, würden zusätzliche Flüge wegfallen. Das Virus kann man nie ganz ausschalten, doch der Fußball bemüht sich bestmöglich (bis auf Aussetzer einzelner Spieler).

Allerdings muss die UEFA schon überdenken, ob die Europameisterschaft im Sommer wie geplant in zwölf Ländern stattfinden muss. Hier wäre weniger mehr, nämlich vier Standorte würden auch genügen, wären ein Signal an die Kritiker und würden das Infektionsrisiko reduzieren. Hier sollten die Funktionäre der Realität ins Auge schauen und von der Europa-Rundreise absehen.

Wie man die Bayern stoppen kann

Da rätselt die Fußball-Bundesliga seit Jahren, wie man denn die Titel-Serie des FC Bayern München beenden könnte. Dabei ist die Lösung doch so einfach: Setzt sie in ein Flugzeug und lasst es nicht fliegen… Allerdings muss man mit dem Zorn der Münchner Chefetage schon klarkommen. Spaß beiseite, ein bisschen seltsam war es schon, was sich beim Abflug der Münchner zur Klub-Weltmeisterschaft in Katar abspielte. Da war von der Zeit her alles geregelt, die Abläufe organisiert, nur der Schnee kam dazwischen. Die Passagiere saßen um 23:05 Uhr in der Maschine, die allerdings noch enteist werden musste. Der Pilot meldete in letzter Sekunde um 23:59 Uhr die Maschine für abflugbereit, doch die Freigabe erhielt er nicht. Angeblich hätte er die Freigabe erst um 0:03 Uhr erbeten, zu spät, denn ab Null Uhr gilt ein Nachtflugverbot. Pech, schlechte Organisation oder sogar ein Willkürakt gegen die erfolgreichen Bayern (Rache für die Hertha-Niederlage vorher)? Jeder darf es sich aussuchen, die Reaktion der Bayern-Bosse war jedenfalls überzogen, wenn Uli Hoeneß von einem „Skandal ohne Ende“ spricht.

Die Spieler nahmen es gelassener, verbrachten die Nacht zwangsläufig in der Maschine, hatten ja bequeme Sessel und Langeweile kam in den sieben Stunden angeblich nicht auf. Der Flug musste dann über München (!) gehen, um die Crew aus arbeitsrechtlichen Gründen zu wechseln, nach weiteren sieben Stunden Flug und Corona-Tests in Katar war es am Ende ein verlorener Tag für die Mannschaft – oder vielleicht doch nicht? Mit Blick auf den Umstand, dass die Mannschaft ja zusammenrückte, die Spieler Zeit zum Plaudern hatten oder vielleicht sogar Missverständnisse untereinander ausräumen konnten, sprechen einige von einer Teambuilding-Maßnahme, die den Bayern sogar helfen könnte. Also doch nicht der richtige Weg, um die Bayern zu stoppen?

Einen Weg zum Erfolg suchen vor allem die Dortmunder, aber sie irren wie Suchende in der Bundesliga herum. Sie suchen und finden einfach nicht die Form. Bei der Borussia stellt sich die T-Frage: Die Frage nach dem Trainer und den Torhütern. Coach Edin Terzic hat nach dem 1:2 in Freiburg mit nur 13 der möglichen 27 Punkte eine Bilanz, die den Trainerwechsel von Lucien Favre zu Terzic zum Fehlgriff macht. Vor allem die Torhüter wirken verunsichert. Roman Bürki patzte zuletzt ebenso wie jetzt Marvin Hitz. Das kostete Punkte. Die Feldspieler wirken dazu oft seltsam teilnahmslos. Ein Aufbäumen gegen Niederlagen ist nicht zu sehen. Entweder es läuft, dann trumpft die Borussia auf, oder es läuft nicht, dann gelingt dem Team im Spiel die Wende nicht. So feierte vor allem Freiburgs Trainer Christian Streich, ihm gelang der erste Sieg über Dortmund.

Es bleibt dabei, die Mannschaften der Stunde sind Wolfsburg und Frankfurt. Die Wölfe präsentieren sich stabil wie nie, ließen in den letzten fünf Pflichtspielen kein Gegentor zu. Frankfurt ist jetzt sogar in neun Spielen ungeschlagen. Davon können nicht allein Dortmund, sondern auch Leverkusen und Gladbach nur träumen. Am Tabellenende wird die Lage für Schalke immer trostloser, Mainz und Köln sammelten Siege, lassen die Hoffnung wieder aufleben. Vor allem in Sachen Relegation müssen Teams, die sich schon in einer Art Wohlfühloase wähnten, plötzlich wieder aufpassen. Das betrifft Bremen, Hoffenheim und Augsburg. Vor allem der FCA erlebt, dass ein erfolgreicher Start keine Garantie für eine erfolgreiche Saison ist. Bevor es am vierten Spieltag die erste Niederlage gegen Leipzig gab, schlug der FCA Union Berlin mit 3:1, Dortmund mit 2:0 und holte in Wolfsburg ein 0:0, war Zweiter in der Tabelle! Zum Start der Rückrunde wurde zwar Union wieder 2:1 geschlagen, aber es war der einzige Sieg in den letzten sechs Spielen. Die nächsten Gegner heißen Leipzig und Leverkusen, aber jetzt schon wird über die Zukunft von Trainer Heiko Herrlich diskutiert.

Manchmal gibt es sogar Ärger im Siegesrausch, so in Köln, weil ein Spieler die vereinseigenen Fans beleidigt hat. Twitter, Facebook und Corona werden zu Stolpersteinen für die Sorte Spieler, die sich nicht im Griff haben oder das tägliche Leben und die damit verbundenen Probleme ignorieren. Andererseits haben sich auch sogenannte „Fans“ wieder zu Hasstiraden verbaler Art hinreißen lassen. Anstand wird im Sport leider oft vergessen. Und wenn es damit keinen Ärger gibt, bleibt immer noch der Videobeweis. Seltsam, dass es da immer wieder zu Fehlurteilen kommt. Damit gerät das Mehr an Gerechtigkeit leider in den Hintergrund.

