Rückkehr der Fußball-Bundesliga mit Paukenschlägen

Zuletzt hatten sich auch die Fußball-Fans an der Rasanz und den vielen Toren bei der Handball-Weltmeisterschaft ergötzt. Das wollte sich die Fußball-Bundesliga offensichtlich nicht gefallen lassen und kehrte mit Paukenschlägen und vielen Toren auf die Sportbühne zurück. Sensationell fast das 4:3 von Dortmund gegen Augsburg, beeindruckend das 6:0 von Wolfsburg über Freiburg und das 7:1 von Köln gegen Bremen. Fast alle Spiele waren überaus attraktiv, ausgerechnet das Spitzenspiel Leipzig gegen die Bayern eher ein bisschen langweilig.

Aber es war wiederum wie so oft, die Münchner hatten zwar nicht gewonnen, aber dennoch ihren Vorsprung gegenüber der Konkurrenz ausgebaut. So wird man Meister. Die 26. Halbzeitmeisterschaft ist vorzeitig unter und Dach und Fach, gleichzeitig ein gutes Omen für die Bayern, ein schlechtes für die Verfolger. Nur dreimal ließen sich die Münchner noch abfangen, in 15 der letzten 16 Fälle wurden sie später Meister, nur 2011/12 machte ihnen Dortmund einen Strich durch die Rechnung. Der 33. Titel, der elfte in Folge, ist also ein Stück näher gerückt, obwohl die Nagelsmann-Teams meist eine schwächere Rückrunde spielen. So war der Titelverteidiger im Vorjahr hier nur Vierter, allerdings nur zwei Punkte schlechter als der Erste Leipzig. Damals betrug zur Halbzeit der Vorsprung neun Punkte vor Dortmund, das wird diesmal gegenüber dem Zweiten weniger sein. Zum Vorrundenabschluss kommt Köln, dass zuletzt in neun Duellen keinen Stich machen konnte!

Nicht zu vergessen, die Bayern sind vorzeitig Halbzeitmeister (Zweiter in der Halbzeittabelle Bremen mit 6 „Titeln“ vor Dortmund und Gladbach mit je 4), die Vorrunde geht aber erst am Dienstag/Mittwoch zu Ende. Ein Novum ist es, dass die Rückrunde mit dem Freitagspiel Leipzig – Stuttgart zwei Tage später beginnt. Am Samstag steht dann auch das nächste Schlagerspiel an, wenn der derzeitige Zweite Frankfurt in München gastiert, in der Hinrunde trumpften die Bayern mit 6:1 auf und schockten da die Konkurrenz. Frankfurt muss aber Platz zwei erst noch in Freiburg verteidigen, das nach dem Debakel in Wolfsburg Wiedergutmachung leisten will. Die Bundesliga bietet also einiges bei ihrer Rückkehr.

Überhaupt darf man gespannt sein, wie einige Vereine die Spiele vom Wochenende verkraften. Neben Freiburg erlitt Bremen ein Desaster, Wiedergutmachung ist gegen Union Berlin möglich und es folgt der Rückrundenstart gegen Wolfsburg, zwei Spitzenteams also. Wolfsburg ist nach Bayern die erfolgreichste Mannschaft der letzten Monate. Das wird am Dienstag auch die Hertha zu spüren bekommen, die ebenfalls einen Tiefschlag verdauen muss. Wenn das Duell in Bochum wirklich wegweisend im Abstiegskampf sein sollte, schaut es schlecht aus um die Berliner, während sich Bochum nach dem 3:1 von den Abstiegsrängen verabschiedete. Tiefer gesunken ist auch der FC Augsburg, das 3:4 in Dortmund sendet aber eher ein Zeichen der Hoffnung. Die Augsburger waren ja auf dem Transfermarkt am eifrigsten und Erfolge zeichnen sich ab, Joker-Tore sind der Beweis. Kopfschütteln dagegen in Dortmund, die Punkte blieben da, aber die Zweifel auch. Was war zum Beispiel mit der Abwehr, mit Schlotterbeck und Hummels, los? Bundestrainer Hansi Flick wird sich die Haare raufen, bei solchen Leistungen von zwei Kandidaten für die Nationalelf. Und ganz unten sitzt Schalke fest, in Frankfurt gab es zwar Lob trotz des 0:3, doch das hilft nicht weiter. Ganz im Gegenteil, ein neuer Negativrekord mit 36 Auswärtsniederlagen in Folge wird die Stimmung trüben.

