Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Durchhalteparolen beherrschen Europas Fußball

Was für eine Woche im Fußball. Die Welt war schockiert, die Fußball-Welt trauert, Argentinien weint. „Weine nicht, Argentinien“ möchte man den Südamerikanern zurufen nach dem Tod von Diego Maradona. Die Frage nach dem größten Fußballer der Welt wird nie endgültig beantwortet werden können, doch Maradona ist immer im Kreis der Kandidaten. Dazu war er vielleicht die schillerndste Figur und trotz aller Eskapaden fast ein Nationalheiligtum in Argentinien, die drei Tage Staatstrauer bestätigen dies. Maradona wurde bereits beerdigt, das Nachspiel folgt. Sein Tod nach einer Gehirn-Operation wird untersucht, die Anschuldigung der falschen medizinischen Behandlung ist gravierend. Maradona, der einst mit Hilfe der „Hand Gottes“ ein Tor erzielte, wird jetzt von oben herab beobachten, was sich im Fußball tut. Eine Lücke wird er hinterlassen, eine Lücke, die Argentiniens zweiter Fußball-Star Leonie Messi gerne füllen würde, aber trotz aller Qualitäten als Idol nicht füllen kann. Er würdigte den Fußball-Helden auf besondere Art: Schoss ein Tor aus 20 Meter in den Torwinkel wie Maradona und jubelte im Maradona-Trikot wie einst Diego.

Die Fußball-Welt trauert, aber der Fußball rollt weiter. In Europa stehen derzeit die Durchhalteparolen im Mittelpunkt, die bösen Vorahnungen angesichts des Terminplans ohne Pausen bestätigen sich immer mehr. Die Trainer haben vorher geschimpft und jetzt werden sie immer lauter (am lautesten wohl Jürgen Klopp in Liverpool), angesichts der großen Zahl von Verletzungen. Spitzenteams müssen manchmal auf die halbe Mannschaft verzichten, für alle das Problem, das der Sport-Grantler schon vor einer Woche angesprochen hat, es gilt nicht nur für Hansi Flick den gordischen Knoten zu lösen. Der Bayern-Trainer versucht es aber auf seine Art, er will den Gedanken an eine Überlastung bei seinen Spielern gar nicht aufkommen lassen („Wir müssen das annehmen“), auch wenn zum Beispiel Leon Goretzka gesteht: „Ich fühle mich müde“. Also ist klar, es geht darum, irgendwie Erfolg zu haben und die Punkte einzufahren. „Wir holen keinen Schönheitspreis, aber liefern Ergebnisse“, ist Flick deshalb zufrieden.

Die Belastungen gehen weiter, einen Vorteil haben die Bayern, sie stehen in der Champions League bereits vorzeitig als Gruppensieger fest. Die Aufgabe am Dienstag bei Atletico Madrid ist also kein Schlagerspiel mehr für die Münchner, sondern eher ein Testspiel. Die wichtigere Aufgabe wartet am Samstag (18.30 Uhr) mit Verfolger RB Leipzig, da geht es um die Tabellenführung in der Bundesliga (im Vorjahr 0:0 und 1:1). Die Rekordjagd in der CL gerät also in den Hintergrund, andererseits ist eine Siegprämie von 2,7 Millionen Euro auch nicht zu verachten. Dennoch steht für Hansi Flick Schonung im Vordergrund, Dauerspieler wie Torhüter Manuel Neuer (!, das CL-Debüt von Alexander Nübel steht bevor), Torjäger Robert Lewandowski und Dauerläufer Leon Goretzka müssen den Trip nach Madrid nicht mitmachen. Der Fußball-Wahnsinn geht jedoch weiter, bis Weihnachten warten in der Bundesliga nur Spitzenteams, nach Leipzig noch Union Berlin, VfL Wolfsburg und zum Abschluss Bayer Leverkusen. Zu beachten ist: Wolfsburg und Leverkusen sind nach wie vor die einzigen Klubs ohne Niederlage!

Fast möchte man sagen, die übliche Niederlage hat sich Borussia Dortmund geholt. Der Blick geht zwar Richtung Meisterschaft, aber Aussetzer wie jetzt beim 1:2 gegen den 1. FC Köln passieren immer wieder. Es ist wohl doch eine Frage der Konzentration und Mentalität, das „mia san mia“ der Bayern lässt sich nicht implantieren. Peinlich: Zwei Gegentore nach Ecken nach gleichem Muster. Und das ausgerechnet gegen Köln, das 18 sieglose Spiele zu beklagen hatte.

Anders als bei Mainz und Köln gehen die sieglosen Spiele bei Schalke 04 weiter. Erstaunlich, das 1:4 gegen Gladbach wird als „Fortschritt“ gewertet. Die Woche war turbulent, Kaderplaner Michael Reschke musste gehen, mit Stürmer Ibisevic hat man den Vertrag aufgelöst, Bentaleb und Harit wurden zu Einzeltraining verdonnert, damit sie quasi zur Besinnung kommen. Der Zusammenhalt wird gesucht, Fremdkörper soll eliminiert werden. Ob es reicht, um dem traurigen Rekord als schlechteste Mannschaft der Bundesliga-Geschichte zu entgehen?. 31 Spiele ohne Sieg musste Tasmania Berlin in der Saison 1965/66 erleiden, fehlen noch sechs. Die Gegner: Leverkusen, Augsburg, Freiburg, Bielefeld, Hertha und Hoffenheim – wer erbarmt sich? Kurios: Schalke hat nach neun Spieltagen 28 Gegentreffer, das hatte Tasmania damals aufs Tor genau ebenso! Und: Die Verantwortlichen von Tasmania wären traurig, wenn ihnen Schalke den Rekord raubt. „Damit geraten wir nicht in Vergessenheit, wir bleiben im Gespräch, das ist Werbung für uns“, heißt es aus dem Klub. Wie aber denkt Schalke? Punkte und der gute Ruf wären wohl wichtiger. Noch ist ja der Anschluss ans ähnlich schwache Vorderfeld da.

Es geht turbulent zu im Fußball und das bleibt auch so, es stehen in nächster Zeit wichtige Tagungen an. Dabei gibt es auch Durchhalteparolen, nämlich beim DFB und der Frage, ob Joachim Löw Bundestrainer bleiben soll oder nicht. Zunächst trifft sich ein kleiner Kreis u. a. mit Präsident Fritz Keller und Team-Manager Oliver Bierhoff um mit Joachim Löw die 0:6-Pleite aufzuarbeiten und ein Konzept für die Zukunft aufzustellen. Über die Zukunft des Bundestrainers entscheidet aber allein der Präsidiumsausschuss des DFB. der aus 13 Männern und einer Frau besteht. Er wird auch auf die Basis achten müssen, denn die Fans fordern die Ablösung von Joachim Löw, der angeblich zuletzt allein mit Kurzarbeitergeld zufrieden gewesen sein soll. Wie die Entscheidung ausfallen wird, dürfte auch davon abhängen, ob ein Nachfolger (Ralf Rangnick?) in Sicht ist oder nicht.

Um die Zukunft geht es am 7. Dezember auch bei der FIFA, da werden nämlich die Gruppen für die Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar ausgelost. Deutschland hat sich immerhin unter den zehn besten Nationen in Europa gehalten und ist damit einer der Gruppenköpfe, kann also zunächst nicht auf eine Top-Nation wie Frankreich, England oder Spanien treffen. In Topf zwei sind dann Teams der Kategorie Polen oder Schweden zu finden. Mal sehen, ob Jogi Löw bei der Auslosung noch Deutschland repräsentiert.

An diesem Tag findet zudem eine wichtige Sitzung der DFL statt, denn es geht um die zukünftige Verteilung der Fernsehgelder, die Diskussion sind ja bekannt. Bleibt es wie bisher oder soll eine andere Verteilung stattfinden zugunsten der kleineren bzw. schwächeren Vereine. Es geht um viel Geld, Bayern München kassierte zuletzt 105 Millionen Euro an TV-Gelder national und international. Die einen verteidigen die gut gefüllten Töpfe, die anderen lechzen nach mehr Euro. Das wird nicht einfach.

Der Wintersport kämpft an zwei Fronten

Einige Vorgeplänkel haben schon stattgefunden, aber jetzt geht es im Wintersport der Saison 2020/21 erst richtig los. Eine besondere Saison steht an, wobei dabei jeder wahrscheinlich zuerst an die Corona-Pandemie denkt. Nein, die besonderen Höhepunkte sind die Weltmeisterschaften, die dem Virus trotzen wollen und über die Bühne gehen sollen. Für Deutschland im Mittelpunkt dabei die Nordische Ski-WM vom 22. Februar bis 7. März 2021 in Oberstdorf, im Blickpunkt außerdem die Alpine Ski-WM vom 8. bis 21. Febuar 2021 in Cortina d’Ampezzo und die Biathlon-WM vom 9. bis 21. Februar in Pokljuka/Slowenien. Aber zunächst stand der Sport nicht im Vordergrund, sondern die Organisation, der Kampf um das Fortbestehen des Wintersports, der jetzt an zwei Fronten zu kämpfen hat: Zum Klimawandel mit den Unbillen der Natur (Schnee fehlt, das Wetter wechselhaft, der Wind macht manche Wettbewerbe oft zum Lotteriespiel) kommt eben aktuell Corona dazu. Auch der Skisport lebt mehr oder weniger in einer Blase, die Zuschauer fehlen größtenteils und die ersten Erkrankungen unter den Sportlern gibt es ebenfalls schon.

