Top-Duell der Enttäuschten – Die Helden sind andere

Es sind die Spiele, auf die die Fans warten – eigentlich. Gut, der „Deutsche Clasico“, wie das Duell zwischen den Bayern und Dortmund gern genannt wird, ist immer interessant, doch diesmal ist ein bisschen der Lack ab, wenn sie sich am kommenden Samstag in München wieder gegenüberstehen. Es ist diesmal ein Top-Duell der Enttäuschten, die ihre Saisonziele nicht mehr erreichen können. Da änderten die überzeugenden Erfolge am letzten Spieltag (Dortmund 6:1 gegen Wolfsburg, Bayern 3:0 in Bielefeldf) nichts daran. Die Helden sind derzeit andere.

Ein bisschen Glanz verbreitet der klassische Zweikampf immer, aber es sollte doch um die Meisterschaft gehen und nicht nur um das Image. Aber Dortmund hat wieder eine Saison mit Rückschlägen zu verkraften, frühes Aus international und im DFB-Pokal und vergebene Liebesmüh im Kampf gegen die Bayern. Neun Punkte Rückstand sind es, kein Vergleich auf Augenhöhe also. Immerhin: Für die Champions League ist Dortmund wieder qualifiziert.

Die Bayern suchen das letzte Highlight einer ebenfalls enttäuschenden Saison mit dem schmerzlichen Aus gegen Villarreal im Viertelfinale der Champions League und der Pleite im DFB-Pokal. Jetzt soll der „Clasico“ ein bisschen Ruhm bringen: Die zehnte Meisterschaft in Folge (ein Rekord) und das vor eigenem Publikum, ein Fest mit den Fans als Balsam für die wunde Erfolgsseele. „Wir haben die Möglichkeit, etwas Besonderes zu schaffen,“ erhöhen von Thomas Müller bis Julian Nagelsmann alle bei den Bayern den Samstag (Spielbeginn 18.30 Uhr). Die Chancen für eine Feier sind günstig, Dortmund kämpft mit Ausfällen und hat die letzten sieben Pflichtspiele gegen die Bayern alle verloren (5x Bundesliga, 2x Supercup)! In der letzten Saison siegten die Münchner daheim 4:2 und in Dortmund 3:2. Im Hinspiel gab es ein umstrittenes 3:2 der Bayern, als Schiedsrichter Felix Zwayer in die Schusslinie geriet.

Unter der Woche hatten die Bayern am Ausscheiden in der Champions League zu knabbern. In der 88. Minute versenkte ein Auswechselspieler namens Chukwueze im Trikot des „Gelben U-Boots“ den Deutschen Meister. Nach der 0:1-Niederlage in Villarreal war das 1:1 das Ende. Kein Henkelpott, nicht einmal das Halbfinale, das Mindestziel im Kreis der Großen. Die Kritiker machten aber nicht nur Spieler und Trainer dafür verantwortlich, sondern zweifeln, ob die Führung mit Boss Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic den Verein wirklich auf der Erfolgswelle der Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge halten kann. Zumal es rund um die Mannschaft viele Fragezeichen gibt. Nach einer glücklichen Zukunft sieht das nicht aus.

Vor allem deshalb ging Oliver Kahn in den letzten Tagen wohl in die Offensive. Es ging vor allem um die Zukunft. „Bayern wird immer unter den großen Drei in Europa bleiben,“ verspricht der Vorstandsvorsitzende und verteilt Zuckerl der Hoffnung, „mit Thomas Müller und Manuel Neuer sind wir in den Gesprächen sehr weit, sie werden ihre Verträge verlängern“. Hoffnung hat er auch, das Robert Lewandowski bleibt, Serge Gnabry sieht er in einer „Uberlegungsphase“. Ihn können vielleicht die Freunde im Team zum Bleiben überreden. Aus Amsterdam sollen Mittelfeldtalent Ryan Gravenberch (19) und Außenverteidiger Noussair Mazraoui (24), ein Mann wie Davies für die rechte Seite, kommen, dazu wollen sich die Münchner verstärkt um die Jung-Nationalspieler Nico Schlotterbeck (Freiburg) und Karim Adeyemi (Salzburg) bemühen, an denen Konkurrent Dortmund schon nah dran sein soll. Auch hier also ein Duell der Enttäuschten, die um eine gute Zukunft kämpfen. Welche Argumente hat die Borussia gegenüber der Aussicht ziemlich sicher Meister zu werden? Am Geld scheint dieses Zukunftspaket offensichtlich nicht zu scheitern. Trotz des Ausscheidens können die Bayern mit rund 90 Millionen Euro aus der CL rechnen.

Die deutschen Hoffnungen in der CL ruhen jetzt auf Jürgen Klopp als Trainer des FC Liverpool. Er muss sich jetzt Villarreal vorknöpfen, das zweite Halbfinale zwischen Manchester City mit Pep Guardiola und Real Madrd ist besonders heiß. Im Duell mit Pep konnte Klopp am Samstag ein Erfolgserlebnis feiern, im FA-Cup siegte Liverpool mit 3:1 und trifft im Finale auf den FC Chelsea London mit Thomas Tuchel als Trainer. Klopp hat noch die Chance auf vier Titel in dieser Saison. Da ist Julian Nagelsmann bestimmt neidisch, aber sein erster sollte schon eingesackt werden.

