Haaland bläst zum Angriff auf die Bayern

„Für die Bayern-Jäger gilt: Jetzt oder nie!“, hatte der Sport-Grantler vor einer Woche an dieser Stelle bei der Vorschau auf die Fußball-Bundesliga geschrieben. Einer hat sich diese Zeilen zu Herzen genommen: Dortmunds Super-Talent Erling Haaland! Der 21-jährige Norweger besiegte Eintracht Frankfurt beim 5:2 quasi alleine, er erzielte zwei Treffer selbst und war an allen fünf Toren beteiligt. „Hallo, Bayern! Habt ihr das gesehen?“, titelte die Bild am Sonntag, und hat gleichzeitig auch in der Öffentlichkeit die Jagd auf die Bayern eröffnet. Den zehnten Titel in Folge wollen die Münchner, die Siegesserie endlich beenden, will die Konkurrenz, will vor allem Dortmund, das neues Selbstbewusstsein ausstrahlt.

Dass dieser Tag ein echtes Fest wurde, dafür sorgten auch die Fans, die endlich wieder in die Stadien durften. Für Haaland und Neu-Trainer Marco Rose wurde der Bundesliga-Start so gleich zu einem besonderen Erlebnis, 25.000 waren es in Dortmund, der Rekord am Wochenende, mehr durften es nicht sein. 8536 waren es nur in Wolfsburg, da betrug die Auslastung der erlaubten Zuschauer nur 67 Prozent, was beweist, dass nicht überall der Appetit auf die Bundesliga so groß ist. Um die einstige Beliebtheit vor der Corona-Pandemie muss der Fußball noch kämpfen, viele Fans haben erkannt, dass sie auch ohne den Ball am Samstag oder Sonntag leben können, die Begeisterung muss erst wieder zurückkommen. Der Anfang ist gemacht.

Dies gilt eben auch für Dortmund mit einem beeindruckenden Auftritt. Den bot Titelverteidiger Bayern in Mönchengladbach nicht. Der Start war wie erwartet holprig, das 1:1 am Ende glücklich, weil Gladbach in zwei umstrittenen Szenen den möglichen Elfmeter nicht bekam. So sorgte allein der Treffer von Torjäger Robert Lewandowski für Zufriedenheit, obwohl der Pole noch mehrere Chancen auf dem Fuß hatte, aber Torhüter Sommer war der Rückhalt der Gladbacher. Dennoch stellte Lewandowski einen neuen Rekord auf, er traf zum achten Mal in Folge zum Saisonauftakt und verbesserte damit seine eigene Marke.

Erstes Kräftemessen beim Supercup

Glückliche Fügung, dass das Duell um den Supercup diesmal nicht vor der Saison stattfand, sondern erst jetzt am Dienstag in Dortmund. Da geht es wieder um Rekorde, vor allem aber schaut Fußball-Deutschland gebannt auf dieses Spiel, weil es wohl im direkten Vergleich erste Erkenntnisse bringt, ob Dortmund die Bayern wirklich gefährden kann. Beide Teams haben mit Ausfällen zu kämpfen, Dortmund ist aber zweifellos der bessere Start geglückt. Zum zehnten Mal stehen sich Dortmund und die Bayern im Supercup gegenüber, die Borussia führt mit 5:4 Siegen. Insgesamt sind die Bayern zum 15. Mal dabei, halten den Rekord mit acht Erfolgen, Dortmund gewann bei 12 Teilnahmen sechsmal den Pokal. Auffallend: Die Bayern siegten zuletzt fünfmal hintereinander in Pflichtspielen gegen Dortmund, die letzte Niederlage gab es 2019 ausgerechnet im Supercup mit 0:2 in Dortmund. Da brennt vor allem Erling Haaland auf eine Wiederholung, während sich Bayern-Trainer Julian Nagelsmann vor allem Gedanken macht, wie Haaland zu stoppen ist. Für Nagelsmann geht es dabei genauso wie für seinen Kollegen Marco Rose auf der Gegenseite darum, einen ersten Titel zu gewinnen. Für den neuen Bayern-Trainer wäre dies vor allem überhaupt der erste Erfolg mit den Münchnern, in fünf Spielen hat es bisher nicht geklappt. Wer hätte so etwas erwartet!

Alles guckt auf Dortmund und die Bayern, dabei war auch RB Leipzig als möglicher Bayern-Jäger genannt worden. Doch Red Bull hat diesmal keine Flügel verliehen, Leipzig landete in Mainz krachend auf dem Boden der Tatsachen und erlebte eine Blamage. Die Gastgeber waren von Corona geschwächt, mussten wegen positiver Tests und Quarantäne gleich auf elf Feldspieler aus dem Profikader verzichten. Der Not-Kader wuchs über sich hinaus, Niakhate erzielte in der 13. Minute das glückliche 1:0 und das wurde bis zum Ende aufopferungsvoll verteidigt. Das hatte sich Leipzigs neuer Trainer Jesse Marsch anders vorgestellt. Sein Blick geht ja nach oben.