Corona sorgte im Vorfeld der Wettkämpfe schon für einiges Durcheinander. Teilweise wurden terminierte Veranstaltungen abgesagt, Weltmeisterschaften sogar in andere Orte verlegt. Besondere Maßnahmen auch bei den Reisen, Charterflüge sollen für Sicherheit vor Infektionen sorgen und wo es geht, soll auf Reisen verzichtet werden. Besonders krass im Biathlon, wo es Doppelveranstaltungen gibt, um nicht laufend von Wettkampfort zu Wettkampfort reisen zu müssen. Alle eint ein Wunsch: Der Wintersport will sich präsentieren, alle Wettkämpfe sollen einigermaßen über die Bühne gehen, die Zuschauer wieder an die Bildschirme locken und die Sponsoren zufriedenstellen. Es geht mehr oder weniger ums Überleben. Auch die Wintersportorten brauchen den Wintersport als PR-Lokomotive, doch die bleibt im Bahnhof, wenn keiner Skifahren darf!

Was den Sport angeht, so haben die deutschen Wintersportler in den ersten Wettkämpfen schon für die beste Werbung gesorgt, die Skispringer mit einem Doppelsieg von Markus Eisenbichler und Karl Geiger in Wisla in Polen, die Bobs mit Siegen von Mariama Jamanka und Francesco Friedrich beim Weltcup-Auftakt in Sigulda in Lettland. So kann es weitergehen. Gerade die Bobs sind erfolgsverwöhnt und sie werden deshalb bei der heimischen WM vom 1. bis 14. Februar in Altenberg auf Medaillenjagd gehen. In der Eisrinne beherrschten auch die Rodler in den letzten Jahren die Konkurrenz, doch die letzte Saison brachte den einen oder anderen Einbruch. Jetzt herrscht wieder Optimismus vor, die schnellen Mamas sind zurück, Natalie Geisenberger und Dajana Eitberger haben Nachwuchs zur Welt gebracht und sind wieder rasant unterwegs, ihre Lücke hat Talent Julia Taubitz mit dem Weltcup-Gesamtsieg aber bestes ausgefüllt. Eine gute Nachricht aber auch, dass der einstige Dominator Felix Loch wieder gut in Form sein soll.

Die Skispringer könnten von ihrem frühen Aufwind profitieren, bei den Fliegern ist es so, dass oft ein gutes Fluggefühl am Anfang gleich über die ganze Saison entscheidet. Da kommt Hoffnung auf. Gelegenheiten zu glänzen gibt es genug, zuerst steht die Skiflug-WM in Planica in wenigenTagen vom 11. bis 13. Dezember an, die wegen Corona im Frühjahr verschoben wurde. Dann folgt wie immer die Vierschanzen-Tournee zwischen dem 29. Dezember und 6. Januar und dann schließlich die WM in Oberstdorf. Die deutsche Mannschaft scheint stark und ausgeglichen besetzt zu sein, auch Severin Freund ist nach langer Pause wieder dabei.

Die alpinen Skisportler haben weniger Hoffnung, bei den Damen tut sich nach dem Rücktritt von Viktoria Rebensburg eine große Lücke auf, bei den Herren sieht es besser aus, doch Siege dürften Mangelware sein, zumal sich der beste Abfahrer Thomas Dreßen einer Operation an der Hüfte unterziehen musste. Die Langläufer kämpfen um den Anschluss, Bundestrainer Peter Schlickenrieder hofft auf eine WM-Medaille in der Mannschaft, schränkt aber ein „das wäre ein Jahrhundert-Ereignis“. Besser sieht es in der Nordischen Kombination aus, wo die zuletzt dominierenden Norweger angegriffen werden sollen. Vinzenz Geiger und Eric Frenzel wollen vorne dabei sein, nach dem Abgang von Trainer Ronny Ackermann sollen unter Anleitung des Österreichers Heinz Kuttin vor allem die Sprungleistungen wieder besser werden.

Auffallend, dass zu Saisonbeginn sich die nordischen Skisportler und Biathleten zunächst mal nach Finnland zurückgezogen haben. Bei den Biathleten gibt es in Kontiolahti gleich eine Doppelveranstaltung. Die Damen und Herren mit dem Gewehr sind die Fernsehlieblinge in Deutschland mit den höchsten Einschaltquoten, doch die Fans wollen Erfolge sehen. Die sind vor allem wieder Denise Herrmann zuzutrauen, die Weltcup-Dritte des Vorjahres, die unter dem neuen Schießtrainer Engelbert Sklorz ihre Schießschwäche ausmerzen will und nach dem Gesamtweltcup greift. Sieben Damen gehören zur ersten Leistungsgruppe, dabei stehen auch Franziska Preuß und Vanessa Hinz vorne dran, Maren Hammerschmidt kehrt zurück. Dafür beginnen Franziska Hildebrand und Karolin Horchler die Saison im B-Team. Bei den Herren sind die bekannten Namen dabei. Simon Schempp will nach Krankheit wieder angreifen, Benedikt Doll und Arnd Peiffer vervollständigen das Führungstrio. Erik Lesser hat auf den letzten Drücker die Qualifikation ins A-Team geschafft, das zehn Herren bilden. Eine starke Basis ist also vorhanden, die Konkurrenz aber mit den überragenden Athleten Johannes Tignes Bö und Martin Fourcade riesengroß.

Der Wintersport startet, der Winter darf also kommen, der Schnee darf kommen und die Medaillen sollten kommen. Dann heißt es wirklich „viel Spaß beim Wintersport“. Ob allerdings die Freizeitsportler auch ihren gewohnten Spaß auf Pisten und Loipen haben können, das steht in Corona-Zeiten doch in den Sternen. Wer zu Hause bleiben muss, sorgt dann zumindest für gute Einschaltquoten im Fernsehen.

Hansi Flick und der gordische Knoten

Na bitte, die Kritiker der Fußball-Bundesliga bzw. des FC Bayern München können jetzt beruhigt sein. Die Bundesliga ist auch an der Spitze wieder spannend und der Serien-Meister der letzten Jahre macht derzeit keine Anstalten wieder einen Alleingang zu starten. Das ist allerdings keine Reaktion auf die Kritiken, sondern der Corona-Pandemie und dem engen Terminplan geschuldet. Acht Spiele in vier Wochen stehen auf dem Programm. Dass es Probleme geben würde, konnte jeder ahnen und jetzt sind sie da. Bayern-Trainer Hansi Flick sieht sich dabei in der schwierigen Aufgabe, einen gordischen Knoten zu lösen. Stellt er seine beste Elf auf, um mit Sicherheit die Punkte einzufahren und riskiert dabei eine Übermüdung seiner Stammspieler oder riskiert zur Erholung des Stammpersonals den Einsatz der zweiten Reihe und damit mögliche Punktverluste. Das kann, muss aber nicht gutgehen. Dies machte das 1:1 gegen Werder Bremen deutlich. Das waren nicht die Meister-Bayern, sondern eher ein von Müdigkeit und Verletzungspech gebeutelter Tabellenführer. So riss die Serie von 19 Siegen in Folge gegen die Bremer, die sich tapfer wehrten und den Punktgewinn verdient hatten. Es war sogar mehr drin, doch Bayern-Kapitän Manuel Neuer hielt wieder einmal Unhaltbare. Er sollte sich nicht auch noch verletzen.

Die Konkurrenz schaut keineswegs mit dem Fernrohr nach München, sondern befindet sich in Lauerstellung. RB Leipzig hätte aufschließen können, doch das verhinderte ebenfalls ein 1:1, nämlich beim Angstgegner Frankfurt. Dortmund meldete aber gleich doppelt Ansprüche an, Boss Watzke betonte in dieser Woche selbstbewusst „wir haben die Meisterschaft immer im Visier“, was Torjäger Erling Haaland mit vier Treffern bei Hertha BSC Berlin unterstrich. Dortmund trumpfte wieder einmal auf, dass selbst die Bayern aufhorchen müssen. Allerdings folgten bei den Borussen solchen Glanztagen oft wieder unverständliche Schwächen. Bleibt es bei Glanztagen könnte auch die Meisterschale glänzen.

