Die Fußball-Bundesliga als fröhliches Weihnachtsrätsel

Überall in den Medien gibt es derzeit Weihnachtsrätsel zu lösen, Unterhaltung für die Leserinnen und Leser und wichtige Leser-Blatt-Bindung. Da will auch die Fußball-Bundesliga nicht abseits stehen, auch in Corona-Zeiten kämpft sie um die Bindung zu den Fans und zeigt sich zur richtigen Zeit als fröhliches Weihnachtsrätsel. Mit einem Doppel-Spieltag geht zudem die Vorrunde in dieser Woche zu Ende und da stellt sich dann zudem die Frage, wer fröhliche Weihnachten feiern kann.

Zuerst zu den Rätseln. Ein Rätsel ist seit Jahren Borussia Dortmund, startet jede Saison als größter Konkurrent, schafft es aber nie, die Konstanz auf das Feld zu bringen wie Dauermeister Bayern München. Es ist ein Rätsel, dass sich tolle Leistungen mit fehlerhaften Spielen in entscheidenden Momenten immer wieder abwechseln. Der Verfolger ist wieder gestoppt, der Niederlage gegen den Titelverteidiger folgte ein Remis im Derby gegen Neuling Bochum, macht aktuell sechs statt nur einen Punkt Rückstand. Das Rätsel kann nicht aufgelöst werden.

Rätselhaft ist derzeit, was bei der anderen Borussia passiert, der in Mönchengladbach. In Erinnerung ist das 5:0 gegen die Bayern im DFB-Pokal, zuletzt aber gab es drei fast peinliche Niederlagen in der Bundesliga: 1:4 in Köln, 0:6 gegen Freiburg, 1:4 in Leipzig. „Schuld sind wir alle,“ will Manager Max Eberl Trainer Adi Hütter nicht in Frage stellen. Die Mannschaft gerät allerdings aus den Fugen, es wird eher über Abwanderungsgelüste geredet als über den nächsten Gegner. „Wir sind keine Mannschaft,“ heißt es aus dem Team: Rätsel gelöst? Die nächsten Gegner sind Frankfurt und Hoffenheim. Das wird nicht einfach für eine Wende.

Rätsel gibt auch der VfL Wolfsburg auf. Unter Wert hat er sich schon mit Trainer Mark van Bommel verkauft, im Aufwind ging es mit Nachfolger Florian Kohfeldt los und jetzt wieder die Krise, ein Rückfall in alte Zeiten, fünf Pflichtspielniederlagen in Serie. Kein Wolfsburger Trainer verlor so oft in Folge! Ein Rätsel auch der FC Augsburg, einmal hui, dann wieder pfui. Mit dem 2:0 in Köln wieder Hoffnung auf Besserung. Es war der erste Auswärtssieg, für Köln die erste Heimniederlage – auch rätselhaft. Und wie kam das 5:2 von Eintracht Frankfurt gegen Bayer Leverkusen zustande? Da ein Verein, der seine Bestform sucht, dort ein Anwärter auf einen Spitzenplatz. Patrick Schick machte Leverkusen zunächst glücklich, traf zur 2:0-Führung – und dann spielte nur noch die Eintracht wie im Rausch. So ist Fußball könnte des Rätsels Lösung sein. Schick aber sorgt für Furore, alle reden von Lewandowski und Haaland, Schick macht die Tore, ist erster Verfolger des Polen. Sein Elfmeter zum 2:0 war ein Jubiläumsschuss: Zum 5000. Mal trat ein Spieler in der BL zum Strafstoß an und er war genau der 1000. Schütze!

Kein Rätsel mehr ist die Frage nach dem Weihnachts- oder Halbzeitmeister. Die Bayern haben vor den beiden letzten Spielen sechs Punkte und 18 Tore Vorsprung auf Dortmund. Die Frage stellt sich aber, wer fröhliche Weihnachten feiern kann, dafür müssen bekanntlich Siege her. Auch bei den Bayern natürlich, denn der Vorsprung soll in Stuttgart und gegen Wolfsburg gehalten werden. Und das, obwohl das Herzstück mit Kimmich und Goretzka fehlt! Tolisso und Talent Musiala lassen sie vergessen, aber beide sind angeschlagen, könnten ausfallen. Am Ende hieß beim 2:1 gegen Mainz das Herzstück sogar Roca/Nianzou! Kimmich machte noch anderweitig Schlagzeilen, er will sich impfen lassen, muss aber erst noch Probleme der Lunge auskurieren. Zum Rückrundenstart am 7. Januar will er wie Kollege Goretzka wieder an Bord sein.

Der Doppelspieltag in dieser Woche hat es in sich, vor allem im Mittelfeld rückt alles enger zusammen. Vor allem am Mittwoch gibt es im Verfolgerfeld die interessanten Duelle Leverkusen – Hoffenheim und Union Berlin Freiburg. Im Abstiegskampf kämpft Bielefeld gegen Bochum um den Anschluss. Schlusslicht Fürth feierte schon zwei Wochen vor Weihnachten einen historischen Erfolg, es gab beim 1:0 gegen Union den überhaupt ersten Heimsieg in der Bundesliga. Ist es das berühmte Licht am Ende des Tunnels? Und welches Gesicht zeigt Dortmund gegen Fürth und bei der Hertha? Viele Rätsel werden wir in die Rückrunde ab 7. Januar mitnehmen.

