Gewinner der Saison: Zweite Liga erstklassig!

Wer hätte das gedacht, die 2. Bundesliga hat in der vergangenen Saison der 1. Fußball-Bundesliga den Rang abgelaufen. Hoffnungen auf eine besondere Saison haben sich die Vereine schon vorher gemacht, der Bundesliga-Abstieg der Kult-Klubs Schalke 04 und Werder Bremen zusammen mit dem inzwischen fast Dauer-Gast Hamburger SV sorgten schon im Vorfeld für eine gewisse Vorfreude. Die Besetzung der Liga stimmte einfach in ihrer Gesamtheit und so bot die zweite Liga Erstklassiges, was die Fans in im Oberhaus schon nicht mehr fanden. Selbst der Boulevard stieg bei dieser Konstellation ein, die Bild am Sonntag zum Beispiel erweiterte ihre Berichterstattung, nannte die Liga „Super 2 – Die Kult-Liga“ und urteilte am Ende: „Über diese spektakuläre Saison wird man noch lange sprechen.“

„Gewinner der Saison“ war die 2. Bundesliga auch im Fernsehen. Charly Classen, Boss des Rechteinhabers, Pay-TV-Sender Sky, jubelt: „Die Quoten in der 2. Liga sind um mehr als 50 Prozent gestiegen!“ Classen schreibt auch der ersten Liga ins Stammbuch: „15.30 Uhr muss das Herzstück der Bundesliga bleiben, die 2. Bundesliga lebte davon, dass wir sie komplett übertragen konnten und jeder wusste, wo sie zu sehen ist.“ Zuletzt hatte die Bundesliga TV-Zuschauer verloren, die zweite Liga dagegen gewonnen!

Es waren aber nicht nur die Traditionsklubs, die für Interesse sorgten, wie gesagt, die Konstellation stimmte. Der Norden war mit Rostock, Kiel, Hannover, HSV, St. Pauli und jetzt Bremen gut vertreten, Derbys gab es fast an jedem Wochenende. Interessante Vereine sind auch der Club aus Nürnberg, Fortuna Düsseldorf, Karlsruher SC und Dynamo Dresden. Dazu kam, dass „Nobodys“ wie Darmstadt, Paderborn und Heidenheim oben mitspielten und Interesse weckten. Auch die Dramaturgie hat also gestimmt, zumal die Favoriten Schalke, Bremen und HSV lange schwächelten und erst spät zu einer Aufholjagd starteten. Nur der HSV konnte sie nicht erfolgreiche abschließen. Er will mit Manager Jonas Boldt, Trainer Tim Walter und gezielten Verstärkungen in der nächsten Saison einen neuen (diesmal erfolgreichen) Anlauf nehmen.

Dem Unterhaus droht also weiterer Substanzverlust, die Saison 21/22 dürfte wirklich einmalig bleiben. Schon jetzt wird die Attraktivität leiden, die Absteiger Arminia Bielefeld und SpVgg Greuther Fürth sind kein Ersatz für Schalke und Bremen, sind vor allem keine Zuschauermagneten bei ihren Gastspielen. Dagegen könnten die Aufsteiger aus der 3. Liga, der 1. FC Magdeburg, Eintracht Braunschweig und der in der Relegation gegen Dresden siegreiche 1. FC Kaiserslautern für mehr Aufmerksamkeit sorgen als die Absteiger Erzgebirge Aue und FC Ingolstadt 04. Hier hat die 2. Liga wieder mehr Tradition gewonnen. Vor allem die Pfalz feiert die Wiederauferstehung der „Roten Teufel“. Die Werder-Fans hatten den besonderen Abschiedsgruß nach dem kurzen Aufenthalt im Unterhaus: „Tschüss Zweite. ‚War geil!“

Es ist das Schicksal der 2. Bundesliga auch nach dieser sensationellen Saison: Wer von oben runter kommt, will gleich wieder rauf. Denn ewig lockt das Geld und das fließt so richtig erst ganz oben. Danach trachten eigentlich auch die Drittligisten, die langfristig gesehen bei einem Aufstieg die 2. Bundesliga wiederum möglichst nur als Durchgangsstation sehen. Selten erfüllen sich solche Träume, doch sie schaden dem Image der zweite Liga als Attraktion. Eines hat nämlich dieses Erfolgsjahr auch gezeigt, jeder Verein muss seine Liga entsprechend annehmen.