Fußball-Frauen begeistern ganz Deutschland

Wer hätte das gedacht, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen, die zuletzt bei Welt- und Europameisterschaft ebenso „gerumpelt“ hat wie die Männer und jeweils im Viertelfinale ausgeschieden ist, begeistert jetzt ganz Deutschland. Die Mädchen sind die Sommer-Sensation und sorgen dafür, dass es im Sport kein Sommerloch gibt. 9,5 Millionen Zuschauer drückten an den Bildschirmen die Daumen und am Mittwoch beim Halbfinale gegen Frankreich werden es wohl noch mehr sein. Eine schwere Aufgabe, aber die EM-Reise und die Begeisterung sollen noch nicht zu Ende sein, es wartet das Finale am Sonntag.

Es ist kein Wunder geschehen rund um die erfolgreiche Mannschaft, sondern Trainerteam und Spielerinnen haben ganz einfach ihre Hausaufgaben gemacht. Sie haben analysiert, nach den Gründen der Problemen gesucht und haben es geschafft, diese zu beseitigen. Mit Teamgeist, großem Willen und natürlich auch einer gewaltigen Portion Können wurde der Erfolgsweg beschritten. „Bei uns kämpft wirklich jede für jede,“ merkt Svenja Huth an, kämpferisches Vorbild überhaupt ist dabei Lena Oberdorf vor der Abwehr, die auch im Viertelfinale gegen Österreich entscheidend dazu beitrug, den 2:0-Sieg nicht zu gefährden. Als die Spannung nachzulassen drohte, grätschte sie wieder den Kampfeswillen herbei und frohlockte, „bei allen war wieder das Feuer in den Augen zu sehen“. Im Gegensatz zu den furchtbaren Waldbränden überall auf der Welt soll dieses Feuer nicht gelöscht werden…

Der Weg ins Halbfinale gegen Frankreich am Mittwoch (21.00 UhrZDF) in Milton Keynes wurde ohne Makel beschritten, noch kein Gegentor erhalten, fast immer das Geschehen bestimmt. Vor allem der Sieg über den Mitfavoriten Spanien machte den Weg und die Gedanken an den Erfolg frei. Frankreich um die überragende Abwehrchefin Wendie Renard ist ein ähnliches Kaliber, die Chancen stehen 50:50. Beim letzten Aufeinandertreffen bei einem Turnier, bei der WM 2015 in Kanada, siegte Deutschland im Viertelfinale in Montreal nach dem 1:1 nach Verlängerung im Elfmeterschießen mit 5:4. Sara Däbritz und Alexandra Popp waren schon dabei. Das letzte Freundschaftsspiel gewann allerdings Frankreich mit 1:0, da war dies aber noch eine andere deutsche Mannschaft!

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hat ihr Stammteam bei diesem Turnier gefunden, das immer angefangen hat, wenn alle spielfähig waren, aber es konnte auch immer erfolgreich gewechselt werden, eine große Stärke. Jetzt kann ihr Frankreich-Liebhaberin Sara Däbritz, die in Paris spielte und jetzt nach Lyon wechselt, gute Tipps geben. Außerdem konnten sich die deutschen Mädchen länger ausruhen, Deutschland spielte schon am Donnerstag, Frankreich musste am Samstag 120 Minuten beim 1:0 gegen die Niederlande gehen. Da dürfen Mädchen und Fans wohl vom Traumfinale in Wembley am Sonntag (18.00 Uhr) gegen England träumen. Die Engländerinnen gelten gegen Schweden als klare Favoritinnen.

Erst nach dem Turnier wird sich allerdings zeigen, ob die Euphorie für die Fußball-Frauen auch in die Bundesliga getragen werden kann. Bisher wurde das Nationalteam oft gefeiert, die Vereine aber profitierten davon nicht, die Fans fanden nur in geringem Maße den Weg in die Stadien.

DFB-Pokal als Fest und Test

Die 2. Bundesliga und die 3. Liga haben bereits mit ihren Punktrunden begonnen, aber am kommenden Wochenende geht die neue Saison erst richtig los, als Vorgeschmack steht der DFB-Pokal an. Er ist in der ersten Runde immer ein Fest für die Amateure, die glücklich sind, einmal prominente Vereine bei sich begrüßen zu können. Manchmal erinnern sich Generationen an solche Tage, vor allem dann, wenn die Amateure für eine Sensation gesorgt haben. Die könnte es auch diesmal wieder geben. Gerade die Bundesligisten haben nach einer kurzen Pause und ebenso kurzen Vorbereitung vielfach zwiespältig Gefühle über ihren Leistungsstand. Spielerwechsel standen mehr im Vordergrund, doch wenn es nicht klappt, dann droht das Aus. So wird der DFB-Pokal zum großen Test, bevor am 5. August die Bundesliga beginnt. Der Pokal bleibt aber auch lukrativ, jeder Verein kassiert in der ersten Runde rund 128.000 Euro, in der 2. Runde sind es 257.000, später im Viertelfinale schon eine Million.

