Die Bayern und Dortmund haben sich verrechnet

Große Aufregung in der Fußball-Bundesliga. Ein fehlerhafter Spielerwechsel sorgte für mehr Wirbel als ein spektakuläres Ergebnis. Nicht der 4:1-Erfolg der Bayern in Freiburg war Gesprächsthema, sondern ein kurioser Vorfall in der 86. Minute, als die Münchner nach Spielerwechseln plötzlich mit zwölf Mann auf dem Feld standen. Hätten sie doch gar nicht nötig gehabt, führten doch mit 3:1. Aber Coman, der gehen sollte, fühlte sich nicht angesprochen, weil die Nummer 29 angezeigt wurde und er die 11 trägt. Die 29 hatte er früher mal und Teammanagerin Kathleen Krüger schwelgte offenbar in Erinnerungen als sie gedankenverloren die falsche Nummer auf der Tafel anzeigte. 17 oder 18 Sekunden spielte Bayern mit einem Mann mehr, Tor fiel keins, doch dem einen anderen fiel auf, da stimmt was nicht.

Lustig war, dass Trainer Julian Nagelsmann in der anschließenden Diskussion gegenüber den Schiedsrichtern mit den Fingern abzählte, dass er doch nur fünf Spieler gewechselt hatte. Er hatte hier richtig gezählt, aber nicht die Spieler auf dem Platz. Coman war noch da und Süle zusätzlich auch. Doch das ist jetzt der springende Punkt für alle Regelkundigen: Verantwortlich für den richtigen Wechsel ist nicht der Verein, sondern sind die Schiedsrichter. Dafür wurde unter anderem der vierte Mann installiert, als Aufpasser für Trainer, Wechsel und sonstige Regularien. Die Bayern begingen keinen gravierenden Regelverstoß, aber die Schiedsrichter. Deshalb dürfte ein Punktabzug für München nicht in Frage kommen, selbst wenn Freiburg Protest einlegt (was derzeit noch offen ist). Punktabzüge für Schiedsrichter gibt es aber nicht.

Die Bayern wollen jetzt richtig rechnen und bauen auf neun Punkte Vorsprung vor Verfolger Borussia Dortmund. Aber was heißt Verfolger, auch die Borussia hat sich verrechnet, diesmal aber sportlich. Gegen Leipzig sollte ja eigentlich Fahrt aufgenommen werden für den Rest der Saison, bestes Rückrundenteam wollte man werden, doch nach dem 1:4 gegen Leipzig ist man zwar noch sicherer Zweiter, aber bestes Team der Rückrunde ist Leipzig. Jetzt wird in Dortmund neu gerechnet, nämlich mit einem Umbruch in der Mannschaft, so steht der fehlerbehaftete Emre Can auf der Abgangsliste. Er leitete die Niederlage gegen RB ein und könnte so auch sein WM-Ticket bei Hansi Flick verlieren. Seinen Posten nicht verlieren soll dagegen Trainer Marco Rose. Leipzig präsentierte sich dagegen als Sieger des Tages, im Kampf um den vierten Platz in der Champions League ließen die Konkurrenten Freiburg und Hoffenheim Federn. Gerade Hoffenheim droht gerade alles zu verspielen nach Niederlagen gegen die Abstiegskandidaten Hertha und Bochum. Jetzt steht am Sonntag das Duell in Leipzig an!

Apropos Abstieg, dort war der FC Augsburg das Pendant unten zu Leipzig oben. In der unteren Tabellenhälfte siegte nur der FCA mit 3:0 gegen Wolfsburg und zog den Gegner damit in den Abstiegskampf mit rein. Aber von Fürth bis Gladbach konnte keiner drei Punkte auf sein Konto bringen, da rutschte die Hertha nach dem 1:2 in Leverkusen auf einen direkten Abstiegsplatz, Augsburg dagegen machte einen Schritt nach oben. Am Mittwoch kommt Mainz zum Nachholspiel, die Gelegenheit zu noch mehr Ruhe. Nur Wolfsburg – Bielefeld ist am Samstag ein direktes Duell im Abstiegskampf, die Hertha hat die brisante Aufgabe im Berliner Derby gegen Union.

Ein besonderes Ereignis war für die Bundesliga die Rückkehr der Fans, doch nicht überall wurden diese glücklich, zum Beispiel in Dortmund nicht und Freiburg feierte sein erstmals ausverkauftes neues Stadion auch mit einer Niederlage, bot aber immerhin noch ein besonderes Regelspektakel.

Die gute Spanien-Bilanz

Der April ist der Monat der Weichenstellung, das ist bekannt. Jetzt geht es auch auf Europas Bühne weiter, Stress ist für einige Klubs also an der Tagesordnung. Besonders strapaziert ist Leipzig, das auch im DFB-Pokal vertreten ist und sieben Spiele in 21 Tagen absolvieren muss. Am Ende aller Anstrengungen soll der erste Titel eingesackt werden. Den will auch Julian Nagelsmann mit den Bayern holen, nein, eigentlich will er zwei. In der Bundesliga ist er auf einem guten Weg, in der Champions League folgt die nächste Bewährungsprobe gegen Europa-League-Sieger FC Villarreal. Die Spanier gelten als „leichtes“ Los im Viertelfinale der Champions League, aber wieder einmal heißt es, zunächst den ersten Schritt vor dem nächsten zu tun. Villarreal mit dem erfahrenen Trainer Unai Emery hat immerhin Juventus Turin ausgeschaltet. Die Bayern sehen der Aufgabe aber mit Ruhe entgegen, ihre CL-Bilanz spricht dafür: Zum 20. Mal stehen sie im Viertelfinale (Rekord!), seit 25 Spielen sind sie auswärts ungeschlagen und haben auch die letzten sieben Spiele gegen spanische Teams nicht verloren. Seit 2017 sind sie auch in Spanien ungeschlagen, zuletzt gab es einen 3:0-Sieg beim FC Barcelona. Zuversicht gibt auch, dass Villarreal die Generalprobe versaute, der Siebte der La Liga unterlag Schlusslicht Levante mit 0:2.

