Länderspielpause mit Hoffnung und Ärger

Im Herbst gibt es immer das gleiche Spielchen – und daran ändert auch Corona nichts – , kaum hat die Fußball-Bundesliga begonnen, macht sie auch schon wieder eine Pause – eine Länderspielpause. Doch in diesen schwierigen Zeiten ist diese Unterbrechung noch weniger willkommen, zumal das Virus Covid-19 und die damit verbundenen Hygieneregeln für zusätzlichen Zündstoff sorgen. Andererseits sind einige Klubs froh über die Pause, weil sie hoffen, dass es für sie danach einen Neustart mit besseren Resultaten gibt. Eine Länderspielpause also mit Hoffnung und Ärger also.

Warum gibt es die Länderspielpause überhaupt? Nun, die Nationalverbände benötigen Geld, die Nations League wurde eingeführt, damit aus uninteressanten Freundschaftsspielen interessante Punktspiele werden. Durch die Corona-Verzögerungen wird der Terminstress noch größer, aber dennoch werden Freundschaftsspiele noch zusätzlich absolviert, weil die Fernseheinnahmen benötigt werden. Deshalb spielt Deutschland am Mittwoch in Köln gegen die Türkei, rund zehn Millionen Euro nimmt der DFB wohl ein, doch von den Sitzen wird dieses Spiel keinen reißen, denn Bundestrainer Joachim Löw wird auf alle Stammspieler zur Schonung verzichten. Nur logisch, dass der DFB Eintrittskarten verschenken will, wenn überhaupt Zuschauer anwesend sein dürfen. Das Sagen hat das Gesundheitsamt. Zwei werden sich überhaupt freuen, ausruhen zu dürfen: Thomas Müller und Jerome Boateng. Jogi Löw, sei dank!

Jogi Löw wird also darauf verzichten, dass er seine Wunschformation sich für die wichtigen Spiele einspielen kann. Aber so richtig wichtig sind die Begegnungen der Nations League am Samstag in der Ukraine und am Dienstag, 13. Oktober, wieder in Köln gegen die Schweiz auch nicht, Löw hat ja schon deutlich gemacht, dass die Gesundheit der Spieler Priorität genießt. Andererseits wird es mal Zeit, dass der Weltmeister von 2014 auch in der Gegenwart endlich ein Erfolgserlebnis präsentiert, in der NL gab es noch keinen Sieg! Es scheint, die Nationalmannschaft muss noch gegen ein anderes Virus ankämpfen. Apropos: Corona sorgt auch hier für Ärger, weil manche Spieler und Teams in gefährdete Gebiete reisen sollen. Bundesliga-Klubs droht die Gefahr, dass Spieler bei der Rückkehr in Quarantäne müssen und ausfallen. Die FIFA hat ihnen zwar das Recht gegeben, den Aktiven die Freigabe zu verweigern, aber kann das der Klub wirklich durchsetzen? So wird die Nations League zum doppelten Ärgernis.

Bayerns Rekordjagd geht weiter

Blickpunkt Bundesliga. „Sind die Bayern am Anfang der Saison schon am Ende?“ wurde vor einer Woche an dieser Stelle gefragt. Die Bayern kommen zwar sinnbildlich auf dem Zahnfleisch daher, aber es schien, als wollten sie das Gegenteil beweisen. Die Rekordjagd ging jedenfalls weiter und zwei glückliche Siege waren mehr und weniger Erfolge des Willens. Spielerischen Glanz versprühen der Rekordmeister derzeit nicht, aber was soll’s, wenn der Ertrag stimmt. Joshua Kimmich war das beste Beispiel dafür mit seinem Siegtreffer zum 3:2 im Supercup gegen Borussia Dortmund. Der fünfte Titel, das Quintupel war perfekt. Ähnliches am Sonntag gegen Hertha BSC Berlin. Aus einem 2:0 wurde ein 2:2. Die Bayern am Ende? Nein, auch nach dem erneuten Ausgleich nach 3:2-Führung nicht, Robert Lewandowski holte noch einen Elfmeter raus und verwandelte zum persönlichen Quartupel an diesem Tag. Die Konkurrenz muss doppelt erschrecken: „Robert ist nicht bei 100 Prozent,“ urteilte Trainer Hansi Flick und Thomas Müller forderte, dass die Mannschaft wieder zu alter Form finden müsse.

