In der Fußball-Bundesliga geht bereits die Angst um

Die Fußball-Bundesliga hat erst neun Spieltage hinter sich, da herrscht bereits große Unruhe bei vielen Vereinen, vor allem bei den Klubs am Tabellenende geht die Angst um. Der Abstiegskampf hat begonnen. Kurioserweise traf die erste Trainer-Entlassung der Saison allerdings keinen Abstiegskandidaten, sondern die erfolgreichste Mannschaft zu Saisonbeginn. Und dennoch war es nicht überraschend, dass Mark van Bommel beim VfL Wolfsburg gehen musste. Acht Pflichtspiele ohne Sieg beweisen einen Abwärtstrend, Manager Jörg Schmadtke hadert insgesamt: „Es gibt mehr trennende als verbindende Faktoren.“

Mark van Bommel, schon als Spieler eine starke Persönlichkeit, wurde frühzeitig das Talent für den Trainerjob bescheinigt, in Wolfsburg war er als Nachfolger von Oliver Glasner ausgesprochener Wunschkandidat. Seine Arbeit stand allerdings unter keinem guten Stern, die Vorbereitung verlief nicht erfolgreich, im DFB-Pokal wechselte er in Münster gleich sechs Spieler ein und Wolfsburg schied am grünen Tisch aus. Da war der gute Ruf des Holländers angekratzt. Wie ein Wunder wirkte dann der Saisonstart mit vier Siegen und Platz eins in der Bundesliga. Die teils glücklichen Erfolge verdeckten jedoch nur Spannungen im Team und im Umfeld, weil van Bommel nicht auf dem erfolgreichen Weg von Glasner weitermachen wollte, sondern eigene Vorstellungen hatte. Es ging abwärts und zuletzt klagten selbst die Spieler „wir sind keine Mannschaft mehr“. Eine Entwicklung, die aber nicht nur dem Trainer angelastet werden darf. Wie immer, wird die Trainersuche jetzt mit Spannung verfolgt, interessante Kandidaten sind mit Lucien Favre, Florian Kohfeldt, Domenico Tedesco, Ole Werner und vielleicht sogar Edin Terzic (in Dortmund nicht mehr Trainer) auf dem Markt. Assistent Michael Frontzeck übernimmt zunächst als Interimslösung.

Eine Entlassung nach neun Spieltage ist keineswegs besonders früh für die Bundesliga, es gab schon Entlassungen vor dem Saisonstart oder nach zwei erfolglosen Spieltagen. Kein Wunder also, dass schon viel Unruhe herrscht und bei einigen Vereinen die Angst umgeht. Relativ ruhig bleibt es überraschend noch bei den Teams auf den Abstiegsplätzen, die noch auf ihren ersten Sieg warten. Bei Schlusslicht Greuther Fürth hatte man fast nichts anderes erwartet, beim Neuling steht Stefan Leitl nicht in Frage. Andere Ambitionen hat zweifellos Arminia Bielefeld, doch Frank Kramer hat nach der Rettung in der letzten Saison noch Kredit, deshalb herrscht Ruhe. Die Arminia hofft jetzt gegen Mainz auf den ersten Saisonsieg, Fürth dagegen fährt nur mit geringer Hoffnung zu den bisher als einzige Mannschaft noch ungeschlagenen Freiburgern.

Unruhe dagegen beim FC Augsburg, wo von einem Betriebsfrieden keine Rede sein kann. Das 1:4 in Mainz war fast peinlich, Vereinsboss Klaus Hofmann schimpfte bei der Jahreshauptversammlung, „der FCA hat sich zuletzt das Fußballspielen systematisch abgewöhnt.“ Eine Kritik vor allem an den Vorgängern von Markus Weinzierl, nämlich Heiko Herrlich und Martin Schmidt. Noch bleibt Weinzierl eine Art Hoffnungsträger, weil er den FCA schon einmal vom Tabellenende in obere Regionen und sogar nach Europa geführt hatte. Dagegen wird die Kritik an Manager Stefan Reuter immer lauter, da könnte es eine andere Art der Entlassung geben. In der Tat, ist bei Misserfolgen der Manager sicher nicht unschuldig, auch in Wolfsburg nicht. Reuter hatte vor allem bei der Zusammenstellung der Mannschaft kein glückliches Händchen. Bezeichnend, dass der abgegebene Marc Richter am Samstag Siegtorschütze für Hertha war und dort für Trainer Pal Dardai und im Verein für Ruhe sorgte. Beim FCA wird ein Nachfolger für Reuter schon gehandelt, der in seiner Heimatstadt hoch angesehene Ex-Spieler und -Trainer Armin Veh. Die nächsten Aufgaben können wieder einmal eine Art Weichenstellung bewirken, sind aber nicht leicht: Sonntag gegen Stuttgart und in Wolfsburg (jetzt mit Aufwind?).

