Elf Freunde gegen Messi und CR7

Es ist wieder das gewohnte Bild in der Fußball-Bundesliga, am 5. Spieltag steht der FC Bayern München an der Spitze der Tabelle. Dabei wollte die Konkurrenz doch den Weg zum zehnten Titel in Folge verbauen, dabei hoffte die Verfolger darauf, dass der Dauersieger Probleme mit dem Umbruch der Mannschaften haben könnte und das Geschehen mit einem neuen Trainer etwas holpriger werden könnte. Pech gehabt, das Gegenteil ist der Fall. Die Bayern spielen unter Julian Nagelsmann wie aus einem Guss, zeigen Torhunger und eine Gier, als würden sie um ihre erste Meisterschaft kämpfen und zeigen dabei eine neue Sicherheit in der Abwehr. Alaba und Boateng werden nicht vermisst, Upamecano, Süle und Hernandez räumen auf. Was ist da los?

Die Schwachstelle bei den Münchnern schien ein kleiner Kader mit Top-Leuten zu sein, Verletzungspech würde gleichzeitig zu Leistungseinbußen führen. Ausfälle gab es bereits genug, doch plötzlich werden unbekannte Nachwuchsleute zu Hoffnungsträgern. In erster Linie sei Jamal Musiala genannt, aber auch Josip Stanisic ließ Pavard vergessen und mit Marcel Sabitzer kam ein Helfer auf vielen Positionen. Flügelflitzer Coman musste sich einer Herzoperation unterziehen, fällt ein paar Wochen aus, macht nichts, andere trumpfen auf, vor allem Leroy Sane. Selbst Torjäger Robert Lewandowski kann vorzeiting zum Duschen gehen (vorher hat er noch mit dem 13. Heimtreffer in Serie einen neuen Rekord aufgestellt), dann trifft halt Maxim Choupo-Moting. Fortschritt statt Rückschritt.

Das wahre Erfolgsgeheimnis verriet aber Leon Goretzka bei seiner Vertragsverlängerung (bis 2026). Deshalb hatte er ebenso wie Partner Joshua Kimmich (2025) verlängert. „Diese Kombination aus Freundschaft und trotzdem der Fähigkeit, Titel zu gewinnen, die findet man, glaube ich, nirgendwo sonst in Euroopa“. Hatte man da richtig gehört? Die geldgierigen Ich-AGs im Profi-Fußball sind plötzlich beste Kumpel? Zieht wieder das alte Fußballer-Rezept „elf Freunde müsst ihr sein“? Gegen die Scheichs und Oligarchen, gegen Messi und CR7, also Cristiano Ronaldo, wollen die Bayern mit elf Freunden ankommen, na ja, eigentlich sind es ja mehr. Die Ergebnisse waren in der letzten Woche schon beachtlich: 4:1 in Leipzig, 3:0 in Barcelona, 7:0 gegen Bochum. Auch die Fachzeitung kicker zeigt sich beeindruckt: „Aus München rollt, sofern dramatische Unfälle ausbleiben, etwas Großes an“.

Die Konkurrenz staunt, muss ehrgeizig bleiben. Der VfL Wolfsburg verlor aber ausgerechnet gegen Ex-Trainer Glasner und seine neuen Frankfurter den ersten Punkt und wird nicht als Dauerrivale gerechnet. Nachdem Leipzig erst noch seine Form finden muss, bleibt nur die Borussia aus Dortmund. Dort wird daran gearbeitet, eine ähnliche Gier wie die Münchner zu entwickeln, die eigentlich bisher nur Erling Haaland vorlebt. Er bietet auch Lewandowski die Stirn (beide sieben Treffer) und ist mit elf Punkten (7 Tore, 4 Vorlagen) alleiniger Skorerkönig vor Lewandowski (7+0) und Wirtz (Leverkusen/3+4) mit je sieben Punkten. Die nächsten Aufgaben der Bayern heißen Fürth, Kiew und Frankfurt, die der Dortmunder Gladbach, Sporting Lissabon und Augsburg. Für beide gibt es wohl größere Hürden.

