Bundesliga-Endspurt: Mehr Spannung geht nicht

Gut, der FC Bayern München ist wieder Meister, vorzeitig am 32. Spieltag ging er ins Ziel, genau wie im letzten Jahr auch. Aber ansonsten ist in der Fußball-Bundesliga noch gar nichts entschieden, ganz im Gegenteil, mehr Spannung geht nicht als im Endspurt. Am 33. Spieltag am Samstag und Sonntag ist zum Beispiel jede der neun Paarungen für einen Verein von Bedeutung, es geht um Champions League, Europa League und gegen den Abstieg. Interessanter kann die Bundesliga nicht sein. Und auch in der 2. Bundesliga und der 3. Liga stehen „Endspiele“ bevor.

Ehren wir zuerst einmal den Meister. Der Jubel über den neunten Titel in Folge und den 31. insgesamt (davon 30 in der Bundesliga seit 1965) hielt sich in Grenzen, das Erwartete kann nicht zum Besonderen werden. Es ist ja das „Phänomen Bayern“, dass sich die Spieler dennoch für jedes Match motivieren können, dass der Ehrgeiz keine Grenzen kennt, das Vereinsmotto „mia san mia“ wird von Generation zu Generation, von Spieler zu Spieler übertragen. Ziele gibt es zudem immer, Thomas Müller und David Alaba sind neue Rekordhalter mit dem 10. Titel (bisher neun, natürlich gehalten von Bayern-Spielern). Einen neuen Rekord strebt vor allem Robert Lewandowski an, der Torjäger ist auf dem besten Wege die Jahrhundertbestleistung von Gerd Müller mit 40 Toren zu brechen. Müller hatte seine 40 Tore übrigens schon nach 32 Spieltagen erzielt, dann kam nichts mehr. Das sollte Lewandowski nicht passieren. Die Münchner gingen als Meister gegen Gladbach konzentriert und motiviert zu Werke und erstaunten auch den Gegner beim 6:0 mit drei Lewandowski-Treffern. Das „Bayern-Phänomen“ halt. Kapitän Manuel Neuer machte deutlich: „Wir wollten zeigen, wer der wahre Deutsche Meister ist.“ Titel gewinnen die Bayern sogar wenn sie nicht spielen. Unter der Woche wurde sie als weltweite „Mannschaft des Jahres“ mit dem Laureus Award geehrt. Jetzt sind es insgesamt acht Titel in nicht einmal zwei Jahren für Trainer Hansi Flick zum Abschied.

Die Bayern in einer eigenen Liga, obwohl es nach einem schweren Jahr aufgrund hoher Belastung und ohne Sommerpause nicht so aussah. Die Konkurrenz konnte die besondere Situation nicht nutzen. Vor allem Borussia Dortmund enttäuschte und will jetzt mit einem fulminanten Endspurt einiges aufholen. Das erste Ziel ist vorerst erreicht, Platz vier und die Teilnahme an der Champions League. Für Frankfurt war das 1:1 gegen Mainz zu wenig, aber aufgeben gilt natürlich nicht, gegen Schalke und Freiburg soll zum Abschluss die volle Punktzahl her, die muss Dortmund in Mainz und gegen Leverkusen erst mal schaffen, zumal ja auch das Pokal-Endspiel noch ansteht. Sicher in der Champions League darf sich Wolfsburg auch nicht fühlen (zwei Zähler vor dem BVB), die größte Aufgabe ist in Leipzig zu lösen, dann kommt Mainz. Dahinter geht es um die Europa League, einer schafft es also nicht in die CL, Leverkusen sollte Platz sechs sichern können. Wer aber wird Siebter (derzeit Gladbach) und ist das überhaupt attraktiv? Der Siebte spielt in der neuen Europa Conference League, da gibt es ein bisschen Geld, man präsentiert sich auf Europas Bühne, aber neben Anstrengung gibt es wenig Ehre. Einst war die Europa League der „Verlierer-Cup“, was ist dann jetzt die dritte Liga?

