Hansi Flick ist mit Deutschland auf dem richtigen Weg

Die Fußball-Bundesliga rüstet zum Saison-Endspurt, doch davor wirft die Weltmeisterschaft in Katar ihren Schatten voraus. Dies nicht nur mit der Auslosung der Gruppen am Freitag, sondern auch im Kampf um die letzten WM-Tickets oder bei allen Testspielen, in denen der Kampf um die Plätze in den Mannschaften im Mittelpunkt steht. Für die deutschen Fans besonders im Blickpunkt natürlich das Duell mit dem alten Rivalen Niederlanden. Endlich ein echtes Kräftemessen nach acht Siegen gegen höchstens mittelmäßige Gegner. Hat das 1:1 jetzt besondere Erkenntnisse gebracht? Ja und Nein, denn man muss auch die acht Spiele vorher einbeziehen und einen Blick auf den Stil werfen, den Flick der Nationalmannschaft verpasst hat. Diesbezüglich bleibt auf jeden Fall ein Urteil: Hansi Flick ist mit Deutschland auf dem richtigen Weg. Manche sehen das DFB-Team als einen der WM-Favoriten, doch dazu sagt der Bundestrainer lieber nichts. Hollands Nationaltrainer Louis van Gaal nahm wie immer kein Blatt vor den Mund und tat kund: „Deutschland ist ein Top-Kandidat, kann die WM gewinnen.“

Beeindruckend war, dass Deutschland lange Zeit die Niederlande dominierte, die ja zuletzt mit guten Ergebnissen Stärke demonstrierte. Die Flick-Schützlinge spielten auf wie gegen die Fußball-Zwerge, zeigten, das lag nicht nur an der Schwäche der Gegner, da ist Qualität vorhanden. Dies überraschte umso mehr, da das DFB-Team keineswegs in Bestbesetzung antreten konnte, aber gerade das brachte dem Bundestrainer wohl wertvolle Erkenntnisse. So haben sich vor allem die Talente Jamal Musiala (19), der beste Spieler gegen die Niederlande, und Nico Schlotterbeck (23), wenn auch mit Leichtsinnsfehlern, in den Vordergrund gespielt. Sie sollten einen Platz im WM-Kader ergattern. Dagegen machten Florian Brandt und Julian Draxler eher den Eindruck, dass Flick auf sie verzichten könnte.

Im Vorfeld der WM führen ja die 80 Millionen Bundestrainer in Deutschland gern die Diskussion, wer denn für die WM in Frage komme. Am Ende werden wohl auch Corona und Verletzungen eine Rolle spielen. Aber eines hat Flick deutlich gemacht, seine Kandidaten sollten Spielpraxis haben. Das spricht zum Beispiel im Tor für Trapp statt Leno als dritten Keeper, das spricht gegen Draxler und Brandt. Andererseits gibt es Ausnahmen, so ist Thilo Kehrer, bei Paris oft auf der Bank, ein Liebling Flicks mit dem Vorteil der Vielseitigkeit, auch Stürmer Timo Werner werden Pausen verziehen, er dankt es im Nationalteam mit Toren, die ihm bei Chelsea nicht so gelingen.

Ein WM-Kader zeichnet sich deutlich ab, es bleiben nur wenige Fragezeichen. Hier der Überblick: Tor: Neuer, ter Stegen, Trapp (Leno). Außenverteidiger: Hofmann, Kehrer – Gosens, Raum. Innenverteidiger: Süle, Rüdiger, Schlotterbeck, Ginter (Tah, Koch). Mittelfeld: Kimmich, Goretzka, Musiala, Gündogan. Angriff: Müller, Reus, Sané, Gnabry, Werner, Havertz, Wirtz (Adeyemi, Nmecha). Dazu gibt es einige Kandidaten, wobei wohl für Mats Hummels der Zug abgefahren ist. Zur Debatte stehen aber Can, Neuhaus, Klostermann,, Henrichs oder Arnold. Wobei ein vielseitiger Spieler wie Emre Can Vorteile genießt. Hansi Flick hat auf jeden Fall die Qual der Wahl, die DFB-Auswahl scheint besser gerüstet zu sein als bei den letzten verunglückten WM- und EM-Turnieren unter Joachim Löw.

Vor der WM stehen noch sechs Spiele in der Nations League an, vier davon noch vor der Sommerpause im Juni. Hansi Flick möchte davor ein Trainingslager abhalten, weil vor der WM die Zeit fehlt. Gespielt wird am 4. Juni in Bologna gegen Italien, am 7. in München gegen England, am 11. in Ungarn und am 14. Juni in Mönchengladbach das Rückspiel gegen Italien. Die Runde wird am 23. September in Leipzig gegen Ungarn und am 26. September in England abgeschlossen.

Deutschland in Topf zwei

Am Freitag werden bereits die WM-Gruppen in Katar ausgelost. Drei Plätze sind noch nicht vergeben, Wales wartet auf den Sieger vom Duell Schottland gegen Ukraine, wenn die kriegsgeplagte Ukraine überhaupt im Sommer noch spielen kann. Außerdem geht es bei Peru, dem Fünften in Südamerika, gegen Australien um ein Ticket und Costa Rica trifft auf Neuseeland. Jubel gab es in dieser Woche dagegen in Polen, wo Kapitän Robert Lewandowski endlich beim größten Turnier auch mal treffen will, und Portugal, auch wenn Cristiano Ronaldo kaum in Erscheinung trat, außerdem in Kanada, das die WM-Premiere feiert und damit vor allem Alphonso Davies glücklich machte. Dabei sind USA, Mexiko und in Afrika Senegal, Marokko, Tunesien, Ghana und Kamerun. Die WM-Töpfe werden nach der Weltrangliste bestückt, deshalb findet sich Deutschland als Zehnter in Topf zwei wieder.

So sehen die WM-Töpfe aus: Topf 1: Katar als Gastgeber, Belgien, Brasilien, Argentinien, Frankreich, England, Spanien, Portugal. – Topf 2: Niederlande, Deutschland, Dänemark, USA, Mexiko, Schweiz, Kroatien, Uruguay. – Topf 3: Senegal, Iran, Japan, Marokko, Serbien, Polen, Südkorea, Tunesien. – Topf 4: Kamerun, Kanada, Ghana, Ecuador, Saudi-Arabien, Wales/Schottland-Ukraine, Peru/Australien, Costa Rica/Neuseeland.

Viel Spaß mit Spielereien, welche Gruppengegner Deutschland bekommen könnte. Es kann nur immer ein Land von einem Kontinent sein, zum Beispiel Brasilien, Polen und Kanada oder doch lieber Katar, Tunesien, Costa Rica? Nein, Katar kann es nicht werden, Louis van Gaal weiß: „Ich habe bei Auslosungen immer Glück, wir bekommen Katar.“