Die Waffe der Kleinen: Dem Gegner keine Luft zum Atmen lassen

Vor kurzem verfielen die Bayern-Stars in Depression, der Oktoberfestbesuch geriet zur Trauer-Veranstaltung: Die Bayern hatten in Augsburg 0:1 verloren. Aktuell ist die Stimmung besser, Spitzenreiter Union Berlin patzte jetzt wie die Münchner damals, wobei die Niederlage in Bochum noch überraschender kam: Wann verliert der Erste schon mal beim Letzten? Das Schlusslicht bediente sich ganz einfach der Waffe der Kleinen, vorgemacht von Union bisher: Mit Willen und Leidenschaft wurde dem Gegner keine Luft zum Atmen gelassen. Es scheint die neue Tugend der sonst Erfolglosen zu sein, die besser besetzten Gegner mit einfachen Waffen zu schlagen. Bochum hat die rote Laterne an Schalke weitergereicht, Union sonnt sich zwar noch ganz oben, doch es könnte bald Schatten geben, die Bayern sind wieder in Schlagdistanz.

Einsatz und Kampfgeist sind Waffen, auf die eigentlich jede Mannschaft zurückgreifen kann – wenn sie nur will. Wenn sie nicht will, sind Trainerwechsel die Waffen der Bosse, sie sollen aufrütteln, für neuen Schwung sorgen. In Bochum war der Wechsel erfolgreich, mit Leipzig ging es aufwärts, Leverkusen kommt dagegen nicht vom Fleck, Schalke und Stuttgart suchen noch und krebsen weiter am Tabellenende herum. In Leverkusen hat der neue Coach Xabi Alonso erkannt, dass der Mannschaft der Wille zum Einsatz des Körpers fehlt und in den letzten Tagen vor allem den Kampfgeist wecken wollen. Erste Fortschritte sind erkennbar, jetzt sollte er Elfmeter üben lassen. 2022 hat Bayer bisher sechs Elfmeter bekommen und alle verschossen! Zu giftig war Verteidiger Iago beim FC Augsburg, der seine Gegner gern körperlich attackiert. Iago stieg Gegenspieler Schlager erst auf den Fuß und schubste ihn nach dessen Protest um, das gab zweimal Gelb in einer Situation und der FCA vergab gegen Leipzig einen 3:0-Vorsprung, musste am Ende über das 3:3 noch glücklich. Alles hat halt seine Grenzen.

Wille und Leidenschaft geht den Dortmundern manchmal ab, was immer wieder zu unerwarteten Niederlagen führt. Das soll nicht mehr vorkommen. Nach jedem glanzvollen Auftritt kommt der gleiche Schwur: „So müssen wir immer spielen“. Beobachter sind da skeptisch. Dabei zeigte sich die Borussia beim 5:0 gegen Stuttgart als Mannschaft der Zukunft. Es war das erste Mal in der Bundesliga-Geschichte, dass drei Teenager in einem Spiel für ein Team drei Tore erzielten. Jude Bellingham sorgte in der 2. Minute für einen Blitzstart, der ebenfalls 19-jährige Reyna legte in der 44. Minute zum 3:0 nach und der erst 17-jährige Moukoko sorgte für den Endstand. Vor allem Jude Bellingham, der Dortmund schon als Kapitän auf das Feld führte, zeigt sich als echte Führungsfigur. Da wäre der Engländer wirklich der richtige „Golden Boy“ gewesen, bei der Wahl musste er dem Spanier Gavi den Vortritt lassen und auch Bayerns Musiala war vorn dabei, aber Bellingham hat einen Vorteil: Er ist ein wirklicher Führungsspieler. Lange wird die Borussia keine Freude mehr an ihm haben.

Was rund um den 11. Spieltag noch auffiel: Einige Wolfsburger Profis traten unangenehm auf, sie trugen bei der Zugfahrt nach Leverkusen im ICE keine Maske und veräppelten auch noch die Zugbegleiterin, als diese auf die Pflicht zum Maskentragen hinwies. Da bestätigten einige wieder den Ruf der „abgehobenen Millionäre“, die Geld haben, aber kein Hirn. So sollte der Verein schon zu einer Geldstrafe greifen, eine Entschuldigung ist zu wenig. Erfreulicher das Ereignis in Freiburg: Vincenzo Grifo verwandelte gegen Hoffenheim einen Elfmeter zum 2:0-Endstand und dies war sein 39. Tor in der Bundesliga. Damit hat er den früheren Bayern-Torjäger Luca Toni als besten italienischen Torschützen abgelöst! Grifo feierte mit Tonis typischen „Ohren-Schrauber“. Toni wird deswegen keine Tränen vergossen haben. Die liefen allerdings bei Franck Ribery, einem weiteren Bayern-Ex-Star. Der inzwischen 39-jährige Franzose, zuletzt bei US Salernitana in der Liga A in Italien aktiv, verkündete sein endgültiges Karriere-Ende. Kniebeschwerden lassen keinen Profi-Fußall mehr zu.

