Die Männer der Woche – Nicht nur aus dem Fußball

Am 8. März wurde zwar der Weltfrauentag gefeiert, aber hier geht es heute trotzdem um die „Männer der Woche“. Dies ist gerechtfertigt, weil es auffallend war, dass einige Herren in den letzten Tagen die Schlagzeilen bestimmt haben. Und das sind die „Männer der Woche“, wobei die Nennung keine Rangfolge bedeutet und die Auswahl natürlich nicht komplett sein kann. Nicht nur der Fußball hatte für Aufmerksamkeit gesorgt.

Joachim Löw: Der Bundestrainer sorgte mit seiner Rücktrittsankündigung nach der Fußball-Europameisterschaft für den „Hammer der Woche“. Kurzzeitig stellte er Corona, Impfchaos und Politik in den Schatten. Er hat zweifellos einen Coup gelandet und sich aus der Bredouille gebracht. Jetzt liegt beim Turnier im Sommer alle Last auf den Spielern. Klappt es nicht, heißt es, die Spieler sind schuld, der Löw hört ja sowieso auf. Klappt es, wird Löw gefeiert und er hat einen großen Abgang. Irritierend nur, dass der 61-Jährige sich angeblich noch keine Gedanken über seine Zukunft gemacht hat.

Hansi Flick: Diese Diskussion bleibt natürlich nicht aus und wird bis zur Entscheidung weitergehen: Wer wird denn Jogi Löw beerben? Favorit ist Bayern-Trainer Hansi Flick, der zwar auf seinen Vertrag beim Verein bis 2023 verweist, aber nicht kategorisch einen Wechsel verneint, wie es Jürgen Klopp getan hat. Die Ungewissheit bleibt und wird die Bayern bis zum Ende der Saison beschäftigen. Alle anderen Kandidaten sind zweite Wahl, Lothar Matthäus hat sich in früheren Zeiten eigentlich schon selbst disqualifiziert, Löw-Assistent Marcus Sorge ist keine echte Alternative, U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz nicht mehr als eine Notlösung. Sportdirektor Oliver Bierhoff ist verantwortlich und betont, „ein deutscher Trainer soll es sein“.

Ralf Rangnick: Er fehlt in der obigen Aufzählung und wäre nach Flick wohl die naheliegendste Lösung, obwohl seine unbequeme Art problematisch sein kann. „Ich bin frei“, verrät er, mit dem Zusatz „im Moment“. Der Moment könnte sich darauf beziehen, dass er auch auf Schalke als neuer Sportvorstand im Gespräch ist. Allerdings ist er da in einem Machtkampf im Aufsichtsrat über die Zukunft des Vereins mittendrin. Ob er sich das antut? Immerhin: Die Schalke-Fans plädieren für Rangnick, das ist ein Pfund. Bundestrainer wäre zweifellos der ruhigere Job.

Erling Haaland: Der 20-jährige Norweger fegt manchmal wie ein Orkan über seine Gegner hinweg. Beim 2:2 gegen FC Sevilla schoss er Borussia Dortmund mit seinen zwei Toren in die nächsten Runde und stellte CL-Rekorde auf, u. a. 20 Tore in 14 Spielen sind neuer Bestwert (bisher kein Geringerer als Harry Kane mit 20 Toren in allerdings 24 Spielen). Mit 20 Jahren und 231 Tagen ist Haaland der jüngste Spieler mit 20 Toren. Bisher war es Kylian Mbappe mit 21 Jahren und 355 Tagen. Und Haaland spielt noch eine Rolle – siehe bei Messi. Es wäre überraschend, sollte er über die Saison hinaus in Dortmund bleiben.

Robert Lewandowski: Er trifft und trifft und trifft, der Bayern-Torjäger jagt ebenfalls die Rekorde. Auch gegen Werder Bremen traf er (zudem dreimal Latte und Pfosten, das kann vielleicht noch mal weh tun!), und holte damit Klaus Fischer in der ewigen Torjägerliste ein. Bei 268 Treffern stehen beide, Lewandowski wird bald die alleinige Nummer zwei sein hinter Gerd Müller mit 365 Toren. Zum Saison-Rekord von Müllers 40 Treffern fehlen acht Tore – neun Spiele hat er noch.

Lionel Messi: Was macht der Großverdiener des FC Barcelona nach dieser Saison? Paris mit Mbappe und Neymar und die Hoffnung auf den Gewinn der Champions League locken nach dem Sommer, aber Barcelona hat einen Trumpf: Der neue Präsident Joan Laporta hat die Sympathien von Messi und er verspricht Verstärkung. Im Gespräch: Erling Haaland (!), David Alaba (Bayern) und Eric Garcia (Manchester City). An Millionen soll es nicht fehlen, trotz bombastischen 1,17 Milliarden Euro Schulden von Barca. Kann er Messi umstimmen, der schon von seinem Abgang sprach, andererseits mit der Wahl von Laporta ein Zeichen setzte?