Nach oben wollte auch der FC Augsburg blicken, also nicht ganz nach oben, aber ein bisschen höher, nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Jetzt schockiert die Schwaben der Blick auf die Tabelle: Letzter nach dem 0:4 gegen Hoffenheim. Eigentlich durfte dies aber erwartet werden, Markus Weinzierl, der Hoffnungsträger, hat bisher jedes erste Saisonspiel verloren, auch 2013 beim Start bei seinem ersten Auftreten in Augsburg, jetzt war es die siebte Start-Niederlage. Nun geht es nach Frankfurt, die Eintracht ging in Dortmund unter, aber der FCA hat keinen Haaland. Es ist ein unerwartetes Duell im Keller der Tabelle! Aber die Saison geht ja erst los.

Wie am Wochenende bekannt wurde, wird die DFL ab dem 1. Januar 2022 von einer Frau geführt. „Frauen an die Front (sprich Führung)“ ist doch überall die Losung, die DFL ist ein Vorreiter. Donata Hopfen wird den erfolgreichen Christian Seifert ablösen, der vor allem seit 2005 die TV-Einnahmen von 300 Millionen auf 1,5 Milliarden Euro steigern konnte und den Profi-Fußball erfolgreich durch die Corona-Pandemie geführt hat. Die 45-jährige Donata Hopfen bekommt einen Vertrag bis Ende 2024, ist Digitalisierungs- und Vermarktungsexpertin und derzeit noch Managing Director und Partnerin bei BCG Digital Ventures, einem Unternehmen der Boston Consulting Group. Sie arbeitete u. a. 15 Jahre lang für den Axel-Springer-Verlag in führender Position. Sie hat auch schon deutlich gemacht, dass sie keiner Konfrontation aus dem Weg geht. Christian Seifert hinterlässt allerdings große Fußstapfen.

Trauer um „Bomber“ Gerd Müller

Er lebte zuletzt in einem Pflegeheim, jetzt ist „der Mann mit den goldenen Beinen“ nach langer, schwerer Krankheit gestorben, die Fußball-Welt (nicht nur Deutschland) trauert um Gerd Müller. Er wurde 75 Jahre alt. Seine große Karriere begann er 1964 beim FC Bayern München, obwohl ihn sein damaliger Trainer Tschick Cajkovski als „zu klein und zu dick“ empfand. Kleines, dickes Müller wurde aber zum „Bomber der Nation“, schoss Tore am Fließband, reihte Erfolg an Erfolg. „Der FC Bayern wäre ohne Gerd Müller heute nicht der Klub, wie wir ihn alle lieben,“ sagte Bayern-Präsident Herbert Hainer. Müller wurde u. a. Weltmeister mit Deutschland 1974, Europameister 1972, dreimal Europapokalsieger der Landesmeister mit Bayern, 1967 Europapokalsieger der Pokalsieger, gewann vier Deutsche Meisterschaften und wurde viermal DFB-Pokalsieger. Bemerkenswert seine Tor-Bilanz: 68 Tore in 62 Länderspielen, 365 Tore in 427 Bundesligaspielen. Eine Zahl, die wohl wirklich ewig Rekord bleiben wird, seinen Saison-Torrekord mit 40 Treffern von 1971/72 hat Robert Lewandowski gerade mit 41 Toren ausgelöscht.

Gerd Müller durfte auf eine großartige Karriere zurückblicken, weniger erfreulich waren die Jahre von Februar 1979 bis 1983 in den USA, als sein Leben eine Delle bekam und er zum Trinker wurde. Unter anderem der FC Bayern mit Uli Hoeneß fing ihn danach auf und war für ihn wieder Heimat, er fand als Junioren-Trainer seine Erfüllung. In Erinnerung bleiben wird er aber als einer der größten und erfolgreichsten Fußballer der Welt und vor allem als bescheidener Mensch, der nie im Mittelpunkt stehen wollte. Als er einmal darauf angesprochen wurde, was er denn in der aktuellen Zeit verdienen könnte, da wehrt er ab, „Geld hat mir nie etwas bedeutet.“

Geld ist aber das Hauptthema beim Fußball heutiger Zeit, siehe den Wechsel von Lionel Messi nach Paris. Die Fans der französischen Hauptstadt sind aus dem Häuschen, reißen sich um die Trikots mit der Nummer 30, die Messi künftig bei Paris St. Germain tragen wird. Messi kam auch aus kleinen Verhältnissen und stieg zum Weltstar auf. Er ist heute Teil einer schrillen, hektischen und geldgierigen Welt, die Gerd Müller immer fremd geblieben wäre.