Start in eine neue Ära der Nationalmannschaft

Egal ob Bundesliga-Schlagzeilen oder Transfer-Geschichten, im Mittelpunkt wird in dieser Fußball-Woche eine besonderer Start stehen: Mit Hansi Flick als Bundestrainer beginnt eine neue Ära der Nationalmannschaft. 15 Jahre Joachim Löw sind vorbei, die ja mit der Krönung des WM-Titels 2014 durchaus erfolgreich waren, doch zuletzt wurde nur noch das Ende der Jogi-Ära herbei gesehnt. Hansi Flick soll nicht alles, aber vieles besser machen und er muss vor allem die letzten Patzer seines Vorgängers ausbügeln, nämlich u. a. die peinliche Niederlage gegen Nordmazedonien, die Deutschland in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar auf Platz drei in der Gruppe J zurück warf.

Logisch, dass Flick mit einem Sieg-Versprechen sein Amt beginnt. Drei Spiele stehen ab Donnerstag in sieben Tagen an, drei Siege sind Pflicht. Der Auftakt am Donnerstag gegen Nobody und Schlusslicht Liechtenstein ( 0 Punkte, 1:10 Tore) ist mehr ein Aufwärmprogramm, dann folgt allerdings Tabellenführer Armenien (drei Siege) am Sonntag (20.45 Uhr) in Stuttgart und nicht zu unterschätzende Aufgabe am 8. September auf Island. „Wir wollen alle Spiele gewinnen“, verspricht der neue Bundestrainer, eigentlich muss er auch alle drei Spiele gewinnen, wenn die WM-Qualifikation nicht in Gefahr geraten soll.

Im Mittelpunkt seines ersten Aufgebotes stehen die drei Neulinge David Raum (Hoffenheim), Nico Schlotterbeck (Freiburg) und Karim Adeyemi (Salzburg). Vor allem der 19-jährige Mittelstürmer aus der österreichischen Liga überraschte wohl alle, aber er tat eins, was den deutschen Stürmern derzeit abgeht: Er glänzte mit Toren. Hansi Flick löste sein Versprechen ein, „ich schaue auf die aktuelle Form“. Ansonsten bekannte Gesichter, nur Toni Kroos ist zurücktreten, ter Stegen (Barcelona) und Ginter (Gladbach) fehlen verletzt. Vor allem gegen Liechtenstein könnte Flick mit Experimenten aufwarten, so bietet sich Ballkünstler Jamal Musiala gegen eine wohl massierte Abwehr an. Insgesamt steht Flick vor allem unter der Beobachtung, ob er wirklich neuen Schwung in den Laden bringt und die Fans begeistern kann. Die sollen auch wieder zahlreicher zur DFB-Elf pilgern, deshalb hat der Verband für Stuttgart auch Freikarten verteilt!

Die FIFA zeigt sich auch großzügig – den Verbänden gegenüber. Ignoriert werden die Belange der Vereine, aber auch die Coronasituation. Auf allen Kontinenten läuft die WM-Qualifikation, die Abstellungspflicht hat die FIFA um zwei Tage verlängert, was den Verbänden außerhalb Europas hilft, in Europa aber auf Kritik stößt, weil viele Spieler nicht rechtzeitig zu den Punktspielen ihrer Vereine zurück sind. Aber dort werden sie bezahlt! Dies ist dem Weltverband mit ihrem selbstherrlichen Präsidenten Gianni Infantino genauso egal wie das Corona-Problem. Quarantäne-Pflichten werden ignoriert, müssen die Klubs halt auf ihre Spieler warten. Andererseits hatte Infantino auch die Chupze, die Politik aufzufordern, dass der Fußball eine Ausnahme braucht. Die hat er bekanntlich zu den Finalspielen der Europameisterschaft in London bekommen, mit dem Ergebnis, dass die Infektionszahlen in die Höhe schnellten!

Pal Dardai schon in Not

Die Bundesliga gibt nach erst drei Spieltagen noch ein diffuses Bild ab, oben und unten tut sich Seltsames. Ein Tabellenführer VfL Wolfsburg noch ohne Punktverlust konnte ebenso wenig erwartet werden wie ein Schlusslicht Hertha BSC Berlin als einziger Verein ohne Punktgewinn. Wolfsburg wirkte unter dem neuen Trainer Mark van Bommel in der Vorbereitung orientierungslos, jetzt wird solide und erfolgreich gearbeitet. Bei Hertha stimmt dagegen gar nichts, da fehlt zum Teil der Einsatz, vor allem aber das Selbstvertrauen und der Trainer wirkt ratlos. Kein Wunder, dass Pal Dardai schon in der Kritik steht. Da wird sich vor allem der neue Sportdirektor Freddi Bobic Gedanken machen.

