Wenn Fußball für Handball kein Vorbild ist

Im Sport wird oft mit Neid auf den Fußball geschaut. So wünschen sich vor allem die Mannschaftssportarten eine Popularität wie die Fußballer, träumen sie, egal ob Vereine oder Spieler, davon, so gut verdienen zu können wie die Fußball-Profis. Doch nicht immer dient der Fußball als Vorbild. Ganz im Gegenteil, vor der Handball-Weltmeisterschaft vom 11. bis 29. Januar in Schweden und Polen haben die deutschen Handballer zunächst ein Ziel: Es besser zu machen als die DFB-Elf bei ihrer WM vor Weihnachten in Katar.

Die Gemeinsamkeiten sind schon frappierend. Für Hansi Flicks Schützlinge galt die Vorrundengruppe als „machbar“, der Blick ging meist voraus auf die K.o.-Runde, das böse Erwachen folgte. Auch beim DHB-Team gilt die Vorrunde als „machbar“, in Kattowitz sind Katar (Freitag), Serbien (Sonntag) und Algerien (Dienstag, 17.1., jeweils 18.00 Uhr) die Gegner. Das erste Ziel formuliert Bundestrainer Alfred Gislason so: „Wir wollen verlustpunktfrei in die Hauptrunde einziehen“ (Platz drei reicht da schon), weil er weiß: „Wenn man in der Vorrunde patzt, kann man das kaum noch wettmachen“. Die Ergebnisse mit den Gruppengegner werden bekanntlich mitgenommen. Nun, vom Titel träumen die Deutschen nicht, die Favoriten sind eher Olympiasieger Frankreich, Titelverteidiger Dänemark, Europameister und Teil-Gastgeber Schweden, zudem auch Spanien und Norwegen.

Deutschland sieht sich in der Gruppe dahinter mit durchaus Chancen auf eine Medaille. So ähnlich war es bei den Fußballern auch. Noch eine Gemeinsamkeit: Ein gutes Turnier soll Werbung für die nächste große Meisterschaft 2024 im eigenen Land sein. Bekanntlich gelang das der Fußball-Nationalmannschaft nicht, die viel Kredit bei ihren Fans eingebüßt hat und vor der EM 2024 im eigenen Land vor allem auf Wiedergutmachung aus ist. Große Sympathien genießen auch die Handballer, sind sie erfolgreich, steigen die Einschaltquoten im Fernsehen auf Fußball-Niveau. Das soll wieder gelingen, als Werbung für die EM im Januar 24 in Deutschland. Bei der Heim-WM 2007 war Deutschland ein Handball-Land, Gold war die optimale Ausbeute. Danach gab es noch EM-Gold 2016 in Polen (!) und im gleichen Jahr Olympia-Bronze. Eine zuletzt magere Medaillen-Ausbeute. Das soll sich ändern.

Die Voraussetzungen könnten allerdings durchaus besser sein, denn auf die stärkste Mannschaft kann der Bundestrainer nicht zurückgreifen, einstige Stützen wie Patrick Wienczek und Uwe Gensheimer traten zurück, Abwehrchef Hendrik Pekeler verordnete sich eine Nati-Pause und Europameister Fabian Wiede hat eine Kieferoperation. Noch fünf Europameister von 2016 sind dabei, „einspielen für die Heim-WM 2024“ ist deshalb das Motto, die jungen Hoffnungsträger sind die 22-jährigen Juri Knorr (Mannheim) und Julian Köster (Gummersbach). Sie könnten dann im nächsten Januar mit dem EM-Eröffnungsspiel im Düsseldorfer Fußballstadion ein Spektakel erleben. Das Finale ist für den 28. Januar in Köln terminiert.

Aber zunächst gilt das Augenmerk Kattowitz, die Stützen der Mannschaft sind Torhüter Andreas Wolf, der in Polen (Kielce) spielt, Kapitän Johannes Golla (Flensburg), Paul Drux (Füchse Berlin) und Kai Häfner (Melsungen). Auffallend, von Rekordmeister THW Kiel ist nur Linksaußen Rune Dahmke dabei. In der Hauptrunde kämen die Gegner aus der Gruppe F mit Norwegen, Nordmazedonien, Argentinien und der Niederlande. In den K.o.-Runden könnten die Mit-Favoriten Frankreich und Spanien den Weg zu einer Medaille versperren. Erstes Ziel ist zudem die Qualifikation für Olympia 2024 in Paris, Platz 7 ist dafür erforderlich, die Ausscheidungsrunde für die Plätze fünf bis acht muss also erreicht werden. Das wäre das Minimal-Ziel um erfolgreicher als die Fußballer zu sein, für eine Handball-Euphorie in Deutschland reicht das wohl noch nicht.

Bundesliga verliert an Boden

Man könnte meinen, die Fußball-Bundesliga befindet sich noch im Winterschlaf. Während die anderen Top-Ligen in Europa bereits den Punkten nachjagen, herrschte hierzulande Ruhe. Na ja, trainiert wird natürlich schon und die Wechselgerüchte sorgen für Schlagzeilen, aber international verliert die Bundesliga an Boden. Dabei wird in der DFL die ganze Zeit davon geredet, dass man international an Bedeutung gewinnen und die Bundesliga attraktiver präsentieren will. Da hat man jetzt eine Chance vertan, in dem Fall ging Erholung vor Geschäft. Soll sich danach aber keiner darüber beschweren, wenn man international weiter an Boden verliert. Spätestens am kommenden Wochenende hätte man spielen können, was auch den Terminkalender ein wenig entzerrt hätte.

