Alle Augen richten sich auf die Schale
Das hat der Pokal eigentlich nicht verdient. Das Finale des DFB-Pokals bildet in Berlin immer einen schönen Saison-Abschluss und oft können Vereine feiern, die in der Bundesliga einem großen Erfolg hinterher rennen. So erging es auch RB Leipzig, das im Vorjahr erstmals Pokalsieger wurde und in diesem Jahr die Wiederholung schaffte. Und immer haben Spieler, Trainer und Bosse gleich die Zukunft im Blick. „Im nächsten Jahr das Triple“, träumt Kapitän Orban vom dritten Finale in Folge, „jetzt wollen wir aber auch mal die Schale“, richtet Emil Forsberg den Blick auf einen anderen Wettbewerb. Die Meisterschaft ist für alle Vereine das größte Ziel. Alle Augen richten sich auf die Schale.
Leipzig reiht sich ein in den kleinen Kreis der ernsthaften Anwärter auf den Titelgewinn. Die letzten Jahre war der Kreis sehr klein, Bayern München gewann bekanntlich zum elften Mal in Folge, als heißer Konkurrent galt eigentlich nur Borussia Dortmund, in dieser Zeit sieben Mal Vize-Meister. Leverkusen bekam einst den „Titel“ Vizekusen, Vizemund klingt aber nicht so gut. Jetzt will RB ein ernsthafter Mitkonkurrent werden, wobei es wohl ein heißer Transfer-Sommer voller Spekulationen wird, bevor die Kader zum Saisonbeginn am 18. August einigermaßen feststehen. Vor allem Manager Max Eberl in Leipzig wird viel Arbeit haben, weil sich das Gesicht der Mannschaft offensichtlich eklatant ändern wird. Vor allem der Franzose Christopher Nkunku steht vor dem Abschied, der Torjäger und beste Spieler des Finals, der mit seinem Tor zum 1:0 die Weichen auf Pokalgewinn stellte, wird vermisst werden. Er versucht sein Glück angeblich bei Chelsea London. Stark auch wieder Konrad Laimer, der Österreicher mauert zwar nach wie vor, doch der Wechsel zu Bayern München soll angeblich perfekt sein. Dazu äußerte auch der Ungar Szoboszlai Abwanderungsgedanken, dies wäre eine weitere Schwächung.
Doch mit einem Umbau im Kader steht der Pokalsieger nicht allein da, gravierend könnte er vor allem bei Bayern München ausfallen. Der Meister sucht bekanntlich einen neuen Mittelstürmer und einen Abräumer im Mittelfeld, aber die Bayern könnten auch die halbe Abwehr verlieren. Die Franzosen Pavard und Hernandez (angeblich mit Paris einig) stehen vor dem Absprung, Kurzarbeiter Cancelo ist schon weg und auch der Marokkaner Mazroui ist unzufrieden und bringt einen Wechsel ins Gespräch. Dazu wird sich Torhüter Yann Sommer nicht mit der Rolle als Ersatzmann von Manuel Neuer zufrieden geben. Dies würde ihm den Platz im Schweizer Nationalteam kosten. Viel Arbeit und kein Sportdirektor da bei den Bayern, da gab es schon bessere Voraussetzungen. So müssen es wieder einmal Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge richten. Weil halt die Vergangenheit besonders erfolgreich war.
Borussia Dortmund will auch nicht aus dem Spiel sein, sondern fast trotzig heißt es, nachdem der Griff an die Schale nur um ein Tor verpasst wurde, „wir greifen wieder an“. Die Bayern sollen sich nicht zu sicher fühlen, allerdings geht es zunächst um Abgänge und die Kompensation. Vor allem Talent Jude Bellingham, Herz der Mannschaft, wird fehlen. Der Engländer ist sich angeblich mit Real Madrid einig, 120 Millionen Euro Ablöse stehen zur Debatte. Guerreiro (in München im Gespräch), Dahoud, Unbehaun, Passlack und Modeste wurden bereits verabschiedet, Meunier, Schulz und Hazard können auch gehen – das wird ja fast eine neue Mannschaft. Kommen sollen Spieler, die Konstanz und Siegeswillen mitbringen. Die Augen sind auf die Schale gerichtet.
Von der Meisterschaft träumt man in Frankfurt nicht, die Eintracht entwickelte sich als typische Pokalmannschaft, aber nach dem Triumph im Vorjahr in der Europa League gelang diesmal nicht ein erneuter Pokalgewinn. Trainer Oliver Glasner verabschiedete sich nach dem 0:2 gegen Leipzig dennoch erhobenen Hauptes, er wollte gleich zwei Tage durchfeiern und bleibt Eintracht-Fan. „Ich habe mich bei den Spielern bedankt, dass sie mir zwei wunderbare Jahre in meinem Leben geschenkt haben.“ Wo es den Österreicher hin verschlägt, ist offen, auch England ist im Gespräch, als sein Nachfolger wird wohl bald Dino Toppmöller vorgestellt, zuletzt Co-Trainer von Julian Nagelsmann in München.
