Das Feuer der Begeisterung ist erloschen

Die Meldung passt wie die Faust aufs Auge: Das Olympische Feuer, das über Wochen hinweg durch das Austragungsland getragen wird und die Begeisterung schürt, ist vor den Winterspielen in Peking auf einen Auftritt von drei Tagen reduziert. Die Fackel mit dem Feuer wird einsam durch die Straßen der Millionenstadt getragen, Zuschauer sind angesichts der Corona-Pandemie nicht erlaubt. Das Feuer der Begeisterung ist erloschen. Es stehen Olympische Winterspiele bevor, die eher Trauerspielen ähneln werden. Begeisterung werden allein die Medaillengewinner zeigen. Und auch sie werden manchmal allein sein.

Wie das Virus Covid-19 und vor allem Omikron eine Sport-Großveranstaltung im Griff haben können, zeigt sich derzeit bei der Handball-Europameisterschaft. Über den Sport wurde nur am Rande geredet, Corona stand im Mittelpunkt. Am meisten leiden musste die deutsche Mannschaft, vom ursprünglich nominierten Kader von 19 Spielen blieben am Ende nur vier gesund, alle anderen mussten positiv getestet in Quarantäne. Laufend wurden Spieler nachgeholt – und landeten oft in Quarantäne. Insgesamt über 100 Spieler fielen bei dem Turnier schon wegen Corona aus, die Infektion brach manchmal auch erst nach der Rückkehr in der Heimat aus. Von den Teams der Hauptrunde waren allein 51 Spieler infiziert, von einer echten sportlichen Entscheidung kann keine Rede mehr sein. Die Niederlande, die wie Deutschland stark begonnen hatte, belegt in der Corona-Rangliste Platz zwei mit elf Infizierten, Kroatien konnte seine acht Fälle nicht verkraften, Island musste mit sieben Ausfällen klein beigeben.

Die deutsche Mannschaft hat sich angesichts dieser Umstände noch respektabel aus der Affäre gezogen und einen krönenden Abschluss des Turniers geliefert. Nach gutem Spiel und Schwächen in der zweiten Halbzeit (wohl der Müdigkeit geschuldet bei den 13 Aufrechten) gelang das entscheidende Tor beim 30:29 gegen Russland zehn Sekunden vor Schluss durch einen einstudierten und in der Auszeit abgesprochenen Kempa-Trick – ein Highlight! Eigentlich sollte die Europameisterschaft 2022 beste Werbung für die EM 2024 und WM 2027 in Deutschland werden, doch das gelang unter diesen Voraussetzungen natürlich nicht ganz. Dennoch bleiben positive Erkenntnisse zurück, denn die Ausfälle nutzten zahlreiche junge Spieler, die vorher nicht im Blickpunkt standen, als große Bühne. Allen voran der 21-jährige Julian Köster vom Zweitligisten Gummersbach, der Weltklasse bewies. Für Handball-Fans also doch noch ein bisschen Vorfreude auf die Turniere in Deutschland. Bei den deutschen Vereinen aber Zweifel, ob die Bundesliga ihre Punktrunde sportlich einwandfrei über die Bühne bringt.

Und da sind wir wieder bei den Olympischen Winterspielen in Peking. 149 Athletinnen und Athleten hat Deutschland nominiert, davon nur 51 Frauen – eine Minuszahl. Mit Vorfreude wird kaum einer oder eine aus dem Team nach Peking fliegen. Am Wochenende steigen die meisten in den Flieger und sehen ungewisse Tage vor sich. Die Spiele finden in einer Blase statt, ausländische Zuschauer sind nicht erlaubt, nur wenige, ausgewählte chinesische Zuschauer werden dafür sorgen, dass die Tribünen nicht ganz leer bleiben. Ansonsten heißt es keinen Kontakt, wo ansonsten bei den Olympischen Spielen vor allem die Begegnung mit Athleten aus anderen Sportarten, die man sonst nie sieht, im Vordergrund steht. Jetzt haben die Athleten Angst, so wie Rodler Felix Loch: „Du steigst negativ getestet in den Flieger, kommst an und wirst positiv getestet – und Olympia ist für dich vorbei.“ Kann leicht sein, bei uns liegt der CT-Wert bei 30, die Chinesen hatten ihn bei 40 angesetzt, aber jetzt auf Verlangen des IOC auf 35 reduziert. Umso höher der Wert, umso größer die Sicherheit, Deutschland sieht aber bei 30 die notwendige Sicherheit gegeben.

Unsicherheit über die politische Lage in China und wie damit umzugehen ist, prägt zudem den Aufenthalt der Olympioniken. Von der Politik werden Menschenrechtsverletzungen von China angeprangert, die Chinesen fordern, dass Politik aus dem Spiel gelassen wird. Sie betonen zwar, dass sie nichts gegen Meinungsfreiheit haben, aber der Überwachungsstaat ist überall spürbar. Den deutschen Sportlern wurde vom Verband bereits signalisiert, sich besser nicht politisch zu äußern. Dazu kommt, dass die Sportler untereinander eben auch kaum Kontakt haben werden. DSV-Trainer Wolfgang Maier hat schon Alarm geschlagen: „Wenn man komplett isoliert wird, wenn man keine Kontakte haben soll, wenn man sich nicht einmal gemeinsam freuen darf, weil du nicht lauthals jubeln darfst – wo ist da der olympische Geist? Es soll doch ein Fest des Sports werden.“

Ein Fest der Sports werden die Winterspiele 2022 nur durch die Wettkämpfe, die Begleitumstände sind eher ein Trauerspiel. Das Feuer der Begeisterung ist schon vor der Eröffnungsfeier am 4. Februar erloschen.