Elfmeterschießen muss man können

Der DFB-Pokal ist in diesem Jahr besonders ein Wettbewerb für die Underdogs, die Bundesligisten haben sich dagegen blamiert. Der größte Coup gelang dem Regionalligisten Rot-Weiß Essen mit dem 2:1 nach Verlängerung gegen Bayer Leverkusen. Dort träumte man vom Finale in Berlin, nachdem Bayern München den Weg freigemacht hatte. Jetzt träumen sogar die Essener von Berlin, denn im Viertelfinale am 2./3. März ist „nur“ ein Zweitligist der Gegner. Mit Holstein Kiel allerdings ein weiteres Überraschungsteam. Auf jeden Fall ist im Halbfinale am 1./2. Mai in Nicht-Erstligist dabei. Dabei schien eine sofortige Wiederholung des Erfolgs vom Regionalligisten 1. FC Saarbrücken mit dem Einzug ins Halbfinale als undenkbar. Was auffällt: Im Pokal muss man Elfmeterschießen können. So schaltete Kiel die Bayern aus und jetzt Darmstadt. Jahn Regensburg kam gleich in allen drei Runden durch Elfmeterschießen weiter! Das sollte der nächste Gegner Werder Bremen gleich mal trainieren. Schön, dass der Zweitligist Heimvorteil genießt. Die Schlagerspiele sind aber die Bundesliga-Duelle, Gladbach gegen Dortmund hätte auch das Endspiel sein können, Leipzig gegen Wolfsburg ist ähnlich brisant. Die Underdogs werden sich aber mehr als die Bundesligisten über die Prämie freuen, für den Einzug ins Viertelfinale gibt es 1,04 Millionen Euro, da können Corona-Verluste ausgeglichen werden. 2,09 Millionen werden für das Halbfinale ausgeschüttet.

In Deutschland ist der Winter zurück, das passt zu den jetzt beginnenden Weltmeisterschaften. Mehr über die Alpin-WM in Cortina d’Ampezzo und die Biathlon-WM in Pokljuka/Slowenien in der nachfolgenden Kolumne. Für Deutschland könnten dort Medaillen zur Rarität werden.

Biathlon- und Alpin-WM: Medaillen könnten zur Rarität werden

Bekanntlich fielen im Jahr 2020 wegen der Corona-Pandemie viele Großereignisse im Sport aus, sie sollen 2021 nachgeholt werden. Andere Weltmeisterschaften finden in den nächsten Tagen turnusgemäß statt, wenn auch unter anderen Vorzeichen, Zuschauer gibt es keine. Aber die weiblichen und männlichen Profis können ihrem Sport nachgehen, die Fans müssen am Fernsehschirm die Daumen drücken. Vom 8. bis 21. Februar wird in Cortina d’Ampezzo die Alpine Ski-Weltmeisterschaft ausgetragen, vom 10. bis 21. Februar läuft parallel dazu die Biathlon-WM in Pokljuka in Slowenien. Bei beiden Titelkämpfen könnten allerdings deutsche Medaillengewinne eine Rarität werden.

Es wird keineswegs so sein wie bei der Rodel-WM am Königssee, als es eine Medaillenflut für Deutschland gab und bei den Damen alle vier deutschen Mädchen der Konkurrenz die lange Nase zeigten. Davon träumen sie in den nächsten Tagen nicht einmal. Der alpine Skisport war einst auch in Deutschland einmal so etwas wie die Königsdisziplin im Wintersport, doch das ist lange her. Gerade vor den TV-Geräten hat sich Biathlon als Nummer 1 platziert, weil es dort die spannendsten Wettbewerbe mit dem Kampf Frau gegen Frau oder Mann gegen Mann gibt, oder das Skispringen, das vor allem bei der Vierschanzen-Tournee oder bei Weltmeisterschaft hohe Einschaltquoten erzielt. Aber Beachtung wird die Alpin-WM schon finden.

Ein Aushängeschild wie zuletzt Felix Neureuther oder Viktoria Rebensburg gibt es derzeit im deutschen Skisport nicht, aber auch international fehlt der große Star, der alle von den Sitzen reißt. Die deutsche Mannschaft ist auf der Medaillenjagd nicht ganz chancenlos, aber wenn das DSV-Team leer ausgeht, würde das keinen wundern. Was fehlt, ist vor allem der Nachwuchs, da ist für die nächsten Jahre kaum Besserung in Sicht. Die besseren Chancen haben noch die Herren. In Cortina werden die Augen im Slalom vor allem auf Linus Straßer gerichtet sein, der schon bewies, dass er siegen kann, der es aber an Beständigkeit vermissen lässt. Vielleicht erwischt der Münchner einen guten Tag. Die Speedfahrer sorgten für gute Platzierungen, aber wer kann ganz nach vorne fahren? Romed Baumann ist Sechster der Abfahrtswertung, Andreas Sander Siebter, das ist ja nicht schlecht. Für Schlagzeilen sorgte im letzten Winter Thomas Dreßen, doch der plagt sich mit Verletzungen herum, alle hoffen auf seinen Start, der dennoch wohl ein Risiko darstellt. Kennen Sie übrigens den besten Skifahrer der Saison? Er heißt Alexis Pinturalt, der Franzose führt die Weltcup-Wertung vor dem Österreicher Marco Schwarz an. Linus Straßer folgt ein bisschen später auf Rang 17.

Bei den Damen hat allein die Abfahrerin Kira Weidle für ein wenig Aufsehen gesorgt, sie fuhr immer wieder mal vorne rein und so ist die Starnbergerin achtbeste Spezialistin in der Abfahrt. Ansonsten darf man keinem deutschen Mädchen eine Top-Platzierung zutrauen. Die Italiener trauern darüber, dass ihre größte Hoffnung Sofia Goggia ausfällt, sie verletzte sich ausgerechnet bei der langsamen Runterfahrt abseits der Piste vom abgesagten Abfahrtslauf in Garmisch-Partenkirchen. Aber nach den führenden Skiläuferin Petra Vlhova (Slowakei), Lara Gut-Behrami und Michelle Gisin (beide Schweiz) folgen trotzdem gleich vier Italienerinnen auf den vorderen Positionen und dazu will Amerikas Ski-Star Mikaela Shiffrin mitmischen. Die Damen dürften also mehr Aufmerksamkeit bekommen. Bei der letzten Weltmeisterschaft 2019 blieb es bei einer Silbermedaille durch Viktoria Rebensburg für den DSV.

