Die Fußball-Trainer werden zu Glücksrittern

Der erste Teil der Hetzjagd im internationalen Fußball geht am kommenden Wochenende zu Ende, wenn dann die nächste Länderspielpause ansteht. Was natürlich bedeutet, dass die Nationalspieler keineswegs zur Ruhe kommen, die wertvollsten Stars also auch der größten Belastung ausgesetzt sind. In dieser Hetzjagd, wenn ungefähr alle drei Tage gespielt wird, heißt „Belastungssteuerung“ das Zauberwort, die Trainer werden dabei zu Glücksrittern.

Bestes Beispiel ist Hansi Flick beim FC Bayern München, der am Samstag beim Gastspiel in Köln das Undenkbare wahr werden ließ, nämlich komplett auf Torjäger Robert Lewandowski zu verzichten. Für den Polen war zu Hause Erholung und Wellness angesagt, Akku aufladen heißt es so schön. Seine Vertreter fanden das Tor nicht, die Bayern stolperten und holperten zu einem 2:1-Sieg, weil auch Goretzka, Coman, Alaba und Hernandez pausierten, für den Trainer hieß das nichts anderes als „Glück gehabt“. Schon beim 2:1 in Moskau war für den einen oder anderen Schonung angesagt, auch da ging es gut. So wie Flick geht es natürlich auch allen anderen Kollegen, die auf Europas Bühne beschäftigt sind. Nicht für jeden endet die Rotation oder eben das Glücksspiel positiv, Peter Bosz haderte nach der 0:1-Niederlage von Leverkusen bei Slavia Prag. Allerdings wurde gerade Bosz auch zum Glück gezwungen. Neuzugang Schick ist verletzt, so musste wieder der eigentlich nicht mehr so gelittene Lucas Alario ran. Und was macht der – er trifft!

In der Bundesliga befindet sich Leverkusen deshalb wieder auf dem Erfolgsweg, was bedeutet, dass die „Big Five“ zurück sind, ihre Welt ist wieder in Ordnung. Die Bayern sind wieder Tabellenführer, Dortmund punktgleich Zweiter, der gestürzte Spitzenreiter Leipzig, Leverkusen und Gladbach die Verfolger, das Feld dahinter kann sich um den Rest vom internationalen Geldtopf streiten, wobei die Rangfolge fragil ist. Sechster ist derzeit der FC Augsburg, bei dem der umstrittene Kaderumbau offensichtlich geglückt ist und der damit auf dem besten Weg ist, in seinem zehnten Bundesliga-Jahr wieder einmal eine ruhige Saison ohne Angst um den Klassenerhalt zu erleben. Oder geht sogar noch mehr? Auffallend: Am Samstag kommt Hertha BSC Berlin zum FCA, also ein Verein, der sich eigentlich dort sieht, wo die Augsburger jetzt stehen. Die Labbadia-Schützlinge befinden sich aber gerade mal auf Rang 14.

Zurück zu den Bayern, auch wenn quasi nur eine B-Mannschaft antritt, purzeln Rekorde. Thomas Müller zum Beispiel wird scheinbar nicht müde, er trieb seine Mitspieler zum Sieg an, es war für ihn der 260. in der Bundesliga, damit stellte er den Vereinsrekord von Torhüter-Titan Oliver Kahn ein, der dazu allerdings 429 Spiele brauchte, Müller nur 357. Mit Siegen kennen sie sich halt bei den Bayern aus, vor allem Javi Martinez, der bei seinem 150. Spiel zum Jubiläum den 125. Sieg feierte (welch eine Quote!), was vorher noch niemand in der Bundesliga in dieser Zeit schaffte. Das geht wohl nur bei den Bayern.

Für die Münchner stehen aber harte Prüfungen bevor, Flicks Rotation wird sich in dieser Woche wohl in Grenzen halten. Auch Glücksritter können bekanntlich Pech haben. Zuerst gibt es die kürzeste Anreise in Bayerns Champions-League-Geschichte ins rund 150 km entfernte Salzburg, das Aufeinandertreffen mit den Red Bulls ist eine Premiere. Die Bayern gastierten mal zu einem Freundschaftsspiel in Salzburg – und unterlagen mit 0:3. Die RB-Stürmer könnten den Bayern gefährlich werden, allerdings schwächelt die Abwehr, eine Aufgabe für Robert Lewandowski. Gibt es ein Torfestival?

Noch wichtiger ist wohl das deutsche „Clasico“ am Samstag in Dortmund. Die Borussen orientieren sich gerade an den Münchnern und gewinnen Spiele ohne Bestleistung. Brisanter könnte die Ausgangsposition im Duell der beiden gleichauf liegenden Teams nicht sein. Im Vorjahr schossen die Dortmunder allerdings nicht ein Tor gegen die Bayern (0:4 und 0:1)! Das soll diesmal anders werden, vor allem dann, wenn „Torjäger“ Mats Hummels wieder fit ist. Er schoss und köpfte die Tore zum 2:0 in Bielefeld und könnte auch seinem alten Verein weh tun. Zuvor sollte man die Aufgabe in Brügge am Mittwoch bestehen. Bei den Bayern könnte es noch Unruhe geben in dieser Woche, nachdem der Verein das Vertragsangebot an den wechselwilligen David Alaba zurückgezogen hat. Seinem Berater war es zu niedrig, er will Alaba wohl zum Bestverdiener bei den Bayern machen. Im Schatten des Topspiels steht das zweite große Duell zweier Spitzenteams, Leverkusen gegen Gladbach bildet den Schluss des 7. Spieltags. Leverkusen aufgepasst, Gladbach hat gerade Leipzig gestürzt!

Null-Nummer am Tabellenende

Der Blick geht natürlich auch an das Tabellenende und da gibt es eine absolute Null-Nummer. Es treffen sich die „Nuller-Klubs“, Mainz 05 und Schalke 04, beide beklagen null Siege, Schalke schon 22 Spiele lang, Mainz sechs in dieser Saison und ist damit Schlusslicht mit null Punkten. Vorteil Schalke also, das sich mit zwei Unentschieden im „Aufwind“ befindet. Wenn Not auf Elend trifft meint man, einer wird gewinnen, doch das ist ja im Fußball nicht immer so. Nur der Sieger wird mit Auftrieb in die Länderspielpause gehen, beim Verlierer brennt endgültig die Hütte. Beide Klubs haben bereits ihre Trainer gewechselt, wobei Manuel Baum bei Schalke auf einen zarten Aufschwung verweisen kann, der einstige Co-Trainer Jan-Moritz Lichte in Mainz jedoch auf Bewährung spielt, nämlich „bis auf Weiteres“. Die könnte bei einer Niederlage in der Länderspielpause enden. Gelegenheit wäre dann für einen Versuch mit einem neuen Trainer. Die Null soll schließlich nur im Vereinsnamen bleiben.