Corona sorgt für Bundesliga-Pause – Serien im Blickpunkt

Viele Fußball-Fans werden sich in diesen Tagen mit Blick auf das kommende Wochenende ohne Spiele gefragt haben oder fragen, was ist los mit der Bundesliga, dass sie nach drei Spieltagen im Jahr 2022 schon wieder eine Pause einlegt? Die Winterpause (wenn auch kurz) gab es doch gerade erst zum Jahreswechsel. Schuld ist wieder einmal das Virus, im Zweifel ist halt Corona an allem schuld. Verordnet wurde die zweite Winterpause von der FIFA, weil in vielen Kontinentalverbänden die Länderspielpause Ende August/Anfang September wegen zu vieler Corona-Probleme nicht genutzt werden konnte. Die Südamerikaner zum Beispiel konnte Europa nicht verlassen, ohne dann in Quarantäne zu gehen. Der Ersatztermin ist nun der 24. Januar bis 8. Februar für alle Konförderationen außer Europa, das damals gespielt hatte. So läuft noch der Afrika-Cup, geht in Amerika und Asien die WM-Qualifikation weiter. Da viele in Europa beschäftigte Spieler von den anderen Verbänden angefordert werden, herrscht bei der UEFA Pause. Hier gibt es die nächste Länderspielpause der FIFA wieder Ende März.

In der Bundesliga stellt sich für Vereine und Trainer nun die Aufgabe, wie sie die Pause nutzen. Manche werden sich trösten und für den Re-Start am ersten Februar-Wochenende sagen „jetzt geht es erst richtig los“. In England sind die Trainer zum Beispiel froh um die Pause, weil die Premier League ja keine Winterpause kennt. Da freuen sich viele Spieler auf einen Kurzurlaub. Ein paar Tage frei gibt es sicherlich auch bei den meisten Klubs in der 1. und 2. Bundesliga, andererseits sind viele Trainer glücklich, mal wieder ausgiebig trainieren zu können. Dies gilt sogar für Julian Nagelsmann in München, der freut sich auf eine Trainingswoche, weil ein geregelter Trainingsbetrieb bei den von Corona gebeutelten Bayern zuletzt kaum möglich war. Außer dem Ausrutscher gegen Gladbach war von fehlendem Training bei den Bayern zuletzt aber nichts zu spüren, das Torfestival ging auch beim 4:1 bei der Hertha weiter. Die Bayern jagen wieder einen Torrekord, haben in 20 Spielen 65 Treffer erzielt und haben den Bundesliga- und Vereinsrekord von 101 Toren in einer Saison im Visier. Der stammt aus der Saison 1971/72, damals lagen die Bayern um Gerd Müller nach 20 Spielen erst bei 50 Toren! Behalten die Bayern ihren Torhunger und lässt es die Konkurrenz zu, dann liegt die Hochrechnung bei 110!

Bei anderen Vereinen heißt es eher Wunden lecken oder wie gesagt auf einen Neuanfang hoffen. Die Pause kommt zum Beispiel Borussia Dortmund gerade recht, weil sich Torjäger Erling Haaland verletzt hat. Ohne Haaland wird das Siegen schwerer. Andere träumen davon überhaupt einmal wieder zu siegen, so in erster Linie der VfL Wolfsburg, der elf Pflichtspiele lang nicht mehr gewonnen hat. Trainer Florian Kohfeldt bleibt trotzdem optimistisch (muss er wohl sein), erstens, dass er nicht entlassen wird, zweitens, dass am Sonntag, 6. Februar (17.30 Uhr), gegen Schlusslicht Fürth der sehnlichst erwartete Sieg gelingt. Das „dreckige Dutzend“ will er nicht voll machen. Soll er sich mal nicht zu sicher sein, wie die Fürther beim 2:1 gegen Mainz bewiesen. Allerdings konnten sie auswärts tatsächlich noch nicht gewinnen. Zur Erinnerung: Am 4. Spieltag war Wolfsburg noch Erster!

