Hinter den Bayern rumort es in der Bundesliga

Die Tabelle der Fußball-Bundesliga zeigt derzeit nicht das gewohnte Bild. Wer Dortmund, Leverkusen oder Gladbach sucht, der muss mit dem Blick relativ weit nach unten gehen. Die genannten Vereine tauchen erst nach den Aspiranten für die Champions League auf! Die einzige Konstante in der Bundesliga scheinen wieder einmal die Bayern zu sein. Leipzig gilt quasi als Verfolger bei sieben Punkten Rückstand, doch dahinter rumort es, es geht tierisch gut zu. Man traut den Augen kaum, die Wölfe beißen zu und die Adler fliegen hoch. Zwei Vereine, die zwar nach den internationalen Wettbewerben lechzen, dabei aber eher an die Europa League denken. Aber sie haben einen Lauf, bei den etablierten Vereinen stottert dagegen der Motor.

Wo liegt der Schlüssel zu diesen Erfolgsserien? Beide Mannschaften siegen ein wenig unter dem Radar, arbeiten solide, sowohl im Management, als auch auf dem Feld. Spektakulär ist nichts – außer dem Erfolg. Oder liegt es daran, dass die Trainer Oliver Glasner und Adi Hütter Österreicher sind? Die Eintracht ist seit acht Spielen ungeschlagen, verlor zuletzt am 11. Spieltag – in Wolfsburg! Die Wölfe mussten sich zuletzt am 14. Spieltag in Dortmund geschlagen geben, zuletzt gab es allerdings drei Siege und zwei Remis, also auch fünf Spiele ohne Niederlage. Das schlägt sich in der Tabelle nieder, die etablierten Klubs, die nach der Champions League lechzen, liegen dahinter gleichauf mit 32 Punkten. Der Rückstand ist nicht groß, aber das Geschehen im Moment eben auffällig. Und dahinter lauert Union Berlin, noch ein Überraschungsgast in der Spitzengruppe. Die Eisernen bleiben eisern dran, machen sich einen Spaß daraus, die Favoriten zum Stolpern zu bringen. Jetzt musste es Gladbach erleiden.

Im Abstiegskampf sind Siege eine Seltenheit, wer gewinnt, macht einen Sprung nach oben. Fast schon Karneval war sicher in Köln, denn das souveräne 3:1 gegen Bielefeld brachte den Satz auf Platz 14 und einen Abstand von acht Punkten auf die Abstiegsränge. Dort drohen Mainz und Schalke trotz aller personellen Anstrengungen den Anschluss zu verlieren. Bielefeld fiel auf Relegationsrang 16 zurück, aber Hertha BSC Berlin hat keinen Zähler mehr. Der neue Trainer Pal Dardai kann halt auch keine Wunder bewirken, die Hürde Frankfurt war zu hoch, die Hürde Bayern wird nicht niedriger. Ob da Weltmeister Sami Khedira Schwung bringt? Bei Juventus Turin nicht mehr benötigt, sucht er eine neue Aufgabe. Es ist eine Verpflichtung mit vielen Fragezeichen. Die Transferzeit ging überhaupt am Montag zu Ende, ziemlich ruhig in Corona-Zeiten.

Bayern wollen den sechsten Titel

Und oben thronen wieder einmal die Bayern. Sie haben eine kurze Krise hinter sich, antworteten mit vier Siegen in Folge, aber Unruhe gibt es bei ihnen immer. Da wird über Zu- und Abgänge diskutiert (Leipzigs Upamecano soll Alaba im Sommer ersetzen), dann schlug Covid-19 zu (Goretzka und Martinez in Quarantäne) und weil das nicht reicht, ging Corentin Tolisso auf eine Extratour. Der Franzose ließ sich ein Tattoo stechen, was in Corona-Zeiten verboten ist, und dabei trugen er und der Tätowierer zudem keine Maske. Genau das Geschehen, das der Sport-Grantler schon oft angeprangert hat: Die Spieler haben keine Disziplin, sie erkennen nicht, dass sie mit diesen Eskapaden die ganze Liga gefährden (und damit auch Arbeitsplätze). Saftige Geldstrafen stellen das Übel nicht ab, weil manche Spieler erst nach dem Vergehen das Gehirn einschalten. Da bleiben also auch die Bayern nicht verschont.