Im Biathlon sieht es im deutschen Lager zweifellos besser aus, da könnte sich ein Ergebnis wie vor einem Jahr in Antholz mit sechs Medaillen (allerdings kein Gold) wiederholen, aber Deutschland könnte auch leer ausgehen – alles möglich. Beherrscht wird das Biathlon bei den Herren von Norwegen, wo gleich vier Athleten der Skandinavier die Weltcup-Wertung anführen (Johannes Bö, Laegreid, Tarje Bö, Dale). Aber der Rest der Welt ist nicht chancenlos, das bewies auch Arnd Peiffer mit seinem Sieg im Massenstart in Hochfilzen. Im Weltcup liegen die deutschen Herren einträchtig hintereinander auf den Rängen 12 (Peiffer), 13 Benedikt Doll und 14 Erik Lesser. Dazu wurden Johannes Kühn und Roman Rees nominiert. Bei den Damen sind mit Röiseland und Eckhoff auch zwei Norwegerinnen vorn, aber sie sind nicht so dominant wie die Herren, da dürfen sich auch andere, vor allem Hannah Öberg (Schweden), etwas ausrechnen. In der Nationenwertung führt sogar Frankreich vor Schweden, Deutschland und Norwegen.

Die deutschen Mädchen haben immerhin Podestplätze im Visier, Franziska Preuß zeigt sich stark wie schon lange nicht mehr (Rang 6 im Weltcup), Denise Herrmann hat ihre alte Laufstärke wiedergefunden, muss halt Glück beim Schießen haben, dazu komplettieren die starke Schützin Janina Hettich, Maren Hammerschmidt und Vanessa Hinz das Team. Die größten Medaillenchancen dürften bei beiden Staffeln liegen, die Frauen siegten ja in Oberhof. Auch die Herren waren oft vorn dabei und da über dem Staffelwettbewerb immer eine große Ungewissheit liegt, steht da keineswegs Norwegen schon als Sieger fest. Die Nerven spielen eine besondere Rolle, es sind schon viele Favoriten gestrauchelt. Packende Zweikämpfe sind zudem an der Tagesordnung und das macht den Reiz des Biathlons aus. Wer nicht einschaltet, könnte etwas verpassen. Vielleicht sogar Medaillen für Deutschland.

Hinter den Bayern rumort es in der Bundesliga

Die Tabelle der Fußball-Bundesliga zeigt derzeit nicht das gewohnte Bild. Wer Dortmund, Leverkusen oder Gladbach sucht, der muss mit dem Blick relativ weit nach unten gehen. Die genannten Vereine tauchen erst nach den Aspiranten für die Champions League auf! Die einzige Konstante in der Bundesliga scheinen wieder einmal die Bayern zu sein. Leipzig gilt quasi als Verfolger bei sieben Punkten Rückstand, doch dahinter rumort es, es geht tierisch gut zu. Man traut den Augen kaum, die Wölfe beißen zu und die Adler fliegen hoch. Zwei Vereine, die zwar nach den internationalen Wettbewerben lechzen, dabei aber eher an die Europa League denken. Aber sie haben einen Lauf, bei den etablierten Vereinen stottert dagegen der Motor.

Wo liegt der Schlüssel zu diesen Erfolgsserien? Beide Mannschaften siegen ein wenig unter dem Radar, arbeiten solide, sowohl im Management, als auch auf dem Feld. Spektakulär ist nichts – außer dem Erfolg. Oder liegt es daran, dass die Trainer Oliver Glasner und Adi Hütter Österreicher sind? Die Eintracht ist seit acht Spielen ungeschlagen, verlor zuletzt am 11. Spieltag – in Wolfsburg! Die Wölfe mussten sich zuletzt am 14. Spieltag in Dortmund geschlagen geben, zuletzt gab es allerdings drei Siege und zwei Remis, also auch fünf Spiele ohne Niederlage. Das schlägt sich in der Tabelle nieder, die etablierten Klubs, die nach der Champions League lechzen, liegen dahinter gleichauf mit 32 Punkten. Der Rückstand ist nicht groß, aber das Geschehen im Moment eben auffällig. Und dahinter lauert Union Berlin, noch ein Überraschungsgast in der Spitzengruppe. Die Eisernen bleiben eisern dran, machen sich einen Spaß daraus, die Favoriten zum Stolpern zu bringen. Jetzt musste es Gladbach erleiden.

Im Abstiegskampf sind Siege eine Seltenheit, wer gewinnt, macht einen Sprung nach oben. Fast schon Karneval war sicher in Köln, denn das souveräne 3:1 gegen Bielefeld brachte den Satz auf Platz 14 und einen Abstand von acht Punkten auf die Abstiegsränge. Dort drohen Mainz und Schalke trotz aller personellen Anstrengungen den Anschluss zu verlieren. Bielefeld fiel auf Relegationsrang 16 zurück, aber Hertha BSC Berlin hat keinen Zähler mehr. Der neue Trainer Pal Dardai kann halt auch keine Wunder bewirken, die Hürde Frankfurt war zu hoch, die Hürde Bayern wird nicht niedriger. Ob da Weltmeister Sami Khedira Schwung bringt? Bei Juventus Turin nicht mehr benötigt, sucht er eine neue Aufgabe. Es ist eine Verpflichtung mit vielen Fragezeichen. Die Transferzeit ging überhaupt am Montag zu Ende, ziemlich ruhig in Corona-Zeiten.

Bayern wollen den sechsten Titel

Und oben thronen wieder einmal die Bayern. Sie haben eine kurze Krise hinter sich, antworteten mit vier Siegen in Folge, aber Unruhe gibt es bei ihnen immer. Da wird über Zu- und Abgänge diskutiert (Leipzigs Upamecano soll Alaba im Sommer ersetzen), dann schlug Covid-19 zu (Goretzka und Martinez in Quarantäne) und weil das nicht reicht, ging Corentin Tolisso auf eine Extratour. Der Franzose ließ sich ein Tattoo stechen, was in Corona-Zeiten verboten ist, und dabei trugen er und der Tätowierer zudem keine Maske. Genau das Geschehen, das der Sport-Grantler schon oft angeprangert hat: Die Spieler haben keine Disziplin, sie erkennen nicht, dass sie mit diesen Eskapaden die ganze Liga gefährden (und damit auch Arbeitsplätze). Saftige Geldstrafen stellen das Übel nicht ab, weil manche Spieler erst nach dem Vergehen das Gehirn einschalten. Da bleiben also auch die Bayern nicht verschont.

