Hoppe-Hoppe-Hoppe-Reiter – Tasmania hat den Rekord weiter

Bayern hat verloren – eher ein seltenes Ereignis in der Fußball-Bundesliga. Es ist erst das zweite Mal in dieser Saison (genauso wie Leipzig, Leverkusen, Union Berlin! und Wolfsburg!). Schalke 04 hat gewonnen – und das ist das weitaus seltenere Ereignis und steht deshalb im Mittelpunkt. So kann man den großen Bayern die Show stehlen. Gezittert hat vor allem Tasmania Berlin und zwar um den alleinigen Sieglos-Rekord. Schalke hat ihn nicht geschafft, wollte ihn nicht schaffen und selbst beim größten Rivalen Dortmund hat man die Daumen gedrückt, dass dieser bittere Kelch an den Schalkern vorbeigehen möge. Jetzt singen sie in Gelsenkirchen dank Dreifach-Torschütze Hoppe das alte Kinderlied von „hoppe, hoppe, Reiter“, es heißt umgedichtet „Hoppe-Hoppe-Hoppe-Reiter – Tasmania hat den Rekord weiter“.

Das 4:0 machte gleich zwei Vereine glücklich, nur die TSG Hoffenheim nicht, die aber wirkte, also wollte sie Schalke den Sieg schenken. Aber nach 30 sieglosen Spielen (der letzte Erfolg ist 358 Tage her!), zeigte Schalke plötzlich ein anderes Gesicht, der erst 19-Jährige Matthew Hoppe von der zweiten Mannschaft traf plötzlich (in der Regionalliga nur ein Tor in 16 Spielen) und der schon suspendierte Harit trumpfte wie in besten Tagen auf, war an allen vier Toren beteiligt. Einer der Befreier war auch Rückkehrer Sead Kolasinac (Leihgabe von Arsenal London), der gleich zum Kapitän gemacht wurde und Angriffslust in das Team reinbrachte. Schalke gab das Schlusslicht an Mainz 05 ab, jetzt sollte der Knoten geplatzt sein. Die Partie am Sonntag in Frankfurt steht unter ganz anderen Vorzeichen.

Glücklich war man auch in Berlin. Tasmania rückte ebenso in den Mittelpunkt, in der Saison 1965/66 gab es 31 Spiele ohne Sieg – ein Rekord für die Ewigkeit. Dachte man, plötzlich war er gefährdet und jetzt ist man glücklich, dass der Rekord Tasmania allein erhalten bleibt. Er bringt den in den Amateurbereich abgerutschten Verein immer wieder ins Gespräch, ist bestes PR-Mittel. Der damalige Kapitän Hans-Günter Becker (heute 82) konnte sich vor Anfragen in den letzten Tagen gar nicht retten, war gefragter als ein Hansi Flick oder Julian Nagelsmann. Am Ende war auch Becker glücklich: „Ein Rekord ist ein Rekord, auch wenn er negativ ist.“ In dieser Saison werden wir über Tasmania aber nicht mehr reden.

Es war ein besonderer Spieltag in der Fußball-Bundesliga. Für eine Besonderheit sorgten auch die Bayern. Achtmal lagen sie im Rückstand und verloren trotzdem nicht, einmal führten sie wieder mal (sogar mit 2:0) – und schon setzte es mit 2:3 eine Niederlage. Allerdings: Niederlagen in Gladbach sind für die Bayern und Hansi Flick nicht ungewöhnlich, bei 22 Heimsiegen, 18 Remis und nur 13 Niederlagen steht jetzt Borussias Heimbilanz gegen München und Flick verlor am Anfang seiner Bayern-Karriere ebenfalls mit 1:2 in Gladbach. Nichts Besonderes also und dennoch müssen sich die Bayern Gedanken machen. Die Fehler häufen sich, Leon Goretzka sprach richtig von drei Geschenken an den Gegner, die Abwehr gleicht einem Hühnerhaufen, die Konzentration stimmt nicht. Von Sicherheit ist vor allem bei Süle und Pavard keine Rede. 24 Gegentore nach nur 15 Spielen, das gab es bei den Bayern zuletzt in der Saison 1981/82! 24 Gegentore haben auch die Abstiegskandidaten Bielefeld und Bremen, Augsburg nur 23 und alle Mannschaften im Verfolgerfeld hinter den Bayern haben weniger Gegentreffer hinnehmen müssen.

