2022 war das Jahr der Kritik am Sport – Frauen-Fußball war der große Gewinner

Es gibt viele Menschen, die froh sind, wenn das Jahr 2022 zu Ende ist, dafür aber mit großer Hoffnung ins neue Jahr gehen. Nehmen wir nur die leidgeprüften Leute in der Ukraine. Werden sie den Frieden erleben? Was ist der Sport doch für ein kleines Licht gegenüber diesem Leid. Aber der Sport hat doch eine große Bedeutung und sei es nur, dass er uns Ablenkung vom tristen Alltag bietet. Wer selbst Sport treibt, wird wiederum die körperlichen und seelischen Vorteile spüren.

Im Profi-Bereich war 2022 das Jahr der Kritik am Sport. Es begann im Februar mit den Olympischen Winterspielen in Peking und endete mit der Fußball-Weltmeisterschaft im November/Dezember in Katar. Beiden Großveranstaltungen war gemein, dass es viele gern gesehen hätten, wenn sie gar nicht stattgefunden hätten. In China ist es mit den Menschenrechten ähnlich schlecht bestellt wie in Katar, an Peking kritisierten die Umweltschützer ebenso den Frevel an der Natur wie in Katar den Unsinn von heruntergekühlten Stadien. Der Unterschied: Peking litt auch unter Corona und der Wintersport hatte einen tristen Rahmen in brauner Natur. Katar wiederum schaffte es, eine wunderbare WM-Stimmung zu erzeugen und so erfüllte die WM die Hoffnungen der Politiker: Fußball als Werbeträger. China konnte Olympia nicht als PR-Lokomotive nutzen. Wie auch immer, da das IOC und dort die FIFA sollten bei der Wahl der Austragungsorte ihrer Veranstaltungen künftig strengere Maßstäbe anlegen und nicht nur auf das Geld schauen.

Die Sportler versuchten sich größtenteils auf den Sport zu konzentrieren, wie bekannt, gelang das deutschen Fußball-Nationalmannschaft rund um die Diskussion mit der Kapitänsbinde „One Love“, die von der FIFA verboten wurde, nicht. Vielleicht war deshalb die deutsche Mannschaft bei Olympia erfolgreicher, weil der Sport im Mittelpunkt stand. Immerhin 27 Medaillen wurden errungen, davon allein 12 Goldene, was Platz zwei in der Nationenwertung hinter Norwegen (37 Medaillen, davon 16 Goldene) bedeutete, noch vor China (15/9) und den USA (25/8).

In Katar blamierte sich die DFB-Elf mit dem Aus in der Gruppenphase, wobei es schon ein Stück unglücklich war, mit einem 4:2-Sieg gegen Costa Rica auszuscheiden. Seitdem werden im deutschen Fußball die Wunden geleckt. Sportdirektor Oliver Bierhoff war das Opfer, Bundestrainer Hansi Flick darf weitermachen und soll zunächst einmal die negative Stimmung in Deutschland wieder in eine positive umwandeln, damit das Herz der Fans wieder für Fußball schlägt. Die Europameisterschaft 2024 im eigenen Land soll hier der Motor sein. Ganz anders war die Stimmung in Argentinien, dort wurde der WM-Titel mit einem Feiertag bejubelt, da war eine ganze Nation aus dem Häuschen und hat nach Diego Maradona mit Lionel Messi einen weiteren Fußball-Gott. Die Frage nach dem Weltfußballer des Jahres dürfte beantwortet sein. Messi führte Argentinien zum Sieg über Frankreich.

