Sieben auf einen Hansi Flick

Fast genau in einem Jahr beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Am Montag, den 21. November, startet um 13.00 Uhr Ortszeit (11.00 Uhr MEZ) in Doha das Eröffnungsspiel mit der Mannschaft des Gastgebers. Wer der Gegner sein wird, entscheidet sich ausgerechnet am 1. April, doch einen Aprilscherz wird es bei der Gruppenauslosung in Doha nicht geben. Neun von 32 Nationen haben Stand jetzt das Ticket für Doha bereits gelöst, neben dem Gastgeber sind dies Deutschland, Dänemark, Frankreich, Belgien, Kroatien, Serbien, Spanien und Brasilien. Einige davon haben das Zeug, am Sonntag, 18. Dezember, auch im Finale zu stehen. Gehört Deutschland dazu?

Die Stimmung im Land ist gegenüber der Fußball-Nationalmannschaft wieder positiv. „Sieben auf einen Streich“ sorgen für Optimismus. Es war nicht das tapfere Schneiderlein, das im Märchen sieben Fliegen auf einen Schlag erledigte, sondern es muss hier heißen „Sieben auf einen Hansi Flick“, der mit sieben Siegen in Folge für einen neuen Startrekord als Bundestrainer sorgte. Doch die Gegner waren nicht von dem Kaliber der qualifizierten Nationen, sondern sie hießen Liechtenstein (2:0 und 9:0), Armenien (6:0 und 4:1), Island (4:0), Rumänien (2:1) und Nordmazedonien (4:0). Deutschland hatte in der WM-Qualifikation die vielleicht leichteste Gruppe erwischt. Deshalb dämpft sogar der Bundestrainer selbst die Euphorie: „Wie stark die Mannschaft wirklich ist, wird sich erst gegen die starken Nationen zeigen.“ Fragezeichen bleiben, die Hoffnung lebt.

Das Verdienst von Hansi Flick ist, dass er der Mannschaft von Anfang eine eigene Handschrift verliehen hat. Er sorgte für neue Motivation nach dem Motto „Verlieren verboten“. Pressing, den Gegner unter Druck setzen, schnelles Spiel nach vorn, kein Zögern. So konnte das DFB-Team wieder begeistern, zumal Flick auch in der Besetzung für neuen Schwung sorgte. Die richtigen Tests vor der Weltmeisterschaft werden zwei Länderspiele im März sein (Länderspielpause vom 24. bis 29. März für die WM-Play-Offs), wo England, Südafrika oder Griechenland als Gegner in Frage kommen, oder eben die Nations League, die vor der WM 2022 ausgetragen und am 16. Dezember ausgelost wird.

Die Mannschaft hat sich unter Hansi Flick gegenüber seinem Vorgänger Jogi Löw verändert. Fest dabei und ein wichtiger Baustein ist wieder Thomas Müller. Neben Stammspielern wie Neuer, Süle, Rüdiger, Kimmich, Goretzka, Gnabry und Sané haben sich vor allem vielseitige Spieler wie Thilo Kehrer und Jonas Hofmann in den Vordergrund gespielt. Ihre Plätze sicher haben ter Stegen, Gündogan, Reus, Havertz, Werner, Ginter sowie die Talente Wirtz und Musiala, die wohl WM-Luft schnuppern dürfen, aber auch bewiesen haben, dass sie notfalls Schwung in den Laden bringen. Die Tür ist aber für keinen zu, Hansi Flick hat ja versprochen, dass er nach aktueller Leistung aufstellt, was dann wohl auch für den WM-Kader gilt. Ob das DFB-Team wirklich wieder zu Deutschlands Lieblingsmannschaft werden kann, wird sich erst bei der WM zeigen. Flick ist zumindest zuversichtlich und lobt: „Wie die Mannschaft mit Spaß und Freude miteinander umgeht und dies auch auf den Platz bringt, das ist schon klasse.“

