Corona bringt die Bayern aus dem Tritt – Wenn der Unter den Ober sticht

Davon träumen die Klubs der Bundesliga vor den Duellen mit dem Rekordmeister, dass sie selbst einen Sahnetag haben, die Bayern aber einen ihrer seltenen schlechten Tage. Der FC Augsburg durfte am Freitag jubeln und sich über seine beste Leistung in dieser Saison freuen. Die Bayern dagegen waren beim 1:2 sichtbar nicht in Form, aber nicht der FCA war der Hauptschuldige, sondern die Pandemie: Corona bringt die Bayern sichtbar aus dem Tritt.

„Die Niederlage können wir verschmerzen“, heißt es trotzig in München, obwohl Verfolger Borussia Dortmund mit dem mühsamen 2:1 gegen Stuttgart bis auf einen Punkt herangerückt ist (am 4. Dezember gibt es das direkte Duell). Was den Bayern Sorgen macht, ist das innerbetriebliche Klima. Aus Sonnenschein wurden Nebeltage, die Debatte um ungeimpfte Spieler in der Corona-Pandemie, um Erkrankungen und Quarantäne hat den Verein erschüttert und das bleibt auch auf dem Feld nicht außen vor. Im Mittelpunkt steht Joshua Kimmich, der jetzt schon zwei Wochen nicht gespielt und trainiert hat und als Mittelfeldmotor fehlte, zumal Vertreter Sabitzer einen ausgesprochen schlechten Tag erwischt hatte. Der FCA freute sich. Die Statistik beweist, ohne Kimmich holen die Bayern weniger Punkte.

Brisanter ist aber die Weigerung von gleich fünf Spielern, sich nicht impfen zu lassen. So mussten neben den zwar geimpften, aber dennoch infizierten Süle und Stanisic, neben Kimmich auch Gnabry, Musiala, Choupo-Moting und Cuisance erneut in Quarantäne. Die Bayern-Bosse haben aber gehandelt: Wer sich als ungeimpfter Spieler in Quarantäne begeben muss, dem wird das Gehalt entsprechend gekürzt. Bei Kimmich sollen bis jetzt rund 700.000 Euro eingespart worden sein. Rechtlich soll diese Maßnahme abgesichert sein, auch andere Arbeitgeber haben diese Sanktion bereits ergriffen. Die Bayern haben nun auch das Problem, dass sie nur mit einer Rumpftruppe am Dienstag in der Champions League in Kiew antreten können. Allerdings sind die Münchner bereits für das Achtelfinale qualifiziert.

Aber nicht nur der Meister leidet unter Corona-Problemen, eigentlich ganz Deutschland und damit auch der Sport allgemein. Wieder gibt es Einschränkungen, Absagen, Proteste und Geisterspiele, was von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gehandhabt wird. Einen darüber hinaus außergewöhnlichen, wohl sogar kriminellen Fall gab es in Bremen, wo Werder-Trainer Markus Anfang beschuldigt wird, seinen Impfpass gefälscht zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat belastende Beweise und erhob Anklage, der Trainer sowie sein ebenfalls beschuldigter Assistent traten zurück. Werder hat im Kampf um den Wiederaufstieg ein Problem mehr.

Zurück zum Sport. In der Bundesliga gab es am vergangenen Wochenende eine seltsame Konstellation: Die neun Teams der oberen Tabellenhälfte duellierten sich mit den neun der unteren Region. Diesen Zufall gab es in der BL-Geschichte bisher zehnmal, zuletzt am 2. Spieltag 2013/14. Damals hatte das Oberhaus deutlicher triumphiert als diesmal, mit fünf Siegen, drei Niederlagen und einem Remis. Diesmal gab es nur vier Siege (Dortmund, Leverkusen, Gladbach, Union im Derby), zwei Unentschieden und Bayern, Leipzig sowie Freiburg mussten erleben, wie der Unter den Ober sticht. Das tut immer besonders weh. Das Unterhaus wehrte sich kräftig, Dortmund und Leverkusen mussten zittern, für Bielefeld und Köln waren die Remis eher unglücklich. Besonders weh taten die Niederlagen neben den Bayern auch Freiburg, das mit dem 0:2 gegen Frankfurt erstmals im neuen Stadion verlor und nach zehn ungeschlagenen Spielen jetzt zweimal in Folge unterlag. Umgekehrt die Eintracht, mit drei Siegen in Folge verabschiedete sie sich vom Abstiegskampf. Da sind die Augsburger noch mittendrin, allerdings haben sie mit dem Sensationssieg über die Bayern die Abstiegsränge verlassen. Doch nun warten weitere Anstrengungen, erstens der Kampf gegen den Bayern-Fluch (wer gegen die Bayern gewinnt, verliert die nächsten Spiele), was tragisch wäre, weil zweitens jetzt wichtige Spiele gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf anstehen, Hertha, Bochum und Köln sind die nächsten Gegner.