Aber nicht der Kampf um die Meisterschaft beherrschte die Schlagzeilen, sondern das Debüt des erst 16-Jährigen Youssoufa Moukoko, der am Freitag Geburtstag feierte und am Samstag um 22.16 Uhr neuer jüngster Rekordspieler der Bundesliga wurde. In der 85. Minute eingewechselt, durfte er noch ein paar Minuten Bundesliga-Luft schnuppern. Der U20-Nationalspieler (!) gehört ab sofort fest zum Bundesliga-Kader der Dortmunder. Es scheint ja ein Kampf um die jungen Spieler bei den Spitzenteams im Gang zu sein. Bei Dortmund etabliert haben sich bereits der 17-Jährige Bellingham und der 18-Jährige Reina. Hansi Flick brachte den erst 17-Jährigen Jarmal Musiala von Anfang an und bald wird wohl der 18-Jährige Nianzou sein Saison-Debüt feiern. In Leverkusen gilt der 17-Jährige Wirtz nach dem Abgang von Havertz als Mann der Zukunft. Bald werden die Klubs ihren Nachwuchs schon im Kindergarten verpflichten.

Die Klubs am Tabellenende müssen erst mal die Gegenwart meistern, die nahe Zukunft sieht zum Teil düster aus. Vor allem bei Schalke 04. Mannschaft und Verein scheinen am Ende, es gibt kein Aufbäumen und keine Lösungen, Trainer Manuel Baum bringt die Probleme nicht in den Griff, es scheint, die gestandenen Bundesliga-Profis haben das Fußballspielen verlernt. 24 sieglose Spiele in Folge können nicht aus dem Kleidern geschüttelt werden, im Hintergrund lauert der „Rekord“ von Tasmania Berlin mit 31 sieglosen Spielen. Gladbach und Leverkusen sind übrigens die nächsten Gegner. Schalke ist Schlusslicht, Schalke verzweifelt, Schalke zerbricht, die zweite Liga droht. Bereits nach acht Spieltagen ist eine Tendenz sichtbar: Die fünf Klubs am Tabellenende, angefangen von Freiburg (das seltsam schwächelt) über Mainz, Bielefeld (der Neuling ist noch nicht angekommen) und Köln bis eben Schalke, werden die Absteiger unter sich ausmachen. Hoffnung darf aktuell allein Mainz haben nach dem 3:1-Sieg in Freiburg.

Im Advent zählt vor allem der Fußball

Vor Weihnachten beginnt normalerweise die stade, die ruhige Zeit, doch von Ruhe kann im Fußball keine Rede sein. Ganz im Gegenteil, auf Europas Bühnen geht der Stress wieder los, im Advent zählt vor allem der Fußball. Drei Wochen hintereinander wird das Restprogramm von Champions League und Europa League durchgepeitscht. Erfolgreich ist, wer durchhält.

Die deutschen Klubs hatten ja bisher eine gute Saison, auch hier gilt durchhalten. Die Bayern, Gladbach und Dortmund grüßen als Tabellenführer, Leipzig ist punktgleich mit Spitzenreiter Manchester United. Hier gibt es noch ein hartes Programm, am Dienstag steht das Rückspiel in Paris bevor. Thomas Tuchel und seine Stars brennen auf Revanche für die 1:2-Niederlage im Hinspiel, sie ist auch ihre letzte Chance auf das Weiterkommen. Die Überraschungsmannschaft ist Borussia Mönchengladbach, das mit Unentschieden nach späten Gegentreffern gegen Mailand und Madrid eine noch bessere Ausgangsposition sogar verspielt hat. Hoffentlich droht kein „Remis-Traum“, denn auch in der Bundesliga gegen Augsburg gab es eine unglückliche wie unnötige Punkteteilung. Am Mittwoch sollte es kein Remis geben, da kommt Donezk, das im Hinspiel mit 0:6 unterging, aber keineswegs so schlecht ist, wie das Ergebnis aussagt. Die Bayern wiederum wollen Unentschieden auch nicht zur Gewohnheit werden lassen und können mit einem erneuten Sieg über RB Salzburg (Hinspiel 6:2) das Achtelfinale buchen. Die Bayern wollen vor allem ihre Rekord-Erfolgsserie ausbauen, die bisher bei 14 Siegen steht, haben aber personelle Probleme, Tolisso und Hernandez sind neben den Langzeitverletzten fraglich.

Nach der Länderspielpause geht es also wieder rund, wobei es in Deutschland nach dem 0:6 in Spanien noch erhebliche Nachwehen gibt. Bezeichnend: Bundestrainer Joachim Löw baute auf Bayerns Abwehr-Ass Niklas Süle, Vereinscoach Hansi Flick verbannte ihn auf die Tribüne, weil er nicht in Form sei. Er sie wohl beim Nationalteam endgültig verloren. Erhebliche Nachwehen hat vor allem Jogi Löw, über den das DFB-Präsidium am 4. Dezember diskutieren oder sogar richten will. Löw wiederum macht deutlich, dass seine Zeit wohl vorbei ist. Seine Lösung sieht so aus: „Wir müssen alles hinterfragen, wir müssen uns auch selbst hinterfragen.“ Das kommt uns bekannt vor, er hat es schon nach der WM-Pleite 2018 gesagt. Lösungen hat er offensichtlich nicht gefunden. Vielleicht sollte er sich ein Beispiel an Andreas Möller nehmen. Der sagte einst, „ich bin selbstkritisch, sogar mir selbst gegenüber“. Es mehren sich die Stimmen, die Ralf Rangnick als adäquaten Nachfolger von Jogi Löw sehen. Der Aufbau einer starken EM-Mannschaft ist dem Weltmeister-Coach nicht mehr zuzutrauen. Mehr zumThema Löw in der nächsten Kolumne „Jogi Löw und DFB-Elf haben sich demaskiert“.

Immer ist von Rekorden die Rede, ein Blick zu Nachbar Frankreich. Dort ist eine beeindruckende Serie zu Ende gegangen. Nach 73 Spielen ohne Niederlage und zahlreichen Titeln haben die Frauen von Olympique Lyon um Dzsenifer Marozsan erstmals wieder verloren. Doppelte Duplizität der Ereignisse: Zuletzt verlor Lyon am 31. Mai 2018 das französische Pokalfinale mit 0:1 gegen Paris St. Germain, am 20. November 2020 gab es jetzt wieder ein 0:1 gegen Paris, den Verein von Sara Däbritz, diesmal in der Punktrunde. Die Torschützin bei beiden 0:1 heißt Marie-Antoiniette Katolo! In der Liga war Lyon sogar 80 Spiele ungeschlagen! Alles hat einmal ein Ende…

Jogi Löw und die DFB-Elf haben sich demaskiert

Deutschland ist erschüttert. Offensichtlich hat die Fußball-Nationalmannschaft doch noch einen hohen Stellenwert im Land, wenn das 0:6 von Sevilla so hohe Wellen schlägt. Es ist ja auch ein historisches Ergebnis, eins, auf das man gerne verzichtet hätte. Bastian Schweinsteiger als ARD-Experte hatte nur ein Wort dafür: „Entsetzlich!“. Jetzt wissen wir, wie sich die Brasilianer 2014 nach dem 1:7 gegen Deutschland gefühlt haben. Komisch, bei beiden Spielen war Joachim Löw der Bundestrainer. Aber der inzwischen 60-Jährige Löw ist nicht mehr der Jogi vom Titelgewinn 2014, eher der von der WM-Pleite 2018 in Russland. Auf jeden Fall bleibt festzuhalten: Jogi Löw und die DFB-Elf haben sich demaskiert. 0:6 verlor eine deutsche Fußball-Nationalmannschaft zuletzt 1931 gegen Österreich. Was Hoffnung macht, damals sorgte diese Blamage im Rahmen der brisanten Diskussionen um die Einführung des Profi-Fußballs für eine Initialzündung. So eine könnte der DFB jetzt gebrauchen. Motto: Es kann nur besser werden.

Aber jetzt: Maske ab. Jogi Löw hat sich vor und während dieser Pleite gegen Spanien demaskiert. Unverständnis rief schon die Ausbootung der altgedienten Hummels, Müller und Boateng hervor. Die Begründung war sogar nachvollziehbar, dass er nun eine neue, junge Mannschaft aufbauen wolle, doch gerade die brauchen eigentlich erfahrene Stützen. Sein Pech: Inzwischen sind die drei viel besser in Form als zur Zeit seiner Entscheidung. Was in diesem Zusammenhang noch mehr irritiert, ist die Tatsache, dass der Bundestrainer an einige Kandidaten festhält, die in ihren Vereinen nur noch zweite Wahl sind. Nico Schulz und Julian Brandt zum Beispiel in Dortmund, Jonathan Tah in Leverkusen. Ausgerechnet Tah wurde in Sevilla in der zweiten Halbzeit aufs Feld geschickt, um Stabilität zu bringen. Er brachte noch mehr Unsicherheit – Maske ab!

