2022: Noch ein Corona-Jahr? Jahr der Politik? Jahr des Geldes? Jahr des Sports?

Mit frischem Mut ins neue Jahr? Das wird nicht allen und nicht überall gelungen sein, die Corona-Pandemie wirft weiter einen Schatten auf unser Leben. Auch der Sport leidet weiter darunter und so schauen Sport-Fans, Verbände, Vereine und Sportlerinnen und Sportler mit einiger Skepsis auf 2022. Natürlich stehen wieder zahlreiche tolle Veranstaltungen bevor, mit den Olympischen Winterspielen und der Fußball-Weltmeisterschaft als Höhepunkten, doch selbst die werden nicht nur von der Pandemie überschattet, sondern auch von der Politik. Und auch das Geld spielt vor allem im Profisport eine immer größere Rolle. Gefährdet die Macht des Geldes den Sport? Was dürfen wir also von 2022 erwarten: Noch ein Corona-Jahr? Ein Jahr der Politik? Ein Jahr des Geldes? Oder dürfen wir uns auf ein Jahr freuen, in dem der Sport im Mittelpunkt steht?

Das Corona-Jahr

Der Sport leidet, vor allem Covid-19 und die Mutante Omikron sorgen dafür, dass fast kein geregelter Spielbetrieb mehr möglich ist und Veranstaltungen nicht das übliche Flair entwickeln können. National bangen die Profiligen um den Spielbetrieb und die Vereine um ihre Existenz. Selbst in der Bundesliga wird es immer brenzliger, Bayern München, Gladbach und der VfB Stuttgart haben je vier Spieler in Quarantäne. Urlaubsreisen in der Winterpause waren wohl der Auslöser. Mussten sie sein? Jeder hat sie sich verdient, aber die Folgen müssen die Vereine tragen. Als erstes Großereignis stehen die Australien Open im Tennis an, viele Stars sind nicht dabei, aus Angst vor einer Infektion, aber auch vor der Corona-Blase und einem Leben wie im Gefängnis. Die Form könnte verloren gehen. Ähnliches gilt für die Winterspiele in Peking. Corona wird auch 2022 zu einer Belastung für den Sport.

Höhepunkte 2022

Und dennoch sollten wir uns auf ein Sportjahr freuen, vielleicht kehrt die Normalität Stück für Stück zurück. Es ist unmöglich auf alle großen Veranstaltungen hinzuweisen, der Sport-Grantler freut sich zunächst aber auf die Handball-Europameisterschaft vom 13. – 30. Januar in Ungarn und der Slowakei. Im Februar stehen natürlich die Olympischen Winterspiele in Peking im Mittelpunkt, hoffentlich mit packendem Sport und nicht mit politischen Streitereien. Die Sportler können die Probleme der Politik nicht lösen, das gilt auch für Katar. Vom 4. bis 20. Februar geht es also um Gold, Silber und Bronze, für manche Teilnehmer aber auch um das Durchhalten in der Corona-Blase. Die Paralympics schließen sich vom 4. – 13. März an. In dieser Zeit werden in Frankfurt/Main auch wichtige Weichen gestellt. Der DFB-Bundestag wählt am 11. März einen neuen Präsidenten und soll ein Zukunftskonzept verabschieden. Das Kasperltheater im Verband soll vorbei sein.

Wenn es im Mai schon warm wird, dann sorgt ein Wintersport noch für Abkühlung, die Eishockey-Weltmeisterschaft in Finnland. Bei Olympia fehlen die NHL-Profis, einige könnten zum Saison-Ausklang ihre Teams verstärken. Aber sportlich eigentlich unverständlich, im Olympia-Jahr auch eine WM durchzuführen. Das Geld spielte bei den Überlegungen die Hauptrolle und der Gedanken der Funktionäre, auf schöne Reisen nicht verzichten zu wollen. Das sieht beim Frauen-Fußball anders aus, da wird die Europameisterschaft vom 6. bis 31. Juli aus 2021 nachgeholt. In England genießt der Frauen-Fußball wohl den höchsten Stellenwert in Europa, das sollte sich in großer Begeisterung niederschlagen. Kann auch das DFB-Team begeistern?

Im August schließt sich ein besonderes Sport-Ereignis in München an, die European Games. München bekam auch wegen des Jubiläums 50 Jahre nach den Olympischen Sommerspielen 1972 den Zuschlag. Im Olympiapark wird wieder gefeiert und gekämpft. Titelkämpfe tragen vom 11. – 21. August unter anderem die Leichtathleten, Ruderer und Schwimmer aus und lassen bestimmt Erinnerungen an die großartigen Spiele 72 wach werden. Die Basketball-EM in vier Ländern schließt sich vom 1. – 18. September an und den Jahresabschluss macht das Großereignis Fußball-Weltmeisterschaft in Katar vom 21. November bis 18. Dezember. Eine WM vor Weihnachten gab es noch nie, entsprechend umstritten ist das Turnier, auch wegen der politischen Lage in Katar. Da kommt alles zusammen, eine WM der Politik, des Geldes und des Sports (siehe auch den nachfolgenden Blog „Der kaputte Sport“). Spielt auch Corona noch eine Rolle?

Abseits davon gibt es natürlich massenhaft Großveranstaltungen, die Turniere im Tennis und Golf, die Radsport-Highlights mit der Tour de France als Krönung und die WM der Formel 1, die am 20. März in Bahrain starten soll und am 20. November in Abu Dhabi ihr Finale erlebt, diesmal hoffentlich ohne Skandal!

