Hansi Flick in Not, EM-Pleite droht – Pep am Ziel, er feiert viel

Es hat schon einen bestimmten Grund, dass sich der Sport-Grantler erst am Mittwoch mit einem Kommentar zur Nationalmannschaft meldet: Genau heute in einem Jahr, am 14. Juni 2024, beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland. Die 51 Partien werden in zehn Stadien ausgetragen, München sieht u. a. das Eröffnungsspiel, Berlin u. a. am 14. Juli das Finale, gespielt wird außerdem in Gelsenkirchen, Dortmund, Hamburg, Köln, Düsseldorf, Leipzig, Frankfurt und Stuttgart. Der DFB träumt davon, dass die EM eine ähnliche gelungene Veranstaltung wird wie die Weltmeisterschaft 2006, die als Sommermärchen alle begeisterte. DFB-Präsident Bernd Neuendorf verspricht, „wir werden gute Gastgeber sein, uns als sympathisches, herzliches und offenes Land präsentieren“. Damit Begeisterung entsteht, braucht es nicht nur viel Sonnenschein wie 2006, sondern auch eine Mannschaft, die Begeisterung wecken kann. Doch danach sieht es derzeit nicht gerade aus.

Alle Hoffnungen ruhten auf Hansi Flick als Bundestrainer, weil er Bayern München fulminant zum Triple-Gewinn führte. Ein Supermann also? Das zeigt er als Coach der Nationalmannschaft nicht, Hansi Flick ist nach dem fehlerbehafteten 3:3 gegen die Ukraine eher in Not, eine EM-Pleite droht. Im 1000. Länderspiel half der DFB der Ukraine, die Einnahmen gingen an das vom Krieg gebeutelte Land (sogar die Schiedsrichter aus Griechenland verzichteten auf ein Honorar), doch wer hilft der DFB-Elf?

Unter Hansi Flick ist die Nationalmannschaft bisher keinen Schritt weitergekommen. In den letzten 14 Länderspielen gab es nur vier Siege, dafür 21 Gegentore – in 14 Spielen! Typisches Beispiel dieses 3:3 gegen die Ukraine, nach einer 1:0-Führung durch Füllkrug Fehler über Fehler in der Abwehr, das Team ausgekontert zum 1:3, nach Fehlpässen von Julian Brandt und David Raum bei Angriffsbemühungen und einem schlampigen Pass von Brandt, den Matthias Ginter nicht unter Kontrolle brachte. Danach stellte Flick vom Versuch der Dreier-Kette auf Vierer-Kette um. Einziges positives Merkmal ein fulminanter Schlussspurt durch Tore von Kai Havertz und Joshua Kimmich mit Elfmeter, zwei ziemlich glückliche Treffer. Glücklich war nach dem 3:3 auf deutscher Seite niemand. Wertschätzung aber für die Ukraine, welche Leistung unter dieser psychischen Belastung mit dem Chaos in der Heimat. Die Ukraine will jetzt auch in der EM-Qualifikation bestehen und 2024 wieder in Deutschland antreten.

Für Flick stehen viele Fragen an, aber Antworten gibt er keine. Warum greift er formschwache Spieler zurück (Raum, Goretzka, Sané), lässt aber die Talente Musial und Wirtz zunächst auf der Bank? Mit ihnen kam der Umschwung, sie müssen internationale Erfahrung sammeln. Lächerlich, den eher defensivschwachen Leon Goretzka als Sechser zu bringen und Emre Can nicht zu testen. Jetzt dürfen wir gespannt sein, welche Rolle Champions-League-Sieger Ilkay Gündogan bekommt. Er sollte eher eine Führungsrolle einnehmen als Kimmich, der damit überfordert ist. Flick muss über seinen Schatten springen und einigen seiner Lieblingsspieler weh tun. Weitere Pleiten am Freitag in Warschau gegen Polen und am Dienstag in Gelsenkirchen gegen Kolumbien würden sogar Flicks Position in Gefahr bringen, auch wenn sein Mentor Rudi Völler abwiegelt, „jetzt kann noch nicht alles stimmen“. Jeder verweist auf 2006, als Jürgen Klinsmann sogar vor den Bundestag zitiert werden sollte, zum Rapport nach einer 1:4-Niederlage in Italien. Ein gutes WM-Abschneiden lag allen am Herzen. Am Ende wurde es bekanntlich der dritte Platz. Das wäre nach Stand der Dinge für diese DFB-Elf fast ein Wunder.