Der Bundestrainer aber saß draußen, zerknirscht, sichtbar ohnmächtig, ohne Regung. Er hätte von außen einwirken müssen, umstellen, versuchen, den Spielern auf dem Feld Sicherheit zu geben. Nichts von alledem geschah. Kein Wunder, dass die Zweifel an Löw wachsen. Maske ab! Bei einer kicker-Umfrage stimmten 94 Prozent der Fans für eine Ablösung von Löw. Der Verband will die Zweifel zerstreuen und an ihm festhalten. Vielleicht nur vorerst, weil ein Schnellschuss auch nicht das richtige Mittel ist. Vielleicht nur deshalb, weil es an geeigneten Kandidaten fehlt. Christoph Daum oder Peter Neururer werden es kaum sein, Jürgen Klopp und Julian Nagelsmann stehen nicht zur Verfügung. Einer wäre frei: Ralf Rangnick, einst als „Fußball-Professor“ verspottet, eher ein „Macher“. Sogar Löws früherer Assistent Hansi Flick wird genannt, doch der schwimmt derzeit bestimmt lieber auf der Bayern-Erfolgswelle. Die Bayern gewinnen lieber 6:0…

Von draußen kam keine Hilfe, auf dem Rasen fehlten allerdings auch Führungsfiguren. Einzig Manuel Neuer brachte seine normale Leistung, schimpfte wie ein Rohrspatz, versucht verzweifelt aufzurütteln und anzutreiben. Schade für ihn, er erlebte mit seinem 96. Länderspiel ein trauriges Rekordspiel. Ansonsten tauchten alle ab, die sonst genannten Stützen erweisen sich immer mehr als Schönwetter-Fußballer. Läuft es, läuft es bei ihnen auch, aber Halt geben sie einem Ertrinkenden nicht. Maske ab bei Toni Kroos und Ilkay Gündogan vor allem, sie sind keine Führungsfiguren. Leon Goretzka mag sich gedacht haben, „hätte ich nur Jos Kimmich neben mir“. Die Stürmer talentiert, aber schwankend in den Leistungen, auch sie brauchen Halt. Die Abwehr oft eine Katastrophe, Matthias Ginter als Rechtsverteidiger hilflos, Niklas Süle im Moment kein Chef, er sucht nach seiner Form, Robin Koch und Philipp Max noch unerfahren, alle gingen unter. Gerade Max wird sich grämen, „ausgerechnet zur größten Pleite holt Löw mich erstmals in die Auswahl“. Es ist wie in den Vereinen, eine Mannschaft kann man nicht gänzlich austauschen, aber ein besserer Trainer könnte mit diesen Talenten und einigen Stützen viel erreichen. Es tut weh, aber manchmal müssen auch Weltmeister erkennen, wenn ihre Zeit vorbei ist. Die Zeit von Müller, Hummels und Boateng ist vielleicht noch nicht vorbei.

Auffallend, dass vor dem Spiel gerade bei den Spaniern geschimpft wurde, während im deutschen Lager Zuversicht herrschte. „Wir holen den Gruppensieg“, hieß es unisono, ein Unentschieden hätte gereicht, die Nations League wurde plötzlich zum attraktiven Wettbewerb. Bei Spanien geriet ausgerechnet Trainer Luis Enrique unter Druck, die letzten Leistungen waren schwach, Torchancen wurden reihenweise vergeben, die Ergebnisse 0:0 gegen Portugal, 0:1 Ukraine, 1:1 Niederlande und 1:0 sowie 1:1 gegen die Schweiz waren keine Lichtblicke. Die Stammelf war es dann nicht, die für Deutschlands Debakel sorgte, es war eine verjüngte Mannschaft. Es geht also doch mit jungen Spielern. Ob das Bierhoff und Co. Hoffnung macht?

Jetzt ist erst einmal Pause bis Ende März 2021. Aber Jogi Löw kann nicht in Ruhe seinen Espresso schlürfen, er wird wachen Auges die Verbandsbosse um Präsident Fritz Keller und Sportdirektor Oliver Bierhoff beobachten, ob die Pause nicht doch zu einer Wachablösung genutzt wird. Nichts nutzen wird dem Bundestrainer wenn er darauf verweist, dass seine Mannschaft in den sieben Spielen vorher ungeschlagen blieb. Begeisterung weckte sie nämlich 2020 nie, die Ergebnisse (1:1 Spanien, 1:1 und 3:3 Schweiz, 2:1 und 3:1 Ukraine, 3:3 Türkei, 1:0 Tschechien) wurden eher mit dem Hinweis versehen, früher hat die Mannschaft besser gespielt. Vielleicht wird es künftig so gut wie früher. Möglich wäre es schon, so ein 0:6 kann aufrütteln.

Sport und Corona: Der Ritt auf der Rasierklinge

Jeder wünscht sich in diesen Pandemie-Zeiten eine Rückkehr zur Normalität. Doch die Welt wird noch einige Zeit mit Covid-19 leben müssen, der Sieg über Corona und damit wieder ein unbeschwerter Alltag steht in Sternen. Einschränkungen müssen alle hinnehmen, natürlich auch der Sport. Aber gerade der Profi-Sport versucht in seinem Spielbetrieb ein Stückchen Normalität zu erreichen, um seine Spiele durchzubringen. Es zeigt sich aber immer mehr, dass dies ein Ritt auf der Rasierklinge ist.

Der Fußball steht natürlich im Mittelpunkt, in diesen Tagen nicht durch die nationalen Punktrunden, sondern in Europa durch die Nations League, in Südamerika durch die WM-Qualifikation und ansonsten international durch Länderspiele. Wo auch immer, es wird munter herumgereist und zu selten werden die Hygiene-Bestimmungen beachtet oder sogar streng eingehalten. Corona hätte auch fast das Spiel der Deutschen gegen die Ukraine verhindert, nachdem fünf Teammitglieder des Gegners positiv getestet wurden. Das Gesundheitsamt in Leipzig zeigte sich großzügig, glaubte den eher schöngefärbten Aussagen der Ukrainer, wohl, um keine Absage festlegen zu müssen. Fragwürdig. Strenger waren die Norweger, die ihre Fußballer wegen Corona nicht nach Rumänien reisen ließen. Aber auch Handballer, Basketballer und andere reisen munter durch die Welt, gerade im Basketball herrscht eine Terminenge ohnegleichen, es geht von Ort zu Ort. Dabei mehren sich im Sport die positiven Corona-Tests – ein Warnzeichen. Aber der Streit im Handball, ob die Weltmeisterschaft im Januar 2021 in Ägypten zu spielen tragbar ist oder nicht, zeigt, wie unterschiedlich mit Corona umgegangen wird. Da der Kampf ums Geld, um Aufmerksamkeit und vielleicht sogar Fortbestand einer Sportart, der Verbände und Vereine, dort die Angst vor Infektion und der Wille zur Einschränkung, weil die Gesundheit im Vordergrund steht.

Bleiben wir beim Fußball, es wird gespielt. Sportlich sendete die deutsche Nationalmannschaft positive Signale, beim 3:1 gegen die (geschwächte) Ukraine war nicht alles Gold was glänzt, aber es zeigte sich deutlich, dass das DFB-Team, wenn fast in Bestbesetzung (Kroos und Kimmich fehlten), schon ein Hoffnungsträger auf bessere Zeiten sein kann. Gerade vor einem Turnier hat es Bundestrainer Joachim Löw meist fertiggebracht, die Mannschaft in Form zu bringen. Jetzt fehlt ihm jegliche Vorbereitung. Jogi Löw beendete mehr oder weniger auch die Testphase, er machte deutlich, dass es jetztt um die Plätze im Team geht. Dabei dürfen sich drei aus dem erweiterten Kreis bzw. Neulinge EM-Hoffnungen machen: Robin Koch als defensiver Stratege, Philipp Max als Alternative als Linksverteidiger und Florian Neuhaus im Mittelfeld machten auf sich aufmerksam.

„Unbedeutender Wettbewerb“, so setzen viele Kritiker die Nations League herunter, doch es gibt eindeutige Beweise, dass die Idee, die dahinter steckt, zu akzeptieren ist. Das Testspiel der DFB-Elf gegen Tschechien sahen nur 5,42 Millionen Zuschauer im Fernsehen, für die Kritiker der Beweis, dass die Nationalmannschaft an Zustimmung verloren hat. Die Ukraine war bestimmt kein attraktiverer Gegner, aber es ging wenigstens ein bisschen um was, so dass sich 8,16 Millionen am Samstag im ZDF für das Spiel interessierten, das waren mehr Zuschauer als der „Tatort“, immerhin eine Kultsendung, am Sonntag hatte (7,85 Millionen). Ganz so leicht lassen die Fußball-Fans Deutschlands einst liebstes Kind halt doch nicht fallen. Und sportlich gibt es auch eine gute Nachricht: Mit dem Sieg sind die Löw-Schützlinge in der WM-Qualifikation als Gruppenkopf gesetzt, werden also nicht auf die stärksten Nationen als Gegner treffen. Mit einem Unentschieden am Dienstag in Sevilla gegen Spanien wäre sogar der Gruppensieg in der Nations League geschafft (Finalrunde im Oktober 21), letzte Saison war Deutschland eigentlich Absteiger, blieb durch eine Aufstockung aber in der Liga A der besten Nationen.

