Die Vorrunde war Werbung für die Fußball-Bundesliga

Gut, die Vorrunde ist nicht ganz vorbei, zwei Spieltage stehen noch aus und werden im Januar quasi nachgeholt, die Winter-WM in Katar will es so, dass der Spielplan ein wenig in Schieflage gerät. Zwei Monate sind Winterpause, deshalb kann eine erste Bilanz gezogen werden. Man darf sagen, dass es keine Vorrunde wie immer war, so turbulent ging es selten zu. Gravierende Merkmale: Die Bayern zwischendurch in der Krise, dafür trumpften die Underdogs von Union und Freiburg auf und mit Leverkusen geriet ein Kandidat auf einen Platz für die Champions League in den Abstiegskampf. Die englische Woche zum Abschluss der Punktrunde 2022 rückte allerdings einiges wieder gerade und sorgte damit ebenfalls wieder für Werbung für die Fußball-Bundesliga.

Vier Vereine trumpften in dieser Woche mit drei Siegen auf: Bayern (zuletzt sechs am Stück), Leipzig, Wolfsburg (beide vier in Folge) und Leverkusen. Die Auswirkungen waren zum Teil enorm: Die Bayern stürmten nach drei Punkten Rückstand zu Spitzenreiter Union wieder auf Platz eins und haben jetzt vier Zähler Vorsprung auf Freiburg. Leipzig ist unter dem neuen Trainer Marco Rose seit 13 Pflichtspielen ungeschlagen, geht als Dritter in die Pause. Wolfsburg zählte zu den Teams im Abstiegskampf, jetzt klopft der VW-Klub als Siebter (zwei Punkte hinter Dortmund und Union) wieder an die Tür zu Europa. Und Leverkusen befreite sich von den größten Abstiegsängsten, verdoppelte mit drei Siegen seine Punktzahl und sprang auf Rang 12. Zu den Gewinnern zählt natürlich auch der SC Freiburg, der gegenüber Union mehr Beständigkeit zeigt und fast schon sensationell erster Bayern-Verfolger ist.

Es gab aber auch Vereine, die anderes erlebten. Drei Niederlagen kassierten Hoffenheim und Köln, Tristesse in der Weihnachtspause. Einen Absturz erlebte Union Berlin mit zwei Niederlagen und einem 2:2 gegen Augsburg, statt stolzer Leader nur noch im Verfolgerfeld auf Platz fünf. Oder der FCA, der seltsamerweise bei Union punkten konnte, aber nach drei stolzen Siegen im September (u. a. gegen Bayern) und dem Blick nach oben, nun nach sieben erfolglosen Spielen mit gerade mal drei Zählern wieder mitten im Abstiegskampf steht. Torhüter Rafael Gikiewicz klagt: „15 Punkte aus 15 Spielen, das ist ein Witz“. Wie schwach das 0:1 gegen Bochum war, zeigt die Bilanz des Vorletzten, der nach acht Auswärtspleiten in Folge erstmals wieder siegte. Noch schlechter sieht die Bilanz auf fremden Plätzen beim VfB Stuttgart aus: Für den Drittletzten war das 0:2 in Leverkusen nicht nur ein Rückschlag im Abstiegskampf, sondern das 17. Auswärtsspiel, damit alle im Kalenderjahr 2022, ohne Sieg! Das wird im Ländle eine unruhige Weihnachtspause, wird doch über die Zukunft von Sportchef Sven Minslat und Interimstrainer Michael Wimmer verhandelt. Boss Alexander Wehrle hat eine USA-Reise abgesagt, in der Heimat brennt es. Ähnlich geht es wohl in Dortmund zu, Rang fünf ist nicht der Anspruch. Trainer Edin Terzic steht aber nicht zur Debatte, er ruft schon jetzt zur Aufholjagd.

Wer Freude an der Vorrunde hatte, wird ungeduldig, aber mit Freude auf die Fortsetzung warten. Der Spielbetrieb 2023 startet mit brisanten Begegnungen: Start ist am Freitag, 20. Januar, mit dem Duell der Seriensieger Leipzig und Bayern, mit Freiburg und Wolfsburg stehen sich am Samstag ebenfalls zwei zuletzt erfolgreiche Mannschaften gegenüber. Anders sieht es bei Schlusslicht Schalke aus, das sich in der Winterpause verstärken will. Mit Leipzig und Frankfurt stehen dann gleich hohe Hürden bevor.

