Gutes Benehmen gehört beim Fußball dazu

Der Sport stand am Wochenende in der Fußball-Bundesliga nicht im Mittelpunkt, diskutiert wurde vor allem die Gelb-Rote Karte für den Dortmunder Mahmoud Dahoud bei der 0:1-Niederlage in Mönchengladbach. Sein Platzverweis beeinflusste das Spiel entscheidend und so stellt sich die Frage, ist ein verärgertes Abwinken und damit die Nichtanerkennung des Schiedsrichter-Pfiffes bereits ein grobes Vergehen oder nicht? Schiedsrichter Deniz Aytekin, mit 43 Jahren einer der Erfahrensten seiner Zunft, hatte genug vom verächtlichen Abwinken. Er hatte vorher schon Raphael Guerreiro ermahnt und wenig später bei der gleichen Geste von Dahoud die Nase voll, er wollte sich auf derselben nicht herumtanzen lassen. Der Nationalspieler hatte schon Gelb gesehen und seine verärgerte Reaktion war deshalb einfach nur dumm. Er hatte seine Emotionen nicht im Griff.

Es ist ja ein altes Thema im Fußball, dass die Profis gegen Schiedsrichter-Entscheidungen, die ihnen nicht gefallen (und das sind inzwischen fast alle), protestieren. Diesem Unsinn muss man Einhalt gebieten, zumal die Profis auch als Vorbild für die Amateure gelten, vor allem für die Jugend. Respekt dem Schiedsrichter gegenüber sollte logisch sein, denn gutes Benehmen gehört beim Fußball dazu. Aber meist befinden sich die Profis in einem Tunnel, bezeichnend, wenn Spieler sofort andeuten, „ich habe doch den Ball gespielt“, wenn sie einen Gegenspieler umhauen. Ein Foul ist dies immer, wenn es keine saubere Grätsche ist, egal, ob der Ball gespielt wird oder nicht.

Deniz Aytekin wollte ein Zeichen setzen und findet Beifall bei seinen Kollegen. BVB-Boss Watzke konnte ihm nicht folgen. beklagte den Platzverweis als „überzogen“, weil er das Spiel entscheidend beeinflusst habe. Er sollte allerdings Dahoud als Schuldigen ausmachen. DFB-Lehrwart Lutz Wagner begrüßte im kicker die Entscheidung von Aytekin und befand, „es war ein klares Foul von Dahoud und da empfindet es ein Unparteiischer schon als besonders unangemessen, wenn ein Spieler trotzdem so vehement protestiert“. Vielleicht ist es auch nur so, dass die Profis die Regeln gar nicht richtig kennen. Gerade kürzlich hat sich Mitchell Weiser blamiert, als er gestand, dass er die Abstandsregelung bei der Mauerbildung nicht gekannt hatte. Reklamieren tun sie gerne, sich richtig für den Beruf interessieren, scheinbar nicht. Es gehört nicht nur das Geldkassieren dazu…

Bei dieser Debatte ging also fast unter, dass die Dortmunder als Herausforderer der Bayern einen Rückschlag erlitten hatten. Kein Wunder, da Torjäger Haaland und Reus verletzt fehlten. Trainer Adi Hütter und seine Gladbacher feierten dagegen einen Befreiungsschlag. Der gelang auch Trainer Jesse Marsch mit RB Leipzig, wobei das 6:0 vor allem für Gegner Hertha BSC besonders happig war. Nach dem 0:5 in München die zweite hohe Klatsche, aber Trainer Pal Dardai verlor seine gute Laune nicht. Fredi Bobic wird aber wohl bald seine Geduld verlieren. Sein Statement lässt vieles offen: „Es liegt an Dardai, wie lange er Trainer ist.“ Nur gegen Abstiegskandidaten punkten ist nicht der Anspruch. Am Tabellenende rangieren aber die vor der Saison prophezeiten Kandidaten, nämlich die Neulinge Fürth und Bochum sowie Bielefeld. Sieger des Wochenendes waren dagegen die Bayern, da neben Dortmund auch der bisher punktgleiche Verfolger Wolfsburg seine erste Niederlage (1:3 in Hoffenheim) einstecken musste. Jetzt haben die Bayern nach sechs Spieltagen einen Sieg Vorsprung, erster Verfolger ist nun überraschend Bayer Leverkusen. Das nächste Auswärtsspiel führt die Münchner am 17. Oktober in die Bay-Arena!

