Bayern am Ziel und für alle gilt: Die Woche noch überstehen!

Jetzt ist es passiert: Am 6. Spieltag hatte Union Berlin erstmals die Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga übernommen, ausgerechnet am 13. (böse 13?) war der Höhenflug zu Ende. Mit ein Grund war neben der Siegesserie von Jäger Bayern wohl auch die Europa League. Bei Union schwanden die Kräfte. Dennoch: Die Berliner spielen eine großartige Saison!

Auffallend: Als Union am 6. Spieltag Erster wurde, rangierten die Bayern auf Rang drei mit zwei Punkten Abstand. Jetzt hat sich das Ganze umgedreht: Die Münchner führen und die Berliner sind Dritter und zwei Punkte zurück! Überhaupt begleitete den Union-Sturz Auffälligkeiten: Erstmals brach das Team beim 0:5 in Leverkusen auseinander, die bis dahin beste Abwehr mit nur neun Gegentreffern in zwölf Spielen kassierte gleich einen Fünfer-Pack, Bayer dagegen „explodierte“, vorher 16 Tore in zwölf Spielen, jetzt fünf in einem. Verantwortlich auch Trainer Xabi Alonso, die Umstellungen fruchteten und der Ex-Bayern-Star konnte seinem alten Verein helfen…

Mittendrin zwischen den Rivalen jetzt das zweite Überraschungsteam der Saison, der SC Freiburg, der seine überhaupt beste Saison spielt, 27 Punkte nach 13 Spielen gab es noch nie und Trainer Christian Streich spielt erfolgreich die Klaviatur der Rotation: Gegenüber dem 1:1 in der Europa League bei Qarabag Agdam wechselte Streich zehn Spieler! Nur Kapitän Günter war beide Male dabei. Dem Trainer fiel das Wechselspielchen leicht, Freiburg war schon Gruppensieger, Union zum Beispiel musste noch um das Weiterkommen (erfolgreich) kämpfen.

Kämpfen müssen derzeit alle Vereine, denn schon das „normale“ Bundesliga-Programm ist ein Stresstest und jetzt haben alle nur ein Ziel: Die Woche noch überstehen mit gleich zwei Spieltagen! Nach dem 13. November geht es in die durch die Winter-WM in Katar erzwungene WM- und Weihnachtspause, ehe am 20. Januar 2023 mit dem Duell Leipzig – Bayern der Ball wieder in der Bundesliga rollt, es ist dann der 16. Spieltag. Erstmals wird die Hinrunde nicht im gleichen Jahr beendet. Der Schlager zum Abschluss am Sonntag ist das Duell der Überraschungsteams Freiburg – Union (15.30 Uhr).

Die Woche überstehen als Ziel oder eben, zum Abschluss noch einmal Zuversicht tanken für den Wiederbeginn im Januar. An Selbstvertrauen mangelt es den Bayern nicht, sie stehen jetzt da, wo sie ihrem Selbstverständnis nach hingehören und nur Leichtsinn könnte Bremen und Schalke als letzte Gegner zu Stolpersteinen machen. Armes Schalke, das Schlusslicht hat jetzt sieben Niederlagen am Stück erlitten, zwei Heimspiele könnten Hoffnung machen, doch neben Mainz kommen eben die Bayern, die haben sechsmal nicht verloren. Die gleiche Erfolgsserie haben auch Leipzig und Wolfsburg (!), allerdings mit nicht so vielen Siegen wie der neue Tabellenführer. Halten die Serien? Leipzig erwartet im Spitzenspiel Freiburg und muss nach Bremen, Wolfsburg empfängt Dortmund und muss zu Hoffenheim. Da sind die Serien in Gefahr. Im Minusbereich neben Schalke liegt vor allem der FC Augsburg, der zuletzt viel Lob einheimste, aber fünfmal nicht siegreich blieb. Das gab es schon öfters, dass man mit Lob in die zweite Liga verabschiedet wurde, der FCA befindet sich nämlich wieder im Abstiegskampf und hat zum Abschluss eine Art „Endspiel“ gegen Bochum, aber vorher geht es zu Union. Ein interessanter Jahresabschluss der Bundesliga steht auf jeden Fall bevor.

