Messi-Krönung – Infantino-Schock – Deutsche Zukunft

Jetzt ist auch die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 Geschichte. Sie hat doch tatsächlich im umstrittenen Katar stattgefunden und war am Ende trotz aller Unkenrufe und Kritik (vor allem in Deutschland) ein Erfolg. Katar darf sich freuen, die ausländischen Gäste (nur wenige aus Deutschland) waren zufrieden, die Stadien gut gefüllt und Katar selbst bekam die maximale Aufmerksamkeit. Die Organisatoren waren glücklich, dass alles geklappt hat und stellten zufrieden fest: „Wir haben gezeigt, was auch die arabische Welt zu leisten vermag.“ Werbung also auch für die Nachbarn. Natürlich muss sich in Sachen Menschenrechte in vielen Staaten im arabischen Raum etwas ändern, aber das ist eine Sache der Politik, nicht des Sports. Und da haben viele in Deutschland über das Ziel hinaus geschossen, nicht umsonst beklagte Bundestrainer Hansi Flick, dass die Politik die Mannschaft im Stich gelassen habe. Allerdings hätte auch der DFB-Vorstand diesbezüglich das Team schützen müssen.

Bei den erfolgreichen Nationen waren die deutschen „One-Love-Diskussionen“ nur ein Thema am Rande. Schon gar nicht rund um das Finale, das als eines der besten in die WM-Analen eingehen wird. Ein begeisterndes und spannendes Spiel mit der Krönung für den überragenden Lionel Messi, der ganz Argentinien glücklich machte. Endlich, nach 36 Jahren des Wartens, wieder Weltmeister und der 35-jährige Ausnahmespieler hat seinen WM-Titel, steht jetzt auf einer Stufe mit Legende Diego Maradona. Messi löste zudem Lothar Matthäus als Rekordspieler ab. Es war das Finale der Stars, Messi war glücklicher als der dreifache Torschütze Kylian Mbappé, vier Tore in zwei Endspielen ist Rekord, Argentinien einen Tick abgebrühter als der Titelverteidiger, der den Weltmeister-Fluch wohl auch deshalb nicht bannen konnte, weil die Mannschaft im Vorfeld von einer Erkältungswelle überrollt wurde. Da halfen auch regelgerechte sieben (!) Auswechslungen nichts mehr, seit jetzt 60 Jahren konnte kein Weltmeister seinen Titel erfolgreich verteidigen. Den nächsten Versuch gibt es 2026 von Argentinien, wenn die WM auf 48 Nationen aufgestockt und mit Mexiko, Kanada und den USA gleich in drei Ländern ausgetragen wird.

Kleinere Länder wie Katar werden so ein Mammutturnier nicht mehr ausrichten können. Katar investierte viele Milliarden Dollar für das Gelingen, baute neue Stadien, von denen viele wieder abgebaut, allerdings teilweise wieder verwertet werden. Die Besucher in Katar waren glücklich darüber, dass es eine WM der kurzen Wege gab. Auch hier wird Katar eine Ausnahme bleiben.

Auch sportlich war es eine gelungene WM mit vielen interessanten Spielen. Im Vordergrund stand eine zuverlässige Abwehrarbeit, da gehörte gerade Deutschland zu den schwächeren Teams und schied deshalb vorzeitig aus. Viele Nationen agierten defensiv mit Kontertaktik, was auch dazu führte, dass es tatsächlich keine Kleinen mehr gibt, spielerische Nachteile wurden durch Kampfgeist ausgeglichen. Vor allem Afrika war erfolgreich wie nie, Marokko als Vierter machte den ganzen Kontinent einschließlich des arabischen Raums glücklich. Die Spieler und Trainer haben viel in Europa und Südamerika gelernt, bald können sie wohl noch mehr Erfolge ernten. Aber ohne große Spieler geht es eben auch nicht, siehe die Stars Lionel Messi, Kylian Mbappé und Luka Modric, der Kroatien auf Rang drei führte. Messi (35) und Modric (37) wollen sogar in den Nationalteams ihre Karriere fortsetzen und noch ein bisschen den Glanz der großen Erfolge genießen.

Die FIFA will vor allem kassieren

Nach der WM ist vor der WM und da steht wieder die FIFA im Mittelpunkt. Wer gedacht hatte, dass Präsident Gianni Infantino geschwächt aus dem Katar-Geschehen hervorgehen könnte, der sieht sich getäuscht und muss den Infantino-Schock verdauen. Der größenwahnsinnige Schweizer, der sich sogar als politischer Weltführer sieht, hat nicht nur weitere Pläne, um FIFA-Turniere noch größer zu machen, er schockte auch damit, dass seine Berater trickreich Schwächen in den Statuten erkannten, so dass Infantino sogar bis 2031 im Amt bleiben kann. Seine ersten drei Jahre als Nachfolger von Josef Blatter werden nicht als erste Amtszeit gewertet, die läuft erst jetzt und zwei Wiederwahlen sind möglich.