Vor dem Comeback der Bundesliga stellte sich auch die Frage, wie die Nationalspieler das WM-Debakel von Katar verkraftet haben. Also in Bestform waren die Münchner zum Beispiel nicht, der Schwung fehlte ebenso wie die Genauigkeit. Aber die Bayern holen sich ihre Form am liebsten in Spielen und davon haben sie genug. Im Mittelpunkt steht ja immer noch die Torhüterfrage, die vorerst gelöst ist, endgültig aber erst im Sommer entschieden wird, mit Yann Sommer als der Neue für Neuer. Der Schweizer hat einen Vertrag bis 2025 unterschrieben, Manuel Neuer hat einen bis 2024 und im Sommer steht auch Alexander Nübel wieder auf der Matte, seine Leihe in Monaco endet. „Wir werden das regeln“, ist Sportdirektor Hasan Salihamidzic zuversichtlich. Die Frage aller Fragen: Wann ist Neuer nach seinem Skiunfall (Beinbruch) wirklich wieder fit und zudem in Bestform und lässt er sich auf Pausen ein? Gladbach setzt ja wieder auf einen Schweizer, Jonas Omlin hatte als Sommer-Nachfolger beim 2:3 gegen Leverkusen keine Premiere nach Maß.

Start der 2. Bundesliga

Im Sommer darf die 2. Bundesliga immer früher anfangen als das Oberhaus, um ein wenig in den Blickpunkt zu rücken. Im Winter geht es später los, die Rückrunde beginnt aber punktgenau mit der Bundesliga am Freitag. Zur Erinnerung, Darmstadt 98 führt mit 36 Punkten vor dem Hamburger SV (34) und FC Heidenheim (33), dann tut sich schon eine kleine Lücke zu Kaiserslautern (29), Hannover (28) und Paderborn (26) auf. Die Aufstiegsplätze sind keineswegs vergeben, vor allem der HSV sehnt sich nach Bundesliga. Die Vorzeichen sind günstig, die Verträge mit Sportdirektor Jonas Boldt und Trainer Tim Walter wurden verlängert und am Samstag wurde auch der Streit in der Führung beendet. Die Abwahlanträge gegen Präsident Marcell Jansen wurden bei der Hauptversammlung deutlich abgeschmettert. Jansen gestand Fehler ein, seine Rolle im Aufsichtsrat bleibt aber weiter umstritten.

Am Tabellenende geht es ebenfalls eng zu, die zweite Hälfte der Tabelle Zehnten, Greuther Fürth (20 Punkte) bis zum Schlusslicht Sandhausen (16) steckt im Abstiegskampf. Mit dabei Mannschaften wie der 1. FC Nürnberg, Karlsruher SC oder FC St. Pauli, die eher vom Aufstieg geträumt haben. Die tun sich mit der nicht erwarteten Situation natürlich besonders schwer.

Ein Blick noch über die Grenzen: Jürgen Klopp feierte im Match seines FC Liverpool gegen den Chelsea London (0:0) sein 1000. Spiel als Trainer! Seine Zeiten in Mainz und Dortmund bleiben unvergessen, seine Bilanz kann sich sehen lassen: 538 Siegen stehen nur 222 Niederlagen und 240 Unentschieden gegenüber. Es war ein Doppeljubiläum, nämlich das 50.000 Spiel in Englands höchster Spielklasse seit Beginn der Football League am 8. September 1888!

Handball vor Fußball

Deutschlands Handball-Nationalmannschaft hat bei der WM in Schweden und Polen ihr zweites Etappenziel erreicht und den Einzug ins Viertelfinale geschafft. Vor dem abschließenden Spiel gegen Norwegen ging es nur noch darum, wer gegen Frankreich bzw. Spanien spielt – für beide Nationen ein dicker Brocken als Gegner. Die Handballer sorgen in Deutschland für weit bessere Stimmung als die Fußballer und der Zuspruch bleibt ungebrochen. Wieder sahen über sechs Millionen Zuschauer das Duell mit den Niederlanden am TV, damit hat auch hier Handball den Fußball geschlagen. Den Bundesliga-Auftakt Leipzig – Bayern wollten am Freitag auf SAT1 nur 4,18 bzw. 4,88 Millionen (erste/zweite Halbzeit) sehen. Andererseits zeigt sich wieder einmal, dass bei den Privatsendern die Einschaltquoten wesentlich niedriger sind als bei ARD und ZDF. Selbst Biathlon kam am Sonntag im ZDF auf über fünf Millionen Zuschauer. Die Verantwortlichen der DFL sollten sich bei der Rechtevergabe auch an diesen Zahlen orientieren, wenn sie nicht wollen, dass die Fußball-Bundesliga an Aufmerksamkeit einbüßt.

Der DFB hat dagegen die Weichen gestellt, das Image seiner Auswahl zu verbessern. Mit dem bei den Fans beliebten Rudi Völler („Es gibt nur einen Rudi Völler“) als neuen Direktor Nationalmannschaft sollen seine Sympathien auf das Team abfärben. Wohlgemerkt, Völler ist kein Bierhoff-Nachfolger, er soll sich nur um die A-Nationalmannschaft und die U21 kümmern. Ein neuer Sportdirektor wird noch gesucht, im Gespräch sind derzeit vor allem die Weltmeister Sami Khedira, Per Mertesacker und Benedikt Höwedes, der bereits im Teammanagement der Nati tätig ist. Beim nächsten Taskforce-Treffen in ungefähr vier Wochen könnte es schon eine Entscheidung geben.

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