Vier sind schon weiter

In dieser Woche ruft Europa, zwei Runden stehen in diesem Jahr noch an. In der Champions League sind vier Teams bereits weiter, nämlich Liverpool (Gruppe B), Ajax Amsterdam (C), München (H) und Juventus Turin (J). Die Bayern können also trotz Ausfälle gelassen nach Kiew fliegen, doch es geht auch um Platz eins. Da duellieren sich am Mittwoch in der Gruppe A vor allem die beiden Scheich-Klubs Manchester City (9 Punkte) und Paris St. Germain (8). Im Hinspiel siegte Paris mit 2:0, der Verlierer wird ein gefürchteter Zweiter für einen Gruppensieger. RB Leipzig ist in dieser Gruppe bereits ausgeschieden. Für Dortmund steht dagegen ein echtes Endspiel an, nämlich beim punktgleichen Sporting Lissabon (beide 5) in der Gruppe C. Der VfL Wolfsburg steht in der Gruppe G sogar vor zwei Endspielen, erst beim FC Sevilla (zwei Punkte voraus) und am 8. Dezember gegen das derzeit punktgleiche Lille. Es ist die einzige Gruppe, in der alle vier Mannschaften noch Chancen haben. RB Salzburg ist der Vierte im Bunde und in Lille haben die Bullen die letzte Chance aufs Weiterkommen.

Apropos Champions League, da landeten die Bayern-Frauen am Mittwoch einen fast schon historischen Erfolg gegen Olympique Lyon, das bisher für die deutschen Teams schier unschlagbar war. Ausgerechnet die Japanerin Kumagei erzielte den Siegtreffer zum 1:0, sie war zuletzt die Stütze in Lyon. So öffneten die Bayern die Tür zum Viertelfinale, während der VfL Wolfsburg nach dem 0:2 gegen Juventus Turin als Dritter hinter Chelsea und Turin zittern muss und Hoffenheim nach dem 0:5 gegen Barcelona kaum noch Chancen hat. Auch in der Bundesliga verlor Hoffenheim mit dem 3:3 in Potsdam an Boden. Wolfsburg (5:1 gegen Essen) und die Bayern (3:0) gegen Jena ließen nichts anbrennen und führen die Bundesliga an. Jetzt gibt es aber erst einmal wieder eine Länderspielpause, zwei WM-Qualifikationsspiele gegen die Türkei (Freitag) und in Portugal (Dienstag) stehen an. Deutschlands Frauen wollen dabei ungeschlagen bleiben.

Auf dem Weg nach Katar

Apropos WM-Qualifikation, da gibt es in dieser Woche einen wichtigen Termin bei den Männern für die WM 2022 in Katar. Am Freitag, 26. November, werden die Play-Offs ausgelost. Die sechs besten Gruppenzweiten (Portugal, Schottland, Italien, Russland, Schweden, Wales) sind gesetzt und treffen im Halbfinale auf einen ungesetzten Zweiten (Türkei, Polen, Nordmazedonien, Ukraine) oder Österreich oder Tschechien, die sich über die Nations League qualifiziert haben. Die sechs Sieger spielen danach in Finals die drei Tickets für Katar aus. Gespielt wird im März, für die WM qualifiziert sind bisher Gastgeber Katar, Deutschland, Belgien, Dänemark, England, Frankreich, Kroatien, Niederlande, Schweiz, Serbien, Spanien, Brasilien und Argentinien. In einem Jahr wird um diese Zeit in Katar bereits gespielt…