Die deutsche Mannschaft bestreitet bekanntlich vor der EM als schon qualifizierter Gastgeber nur Freundschaftsspiele, alle anderen Nationen kämpfen um einen der begehrten Plätze. Als Deutschland B kann man fast Österreich bezeichnen, denn Trainer Ralf Rangnick hat gleich elf Spieler aus der Bundesliga verpflichtet. Hohe Hürden stehen bevor, am Samstag ist Belgien der Gegner, am Dienstag Schweden.

Gleichzeitig läuft in dieser Woche das Finalturnier der Nations League in den Niederlanden. Der Gastgeber bekommt es am Mittwoch mit Kroatien zu tun, am Donnerstag stehen sich Italien und Spanien gegenüber, das Finale ist am Sonntag, Deutschland hatte sich bekanntlich nicht qualifiziert.

Jubel und Angst in Manchester

61 Pflichtspiele absolvierte Manchester City in dieser Saison, die erfolgreich war wie nie, am Ende stand das Triple mit Meisterschaft, FA-Cup und Gewinn der Champions League. Vor allem Trainer Pep Guardiola war endlich am Ziel, nach sieben Jahren vergeblichen Anrennens. Erleichtert auch die Scheichs aus Abu Dhabi, die seit der Übernahme des Vereins vor 15 Jahren etwa drei Milliarden Euro in das Projekt gebuttert haben. Entsprechend wurde gefeiert, am Montag in der Stadt mit den Fans, da ließ man sich auch von strömenden Regen nicht abhalten. Guardiola tanzte mit Kapitän Gündogan auf dem offenen Bus. Als erst fünfter Trainer gewann er die Champions League mit zwei Vereinen, 2009 und 2011 mit dem FC Barcelona und jetzt mit City. Carlo Ancelotti hat ihm noch einen Sieg voraus, holte den Henkelpott 2014 und 2022 mit Real Madrid, sowie 2003 und 2007 mit dem AC Mailand. Jupp Heynckes (1998 mit Real Madrid, 2013 mit Bayern München), José Mourinho (2004 mit dem FC Porto, 2010 mit Inter Mailand) und Ottmar Hitzfeld (1997 mit Borussia Dortmund und 2001 mit Bayern München) ergänzen diesen illustren Kreis.

Dabei machten die Pep-Schützlinge ausgerechnet im Finale eines ihrer schwächsten Spiele und hatte am Ende beim 1:0 gegen Inter Mailand viel Glück und einen starken Torhüter Ederson. Dabei schienen die Vorzeichen wieder schlecht zu sein, denn ausgerechnet der Kopf der Mannschaft, Kevin de Bruyne, musste wie im verlorenen Finale 2021 gegen Chelsea London (Tor Kai Havertz) vorzeitig verletzt vom Platz. Und Torjäger Erling Haaland sah man überhaupt nicht. Dafür sprang der Spanier Rodrigo in die Bresche, der Mittelfeldstar erzielte wieder einmal das den Sieg bringende Tor. Ausgerechnet in diesem Finale feierte somit Pep Guardiola seinen 300. Sieg mit City und das in nur 413 Spielen. Er wurde damit seinem Ruf als Bessermacher gerecht.

Pep und seine Mannen feierten viel, doch in Manchester geht die Angst um. Nach Untersuchungen der UEFA ist nun die Premier League dran, die Geldflüsse von Abu Dhabi für den Verein in etwa 100 Fällen zu untersuchen. Hat der Triple-Gewinner schuldhaft und schwerwiegend gegen Bestimmungen verstoßen? Die Verfehlungen verjähren in der Premier League nicht, City hat eine Armada von hochkarätigen Rechtsanwälten aufgeboten, es drohen Geldstrafen, Punktabzüge oder sogar Sperre und der Verlust aller Titel. Der Trainer hatte vor ein paar Jahren seinen Vertrag nur deshalb bis 2025 verlängert, weil ihm die Bosse versicherten, dass er ohne Angst arbeiten könne. Es wäre der Hammer, wenn ein bitteres Ende folgen würde.