Bundesliga: Sechs Spieltage bis Weihnachten

Wegen der Corona-Krise wird derzeit unter anderem diskutiert, wie das Weihnachtfest in diesen verrückten Zeiten ausschauen wird. Für Fußball-Fans gibt es zumindest das passende Geschenk: Fußball ohne Ende. Die Bundesliga startet am kommenden Wochenende mit ihrem Endspurt für dieses Jahr und der sieht noch sechs Spieltage bis Weihnachten vor. Am 20. Dezember wird noch gespielt (am 22. und 23. 12. ist noch Pokal), am 2. Januar geht es schon weiter. Weihnachten so richtig entspannt feiern, ist für die Fußball-Profis nicht drin. Wer auf Europas Bühnen beschäftigt ist, hat zusätzlich noch drei Spieltage unter der Woche zu absolvieren. Die Hetzjagd geht also weiter (siehe auch die nachfolgende Kolumne „Hetzjagd hinterlässt Spuren beim Fußball Europas“).

Mit dem Schlagerspiel Dortmund – Bayern verabschiedete sich die Bundesliga in die Länderspielpause, zum Neustart hat die Liga ähnliches nicht zu bieten. Aber inzwischen haben sich ja die Fronten einigermaßen geklärt und die Augen sind vielleicht sowieso eher auf das Tabellenende gerichtet und auf die Frage, wann denn Mainz, Schalke und Köln erstmals gewinnen und ihre Sieglosserien beenden. Ob das in Freiburg (Mainz), gegen Union Berlin (Köln) oder Wolfsburg (Schalke) gelingt? An der Tabellenspitze gibt es das nächste Schlagerspiel am Samstag, 5. Dezember (18.30 Uhr), da erwarten die Bayern RB Leipzig. Passend rund um den Nikolaustag quasi ein Nikolausgeschenk der Bundesliga für die Fans, deren größtes Geschenk in diesem Jahr wohl nicht mehr kommt, nämlich endlich wieder in die Stadien zu dürfen.

Die Bayern-Frauen haben es übrigens den Männern nachgemacht, sie haben auch das Schlagerspiel gewonnen und sind nach dem überraschend deutlichen 4:1 gegen den VfL Wolfsburg, dem Meister der letzten vier Jahre, auf dem besten Weg ihr Ziel zu erreichen, nämlich die Dominanz der Wölfinnen zu brechen. Dabei wird deutlich, dass die Einkaufspolitik der Bayern-Mädchen sehr erfolgreich war. Die Neuzugänge Viviane Asseyi (Torjägerin aus Frankreich/Bordeaux) und Marina Hegering (Essen) gehörten neben Lineth Beerenstyn zu den Torschützinnen, Clara Bühl (Freiburg) glänzte als Vorbereiterin und auch die Schwedin Hanna Glas (Paris) zeigt sich als wertvolle Verstärkung. Der Ehrentreffer per Elfmeter von Lena Goeßling war der erste Gegentreffer der Bayern in dieser Saison – am 9. Spieltag! Aber alle wehren ab: Noch ist nichts entschieden.

Hetzjagd hinterlässt Spuren beim Fußball Europas

Eine Klagewelle rollt durch Europa. Nein, nicht juristisch gesehen, die Gerichte werden im Sport kaum bemüht. Die Klagen betreffen den Alltag, das Leben mit Corona, unter dem Virus leiden wir alle, aber es scheint, der Sport besonders und dabei steht der Profi-Fußball natürlich im Vordergrund. Die Pandemie hat alles durcheinander gebracht und bescherte den Verbänden und Vereinen ein Terminchaos ohnegleichen. Die Lösung war eine unvergleichliche Hetzjagd, aber die hinterlässt jetzt Spuren in Europas Fußball.

Bei einem Blick auf die Tabellen der stärksten Ligen Europas reibt sich der Fußball-Fan verwundert die Augen. England: Leicester City führt vor Tottenham und Liverpool, Mitfavorit Manchester City ist nur Elfter, Lokalrivale United sogar noch drei Plätze dahinter. Kritiker, die vor allem die Langeweile fürchten, können sich freuen, am vergangenen Wochenende gab es in der Premier League gleich vier verschiedene Tabellenführer! Im Schlagerspiel trennten sich City und Liverpool 1:1, genau so einig waren sich die Trainer Pep Guardiola und Jürgen Klopp hinterher: Diese Hetzjagd geht auf Kosten der Gesundheit der Spieler, wobei die Mehrheit der Vereine einen Wechsel von fünf Spielern abgelehnt hat. Die kleinen Vereine hatten die Großen überstimmt, weil die ja den größeren Kader hätten und eher profitieren würden.

Seltsames auch in Spanien: Keiner der üblichen Verdächtigen vorn, Erster ist Real Sociedad vor dem FC Vilarreal und Atletico Madrid, erst dahinter taucht Real auf und nur Achter ist der FC Barcelona. Dort brennt die Hütte, der Präsident nahm den Hut, im Januar droht sogar Insolvenz, der Wechselwunsch Messis hat den Verein erschüttert. Unruhe auch bei Real, Trainer Zidane sitzt nicht mehr fest im Sattel. Ähnliches in Italien, Serienmeister Juventus Turin guckt nicht nach unten, sondern muss nach oben schauen, dort sitzen der AC Mailand vor Sassuolo Calcio, der SSC Neapel und AS Rom, erst dann Juve. Doch die Schlagzeilen beherrschte zuletzt Lazio Rom, dort ist von Corona-Betrug die Rede (ja, das geht auch). Im Zusammenspiel mit dem Gesundheitsamt sollen die Spieler wie gewünscht positiv oder negativ getestet worden sein, je nachdem, wie sich Lazio einen Vorteil erhofft hatte. Da gibt es Stimmen, die sagen „typisch Italien“.

Es gibt auch bekannte Tabellenführer, Paris St. Germain in Frankreich und Bayern München in der Bundesliga. Doch gerade in der Ligue 1 ist das fast überraschend, Paris begann mit Niederlagen, klagt über eine Masse an Verletzungen und Trainer Thomas Tuchel konnte noch nicht einmal seine beste Mannschaft aufbieten. Aber wenn das B-Team auch vorne ist… Ganz ruhig geht es dagegen in München zu, allein der Streit um den Vertrag von David Alaba trübt die Stimmung und Verletzungen (zuletzt Kimmich) müssen auch verkraftet werden. Doch wichtig ist den Bayern vor allem eins: Sieg in Dortmund und Tabellenführung.

Die Klagewelle rollt, vor allem auch weil Europas Fußball einem Krankenlager gleicht. Paris ist besonders betroffen, aber fast überall gibt es überdimensional Verletzungen, Schuld trägt nach Meinung der Vereine und Trainer die erzwungene Hetzjagd, Spiele ohne Pause. Jürgen Klopp hat Abwehrchef van Dijk verloren, Tuchel vermisste Superstar Neymar, die Muskelverletzungen häufen sich überall. Der Fußball ein einziges Krankenlager, gespielt wird aber trotzdem. Ein Hoch auf die Rotation! Es kommt auf das Fingerspitzengefühl der Coaches an.

Allerdings darf nicht vergessen werden, dass die Ligen offenen Auges dieser Hetzjagd zugestimmt haben. Im Vorjahr haben die UEFA und ihre Verbände auf Länderspiele verzichtet, damit die Ligen ihre Punktrunden beenden konnten. Schon damals war klar, dass die Länderspiele nachgeholt werden müssen, weil auch die Verbände Geld brauchen und für Fernsehen und Sponsoren präsent sein müssen. Das hätte auch Toni Kroos wissen können, der sich als einer von vielen Spielern über die Hetzjagd beklagt und die Nations League als unsinnig bezeichnet hat. Da beißt sich die Schlange in den Schwanz, der gordische Knoten kann nicht gelöst werden, denn ohne Fußball gibt es auch kein Geld.

Verwunderlich, dass dennoch manche Spieler und ihre Berater so tun, als wäre die Welt, vor allem die Fußball-Welt, in Ordnung und keine Abstriche hinnehmen wollen. David Alaba ist das beste Beispiel, Lionel Messi liegt auf dieser Linie. Wo wollen sie mehr Geld verdienen und sportlich besser dastehen als in München bzw. Barcelona? Alaba träumte von Real oder Barca – kann er sich da verbessern? Für beide gibt es nur zwei Ziele: Manchester City oder Paris St. Germain. Dort blättern Scheichs vielleicht die nötigen Moneten hin, aber ob sich die Erfolge dann wie gewünscht einstellen?

Corona hat die Welt im Griff, die Klagewelle rollt, aber sie wird keineswegs aufhören, wenn das Virus einmal besiegt ist. Die Nachwehen werden auch heftig sein – und es wird geklagt.

Was passiert alles in der Länderspielpause?

Pause in der Punktehatz der internationalen Fußball-Ligen. Jetzt stehen die Nationalmannschaften wieder im Blickpunkt, aber eine Ruhephase gibt es bei den Vereinen keineswegs. Was wird in dieser Länderspielpause alles passieren? Vor allem bei den Vereinen, aber auch drumherum? Eines ist sicher, nicht nur das Corona-Problem hält das Interesse am Fußball wach.