Verschont bleiben sie vom DFB-Pokal. Die Niederlage in Kiel verschafft eine kleine Ruhepause, schon letzte Woche haben es Trainer und Spieler genossen, ein paar Tage in Ruhe trainieren zu können. Doch der nächste Stress kommt bestimmt und die nächste große Aufgabe wartet – die Klub-Weltmeisterschaft. Das Turnier in Katar wurde wegen der Terminengpässe von Dezember auf Februar verschoben, am Donnerstag geht es los, die Bayern müssen allerdings im Halbfinale erst am Montag, 8. Februar, eingreifen. Der Sieger vom Duell Al-Duhail Doha (Katar) gegen Al-Alhy Kairo (Ägypten) ist der Gegner. Das Finale wird am Donnerstag (19.00 Uhr) ausgetragen. Die Bayern wollen nicht nur das Finale erreichen, sondern auch den sechsten Titel in einer Saison holen, nach dem Triple und zwei Supercup-Erfolgen in Deutschland und Europa. Gegner dürfte wohl Südamerika-Meister Palmeiras Sao Paulo sein. Das Finale der Copa Libertadores gegen den FC Santos war ein Thriller, das entscheidende Tor zum 1:0-Sieg fiel in der 9. Minute der Nachspielzeit, 14 Minuten wurden nachgespielt! Sao Paulo muss sich im Halbfinale gegen den Sieger aus Tigres de Monterrey (Mexiko) und Ulsan Hyundai (Südkorea) durchsetzen.

Die Bayern gewannen die Klub-WM schon einmal und zwar 2013 nach dem Triple unter Trainer Jupp Heynckes. Bei der WM war dann schon Pep Guardiola da und er feierte damit im Finale einen seiner jetzt 500 Siege im Profi-Fußball. Zum Jubiläum gab es einen nicht ganz standesgemäßen mageren 1:0-Erfolg gegen Schlusslicht Sheffield. Allerdings wurde die Erfolgsserie von Manchester City damit fortgesetzt, nämlich zwölf Siege in Serie (neun allein im Januar!), so thront City in der Premier League auch wieder auf Platz eins. Parallelen also zu den Bayern, die rechtzeitig vor der Klub-WM wieder in Form sind, vor allem die Offensive ist nicht zu stoppen. 57 Tore stehen nach 19 Spieltagen zu Buche, nur der HSV war mit 58 in der Saison1981/82 besser. Robert Lewandowski ist mit 24 Toren Erster der Torjägerliste und mit dazu acht Vorlagen zu Toren auch in der Skorerliste vorn. Joshua Kimmich ist bester Vorlagengeber der Liga mit jetzt zehn Assist, Thomas Müller hat zehn Tore und neun Assists und ist hinter Silva (Frankfurt/18+5/21) Dritter der Skorerwertung. Neun Assists hat übrigens (neben Sancho/Dortmund) auch Kingsley Coman. Mal sehen, ob die Offensive auch international nicht zu stoppen ist. Vorher wartet am Freitag allerdings noch die Aufgabe bei Hertha BSC Berlin, da sollten die Gedanken noch nicht in Katar sein. Pal Dardai hat die Bayern früher schon geärgert.

Im DFB-Pokal werden die Bayern nicht vermisst werden, ganz im Gegenteil, der Weg ist frei für einen neuen Pokalsieger. Ob er aber überhaupt aus der ersten Liga kommt? Die Zweitligisten trumpften bisher auf und nachdem Bayern-Bezwinger Holstein Kiel und den Liga-Konkurrenten Darmstadt trifft, steht einer auf jeden Fall im Viertelfinale. Schade ist, das am Dienstag und Mittwoch im Achtelfinale ansonsten nur Regensburg gegen Köln Heimrecht hat, Fürth muss nach Bremen, Paderborn nach Dortmund und Bochum nach Leipzig. Mit Rot-Weiß Essen ist auch ein Viertligist dabei, mit Bayer Leverkusen ist die Hürde hoch. Es gibt nur zwei Bundesliga-Duelle und zwar Wolfsburg – Schalke und Stuttgart – Gladbach. Beim VfB machen sie den Reiz des DFB-Pokals deutlich: „Das ist unsere Champions League“.

Die Alten müssen es richten

Es ist beim Sport wie im richtigen Leben, ohne die Alten geht es nicht. Im Berufsleben fehlt der Nachwuchs ebenso wie Fachkräfte, die Alten haben die Erfahrung und sollen deshalb länger arbeiten, die Rente wird nach hinten geschoben. Im Sport ist es nicht anders, zwei aktuelle Beispiele im Handball und im Golf zeigen, dass es ohne die Alten nicht geht.

Die Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten, die erst am Sonntag zu Ende geht, brachte eine große Enttäuschung für die deutsche Nationalmannschaft, die nur mit Platz 12 abschloss und schon wieder zu Hause ist. Einziger positiver Aspekt: Die Bundesliga geht erst wieder am 6. Februar weiter, ein paar Tage Pause für die Nationalspieler, die ansonsten eine Hetzjagd von Spiel zu Spiel erleben.

Aber eigentlich hatte sich jeder im Handball-Bund anderes erhofft, vor allem DHB-Vize Bob Hanning, der mit schrillen Pullovern und hohen Ansprüchen auffällt. Auch ohne altgedienten Stars als Rückhalt gab er den Titel als Ziel aus und bleibt auch jetzt unbeeindruckt: „Wir wollen in Tokio Olympia-Gold holen“. Dabei zeigte sich wieder einmal, ohne die Alten geht es nicht, wobei wir hier eher von den Etablierten reden sollten, nämlich den Abwehrrecken Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Steffen Weinhold. Sie fehlten in der Abwehr und am Kreis, es fehlte vor allem Erfahrung und die Führung im Spiel. Der vermehrte Einsatz von Talenten war eine Notlösung, da eben die alten Recken aus Angst vor Corona und Rücksicht auf ihre Familien absagten, andere fielen mit Verletzungen aus. Zehn WM-Debütanten im Team, keine Zeit zum Einspielen, eigentlich war das frühzeitige Ausscheiden nach Niederlagen gegen Ungarn und Spanien sowie nur einem Remis gegen schwache Polen keine Überraschung und dennoch eine Enttäuschung.

