Der Spaß am Fußball ist zurück

Kann ein erster Spieltag bedeutend sein? Angesichts der seltsamen Saison 2020/21 in der Fußball-Bundesliga schon. Allerdings stand nicht der Sport im Vordergrund, sondern diesmal waren es die Zuschauer, die erstmals wieder in diesen Coronazeiten wieder ein Spiel besuchen durften. Zwar nicht überall und nur in reduzierter Zahl, aber doch mit Wucht und es gibt nur eine Meinung: Der Spaß am Fußball ist zurück! Dort, wo Fans auf den Rängen zu sehen waren, hieß es: „Schön, dass ihr wieder da seid!“ Allerdings monierten in dem einen oder anderen Fall die Spieler schon wieder Unmutsäußerungen von den Rängen. Mancher Fan dagegen dachte sich wohl: Endlich wieder pfeifen.

Aber auch sportlich könnte es ein außergewöhnlicher erster Spieltag gewesen sein. Es ist zwar ein Stück voreilig, jetzt schon, nachdem insgesamt 34 Spieltage zu absolvieren sind, von Weichenstellungen zu reden, aber es gab handfeste Hinweise. So zum Beispiel, dass das Spitzentrio nicht gewillt, die Plätze an der Sonne abzugeben. Bayern München machte mit einem furiosen 8:0 gegen Schalke den Auftakt, Dortmund zog mit Tempo-Fußball beim 3:0 gegen von Verletzungen gebeutelte Gladbacher nach, Leipzig zeigte sich souverän beim 3:1 gegen Mainz. Langweilig muss es an der Spitze nicht werden, vor allem die jungen Spieler bei Dortmund weckten die Neugier. War es ein Ausnahme? Zeigen sie es immer? Was, wenn der Tempo-Fußball von Bayern und Borussia aufeinander trifft? Wir werden es schon am 30. September beim Supercup in München sehen. Bei beiden Klubs heißt es „Jugend forsch“.

Handfeste Hinweise aber auch am Tabellenende. Schalke 08 wird es künftig oft heißen, ohne dass deswegen eine Moderatorin ihren Arbeitsplatz verliert. Und bei Werder Bremen schütteln alle den Kopf nach dem Aussetzer gegen Hertha BSC und der 1:4-Niederlage. Ja, geht das denn schon wieder los? Vor einem Jahr galt sogar die Europa League als Ziel, jetzt wollte Werder nach dem glücklichen Klassenerhalt nur in Ruhe arbeiten – schon vorbei. Der Spielplan ist glücklich: Schalke und Werder treffen aufeinander, dass Duell der Enttäuschten und Enttäuschenden als „Topspiel des Tages“ am Samstag. Manche Planung sorgt dann doch für Ironie. Allerdings: Für Schalke vielleicht die leichteste Aufgabe an den ersten fünf Spieltagen.

Doch das war es noch nicht mit den Hinweisen. Köln unglücklich beim 2:3 gegen Hoffenheim, Union Berlin uneffektiv beim 1:3 gegen Augsburg (das zweite Jahr gilt als das Schwerste, obwohl die Statistik anderes aussagt), Bremen und Schalke sowieso von der Rolle – der Kampf um den Klassenerhalt hat mancherorts bereits begonnen. Augsburg machte diesbezüglich „big points“, Aufsteiger Bielefeld bewies mit dem 1:1 in Frankfurt dass man die Rolle von Union vom Vorjahr spielen kann, Mit-Aufsteiger Stuttgart haderte beim 2:3 gegen Freiburg über die Unerfahrenheit. „Stuttgart wird noch manchem Probleme bereiten,“ tröstete Christian Streich, der Trainer vom Gegner. Mit solchem Lob ist mancher schon abgestiegen…

Also, der erste Spieltag machte Lust auf mehr, der Spaß am Fußball und an der Bundesliga ist zurück, da sollte uns der zweite Spieltag nicht enttäuschen. Leverkusen – Leipzig heißt das Schlagerspiel mit der Prüfung von zwei Spitzenteams oder solchen, die es sein wollen. Dortmund in Augsburg und die Bayern in Hoffenheim sollen zeigen, ob das mit dem Tempo immer stimmt. Bielefeld – Köln ist schon ein Duell im Abstiegskampf und dann haben wir eben noch das „Top-Spiel“, Schalke und Bremen sollten ihre Leistung der Bedeutung anpassen. Übrigens: Hertha BSC und der FC Augsburg werden sich die Tabelle vom ersten Spieltag ausschneiden: Beide liegen auf einem Platz für die Champions League. Wie wird es am Ende ausschauen? Der erste Spieltag hat nie die Tabellenkonstellation wie der letzte. Eine Ausnahme höchstens: Bayern ist Erster.

Das Ärgernis Supercup in Budapest

Der Europäische Fußball-Verband UEFA ist dabei, sich zu blamieren. Wenn es in den nächsten Tagen nicht ein Umdenken gibt, dann bleibt das Spiel um den UEFA-Supercup am Donnerstag in Budapest ein Ärgernis. Die beiden Rivalen Bayern München als Sieger der Champions League und FC Sevilla als Gewinner der Europa League müssen wohl antreten, können jedoch in einer „Blase“ reisen, ohne Kontakt zur Außenwelt. Aber das rund 20.000 Zuschauer in einer Stadt, die von Deutschland als Corona-Risikogebiet eingestuft wird, im Stadion sein sollen, ist unbegreiflich. Von Bayern sollen sich angeblich 2100 Fans auf den Weg nach Budapest machen, sie können sich vorher beim Verein kostenlos einem Corona-Test unterziehen, ebenso nach der Rückkehr. Eine reibungslose Rückkehr ist möglich, weil sie bei einem Aufenthalt von höchstens 48 Stunden nicht in Quarantäne müssen. Aber die Ansteckungsgefahr ist groß und ebenso groß ist deshalb das Unverständnis, dass die UEFA angesichts der steigenden Infektionszahlen in Europa und sogar in der ganzen Welt nicht den sicheren Weg wählt und auf Zuschauer verzichtet. Wichtig für den Verband ist doch nur das Spiel selbst, damit die TV-Einnahmen fließen. Übrigens dazu passt die nächste Kolumne: „Reden wir über Geld“.

Dass die Bayern in dieser Saison eine einzige Hetzjagd absolvieren müssen, ist bekannt. Spannend ist die Frage, wie Trainer Hansi Flick darauf reagiert. Die besten Spieler können nicht alle Spiele absolvieren und deshalb wird es interessant sein, zu sehen, ob Flick rotiert oder nicht. Soll der Gewinn des Supercups das Triple vergolden und wird der eine oder andere Stammspieler dafür am Sonntag in Hoffenheim geschont oder heißt es „Augen zu und durch“? Wie groß ist der Ehrgeiz, dass die Serie der ungeschlagenen Spiele weiter anhält? Nächste Woche wartet ja schon wieder der deutsche Supercup gegen Dortmund (siehe oben). Das mit der Hetzjagd ist ja nicht nur so dahingeredet.

Beide Kontrahenten haben je einmal die Trophäe schon hoch gehalten, Sevilla 2006 nach einem 3:0 gegen den FC Barcelona, die Bayern 2013 als Triple-Sieger nach einem 5:4 nach Elfmeterschießen gegen Chelsea London. Diesmal sollte hinterher nur nicht Corona als Sieger bezeichnet werden.