Bundesliga-Schluss mit einem Weihnachts-Theater

Frohe Weihnachten wünscht der Sport-Grantler allen Leserinnen und Lesern, dort, wo das christliche Fest gefeiert wird. Gefeiert wird natürlich in Deutschland, doch in der Fußball-Bundesliga werden naturgemäß nicht alle Klubs fröhliche Weihnachten erleben. Bei einigen werden die Sorgen in der kurzen Pause bis zum 2. Januar für schlaflose Nächte und hektische Tage sorgen. Die Bundesliga verabschiedete sich allerdings mit einem echten Weihnachts-Theater. Hauptdarsteller war natürlich der FC Bayern München, der erstmals seit zwei Jahren wieder mal als Tabellenführer in die Pause geht. Zuletzt war für das neue Jahr jeweils eine Aufholjagd angesagt. Ein Überblick über die Theater-Szenen:

Krönung für die Bayern: 2020 war zweifellos das Jahr des FC Bayern München. Zum Triple von Meisterschaft, Pokal und Champions League kamen zwei Super-Cup-Siege. Aktuell wurde das Team am Sonntag außerdem als „Mannschaft des Jahres“ im deutschen Sport geehrt. Im ganzen Jahr gab es trotz Müdigkeit in den letzten Wochen nur eine einzige Niederlage, das 1:4 in Hoffenheim. Die Bilanz 2020: 48 Pflichtspiele, 42 Siege, 5 Unentschieden, 149:46 Tore. Mit bestem Theater und einer spektakulären Woche ging das Jahr zu Ende. „Hollywood hätte es nicht besser inszenieren können“, mutmaßt Thomas Müller. Robert Lewandowski wurde am Donnerstag zum „Weltfußballer des Jahres“ gekürt, am Samstag beeindruckte er mit zwei Toren zum Sieg in Leverkusen. Das 2:1 fiel Sekunden vor Schluss. Hollywood eben. Wohlwollend sah dies Kapitän Manuel Neuer, der „Welttorhüter des Jahres“. Die Vorlage kam von Joshua Kimmich, der ein überraschendes Comeback feierte und von vielen als künftiger bester Weltfußballer gesehen wird. Er fehlte den Bayern zuletzt, die dennoch im Endspurt die Erfolgsbilanz von Wolfsburg und Leverkusen zerstörten (bis dahin ungeschlagen) und nebenbei noch einen neuen Rekord aufstellten: Sieben Mal in Folge lagen sie 0:1 zurück, verloren aber dennoch kein einziges Spiel. Das gab es noch nie!

Fröhliche Weihnachten wird Leroy Sane wohl nicht haben, das Talent, das gerne Star sein möchte, erlebte die Höchststrafe von Trainer Hansi Flick, der ihn für den verletzten Coman einwechselte und nach 36 Minuten wieder auswechselte. Der Coach sah zu viele Fehler. Flick selbst wird schöne Weihnachten feiern, er und sein Trainer-Team werden es verkraften, dass ihnen Jürgen Klopp den Titel als „Welttrainer des Jahres“ wegschnappte und diesen mit einem 7:0-Kantersieg (Rekord) am Wochenende feierte. Flick hatte nach dem krönenden Abschluss gute Laune und gestand „ich genieße jede Stunde beim FC Bayern“. Der Genuss soll 2021 weitergehen, doch der Stress bleibt, die Bayern wollen bis zum Finale auf allen Hochzeiten tanzen und bei der Klub-WM im Februar in Katar den sechsten Titel des Jahres 2020 nachholen. Satt sind die Bayern nie.