Anderes hatten sich die Handball-Freunde erwartet, schließlich wurde die Frage der Teilnahme schon heiß diskutiert. Da war einerseits die Corona-Pandemie, andererseits der enge Zeitplan für die besten Spieler, mit Bundesliga, europäischen Wettbewerben und Länderspielen. Der Verband wollte auf die Teilnahme nicht verzichten, weil er sich einen PR-Effekt erhoffte, doch Begeisterung kam nicht auf. Die Auswahl machte es nicht dem Aushängeschild THW Kiel nach, der Rekordmeister gewann überraschend die Champions League, doch der Werbewert war bescheiden. Jetzt fehlten die Erfolge und Sportfans blieben den Fernsehschirmen fern. Nur rund drei Millionen wollten die Spiele in ZDF und ARD sehen, vor zwei Jahren waren es noch sechs Millionen, einst lockte der Titelgewinn sogar 13 Millionen an die TV-Geräte.

Bob Hanning träumt dennoch von Olympia-Gold, doch die DHB-Auswahl muss erst einmal das Ticket für Tokio holen. Vom 12. bis 14. März geht es in der Olympia-Qualifikation gegen Schweden (im WM-Viertelfinale), Slowenien (WM-Neunter) und Algerien um zwei Fahrkarten, Gegner, die ähnlich stark wie Ungarn und Spanien einzuschätzen sind. Da hofft der neue Bundestrainer Alfred Gislason einmal auf eine längere Vorbereitung als die avisierten vier Tage, zum anderen auf die etablierten Recken, denn ohne die Alten geht es nicht.

Golf-Glanz durch Popov und Langer

Zu einem gänzlich anderen Sport. Im Golf hat die neue Saison der Profis gerade begonnen, die Amateure zu Hause müssen noch auf besseres Wetter warten. Golf, so sagen viele, wäre vor allem ein Sport für Rentner, also für die Alten. Doch bei den Profis zählt dies nicht, aber ein Alter sorgt für Furore und nachdem die jüngeren deutschen Herren der Musik hinterherlaufen, gilt: Ohne (in diesem Fall) den Alten geht es nicht. Gemeint ist der inzwischen 63-jährige Bernhard Langer, der in der Senior Championsship die Golf-Welt aufmischt und dort auch den Ansturm der „Jungen“ abwehrt. Ab 50 Jahren dürfen die Profis hier spielen, doch an dem gebürtigen Anhausener kommt keiner vorbei. Für Langer wird ein Rekord nach dem anderen notiert und vor seinen Leistungen ziehen alle den Hut. Von 2014 bis 2016 schaffte er als erster Spieler den Triple-Gewinn des Charles-Schwab-Cup, also die Jahreswertung bei den Senioren, und auch in dieser (wegen Corona verlängerten) Saison führt er wieder. Andere legen da schon den Schläger weg, tun sich diesen Leistungsstress nicht mehr an, andere müssen sich unters Messer legen, weil der Körper den Strapazen nicht mehr gewachsen ist. So wie Ikone Tiger Woods, der zum siebten Mal am Rücken operiert wurde. Langer ist dagegen fit und sagt: „Ich spiele, so lange Körper und Gesundheit mitmachen und ich konkurrenzfähig bin.“ Das sieht fast nach einer Drohung des asketischen Deutschen aus.

Geht es um Erfolge im deutschen Golf wird bei den Herren also Bernhard Langer genannt. Seine vermeintlichen Nachfolger stagnieren derweil oder befinden sich im Abwärtstrend. Martin Kaymer, eine Hoffnung nach Major-Siegen 2010 und 2014, 2011 noch die Nummer 1 der Welt, konnte die Erwartungen nicht erfüllen, ist jetzt nur noch die Nummer 84 in der Weltrangliste. Bezeichnend, beim Saisonstart der European Tour in Abu Dhabi schied er ebenso wie der zweite deutsche Vertreter Maximilian Kieffer bei Halbzeit aus, schaffte den Cut nicht. Der Auftakt sorgt nicht für Hoffnung.

An diesem Wochenende ist in Dubai auch Sebastian Heisele dabei, in der Weltrangliste auf Rang 217 zu finden und damit der zweitbeste Deutsche. Er spielt quasi in seiner alten Heimat, ist ein echter Weltbürger. In Heemstede in den Niederlanden geboren, wuchs er in Dubai auf, studierte später in Colorado in den USA und wurde vor allem in Florida im Golf geschult. Heute wohnt er in München und spielt für den Klub in Dillingen an der Donau, also in der Provinz, der gerade mal einen Neun-Loch-Platz hat. Der Zwei-Meter-Mann golft quasi unter dem Radar der Medien und damit der Öffentlichkeit, seine Leistungen werden kaum beachtet. Das ist das generelle Problem des Golfs in Deutschland. Heisele träumt wie die Handballer von einem Start bei Olympia, wo Deutschland zwei Startplätze hat, einen beansprucht wohl Martin Kaymer, Bernhard Langer überschreitet die Altersgrenze. Hauptkonkurrent von Heisele ist Stephan Jäger, Nummer 236 der Welt, der in München geboren ist und jetzt ausschließlich in den USA spielt. Kein Wunder also, dass Golf wenig Aufmerksamkeit genießt.

Im Gegensatz zu den Herren können die Damen einen großen Erfolg vorzeigen. Die 28-jährige Sophia Popov gewann im letzten Jahr die Womens British Open und siegte damit als erste deutsche Spielerin bei einem Major-Turnier. Ihr Erfolg wurde insofern gewürdigt, da sie Zweite bei der Wahl zur „Sportlerin des Jahres“ in Deutschland wurde. Auch bei ihr spielt die USA eine große Rolle, ist sie doch in Massachusetts geboren und damit Deutsch-Amerikanerin, sie spielt für St. Leon-Roth bei Heidelberg. Popov machte einen Sprung auf Rang 26 in der Weltrangliste und liegt damit vor den bisherigen deutschen Aushängeschildern Caroline Masson (55) und Sandra Gal (93). Die Damen hängen die Herren also ab, aber wenn wir die Medien verfolgen, dann spielen sie nicht nur zu Corona-Zeiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit, sondern immer. Schade, hier können leider auch keine Alten helfen. Ansonsten heißt es aber oft, die Alten müssen es richten.

