Die Saison ist vorbei, wesentliche Fragen bleiben offen

Ende, Aus – die Fußball-Bundesliga geht in die verdiente Sommerpause. Sie hat sich mit Knalleffekten verabschiedet und so ist es nur sportlich vorbei, die Entscheidungen sind gefallen, doch für Vorstände und Manager bleiben die nächsten Wochen heiß wie selten zuvor, denn wesentliche Fragen bleiben offen. Es sieht so aus, als sollte es für die Fußball-Fans bis zum Neustart der Bundesliga am 5. August nicht langweilig werden. Natürlich stehen auch noch Relegationsspiele und zahlreiche Finals auf dem Programm.

Mit Paukenschlägen endete die Saison 21/22. Wieder einmal war die Nachspielzeit wahnsinnig turbulent am gefürchteten letzten Spieltag. Eigentlich könnten sich die Fans zum Saison-Start schon auf den letzten Spieltag freuen. Zwischendurch war Freiburg der Champions League nahe, Stuttgart stand vor dem Abstieg, Hertha war gerettet, doch dann kam alles anders: 84. Minute Talent Moukoko schießt das 2:1 für Dortmund stürzt Hertha ins Jammertal, weil Endo in der 92. Minute für den VfB zum 2:1 gegen Köln einköpft und so den Klassenerhalt rettet. „Happy Endo“ – ein Jubelsturm entlädt sich in einem Platzsturm, der leider auch Verletzte bringt. Gejubelt wird auch in Leipzig, in der 93. Minute macht Orban mit dem 1:1 in Bielefeld die Champions League perfekt.

Und so endet die Bundesliga mit Bayern München als Meister, der vor 10.000 Fans wieder einmal auf dem Rathausbalkon feierte, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und Rückrundensieger RB Leipzig in der Champions League, Union Berlin und SC Freiburg in der Europa League (beide für Gruppenphase qualifiziert) sowie dem 1. FC Köln in der Conference League (Play-Offs). Die letztgenannten drei Klubs waren die Überraschungen der Saison, raubten höher gehandelten Vereinen den Platz an Europas Geldtöpfen. Absteiger sind die SpVgg Greuther Fürth, die wieder nur ein einjähriges Gastspiel gab, und Arminia Bielefeld. Hertha BSC Berlin hat in der Relegation am Donnerstag (20.30 Uhr) und Montag, 23. Mai (20.30 Uhr) gegen den Hamburger SV die Chance auf den Klassenerhalt. Achtung: Die Auswärtstore-Regelung gilt wie in Europa nicht mehr.

In der 2. Bundesliga ging es ähnlich spannend und emotional zu. Auffallend, dass die Traditionsklubs diesmal die Liga am Ende aufmischten. Meister Schalke 04 und Werder Bremen schafften die sofortige Rückkehr. Dagegen muss der Hamburger SV schon vier Jahre im Unterhaus verweilen, aber die Hoffnung lebt noch. Nach drei vierten Plätzen in Folge gelang mit einem 3:2-Sieg in Rostock in letzter Minute der Sprung auf Rang drei un die Relegation mit Hertha. Eine besondere Konstellation für Hertha-Trainer Felix Magath, einst ein Star beim HSV, der sein „Herzensverein“ bleibt. Das zählt jetzt nicht mehr. Absteiger der 2. Bundesliga sind Erzgebirge Aue und Ingolstadt 04, Dynamo Dresden hat in der Relegation gegen den Dritten der 3. Liga, dem 1. FC Kaiserslautern, noch die Chance auf den Klassenerhalt. Gespielt wird am Freitag (20.30 Uhr) und Dienstag, 24. Mai (20.30 Uhr). Auch hier duellieren sich zwei Traditionsklubs, die also insgesamt fast ein richtiges Comeback feiern. Aufsteiger aus der 3. Liga sind der SC Magdeburg und Eintracht Braunschweig. Übrigens gab es ein Comeback auch noch eine Etage tiefer: Rot-Weiß Essen, der Verein von der legendären Hafenstraße, schaffte nach 14 Jahren die Rückkehr in die 3. Liga!

