Die Finals und der Kampf um mehr Aufmerksamkeit

Neidisch schauen die Sommersportarten im Schatten des Fußballs immer auf die Winterdisziplinen. Gut, früher war die Leichtathletik ein Knüller im Fernsehen und musste sich gegenüber Skispringen oder Biathlon nicht verstecken, doch heute können da nur noch Welt- und Europameisterschaften mithalten. Live-Übertragungen von sogenannten Randsportarten wie Tischtennis oder Turnen gab es aber gar nicht. Die Fernsehanstalten, die dem Fußball viel Geld bezahlen, forderten sogar Bezahlung von den Sportverbänden, um eine Übertragung zu ermöglichen. Der Winter dagegen boomt, von November bis März gehören die Nachmittage am Samstag und Sonntag bei ARD und ZDF dem Wintersport, von Ski alpin oder nordisch bis Rodeln und Bob wird alles gesendet und über zwei Millionen Zuschauer sind dabei, im Schnitt mehr als bei den normalen Programmen in den anderen Monaten. Die Sommersportarten hätten so etwas auch gern und haben zumindest in einem engen Rahmen einen Erfolg im Kampf um mehr Aufmerksamkeit erreicht. Vorhang auf: Die große Bühne für kleine Sportarten!

Die Idee war, dass sich mehrere Sportarten zusammen tun und ihre Deutschen Meisterschaften an nur einem Ort austragen. So entstanden „Die Finals“, die jetzt zum dritten Mal in Berlin veranstaltet werden. 14 Deutsche Meisterschaften werden in vier Tagen von Donnerstag bis Sonntag in Berlin ausgetragen, 190 Titel werden vergeben. Im Mittelpunkt steht sicherlich die Leichtathletik, aber auch Turnen, Kanu oder auch Exoten wie Polo sind dabei. Neu sind Fechten, Rudern und Trampolinturnen, welches das Angebot des Turnens komplettiert, denn nun sind neben Geräteturnen und Rhythmischer Sportgymnastik alle olympischen Turn-Disziplinen an Bord. Das Fernsehen ist mit 25 Stunden Sendezeit in ARD und ZDF dabei, wer damit nicht genug hat, kann 70 Stunden lang die verschiedenen Wettkämpfe im Live-Streaming verfolgen. Für den Sport also Winter-Feeling im Sommer.

Berlin im Banne des Sports, an neun Standorten wird gekämpft, unter anderem auch am Brandenburger Tor oder im Strandbad Wannsee, im Mittelpunkt natürlich das Olympiastadion und die Max-Schmeling-Halle. Ein Multisportevent mit einem Hauch von Olympia. Die Verbände haben richtig reagiert, dass sie nicht nur meckern, sondern etwas Neues kreieren. ARD und ZDF werden solange mitmachen, solange die Einschaltquoten stimmen, was im Sommer teilweise natürlich auch vom Wetter abhängig ist. Wer sitzt bei schönstem Sonnenschein schon vor dem Fernseher. Da haben es die Wintersportarten natürlich leichter, an manchen kalten Tagen werden es sich wohl nicht nur echte Sportfans vor dem Fernseher gemütlich machen.

In diesem Jahr folgt in Deutschland übrigens noch eine weitere Sport-Großveranstaltung mit gemeinsamen Meisterschaften. München feiert vom 11. bis 21. August vor allem im Olympiapark und auf vielen modernisierten Olympia-Anlagen die „European Championships Munich 2022“ in Erinnerung an die Olympischen Sommerspiele 1972 in München. 50 Jahre danach sind es in einem wesentlich kleinerem Rahmen neun Europameisterschaften unter anderem im Turnen und der Leichtathletik. Auch da werden ARD und ZDF wieder umfangreich berichten und sich etliche alte Sportfans an die heiteren Spiele mit traurigem Ausgang erinnern.