Bayern CL-Alleinunterhalter

Spannender als die Spiele sind manchmal die Auslosungen. Am Montag war es wieder so weit, die nächsten Runden in der Champions- und Europa League wurden ausgelost. Allerdings gestaltete sich das Prozedere als spannender als gewollt, weil die erste Auslosung der CL wegen eines Fehlers in der Software annulliert werden musste. Atletico Madrid wurde Bayern München zugelost,war aber ungültig. Also hier nichts Neues.

Allein, die deutschen Klubs wurden auf der internationalen Bühne nicht glücklich. Bayern München ist wieder einmal der Alleinunterhalter der Bundesliga in der Champions League. Wie schwach die Bundesliga insgesamt war, zeigt die UEFA-Wertung. Deutschland hält zwar den wichtigen Gesamtrang vier mit großem Vorsprung vor Frankreich, doch in der Jahreswertung sind nicht nur England, Spanien und Italien besser, sondern auch Frankreich, Russland und sogar Österreich!

Borussia Dortmund hat die CL leichtfertig verspielt, Wolfsburg zeigte im entscheidenden Spiel Nerven und schied mit dem 1:3 gegen FC Sevilla ganz aus. Sevilla rettete sich in die Europa League, dort, wo der Verein erfolgreich ist (vier Siege in zehn Jahren) und sein Zuhause sieht. Für Dortmund und den RB Leipzig geht es darum, in der Europa League die schlechte Bilanz der Bundesliga aufzuhübschen. Aber es gibt prominente Konkurrenz wie den FC Barcelona, der erstmals nach 21 Jahren in der Gruppenphase der CL ausschied. Das Duell mit dem SSC Neapel hat CL-Feeling. Dortmund bekommt es in der Play-Off-Runde mit den Glasgow Rangers zu tun, RB Leipzig mit San Sebastian, Gegner, die man schlagen kann. Los geht es am 17. Februar.

Formel-1-Theater ohne Ende

Spektakulär wie die ganze Saison ging die Weltmeisterschaft der Formel 1 in Abu Dhabi zu Ende. Erst auf der letzten Runde wurde der Zweikampf der punktgleich Führenden zugunsten von Max Verstappen gegen Lewis Hamilton entschieden. Red Bull und der Niederländer jubelten, der Engländer verpasste die Chance auf den achten Titel und damit, alleiniger Rekordweltmeister zu sein. Allerdings zeigte sich auch im letzten Rennen, dass sich die Formel 1 immer mehr vom Sport entfernt und nur noch Unterhaltung bieten will und dazu Regel gebrochen oder Schmierentheater aufgeführt werden. Das war schon in Spa so, als skandalös des Rennen unter unmöglichen Bedingungen teilweise durchgepaukt wurde, um Verträge einzuhalten. Das zeigte sich bei der Großzügigkeit gegenüber Max Verstappen bei Regelverstößen, damit die Spannung erhalten bleibt und der Zweikampf mit Hamilton bis ins Finale getragen werden kann.

Und jetzt? Jetzt ist es eigentlich ein Formel-1-Theater ohne Ende. Geht es nach dem Regelbuch, so sollte Max Verstappen den Gewinn der Weltmeisterschaft nicht so ausgiebig feiern, der Protest von Mercedes hat eigentlich Hand und Fuß, doch was zählt das schon in der Formel 1. Hamilton dominierte das Rennen, doch Crashs von Hintermännern spielten Verstappen in die Karten. Schließlich wurde das Safety Car bemüht und dann die Platzierung hinter Hamilton seltsam verändert. Plötzlich lag Verstappen mit frischen Reifen hinter dem Engländer, mit allen Tricks wurde das Rennen für eine Runde noch einmal freigegeben und Verstappen düpierte Hamilton und Mercedes. Auch ein verbotenes Überholmanöver von Verstappen gab es. Mal sehen was der Protest bringt, der erste Einspruch wurde abgelehnt, Mercedes geht in die Berufung. Die nennt Red Bull als „unwürdig“, doch gerade Red Bull und Verstappen führten sich wie kleine Kinder auf, wenn ihre Regelverstöße geahndet wurden. Sie haben das Selbstverständnis, dass sie alles machen dürfen, der Gegner nichts außer brav zu sein. In dem ganzen Theater ging auch unter, dass Mercedes zum achten Mal hintereinander die Teamwertung gewonnen hat.

Max Verstappen mag sportlich ein würdiger Weltmeister sein, er hat Klasse gezeigt, aber leider auch Rambo-Methoden, die eines Weltmeisters nicht würdig sind. Hamilton zeigte Größe und gratulierte fair, in ihm muss es gebrodelt haben. Wie auch das Urteil am grünen Tisch ausfällt, 2022 werden die Karten neu gemischt, schließlich gibt es neue technische Vorgaben und damit neue Autos. Allerdings könnte die Formel 1 viele Fans verlieren, weil sie nicht mehr an einen fairen Sport glauben.