Bei den Wechselgerüchten ist Bayern München Stammgast, natürlich vor allem wegen der Torhütersuche, um den Ausfall von Manuel Neuer zu kompensieren. Am Ende muss es wohl doch der eigentliche Ersatzmann Sven Ulreich richten, weil ein besserer Keeper auf die Schnelle nicht zur Verfügung steht und Bayerns Leihgabe an Monaco, Alexander Nübel, keine Lust auf Teilzeit-Arbeit hat. Mit Gladbachs Yann Sommer sollen sich die Münchner angeblich einig sein, aber der Verein sperrt sich, da müssten die Bayern schon tiefer in die Tasche greifen und grübeln wohl, ob sich das für ein halbes Jahr lohnt. Dennoch gab es eine Neuverpflichtung, die allerdings auch Sinn macht. Der 99-malige niederländische Nationalspieler Daley Blind (32 Jahre) sagte sofort allen anderen Interessenten ab, als er ein Angebot der Bayern bekam. Der ablösefreie Defensivspezialist soll die Rolle des verletzten Hernandez übernehmen, er kann sowohl in der Innenverteidigung als auch links spielen, gilt als zuverlässiger Spieler mit guter Spieleröffnung. Seine Wege mit seinem alten Verein Ajax Amsterdam trennten sich im Dezember nach atmosphärischen Störungen. Gespannt warten viele auch darauf, ob die Bayern ihren Werbevertrag mit Katar verlängern, der ja kritisiert wird. Vielleicht war es ein Omen, dass die Münchner im Trainingslager in Doha von Regenwetter empfangen wurden. Katar könnte sie im Regen stehen lassen.

Rund um die Wechsel gibt es seltsame Gerüchte und Begebenheiten. Ist Marco Reus wirklich so interessant, dass sich die Saudis für ihn interessieren? Angeblich soll er ein Angebot vom neuen Ronaldo-Klub Al Nassr haben. Gut, finanziell würde sich das für ihn sicher lohnen, aber mit Dortmund ist er vielleicht noch nicht fertig. Interessanter für die Saudis sind sicher die Weltstars Modric und Ramos, die ebenfalls gehandelt werden. Manche Spieler wollen unbedingt wechseln und unternehmen alles. Freiburgs Offensivspieler Roland Sallai hat schon dreimal die Berateragentur gewechselt, um einen Vertrag in England zu bekommen. Seltsam, vor einem Jahr hat er in Freiburg noch verlängert. Eine gute Nachricht: In Dortmund ist Sebastian Haller nach seiner Krebserkrankung wieder im Training. Und ist es für Hansi Flick eine gute Nachricht, dass Thomas Müller auch weiterhin der Nationalmannschaft zur Verfügung stehen will? Wir werden sehen.

Der Wintersport leidet

Ein trauriges Bild bietet sich derzeit den Wintersportfans, durch eine braune Landschaft ziehen sich schmale weiße Bänder, auf denen die Wettbewerbe stattfinden. Nur auf der Pokljuka in Slowenien war es beim Biathlon weiß, aber ab Mittwoch bietet sich in Ruhpolding das traurige Bild. Große Stimmung wird auch nicht aufkommen, wenn die Biathleten nur hinterherlaufen. Auch die Skispringer sahen der Konkurrenz bei der Vierschanzentournee nur hinterher. Der Norweger Holger Egen Granerud siegte, Andreas Welllinger war als Elfter bester Deutscher. Besser die Frauen, Katharina Althaus siegte in Sapporo. Der Name Katharina scheint den Erfolg zu garantieren, Katharina Hennig sorgte bei der Tour de Ski mit einem Etappensieg für ein seltenes Ereignis des deutschen Langlauflagers. Die Tour-Siege gingen nach Norwegen.

Jede Woche derzeit auch eine traurige Meldung. Nicht nur der Wintersport trauert um Rosi Mittermaier, die Gold-Rosi gewann alle Herzen in Deutschland. Vor 47 Jahren war sie die Heldin mit zwei Olympiasiegen in Innsbruck in Slalom und Abfahrt, dazu Silber im Riesenslalom. Da Olympia auch als Weltmeisterschaft gewertet wurde und sie die Kombination gewann, war Gold-Rosi auch dreifache Weltmeisterin. Danach beendete sie spontan mit 25 Jahren ihre Karriere. Sie wollte „einfach nur noch Spaß am Skifahren haben“ und war aber mit zahlreichen PR-Auftritten in der Öffentlichkeit immer präsent und sympathisch. Ihre Ehe mit Slalom-As Christian Neureuther galt als vorbildlich, Sohn Felix wurde der erfolgreichste deutsche Skifahrer. Nach einem Krebsleiden starb mit Rosi Mittermaier jetzt einer der nettesten Menschen, die der Sport-Grantler gekannt hat. Ihr zweiter Vorname war übrigens Katharina…

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