Ein Schlusslicht stoppte auch Eintracht Frankfurt, das beim 1:1 gegen Fürth wohl schon mit den Gedanken beim FC Barcelona war. Das Duell in der Europa League lässt wieder die Erinnerung an die großen Europa-Abende der Eintracht wach werden, glücklicherweise dürfen das Duell am Donnerstag (21.00 Uhr) auch die Fans erleben. RB Leipzig wird um 18.45 Uhr von Atalanta Bergamo geprüft. Keine leichte Aufgabe, aber die Chance fürs Halbfinale sollte da sein. Bereits nächste Woche stehen die Rückspiele an.

Corona sorgt für Tränen

Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt – das waren die Empfindungen der deutschen Spitzenteams im Frauen-Fußball. Gejubelt haben die Mädchen des VfL Wolfsburg, die eine erfolgreiche Woche hinter sich haben. Mit einem 2:0-Sieg über Arsenal London zogen sie ins Halbfinale der Champions League ein, wo allerdings Titelverteidiger und Favorit FC Barcelona wartet. Ein „Endspiel“ aber gewannen sie bereits, nämlich das um die nationale Meisterschaft, nachdem sie Verfolger Bayern München mit 6:0 deklassierten. Vier Punkte Vorsprung und nur noch drei Spiele gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte bedeuten praktisch den siebten Titelgewinn in den letzten zehn Jahren.

Nur Bayern München versalzte ihnen dreimal die Suppe und ist auch Titelverteidiger. Doch bei den Bayern-Mädels flossen die Tränen, vor allem Corona versaute ihnen die Woche. In den wichtigsten Spielen des Jahres war eine ganze Reihe von Stammspielerinnen in Quarantäne. Der Rest wehrte sich tapfer gegen Paris St. Germain, aber nach der 1:2-Hinspielniederlage reichte ein 2:2 nach Verlängerung in Paris nicht. Die Münchnerinnen waren am Rande der Erschöpfung, es fehlten Auswechselmöglichkeiten. Die Müdigkeit war noch am Sonntag in Wolfsburg zu spüren, die Beine waren schwer, die Wölfinnen zu schnell. Die Chance zur Revanche gibt es bald, am Ostersonntag treffen die Mannschaften im DFB-Pokal wieder aufeinander, diesmal in München. „Wir müssen uns vor allem ausruhen,“ sagt Trainer Jens Scheuer.

Dazwischen stehen Termine der Nationalmannschaft an, die am Samstag in der WM-Qualifikation auf Portugal trifft und am Dienstag (12. April) in Serbien antritt. Dies ist die letzte Zusammenkunft vor der Europameisterschaft in England, die am 6. Juli beginnt. Ausfälle sind für Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ebenfalls wieder an der Tagesordnung.

Infantino verdirbt die WM-Show

Die Fußball-Welt schaute dieser Tage nach Katar, wo die Auslosung für die Weltmeisterschaft 2022 stattfand. Gut, die Auslosung brachte keinen Knüller zu Tage, so richtig geht ja eine WM erst ab der K.o.-Runde los. Überschattet wurde die Auslosung allerdings vom arroganten Auftreten des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino, der sich aufführte, als würde die Fußball-Welt nur auf ihn schauen. Schon kündigte er die WM „als größte Show der Welt“ an, bescheinigte Katar bereits jetzt die „beste WM aller Zeiten“ zu organisieren und nennt den Emir von Katar seinen „Bruder“. Wahrscheinlich, weil Infantino ja in Doha Quartier bezogen hat, wohl auch, um der Justizverfolgung in der Schweiz zu entgehen. Der skandalumtoste Infantino kündigte für nächstes Jahr seine erneute Kanidatur zur Wahl des Präsidenten an, aber der Beifall war sehr verhalten. Die Mehrheit dachte sich wohl „um Gottes Willen“. Jetzt liegt es an den vernünftigen Leuten in der FIFA den Verband vom Kasperltheater zu befreien. Teils slapstickartige Auftritte wurden Infantino in Doha bescheinigt.

Sportlich hat Bundestrainer Hansi Flick erst einmal durchgeschnauft, als Lothar Matthäus als „Glücksfee“ Spanien als ersten Gruppengegner zog. Los geht es in der Gruppe E am Mittwoch, 23. November (14.00 Uhr) gegen Japan, am 1. Advent (Sonntag, 27.11., 20.00 Uhr) steht Spanien auf dem Programm, am Donnerstag, 1. Dezember (20.00 Uhr) erfolgt der Abschluss gegen Costa Rica oder Neuseeland. Die ausgeglichenste Gruppe dürfte die Gruppe G mit Brasilien, Schweiz, Serbien und Kamerun sein. Das wird ein Ereignis, die WM in der Wüste mit einem wüsten FIFA-Präsidenten.