Handball will nicht in Vergessenheit geraten

Und wieder nimmt eine Sportart den Kampf gegen die Unbillen der Corona-Pandemie auf. Die Handball-Bundesliga startet am Donnerstag in ihre neue Saison, notfalls ohne Zuschauer. Gespielt werden muss, damit Handball bei den Sportfans nicht in Vergessenheit gerät. Dieses Problem haben die Handballer im Schatten von Fußball mit Basketball und Eishockey gemeinsam. Jetzt kam auch noch Corona dazu mit Problemen, die kaum zu bewältigen sind. Eins ist nämlich klar: Nicht nur in der Handball-Bundesliga geht die Existenzangst um. Sogar im Fußball geistert das Schreckgespenst von der Insolvenz herum.

Jetzt aber wird wieder Handball gespielt, wobei der Europacup schon dafür gesorgt hat, dass die Öffentlichkeit weiß, es gibt Handball noch. Dabei kann die HBL mit einem Pfund wuchern, sie gilt nach wie vor als stärkste Liga der Welt und sie hat auch einen neuen Superstar, den 25-Jährigen Norweger Sander Sagosen, der vom reichsten Klub der Welt, Paris St. Germain, den Weg zu Rekordmeister THW Kiel gefunden hat. Zum Vergleich: Dies ist, als würden Messi oder Cristiano Ronaldo in der Fußball-Bundesliga spielen. Damit hat sich die deutsche Liga erfolgreich gegen die europäische Konkurrenz gewehrt, denn der drohende Ausverkauf nach Spanien, Frankreich oder sogar Ungarn (Veszprem) wurde schon an die Wand gemalt. Allerdings: Ein Messi oder Cristiano Ronaldo sagen wir mal bei Bayern München würde hierzulande für unvergleichlich mehr Aufmerksamkeit sorgen. Sagosen kam mehr oder weniger heimlich, still und leise.

Unabhängig von diesem Coup haben fast alle Vereine finanzielle Probleme, aber jetzt heißt es, Hauptsache es wird gespielt. Im Frühjahr wurde angesichts der Corona-Krise die Runde vorzeitig beendet und der Tabellenführer THW Kiel zum Meister erklärt. Der Rekordmeister (21 Titel) kehrte auf den Thron zurück, den ihm vier Jahre lang die Rhein-Neckar-Löwen (16+17) sowie die SG Flensburg-Handewitt (18+19) geraubt hatten. Einen Absteiger gab es nicht, Coburg und Essen durften aber aufsteigen, deshalb wurde die Liga auf 20 Vereine aufgestockt, dafür müssen gleich vier absteigen.

Die Saison 20/21 wird also eine Art Überlebenskampf, womit Handball natürlich nicht allein steht, die gleichen Sorgen hat Basketball, noch größere Sorgen Eishockey (siehe „Das Eishockey muss um seine Zukunft bangen“ vom 24. September). Aber gerade die HBL-Klubs haben den Kampf angenommen, Gehaltsverzicht ist an der Tagesordnung, in Nordhorn bekommen alle Spieler angeblich nur ein Zweitliga-Gehalt, weil der Klub normal ja abgestiegen wäre. Handball hat den Vorteil, dass es spannend und TV-wirksam ist (im Eishockey zum Beispiel sieht man den Puck am Bildschirm kaum) und ausführlich im Fernsehen übertragen wird. Sky ist der Stammsender, der alle Spiele live überträgt, die Champions League ist bei DAZN zu sehen. Einen Werbeeffekt soll auch die Weltmeisterschaft im Januar 2021 in Ägypten erzielen. Trotz aller Hürden und Terminprobleme, der Optimismus ist nicht ausgestorben. Handball hat eine Zukunft.