Angst vor Corona in der Bundesliga

Für den Rest des Jahres stehen die Vereine wieder im Mittelpunkt, am kommenden Wochenende geht es wieder um die Bundesliga. Titelverteidiger Bayern München eröffnet den Neustart am Freitag in Augsburg und er hat die typischen Sorgen. Die Bundesliga hat Angst vor Corona. Eine sorgenfreie Durchführung der Punktrunde ist in Frage gestellt. Immer wieder fallen Spieler wegen Covid-19-Erkrankungen aus und Mitspieler müssen zudem in Quarantäne, der Kader wird ausgedünnt. Spielabsagen können noch folgen. Zudem ist offensichtlich, dass die Angst vor Corona auch die Fans beschäftigt, die Klubs müssen um die Zuschauer kämpfen. Bayern hofft für Freitag auf die Spieler, die in Quarantäne mussten, nämlich Süle, Kimmich, Gnabry, Musiala und Choupo-Moting. Das Ergebnis der neuesten Tests steht noch aus. Fehlen sie, wäre es eine wesentliche Schwächung.

Vor der Länderspielpause gab es allerdings einen Spieltag ganz nach dem Geschmack der Münchner, die ihren Vorsprung vor Dortmund auf vier Punkte ausbauen konnten. Dieses Polster soll nicht so schnell schmelzen. Dortmund leidet weiter unter Ausfällen und trifft auf den stärksten Leidensgenossen diesbezüglich, nämlich auf den VfB Stuttgart, der dadurch in den Abstiegssog gezogen wurde. Gefährlich wird es dann, wenn Schlusslicht Fürth (in Gladbach, wartet noch auf den ersten Sieg), Bielefeld (gegen Wolfsburg) und Augsburg punkten (dort ist noch Manager Stefan Reuter in Quarantäne). Für die Teams, die auch in Europa beschäftigt sind, steht keine ruhige, sondern eine stressreiche Vorweihnachtszeit an, zumal es am 14./15. Dezember noch einen Wochenspieltag gibt.

Spannung bei den Frauen

Die Öffentlichkeit schaut bei Bayern München immer fasziniert auf die Siegesserie der Fußball-Profis, aber auch andere Bayern-Mannschaften sorgen für Erfolge und Titel. Jetzt hat der Verein allerdings ein Wochenende anderer Art hinter sich: Die Frauen haben mit einer Niederlagenserie zu kämpfen und verloren die Tabellenführung in der Bundesliga, die Bayern II wurde ebenfalls von Platz eins der Regionalliga Bayern gestürzt und die Basketballer flogen überraschend gegen Nobody Chemnitz aus dem Pokal (das haben sie mit den Fußballern gemeinsam).

Aber vor allem für die Frauen kommen die letzten Niederlagen in Lyon in der Champions League und in der Punktrunde gegen Verfolger Wolfsburg sehr ungelegen. Die Frauen-Bundesliga allerdings wird zum Vorbild, nachdem Hoffenheim gegen Leverkusen triumphierte (7:1), liegen jetzt die ersten fünf Mannschaften (Wolfsburg, Hoffenheim, Bayern, Frankfurt, Potsdam) nur einen Zähler auseinander. Die Bayern rutschten sogar auf Rang drei ab. Sie wurden beim 0:1 gegen Wolfsburg vor allem von der Nationaltorhüterin Almuth Schult gestoppt, die nach Verletzungs- und Babypause (Zwillinge) offensichtlich wieder ihre alte Form gefunden hat und sensationell hielt (und das vor den Augen der Bundestrainerin). Die Bayern hatten die besseren Chancen und unterlagen ähnlich unglücklich wie in Lyon (1:2 kurz vor Schluss). Am Mittwoch steht bereits wieder das Rückspiel gegen Lyon an, die Niederlagenserie könnte also weitergehen. Die Mannschaft hat strapazenreiche Wochen hinter sich, könnte sein, dass jetzt ein pschologischer Knacks dazu kommt. Sorgen, die man eigentlich bei Bayern München nicht kennt. Vielleicht ist dann der noch sieglose Bundesliga-Vorletzte Jena am Sonntag der richtige Aufbaugegner…