Wenn der Fußball sich selbst belügt

Es gab in diesem Jahr nur einen Tag Pause zwischen Hin- und Rückrunde in der Fußball-Bundesliga. Mittwoch endete die Hinrunde mit dem FC Bayern München als Halbzeitmeister, am Freitag startete die Rückrunde mit dem Spitzenspiel Gladbach gegen Dortmund und das 4:2 der Hausherren war gleich ein Zeichen. Statt Winterpause machte die Bundesliga Schlagzeilen, leider nicht nur sportlich. Es wurde wieder deutlich, dass der Fußball sich manchmal selbst belügt.

Da ist zum Beispiel Hertha BSC Berlin. Mit den Millionen von Investor Lars Windhorst wurde wieder von einer glorreichen Zukunft geträumt. Es wurde zum geflügelten Wort: „Berlin denkt groß, handelt klein“. Man hat sich selbst belügt, denn Geld allein macht nicht glücklich, es muss richtig investiert werden und dafür war Manager Michael Preetz, seit 25 Jahren im Verein, offensichtlich nicht der richtige Mann. Das erkannte auch Jürgen Klinsmann, der den Finger in manche Wunde legte, aber sich auch selbst disqualifizierte. Der starke Mann fehlte, Preetz war es nicht, ebenso nicht Präsident Gugenbauer. Preetz kam eher als der personifizierte Trauerkloß daher, nicht wie ein Mann, der für Elan und Aufschwung steht.

Nun hat der neue starke Mann, CEO Carsten Schmidt, die Reißleine gezogen. Das 1:4 gegen Bremen brachte das Fass zum Überlaufen, die Fan-Demo gegen Michael Preetz war ein endgültiger Fingerzeig. Neben Trainer Bruno Labbadia, in der letzten Saison noch Retter, musste endlich auch der Manager gehen. Platz 14 und gerade mal zwei Punkte vor dem Relegationsplatz ist nicht das, was man sich bei Hertha erträumt hat. Die Lösung fand Schmidt im Verein mit Sportdirektor Arne Friedrich als Berater und Pal Dardai, Trainer der U19. Der Retter von 2015, als die Hertha schon einmal vor dem Abstieg stand, der Ungar die Mannschaft auf Platz 17 von Jos Luhukay übernahm. Bis 2019 war dies die stabilste Phase der Berliner, ohne Abstiegsangst, aber auch ohne Glanz. Das war Michael Preetz zu wenig, das Geld war da, jetzt sollte die Hertha mehr glänzen. Doch statt Licht kam Dunkelheit. Preetz und damit die Hertha belügte sich selbst. Pal Dardai wird bis zum Sommer wieder den Retter spielen, mit Fan-Liebling Andreas „Zecke“ Neuendorf, der zuletzt die U23 trainiert hat, an seiner Seite. Eine Kombination, die wenigstens den Fans gefällt. Für eine erfolgreiche Zukunft sollte Carsten Schmidt ein glückliches Händchen haben.

Aber es geht nicht nur um das Sportliche, der Fußball belügt sich selbst, aber auch die gesamte Öffentlichkeit, wenn er glaubt, dass er in der Corona-Pandemie mit ständigen Tests und Geisterspielen für Sicherheit sorgt, aber ansonsten das Leben normal weitergehen kann. Der Fall Breel Embolo, der wohl ziemlich deutlich gegen die Corona-Regeln verstoßen hat (fraglich, ob die ganze Wahrheit ans Licht kommt), zeigt wieder einmal auf, dass zumindest viele Spieler den Ernst der Situation und das fragile Gebilde rund um den Spielbetrieb nicht erkannt haben. Borussia Mönchengladbach hat dabei auch keine glückliche Figur abgegeben, Manager Max Eberl wird erkannt haben, dass er wohl keine Auszeit nehmen kann. Dann geht es drunter und drüber. Der Fall Embolo muss ähnlich wie der Fall Kalou bei Hertha zum Beginn der Pandemie wieder allen Vereinen deutlich machen, dass auch die Spieler Selbstdisziplin üben müssen. Nicht umsonst hat auch die DFL daran erinnert, dass die Hygieneregeln zu lasch gehabt werden, zum Beispiel beim Jubel auf dem Rasen nach Toren.

Aufstand gegen die Favoriten

Und damit zurück zum Sport. Die Rückrunde begann ja wirklich spektakulär und hatte vor allem einen Sieger: Den FC Bayern München! Am 15. Spieltag hatte der Serienmeister gerade mal zwei Punkte Vorsprung vor Verfolger Leipzig und vier vor Leverkusen, jetzt sind es sieben vor Leipzig und zehn vor Leverkusen! Der Traum von der Spannung im Titelkampf ist geplatzt, es gab einen Aufstand gegen die Favoriten, ausgenommen waren die Bayern, die keine Glanzleistungen bieten, aber solide spielen und notfalls mit ein wenig Glück gewinnen. Oder gibt es Hoffnung, weil die Bayern jetzt gegen Hoffenheim spielen müssen und da im Hinspiel mit 1:4 patzten?

Mit Schlusslicht Schalke hatten die Bayern vielleicht die leichteste Aufgabe, aber der Gegner wehrte sich doch beeindruckend. Die Bayern aber sammelten nicht nur Punkte, sondern weitere Rekorde. Robert Lewandowski netzte mit seinem Tor in den letzten acht Auswärtsspielen immer ein – gab es noch nie, ebenso, dass einer elf Spiele hintereinander gegen den gleichen Verein trifft – Lewandowski tat es gegen Schalke und Joshua Kimmich schloss sich mit einem Rekord an, noch nie trat ein Spieler gegen einen Verein elfmal an und gewann immer – Kimmich schaffte es. Torhüter Manuel Neuer ist jetzt alleiniger Rekordhalter mit 197 Spielen ohne Gegentor, Oliver Kahn (196) hat er endgültig übertroffen.