Der Fluch des Erfolgs

Am Montag haben einige Bundesligisten und ihre Fans zunächst einmal mit viel Spannung nach Nyon an den Sitz der UEFA geschaut, wo die nächsten Runden in Europa ausgelost wurden. In der Gruppenphase glänzte die Bundesliga, die gleich vier ihrer fünf Kandidaten ins Achtelfinale durchgebracht hat. Bei den Losen, die Ex-Bundesligaspieler Hamit Altintop zog, schluckten allerdings alle. Besonders die Bayern traf der Fluch des Erfolgs (neuer Rekord, zum dritten Mal in allen Gruppenspielen siegreich), denn der einzige deutsche Gruppensieger durfte eigentlich auf ein leichteres Los mit einem Zweiten rechnen, doch es kam anders – der Gegner heißt Paris St. Germain. Paris patzte am letzten Spieltag gegenüber Benfica Lissabon, das punktgleich auf Grund von mehr Auswärtstreffern auf Platz eins kam, Paris wurde Zweiter. Inter Mailand als Gruppenzweiter hinter Bayern hat es gegen Porto zweifellos leichter, Benfica erwischte das Glückslos Brügge. Die Bayern haben dagegen Angstgegner Paris St. Germain (sechs Niederlagen) vor der Brust, doch Bange machen gilt nicht, vor allem erinnern sie sich an das Finale von 2020 als die Münchner durch ein Tor von Coman den Henkelpott gewannen. Allerdings drehte Paris 20/21 im Viertelfinale den Spieß um. Wenigstens ins Halbfinale wollten die Bayern eigentlich kommen, nach der Blamage im Vorjahr mit dem Ausscheiden im Achtelfinale gegen Villarreal. Diesmal wäre ein Ausscheiden gegen Mbappé, Messi und Neymar zumindest keine Blamage.

Viel leichter haben es auch die Kollegen nicht, sie treffen allesamt auf Top-Gegner. RB Leipzig duelliert sich mit Manchester City, Pep Guardiola muss mit seinem Team nach Dortmund in der Gruppenphase also erneut nach Deutschland. Die Borussia bekommt wieder ein Team aus der Premier League vorgesetzt, allerdings ist Chelsea derzeit nicht so stark wie City. Eintracht Frankfurt hat bei der Premiere die Ehre mit der derzeit besten Mannschaft Europas, nämlich den SC Neapel, Spitzenreiter der Serie A in Italien. Zuletzt konnten Teams aus Italien die Eintracht nie stoppen. Das absolute Schlagerspiel ist die Neuauflage des letztjährigen Finals zwischen dem Liverpool und Real Madrid, das mit einem 1:0-Sieg den Pokal gewann. Zudem gibt es noch die Partie AC Mailand – Tottenham Hotspur. Im Achtelfinale zieht sich jede Runde über zwei Wochen hin, Start ist am 14. Februar die Rückspiele gibt es ab 7. März. Die Premier League ist wie die Bundesliga mit vier Teams vertreten, was fast schon Tradition hat. Dagegen ist es ein Novum, dass nur Real Spanien vertritt, während Nachbar Portugal mit Benfica und Porto erstmals mit zwei Vereinen dabei ist.

In der Europa League wurden die Play-Offs ausgelost, bei denen der SC Freiburg als Gruppensieger zuschauen darf. Bayer Leverkusen rettete sich vor Atletico Madrid als CL-Absteiger in diese Runde und hat ebenso wie Union Berlin einen attraktiven Gegner. Bayer trifft auf den AC Monaco mit Ex-Bayer-Spieler Kevin Volland. Bei Ajax Amsterdam muss Union Berlin antreten, das sich mit drei 1:0-Siegen qualifiziert. Das Schlagerspiel bringt aber zwei Favoriten zusammen: FC Barcelona mit Robert Lewandowski gegen Manchester United mit Cristiano Ronaldo. Die Europa League kann also auch interessant sein. In der Conference League ist der 1. FC Köln ausgeschieden.

Spannung gibt es in dieser Woche weiterhin, am Donnerstag gehört die Bühne Hansi Flick und der Nationalmannschaft, denn der Bundestrainer wird das WM-Aufgebot bekannt geben. Es wird viel spekuliert, einige Kandidaten wie Moukoko, Füllkrug oder Mario Götze haben am Wochenende noch auf sich aufmerksam gemacht. Mehr dafür in der anschließenden Kolumne „“Spielen Sie doch mal Hansi Flick“.

Die Frauen-Nationalmannschaft hat auch ihre Weltmeisterschaft im Visier, doch die findet erst im Juli nächsten Jahres in Australien und Neuseeland statt. Jetzt steht erst einmal eine USA-Reise an, was mitten in der Bundesliga-Saison undankbar ist, doch es gilt, alte Verpflichtungen einzulösen. Mit einem ersatzgeschwächten Team muss Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg am 11. November in Fort Lauderdale (Florida) und zwei Tage später in Harrison (New Jersey) gegen den Weltmeister klarkommen. Die Bundesliga geht am 25. November weiter.

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