Deutschland zwischen Angst und Hoffnung

Am Mittwoch geht die Fußball-Weltmeisterschaft auch für Deutschland los. Vor dem Auftaktspiel um 14.00 Uhr MEZ gegen Japan macht sich vor allem eine Anspannung breit, die über den üblichen Turnierauftakt hinaus geht. Die Unsicherheit ist groß, nicht nur die Fans, sondern auch Spieler und Trainer stellen sich die Frage: „Wo stehen wir?“ Das einzige Testspiel mit dem glücklichen 1:0 gegen den Oman gab keine Antwort. Da passt es fast nicht, dass klar das Ziel formuliert wird, um den Titel mitspielen zu wollen. Deutschland also zwischen Angst und Hoffnung!

Die erhöhte Anspannung im deutschen Team rührt vielleicht daher, dass es eine schlechte Erinnerung gibt. Vor vier Jahren bei der WM in Russland begann das Dilemma des frühen Ausscheidens nämlich mit dem ersten Spiel – die 0:1-Niederlage gegen Mexiko war der Anfang vom Ende. Es folgten ein 2:1 gegen Schweden, das trügerische Hoffnungen weckte, die jäh mit dem peinlichen 0:2 gegen Südkorea platzten. Der Weltmeister war als Letzter seiner Gruppe ausgeschieden! So weiß auch Kapitän Manuel Neuer als gebranntes Kind, „das erste Spiel stellt die Weichen“ und er hat auch schon ein Mittel für den Erfolg parat: „Wir müssen in der Defensive gut stehen“. Aber gerade das ist derzeit bei der Flick-Elf leichter gesagt als getan, gerade die Defensive wackelte, das Rezept war eher, mehr Tore zu schießen als der Gegner.

Eigentlich könnte es sich Bundestrainer Hansi Flick leicht machen und vor allem auf den Bayern-Block setzen. Die Münchner zeigten sich zuletzt in Bestform, schossen Tore fast am Fließband und konnten Gegentore so leicht verkraften. Der Bayern-Block bildet sowieso die Achse mit Neuer, Kimmich, Musiala, Müller, Sané und Gnabry. Zwei Fragezeichen gibt es: Wohin mit Thomas Müller, der wieder fit ist? Er könnte Mittelstürmer spielen oder Musiala, Sané oder Gnabry ersetzen. Dazu muss sich Flick entscheiden, ob Goretzka neben Kimmich den Bayern-Block komplettiert, was empfehlenswert wäre, oder auf Ilkay Gündogan setzt, der zweifellos weniger Power ins Spiel bringt, vielleicht aber mehr Sicherheit, zumindest an guten Tagen.

Auch darüber hinaus hat der Bundestrainer wohl nicht allzu viele Fragen zu klären. Rüdiger und Süle bilden wohl die Innenverteidigung, auf den Außenpositionen setzt er sicher rechts auf Kehrer, während links sich eher der Freiburger Günter anbot, weil sich Stammkraft David Raum eine kleine Formkrise leistet. Und dann muss sich Hansi Flick noch auf sein Bauchgefühl beim Mittelstürmer verlassen. Gnabry, Müller und Havertz stehen zur Debatte, Füllkrug oder Moukoko stehen je nach Spielstand und Spielgeschehen als Joker parat. Wenn die Bayern-Asse den Schwung der letzten Bundesliga-Begegnungen nun auch auf den Rasen in Katar bringen, sollte sich eine Pleite wie 2018 nicht wiederholen.

Japan ist für die deutsche Mannschaft ein weitgehend unbeschriebenes Blatt, obwohl acht der 26 Spieler bei deutschen Klubs angestellt sind. Dazu kommt ein Torhüter mit deutschem Namen, nämlich Daniel Schmidt, dessen Vater ein US-Amerikaner mit deutschen Vorfahren ist, seine Mutter ist Japanerin. Schmidt ist in den USA geboren, wuchs aber im japanischen Sendai auf und spielt in Belgien. Mit seiner Körpergröße von 1,96 m ist er nicht der typische Japaner.

Zweimal spielte eine DFB-Elf erst gegen Japan, dabei gab es 2004 einen 3:0-Sieg in Yokohama, 2006 trennte man sich in Leverkusen 2:2. Japan erreichte bei WM-Turnieren dreimal das Achtelfinale (2002, 2010 und 2018), dann aber war immer Endstation. Der letzte Test ging mit 1:2 gegen Kanada verloren. Erwartet wird ein defensiver Gegner, der gerne kontert. In der Abwehr sollten Ito (Stuttgart) und Yoshida (Schalke) auftauchen, im Mittelfeld sind Kamada (Frankfurt) und Endo (Stuttgart) zu beachten. Die Japaner des WM-Aufgebotes sind überwiegend in Europa beschäftigt.

