Union verteidigt eisern den Platz an der Sonne

Nach dem 6:2-Torefestival gegen Mainz konnten die Bayern wieder einmal eine Nacht als Tabellenführer der Fußball-Bundesliga schlafen. Am Sonntag fehlte dann genau eine Sekunde für das Glück auf Dauer. Die Bayern reden nicht drumherum, Boss Oliver Kahn macht deutlich: „Die Mannschaft hat sich vorgenommen als Tabellenführer in die WM-Pause zu gehen. Es ist immer unser Anspruch, Tabellenführer zu sein.“ Doch seit dem sechsten Spieltag heißt der Spitzenreiter Union Berlin und die „Eisernen“, wie sie genannt werden, werden ihrem Ruf gerecht – sie verteidigen eisern den Platz an der Sonne. Auch mit ein bisschen Glück, nach dem Siegtreffer in der 7. Minute der Nachspielzeit (6 waren angezeigt!) von Doekhi wurde nicht mehr angepfiffen!

Bayern als Tabellenführer in die WM-Pause – da müssen die Berliner erst mal mitspielen. Die restlichen Gegner heißen Leverkusen, Augsburg und Freiburg, das den einzigen schweren Stolperstein darstellt. Die Bayern haben mit Hertha, Bremen und Schalke auch ein machbares Programm. Spannung ist überhaupt an der Tabellenspitze angesagt, wann hat es das zuletzt gegeben? Nur vier Punkte liegt Union vor dem Vierten, Borussia Dortmund, dahinter einige Teams in Schlagdistanz zur Qualifikation für die Champions League. Am Tabellenende geht es ebenfalls eng zu, wenn auch Schlusslicht Schalke sein siebtes Spiel in Folge verlor. Der neue Trainer Thomas Reis konnte noch nicht für die Wende sorgen, aber er weiß: „Das wird eine schwere Aufgabe.“ Aber auch Bochum, Leverkusen und Hertha blieben ohne Punkte, nur Stuttgart verschaffte sich mit dem glücklichen 2:1 über den FCA etwas Luft.

VAR: Führt endlich die Challenge ein!

Die Diskussionen über die Bundesliga wurden aber weniger um die sportliche Situation geführt, vielmehr standen erneut die Video-Schiedsrichter im Kölner Keller im Mittelpunkt. Mehr Gerechtigkeit gibt es nur bei den Abseitsentscheidungen, aber ansonsten konnte der VAR seine Vorschusslorbeeren nicht rechtfertigen. Am Wochenende riss bei einigen Betroffenen angesichts von gravierenden Fehlentscheidungen wieder einmal die berühmte Hutschnur. Am meisten regten sich die Frankfurter auf, weil Sascha Stegemann den Schubser von Adeyemi gegen Lindström nicht als für einen Elfmeter würdig sah und der VAR stumm blieb. Hinterher erkannte Stegemann dies als Fehler und Eintracht-Manager Markus Krösche tobte: „So geht das nicht, lasst den Schiri machen und stampft den Keller ein.“ Da liegt er mit der Mehrheit der Fans auf einer Linie: Bei einer Umfrage vom kicker plädieren 69 Prozent der Teilnehmer für eine Abschaffung des VAR!

In der Tat ist es so, dass die Schiedsrichter oft verunsichert wirken und mehr Fehler als früher produzieren und darauf vertrauen, dass ihnen der Kölner Keller hilft. Doch dort wird keineswegs professionell gearbeitet. Aber die Szene in Frankfurt zeigt deutlich, dass eine sogenannte Challenge für die Trainer eingeführt werden muss, wie es sie in anderen Sportarten gibt. Heißt: Der Trainer kann einmal im Spiel von sich aus eine Überprüfung fordern. In dem Fall hätte Stegemann sicherlich Elfmeter für Frankfurt gepfiffen. Es muss klarere Regeln für den VAR geben und Widerspruchsmöglichkeiten für die Teams.

Auffallend auch zwei Szenen: In München sah Schiedsrichter Cortus das deutliche Foul an Mané nicht, der VAR schritt ein, aber Cortus hätte dies selbst sehen müssen. Diskutiert werden durfte in Stuttgart, als Sosa von hinten aus kurzer Entfernung vom Augsburger Spieler angeköpft wurde, aber hier lag kein regelwidriges Handspiel vor. Die Augsburger tobten ähnlich wie die Frankfurter, aber grundlos. Vor allem FCA-Manager Stefan Reuter fällt immer wieder aus der Rolle, er sollte einen Benimmkurs belegen. Der FCA fällt negativ auf, hat mit Abstand die meisten Gelben Karten der Liga kassiert und in einem Pöbel-Barometer der Sport-Bild belegt Augsburg Platz eins vor Stuttgart (am brävsten Leverkusen).

