Das gefährliche Spiel von Flick und Bayern

Der FC Hollywood ist zurück! Die sportliche Ergebnisse interessieren beim FC Bayern München derzeit nur am Rande, es sei denn, mangelnde Erfolge bringen die angestrebten Titel in Gefahr. Im Vordergrund steht beim Rekordmeister der Zwist zwischen Sportvorstand Hasan Salihamidzic und Erfolgstrainer Hansi Flick. Keinem im Verein gelingt es, den schon lange schwelenden Konflikt zu befrieden. Fast hilflos mutet der Aufruf von Präsident Herbert Hainer an, die beiden müssten sich zusammenraufen. Was derzeit abläuft, ist im doppelten Sinne ein gefährliches Spiel. Hansi Flick riskiert Punktverluste und schont lieber seine Spitzenspieler, der Verein ist in Gefahr, dass der Zwist auch die Zukunft gefährden kann.

Bald sieht es so aus, dass nur einer der beiden Kontrahenten eine Zukunft bei den Bayern hat. Sportlich müsste dies der Trainer sein, auch die Fans sehen es so. Bei einer Umfrage der Fachzeitschrift kicker halten 93 Prozent Flick für wichtiger für die Bayern als den Sportvorstand. Aber ausgerechnet Flick könnte in dem Konflikt für sich die Chance sehen, seinen Traum vom Amt des Bundestrainers zu verwirklichen. Der Löw-Rücktritt hat das Chaos bei den Bayern erst forciert, nicht der Verband, der DFB, gerät in Schwierigkeiten, sondern der Meister. Ein Bekenntnis zu den Bayern und zum Vertrag bis 2023 hat Flick noch nicht abgegeben, auf Fragen antwortet er vielsagend mit der Aufforderung „nächste Frage“. Sieht er den Verein als Gegner?

Der Zwist ist gefährlich, weil er genau in die sportlich wichtigste Zeit fällt. Dazu bereiten Verletzungssorgen Probleme und auch da spielt Flick ein gefährliches Spiel. Gegen Union Berlin fielen nicht nur verletzte Spieler aus, sondern der Trainer verzichtete zur Schonung auf weiteres fittes Stammpersonal wie Alaba, Sané und Pavard. Das B-Team mit Talenten und nicht bundesligatauglichen Ersatzspielern, die Salihamidzic dem Coach im Sommer vorgesetzt hatte, wehrte sich zwar gegen eine Niederlage, aber das 1:1 (mit einem Traumtor von Musiala) war ein Rückschlag im Titelrennen. Jetzt sind es nur noch fünf Punkte Vorsprung vor dem RB Leipzig mit der Aufgabe Wolfsburg vor der Brust sowie künftigen Gegnern wie Gladbach und Leverkusen. Verfolger Leipzig hat das leichtere Restprogramm!

Zunächst steht am Dienstag aber die Aufgabe Paris an, da gilt es, die unnötige 2:3-Heimniederlage zu revidieren. Ein Sieg mit zwei Toren Vorsprung muss her, ein schweres Unterfangen, da Torjäger Lewandowski weiterhin fehlt und Goretzka sowie Hernandez fraglich sind. Allein die Statistiken machen Mut, die Bayern sind seit 17 Spielen in der Champions League auswärts ungeschlagen (13 Siege, 4 Remis) und bereits dreimal in den K.o.-Runden nach Heimniederlagen weitergekommen. Gegner Paris wiederum leidet offensichtlich an einer Rückspielangst, musste seltsame Pleiten erleiden. Gravierend 2017 nach einem 4:0 im Hinspiel mit einer 1:6-Niederlage im eigenen Stadion gegen Barcelona oder 2019 nach einem 2:0-Sieg bei Manchester United mit 1:3 im Rückspiel. Dazu zeigte Paris auch in der nationalen Meisterschaft oft eine Heimspielschwäche. Trotz Neymar und Mbappé, ganz chancenlos sind die Bayern wohl nicht. Ein Ausscheiden würde den Zwist allerdings verschärfen und zu einer echten Krise ausweiten. Am Ende könnte dieses Ergebnis stehen: Hansi Flick wird Bundestrainer und Julian Nagelsmann sein Nachfolger. Mit einer hohen Ablösesumme wäre dies wohl möglich, für die Zukunft wäre ein Abgang von Salihamidzic vielleicht gewinnbringender…

Einen Rückstand wettmachen muss auch Borussia Dortmund im Viertelfinale der Champions League. Das 1:2 bei Manchester City war allerdings ehrenvoll und macht Hoffnung für das Rückspiel. Pep Guardiola hatte sich bei City wieder ein bisschen vercoacht und riskierte wie Flick national einen Punktverlust mit der Schonung von Stars für Mittwoch. Dortmund könnte für eine Überraschung sorgen und die Saison mit dem Einzug ins Halbfinale teilweise retten. Da sollte Chelsea mit Tuchel, Werner und Havertz zu finden sein, nach dem 2:0 gegen Porto. Jürgen Klopp muss dagegen nach der 1:3-Niederlage gegen Real Madrid eine Aufholjagd starten.