Infantino sieht sich als Geldbeschaffer und verspricht vor allem den kleinen Nationen große Unterstützung – das bringt Stimmen. Dass Deutschland ihn nicht unterstützt, interessiert ihn nicht, „es ist nur eine Stimme von 211, über 200 sind für mich.“ So steht der DFB als doppelter Verlierer der WM da, denn auch in der FIFA hat der Verband an Einfluss verloren. Der größte Verband muss kleine Brötchen backen.

Der nächste Coup von Infantino ist die Ankündigung, dass die Klub-Weltmeisterschaft ab 2025 als großes Weltturnier mit 32 Mannschaften durchgeführt werden wird. Der Terminkalender wird immer dichter, die Spieler stoßen jetzt schon an ihre Grenzen, aber die FIFA will kassieren. Der Gewinn liegt derzeit schon bei 7,5 Milliarden Dollar und soll auf elf gesteigert werden. Als Einnahmequelle dienen künftig zudem sogenannte „World Series“, die in der Länderspielpause im März als Viererturnier durchgeführt werden sollen. Sie sollen wohl ein Gegenstück zur Nations League in Europa darstellen. Pflichtspiele statt Testspiele ist das Motto. Doch wo findet die UEFA neuen freien Raum? Ist der FIFA egal, sie diktiert und kassiert. Der Fußball wird finanziell ausgequetscht und stößt immer mehr an seine Grenzen. Kein Wunder, dass es noch Widerstand gibt.

Der DFB und die Zukunft

In Katar wurde großer Fußball geboten, in Deutschland werden die Wunden geleckt. Was ist zu tun, damit die Nationalmannschaft auch sportlich als würdiger Gastgeber bei der Europameisterschaft 2024 im eigenen Land antritt? Wer nicht weiter weiß, der gründet zunächst einen Arbeitskreis. DFB-Präsident Neuendorf hat die Größen Rummenigge, Völler, Kahn und Sammer um sich versammelt, dazu die Top-Funktionäre Watzke und Mintzlaff. Sie sollen sich Gedanken machen, wie das DFB-Team auf Vordermann gebracht werden kann. Bundestrainer Hansi Flick wird aber auch gesehen haben, dass andere Mannschaften besser in der Abwehr und gieriger auf den Erfolg waren. Diesbezüglich kann der Weltmeister als Vorbild dienen. Argentinien startete mit der Blamage einer 1:2-Niederlage gegen Saudi-Arabien, Deutschland mit einer 1:2-Niederlage gegen Japan – dann trennten sich die Wege. Argentinien wurde Weltmeister, Deutschland schied aus.

Ein zweiter Arbeitskreis soll sich zudem um die Entwicklung im deutschen Fußball kümmern, da sind dann auch Frauen dabei, die rund ums Nationalteam vermisst werden. Diese Strukturkommission wird gebildet von Alexander Wehrle (Aufsichtsratchef der DFB GmbH), Schatzmeister Stephan Grunwald, Generalsekretärin Heike Ullrich, Marketing-Geschäftsführer Holger Blask, EM-Direktor Philipp Lahm und Vizepräsidentin Celia Sasic. Sie sollen auch die Organisation überprüfen, wie die Aufgaben vom bisherigen Direktor Oliver Bierhoff wirkungsvoll aufgeteilt werden können. Dann geht es auch um die personellen Entscheidungen.

Gute Ideen und Entscheidungen sind eine Notwendigkeit, wenn der Fußball in der Öffentlichkeit Kredit zurück gewinnen will. Die Begeisterung hat nachgelassen, Fans wenden sich ab, die Nationalmannschaft ist nicht mehr unantastbar. Die Einschaltquoten im Fernsehen zeigen den Rückgang des Interesses. 13,86 Millionen sahen das Finale in der ARD, vor vier Jahren waren es noch 21,32 Millionen, die sich für das WM-Finale Frankreich – Kroatien interessierten. Insgesamt verzeichneten ARD und ZDF einen Rückgang von 40 Prozent bei den WM-Zuschauern.

Das Interesse der Fans hat sich teilweise auf die Frauen verlagert, die mit Erfolgen glänzen können. Der Vize-Europameister beginnt das neue Länderspieljahr im Februar mit einem Gastspiel von Schweden in Duisburg. Vor allem für Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die in Duisburg gespielt hat und Trainerin war, ein Heimspiel.

Der VfL Wolfsburg und Bayern München sind aogar in der letzten Woche vor Weihnachten noch im Spielbetrieb, schließen die Champions League ab. Die Bayern-Mädchen haben sich mit dem 4:0-Sieg in Malmö gegen Rosengard für das Viertelfinale qualifiziert, gegen Benfica Lissabon geht es am Mittwoch (21.00 Uhr) nur noch ums Prestige, denn Barcelona wird gegen Rosengard kaum Platz eins freimachen. Die Wölfinnen schwächelten beim 0:0 gegen AS Rom und müssen nun am Donnerstag (18.45 Uhr) beim SKN St. Pölten Platz eins mit einem Sieg verteidigen.

Werbung