Cristiano Ronaldo: Der Argentinier und der Portugiese beherrschten in den letzten Jahren den internationalen Fußball, jagten Rekorde und gewannen fast alle Wahlen. Jetzt erlebte Ronaldo eine bittere Stunde: Für viel Geld von Juventus Turin geholt, um den Traum der Italiener vom Gewinn der Champions League wahr werden zu lassen, erlebte er stattdessen jedes Jahr eine Pleite. Die Fans lasten ihm dies an. Auch diesmal scheitere die „Alte Dame“ bereits im Achtelfinale am Außenseiter FC Porto – ohne Ronaldo-Tor. Viertelfinale, Achtelfinale, Achtelfinale – die schwache Bilanz von Juve und Ronaldo, seit er 2018 von Real Madrid kam. Am Sonntag schoss er sich aber den Frust von der Seele mit drei Treffern beim 3:1 in Cagliari. Über einen Abgang in Turin wird allerdings spekuliert. Ronaldo steht mehr in der Kritik als Trainer Andrea Pirlo, einst als Spieler verehrt.

Dr. Thomas Bach: Der einstige Fechter bleibt Herrscher beim IOC. Der Deutsche wurde als IOC-Präsident mit nur einer Gegenstimme wieder gewählt. Einen Gegenkandidaten hatte er nicht, aber dennoch international in den Medien viel Gegenwind. Ihm wird vor allem vorgeworfen, dass er das IOC quasi unter seine Fittiche gebracht hat, die Bach-Getreuen entsprechend positioniert hat. Bach und das IOC sind allerdings dabei, den guten Ruf von Olympia zu ruinieren und auch die Vergabe der Olympischen Spiele wird immer mehr zu einer Mauschelei im Hinterzimmer. Die Sommerspiele in Tokio will Bach um jeden Preis retten, dafür stößt er auch die Gastgeber vor den Kopf, wenn er das Angebot der Chinesen annimmt, ausgerechnet in Japan für die notwendigen Impfungen zu sorgen. Instinktloser geht es nicht.

Alfred Gislason: Als der Isländer vor einem Jahr Bundestrainer im Handball wurde, da stand er zunächst ohne Spiele da, weil die Corona-Pandemie den Sport stoppte. Bei der Weltmeisterschaft in Ägypten stand er ohne Spieler da, weil einige wegen der Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19 verzichteten. Jetzt hatte er sein komplettes Team zur Verfügung und schaffte grandios die Qualifikation für Olympia, unter anderem auch, weil Gislason die Mannschaft taktisch richtig eingestellt hatte. Sein größter Schachzug war der Einsatz vom unerschrockenen Linksaußen Marcel Schiller für Kapitän Uwe Gensheimer. Handball hat geliefert und darf jetzt wirklich von Olympia-Gold träumen, Deutschland zählt auf jeden Fall zum Favoritenkreis.

Leipzig verliert an Boden

In der Fußball-Bundesliga hatten die Bayern am Samstag mit einem problemlosen 3:1 in Bremen vorgelegt, sich die 800. Tabellenführung (!) gesichert und dann zählten sie am Sonntag noch einmal zu den Gewinnern, weil der einzige Verfolger RB Leipzig beim 1:1 gegen Frankfurt patzte und an Boden verlor. Jetzt haben die Bayern wieder vier Punkte Vorsprung und wollen ihn gegen Stuttgart am Samstag verteidigen. RB tritt in Bielefeld an und dann folgt nach der Länderspielpause das große Duell in Leipzig. Dann stehen sich vielleicht zwei Bayern-Trainer gegenüber: Der aktuelle, Hansi Flick, und sein möglicher Nachfolger, Julian Nagelsmann. Der wird nämlich als Favorit auf den Posten gehandelt, wenn Flick doch Bundestrainer werden will. Nur eine Pflichtaufgabe müssen die Münchner vorher lösen, nämlich in der Champions League am Mittwoch gegen Lazio Rom, nach dem 4:1 im Hinspiel sollte es nur Formsache sein. Spannender ist dann wohl die Auslosung des Viertelfinales am Freitag. Leipzig musste mit dem erneuten 0:2 gegen Liverpool einen Dämpfer hinnehmen.

Im Abstiegskampf wird es immer spannender, weil Mainz und Bielefeld eine Aufholjagd gestartet haben. So rutschte Hertha BSC auf den Relegationsplatz ab, die hochfliegenden Berliner Träume könnten urplötzlich platzen. Aber auch Köln gerät wieder in Schwierigkeiten, gegen Dortmund sollte man von Trainer Markus Gisdol allerdings keinen Sieg erwarten. Andererseits steht er auf der Kippe und die Länderspielpause eignet sich wunderbar für einen Trainerwechsel… Schalke hat bereits den fünften Trainer in der Saison, dort muss man nach dem 0:5 in Wolfsburg und den mäßigen Leistungen zwangsläufig für die 2. Bundesliga planen. Ob mit oder ohne Ralf Rangnick wird sich zeigen. Die „Männer der Woche“ werden noch länger im Gespräch bleiben.