Am spannendsten natürlich der Abstiegskampf und besonders bedeutsam, denn ein Abstieg kann einen Verein jahrelang zurückwerfen (siehe derzeit den Hamburger SV oder Kaiserslautern, das jetzt sogar in der 3. Liga dümpelt). Besonders hart würde es einen Verein wie den FC Augsburg treffen, der sich eigentlich schon auf der sicheren Seite wähnte, jetzt aber nach fünf sieglosen Spielen mit 33 Punkten auf Platz 13 noch hoch gefährdet ist (dahinter Hertha, Bremen und Bielefeld mit je 31 Zählern). Die Augsburger hatten besondere Jubiläen, am 8. Mai vor genau zehn Jahren feierten sie den Aufstieg in die Bundesliga und sind (auch zur eigenen Überraschung) immer noch dabei, wobei sie immer wieder als erster Abstiegskandidat genannt wurden. Es war oft knapp, im letzten Jahr waren sie 15. mit 36 Punkten, 2019 ebenso, da reichten sogar 32 Punkte. Jetzt haben sie schon 33, doch das diesmal nicht genug sein. Die Augsburger hätten schon aufatmen können, doch U21-Nationalspieler Marco Richter vergab ausgerechnet in seinem 100. Bundesligaspiel beste Chancen, die Folge war eine unglückliche 1:2-Niederlage in Stuttgart. Nicht immer werden Jubiläen gefeiert. Jetzt steht das Endspiel gegen Werder Bremen an, das seine Niederlagenserie (sieben am Stück) mit dem 0:0 gegen Leverkusen beendete. Ist das ein psychologischer Vorteil? Beide Teams wurden für ihre Leistungen gelobt, doch gut gespielt und dennoch abgestiegen ist das bitterste Los.

Vor Absteiger Schalke steht der 1. FC Köln nach dem 1:4 gegen Freiburg auf einem Abstiegsplatz. Zwei Zähler gilt es zunächst aufzuholen gegen Hertha und bei Schalke. Doch die Konkurrenz wird auch punkten. Hertha hat am Mittwoch gegen Schalke die Chance, das Spiel am Samstag nicht zu einem Endspiel werden zu lassen. Sieht man die Ergebnisse der letzten Spiele und die Bemühungen der Klubs, so ist eine Prognose schlichtweg nicht möglich.

Zunächst soll aber erst ein hohes Fest des Fußballs gefeiert werden, das Endspiel um den DFB-Pokal, das wie im Berliner Olympiastadion aber leider wieder ohne Zuschauer über die Bühne gehen muss. Hier hat bekanntlich Kiel mit dem Sensationssieg über die Bayern den Weg für die Kronprinzen freigemacht. Die Generalprobe entschied Dortmund mit 3:2 für sich, logisch, dass die Leipziger Revanche wollen. Vor allem Trainer Julian Nagelsmann fühlt sich wohl herausgefordert, er will den Verein mit einem Titel Richtung München verlassen (so wie einst Nico Kovac in Frankfurt). Das erste Duell machte durchaus Lust auf mehr. Dortmund muss allerdings auf Torhüter Hitz verzichten, der verletzt ausfällt. Wird der langjährige Stammkeeper Roman Bürki zum Glücksbringer?

Auch vor einem anderen großen Duell gab es eine Generalprobe, im Vorfeld des Finales der Champions League duellierten sich Thomas Tuchel und Pep Guardiola in der Premier League. Tuchel verhagelte mit Chelsea London dem Spanier die Laune, denn mit dem 2:1-Sieg muss Pep mit Manchester City noch auf die nationale Meisterschaft warten. Es hätte doch gepasst, wenn er es zur gleichen Zeit wie sein alter Verein in München geschafft hätte. Aber bis zum erneuten Aufeinandertreffen am 29. Mai in Istanbul wird City sicher Meister sein.

Apropos Meisterschaft, die Bayern würden ja am liebsten wieder einmal ein besonderes Double feiern, nämlich dass die Männer und die Frauen gemeinsam den Titel holen wie 2015 und 2016. Neuer und Co. legten vor, jetzt müssen die Mädchen nachlegen. Nach 26 ungeschlagenen Spielen in Folge gerieten die Bayern-Frauen ein bisschen ins Schleudern und schieden im Pokal gegen Wolfsburg aus. Jetzt packten sie allen Kampfgeist aus und holten sich ein vorentscheidendes 1:1 bei den Wölfinnen, die viermal in Folge Meister waren. Die Bayern haben zwei Punkte Vorsprung und müssen diesen in Leverkusen und gegen Frankfurt verteidigen. Keine leichten Aufgaben, aber mit diesem Ehrgeiz machbar. Die Eintracht kann das Zünglein an der Waage spielen, denn auch Wolfsburg ist zunächst der Gegner. Machen sie die Münchnerinnen zum Meister?

Gefeiert wird bei den Bayern aber nicht immer. Die Bayern II kann sich in der 3. Liga nicht aus dem Abstiegssog befreien und jetzt steht fast schon ein schicksalhaftes Derby gegen 1860 München an. Die alte Rivalität lebt auf. Im Grünwalder Stadion, bekanntlich die Heimat der Löwen, kämpft 1860 um den Aufstieg in die 2. Liga und kann mit einem Sieg die „kleinen Bayern“ (im Vorjahr noch Meister!) zu den Amateuren in die Regionalliga schicken. Dann wird mit Sicherheit in München schon gefeiert, nur nicht bei den Roten…