Die Bayern punkteten in der englischen Woche also voll, ansonsten hatten es die Favoriten schwer, was zur Folge hatte, dass die Bayern ihre Verfolger verloren. Leipzig musste erkennen, dass ein Abstiegskandidat sich wehren kann, Mainz tat es und siegte 3:2 mit Hilfe der Frankfurter Leihgaben da Costa und Kohr, beide waren Vorbild als Kämpfertypen. Die braucht man im Abstiegskampf, da belügt man sich nicht selbst. Leipzig aber scheint wieder das Rückrunden-Dilemma zu ereilen, in der letzten Saison waren sie nach der Vorrunde Erster (Bayern Dritter, vier Punkte zurück) in der Rückrunde war RB nur noch Fünftbester, am Ende Dritter und Bayern Meister, mit 16 Punkten Abstand! Am meisten Boden verlor Dortmund nach dem 2:4 in Gladbach, in drei Spielen ein magerer Punkt gegen Mainz, Absturz auf Rang sieben mit 13 Punkten Rückstand auf München. Zum Favoritensterben trug auch Wolfsburg bei, siegte in Leverkusen mit 1:0 und steht plötzlich auf einem Champions-League-Platz – Rang vier! Wieder im Geschäft ist Frankfurt, wo Rückkehrer Luka Jovic Leben in die Bude brachte und vor allem Filip Kostic neben seinem Freund aufblüht. Platz sechs ist der Lohn, Trainer Adi Hütter jubiliert: „Wir haben einen Lauf, für uns ist alles möglich!“ Nebenbei: Nur Wolfsburg und Frankfurt haben neben den Bayern erst zwei Niederlagen erlitten!

Ein kleines Favoritensterben auch in den Spielen Augsburg – Union (2:1) und Hertha – Bremen (1:4), den Verlierern hatte man mehr zugetraut. Die Sieger aber dürfen doppelt jubeln, denn sie haben sich vom Abstiegskampf etwas entfernt. Dort wartet am Sonntag ein ganz heißes Duell, wenn nämlich Köln (Rang 16, 15 Punkte) Arminia Bielefeld (Rang 15/17 Punkte) erwartet. Kölns Chance auf Luft zum Atmen im Abstiegskampf, vor allem dann, wenn die Hertha in Frankfurt verliert. Die Rückrunde könnte also interessant werden.

Das der Fußball bzw. sich die Vereine sich selbst belügen, könnte auch bei Fenerbahce Instanbul passieren. Dort unterschrieb jetzt Ex-Nationalspieler Mesut Özil, nachdem er bei Arsenal London nur noch auf der Tribüne saß. Özil wird als Heilsbringer gesehen, soll sportlich helfen und sich durch Werbemillionen auch finanziell amortisieren. Wer bisher auf den gewiss talentierten Spieler setzte, wurde allerdings meist enttäuscht. Falsche Hoffnungen musste jetzt auch Chelsea London korrigieren. Eine Vereinsikone und erfolgreicher Nationalspieler ist noch kein erfolgreicher Trainer, deshalb musste Frank Lampard gehen. Rang neun in der Premier League erfüllt die Ansprüche nicht. Als Nachfolger ist Thomas Tuchel im Gespräch, das dürfte die deutschen Asse Timo Werner und Kai Havertz freuen, die zuletzt bei Lampard einen schweren Stand hatten.

Sagt Ihnen übrigens der Name Joachim Löw noch etwas? Ja, den Bundestrainer gibt es noch, er zeigte sich wieder in einem Stadion, sah in Gladbach Dortmunds Untergang. Jetzt will er sich wieder vor Ort informieren, welcher seiner Schützlinge in Form ist, Ende März geht es ja auch für die Nationalmannschaft wieder los. Ob Löw wirklich die richtigen Schlüsse zieht? Was denkt er, wenn er jetzt Thomas Müller sieht? Wir werden es irgendwann erfahren.

Dortmund bleibt die Wundertüte der Bundesliga

Der Weihnachtsmeister ist auch der Halbzeitmeister in der Fußball-Bundesliga. Das sah zwischendurch eigentlich ganz anders aus. Der FC Bayern München nahm sich eine kleine Krise und schied im DFB-Pokal sogar gegen den Zweitligisten Holstein Kiel aus, da schien der Weg frei für die Konkurrenz. Doch an den Bayern kam keiner vorbei, weil keiner der Verfolger siegte und die Bayern am Ende doch wieder ein bisschen Glück hatten neben dem Können, gegen den SC Freiburg, zuvor fünfmal siegreich, 2:1 gewannen und statt Platz eins herzugeben, sogar ihren Vorsprung auf vier Punkte ausbauten. So titelte der Boulevard: „Die Verfolger-Zwerge“.

Der RB Leipzig hätte an den Bayern vorbeiziehen können, Leverkusen und Dortmund dem Abonnementsmeister auf die Pelle rücken können. Nichts geschah. Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann erklärt es so: „Es ist kein Naturgesetz, dass alle anderen Mannschaften gewinnen, wenn es die Bayern mal nicht tun.“ Es scheint aber ein Bundesliga-Gesetz zu sein, dass die Untertanen auch schwächeln müssen, wenn es der König auf dem Thron tut. Nagelsmann kann ja noch darauf verweisen, dass Wolfsburg beim 2:2 ein starker Gegner war, aber Leverkusen befindet sich mehr in der Krise als die Bayern, allerdings nur in der Bundesliga, wo man zuletzt viermal nicht gewann. Im Pokal klappte es aber mit einem Sieg über Frankfurt.

Ja, und dann gibt es noch Borussia Dortmund. Eigentlich der Verein, der den Bayern am meisten die Hölle heiß machen sollte. Das Feuer lodert zwar ab und zu, aber zwischendurch erlischt es oder glimmt auf Sparflamme nur vor sich hin. Dortmund bleibt auch ohne Lucien Favre eine Wundertüte, mal begeistert die Borussia mit tollem Spiel und dann will gegen vermeintlich schwächere Mannschaften rein gar nichts klappen. Ein Fall für den Psychologen, denn das geht schon Jahre so. Bezeichnend das Geschehen am Wochenende, nur 1:1 gegen Schlusslicht Mainz 05, Kapitän Marco Reus bekannte sich als schuldig. Top-Chance vergeben und Elfmeter am Tor vorbei gesetzt. Anders lief es bei den Bayern, 2:1 geführt und kurz vor Schluss knallte der Gegner den Ball an die Latte. Das Glück, das in Kiel zum Teufel mutierte, war wieder zurück. Die Bayern wollen keine Wundertüte werden.

