Die Handball-WM als Test: Corona-Probleme im internationalen Sport

Am Mittwoch begann die Handball-Weltmeisterschaft 2021 in Ägypten. Es ist eine ganz besondere WM, aber anders, als es sich der Weltverband vorgestellt hat. Das Prestige-Turnier von IHF-Präsident Hassan Moustafa sollte Glanz für den 76-Jährigen, aber auch für sein Heimatland bringen. Jetzt steht es zwar im Mittelpunkt, wird aber – je nach Sichtweise – als großes Experiment oder Gefahr bezeichnet. Sehen wir es so: Der internationale Sport hat generell ein Problem mit der Corona-Pandemie und Ägypten gilt als Test für andere Großereignisse. Es stehen schließlich auch die Fußball-Europameisterschaft in gleich zwölf Ländern und die Olympischen Sommerspiele in Tokio an.

Man kann nicht sagen, dass der internationale Sport so weiter läuft, als wäre nichts gewesen, denn durch das Virus Covid-19 gibt es an allen Ecken und Enden Probleme. Zwar werden Hygienekonzepte erarbeitet, sogenannte „Blasen“ gebildet, das heißt, man bleibt mehr oder weniger unter sich, aber der Mensch bleibt Individualist und der Spitzensportler besonders. Auch im Corona-Spielbetrieb sind die Sportler bei ihren Familien, andere können zudem die Partys, die doch zu ihrem Leben gehören, nicht lassen. Von „Blase“ keine Spur. Covid-Infektionen sind die Folge, führen in Mannschaftssportarten zu Spielabsagen und Terminproblemen. In der Premier League in England wird sogar diskutiert, ob die Fußball-Meisterschaft unterbrochen werden soll.

Wie also kommt die Handball-WM mit all diesen Probleme zurecht. Zunächst gab es schon im Vorfeld Ärger. Ausgerechnet jetzt ist es das erste Turnier aufgebläht auf 32 Mannschaften und ausgerechnet jetzt wird es in Afrika ausgetragen, mit der Sorge, dass hier die gesundheitliche Gefahr nicht ganz so ernst genommen wird. Präsident Hassan Moustafa, gern auch der „Pharao vom Nil“ genannt, wollte sein Turnier zum Teil damit retten, dass wenigstens einige Zuschauer zugelassen werden, erst auf Proteste vieler Team-Kapitäne hin, wurden die Zuschauer ganz verbannt.

Gespielt wird in vier Hallen, zwei in Kairo, sowie in Gizeh und Alexandria. Die 32 Nationen spielen in acht Gruppen, die acht Teams jedes Spielorts sind in einem Hotel untergebracht, das die Spieler nicht verlassen dürfen. Sie leben zwischen Hotel und Halle und werden laufend getestet. Allerdings hat es bereits zum Start eine Häufung von Infektionen gegeben, so mussten die USA (18 positive Tests) und Tschechien kurzfristig passen und wurden durch Nordmazedonien und die Schweiz ersetzt. Von einer geordneten WM-Vorbereitung konnte da wohl keine Rede sein.

Besonders heiß diskutiert wurde die WM-Teilnahme im deutschen Handball-Bund. Die Bundesliga fürchtete um die Gesundheit der Spieler und hat sowieso Terminprobleme. Schließlich stellten die Funktionäre den Spielern frei, ob sie antreten wollten. Einige Stars sagten mit Rücksicht auf ihre Familien ab, sie hatten Angst um ihre Gesundheit. So kann der schon Corona-geplagte neue Bundestrainer Alfred Gislason fast nur mit einem B-Kader antreten. Gislason hat im Februar 2020 das Amt übernommen, er soll die Mannschaft zu Olympia nach Tokio führen, konnte bisher allerdings gerade mal drei Lehrgänge und vier Spiele absolvieren. Und jetzt fehlt dem 61-Jährigen Isländer die gesamte Weltklasse-Abwehr, nach den Absagen von Patrick Wienczek, Hendrik Pekeler, Steffen Weinhold und Finn Lemke. Nachdem auch Verletzungen den Kader schwächten, insgesamt fehlen neun Kandidaten, kann nicht mehr vom Halbfinale oder sogar Titel geträumt werden, gilt nur noch das Viertelfinale als Ziel. Die Fahrkarten nach Tokio werden bei der WM aber nicht vergeben.

Als Rückhalt der Mannschaft gelten vor allem die Torhüter Andreas Wolff, Johannes Bitter und Silvio Heinevetter, die alle Weltklasse verkörpern, sowie Kapitän Uwe Gensheimer, einer der weltbesten Linksaußen. Die Vorrunde gilt als leicht, Uruguay (Freitag), Kapverden (Sonntag) und Ungarn (Dienstag) sind die Gegner, drei Teams kommen in die Hauptrunde. Dorthin werden die Punkte gegeneinander mitgenommen, aus der Gruppe Spanien, Tunesien, Brasilien und Polen rekrutieren sich die drei Gegner, nur die ersten zwei qualifizieren sich dann für das Viertelfinale. Da kann es schon eng werden.

Trotz der Unwägbarkeiten werden die üblichen Verdächtigen als Favoriten genannt. Vorneweg Titelverteidiger und Olympiasieger Dänemark, Europameister Spanien, Norwegen, Frankreich und eventuell auch Kroatien. Deutschland hätte in Bestbesetzung dazu gehört. Allerdings kann sich viel ändern, vor allem dann, wenn Corona-Erkrankungen Mannschaften schwächen. Der Gau für den Veranstalter wäre, wenn das Turnier nicht bis zum Ende durchgeführt werden könnte. Dann würden auch Fußball-Europameisterschaft und Olympische Spiele wackeln. Oder gilt dann ganz einfach die Ausrede, „das war ja in Ägypten, wir machen das ganz anders“. Dieser Hochmut würde nicht überraschen.

Es ist ja die Frage, ob der internationale Sportverkehr überhaupt sein muss, im nationalen Bereich lässt sich Corona wohl leichter eindämmen (wenn die Sportlerinnen und Sportler vernünftig sind). Natürlich kämpfen auch die internationalen Verbände um das Geld von Sponsoren und Fernsehen, aber die meisten Turniere lassen sich verlegen und bis dahin müsste die finanzielle Lage zu überstehen sein, es sei denn, das Geld fehlt, weil es sich korrupte Funktionäre in die eigene Tasche gesteckt haben. Soll ja schon vorgekommen sein…