Länderspielpause, das klingt danach, als könnten die Vereinstrainer endlich einmal in Ruhe mit ihren Spielern trainieren und taktische Varianten einstudieren. Pustekuchen, die Trainingsplätze bleiben zwar nicht leer, aber das Personal ist erheblich ausgedünnt. Alle Bundesligisten müssen Spieler abstellen, bei Dortmund sind es 15, bei den Bayern und Leipzig je 13, bei Union Berlin, Bremen und Bielefeld allerdings nur zwei, bei Augsburg, Freiburg und Stuttgart immerhin aber noch sieben. Alle Abstellungen sind allerdings auch mit Risiken verbunden, weil viele Nationalspieler in Risikogebiete reisen, es droht sogar Quarantäne bei der Rückkehr. Bremen und Bielefeld nutzen die Möglichkeit, eine Abstellung der Spieler abzulehnen, wenn diese danach in Quarantäne müssten. Nicht immer weiß man das allerdings vorher. Das Ausfallrisiko ist also groß, es kommen ja die üblichen Verletzungen hinzu. Wie oft müssen Vereine leiden, weil sich ihre Stars bei der Nationalmannschaft verletzt haben.

Von Ruhepause also keine Spur, auch die Funktionäre nutzen die Tage, um Weichen für die Zukunft zu stellen. In der Bundesliga geht die Diskussion um die künftige Verteilung der Fernsehgelder weiter. Eine Gruppe von Vereinen aus der ersten und zweiten Liga hat sich bereits positioniert und fordert eine ihrer Meinung nach gerechtere Verteilung nach dem Motto, weniger für die Großen, mehr für die Kleinen. Die Spitzenklubs wollen ihre Pfründe sichern und treffen sich am Mittwoch. Mit dabei sind 14 Bundesligisten und der Hamburger SV als Bundesliga-Dino (wohl nach dem Motto, der gehört einfach in die Bundesliga). Nicht eingeladen sind die „abtrünnigen“ Stuttgart, Augsburg, Bielefeld und Mainz, die mit den Zweitligisten Druck auf eine andere Verteilung machen. Ihrer Meinung nach wird zu viel Wert auf die sportliche Platzierung gelegt und damit würde die Schere zwischen reichen und ärmeren Vereine immer größer.

Eine Annäherung sollte möglich sein, doch dass Erfolg zählt, gehört eigentlich zu einer Leistungsgesellschaft. Es wird ja keinem der Erfolg verwehrt, einige Vereine müssen sich im Gegenteil vorhalten lassen, dass sie nicht gut genug gewirtschaftet haben, jetzt wollen sie vom guten Ruf der anderen profitieren. Tatsache ist doch, dass Aushängeschilder wie München und Dortmund beste PR für die Bundesliga machen und nicht Mainz oder Bielefeld. Andererseits waren gerade die beiden Spitzenvereine auch schon am Rande des finanziellen Debakels und haben sich wieder gefangen. Oder schauen wir auf Borussia Mönchengladbach. Ein Verein, der sicher nicht mit Geld gesegnet ist, aber es geschafft hat, fast Stammgast in der Spitzengruppe zu sein. Gute Arbeit wird also belohnt und sollte auch bei TV- und Werbegeldern belohnt werden! Außerdem: Ein Streit ums Geld passt nicht in die Zeit!

Übrigens: Auf Europas Bühnen haben alle Bundesligisten beste Werbung für die Liga gemacht. Bei Halbzeit liegen bis auf Leipzig (aber punktgleich mit Manchester United) alle deutschen Vereine in ihren Gruppen vorn, das gab es noch nie! Da besteht sogar Hoffnung, dass Leverkusen oder Hoffenheim auch in der Europa League mal für Furore sorgen. Herausragend aber das 6:0 von Gladbach in Kiew gegen Donezk, das zuvor sogar bei Real Madrid gewonnen hatte! Also: Gladbach als Vorbild!

Münchner Mentalitätsmonster

Welche Qualität die Bundesliga hat, zeigte sich am letzten Spieltag vor der Länderspielpause, auch hier beste PR. Das Spitzenspiel Dortmund – Bayern war in allen Belangen wirklich spitze, die Bundesliga stellte dabei zum Beispiel die englische Premier League in den Schatten, denn das dortige Top-Duell Manchester City – Liverpool konnte mit dem Bundesliga-Fußball keinesfalls mithalten. Dazu lieferten sich die Verfolger Leverkusen und Gladbach beim 4:3 ebenfalls eine mitreißende Partie. Der Bundesliga-Fußball kann sich sehen lassen – auch international!

Die Bayern entpuppen sich in diesen Wochen als wahre Mentalitätsmonster. Ob national oder international, sie stecken Rückstände oder Verletzungen einfach weg und bleiben auf der Siegesstraße. Trainer Hansi Flick ist ein Jahr im Amt und hat eine Erfolgsgeschichte geschrieben, symbolisch zog er seinen Hut vor den Spielern, die auf dem Rasen erst seine Arbeit zum Erfolg werden lassen. Sogar der Nackenschlag mit dem Ausfall von Leader Joshua Kimmich wurde beim 3:2-Sieg in Dortmund weggesteckt. Ob das allerdings auf Dauer gelingt, wird sich zeigen. Kimmich erlitt einen Meniskusanriss und wurde bereits operiert. Er wird bis Januar ausfallen. Das andere Sorgenkind sorgte sportlich für Schlagzeilen, David Alaba krönte eine ausgeklügelte Standardvariante mit dem golden Schuss zum 1:1-Ausgleich. Beweis dafür, dass er weiter für die Mannschaft da ist. Könnte ja sein, dass er in der Länderspielpause auf neue Gedanken kommt und einen Verbleib in München wieder in Betracht zieht, weil er ein attraktiveres Umfeld kaum finden wird. Im Blickpunkt auch Leroy Sané, der sich als Joker bewährt und mit schönen Toren beste PR für sich selbst macht. Auf einen Einsatz in der Startelf muss er wohl noch warten, „er ist noch nicht bei hundert Prozent“, bittet Flick um Geduld. Mit der Jokerrolle wird Sané allerdings auf Dauer nicht zufrieden sein.

Am Tabellenende war es nichts mit dem Siegen, es gab nur Punkteteilungen. So müssen Schlusslicht Mainz, Schalke und Köln weiter auf ihren ersten Saisonsieg warten. Teilweise beschwerten sie sich auch über den Videoschiedsrichter. Wer unten steht, sieht sich immer im Nachteil. Pikant: Nächster Gegner von Schalke ist am 21. November der VfL Wolfsburg, dort machte Trainer Glasner durch seltsame Aussagen Schlagzeilen, aber eine Entlassung muss er wohl nicht befürchten. Wolfsburg und Leverkusen sind nämlich die einzigen Mannschaften noch ohne Niederlage in dieser Saison! Enden auf Schalke zwei Serien?

Jogi Löw mit Personalproblemen

Es gibt ja viele Menschen, die fragen, was macht eigentlich ein Bundestrainer die ganze Zeit? Vor kurzem war Joachim Löw ja wirklich arbeitslos, aber derzeit müsste man ihn eigentlich bedauern. Löw erlebt eine Leidenszeit (wobei er wahrscheinlich auch gelitten hat, weil er Länderspiele ausfielen), weil er gute Ergebnisse mit der Nationalmannschaft liefern soll oder sogar muss, aber nie auf die stärkste Mannschaft zurückgreifen kann. Auch diesmal nicht in den letzten Spielen der Nations League gegen die Ukraine am Samstag und in Spanien am 17. November. Verletzungen und Corona machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Mit Klostermann und Halstenberg fallen gleich zwei Außenverteidiger aus, dazu Havertz, Draxler, Kehrer, Reus (noch geschont) und zuletzt auch noch Kimmich. Für den holte Löw ausgerechnet den Wolfsburger Ridle Baku aus der U21. Bakus Vorbild: Joshua Kimmich. „So wie er möchte ich spielen“, sagte er in einem Interview. Das Dilemma für Löw: Erfolge müssen dennoch her, denn es geht auch um eine gute Platzierung in der Weltrangliste, damit Deutschland Gruppenkopf bei der WM-Qualifikation für 2022 wird. Ansonsten drohen schon starke Gegner in der Vorrunde. Das Testspiel am Mittwoch gegen Tschechien ist nur Beiwerk und Schaulaufen der Ersatzspieler. Kritikern sei gesagt: Auch der DFB braucht Geld. Es scheint also wirklich so, im Fußball dreht sich alles um das Geld.

Vorankündigung: In dieser Woche noch „Hetzjagd hinterlässt Spuren in Europas Fußball“.

Die Fußball-Trainer werden zu Glücksrittern

Der erste Teil der Hetzjagd im internationalen Fußball geht am kommenden Wochenende zu Ende, wenn dann die nächste Länderspielpause ansteht. Was natürlich bedeutet, dass die Nationalspieler keineswegs zur Ruhe kommen, die wertvollsten Stars also auch der größten Belastung ausgesetzt sind. In dieser Hetzjagd, wenn ungefähr alle drei Tage gespielt wird, heißt „Belastungssteuerung“ das Zauberwort, die Trainer werden dabei zu Glücksrittern.