Der Sieg war Ende einer Festwoche, die mit der Pleite gegen Hoffenheim begann und ihren Höhepunkt bei den Ehrungen zu Europas Fußballern des Jahres hatte. Einen Triple-Sieg gab es auch bei den Ehrungen der CL-Saison, als Manuel Neuer, Joshua Kimmich und Robert Lewandowski als beste Spieler auf ihren Positionen geehrt wurden. Der Pole wurde zudem Europas Fußballer des Jahres und damit ging für ihn ein Traum in Erfüllung, Hansi Flick wurde Trainer des Jahres, für ihn auch der krönende Abschluss eines Traum-Jahres. Da stellt sich schon die Frage, lässt sich so eine Saison überhaupt wiederholen?

Ein stressiges Wochenende hatte vor allem Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic, der mit den vom Trainer geforderten Verstärkungen (bzw. ein Auffüllen des Kaders!) bis auf den letzten Drücker wartete. Am Montag (18.00 Uhr) endete in der Bundesliga die Wechselfrist, entsprechend hektisch war es bei allen Vereinen, aber die Bayern schossen wohl den Vogel ab. Der Spanier Marc Roca soll seinen Landsmann Martinez ersetzen, der Franzose Sarr Back-up für Pavard als Rechtsverteidiger werden und sogar für das eigentliche Auslaufmodell Choupo-Moting (zuletzt in Paris ohne Vertrag) finden die Bayern wohl Verwendung. Manche Verpflichtung könnte aber auch reine Verschwendung sein, wenn man zum Beispiel gesehen hat, wie Talent Chris Richards gegen die Hertha aufgetrumpft hat. Mehr Mut für den eigenen Nachwuchs spart Geld!

Es gibt Vereine, die sagen sich, die Sorgen der Bayern möchten wir haben. Das Gegenstück bilden die drei punktlosen Vereine am Tabellenende, der 1. FC Köln, Mainz 05 und Schalke 04. Diese Reihenfolge könnte es am Tabellenende auch zum Schluss der Saison geben. Auffallend ist, dass der Trainerwechsel bei Mainz und Schalke vollkommen verpufft ist, Lichte und Baum mussten parallel 0:4-Niederlagen hinnehmen. Gerade sie sind über die Länderspielpause glücklich, schöpfen die Hoffnung, dass sie ihre Mannschaften in dieser Zeit besser machen können. Das gilt auch für Markus Gisdol in Köln, der nach 13 sieglosen Spielen in Folge ebenfalls in der Kritik steht. Nach seinen Anfangserfolgen am Rhein wurde sein Vertrag frühzeitig bis 2023 verlängert – und jetzt herrscht Ratlosigkeit. Was nun, Manager Horst Heldt?

Von Länderspielpause zu Länderspielpause stehen vier Spieltage ab dem 17. Oktober an und die können vorentscheidend werden. Vor allem für Manuel Baum auf Schalke, denn es stehen Duelle gegen Mitkonkurrenten im Kampf gegen den Abstieg an, nämlich Union Berlin, Stuttgart und Mainz. Dazu gibt es das Derby in Dortmund. Dort gewinnen und alles Leid wäre vergessen. Aber wer glaubt daran!

Im Mittelpunkt stand in den letzten Tagen auch Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus, die überraschend das Ende ihrer Karriere verkündete. Die 41-Jährige könnte noch sechs Jahre pfeifen, bis sie die Altersgrenze erreicht hätte. Anscheinend war ihr der Job jetzt schon zu stressig in der Männerwelt, sie stellte private Gründe in den Vordergrund und will sich später äußern. Bibi war auf jeden Fall eine Bereicherung auf dem grünen Rasen und hat durch gute Leistungen beeindruckt, sie war die beste Schiedsrichterin der Welt und sollte den Weg für mehr Frauen im Schiedsrichterwesen bereitet haben, aber die müssen sich erst mal trauen. Dass Steinhaus den Supercup leiten durfte, war ein gerechter und richtiger Abschied.