Leipzig und Frankfurt Teams der Stunde

Die Bayern als Verlierer produzieren ja noch mehr Schlagzeilen, als wenn sie Erfolge feiern. Und dennoch gehörte die Aufmerksamkeit der Fußball-Fans anderen – die Helden war vor allem die Fans von Eintracht Frankfurt, aber auch die Eintracht-Cracks und der RB Leipzig. Die Bundesligisten der zweite Reihe kämpften sich ins Rampenlicht, wobei der 2:0-Erfolg von Leipzig in Bergamo nicht so hell strahlte wie das 3:2 der Eintracht beim FC Barcelona, wo die stolzen Katalanen bei einem 0:3-Rückstand bereits am Rande einer Blamage standen. Davon blieb die Vereinsführung aber nicht verschont, die Frankfurter Fans brachten nämlich das Stadion in ihre Hand. 5000 Eintrittskarten gingen nach Hessen, aber 25.000 – 30.000 Eintracht-Fans waren dann im legendären Camp Nou und machten aus dem Gastauftritt ein Heimspiel. Der 14. April wird in die Eintracht-Geschichte eingehen und Barcelonas Verantwortliche rätseln, wie das passieren konnte, dass ihre Ticket-System aus den Angeln gehoben wurde. Die Barca-Fans wiederum machen den Verein für ihre Niederlage auf den Rängen verantwortlich! Jetzt träumen Frankfurt (gegen West Ham United) und Leipzig (gegen Glasgow Rangers, die Dortmund ausgeschaltet hatten) natürlich vom Finale. Die Bundesliga könnte erstmals in der Europa League erfolgreich sein.

Die „Mannschaft der Stunde“ in der Bundesliga ist der RB Leipzig, der als einziger Verein noch in drei Wettbewerben vertreten ist. Der erst 2009 gegründete Klub greift nach seinen ersten Titeln, nämlich neben der EL auch im DFB-Pokal. Dort ist am Mittwoch Union Berlin der Gegner, ebenfalls ein Gewinner der Saison, der sich noch Hoffnung auf einen Platz in der CL macht, wenn Leverkusen (0:1 gegen Leipzig) weiterhin schwächelt. Der DFB-Pokal ist übrigens ein weiterer Wettbewerb, der zur Enttäuschung der großen Klubs wurde. Das zweite Halbfinale bestreiten am Dienstag eigentlich zwei Kult-Klubs, der Hamburger SV blickt auf eine große Tradition, der SC Freiburg ist derzeit einer beliebtesten Vereine im Lande. Wie groß die Überraschung über die Teilnehmer des Halbfinales ist, zeigt ein Blick auf die Pokalsieger: Nur der HSV wurde schon Pokalsieger (1963, 1976, 1987), die anderen gingen bisher leer aus. Union holte 1968 in der DDR den FDGB-Pokal und will natürlich ins Finale im Olympia-Stadion, um die Stellung als Nummer 1 in der Hauptstadt zu untermauern.

In der Bundesliga gewinnt der Abstiegskampf immer mehr an Spannung. Gladbach, Bochum, Wolfsburg und Augsburg ließen mit Niederlagen der Konkurrenz eine Chance, vor allem Hertha machte mit dem 1:0-Sieg beim FCA einen Sprung nach vorn auf Rang 15, der die Rettung bedeuten würde. Eine Negativserie muss Bielefeld hinnehmen, schon die dritte Kopfverletzung in Folge reduziert das Personal und Stuttgart (0:0 in Mainz) kommt auch nicht voran. Direkte Duelle stehen wieder an, vor allem das Gastspiel vom VfB bei der Hertha ist bedeutend, auch in der Paertie Bochum – Augsburg geht es um eine Weichenstellung,.,

Wölfinnen sind noch nicht satt

Die Frauen des FC Bayern München sind auch mit großen Erwartungen in die neue Saison gegangen, doch am Ende stehen sie mit leeren Händen da. In der Meisterschaft sind vier Punkte Rückstand auf den überlegenen VfL Wolfsburg kaum aufzuholen, in der Champions League und jetzt im DFB-Pokal gab es das Aus im Viertel- bzw. Halbfinale. Die Wölfinnen waren dagegen gefräßig und sind noch nicht satt. Die müden Münchner Mädels haben sie im Titelkampf mit 6:0 distanziert und jetzt verhinderten sie im Pokal im Campus der FC Bayern die Revanche und siegten 3:1. Der Höhepunkt steht aber noch bevor, am Freitag (18.45 Uhr) gibt es das Gastspiel beim Titelverteidiger FC Barcelona und eine besondere Atmosphäre: Die Barca-Frauen stellten zuletzt im Duell mit Real Madrid einen neuen Zuschauer-Rekord auf, 91.553 Zuschauer kamen! Und gegen Wolfsburg ist das Camp Nou schon wieder ausverkauft! Aber die Anhänger der Wölfinnen werden den Coup der Eintracht-Fans kaum nachgemacht haben. Das zweite Halbfinale ist eine französische Angelegenheit, Lyon trifft auf Paris, das in der nationalen Meisterschaft fünf Punkte hinter Lyon liegt.

Der Frauen-Fußball in Deutschland musste allerdings auch einen Rückschlag hinnehmen. In der WM-Qualifikation gab es eine peinliche 2:3-Niederlage in Serbien. Dabei sollte mit einem Sieg das WM-Ticket gelöst werden. Pustekuchen! Jetzt müssen zum Abschluss im September Erfolge in der Türkei oder Bulgarien her, was machbar sein sollte. Allerdings offenbarte die Mannschaft von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg erschreckende Abwehrschwächen, so dass die Zuversicht auf eine erfolgreiche Europameisterschaft im Juli schwindet. Nur Erfolge sind aber Werbung für den Frauen-Fußball!