Kleine Krönung auch für die Bayern-Frauen, die führen in ihrer Bundesliga und gewannen alle zwölf Spiele (zuletzt 8:0 in Sand, insgesamt 40:1 Tore). haben fünf Punkte Vorsprung vor Titelverteidiger Wolfsburg und sind in der Champions League noch dabei. Trainer Jens Scheurer verlängerte seinen Vertrag und hat als Ziel: „Wir wollen den Männern nacheifern.“

Spuck-Theater: Borussia Mönchengladbach ist eigentlich einer der sympathischsten Klubs der Bundesliga, doch am Wochenende stand der Verein im Mittelpunkt eines Skandals. Bösewicht im Theater war Marcus Thuram. Der 23-Jährige Franzose, der bis dahin die Fans mit Toren und Eckfahnen-Tänzen begeistert hatte und als Frohnatur gilt, vergaß seine gute Kinderstube und spuckte nach einem Disput fast von Gesicht zu Gesicht dem Hoffenheimer Kontrahenten Stefan Posch voll ins Gesicht. „Das habe ich nicht gewollt“, jammerte er hinterher, muss aber erst einmal ein volles Montagsgehalt für gute Zwecke spenden und wird wohl für einige Spiele aus dem Verkehr gezogen. In Corona-Zeiten kann diese asoziale Aktion sogar gesundheitsschädlich sein. Schädlich war der Platzverweis für die Mannschaft, eine 1:2-Niederlage war die Folge, Platz acht nach 13 Spieltagen ist nicht das, was sich die Borussia wünscht. Manager Max Eberl hat die Nase voll und hat eine vierwöchige Auszeit angekündigt.

Niederlagen-Serien: Schlechter geht es noch anderen Vereinen. Bei dem Wort „Niederlagen-Serie“ denkt jeder natürlich an Schalke 04, doch es gab auch andere, doch die haben jetzt zu ihrem Glück gefunden, vorläufiges Happy End im Theater. Werder Bremen und Eintracht Frankfurt mussten neun Spiele lang auf einen Sieg warten, jetzt wurde gejubelt nach dem 1:0 in Mainz bzw. 2:0 in Augsburg. „Jubel? Was ist das ist?“, werden sie auf Schalke fragen. Nach der Entlassung von Trainer Manuel Baum konnte es auch Jahrhunderttrainer Huub Stevens als Aushilfe nicht richten. Gegen Bielefeld sollte endlich die Wende her, doch das 0:1 war ein weiterer Schritt Richtung Rekord, 29 Sieglosspiele sind es jetzt am Stück, Hertha BSC Berlin und Hoffenheim warten auf dem letzten Teil des Weges. Für das Dilemma sind aber weniger die Trainer verantwortlich, sondern eher die Spieler und vor allem Manager. Christian Heidel hat den Verein in die Richtung gebracht und Nachfolger Jochen Schneider endgültig in den Abgrund geführt. Er müsste als Erster abgelöst werden. Gespannt sein darf man, welcher Trainer sich Schalke antut.

DFB-Pokal: Nicht für alle hat am Wochenende die Weihnachtspause begonnen, Dienstag und Mittwoch steht der DFB-Pokal noch an. Einzig die Bayern und Leverkusen sind schon im Urlaub, die am meisten gestressten Teams dürfen ihre Spiele in Kiel bzw. gegen Frankfurt nachholen. Das Derby im „Ländle“ zwischen Stuttgart und Freiburg steht in der 2. Runde im Mittelpunkt und wird am Mittwoch in der ARD übertragen. Das Achtelfinale wird am 2./3. Februar ausgetragen.

Weltfußballer: Bei der FIFA wurden am Donnerstag viele geehrt. Hier alle Sieger:

Männer: Spieler Robert Lewandowski (Bayern München/Polen) Torhüter Manuel Neuer (Bayern München/Deutschland), Trainer Jürger Klopp (FC Liverpool/Deutschland).

Frauen: Spielerin Lucy Bronze (Manchester City/England), Torhüterin Sarah Bouhaddi (Olympique Lyon/Frankreich), Trainerin Sarina Wiegmann (Niederlande).

Die Corona-Pandemie sorgte dafür, dass die Pause für Spieler und Fans nur kurz ist, am 2. Januar geht es weiter, sowohl mit der Bundesliga als auch mit der 2. Bundesliga. In England wird traditionell an den Weihnachtsfeiertagen gespielt, am „Boxing Day“, dem zweiten Feiertag, gibt es sechs Begegnungen, am Sonntag folgen vier. Im Mittelpunkt wohl am Samstag (18.30 Uhr) das Londoner Derby zwischen Arsenal und Chelsea.