Er steht ja so gerne im Mittelpunkt und so wird die Auslosung der Gruppen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko am Freitag in Washington wohl vor allem zur Bühne für den nach eigenem Verständnis „großartigsten Präsidenten des Weltverbandes“, Gianni Infantino. Ihm zur Seite stehen soll der nach eigenem Verständnis „großartigste Präsident der Welt“, Donald Trump. Zwei, die sich nicht gesucht, aber gefunden haben. Die peinliche Krönung könnte sein, dass Trump aus den Händen von Infantino den vom FIFA-Präsidenten neu geschaffenen „Friedenspreis“ erhält. Außer Infantino fragt sich jeder: Welcher Frieden?.
Es wird wieder einmal deutlich, Sport und Politik lassen sich nicht trennen. Bei der Auslosung der WM-Gruppen wird der Sport aber in den Hintergrund gedrängt, auch durch das bunte Showprogramm (u. a. moderiert Heidi Klum). Dabei wird es sowieso die größte Auslosung aller Zeiten, weil die Zahl der WM-Teilnehmer von 32 auf 48 aufgestockt wurde, das bedeutet statt bisher 64 insgesamt 104 Spiele vom 11. Juni bis 19. Juli 2026. Es gibt zwölf Gruppen mit je vier Mannschaften, die besten zwei jeder Gruppe und die besten acht Dritten kommen in die erste K.o.-Runde. Gespielt wird in 16 Städten, zwei in Kanada (Toronto, Vancouver), drei in Mexiko (Monterrey, Mexiko City, Guadalajara) und elf in den USA (Dallas, Atlanta, New York, Boston, Houston, Los Angeles, Kansas City, Miami, Philadelphia, San Francisco, Seattle). Das Eröffnungsspiel findet in Mexiko City statt, das Finale in East Rutherford (New Jersey).
Aus vier Töpfen werden die Nationen für die Gruppen gezogen, die Reihenfolge orientiert sich an der Weltrangliste. Ein Novum, sechs Teilnehmer stehen noch gar nicht fest, weil im März noch Play-Offs in Europa und international von der FIFA ausgetragen werden. Diese Teams werden alle in Topf 4 verfrachtet, mit dabei ist Italien! Die Gruppenköpfe bilden die drei Gastgeber sowie die ersten neun der Weltrangliste, so ist auch Deutschland, neben Argentinien, Brasilien, England, Frankreich, Portugal, Niederlande, Spanien und Belgien eine Nummer 1. Erstmals gibt es auch eine Art Setzliste, so dass die besten Teams der Weltrangliste, Spanien und Argentinien erst im Finale aufeinandertreffen können.
Die Auslosung am Freitag, die eigentlich in Las Vegas vorgesehen war, auf Wunsch von Trump aber nach Washington verlegt wurde, ist eingebettet in eine zweistündige Show (18 Uhr/ZDF), der genaue Spielplan wird am Samstag erstellt und in einer weiteren Show vorgestellt. Dann geht für alle Nationen auch die Quartiersuche los. Logisch, dass auch eine große Delegation des DFB vor Ort ist, einige vorgesehene Quartiere wurden schon besichtigt. Bundestrainer Julian Nagelsmann hofft auf Losglück, Iran, Südafrika und Tschechien wären ebenso als Gegner möglich wie Uruguay, Ägypten und Italien. Nur aus Europa können zwei Nationen eines Kontinents in einer Gruppe vertreten sein. Mal sehen, ob die Auslosung die Vorfreude auf die WM steigert!
Jubel beim DFB: EM-Gastgeber 2029
Die Hoffnung war so groß wie die Zweifel beim DFB als um die Vergabe der Frauen-Europameisterschaft 2029 ging. In Erinnerung war die Niederlage gegen Brasilien bei der WM-Vergabe 2027 und diesmal galten Schweden und Dänemark in einer gemeinsamen Bewerbung als harte Gegner und Polen als dritter Kandidat hatte das starke Argument, durch die EM den Frauen-Fußball im Land in Schwung zu bringen. Am Ende aber jubelte am Mittwoch in Nyon am Genfer See, dem Sitz der UEFA, die Delegation von DFB-Präsident Bernd Neuendorf, für den der Sieg ein persönlicher Prestigeerfolg ist. Vielleicht zog das Argument, dass in Deutschland nur in großen Stadien gespielt werden soll und im Gegensatz zu allen bisherigen Turnieren mit einem Gewinn zu rechnen sei. Mit einer Million Zuschauer lockte der DFB und Nati-Kapitän Giulia Gwinn jubelte: „Das wird ein großes Fest“. Als Spielorte stehen Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt, Hannover, Köln, Leipzig, München und Wolfsburg fest.