Dagegen kam Titelverteidiger Bayern München in Schwung, vor allem Torjäger Robert Lewandowski zeigt sich gleich wieder in Torlaune und so purzeln weiter die Rekorde. Beim 12:0 bei den Amateuren des Bremer SV im Pokal wurden die Stars geschont, eine Torflut gab es dennoch. Die Stammspieler machten gegen Hertha gleich weiter, Lewandowski war dreifacher Torschütze beim 5:0. Damit verbesserte er seine persönliche Bestleistung auf 13 Spiele in Folge mit einem Treffer und er jagt weiter Gerd Müller mit dem Rekord von 16 Toren. Die Zahl hat der Polen auch geschafft – in 16 Pflichtspielen hintereinander traf er für die Münchner. Insgesamt sind es jetzt 301 Tore in genau 333 Pflichtspielen, Gerd Müllers Bilanz weist 566 Tore in 607 Spielen auf. Lewandowski traf zudem in 12 Bundesliga-Heimspielen in Folge und stellte damit ebenfalls den Rekord von Gerd Müller und Jupp Heynckes ein. Das „zu Null“ gegen die Berliner war für Manuel Neuer wichtig, der Bayern-Boss Oliver Kahn damit den Rekord wegschnappte, nämlich mit 205 Spielen ohne Gegentor, bisher lagen beide mit 204 gleichauf. Beide Rekordjäger werden bei der nächsten Bundesliga-Prüfung aber vor größere Probleme gestellt, da geht es nämlich nach Leipzig. Der Verfolger hat inzwischen fast schon eine Filiale in München, zu Trainer Julian Nagelsmann und Abwehr-As Upamecano gesellt sich ziemlich sicher noch Marcel Sabitzer. Der Österreicher könnte auf einige Position helfen und Nagelsmann kennt ja seine Qualitäten zur Genüge.

Für eine „Torflut“ der besonderen Art sorgte der FC Augsburg, in den ersten 14 Minuten gab es gleich zwei Eigentore! Iago und Niederlechner agierten unglücklich, damit ebneten sie Bayer Leverkusen den Weg zum 4:1-Sieg. Florian Niederlechner hatte aber auch noch einen Glücksmoment, sein Treffer zum 1:2 war das erste Saisontor der Augsburger. Die Niederlage kommt freilich nicht überraschend, denn gegen Leverkusen konnte der FCA in seinen zehn Jahren Bundesliga in 21 Spielen noch nicht gewinnen! Mit einem mageren Pünktchen stehen die Schwaben im Tabellenkeller und nach der Länderspielpause geht es zu Union Berlin, das in den letzten 18 Heimspielen ungeschlagen blieb!. Aber Augsburg rüstet auf: Von Brighton & Hove Albion aus der Premier League kommt der 22-jährige Schweizer Stürmer Andi Zeqiri, der als treffsicher gilt und kürzlich Nationalspieler wurde. Mit Schweizer Spielern hat der FCA schon gute Erfahrungen gemacht. Dann kann es ja nur aufwärts gehen.

Red Bull gegen die Scheichs

Union Berlin hat sich auf Europas Bühne gut geschlagen und qualifizierte sich mit einem 4:0 und 0:0 gegen die Finnen von Kuopion für die Gruppenphase der Europa Conference League. Dort sind jetzt Slavia Prag, Maccabi Haifa und Feyenoord Rotterdam durchaus attraktive Gegner. Die haben auch Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen in der Europa League. Die Hessen treffen auf Fenerbahce Istanbul (mit Özil), Olympiakos Piräus und den Royal Antwerp FC. Da sollte ein Weiterkommen ebenso möglich sein wie für Leverkusen gegen Ferencvaros Budapest, Celtic Glasgow und Betis Sevilla. Aber auch hier attraktive Namen.

Im Mittelpunkt steht natürlich die Champions League und die Frage, wer zuerst die Superstars von Paris St. Germain prüfen darf oder besser muss. RB Leipzig hätte sicher gern darauf verzichtet, aber jetzt muss Red Bull Flügel verleihen gegen die Scheichs aus Katar, die Paris finanzieren und Messi nach Paris holten. Es war wirklich ein besonderes Los, dass sich Manchester City in dieser Gruppe befindet, mit Pep Guardiola (einst der Trainer von Messi) und finanziert durch Scheichs aus Dubai. Eine Hammergruppe also mit dem armen vierten Verein von Club Brügge.

Da hat es der VfL Wolfsburg schon besser erwischt gegen Lille, FC Sevilla und RB Salzburg. Auch Borussia Dortmund darf gegen die Gegner Sporting Lissabon, Ajax Amsterdam und Besiktas Istanbul von einem Weiterkommen träumen. Da hat es Meister Bayern etwas schwerer, aber gegen den FC Barcelona, Benfica Lissabon und Dynamo Kiew sollte dennoch die nächste Runde möglich sein. Schwer wird es für die Bayern auch im DFB-Pokal, da geht es Ende Oktober ausgerechnet wieder zum Angstgegner Gladbach.

International für Aufregung sorgte noch ein spektakulärer Vereinswechsel, nämlich der von Cristiano Ronaldo zu Manchester United. Der Star hat schon von 2003 bis 2009 für United gespielt, aber vorher mit dem Lokalrivalen City geflirtet. Doch zu Pep Guardiola hätte er wirklich nicht gepasst. Ein Anruf von United-Trainerlegende Sir Alex Ferguson soll ihn zum Umdenken bewogen haben. Juventus Turin schaut jetzt dumm aus der Wäsche und verlor gleich das erste Spiel nach dem Wechsel von CR7 gegen Empoli mit 0:1.

Bei der Wahl zum „Fußballer des Jahres“ in Europa waren Messi und Ronaldo kein Thema, dafür Champions-League-Sieger Chelsea London. Es siegte Jorginho vor Kevin de Bruyne (City) und seinem Vereinskollegen N’golo Kanté. Deutschland ging nicht leer aus, Thomas Tuchel wurde zum „Trainer des Jahres“ gewählt. Die Wahl bei den Frauen war eine Angelegenheit des CL-Siegers FC Barcelona, Alexia Putellas wurde beste Spielerin, ihr Coach Lluis Cortes bester Trainer. Leider können alle Ehrungen Barcelona nicht von der Schuldenlast befreien. Die Männer wären aber gerne wieder einmal so erfolgreich wie die Frauen.