Im DFB-Pokal gibt es einige Neuerungen, die Runden müssen natürlich auch an den Spielplan rund um die Weltmeisterschaft in Katar im November/Dezember angeglichen werden. Die 2. Runde wird im Oktober gespielt, das Achtelfinale erst im Januar/Februar und wird dann über zwei Wochen gestreckt (künftig soll dies beim Viertelfinale der Fall sein). 15 Spiele werden im Free-TV übertragen, so viele wie noch nie. Das ZDF feiert sein Comeback, teilt sich die Spiele mit der ARD (alle Spiele live bei Sky im Pay-TV) und startet am Freitag (20.45 Uhr) mit dem Duell 1860 München – Borussia Dortmund im ausverkauften Grünwalder Stadion. Die ARD beschließt den Pokalreigen am Montag, 1. August (20.45 Uhr) mit dem Spiel SC Magdeburg – Eintracht Frankfurt. Verlegt wurden die Spiele von RB Leipzig und Bayern München, denn die kämpfen am Samstag um den Supercup. Leipzig ist ja Titelverteidiger im Pokal und tritt erst am 30. August bei Teutonia Ottensen an (ZDF), die Bayern sind einen Tag später bei Viktoria Köln (ARD).

RB Leipzig feierte überschwänglich mit dem Pokalsieg den ersten Titelgewinn der jungen Vereinsgeschichte und hofft darauf, dass in der Mannschaft endgültig die Siegermentalität Einzug gehalten hat. Das soll sich auch am Samstag (20.30 Uhr) gegen Meister Bayern München im Supercup zeigen. Die Bayern hatten ja keine ideale Saisonvorbereitung, im Gespräch waren vor allem die Neuverpflichtungen nach Mané auch de Light und jetzt auch noch Frankreichs Sturmtalent Mathys Tel. Für den 17.jährigen von Stade Rennes zahlen die Münchner 20 Millionen Euro plus Boni. Trainer Julian Nagelsmann ist sich sicher: „Er wird einmal 40 Tore in der Saison schießen.“ Doch ein Lewandowski-Ersatz ist er derzeit noch nicht. Die Bayern kamen im letzten Testspiel in Green Bay nach Gewitterunterbrechungen gegen Manchester City beim 0:1 nicht richtig auf die Füße. Torschütze Erling Haaland erinnerte sie an die Bundesliga, jetzt müssen sie sich an alte Stärke erinnern. Immerhin, auch beim Supercup sind die Münchner Rekordsieger mit zehn Titelgewinnen, im letzten Jahr gewannen sie in Dortmund 3:1.

Trauer um Uwe Seeler

Die Fußball-Welt trauert um einen ihrer ganz Großen, menschlich gesehen vielleicht sogar der Größte. Uwe Seeler, Ehrenspielführer der Nationalmannschaft, ist im Alter von 85 Jahren im Kreise seiner Familie gestorben. Ihn hat seine Bescheidenheit ebenso ausgezeichnet wie sein fußballerisches Können. Legendär, dass er Millionen-Angeboten standhielt und seinem HSV treu blieb. Dem diente er auch als Präsident, doch das war eigentlich nicht sein Metier. Uwe Seeler war ein Aushängeschild für seine Heimatstadt, für den HSV und auch für den Fußball in Deutschland. Weltmeister wurde er nie, das verhinderte zum Beispiel 1966 das Wembley-Tor in England. Wie er gesenkten Kopfes das Spielfeld im Kreis von Polizisten verlässt, war eines der bemerkenswertesten Sportbilder aller Zeiten.

Der Sport-Grantler begleitete Uwe Seeler bei seinem Abschiedsspiel aus der Nationalmannschaft 1970 in Nürnberg. Er wird sich wie alle an einen großen und sympathischen Sportler erinnern. Sein HSV ehrte Seeler indem er am Sonntag in Trikots mit der Aufschrift „Uns Uwe“ antrat. Das machte die heutige Generation wohl nervös und sie schenkte dem Idol keinen Sieg, sondern musste gegen Hansa Rostock eine unglückliche 0:1-Niederlage hinnehmen. „So ist der Sport,“ hätte Uwe Seeler gesagt, „halt beim nächsten Mal, ich drücke die Daumen“. Es war ihm leider nicht vergönnt, den Wiederaufstieg des HSV in die Bundesliga noch zu erleben. Wer weiß auch, wie lange dies dauert. Uwe Seeler wird auch von oben nicht allzu lange zuschauen wollen…