In der Bundesliga kommen die Dortmunder nicht voran, der Abstand zu Rang vier blieb bei sieben Punkten, da Eintracht Frankfurt das Schlagerspiel gegen Wolfsburg mit 4:3 gewann. Ein Spiel, das Spaß machte, beide Teams bewiesen, dass sie die Champions League verdient hätten. Aber auch da sind die Trainer als Wechselobjekte im Gespräch. Logisch: Wer gut arbeitet ist attraktiv. Beide haben laufende Verträge, aber wen interessiert das? Frankfurts Adi Hütter wird in Gladbach als Nachfolger von Marco Rose (zu Dortmund) gehandelt, Oliver Glasner wird bei jedem Verein genannt, wo eine Stelle frei wird. Pikant: Am Samstag gastiert Hütter mit Frankfurt in Gladbach. Seine Entscheidung wird davon abhängen, wo er die bessere Zukunftsperspektive sieht, in Frankfurt steht bekanntlich ein Umbruch an, nachdem Sportdirektor Fredi Bobic vor dem Abschied steht.

Der Trainermarkt ist auf jeden Fall in Bewegung. Dafür sorgte am Sonntag auch der 1. FC Köln, der nach dem 2:3 im Abstiegsduell gegen Mainz Trainer Markus Gisdol freistellte. Köln rutschte auf einen Abstiegsplatz und da hatte Manager Horst Heldt ja schon angekündigt: Solange Köln oberhalb dieser Linie zu finden ist, bleibt der Trainer, wenn nicht, dann… Eigentlich ein unwürdiges Schauspiel. Ein unglückliches Gegentor in der Nachspielzeit kostete den Arbeitsplatz, so ist es im Fußball. Nun soll es der 67-jährige Friedhelm Funkel richten, der eigentlich schon sein Rentnerdasein genießen wollte, aber noch einmal Lust bekommen hat und im Hintergrund bereits parat stand. Von Februar 2002 bis Oktober 2003 war er schon einmal in Köln tätig und blieb wohl in guter Erinnerung. Der Ruf als Retter eilt ihm voraus, sechs Spiele Zeit hat er, die Gegner heißen Leverkusen, Leipzig, Augsburg, Freiburg, Hertha BSC und Schalke, vor allem auf den Endspurt kommt es an.

Einen Zwischenspurt hat die Konkurrenz eingelegt, vor allem Mainz hat sich nach oben gearbeitet und könnte gegen Hertha BSC den nächsten Schritt Richtung Klassenerhalt tun. Das würde den Abstiegskampf auf Köln, Bielefeld und eben Hertha reduzieren, nur einer kann sich direkt retten. Aber auch Bremen und Hoffenheim könnten noch reingezogen werden. Der große Unbekannte ist Schalke 04, abgeschlagenes Schlusslicht, das mit dem zweiten Saisonsieg Augsburg überraschte. Trainer Grimmozis droht: „Wir werden noch weitere Punkte holen.“ Auf der Gegnerliste stehen unter anderem Bielefeld, Hertha und Köln!

Chaos in der 2. Bundesliga

Ob die Saison 2020/21 überhaupt ohne Probleme zu Ende gespielt werden kann, wird wohl Covid-19 entscheiden. Die DFL hatte schon mit dem Gedanken gespielt, die Profi-Klubs zum Ende der Saison in ein Dauer-Trainingslager zu schicken, quasi in Quaränte, damit Corona keine Chance hat. Noch wird das nicht durchgesetzt, aber die Infektionen werden mehr. Vor allem in der 2. Bundesliga droht ein Chaos, Kiel und Sandhausen befinden sich in Quarantäne, drei Spiele wurden abgesagt, vier weitere schon für diese Woche, der Terminkalender wird immer enger, am 23 Mai sollen alle Entscheidungen gefallen sein. Horrorszenario: Bis dahin haben nicht alle Teams ihre Spiele absolviert. Kiel war schon einmal betroffen und muss auch im Pokal gegen Dortmund ran, das Wochenende rund um den 1. Mai bietet die einzige Chance, Spiele nachzuholen, außerdem gibt es den einen oder anderen Termin unter der Woche. Für manche Mannschaft wird es eine Hetzjagd, die Rede ist von Wettbewerbsverzerrung, aber eine gerechte Lösung gibt es nicht. Corona gibt den Takt vor, einziges Gegenmittel ist die strikte Einhaltung der Hygienevorschriften, was wohl nicht überall immer klappt. Was bleibt, ist Chaos. Schade eigentlich, denn die 2. Bundesliga präsentiert sich so spannend wie nie – oben und unten.