Es gibt aber noch andere bedenkliche Serien, so sind der FC Augsburg und der VfB Stuttgart seit fünf Spielen ohne Sieg, die Stuttgarter sogar ohne jegliches Tor! Kein Wunder, dass sie im Tabellenkeller eingesperrt bleiben. Augsburgs 1:5-Niederlage in Leverkusen kam aber nicht überraschend, denn gegen Bayer hat der FCA in 22 Spielen noch nie gewonnen! Den Türöffner gefunden hat Arminia Bielefeld mit dem 2:0-Sieg in Frankfurt. Der Sprung auf Rang 14 war der Lohn. Frankfurt dagegen ist wie Hertha BSC auch im Jahr 22 noch ohne Sieg. Bei diesen Klubs sehen die Träume ganz anders aus. Aber die Trainer stehen nicht zur Debatte, anders bei Mönchengladbach. Die können ja nicht immer gegen die Bayern spielen, gegen die sie bekanntlich in dieser Saison ungeschlagen sind. Absurd. Gegen Union Berlin klappte es nicht, Max Kruse zerlegte fast allein seinen alten Verein. Adi Hütter aber hat ein Problem und Manager Max Eberl auch. Beide werden sich fragen, wie geht es weiter? Die Antwort kennt nicht einmal der Wind… Union hat mit Trainer Urs Fischer einen Glücksfall erlebt und bleibt mit Freiburg eine Überraschung der Saison, liegt auf einem Champions-League-Platz. Respekt! Da kommt die Pause eher ungelegen.

Ein Hinweis auf zwei Serien, die für Spieler zu Ende gingen. Glücklich war Hoffenheims Torjäger Andrej Kramaric, zuletzt außer Diensten. Er wartete 769 lange Minuten auf seinen Jubiläumstreffer, jetzt klappte es mit dem 100. Bundesliga-Tor gegen Dortmund. Kleiner Trost für den Kroaten, kein Trost für Hoffenheim, das bei der 2:3-Niederlage 13:4 Schüsse zu verzeichnen hatte. So effektiv war Dortmund wohl noch nie, es reichten sogar zwei Schüsse direkt auf den Kasten für drei Tore, weil Hoffenheim mit einem Eigentor half. Der andere Spieler, der aufgeatmet hat, war Augsburgs Arne Maier, der in seinem 91. Bundesligaspiel das erste Mal getroffen hat. Unter allen aktiven Spielern hat er am längsten warten müssen. Aber auch bei ihm war es nur ein persönliches Glück. Jetzt hofft er, dass er mit dem FCA am Ende der Saison auch glücklich ist, sprich Klassenerhalt geschafft wird.

Mit Serien kann übrigens auch die 2. Bundesliga dienen. Beeindruckend ist vor allem die von Werder Bremen. Der Absteiger hat mit Trainer Ole Werner offensichtlich einen Glücksgriff getan, der neue Coach siegte mit Werder fünfmal in Folge und schaffte so den Sprung auf den Relegationsplatz. Eine schlechte Serie legt dagegen der bisherige Spitzenreiter St. Pauli hin, der viermal in Folge nicht gewann und damit natürlich auch den Platz an der Sonne an Darmstadt verlor. Zweiter sind die Hamburger aber immer noch, doch wie lange? Eine zweite Serie endete für St. Pauli außerdem, nämlich die im Derby gegen den HSV. In den letzten Spielen behielten die Kiez-Kicker immer das bessere Ende für sich, jetzt traten sie erstmals als Favorit auf und scheiterten. Doch nicht reif für den Aufstieg? Der HSV könnte es mal anders machen als in den letzten Jahren, als er die Rückrunde versaute. Da gab auch der Pokalerfolg in Köln Auftrieb. Und mit Sonny Kittel feierte ebenfalls ein Spieler einen persönlichen Erfolg, mit schon 14 Assists am 20. Spieltag stellte er einen neuen Zweitliga-Rekord auf.

Lesen Sie bitte auch die nächste Kolumne zum Weltfußballer des Jahres und den DFB-Pokal: Trotz Lewandowski – die Bundesliga verliert an Reputation.

Corona hatte auch die Hand im Spiel bei der Handball-Nationalmannschaft, die bei der Europameisterschaft in der Slowakei und Ungarn nicht den Sprung ins Halbfinale schaffte, sondern vorzeitig nach Niederlagen gegen Spanien, Norwegen und Schweden scheiterte. 13 Corona-Ausfälle waren einfach nicht zu verkraften, es stand quasi keine Mannschaft mehr auf dem Parkett, das Team war nicht eingespielt. Die EM 22 war als keine Werbung für die EM 24 in Deutschland. Aber der Verband muss gründlich aufarbeiten, wie es zu diesem Corona-Ausbruch kommen konnte.