Das Trainer-Beben

Es waren ja nicht nur die Ereignisse auf den Spielfeldern, die für Spannung sorgten, es waren auch Entscheidungen rund um die Teams. So gab es ein regelrechtes Trainer-Beben. Wer war der Erste? Jemand hat gestoppt: Zwei Rücktritte in 24 Sekunden! Adi Hütter ging in Mönchengladbach nach dem fast schon triumphalen 5:1 gegen Hoffenheim vor die Mikrofone und bekannte, dass er die Borussia wieder verlassen werde. „Im gegenseitigen Einvernehmen“ heißt die Floskel, die Streit vermeiden soll. 7,5 Millionen Euro Ablöse hat der Österreicher gekostet, noch teurer war das Nichterreichen der Europa-Plätze. Von Einvernehmen kann in Augsburg keine Rede sein. Trainer Markus Weinzierl sprach Klartext, er hat den Eindruck, man will ihn nicht mehr. Reden mit Sportchef Stefan Reuter, nein, dass wolle er nicht. Das sagt alles. Für Aufsehen sorgte schon am Freitag der Rücktritt von FCA-Präsident Klaus Hofmann, der auch gesundheitliche Gründe vorschob. Wie es jetzt heißt (warum hat das niemand früher gemerkt?), tobt in Augsburg seit einigen Wochen ein Machtkampf in der Führungsetage. Möglich, dass die Strafe folgt. Achtmal hat der FCA das Kunststück fertiggebracht mit weniger als 40 Punkten die Klasse zu halten, das wird nicht immer so weiter gehen.

Überraschend folgte am Sonntag die nächste Trainer-Entlassung: Florian Kohfeldt und der VfL Wolfsburg gehen ebenfalls getrennte Wege. Zwar gelang die Rettung der Wölfe, doch Zufriedenheit gab es im Verein nicht, die Mannschaft blieb weiterhin unter ihren Möglichkeiten, da halt auch ein 2:2 gegen die Bayern nicht. Und noch ein Coach steht auf der Kippe, es mehren sich die Anzeichen, dass auch für Sebastian Hoeneß die Zeit in Hoffenheim zu Ende gehen könnte. Auch da klappte am Ende der Saison nichts mehr. Das Gegenstück zu all diesem Trainer-Jammer war Mike Büskens auf Schalke: Der Ur-Schalker brachte Zusammenhalt und Emotion in den Verein zurück, startete eine Siegesserie und schaffte den Aufstieg. Nur: Mike Büskens steht als Retter zur Verfügung, aber nicht als fester Trainer für eine ganze Saison. So etwas gibt es auch!

Zwei Größen der Bundesliga beendeten freiwillig ihre Karriere: Rudi Völler hört in Leverkusen als Manager auf, Sportchef Michael Zorc wurde in Dortmund verabschiedet. 44 Jahre war er bei der Borussia tätig als Spieler und Funktionär. Beide waren markante Gesichter der Bundesliga, Völler als erfolgreicher Spieler noch beliebter „es gibt nur einen Rudi Völler“.

Wer den Titel holt, sollte eigentlich fern jeder Kritik sein. Aber bei den Bayern fällt der erste Schatten auf Julian Nagelsmann. Zuletzt waren die Münchner weit entfernt von einer Meisterform, jetzt tanzte im Niklas Süle, der nach Dortmund geht, auf der Nase herum und ob Torjäger Robert Lewandowski den Verein verlässt oder nicht, wird bis zur Entscheidung für Unruhe sorgen. Fünfmal in Folge holte er die Torjäger-Kanone – ein Rekord, was seine Bedeutung unterstreicht. Bis 2023 läuft der Vertrag, „er bleibt, basta“ tönte Boss Oliver Kahn, „vielleicht war es mein letztes Spiel“, sorgt der Pole für Unsicherheit. Immerhin, die Fans auf dem Marienplatz skandierten: „Lewa bleib, Lewa bleib“. Bei Lewa geht es aber mehr um Geld als um Zuneigung. Allgemein stimmt die Zusammenstellung des Meister-Kaders nicht, geht auch noch der Torjäger, dann schwächt dies die Bayern vor allem auf der internationalen Bühne. In der Bundesliga wird es auf jeden Fall spannender werden. Geht nach zehn Titeln in Folge eine Ära zu Ende? Sollte Lewandowski gehen, verliert die Bundesliga gleich den zweiten international bekannten Torjäger, nachdem sich Erling Haaland Richtung Manchester City verabschiedet.

Ist das vielleicht ein Zeichen: Bei den Bayern muss ein Trainer gehen, nämlich Jens Scheuer bei den Frauen. Na ja, die wurden auch nur Vize-Meister. Nach zwei Jahren kam das überraschende Ende, allerdings soll das Verhältnis zum Team gelitten haben. Verabschiedet wurden auch die Spielerinnen Marina Hegering, Lineth Beerensteyn und Viviane Asseyi. Wolfsburg holte sich bekanntlich mit vier Punkten den Titel und will im Pokal das Double schaffen, Endspielgegner ist am 28. Mai (16.45 Uhr), in Köln Turbine Potsdam.