Die Bayern kompensieren die Abwehrschwäche mit Angriffslust, erzielten die meisten Tore (46) und haben die beste Tordifferenz mit 22, Leipzig hat 14, Leverkusen 15. Dennoch: Sportvorstand Hasan Salihamidzic spricht überheblich davon „wir sind bestens gerüstet“, obwohl die Sommer-Einkäufe keine Verstärkung darstellen, sie sind nicht einmal ein annähernd adäquater Ersatz für die Stammspieler. Bezeichnend: Flick wechselte in Gladbach gerade mal Coman für Costa ein. Den anderen traute er wohl nicht zu, dass sie helfen könnten. Die Bayern müssen das stressreiche Frühjahr mit einem Mini-Kader überstehen! Schaffen sie das? Die Abwehrschwächen könnte am Mittwoch sogar Holstein Kiel ausnutzen, Gastgeber im DFB-Pokal. Auf Wunsch der Bayern wurde das Pokalspiel von Dezember auf Januar verlegt, das Duell der beiden „Weihnachtsmeister“ wird zum Aufbauspiel für den Bundesligisten, Kiel findet sich in der zweiten Liga derzeit nur noch auf Rang drei wieder, hat in 15 Spielen allerdings erst 14 Tore hinnehmen müssen, aber nur 24 erzielt. Glück für die Bayern-Abwehr? Es ist übrigens das erste Aufeinandertreffen beider Klubs im Profi-Fußball.

Ein besonderer Spieltag war es auch für andere Vereine. Für den SC Freiburg zum Beispiel, das 5:0 gegen den 1. FC Köln war der fünfte Sieg in Folge – neuer Vereinsrekord und höchster Sieg seit 20 Jahren. Jetzt geht es am Sonntag zu den Bayern, die stoppten schon die Erfolgsserien von Leverkusen und Wolfsburg, hatten aber gegen Freiburg schon öfters Probleme. Ähnlich wie Schalke hat auch Eintracht Frankfurt eine Negativserie beendet, noch nie gab es einen Sieg in Mainz – bis Samstag, da gewann die Eintracht 2:0 auch mit Hilfe des Video-Schiedsrichters, der viermal eingriff, viermal zugunsten von Frankfurt entschied (alles aber richtig)! Den Aufwind kann die Eintracht brauchen, die ja gern wieder auf Europas Bühnen mitmischen würde. Ein Schritt dahin wäre ein Sieg im Pokal am Dienstag in Leverkusen, das derzeit Probleme hat und gerade erst zum Jahresanfang in Frankfurt mit 1:2 unterlag.

Der FC Augsburg hat sogar einen Rekord geschafft, allerdings wird er sich darüber nicht freuen. Das 1:4 gegen Stuttgart bedeutete die Einstellung eines Negativrekords in der Bundesliga. Es war nämlich das 13. sieglose Heimspiel am Stück gegen einen Aufsteiger. Bisher war Bochum alleiniger Rekordhalter mit 13 sieglosen Spielen von 2005 bis zum Abstieg 2010. Die Chance, alleiniger Rekordhalter zu werden hat der FCA am 17. April gegen Bielefeld… Aber attraktiv ist der Rekord nicht. Er hätte auch Einfluss auf den Abstiegskampf, da müssen vor allem Bremen und Hoffenheim aufpassen, aber auch Hertha BSC Berlin und Augsburg, dass sie da nicht reingezogen werden. Die Hertha hat eine peinliche Niederlage bei der Arminia kassiert. Da wackelt der Stuhl von Bruno Labbadia. Die genannten Vereine vertrauen vielleicht darauf, dass die Punktausbeute im Keller bei Mainz, Schalke und Köln so mager bleibt. Verlassen sollten sie sich nicht darauf, wenn jetzt auch Schalke schon gewinnt… Die brisanten Duelle gehen deshalb nicht aus, am Wochenende sind dies Köln – Hertha, Bremen – Augsburg und Hoffenheim – Bielefeld. Weil die Bayern nachlässig sind, bleibt die Bundesliga oben und unten spannend.