Bestes Beispiel ist Hansi Flick beim FC Bayern München, der am Samstag beim Gastspiel in Köln das Undenkbare wahr werden ließ, nämlich komplett auf Torjäger Robert Lewandowski zu verzichten. Für den Polen war zu Hause Erholung und Wellness angesagt, Akku aufladen heißt es so schön. Seine Vertreter fanden das Tor nicht, die Bayern stolperten und holperten zu einem 2:1-Sieg, weil auch Goretzka, Coman, Alaba und Hernandez pausierten, für den Trainer hieß das nichts anderes als „Glück gehabt“. Schon beim 2:1 in Moskau war für den einen oder anderen Schonung angesagt, auch da ging es gut. So wie Flick geht es natürlich auch allen anderen Kollegen, die auf Europas Bühne beschäftigt sind. Nicht für jeden endet die Rotation oder eben das Glücksspiel positiv, Peter Bosz haderte nach der 0:1-Niederlage von Leverkusen bei Slavia Prag. Allerdings wurde gerade Bosz auch zum Glück gezwungen. Neuzugang Schick ist verletzt, so musste wieder der eigentlich nicht mehr so gelittene Lucas Alario ran. Und was macht der – er trifft!

In der Bundesliga befindet sich Leverkusen deshalb wieder auf dem Erfolgsweg, was bedeutet, dass die „Big Five“ zurück sind, ihre Welt ist wieder in Ordnung. Die Bayern sind wieder Tabellenführer, Dortmund punktgleich Zweiter, der gestürzte Spitzenreiter Leipzig, Leverkusen und Gladbach die Verfolger, das Feld dahinter kann sich um den Rest vom internationalen Geldtopf streiten, wobei die Rangfolge fragil ist. Sechster ist derzeit der FC Augsburg, bei dem der umstrittene Kaderumbau offensichtlich geglückt ist und der damit auf dem besten Weg ist, in seinem zehnten Bundesliga-Jahr wieder einmal eine ruhige Saison ohne Angst um den Klassenerhalt zu erleben. Oder geht sogar noch mehr? Auffallend: Am Samstag kommt Hertha BSC Berlin zum FCA, also ein Verein, der sich eigentlich dort sieht, wo die Augsburger jetzt stehen. Die Labbadia-Schützlinge befinden sich aber gerade mal auf Rang 14.

Zurück zu den Bayern, auch wenn quasi nur eine B-Mannschaft antritt, purzeln Rekorde. Thomas Müller zum Beispiel wird scheinbar nicht müde, er trieb seine Mitspieler zum Sieg an, es war für ihn der 260. in der Bundesliga, damit stellte er den Vereinsrekord von Torhüter-Titan Oliver Kahn ein, der dazu allerdings 429 Spiele brauchte, Müller nur 357. Mit Siegen kennen sie sich halt bei den Bayern aus, vor allem Javi Martinez, der bei seinem 150. Spiel zum Jubiläum den 125. Sieg feierte (welch eine Quote!), was vorher noch niemand in der Bundesliga in dieser Zeit schaffte. Das geht wohl nur bei den Bayern.

Für die Münchner stehen aber harte Prüfungen bevor, Flicks Rotation wird sich in dieser Woche wohl in Grenzen halten. Auch Glücksritter können bekanntlich Pech haben. Zuerst gibt es die kürzeste Anreise in Bayerns Champions-League-Geschichte ins rund 150 km entfernte Salzburg, das Aufeinandertreffen mit den Red Bulls ist eine Premiere. Die Bayern gastierten mal zu einem Freundschaftsspiel in Salzburg – und unterlagen mit 0:3. Die RB-Stürmer könnten den Bayern gefährlich werden, allerdings schwächelt die Abwehr, eine Aufgabe für Robert Lewandowski. Gibt es ein Torfestival?

Noch wichtiger ist wohl das deutsche „Clasico“ am Samstag in Dortmund. Die Borussen orientieren sich gerade an den Münchnern und gewinnen Spiele ohne Bestleistung. Brisanter könnte die Ausgangsposition im Duell der beiden gleichauf liegenden Teams nicht sein. Im Vorjahr schossen die Dortmunder allerdings nicht ein Tor gegen die Bayern (0:4 und 0:1)! Das soll diesmal anders werden, vor allem dann, wenn „Torjäger“ Mats Hummels wieder fit ist. Er schoss und köpfte die Tore zum 2:0 in Bielefeld und könnte auch seinem alten Verein weh tun. Zuvor sollte man die Aufgabe in Brügge am Mittwoch bestehen. Bei den Bayern könnte es noch Unruhe geben in dieser Woche, nachdem der Verein das Vertragsangebot an den wechselwilligen David Alaba zurückgezogen hat. Seinem Berater war es zu niedrig, er will Alaba wohl zum Bestverdiener bei den Bayern machen. Im Schatten des Topspiels steht das zweite große Duell zweier Spitzenteams, Leverkusen gegen Gladbach bildet den Schluss des 7. Spieltags. Leverkusen aufgepasst, Gladbach hat gerade Leipzig gestürzt!

Null-Nummer am Tabellenende

Der Blick geht natürlich auch an das Tabellenende und da gibt es eine absolute Null-Nummer. Es treffen sich die „Nuller-Klubs“, Mainz 05 und Schalke 04, beide beklagen null Siege, Schalke schon 22 Spiele lang, Mainz sechs in dieser Saison und ist damit Schlusslicht mit null Punkten. Vorteil Schalke also, das sich mit zwei Unentschieden im „Aufwind“ befindet. Wenn Not auf Elend trifft meint man, einer wird gewinnen, doch das ist ja im Fußball nicht immer so. Nur der Sieger wird mit Auftrieb in die Länderspielpause gehen, beim Verlierer brennt endgültig die Hütte. Beide Klubs haben bereits ihre Trainer gewechselt, wobei Manuel Baum bei Schalke auf einen zarten Aufschwung verweisen kann, der einstige Co-Trainer Jan-Moritz Lichte in Mainz jedoch auf Bewährung spielt, nämlich „bis auf Weiteres“. Die könnte bei einer Niederlage in der Länderspielpause enden. Gelegenheit wäre dann für einen Versuch mit einem neuen Trainer. Die Null soll schließlich nur im Vereinsnamen bleiben.

Eishockey-Bund wirft den Rettungsring

Covid-19 beutelt Europa ganz schön, das Corona-Virus stoppt wieder überall das normale Leben. Die Bundesregierung hat für Deutschland einen erneuten Lockdown (wenn auch light) ausgerufen, weil die Infektionszahlen einfach zu hoch sind. Es ist eine wohl richtige und dennoch harte Entscheidung, die Kritik aus allen Richtungen nach sich zieht. Auch der Sport hätte gern mehr Bewegungsfreiheit, mehr Zuschauer und weniger Corona. Wenn das nur so einfach wäre. Aus den vergangenen Monaten wissen wir, dass das Eishockey besonders hart betroffen ist und sogar die Zukunft dieser rasanten Sportart unsicher geworden ist. Doch aufgeben gilt nicht, der Deutsche Eishockey-Bund wirft den Rettungsring, allen Bedenken zum Trotz soll wieder Eishockey gespielt werden, koste es, was es wolle.

Eishockey ist eine teure Sportart und kassiert weniger als andere Mannschaftssportarten von Fernsehen und Sponsoren. Dennoch muss es weitergehen. Deshalb will der Verband auch mit aller Macht den traditionellen Deutschland-Cup vom 5. bis 8. November in Krefeld durchziehen, auch wenn es kaum Gegner gibt. Der Reihe nach haben Norwegen, Russland, die Slowakei und die Schweiz abgesagt. Zu viel Corona, zu wenig Mut oder Interesse. Nur Lettland traut sich und damit es ein Turnier gibt, ist neben der deutschen Nationalmannschaft auch ein deutsches „Perspektivteam Olympia 2022“ (das Kind braucht einen Namen) am Start. Jeder spielt gegen jeden, am Ende gibt es sogar ein Finale und den Beweis: Eishockey lebt.

Das ist das vorrangige Ziel des DEB, das Eishockey wieder in die Öffentlichkeit zu bringen, dafür nimmt man einen Verlust in Kauf. Möglicherweise fassen dann auch die Klubs der Deutschen Eishockey Liga (DEL) eher wieder den Mut, die Saison 2020/21 doch noch zu retten. Die Vereine jammern darüber, dass sie ohne Zuschauer-Einnahmen nicht leben können. Zuschauer wird es zumindest im November keine geben, vielleicht auch im Dezember nicht und wenn doch, dann wohl nur so wenige, dass die Kalkulation der Klubs dennoch ein Minus ausweist. Aber wer Eishockey retten will, muss spielen.

Als „Cup der guten Hoffnung“ wird deshalb ein „Rettungsturnier“ gern genannt, an dem sich vom 11. November bis 12. Dezember acht DEL-Teams beteiligen. Der Streaming-Dienst und DEL-Partner MagentaSport tritt als kleiner Sponsor und damit Retter auf. Es könnte ein Testlauf für die Saison sein, die danach starten soll. Vor allem die bayerischen Vereine stehen diesem Projekt allerdings skeptisch gegenüber und haben abgesagt. Die Ausnahme bilden die Red Bulls aus München, deren Geldgeber halt mehr Brause verkaufen muss. Die Kölner Haie konnten sich auch nicht zur Teilnahme entschließen – zu teuer. Dafür verkaufen sie fiktive Eintrittskarten an ihre Fans und wollen damit rund eine Million Euro sammeln, damit der Verein überhaupt überleben kann. Corona allein wird die glorreichen Haie wohl nicht in die Knie zwingen, eher Misswirtschaft.