Ein Finale der Tradition

Von „neuen Helden“ ist die Rede, wenn es um Eintracht Frankfurt geht, den derzeit beliebtesten Verein bei Deutschlands Fußball-Fans. Am Mittwoch steht in Sevilla gegen die Glasgow Rangers ein Finale aktueller Underdogs an, aber eigentlich ist es eins der Tradition. Der kicker listete auf: 273 Jahre und 96 Titel kommen zusammen. Die Rangers wurden 1872 gegründet, holten 1972 den Europokal der Pokalsieger und standen noch viermal in einem europäischen Finale. Die Eintracht wurde 1899 gegründet, gewann 1980 den UEFA-Cup und stand dazu zweimal in Finals. Legendär dabei 1960 das 3:7 im Endspiel der Landesmeister gegen Real Madrid. Erleben wir wieder ein Finale, das später als legendär bezeichnet wird? Möglich ist es, denn die Fans beider Vereine sorgen für viel Emotionen. Es könnte ein schöneres Finale geben, als wenn zwei vom Namen her sogenannte Top-Klubs auftreten, da wird nämlich gern taktiert, wir dürfen dagegen auf erfrischenden Fußball hoffen.

Sevilla leitet die Serie der Endspiele ein, es folgt am Mittwoch, 25. Mai (21.00 Uhr) in Tirana (Albanien) das Finale der Europa Conference League zwischen AS Rom und Feyenoord Rotterdam, eine attraktive Paarung für die drittklassige League. Höhepunkt ist am Samstag, 28. Mai (21.00 Uhr) natürlich das Finale der Champions League in Paris zwischen Real Madrid und dem FC Liverpool. Da greift Trainer Jürgen Klopp nach dem vierten Titel mit seinen „Reds“. Nummer 2 hat er geschafft mit dem Sieg im traditionsreichen FA-Cup im Elfmeterschießen (nach 0:0) gegen seinen deutschen Kollegen Thomas Tuchel und Chelsea London.

Den Reigen der Finals komplettieren die Frauen mit dem Endspiel der Champions League am Samstag, 21. Mai (19.00 Uhr) in Turin, wenn sich Titelverteidiger FC Barcelona und Olympique Lyon duellieren. Übrigens: Am letzten Spieltag haben sich auch die Frauen von Eintracht Frankfurt für Europa qualifiziert, als Bundesliga-Dritte treten sie neben Wolfsburg und Bayern in der Champions League an.

Neuer Name auf dem Pokal

Damit ist die Serie der Endspiele noch nicht vorbei, am kommenden Samstag, 21. Mai (20.00 Uhr), steht das große Pokal-Finale in Berlin an. Dabei wird ein neuer Name im DFB-Pokal eingraviert, entweder der von Favorit RB Leipzig oder der des SC Freiburg, dem wahrscheinlich eher die Sympathien gehören. Für Leipzig ist es der dritte Anlauf zu einem Titelgewinn nach Final-Niederlagen gegen die Bayern und Dortmund. In der Bundesliga trennten sich die Klubs zweimal 1:1. Bemerkenswert: Freiburg musste in allen fünf Runden auswärts antreten, das passierte erstmals seit Werder Bremen 2008/09. Werder gewann damals das Endspiel mit 1:0 gegen Bayer Leverkusen. Berlin ist ja auch auswärts… Ein besonderes Spiel wird es vor allem für den Emil Forsberg, quasi alter Schwede bei RB, der schon in der 2. Bundesliga für die Sachsen spielte. „Ich will mit Leipzig Titel gewinnen, deshalb habe ich meinen Vertrag noch einmal verlängert.“ Jetzt gilt es in Berlin.

Viele Finals, aber Nationalspieler sind kaum im Einsatz, das sollte Bundestrainer Hansi Flick in die Karten spielen. Vom 23. bis 27. Mai treffen sich die nominierten Akteure zu einem Regenerationstrainingslager in Marbella, sie dürfen dabei auch ihre Familien mitbringen. Ernst wird es danach in der Nations League in Italien (4.6.), gegen England (7.6.), in Ungarn (11.6.) und erneut gegen Italien (14.6.). Freigestellt für diese Spiele ist Torhüter ter Stegen. Beim Natioanlteam sollte es harmonisch zugehen, bei vielen Bundesliga-Klubs wird die Atmosphäre angesichts der Probleme eine andere sein…