Aber der deutsche Fußball hatte dennoch etwas zu bejubeln, nämlich die Frauen-Nationalmannschaft. Die begeisterte bei der Europameisterschaft in England und die Niederlage im Finale gegen England wurde dennoch als Sieg für die Fußball-Frauen hierzulande gewertet. Seitdem geht es aufwärts, steigen die Zuschauerzahlen in der Bundesliga, füllen die Frauen auch große Stadien. 2023 soll die Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland zur nächsten Werbelokomotive werden, denn es muss sich noch viel ändern. Die Frauen erwarten nicht die gleiche Entlohnung wie die Männer, aber sie würden sich in der Bundesliga echtes Profitum wünschen, damit jede Spielerin auch vom Fußball leben kann. Die Mädchen wurden populär, werden jetzt auf der Straße erkannt, bekommen bessere Werbeverträge und werden in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen. So profilierten sich einige Ex-Nationalspielerinnen als Expertinnen bei der Männer-WM und der kicker kürte die Kapitänin der Nationalmannschaft, Alexandra Popp, als erste Frau zur „Persönlichkeit des Jahres“ im Fußball. Den Auftakt machte 1990 Franz Beckenbauer, Popp folgt jetzt auf Robert Lewandowski, Hansi Flick und Jürgen Klopp. Das kann sich doch sehen lassen!

Begeisterung im Fußball gab es auch um Eintracht Frankfurt, der Sieg in der Europa League kann als Überraschung des Jahres gewertet werden. Die Eintracht wurde dann auch „Mannschaft des Jahres“ noch vor den Frauen. Es war ein Siegeszug, der vor allem von der Begeisterung und der mannschaftlichen Geschlossenheit lebte und die Fans mobilisierte. Die einst als Cup der Verlierer gegeißelte Europa League kann also attraktiv sein.

2022 war insgesamt ein ereignisreiches Sportjahr, wobei mit den European Championships im August in München in Erinnerung an Olympia 1972, also vor 50 Jahren, eine Veranstaltung mit großer Begeisterung gefeiert wurde, die man im Vorfeld eher als „Mitläufer“ bezeichnet hat. Der Zusammenschluss mehrere Europameisterschaft ließ mit der tollen Stimmung der Fans wirklich Erinnerungen an Olympia 1972 wach werden, die bis schrecklichen Attentat an der israelischen Mannschaft ein Sommermärchen waren. Vor allem die Leichtathleten feierten nach einer eher schwachen Weltmeisterschaft ein Comeback und Zehnkämpfer Niklas Kaul und Sprint-Ass Gina Lückenkemper wurden zu Sportler und Sportlerin des Jahres gewählt.

In Erinnerung bleiben manche Weichenstellungen im Fußball und auch Abschiede. So hat der DFB mit Bernd Neuendorf jetzt einen neuen Präsidenten, die Ära des dubiosen Strippenziehers Rainer Koch ging zu Ende. Neuendorf, so zeigte es die WM, muss aber erst in das Amt hineinwachsen. Das Gastspiel von Donata Hopfen als DFL-Chefin endete nach nur wenigen Monaten, der Job war eine Nummer zu groß für sie. Mit Max Eberl ging einer der bekanntesten Manager bei Borussia Mönchengladbach unter Tränen, er fühlte sich ausgebrannt. Nach einer Erholungsphase heuerte er jetzt bei RB Leipzig an. Einen ruhigen Abschied nahm Rudi Völler in Leverkusen. Abschiede auch von Serena Williams und Roger Federer im Tennis sowie Sebastian Vettel in der Formel 1. Jede Ära geht einmal zu Ende. Besondere Schlagzeilen gehörten Boris Becker, aus dem einstigen Wimbledon-Helden wurde ein Insolvenzbetrüger, aber sein Gefängnisaufenthalt in London endete nach nur wenigen Monaten. Jetzt will er sein Leben neu ordnen.

Aus dem Leben geschieden sind leider viele Sportler, in besonderer Erinnerung werden uns zwei Fußball-Größen bleiben. Mit Uwe Seeler ging Deutschlands vielleicht sympathischster Fußballer aller Zeiten ebenso von uns, wie in diesen Tagen auch Brasiliens Fußball-König Pelé nach langer Leidenszeit einer Darmkrebserkrankung. Und wann immer die Frage nach dem besten Fußballer aller Zeiten gestellt wird, die Antwort kann nur Pelé lauten, er hat wie kein Zweiter den Fußball inspiriert. Der Sport-Grantler wird Pelé in besonderer Erinnerung behalten, weil er ihn bei seinem Abschiedsspiel 1977 in New York kennenlernen durfte.

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