Es könnte aber auch noch ganz besondere Weichenstellungen geben, zum Beispiel beim absurden Plan von FIFA-Präsident Gianni Infantino, die WM alle zwei Jahre durchzuführen. Es ist der Kampf der Funktionäre um eine volle Kasse (für den Fußball und sich selbst!).

DFL unter neuer Führung

16 Jahre lang hat Christian Seifert als Geschäftsführer die Deutsche Fußball-Liga erfolgreich geführt, jetzt wollte er sich anderen Aufgaben zuwenden. Seine Nachfolgerin betritt Neuland und sieht sich schweren Aufgaben gegenüber. Die Medienmanagerin (u. a. bei Axel Springer) Donata Hopfen (44) wird gleich ins kalte Wasser geworfen. Wird sie gegen die Geld-Haie der Bundesliga bestehen, kann sie die DFL in ruhigem Fahrwasser halten, die Probleme 50+1 lösen oder einen neuen Grundlagenvertrag durchbringen? Auf Ratschläge eines erfahrenen Karl-Heinz Rummenigge muss sie verzichten, der neue Aufsichtsratchef Hans-Joachim Watzke wird sie vielleicht ein bisschen „an die Hand nehmen“. Gerade im Hinblick auf Auslandsvermarktung und Sponsoren sollte die Bundesliga weiter funktionieren und ihren guten internationalen Ruf behalten. Seifert hatte vor allem das Corona-Problem hervorragend gelöst.

Ab dem 1. Januar gibt es noch etwas Neues in der Bundesliga, die Schiedsrichter GmbH hat unter 48-prozentiger Beteiligung der DFL ihre Arbeit aufgenommen. Geschäftsführer Sport ist Schiedsrichter Chef Lutz Michael Fröhlich, das Führungsteam bleibt unverändert, es sollen aber vermehrt professionelle Strukturen Einzug halten. Fröhlich spricht davon, mehr ligenbezogen zu arbeiten.

Corona erster Bayern-Gegner

Neun Punkte Vorsprung, es scheint die Konkurrenz hat aufgegeben. Vor dem Gewinn der zehnten Meisterschaft in Folge könnte für Bayern München ein ganz anderer Gegner die Ziele gefährden: Das Virus Corona. Vier Spieler (Neuer, Tolisso, Coman, Richards) und Co-Trainer Dino Toppmöller haben sich infiziert und sind in Quarantäne. Vor allem Manuel Neuer wird den Münchnern gegen Gladbach am Freitag und dann in Köln wohl fehlen. So wird zum Rückrundenstart der Bundesliga am Freitag Sven Ulreich ohne Spielpraxis nach langer Verletzung das Tor hüten. Aber die Bayern stehen mit ihren Corona-Problemen nicht allein da, 13 Klubs sind von 27 Fällen betroffen, hat der kicker ausgerechnet. Das kann Einfluss auf das Geschehen nehmen, könnte aber auch verstärkt noch Transferaktivitäten auslösen.

Da hat der FC Augsburg schon auf sich aufmerksam gemacht, mit der Verpflichtung des 18jährigen US-Talents Ricardo Pepi. Der Stürmer stand auch bei großen Vereinen auf der Liste, auch Bayern soll Interesse gehabt haben. Er verspricht sich in Augsburg wohl vor allem Spielpraxis, der Abstiegskandidat hofft dagegen auf entscheidende Tore, nachdem die Torjäger Finnbogason und Niederlechner oft wegen Verletzungen ausfielen. Ein Torjäger darf sich freuen: Robert Lewandowski hat wieder einmal eine Wahl gewonnen, seine Kollegen in der Bundesliga wählten den Polen bei einer Umfrage vom kicker zum besten Fußballer der Welt. Das Ergebnis wünscht sich Lewandowski jetzt auch bei der FIFA-Wahl!

Die Bundesliga hat aber noch ein Problem. Nein, nicht nur die Bundesliga, sondern der gesamte Profi-Fußball in Europa klagt. Nämlich darüber, dass ihre afrikanischen Nationalspieler im Januar nicht zur Verfügung stehen. Vom 9,. Januar bis zum 6. Februar läuft der Afrika Cup in Kamerun. Der FC Liverpool muss zum Beispiel auf seine Torjäger Salah und Mané verzichten, Union Berlin gefällt es nicht, dass Stürmer Awoniyi fehlt. Bei einige Bundesligisten gibt es Lücken, doch für Klagen besteht eigentlich kein Anlass, denn die Vereine haben schließlich gewusst, dass fast jährlich der Afrika Cup ausgetragen wird. Zuletzt sorgte Corona ebenfalls für eine Absage, Algerien war 2019 in Ägypten (mit sieben Titeln Rekordsieger) der Cup-Gewinner. Jetzt treten erneut 24 Nationen in vier Gruppen in Kamerun an, 2023 geht es schon wieder in der Elfenbeinküste weiter, 2025 folgt Guinea. Allerdings bangen die Vereine Europas auch, ob in Kamerun die Corona-Regeln entsprechend eingehalten werden.

Und so fragt man sich zu Beginn des Jahres, ob Corona, die politischen Einmischungen, der Streit ums Geld oder der Sport am Ende von 2022 in Erinnerung bleiben.