Kein Olympia, dafür könnte 2023 ein Jahr der Justiz im Fußball werden

An Silvester flogen in Deutschland wieder die Raketen, mit einem Feuerwerk wie in alten Zeiten begrüßte die Bevölkerung das neue Jahr. Offensichtlich gab es nach zwei Jahren Corona Entzugserscheinungen. Da tut sich der Sport leichter, wenn es um Höhepunkte geht. Nicht von ungefähr hat das IOC die Olympischen Spiele im Sommer und Winter in den Jahren getrennt, damit Olympia alle zwei und nicht vier Jahre ins Bewusstsein der Öffentlichkeit tritt. 2023 ist aber ein sogenanntes Zwischenjahr. Im Jahr ohne Olympia dominieren dafür die Weltmeisterschaften und es gibt auch wieder den Ryder Cup im Golf. Im Fußball steht die Weltmeisterschaft der Frauen an, aber im Mittelpunkt könnten auch Gerichtsurteile stehen. 2023 könnte das Jahr der Justiz im Fußball werden.

Aber zunächst zum Sport, der traditionell mit der Vierschanzentournee als besonderen Veranstaltung das Jahr einleitet. Aber bereits im Januar stehen die ersten Weltmeisterschaften an, die Handballer machen mit dem Turnier vom 11. bis 29. Januar in Polen und Schweden den Anfang. Die deutsche Mannschaft tritt in der Vorrunde in Kattowitz an und trifft auf Katar, Serbien und Algerien. Auch die Rodler rasen bereits im Januar den Eiskanal um Medaillen hinunter. Sie treffen sich vom 23. bis 29. Januar in Oberhof. Das Wintersportzentrum in Thüringen steht vor einem besonderen Winter, denn vom 8. bis 19. Februar tragen auch die Biathleten in Oberhof ihre WM aus. Bei den Rodlern dürfte es allerdings mehr deutsche Medaillengewinne geben.

Bei den Weltmeisterschaften geht es Schlag auf Schlag. Einige Appetithappen: Die alpinen Skisportler treffen sich im Februar in Courchevel, die nordischen in Planica. Die Eishockey-WM wird erst im Mai (12.-28.) in Finnland (Tampere) und Lettland (Riga) ausgetragen, im Sommer folgen die Rad-WM in Glasgow, die Leichtathletik-WM in Budapest und die Basketball-WM Ende August in Manila. Auch Deutschland ist Gastgeber, wenn sich die Kanuten in Duisburg treffen. Daneben gibt es natürlich die üblichen Turnierserien im Tennis und Golf sowie die großen Radrennen, u. a. mit dem Giro in Italien und der Tour in Frankreich. Die Formel 1 plant einen Rekordkalender mit 23 Rennen, los geht es am 5. März in Bahrain, das Finale ist am 26. November in Abu Dhabi. Auch in Las Vegas wird gefahren. Berlin bietet zudem eine außergewöhnliche Veranstaltung, die Special Olympics World Summer Games vom 17. bis 24. Juni.

Gerade mit Weltmeisterschaften versuchen alle Sportarten ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu erreichen, damit können sie aus dem Schatten von König Fußball treten, der ansonsten dominiert, aber auch eine Weltmeisterschaft bietet, und zwar die der Frauen. Vom 20,. Juli bis 20. August wird in Australien und Neuseeland gespielt und die deutschen Frauen wollen die Gelegenheit nutzen, die EM-Euphorie des vergangenen Jahres wieder neu zu beleben. Marokko, Kolumbien und Südkorea sind zunächst die Gruppengegner, da sollte es eigentlich keine Probleme geben. Allerdings finden die Spiele zu deutscher Zeit am Vormittag statt, was natürlich eine Euphorie-Bremse darstellt. Der Frauen-Fußball wird weiter aufmerksam beobachtet werden, vor allem, ob er es schafft, den Aufwärtstrend fortzusetzen.

Die Männer haben nach der WM-Pleite in Katar ganz andere Sorgen, sie wollen in erster Linie bei den Fans Wiedergutmachung betreiben und kämpfen um den alten Stellenwert. Der Mehrheit der Deutschen ist die Nationalmannschaft inzwischen ziemlich egal – ein Alarmzeichen. Da muss auch die Bundesliga helfen, die am 20. Januar wieder ihren Spielbetrieb aufnimmt. Auf andere Sportarten nimmt der Fußball keine Rücksicht, er plant seine nationalen Punktrunden und die internationalen Wettbewerbe ohne einen Blick auf den Rest der Welt. König Fußball eben. Übrigens geht es mit der Champions League wieder am 14. Februar weiter und das mit dem Schlagerspiel Paris St. Germain gegen Bayern München. Die WM-Helden Messi und Mbappé gegen einige WM-Versager aus München! Na ja, bis dahin haben wohl Müller und Co. wieder das Bayern-Motto „mia san mia“ intus.

Infantinos Angst vor dem Sturz

Es könnte allerdings sein, dass beim Fußball nicht der Sport im Mittelpunkt steht, sondern eher die Justiz. Insofern könnte es sogar ein zukunftsweisendes Jahr werden. Die Frage ist allerdings, wo zuerst ein Urteil fällt. Um die Macht von FIFA oder UEFA geht es vor dem Europäischen Gerichtshof, der darüber befinden muss, ob die Vereine, die eine eigene Super League gründen wollen, von der UEFA von deren Wettbewerben ausgeschlossen werden dürfen. Der Generalanwalt hat dem Gericht ein Urteil pro Verband empfohlen, die Gutachten sagen aus, dass die UEFA mit diesem Zwang für die Vereine nicht gegen das Kartellrecht verstößt. Eigentlich logisch, denn die Verbände sorgen für die Organisation und jeder, der mitmachen will, hat die Verpflichtung, sich an die vorgegebenen Regeln zu halten. Das Urteil soll im Laufe des Jahres fallen.

Ein Erdbeben könnte es geben, wenn die Schweizer Justiz endlich zu Potte kommt und im Fall Gianni Infantino ein Gerichtsverfahren durchführt. Der selbstgefällige FIFA-Präsident verdrängt in der Öffentlichkeit immer, dass er vor einer Anklage zittern muss. Ein Sonderermittler wurde beauftragt, die Machenschaften zwischen Infantino und Schweizer Staatsanwälten zu untersuchen. Es gab inzwischen bekannte Geheimtreffen zwischen Oberstaatsanwalt Rinaldo Arnold, ein Schulfreund von Infantino, bzw. Bundesanwalt Michael Lauber mit dem FIFA-Präsidenten, die das Ziel hatten, Infantino den Weg zum FIFA-Vorsitz zu ebnen. In den Ermittlungen verstrickte sich Infantino in Lügen und Lauber wurde bereits suspendiert. Strafbares Verhalten des FIFA-Präsidenten ist offensichtlich erwiesen, nur angeklagt und verurteilt ist er noch nicht. Wird jedoch Zeit. Sein Umzug nach Katar gilt auch als Zeichen, dass er der Schweizer Justiz entkommen will. Es wird ihn aber nicht davor schützen, bei einer Verurteilung sein Amt niederlegen zu müssen. Dies wäre sicherlich zum Wohle des Fußballs, den Infantino mit seinen größenwahnsinnigen Ideen missbraucht. Leider schmiert er mit Geld genügend Verbände, um an der Macht bleiben zu können. Eine Verurteilung würde diese Spielchen beenden.

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