DFB und DFL stellen keine Weichen für die Zukunft

Sie traten zur gleichen Zeit an die Öffentlichkeit, sie hatten unterschiedliche Themen, aber sie hatten eine Gemeinsamkeit: Der DFB mit Joachim Löw weiterhin als Bundestrainer und die DFL mit der Neuverteilung der Fernsehgelder für die Bundesliga stellten keine Weichen für die Zukunft. Es ändert sich fast nichts.

Als Bundestrainer Joachim Löw sich der Presse stellte, um das unsägliche 0:6 gegen Spanien aufzuarbeiten, da warteten alle auf Pläne für die Zukunft, nachdem ihm der DFB für die nächste Zeit das Vertrauen ausgesprochen hat. Doch der Bundes-Jogi kann nicht mehr aus seiner Haut. Die Anmerkungen wiederholen sich, man solle ihm vertrauen, bei der Europameisterschaft 2021 will man Erfolg haben und die junge Mannschaft brauche halt ihre Zeit. Innovation sieht anders aus, Begeisterung kann der 60-Jährige nicht mehr wecken. Nach dem Gewinn des WM-Titels 2014 ging es nur bergab, für das Bergauf fehlen ihm wohl Kraft und Ideen. Energischer wurde er nur dann, als es um den Verband ging, um interne Kritik, die nach außen getragen wurde. Das mag Löw gar nicht, er mag seine Ruhe und auch nach einem 0:6 Verständnis und keine Kritik. Kann ja mal passieren, wird nicht wieder passieren. Aber wer weiß…

In der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar sollte dies nicht passieren. Eher umgekehrt, die Gegner gehören zur Sorte „keine Angst“, Rumänien und Island könnten zumindest unangenehm werden, Nordmazedonien, Armenien und Liechtenstein füllen die Gruppe J auf, welche die Fans nicht hinter dem Ofen hervorholen wird. Zwar kommt nur der Gruppensieger direkt weiter, doch Spannung ist nicht zu erwarten. Dass ist genau die Art von Pflichtspielen, die keinen Spaß machen, die auch der Aufblähung des WM-Teilnehmerfeldes geschuldet sind. Bei allem Verständnis für die Kleinen, die sich auch mal mit den Großen messen wollen, von einer Art Vorqualifikation hätte der Fußball-Fan mehr. Er will spannende Spiele sehen.

Joachim Löw müsste also in den Länderspielmonaten März, September, Oktober und November leichtes Spiel haben. Er kann zeigen, wie er es sich mit der Nationalmannschaft in Bestform vorstellt. Die beiden stärksten Konkurrenten stehen am Anfang: Am25. März Island und am 28. März Rumänien.

Den Weg des geringsten Widerstandes ging auch die Deutsche Fußball-Liga bei der Neuverteilung der Fernsehgelder für die Jahre 21/22 bis 24/25. Der Verteilerschlüssel wurde, wie es ein Vereinsvertreter ausdrückte, in „homöopathischen Dosen“ geändert. Unter dem Strich werden die Großen ein bisschen was verlieren, die Kleinen ein bisschen was gewinnen, die Schere bleibt aber weit auseinander. Die einzelnen Kriterien wurden geändert, die Gleichverteilung liegt bei 53 Prozent (ab 23/24 bei 50 %), Leistung zählt mit 42 % (43 %), der Nachwuchs (Einsatz von jungen Spielern, Ausbildung) wird gewichtet mit 3 bzw. 4 Prozent und das Interesse (Markt- und Werbeanalysen) mit 2 bzw. 3 %. Trotz der großen Diskussionen im Vorfeld gab es nach der Entscheidung des DFB-Präsidiums kaum ein Wehklagen.

Der Blick in die Zukunft sieht allerdings nicht rosig aus. So beklagte DFL-Boss Christian Seifert, dass die Vereine bei den Spielergehältern zu wenig gemacht hätten, die Kosten sind weiterhin zu hoch. Seifert rechnete auch vor, dass die Vereine der 1. und 2. Bundesliga durch die Corona-Pandemie von 2020 bis 2022 mit einem Verlust von insgesamt rund zwei Milliarden Euro rechnen müssten. Mindereinnahmen von 200 Millionen Euro musste die DFL jetzt schon bei der Neuverteilung einrechnen.

Manche Vereine, die sich ausgemalt hatten, mit mehr Geld könnten sie auch mal Deutscher Meister werden, müssen sich wohl umstellen. Sie müssen selbst die Voraussetzungen schaffen und können nicht auf dicke Zuschüsse hoffen, die ihnen andere präsentieren könnten. Frustriert erkannte da auch ein Vereinsvertreter: „Kleinere Vereine werden nicht morgen schon Deutscher Meister werden.“

Aber beim Geld hören die Probleme des Fußballs noch nicht auf. Immer mehr zeigt sich, dass die Geisterspiele im Fernsehen zwar den Betrieb am Laufen halten, aber die Begeisterung nimmt ab. Der Fußball ist dabei, an Interesse zu verlieren, die harten Fans bleiben zwar sicherlich treu, aber Interessierte drumherum stellen jetzt plötzlich fest, es gibt auch noch etwas anderes als Fußball am Samstag oder Sonntag. Die Fan-Gruppierungen haben zudem die Maßnahmen kritisiert, sie gehen ihnen nicht weit genug. Ihr Fazit: Es ändert sich nichts. Die Weichen für die Zukunft wurden nicht gestellt.