Tränen in Freiburg

Ein besonderes Spiel erlebte der SC Freiburg. Die Partie gegen den FC Augsburg war die letzte im ehrwürdigen Dreisamstadion. 1954 wurde die Arena eingeweiht, mit dem 361. Bundesligaspiel war jetzt Schluss. Der FCA war ein angenehmer Gast, verlor 0:3, aber das 1000. Tor wollte nicht mehr fallen. Vor allem bei Trainer Christian Streich flossen ein paar Tränen zum Abschied aus der geliebten und ausgefallenen Spielstätte, die der Freiburger mit dem Fahrrad erreichte. „Ich freue mich auf das neue Stadion, vermisse jetzt aber schon das alte“. Gespielt wurde nur mit einer Sondergenehmigung des DFB, weil der Platz um ein paar Meter zu kurz ist und von Süd nach Nord ein Gefälle von 98 cm aufwies. Durch das Fundament der Dachstreben konnte die Neigung nicht ausgeglichen werden. Jetzt werden nur noch die U23 und die Frauen hier spielen, die Profis ziehen ins neue Europa-Park-Stadion um, das 34700 Zuschauern Platz bietet, also 10700 mehr. Allerdings müssen die Schwarzwälder noch die nächste Länderspielpause abwarten, ehe sie am 16. Oktober das erste Heimspiel im neuen Stadion haben. Gast ist RB Leipzig, aber da ist das Omen nicht gut, im Vorjahr unterlag Freiburg zweimal 0:3. Streich orakelte bereits: „Viele Klubs taten sich in einem neuen Stadion zunächst schwer, da kann es auch für uns eine Durststrecke geben.“

Duell der Scheich-Klubs

Was die Bundesliga angeht, so gibt es vor der nächsten Länderspielpause nur noch einen Spieltag am kommenden Wochenende, aber zuerst wird wieder auf Europas Bühne gekämpft. Da stehen nicht die Bundesligisten im Mittelpunkt, sondern der Knaller ist das Duell der Scheich-Klubs. Am Dienstag trifft das von Katar genährte Paris St. Germain auf Manchester City, das auf die Scheichs von Abu Dhabi vertrauen kann. Beide Kader haben je einen Marktwert von rund einer Milliarde Euro, gelten als die teuersten Mannschaften der Welt. Die Scheichs geben ohne Begrenzung Geld aus, damit ihr Herzenswunsch Wirklichkeit wird: Gewinn der Champions League. Beide Vereine haben dies noch nie geschafft. In der Gruppe A schauen RB Leipzig und Club Brügge nicht ganz ehrfürchtig den Scheich-Reichen zu, Brügge knöpfte Paris bereits einen Punkt ab. Aber im Prinzip geht es in diesem Vergleich nur um Platz drei in der Gruppe.

Die deutschen Klubs haben generell keine so spektakulären Spiele. Interessant, dass der frühere französische Mittelfeldstar Robert Pires einen anderen Verein als Nummer 1 in Europa auf dem Zettel hat: „Die beste Mannschaft derzeit hat der FC Bayern München.“ Das haben die Bayerrn beim 3:0-Sieg in Barcelona ein bisschen unter Beweis gestellt, jetzt wartet mit Dynamo Kiew eine eigentlich dankbare Aufgabe, bei allen vier Gastspielen in München ließ die Ukrainer die Punkte in Bayern. Die Nagelsmänner sind auch weiter auf Rekordjagd, sind jetzt in 23 Gruppenspielen hintereinander ungeschlagen, nur Barcelona (25) und Real Madrid (30), hatten eine längere Siegesserie. Vor allem Torjäger Robert Lewandowski wird mit einer Portion Wut auf Torejagd gehen, in Fürth traf er nämlich nicht und damit blieb der Rekord von Gerd Müller mit 16 Spielen hintereinander mit Tor bestehen.

Borussia Dortmund hofft gegen Sporting Lissabon wieder auf den Einsatz von Erling Haaland und Marco Reus, der VfL Wolfsburg hat mit Spaniens Tabellenzweiten FC Sevilla wohl den dicksten Brocken vor der Brust. In der Europa League tritt Bayer Leverkusen bei Celtic Glasgow an, Eintracht Frankfurt bei Royal Antwerpen. Bei der Eintracht sollte nach sechs Remis in Folge in Pflichtspielen mal ein Sieg her, zumal es am Sonntag zu Bayern München geht. Union Berlin will nach dem verpatzten Start in Prag (1:3) die Conference League genießen und gegen Maccabi Haifa den ersten Gruppensieg feiern. Bei allen Spielen sei den Akteuren gesagt: Vergesst das gute Benehmen nicht!