Am Tag zuvor war den deutschen Frauen nicht zum Jubeln zumute, der Traum vom Finalsieg in der Nations League platzte. Weltmeister Spanien zeigte sich in Madrid als unerbittlicher Gastgeber und dem DFB-Team die Grenzen auf, dass zur absoluten Weltspitze halt doch noch ein bisschen fehlt. Im Hinspiel in Kaiserslautern konnte Deutschland noch zeitweise das Kommando übernehmen, das blieb aber in Madrid aus, zu dominant waren die Spanierinnen. Auch schlichen sich in der deutschen Abwehr zu viele Fehler ein, es wurde nicht konsequent genug verteidigt und eigene Chancen gab es kaum. Nach Toren von Pina (2) und Vicky, die Aitana ersetzte, gewann der Weltmeister deutlich mit 3:0. Bundestrainer Christian Wück war ernüchtert: „Jetzt wissen wir, was uns noch fehlt.“
Ob dem Bundestrainer künftig seine Stammtorhüterin fehlen wird, steht in den Sternen. Wück hofft weiter auf Ann-Katrin Berger, doch die 35-Jährige will sich die Fortsetzung ihrer Karriere noch überlegen. Die EM 2029 könnte ja für alle ein besonderes Ziel sein. Ex-Nationalspielerin Alexandra Popp schwärmt vor: „Ein Turnier im eigenen Land ist einfach geil.“
Überraschungen im Pokal
Im Achtelfinale des DFB-Pokals gab es zwei große Überraschungen: Zum einen konnte der FC St. Pauli nach neun Bundesliga-Niederlagen am Stück plötzlich wieder gewinnen und schaltete Mönchengladbach mit 2:1 aus, zum anderen sorgte Holstein Kiel in Hamburg für trübe Stimmung, denn der HSV unterlag im Elfmeterschießen (2:4 nach 1:1), eigentlich wollte er sich im Pokal Auftrieb für den Kampf um den Klassenerhalt in der Bundesliga holen. Einen Genickschlag gab es auch für Borussia Dortmund, dass am Wochenende in Leverkusen noch 2:1 gewonnen hatte, jetzt aber drehte Bayer den Spieß um und gewann 1:0. Auch, weil Adeyemi beste Chancen vergab. Dabei hatten die Dortmunder große Hoffnungen im Pokal gehabt, eigentlich die einzige realistische Titelchance, die nun vergeben wurde. Da wird auch Abwehrchef Nico Schlotterbeck ins Grübeln kommen, sein Vertrag läuft im Sommer aus und er hat Angebote aus England und von den Bayern. Er wollte bei der Borussia bleiben, wenn er mit ihr etwas gewinnen könne. So rosig sieht die Zukunft aber nicht aus.
Titelverteidiger VfB Stuttgart ließ in Bochum nichts anbrennen (2:0), Leipzig (3:1 gegen Magdeburg) und Freiburg (2:0 gegen Darmstadt) hatten wenig Probleme und im Duell der Zweitligisten kanzelte Hertha BSC Kaiserslautern gleich mit 6:1 ab. So ist ein Team aus der Gastgeberstadt noch dabei, Union Berlin dagegen konnte das Pokal-Trauma von Bayern München nicht verstärken. Fünf Jahre Erfolglosigkeit wollen die Bayern beenden, der 3:2-Sieg in Berlin war aber ein hartes Stück Arbeit. Union steuerte zwei Eigentore bei, andererseits profitierte der Gastgeber von zwei harten Elfmetern gegen die Münchner. Torjäger Kane glänzte mit einem Treffer, beging aber nach Meinung von Schiedsrichter Petersen ein Foul im eigenen Strafraum in einem Luftkampf. Es war ein zwar harter, aber eigentlich normaler Zweikampf. Die Münchner verloren in der 2.Halbzeit ihre spielerische Linie, aber kamen ins ZIel, weil Union seine Chancen nicht verwerten konnte.
Die Bundesliga machte auch mit zwei weiteren Trainerentlassungen auf sich aufmerksam. Zuerst handelte der FC Augsburg, der sich von Hoffnungsträger Sandro Wagner trennte, der selbst zweifelt, ob er der richtige Mann ist. Aus den Aufbruchträumen im Verein wurde Abbruchstimmung. Manuel Baum, früher schon FCA-Trainer und jetzt Leiter im Nachwuchszentrum, wird bis Weihnachten die Mannschaft betreuen. Schlusslicht Mainz05 zog auch die Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden und trennte sich vom einstigen Erfolgstrainer und Fanliebling Bo Henriksen. Der Däne übernahm die Mannschaft im Abstiegskampf, führte sic 2024 zur Rettung und in der Saison darauf sogar auf die internationale Bühne in die Conference League. Jetzt war er wieder dort, wo er anfing – im Abstiegskampf. Der mit der U23 erfolgreiche Benjamin Hoffmann soll voerst das Bundesligateam übernehmen, er könnte aber auch eine langfristige Lösung sein. Zusammen mit Wolfsburg suchen aktuell also drei Bundesligisten einen neuen Trainer. Immer wird der Schweizer Urs Fischer, bei Union Berlin erfolgreich, als Kandidat genannt – er kann sich den Verein aussuchen, wenn er überhaupt will.
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