Unruhe herrschte auch beim Rekordmeister, doch hatte das natürlich keine sportlichen Gründe. Corona sorgte für Unruhe. Trainer Julian Nagelsmann wurde positiv getestet und musste in häusliche Quarantäne, von wo aus er die Mannschaft erfolgreich coachte. Dino Toppmöller machte die Arbeit an der Seitenlinie. Corona war auch das Thema für Joshua Kimmich, der als einer von fünf ungeimpften Spielern bei den Bayern „enttarnt“ wurde. Da geriet in den Hintergrund, dass die Münchner auch ohne Trainer erfolgreich ballern – 4:0 in Lissabon, 4:0 gegen Hoffenheim. 33 Tore nach 9 Spieltagen sind neuer Bundesligarekord! Unruhe auch in Dortmund, dort aber eher durch Verletzungssorgen, vor allem weil Torjäger Erling Haaland länger ausfällt. Das könnte die Bayern-Jäger stoppen. In Bielefeld gelang dennoch ein 3:1-Sieg, weil Hummels und Bellingham Torjägerqualitäten zeigten.

Pokalschlager in Gladbach

Die Bayern präsentierten sich international wieder als Vorzeigeklub der Bundesliga. In der Champions League waren nur sie erfolgreich, für Dortmund gab es mit dem 0:4 in Amsterdam sogar eine Blamage, Wolfsburg war mit dem 1:3 in Salzburg nicht weit davon entfernt (ein Argument mehr für die van-Bommel-Entlassung), Leipzig konnte das 2:3 in Paris zumindest als Achtungserfolg bezeichnen. Die Bundesliga hat sich also nicht mit Ruhm bekleckert. Das ging in der Europa League und Conference League ähnlich weiter, nur Eintracht Frankfurt konnte mit dem 3:1 über Piräus ein Erfolgserlebnis verbuchen, was für Trainer Oliver Glasner wohl wichtig war, sonst wäre das folgende 0:2 in Bochum vielleicht von einem Paukenschlag begleitet worden. Union Berlin musste bei Feyenoord Rotterdam Lehrgeld bezahlen, Bayer Leverkusen darf dagegen das 1:1 bei Betis Sevilla als kleinen Erfolg ansehen.

Der Stress mit den englischen Wochen geht für die Spitzenklubs weiter, als Zwischenspiel ist jetzt am Dienstag und Mittwoch der DFB-Pokal angesagt, 15 Bundesligisten sind noch beteiligt, mit Preußen Münster (profitierte vom Wolfsburger Wechselfehler, gegen Hertha) und SV Babelsberg (gegen Leipzig) sind auch zwei Regionalligisten dabei. Das Spitzenspiel findet zweifellos in Mönchengladbach statt, wenn wieder einmal die Bayern gastieren. Da gibt es die Erinnerung an das Eröffnungsspiel der Bundesliga, als die Borussia den Bayern ein 1:1 abtrotzte. Jetzt haben sich die Kräfteverhältnisse aber verändert, doch im Pokal ist bekanntlich alles möglich. Die Statistik spricht einerseits eindeutig für die Bayern, die in sechs Vergleichen im Pokal bisher immer weiterkamen, allerdings fünfmal erst nach Verlängerung und zweimal gab es auch ein Elfmeterschießen, einmal ein Wiederholungsspiel. Andererseits sind die Bayern abseits vom Pokal bei den letzten fünf Auftritten in Gladbach ohne Sieg geblieben. Außerdem gibt es mit den Partien Mainz – Bielefeld (Samstag Bielefeld – Mainz in der Bundesliga!), Bochum – Augsburg und Stuttgart – Köln drei weitere Bundesliga-Paarungen. Besonders interessant vielleicht noch die Duelle von vier Traditionsklubs, nämlich Nürnberg gegen den HSV und 1860 München gegen Schalke 04. Das waren früher ebenfalls Bundesligaspiele. Da werden einige Fans wehmütig werden. Schön, dass es den DFB-Pokal noch gibt.