Wie aber überbrücken die Vereine die lange Pause, die es so noch nie gab und Neuland darstellt? Natürlich ist ein individuell kürzerer oder längerer Urlaub angesagt und meist leichter Trainingsbetrieb, ehe es im Januar wieder mit Volldampf losgeht. Bei den Bayern sieht es ziemlich leer aus, 17 (!) Spieler sind für die WM nominiert, Rekord in Europa. Der Rest trainiert mit der U23, am 3. Januar ist Trainingsauftakt, dann geht es ins Trainingslager – trotz aller Debatten wieder nach Katar. Auf Reisen sind einige Vereine schon in den nächsten Tagen, sie betreiben im Ausland u. a. Werbung für die Bundesliga. Frankfurt (Japan) und Dortmund (u. a. Indonesien) fliegen nach Asien, Leverkusen hat die Ehre in St. Louis das neue Stadion zu eröffnen, Köln und Stuttgart spielen am 19. November in Austin (Texas) gegeneinander.

Die Nationalmannschaft flog am Freitag von Frankfurt aus zur WM nach Katar, allerdings hatte der Linienflieger (keine Charta!) das Ziel Maskat im Oman. Dort hat Bundestrainer Hansi Flick zunächst ein kurzes Trainingslager zur Eingewöhnung angesetzt und am Mittwoch (18.00 Uhr) steht ein Testspiel gegen die Auswahl vom Oman auf dem Programm. Erst am Donnerstag geht es dann weiter nach Katar ins Teamquartier Zulal Wellness Resort im Norden des Landes. Im Aufgebot fehlte am Montag Torhüter ter Stegen, der sich mit Magen-Darm-Probleme plagt und nachreist.

Natürlich gibt es in dieser Woche noch einen eigenen Blog zur WM in Katar. Vorweg: Der Sport wird im Mittelpunkt stehen, es heißt ja Sport-Grantler und nicht Katar-Grantler.

Neuer Wettbewerb für die Frauen

Die Frauen-Nationalmannschaft hat bereits Werbung für den deutschen Fußball betrieben und darf den Männern als Vorbild dienen. Die Mädchen bezwangen nämlich im ersten Vergleich Weltmeister USA in Florida mit 2:1, für die Gastgeberinnen war es die erste Niederlage nach 71 ungeschlagenen Heimspielen! Im zweiten Spiel in New Jersey nahmen die Amerikanerinnen mit 2:1 Revanche, aber beide Spiele zeigten, dass Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg optimistisch der WM im nächsten Jahr in Australien und Neuseeland entgegen sehen kann, zumal ja nicht die Bestbesetzung zur Verfügung stand.

Für die Frauen gibt es einen neuen Wettbewerb: Die UEFA führt 2023 auch für die Frauen eine Nations League ein. Die Mannschaften werden nach der Rangliste des Verbandes einer von drei Ligen zugeordnet, zwischen denen es Auf- und Abstieg gibt. Damit soll die Aufmerksamkeit für die Frauen-Auswahlteams gesteigert werden. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin lobte sich selbst: „Ich habe nach der historischen EM in England gesagt, dass wir weiter in den Frauen-Fußball investieren werden.“

Der Boom in Deutschland ist schon sichtbar geworden, die Bundesliga verzeichnete nach sieben Spieltagen 119.286 Zuschauer, das ist bereits mehr als in der gesamten Vorsaison (108.483). Eine Studie geht davon aus, dass die Vereine bis 2032 einen kommerziellen Wert von 130 Millionen Euro erwirtschaften, derzeit sind es nicht ganz 20 Millionen pro Saison. Da passt dazu, dass Hertha BSC Berlin jetzt auch in den Frauen-Fußball einsteigen will und eine eigene Mannschaft gründen. Deshalb wurde die Zusammenarbeit mit Potsdam aufgekündigt. In der Bundesliga geht es am 25. November weiter, wenn Potsdam am Freitag Hoffenheim erwartet. Wegen de Männer-WM gibt es keine Pause, auch die Champions League läuft weiter. Viele Fans, die die WM in Katar boykottieren wollen, wenden sich vielleicht den Spielen der Frauen zu. Für gute Zuschauerzahlen wäre dann weiterhin gesorgt.

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