Deutschlands lange Kerls auf Medaillenjagd

Die Fußball-Frauen begeisterten bei der Europameisterschaft ganz Deutschland und gewannen neue Fans, die European Championships in München wurden zum Sommermärchen und vor allem die Leichtathletik lockte die Zuschauer vor die Bildschirme. Jetzt steht das nächste sportliche Großereignis in Deutschland an, die Basketball-Europameisterschaft, die am Donnerstag in Köln beginnt. Allerdings gibt es für die Basketballer ein Handicap, um richtig Euphorie zu entfachen, ihre Spiele werden allein im Streaming bei MagentaSport übertragen, wenn auch dort die deutschen Spiele freigeschaltet werden. Das Zeug zur Euphorie hätte das Team, Deutschlands lange Kerls gehen nämlich auf Medaillenjagd. Die „Zwölf“ (so viele Akteure dürfen nominiert werden) um NBA-Star Dennis Schröder gilt als talentierteste Mannschaft des DBB seit langem. Bundestrainer Gordon Herbert genießt großes Vertrauen und wird deutlich, „wir wollen eine Medaille“, der Kanadier warnt gleichzeitig aber auch, „wir sind in einer Todesgruppe“.

Das Feld der Favoriten ist groß, mit Frankreich und Titelverteidiger Slowenien gehören zwei davon zur deutschen Vorrundengruppe, aber auch Serbien und Griechenland werden hoch eingeschätzt. Mut macht dem deutschen Team, dass in der WM-Qualifikation als letzten Test vor der EM Slowenien mit 90:71 besiegt wurde. Dabei wurde NBA-Star Luka Doncic (Dallas) einigermaßen ausgeschaltet, die Defensive um Franz Wagner (Orlando) und Münchens erst kürzlich eingebürgerten NIck Weiler-Babb war das Glanzstück. Wer also den Titelverteidiger schlägt, darf zumindest vom Halbfinale träumen. Den einzigen EM-Titel holte Deutschland 1993, WM-Bronze 2002 und EM-Silber 2006, jeweils mit Dirk Nowitzki, waren die weitere Erfolge. In Erinnerung ist aber auch noch das unglückliche Vorrundenaus 2015 bei der letzten EM im eigenen Land. Das soll also diesmal anders werden.

Allerdings hatte es der Bundestrainer nicht leicht, eine starke Mannschaft auf die Beine zu stellen, es hagelte für ihn Absagen. Bonga (Toronto, künftig Bayern), Moritz Wagner (Orlando), Kapitän Barthel (Fener Istanbul) und Zipser (Bayern) fallen verletzt aus. Pleiß (Anadolu Istanbul) fühlt sich nicht fit, Kleber (Dallas) und Hartenstein (New York) ziehen eine Erholungspause vor. Sieben Mann also fehlen für den 12er-Kader! So ruht die Last vor allem auf dem neuen Kapitän Dennis Schröder, der in der NBA gerade einen neuen Verein sucht und sich gut präsentieren will. Daniel Theis (Indiana) will nach Verletzungspause spielen und gilt als Verstärkung.

In der Vorrunde sind Frankreich (Donnerstag), Bosnien-Herzogowina (Samstag), Litauen (Sonntag), Slowenien (Dienstag) und Ungarn (Mittwoch) die Gegner in Köln. Die anderen drei Gruppen spielen in Tiflis, Mailand und Prag. Die besten vier Mannschaften jeder Gruppe ziehen in die Finalrunde ein, die im K.o.-Modus in Berlin ausgetragen wird. Das Finale findet am Sonntag, 18. September (20.30 Uhr) statt. Wie im Fußball mit dem Pokal-Endspiel in Berlin wird also jetzt auch von den Basketball-Fans gesungen werden „wir fahren nach Berlin“.

Vor dem ersten deutschen Match in Köln gibt es noch eine besondere Aktion: Deutschlands größter Star Dirk Nowitzki wird geehrt, sein Trikot mit der Nr. 14 wird vor 19.000 Fans unter das Stadiondach gezogen. Die Nummer 14 wird in der Nationalmannschaft nicht mehr vergeben, eine Ehrung, mit der er auch bei seinem NBA-Verein Dallas gefeiert wurde. Nowitzki ist zudem EM-Botschafter und hofft einfach darauf, „dass die Jungs eine tolle EM spielen“.

Handball macht es mit Tempo und Spannung

Während im Basketball die EM gespielt wird, beginnt die Handball-Bundesliga mit ihrer neuen Saison. Eingeleitet wird sie bereits am Mittwoch, 31. August, mit dem Duell um den Supercup zwischen Meister SC Magdeburg und dem THW Kiel. Für die Kieler könnte es eine Standortbestimmung sein, ob sie den Titelverteidiger wirklich herausfordern können. Der erste Spieltag geht dann von Donnerstag bis Sonntag über die Bühne.

Die Handballer bieten wahrscheinlich das, nach dem sich andere Mannschaftssportarten (vor allem der Fußball) sehnen: Spannung im Kampf um die Meisterschaft. Neben Magdeburg und Rekordmeister Kiel wollen auch Flensburg-Handewitt und die Füchse Berlin ein Wort mitsprechen. Berlin hat den Transfercoup gelandet und mit dem Dänen Mathias Gidsel einen der begehrtesten Handballer Europas verpflichtet. Demgegenüber muss Kiel in der Hinrunde auf die Mannschaftsstützen Pekeler (Achillessehnenriss) und Sagosen (Fraktur im Sprunggelenk) verzichten. Nur, wenn sie diese Ausfälle kompensieren können, haben die Kieler eine Chance. Die Spiele sind beim Pay-TV-Sender Sky zu sehen, einige Ausnahmen gibt es auch für die ARD.

Neben Spannung ist in der 18er-Liga vor allem Tempo angesagt. Es gab Regeländerungen, die den Sport noch schneller machen sollen. Wird Zeitspiel angesagt, dürfen nur noch vier statt sechs Pässe gespielt werden und noch schneller kann es auch beim Anspiel nach einem Tor gehen. Dabei ist Handball bisher schon rasant genug, es ist viel los. Eines hat Handball aber mit Basketball gemeinsam, der Terminkalender ist national und international dicke voll, eigentlich zu voll, so dass die Spieler teilweise sogar über ihre Leistungsgrenzen gehen müssen. Das wiederum schadet beiden Sportarten, aber die Verbände sind nicht fähig, einen anständigen Terminplan zu erstellen. Es ist generell ein Problem des Profisports (auch die Fußballer klagen), dass die Verbände nur nach dem Geld schielen und die Gesundheit der Sportler außer Acht lassen.