La Liga gegen Bundesliga

Endspurt in den Stress-Wochen vor der WM. Vier Spieltage stehen noch in der Bundesliga an, zwei entscheidende in der Gruppenphase der Champions League (und natürlich gibt es noch Europa League und Conference League). In der CL gibt es in dieser Woche wieder das Duell der La Liga und der Bundesliga. Auf den ersten Blick gelten die Spanier wohl als die stärkere Liga, doch falsch gedacht, das war einmal. Seit 2020 konnten die Iberer nur vier der 27 Europacup-Duelle beider Nationen gewinnen. Von 2013 bis 2018 sah es noch anders aus, da waren die Spanier in 50 Spielen 29mal die Sieger. Das häufigste Duell hieß Bayern gegen Real (26). Die Bayern sind diesmal aber in Barcelona und dort kein gern gesehener Gast. Die letzten fünf Vergleiche gewannen alle die Münchner, zuletzt neun von zwölf insgesamt. Auch im Hinspiel war der deutsche Meister mit 3:0 erfolgreich und im letzten Jahr schickte er Barca mit diesem Ergebnis sogar in die Europa League. Dieser Abstieg droht dem neuen Klub von Robert Lewandowski trotz des treffsicheren Torjägers erneut. Entweder, wenn die Bayern gewinnen oder wenn Inter Mailand in Pilsen siegt. Was würden die Kritiker feixen, nachdem Barca trotz Schulden eifrig auf dem Spielermarkt tätig war.

Im Gegensatz dazu sind die Münchner bereits für das Achtelfinale qualifiziert. Im Blickpunkt wird natürlich wieder Lewandowski gegen seine alten Kameraden stehen (in München machte er keinen Stich), aber auch der formstarke Eric Maxim Choupo-Moting, der die Bayern wiederbelebt hat – wenn ihn denn Trainer Julian Nagelsmann spielen lässt. Mit dabei sein wird der genesene Thomas Müller, der in sieben seiner acht Spiele gegen Barca als Sieger vom Platz ging.

Anders sieht es für RB Leipzig gegen Real Madrid und Bayer Leverkusen bei Atletico Madrid aus. RB kämpft noch ums Weiterkommen, Bayer ist sogar Gruppenletzter und es droht bei einer Niederlage das Ausscheiden aus den internationalen Wettbewerben. Auch Frankfurt ist in seiner Gruppe Letzter und muss gegen Marseille gewinnen, um in der CL zu bleiben. Das Skandal-Hinspiel gewann die Eintracht mit 1:0.

Gefahr durch Wolfsburg

Die Fußball-Frauen bleiben im Gespräch und sorgen weiterhin für positive Schlagzeilen. Jetzt lockte das Spitzenspiel Wolfsburg gegen Bayern 21.287 Zuschauer in die VW-Arena, die einen 2:1-Sieg der Wölfinnen sahen, die damit in der Bundesliga fünf Punkt vor den Münchnerinnen liegen. Allein Frankfurt kann noch mithalten, mit zwei Zählern Rückstand. Es droht ein weiterer Alleingang des Dauer-Meisters und damit aber auch ein Rückgang im Interesse, wenn die Bundesliga langweilig wird.

Da wird auch die Champions League nicht helfen können, wo ebenfalls in dieser Woche wieder Spiele anstehen. Wolfsburg (4:0 gegen Pölten) und die Bayern (2:1 gegen Rosengard) starteten erfolgreich. Jetzt heißt es nachlegen, was Wolfsburg bei Slavia Prag leichter fallen sollte als den Bayern bei Benfica Lissabon. Dort geht es fast schon um das Weiterkommen hinter Favorit FC Barcelona. Im Vorjahr konnten die Münchnern, denen mit Torhüterin Benkarth, Gwinn, Lohmann und Glas vier wichtige Spielerinnen verletzt fehlen, Benfica allerdings in der ersten K.o.-Runde ausschalten.

Die Nationalmannschaft hat ihren Blick schon Richtung Weltmeisterschaft 2023 gerichtet. Für das Turnier vom 20. Juli bis 20. August in Australien und Neuseeland wurden die Gruppen ausgelost, wobei Deutschland mit Marokko, Kolumbien und Südkorea als Gegner ein eher leichtes Los erwischt hat. Im Achtelfinale drohen allerdings Frankreich und Brasilien als hohe Hürden. Die Fans in Deutschland müssen sich durch die Zeitverschiebung auf Vergnügen am Vormittag einstellen. Gespielt wird um 10.30, 11.00 und 12.00 Uhr MESZ.

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