Fürth ist also der nächste Gegner der Bayern, Pech für den Neuling, weil jetzt nach Wolfsburg (0:2) der nächste Spitzenreiter kommt und die Fürther doch noch auf ihren ersten Heimsieg in der Bundesliga warten. Der Blick auf die Tabelle zeigt Seltsames, der einstige Abstiegskandidat Mainz ist Fünfter mit erst zwei Gegentreffern, dagegen Gladbach auf dem Relegationsplatz, gerade vor den beiden Aufsteigern. Da hatten Manager Max Eberl und der neue Trainer Adi Hütter andere Ambitionen. Die größten Sprünge machten am 5. Spieltag die Hertha (von 16 auf 9) und Augsburg (von 17 auf 11). Am Anfang der Saison sorgen Siege für optische Erholung. Beide zeigten Besonderes, bei der Hertha war Neuzugang Jurgen Ekkelenkamp der Held, der 87 Sekunden nach seiner Einwechslung die Wende gegen Fürth einleitete. Beim FCA wurde Florian Niederlechner gefeiert, der ebenfalls eingewechselt wurde in der 80. Minute den 1:0-Siegtreffer erzielte. Statistiker errechneten, dass dies der erste Schuss aufs Gladbacher Tor war! Das nennt man Effizienz. Die Augsburger haben die wenigsten Torchancen der Liga und die schlechteste Verwertung, aber mit zwei Treffern (beide Niederlechner) fünf Punkte geholt. Auch so könnte man die Klasse halten. Am Sonntag sind sie zudem ein besonderer Gast in Freiburg, dort feiern die Streich-Schützlinge nämlich den Abschied aus dem Dreisamstadion ehe der Verein ins neue Stadion zieht. Von einer neuen sportlichen Erfolgswelle träumen sie im bodenständigen Schwarzwald nicht, eher davon, dass es so weitergeht wie derzeit mit einem sicheren Platz in der Bundesliga.

Geld ist nicht alles in Paris

Auf Europas Bühne waren die Stimmungen bei den deutschen Klubs sehr unterschiedlich. Ein Zeichen setzten die Bayern mit ihrem 3:0-Erfolg in Barcelona, aber sie machten damit auch deutlich, dass die besten Zeiten von Barca ohne Messi und mit vielen Schulden wohl vorbei sind. Das Gegenteil erlebte Leipzig beim 3:6 bei Manchester City, aber selbst da lobte Pep Guardiola den Gegner noch. Dortmunds 2:1-Sieg bei Besiktas Istanbul war Pflichtaufgabe, Wolfsburg tat sich auf internationaler Bühne in Lille mit dem 0:0 unerwartet schwer.

Die Überraschungen lieferten andere, vor allem der Schweizer Meister Young Boys Bern mit dem 2:1-Erfolg über Manchester United. Das war eine Sensation und ein deutliches Zeichen, gegen einen reichen Klub, der aufgerüstet hat. Auch Paris St. Germain ist trotz Stars nicht im Tritt, das 1:1 bei Club Brügge war einerseits peinlich, zeigte andererseits den kleinen Klubs, dass sie gegen eine Ansammlung von Stars eine Chance haben. Hat Bayern (siehe oben) wirklich das bessere Konzept? Lionel Messi erlebt in Paris derzeit Freud und Leid, zumindest national bleibt der Verein auf der Erfolgswelle, Messi war aber sauer, weil ihn Trainer Pochettino am Wochenende vorzeitig vom Platz holte. In Brügge nutzte es nichts, dass Messi, Neymar und Mbappe erstmals gemeinsam aufliefen. Wenig Ertrag für viel Geld. Darüber freuen sich die Fußball-Fans außerhalb von Paris.

In den anderen Ligen konnte nur Leverkusen die Erwartungen erfüllen mit dem 2:1 über Ferencvaros Budapest, aber eine Glanzleistung war das nicht. Eintracht Frankfurt lieferte sich mit Fenerbahce Istanbul eine dramatische Partie, kam über ein 1:1 aber nicht hinaus. Bemerkenswert: Mehmet Özil hatte für Istanbul die Führung erzielt. Union Berlin musste in der Conference League Lehrgeld bezahlen und kassierte bei Slavia Prag eine 1:3-Niederlage. Insgesamt ist für die Bundesligisten also eine Steigerung drin. Weil es in diesem Jahr keine Hetzjagd wie zuletzt beim Höhepunkt der Corona-Pandemie gibt, dürfen sich in dieser Woche also auch die international tätigen Klubs ein bisschen ausruhen. Belastungssteuerung fällt da den Trainern leicht.