Acht Vereine spielen also, in zwei Gruppen, insgesamt 24 Spieltage gibt es. Mit dabei sind in Gruppe A Bremerhaven, Düsseldorf, Krefeld und Wolfsburg, in Gruppe B Berlin, Mannheim, München und Schwenningen. Alle Spiele werden natürlich von MagentaSport übertragen.

Ein Stück weiter als die Topklubs sind die Vereine der DEL 2, sie haben sich auf einen Saison-Start geeinigt und wollen ihre Saison am 6. November beginnen. Zuschauer dürfen auch sie natürlich nicht haben, aber ihr Verlust hält sich angesichts nicht so hoher Besucherzahlen in Grenzen. Wie auch in der DEL haben natürlich in der zweiten Liga die Spieler Opfer bringen müssen und verzichten auf einen Teil ihres Gehaltes. Da heißt es halt, mitgehangen, mitgefangen. Auch in der DEL 2 hat MagentaSport die Kameras im Spiel und will einige Begegnungen übertragen. Ein besonderer Partner ist aber der Streamingdienst Sprade.tv, der die Spiele übertragen wird, die Fans können für eine Gebühr von 9,90 Euro am Bildschirm dabei sein. Sie können also nicht im Stadion sein, dafür zahlen sie quasi Eintritt für das Sofa daheim.

Lustig ist, dass einige Stars aus der DEL den Weg in die zweite Liga finden und sogar noch in die unteren Klassen, nur damit sie endlich auf das Eis kommen. So sind in der DEL 2 sogar Silbermedaillengewinner von Olympia 2018 dabei, sie wollen sich in ihren Jugendvereinen fit halten und unterstützen gleichzeitig ihren Heimatklub. Das gilt zum Beispiel für Patrick Reimer aus Nürnberg beim ESV Kaufbeuren, für den Kölner Moritz Müller bei den Kassel Huskies und Felix Schütz aus Straubing, der beim EV Landhut spielt. „Wir wollen nicht einrosten“, heißt es. Außerdem wird die staatliche Hilfe nicht geschmälert, die meisten Eis-Cracks befinden sich nämlich offiziell in Kurzarbeit. Damit es also Abwechslung im Alltag gibt, heißt es, ein bisschen Spaß muss sein, in dem Fall eben Kurzarbeit auf dem Eis.

Die Angst spielt mit in der Fußball-Bundesliga

Die Fußball-Saison läuft, eigentlich könnte man sich entspannt zurücklehnen und die Spiele verfolgen. Doch Entspannung ist in Corona-Zeiten nicht angesagt, deshalb macht man eine andere Beobachtung: Die Angst spielt mit in der Fußball-Bundesliga!

Bevor es um die Probleme im Sport geht, steht die Angst vor Covid-19 an erster Stelle. Die Angst vor der Infektion, dass der ganze Spielbetrieb in Schieflage geraten könnte, inzwischen auch die Angst vor falschen Tests in den Laboren. Es kann ja nicht nur sein, wie zuletzt geschehen, dass Spieler falsch positiv getestet werden, es könnte ja auch sein, dass es falsche Negativtests gibt und das Virus unbemerkt verteilt wird und eine kleine Katastrophe auslösen könnte. Ein ständiger Begleiter ist in diesen Monaten auch die Angst vor den leeren Stadien, verbunden mit der Angst vor dem finanziellen Desaster. Die Sehnsucht nach vollen Stadien und gewohnter Atmosphäre ist groß, doch in absehbarer Zeit wird es bei dieser Sehnsucht bleiben. Es ist fast schon fahrlässig, dass ein Verein wie Union Berlin vor 4500 Zuschauer spielt, nur weil er sich als der „etwas andere Klub“ präsentieren will. Verantwortungsbewusst ist das nicht, die Gefahr der Infektion lauert nicht in erster Linie im Stadion, sondern bei der Anfahrt und im Umfeld.

Was besonders bedrückt, ist die Angst davor, dass es sogar zu einem Abbruch der Saison kommen könnte. In dieser Woche läuft die von der Bundesregierung vorgegebene Testphase für die Bundesliga aus. Wie werden die Politiker entscheiden? Hat die Bundesliga überzeugt? Mit einem Blick auf die Infektionszahlen wird es vorerst wohl zumindest keine Zuschauer mehr in den Stadien geben. Eine einheitliche Regelung ist auch Utopie, zumal die örtlichen Gesundheitsämter meist sowieso das letzte Wort haben. Corona bremst weiter die Freude, schürt die Angst.

Aber auch sportlich geht natürlich die Angst um. Frag nach bei Schalke. Die Niederlagenserie nimmt schon beängstigende Ausmaße an. Gut, von einem Derby-Sieg in Dortmund konnte man in der derzeitigen Situation wirklich nicht ausgehen, aber jede Niederlage macht das künftige Siegen noch schwerer und immer wieder fällt nach 21 sieglosen Spielen der Blick auf Tasmania Berlin, die Mannschaft, die als Sinnbild der Verlierer in die Geschichte der Fußball-Bundesliga eingegangen ist, nämlich in der Saison 1965/66 mit 31 Spielen ohne Sieg. Kein Trost auf Schalke, dass Köln auch schon bei 15 sieglosen Spielen steht, kein Trost, dass Mainz als Schlusslicht immer noch ohne Punktgewinn ist.

Bei Schalke und Mainz haben die Trainerwechsel keinen wirklichen Umschwung gebracht. Gerade Schalke hätte vielleicht nicht den Taktiker Manuel Baum gebraucht, sondern eher einen Stimmungsmacher, der Schwung in die Bude bringt, wie früher Christoph Daum oder Peter Neururer. Oder einen Felix Magath, der die Spieler über glühende Kohlen laufen lässt und dann versichert, Niederlagen schmerzen mehr. Sinn der Sache: Der Kopf spielt die Hauptrolle, die Gedanken müssen wieder frei sein, die Zuversicht darf keine Fata Morgana sein. Was aber bleibt, neue Chancen am nächsten Spieltag und lustigerweise auch Angst bei den Gegnern, denn keiner will der Erste sein, der zum Ende der Durststrecke verhilft. Also stehen Stuttgart gegen Schalke und Augsburg gegen Mainz auch unter besonderem Druck. Die Bayern wiederum wird das beim Gastspiel in Köln kaum kratzen, eher wird Köln auf den 6. November schauen, da geht es nach Bremen.

Wenn es um die Angst in der Bundesliga geht, dann spielt allerdings auch Bayern München eine Rolle. Wieder einmal natürlich die Angst vor einem erneuten Alleingang des Serienmeisters nach acht Titeln in Folge. Die 1:4-Niederlage bei Hoffenheim machte der Konkurrenz Hoffnung, die Antwort der Bayern, zuletzt ein 4:1 in Bielefeld, 4:0 gegen Atletico Madrid und 5:0 gegen Frankfurt weniger. Zwangsläufig fallen wieder Rekorde, 22 Tore nach fünf Spieltag gab es noch nie, ebenso Robert Lewandowskis zehn Treffer zu diesem Zeitpunkt. Gegen Atletico war es der zwölfte Erfolg in der Champions League in Serie – neuer Rekord! Tusch auch für den 700. Heimsieg in der Bundesliga, logisch – gab es noch nie. Die Freude der Münchner trübt die Verletzung von „Roadrunner“ Alphonso Davies, da wird auch ein David Alaba wieder mal links verteidigen müssen. Nachlassen dürfen sie auch nicht, die Hetzjagd geht weiter mit vier Auswärtsaufgaben in zwölf Tagen bis zur Länderspielpause, bei Lokomotive Moskau, in Köln, in Salzburg und dann das Schlagerspiel in Dortmund. Na ja, irgendwelche Bestmarken werden schon nach abfallen.

Logisch, dass Trainer Hansi Flick auf Rotation bzw. Schonung bedacht ist, allerdings im kleinen Rahmen. Die Neuzugänge Sarr und Costa durften ihr Startelfdebüt feiern, Torjäger Lewandowski ging vorzeitig vom Platz. Flicks Credo, Wechsel vor der 75. Minute, „bevor es richtig weh tut“. Na ja, weh tut es eher den Gegnern… Aber bitte, ist ja noch gar nichts gegen das 13:0 von Ajax Amsterdam beim VVV Venlo. Das gefällt vielen in den Niederlande nicht, denn es schadet dem Ruf, dass die Eredivesie eine starke Liga ist. Aber Ajax ist immerhin Tabellenführer, die Bayern nicht, der RB Leipzig lässt nicht nach, hangelte sich zum 2:1 über die Hertha. Bleibt die Angst, dass sich das noch ändern wird.