Eishockey zwischen Euphorie, Hoffnung, Versagen und Eitelkeiten

Manche waren ganz weg vor Begeisterung, „die Nationalmannschaft begeisterte zwei Wochen lang und entfachte eine Eishockey-Euphorie im ganzen Land“, war nach der Weltmeisterschaft in Riga zu lesen. In der Euphorie wird eben alles rosarot gesehen. In punkto Einsatz und Willen begeisterte die DEB-Auswahl wirklich, Platz vier war ein Erfolg, wurde nach unglücklichen Spielen in der Endphase der WM von den Eis-Cracks selbst aber eher als Niederlage gesehen. Ein Zwiespalt ist festzustellen und das gilt für das deutsche Eishockey auch insgesamt. Das Eishockey zeigt sich zwischen Euphorie, Hoffnung, Versagen und Eitelkeiten bei den Funktionären.

Bleiben wir bei der Euphorie, die allerdings realistisch gesehen werden muss. Das „ganze Land“ begeisterte sich keineswegs, sonst hätte der Fernsehsender Sport1 mehr als eine Million Zuschauer bei den TV-Übertragungen gehabt. Die Euphorie ist eher bei den Spielern (und echten Fans) zu suchen, die zu Recht Optimismus ausstrahlen und sich in der Weltspitze angekommen fühlen. Schließlich gelang mit dem Erfolg von Riga der Sprung auf Platz fünf in der Weltrangliste, das ist aller Ehren wert. Die Spieler richten deshalb den Blick bereits auf Olympia im nächsten Jahr. 2022 in Peking soll der Medaillengewinn nachgeholt werden, „wir hören nicht auf zu träumen“, sagt Kapitän Moritz Müller fast trotzig. Und Hoffnung hat auch die Eishockey-Legende Erich Kühnhackl: „So wie sich das DEB-Team Riga präsentiert hat, gehe ich nicht davon aus, dass es sich um ein Strohfeuer handelt, sondern dass das Niveau gehalten werden kann.“ Allerdings muss eine Besonderheit festgestellt werden: Deutschland feiert dann gute Platzierungen, wenn die Konkurrenz nicht ihre besten Teams aufs Eis schicken kann! Das war auch bei Olympia-Silber so.

Plötzlich alles gut, nachdem in der Vergangenheit dem DEB eher Versagen vorgeworfen werden konnte? Der Höhenflug muss wohl mehr als glückliche Konstellation angesehen werden und er muss auch eher der DEL in der Nachwuchsarbeit zugerechnet werden als dem Verband in München. Dort sonnt sich Präsident Franz Reindl im aktuellen Erfolg, den er vorher in verantwortlicher Position als Sportdirektor und Generalsekretär des DEB schon längst hätte auf den Weg bringen müssen. Damals war der Blick nicht nach vorn, sondern eher nach hinten gerichtet, galt es, zuerst einmal den Abstieg zu vermeiden. Franz Reindl selbst hatte aber als Sportdirektor den einen oder anderen Abstieg zu verantworten, doch es war leicht, ihn auf den jeweiligen Trainer abzuwälzen. Bezeichnend, dass zum Beispiel 2009 der Abstieg nur dadurch vermieden werden konnte, weil Deutschland bei der WM 2010 Gastgeber war und Startrecht genoss. Heute feiert der Präsident Erfolge, für die andere den Weg ebneten.

Bezeichnend, dass die sportlichen Großtaten der Nationalmannschaft ausgerechnet von einem Skandal um den Präsidenten getrübt wurden. Drei Landesverbände fordern Aufklärung über offensichtliche Mauscheleien und undurchsichtige finanzielle Aktionen rund um den Präsidenten. Franz Reindl spielt offensichtlich seit Jahren eine seltsame Doppelrolle als ehrenamtlicher DEB-Präsident und bezahlter Geschäftsführer einer DEB-Tochterfirma. Dabei soll es zu unerklärlichen und dubiosen Geldflüssen zugunsten des Präsidenten gekommen sein, der eben angeblich ehrenamtlich arbeitet. Undurchsichtiges Arbeiten war schon immer eine Stärke des früheren Nationalspielers, der zum Bronze-Team von Olympia 1976 in Innsbruck gehörte. So verschaffte er Familienmitgliedern und Freunden Jobs beim DEB, andererseits verstieß er treue und profilierte Weggefährten, wenn sie ihm (seiner Meinung nach) in seinem Karriere-Weg standen. Ein Teflon-Funktionär voller Eitelkeiten ist sein Ruf in der Branche bei denjenigen, die hinter die Kulissen schauen. Aber nur mit solchen Machenschaften kann man wohl den letzten Schritt gehen, den Reindl jetzt eingeleitet hat: Er will im September Nachfolger von Weltpräsident René Fasel werden, der Schweizer tritt zurück. Die Chancen stehen für den Deutschen gut. Ob der DEB profitiert?

Es ist fast wie immer, das deutsche Eishockey bleibt im Zwiespalt, so richtig will der Schritt nach vorn nicht gelingen. Die Diskussionen um den Eishockey-Präsidenten sind aber auch bezeichnend für den deutschen Sport generell, eitle und geldgierige Funktionäre trüben die Erfolge von Sportlerinnen und Sportlern, die viel opfern, um Erfolge feiern zu können. Die Funktionäre wollen ihren Glanz abbekommen und kassieren. Skandale wie beim DFB, dem nationalen Sportbund und eben jetzt beim DEB sind traurig und abstoßend.