Ski-Sport-Sorgen: Schnee, Stars, Sicherheit

Die sechs „S“ zum Wortanfang fallen sicherlich auf, dabei könnte im alpinen Skisport noch ein siebtes „S“ dazukommen, nämlich Sölden. Dort beginnt am Wochenende die neue Saison, wegen Corona eine Woche früher, weil das Ötztal für die Allgemeinheit total abgeriegelt wird und die Skiläufer in einer Blase leben. Danach haben die Touristen wieder freie Fahrt. Die Unsicherheit ist also groß, größer als die Hoffnungen für die neue Saison. Lebensnotwendig ist es wohl, dass der Weltcup durchgezogen werden kann, „sonst ist der Skisport am Ende“, malen manche den Teufel an die Wand. Die Gelder von Fernsehen, Werbung und Sponsoren müssen fließen, damit es noch eine Zukunft gibt.

Zuletzt galten die Sorgen vor allem dem Klimawandel und dem drohenden Schneemangel in den Bergen. Das Wetter spielte immer mehr verrückt, Ausfälle und Verlegungen waren an der Tagesordnung. Diesen Sorgen sind nicht vorbei, treten angesichts der Corona-Pandemie allerdings in den Hintergrund. Jetzt gibt es andere Probleme, um alle Rennen durchführen zu können. Die Alpinen leben in einer Blase, so werden die Rennen von Frauen und Männern meist getrennt. Die Veranstaltungen in Übersee wurden zudem abgesagt. Zuschauer werden Seltenheitswert haben, schon jetzt gilt zum Beispiel in der Schweiz, dass die Rennen ohne Besucher über die Bühne gehen werden. Nach Sölden, wie immer ein Frühstart in den Winter, gibt es erst mal noch eine größere Pause, ehe es mit Parallelrennen am 13./14. November in Lech und Zürs am Arlberg weitergeht.

Gegenüber der Winterkonkurrenz, vor allem von Biathlon und Skispringen, wollen die alpinen Skisportler natürlich positiv in die Schlagzeilen, doch dazu braucht es auch Stars. Doch die sind selten geworden, haben sich zuletzt vielfach aufs Altenteil zurückgezogen. Namen wie Lindsey Vonn, Marcel Hirscher und Felix Neureuther fehlen. Der größte aktuelle Star, die Amerikanerin Mikaela Shiffrin, fehlt noch wegen Rückenbeschwerden. Besonders in Deutschland werden kleine Brötchen gebacken, nachdem auch Vorzeigefrau Viktoria Rebensburg ihre Karriere beendet hat. Bezeichnend, dass bei den Riesenslalom-Wettberwerben in Sölden nur ein kleines deutsches Aufgebot am Start ist. Immerhin können die Männer auf Stefan Luitz im Riesenslalom und Linus Straßer im Slalom hoffen und haben mit Thomas Dreßen in der Abfahrt ein Ass. Er gewann im Vorjahr drei Rennen. Ein bisschen Hoffnung gibt es also, vor allem die Hoffnung, dass die alpine Weltmeisterschaft im Februar in Cortina d’Ampezzo in Italien stattfinden kann.

Bis dahin werden aber erst einmal die Karten auf den Tisch gelegt. Vielleicht wächst ein neuer Star für die Öffentlichkeit heran, vielleicht explodieren die Leistungen der deutschen Talente, die allerdings immer mehr zur Mangelware werden. Nachwuchssorgen gibt es beim Deutschen Ski-Verband nämlich auch, nicht nur bei den Alpinen. Aber da schließt sich der Kreis: Kein Schnee, keine Stars und am Ende dann eben auch kein Interesse am Skisport.