Blamage für die FIFA und Infantino

Wenn die deutsche Mannschaft das erste Mal gegen den Ball tritt, dann ist die WM bereits in vollem Gange. Ausgenommen der pompösen und bunten Eröffnungsfeier war der Start für den Weltverband und Gastgeber Katar nicht glücklich. Ganz im Gegenteil, die FIFA und ihr überheblicher Präsident Gianni Infantino haben sich wieder blamiert. Der FIFA-Boss schoss bei einer bizarren Pressekonferenz mit seinen Äußerungen weit über das Ziel hinaus, warf den Europäern Doppelmoral in Sachen Menschenrechten vor, zeigte sich als Lobbyist von Katar und hob die FIFA in den Rang einer Weltmacht, die als einzige wirklich etwas für die Bevölkerung tun würde. So tummelte sich Infantino ja auch beim Treffen der Präsidenten der G20, eine Ebene der Politik, auf der er sich auch verortet.

Das Katar kein Fußball-Land ist, zeigte sich beim Eröffnungsspiel. Beobachter vermissten die Atmosphäre vor dem Stadion, bei der 0:2-Niederlage von Katar gegen Ecuador verließen zudem die meisten der 67.000 Zuschauer ihre Plätze weit vor Spielende! Nur bezahlte und offensichtlich trainierte katarische „Fans“ und natürlich die Südamerikaner sorgten für ein bisschen Stimmung. Auch das Team von Katar zeigte sich als Lehrling, erstmals verlor ein Gastgeber das Eröffnungsspiel!

Der Gastgeber und die FIFA blamierten sich auch mit dubiosen Entscheidungen. So zog Katar die Zusage zurück, dass die Fans rund um die Stadien Bier trinken dürfen, was im Land ansonsten verpönt ist. Die FIFA akzeptierte diese Entscheidung, die eigentlich einem Affront gleich kommt. Der Weltverband verhinderte auch, dass die Kapitäne einiger europäischer Verbände mit der Kapitänsbinde „One Love“ in bunten Farben als Zeichen für Diversität und Toleranz auflaufen. Diese wurde verboten und Strafen angekündigt. Geldstrafen hätten Deutschland, England, Frankreich, Spanien, die Niederlande, Schweiz, Wales und Dänemark hingenommen, doch es drohen auch Gelbe Karten und damit Sperren, die den Sport beeinträchtigen können. Die FIFA legt ihrerseits eine Kapitänsbinde vor mit dem Slogan „Fußball vereint die Welt“. Nichts als eine Parole ohne Aussagekraft. Typisch FIFA, die nur mit verlogenen Parolen operieren kann, um die Wahrheit von Korruption und Geldwäsche zu vertuschen.

Die umstrittene Fußball-Weltmeisterschaft 2022 hatte also keinen glücklichen Start. Es ist zu befürchten, dass da noch einiges auf uns zukommt. Zur WM auch der nächste Blog „Die verkaufte WM und der Zwiespalt der Gefühle“.

Zuschauer-Rekord im Frauen-Fußball

Während die Fußballwelt auf Katar schaut, geht der Fußball national und in Europa weiter. So spielen in Deutschland noch die Amateure und die Frauen müssen allein schon aus Termingründen ihr Programm national und international durchziehen. Am Wochenende stand das Achtelfinale des DFB-Pokals an und dabei gab es wieder einen neuen Zuschauer-Rekord. In Nürnberg strömten 17.302 Fans ins Max-Morlock-Stadion um den Zweitligisten gegen die Übermannschaft vom VfL Wolfsburg zu sehen. Nürnberg verlor erwartungsgemäß mit 0:6, feierte aber ein Fest. Neben Wolfsburg kamen meist die Favoriten weiter, nur Frankfurt scheiterte mit 1:2 am aufstrebenden RB Leipzig. Die Bayern-Mädchen hatten beim 7:0 in Duisburg keine Probleme, haben nun im Viertelfinale in Hoffenheim (3:0 gegen Leverkusen) eine höhere Hürde. Außerdem ausgelost die Partien Köln – Wolfsburg, Leipzig – Essen und Jena – Freiburg für die Spiele am 28. Februar/1. März 2023.

Am kommenden Wochenende steht der 8. Spieltag der Bundesliga an, 9 und 10 folgen noch im Dezember als Parallel-Vergnügen zur Männer-WM! Für die Spitzenteams aus Wolfsburg und München stehen vorher aber noch internationale Aufgaben an. In der Champions League gibt es in ihren Gruppen die Duelle der noch ungeschlagenen Mannschaften. Die Wölfinnen gastieren am Mittwoch (21.00 Uhr) bei AS Rom und sind dabei Favorit, die Bayern-Mädchen müssen zum Mit-Titelfavoriten FC Barcelona (Donnerstag, 18.45 Uhr) und sind Außenseiter. Sie fiebern eher dem Rückspiel am 7. Dezember entgegen, wenn mehr als 20.000 Fans in der Allianz-Arena erwartet werden.

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