Verschont bleiben sie vom DFB-Pokal. Die Niederlage in Kiel verschafft eine kleine Ruhepause, schon letzte Woche haben es Trainer und Spieler genossen, ein paar Tage in Ruhe trainieren zu können. Doch der nächste Stress kommt bestimmt und die nächste große Aufgabe wartet – die Klub-Weltmeisterschaft. Das Turnier in Katar wurde wegen der Terminengpässe von Dezember auf Februar verschoben, am Donnerstag geht es los, die Bayern müssen allerdings im Halbfinale erst am Montag, 8. Februar, eingreifen. Der Sieger vom Duell Al-Duhail Doha (Katar) gegen Al-Alhy Kairo (Ägypten) ist der Gegner. Das Finale wird am Donnerstag (19.00 Uhr) ausgetragen. Die Bayern wollen nicht nur das Finale erreichen, sondern auch den sechsten Titel in einer Saison holen, nach dem Triple und zwei Supercup-Erfolgen in Deutschland und Europa. Gegner dürfte wohl Südamerika-Meister Palmeiras Sao Paulo sein. Das Finale der Copa Libertadores gegen den FC Santos war ein Thriller, das entscheidende Tor zum 1:0-Sieg fiel in der 9. Minute der Nachspielzeit, 14 Minuten wurden nachgespielt! Sao Paulo muss sich im Halbfinale gegen den Sieger aus Tigres de Monterrey (Mexiko) und Ulsan Hyundai (Südkorea) durchsetzen.

Die Bayern gewannen die Klub-WM schon einmal und zwar 2013 nach dem Triple unter Trainer Jupp Heynckes. Bei der WM war dann schon Pep Guardiola da und er feierte damit im Finale einen seiner jetzt 500 Siege im Profi-Fußball. Zum Jubiläum gab es einen nicht ganz standesgemäßen mageren 1:0-Erfolg gegen Schlusslicht Sheffield. Allerdings wurde die Erfolgsserie von Manchester City damit fortgesetzt, nämlich zwölf Siege in Serie (neun allein im Januar!), so thront City in der Premier League auch wieder auf Platz eins. Parallelen also zu den Bayern, die rechtzeitig vor der Klub-WM wieder in Form sind, vor allem die Offensive ist nicht zu stoppen. 57 Tore stehen nach 19 Spieltagen zu Buche, nur der HSV war mit 58 in der Saison1981/82 besser. Robert Lewandowski ist mit 24 Toren Erster der Torjägerliste und mit dazu acht Vorlagen zu Toren auch in der Skorerliste vorn. Joshua Kimmich ist bester Vorlagengeber der Liga mit jetzt zehn Assist, Thomas Müller hat zehn Tore und neun Assists und ist hinter Silva (Frankfurt/18+5/21) Dritter der Skorerwertung. Neun Assists hat übrigens (neben Sancho/Dortmund) auch Kingsley Coman. Mal sehen, ob die Offensive auch international nicht zu stoppen ist. Vorher wartet am Freitag allerdings noch die Aufgabe bei Hertha BSC Berlin, da sollten die Gedanken noch nicht in Katar sein. Pal Dardai hat die Bayern früher schon geärgert.

Im DFB-Pokal werden die Bayern nicht vermisst werden, ganz im Gegenteil, der Weg ist frei für einen neuen Pokalsieger. Ob er aber überhaupt aus der ersten Liga kommt? Die Zweitligisten trumpften bisher auf und nachdem Bayern-Bezwinger Holstein Kiel und den Liga-Konkurrenten Darmstadt trifft, steht einer auf jeden Fall im Viertelfinale. Schade ist, das am Dienstag und Mittwoch im Achtelfinale ansonsten nur Regensburg gegen Köln Heimrecht hat, Fürth muss nach Bremen, Paderborn nach Dortmund und Bochum nach Leipzig. Mit Rot-Weiß Essen ist auch ein Viertligist dabei, mit Bayer Leverkusen ist die Hürde hoch. Es gibt nur zwei Bundesliga-Duelle und zwar Wolfsburg – Schalke und Stuttgart – Gladbach. Beim VfB machen sie den Reiz des DFB-Pokals deutlich: „Das ist unsere Champions League“.