Finale der Gruppenphase

Auf Europas Bühne steht der letzte Spieltag der Gruppenphase an und der hat es vor allem für einige Bundesligisten in sich. Es gibt Finals im Kampf ums Überwintern auf internationalem Parkett. Drei von den fünf Teilnehmern der Champions League müssen noch kämpfen, Bayern München steht als Gruppensieger fest, Borussia Dortmund ist als Zweiter weiter. Für Eintracht Frankfurt ist beim Gastspiel bei Sporting Lissabon dagegen alles möglich, vom Gruppensieg bis letzter Platz, so eng liegen die Teams (außerdem Tottenham und Marseille) zusammen. Bayer Leverkusen kämpft gegen Brügge ums Ausscheiden, braucht aber Schützenhilfe von Porto gegen Atletico Madrid, um wenigstens in der Europa League weitermachen zu können. Da hat es RB Leipzig leichter, darf aber in Warschau gegen Donezk nicht verlieren, ein Remis reicht, um in der CL zu bleiben.

In der Europa League steht der SC Freiburg als Gruppensieger fest, Union Berlin kämpft bei den Belgiern von Gilloise noch ums Weiterkommen, hat aber die Conference League sicher. Dort hat der 1. FC Köln wiederum ein Endspiel gegen Nizza. Endspiele mitten in der Saison – die Gruppenphase kann also durchaus interessant sein.

Es kann aber durchaus anders sein, in ihrer CL-Gruppe sind die Bayern und Gegner Inter Mailand eine Runde weiter und es wird wohl ein Schaulaufen der Reservisten geben. Allerdings könnten die Bayern auch Interesse am Erhalt ihrer guten Bilanz haben. Gewinnen sie, dann wären sie die erste Mannschaft, die dreimal die Gruppenphase ohne Punktverlust abschließt, das gelang bisher nur Real Madrid zweimal (2014/15 und 2011/12). Für die Bayern wäre es das Triple einer weißen Weste. Außerdem wollen sie vielleicht eine seltsame Bilanz gegen Inter gerade rücken: In Mailand haben sie alle vier Spiele gewonnen, zu Hause waren sie allerdings in keinem der bisher drei Vergleiche gegen Inter siegreich!

In der Champions League nicht mehr dabei sind überraschend der FC Barcelona und Juventus Turin. Der Spott der Fußball-Welt ist ihnen sicher, aber genau diese Vereine kämpfen um die Einführung der Superleague, damit sie ein solches Dilemma nicht mehr erleben und die finanziell üppigen Fleischtöpfe der CL verlassen müssen.

Frauen machen es spannend

Der Frauen-Fußball kann weiterhin die Fans begeistern, ein spannendes Spiel legten die Münchnerinnen bei Benfica Lissabon in der Champions League hin. Zuerst lagen sie überraschend 0:2 zurück, dann aber drehten sie auf und mit zwei Toren ihres neuen englischen Stars Georgia Stanway in der Schlussphase (das 3:2 in der 96. Minute!) das Spiel. Der VfL Wolfsburg hatte es beim 2:0 bei Slavia Prag leichter, und zieht auch in der Bundesliga davon, weil Verfolger Eintracht Frankfurt in Hoffenheim beim 3:3 trotz einer 3:1-Führung Punkte liegen ließ. Die Bayern-Mädchen taten sich gegen Meppen ebenfalls schwer, siegten aber erneut im Endspurt mit 3:1. Der Bayern-Campus war mit 2500 Zuschauern wieder ausverkauft, in Bremen kamen 2700 Besucher gegen Wolfsburg und nur in Duisburg und Leverkusen gab es keine vierstellige Zuschauerzahl.

Die FIFA sieht international den Frauen-Fußball auf Wachstumskurs, stellt anhand einer Studie allerdings fest, dass die Frauen gegenüber den Männern immer noch gravierend unterbezahlt sind. 30 Elite-Ligen und 294 Klubs wurden untersucht, danach verdienen die Frauen im Schnitt 14.000 Euro im Jahr, die Männer dagegen 20.000 Euro – im Monat!

In einem weiteren Blog in dieser Woche steht die WM der Männer in Katar im Mittelpunkt. Die Fans sollten nämlich die Zeit nutzen, wenn sie Bundestrainer sein wollen…

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