Pep will das Triple
Das nächste große Finale steht an, am Samstag geht es in Istanbul um die Champions League. Gut vorbereitet ist Manchester City, das nach der Meisterschaft der Premier League jetzt auch mit 2:1 gegen Lokalrivalen United den FA-Cup gewann. Kapitän Ikay Gündogan war der gefeierte zweifache Torschütze. Nun will Trainer Pep Guardiola das Triple, so wie 2011 zuletzt mit dem FC Barcelona. Mit City jagte er den CL-Henkelpott bisher vergebens nach. Gegner Inter Mailand, Dritter in Italien, dürfte sich aber als harte Nuss entpuppen.
Das CL-Finale der Frauen war für die Wölfinnen zum Heulen. Sie führten in Eindhoven gegen Barcelona zur Halbzeit mit 2:0 und wurden dann in der zweiten Hälfte überrollt. Das 2:3 war ein Schock, aber aufgeben gilt nicht. „Das wird uns nicht umhauen,wir greifen wieder an,“ kündigte Verteidigerin Kathrin Hendrich an. 2013 und 2014 gewann Wolfsburg den Pokal, die nächsten vier Finals gingen aber alle verloren. Trainer Thomas Stroot warnt: „Es wird von Jahr zu Jahr schwerer, die Konkurrenz rüstet auf.“ Er bezieht sich dabei auf die Teams aus Barcelona, Paris und London.
Aber auch national könnte es für die Wölfinnen immer schwerer werden. „Ich bin stolz auf den DFB-Pokal,“ sagte Hendrich auch, doch in der Meisterschaft musste man den Bayern den Vortritt lassen und jetzt in der CL Barcelona. Und auch die Münchnerinnen rüsten auf, die Verpflichtung der Weltstars Pernille Harder und Magdalena Eriksson ist perfekt. Man hat dieser Saison schon gesehen, welche Verstärkung Europameisterin Geogia Stanway war. Auch die Bayern-Mädchen träumen von einem Triiple.
Hansi Flick mit Dreierkette
In den nächsten Wochen rücken die Fußball-Nationalmannschaften in den Mittelpunkt. Die Aufgebote für Länderspiele und Weltmeisterschaft sind benannt. Bundestrainer Hansi Flick überraschte dabei mit der Ankündigung, dass in den Spielen gegen die Ukraine, in Polen und gegen Kolumbien Tests mit der Dreierkette durchführen wird. Und dennoch verzichtet er auf den Dortmunder Niklas Süle. Abwehrchef soll Antonio Rüdiger sein, daneben kämpfen Thilo Kehrer, Lukas Klostermann, Nico Schlotterbeck, Matthias Ginter und Malick Thiaw um zwei Plätze. Nicht im Aufgebot sind auch Mario Götze und Serge Gnabry, wobei Letzterer wegen einer Fußblessur geschont werden soll. Dafür ist Leroy Sané wieder dabei und die Talente Florian Wirtz, Jamal Musiala und Kevin Schade können sich beweisen. Moukoko wurde zur U21 für die EM abgestellt, Schade soll folgen.
Apropos Talente, die Zukunft sieht wohl nicht so schlecht aus, nachdem die Nationalmannschaft der U17 Europameister wurde. Beim 0:0 (5:4 im Elfmeterschießen) gegen Frankreich bedurfte es aber ein wenig Glück, um den Titel zu holen. Held im Finale war Torhüter Schmitt (Bayern), Brunner (Dortmund) und Ramsak (Bayern) glänzten als Toptorschützen unter vier Spielern, die viermal trafen.
Für die Frauen steht bekanntlich die Weltmeisterschaft vor der Tür, die Vorbereitung beginnt am 20. Juni in Herzogenaurach, doch nicht mit dem kompletten Kader. Die Bayern sorgten für Knatsch, verweigern den fünf nominierten Spielerinnen die frühzeitige Anreise, da die Abstellpflicht der FIFA erst am 23. Juni beginnt. Allerdings war dies vorher anders abgesprochen und Bundestrainer Martina Voss-Tecklenburg entsprechend sauer. Die Bundestrainerin hat sich mit drei Nachnominierungen für den erweiterten Kader beholfen und verweist auf Wolfsburg, das zehn Spielerinnen abstellt und am Samstag noch das CL-Finale zu verarbeiten hatte. Nicht dabei sind sowie die verletzten Bayern-Mädchen Giulia Gwinn und Linda Dallmann. Die WM in Australien und Neuseeland beginnt am 20. Juli. Zeit genug also, um noch in Form zu kommen. Allerdings drängt die Zeit, dass endlich ein TV-Vertrag ausgehandelt wird. Noch stehen keine Fernsehübertragungen fest.