Vielleicht war die Niederlage in Kiel sogar ein Vorteil mit einem Blick auf den Rest der Saison. Es kann ja nicht immer das Triple sein und den DFB-Pokal können die Münchner noch am leichtesten verschmerzen. Dafür bekommen sie vier freie Wochen, können trainieren, während sich die Konkurrenz im Februar und März abplagt (Leipzig, Leverkusen, Dortmund und Gladbach sind alle noch dabei), am 1./2. Mai kein freies Wochenende hat und am 13. Mai eventuell noch zwei von ihnen das Finale bestreiten. Die Bayern haben ja genug Stress, so mit der Klub-WM im Februar, gut, wenn da die Pokalstrapazen vorher wegfallen.

Freiwillig verloren haben sie gegen tapfere und mutige Kieler nicht, die Störche traten ihnen auf die Füße, ein eisiger Schneesturm machte das Spiel doppelt zur Leidenszeit. Abzulesen am Gesicht von Torjäger Robert Lewandowski als er eingewechselt wurde, Spiellust hatte er keine. Das Glück war auf Kieler Seite mit dem Ausgleich in der letzten Sekunde der regulären Spielzeit. Ein Glück, das wie gesagt, ansonsten eigentlich die Bayern für sich gepachtet haben. Und es war wohl ein Wink des Schicksals, eine Fügung, wie es sie im Sport so oft gibt, dass ausgerechnet Neuzugang Marc Roca den entscheidenden Elfmeter verschoss. Als wollte das Schicksal Sportvorstand Hasan Salihamidzic noch einmal vor Augen halten „Verstärkungen hast Du keine geholt“. Die Bayern haben die Antwort mit dem 2:1 gegen Freiburg gegeben, die Kieler haben wohl noch unter den Strapazen gelitten oder unter dem Bayern-Fluch, wie die 2:3-Niederlage in der 2. Bundesliga gegen Karlsruhe gewertet werden könnte. Es ist schon seltsam, dass Bayern-Besieger danach oft verlieren, Eintracht Frankfurt wartete im Herbst 2019 nach dem spektakulären 5:1 neun Spiele auf einen Erfolg!

Übrigens: Wenn es mal keinen Video-Schiedsrichter gibt, dann wird er vermisst. Im Pokal wurden Abseitstore gegeben, die der VAR in der Bundesliga annulliert hätte. Gibt es ihn und er greift ein, ist es auch nicht recht, so wie bei einem zweifelhaften oder zumindest harten Elfmeter für Stuttgart, der zum 2:2 führte und Gladbach den Sieg und den Sprung auf Platz sechs raubte. Ja, auch der VAR ist manchmal eine Wundertüte und bei Hand-Entscheidungen bleibt es auch beim alten Leiden: Keiner kennt sich aus. Das ist wieder eine besondere Wundertüte.

Eine Besonderheit gibt es in dieser Corona-Saison: Ende Hinrunde und Start Rückrunde gibt es innerhalb einer Woche, keine Winterpause dazwischen. In dieser sogenannten englischen Woche habe ausnahmsweise alle Mannschaften Stress. Die Bayern können zumindest nicht am Mittwoch vom Thron gestoßen werden, aber ein besonderes Spiel wird es für sie schon. Nicht allein, weil es das Derby in Augsburg ist, sondern vor allem deshalb, weil sie endlich wieder einmal ohne Gegentor bleiben wollen. Das klappte auch gegen Freiburg nicht, jetzt droht die Einstellung des Vereins-Negativrekords mit zwölf Spielen am Stück mit Gegentor, der datiert von der Saison 2000/01. Vorne sieht es bekanntlich besser aus, vor allem Torjäger Robert Lewandowski freut sich auf den FCA, in 15 Duellen bisher traf er 18mal. Er hat jetzt 21 Saisontore auf seinem Konto – ein neuer Hinrunden-Rekord. Den alten hielt kein geringerer als Bayern-Ikone Gerd Müller mit 20 Treffern. Am Ende waren es 40. Lewandowski kann sich bei der Jagd nach dem nächsten Rekord auch auf einen Müller verlassen, auf den Thomas, der beim 1:0 wieder der Vorlagengeber war. Zu 37 Lewandowski-Treffern gab Thomas Müller schon die Vorlage – Bundesliga-Rekord. Und im 44. Spiel erzielte Müller ein Tor und gab einen Assist – Rekord. Den alten hielt mit 43 Spielen – Robert Lewandowski. Beobachten werden die Bayern auch die Konkurrenz, Leverkusen trifft auf Dortmund, Leipzig erwartet Union Berlin und am Freitag stehen sich zum Start der Rückrunde Gladbach und Dortmund gegenüber sowie am Samstag Leverkusen und Wolfsburg. Könnte sein, dass die Bayern zum großen Gewinner werden – aber Gesetz ist das nicht!

Am Sonntag heißt der Gegner der Bayern Schalke 04, zumindest da gab es ein „zu Null“ zum Auftakt, bekanntlich das bittere 0:8 für Schalke, der Anfang vom Abstiegskampf, der bald mit einem besonderen Negativrekord geendet hätte. Wichtiger ist für Schalke das Spiel am Mittwoch gegen den 1. FC Köln. Da geht es um die Chance, den Anschluss nach oben zu finden. Die Kölner haben zuletzt fünfmal nicht gewonnen. Ihnen steht am Sonntag bei Hoffenheim das nächste wegweisende Duell bevor. Bei der TSG wiederum kämpft Jung-Trainer Sebastian Hoeneß um seinen Job in einer unglücklichen Saison mit Verletzungen und Corona-Erkrankungen. Es könnte die entscheidende Woche sein (Dienstag bei der Hertha). Schauen wir mal, welche Wundertüte die Bundesliga öffnet.