Die Fußball-Bundesliga übernimmt wieder das Kommando

Die Fans haben die Nase voll vom Rumpel-Fußball der Nationalmannschaft, vom willenlosen Sich-Ergeben der U21 bei der Europameisterschaft, sie schauen jetzt wieder lieber auf die Bundesliga und das mit großer Hoffnung auf die neue Saison, die am 18. August mit einem Rekordspiel beginnt, zum 113. Mal stehen sich dann Werder Bremen und Titelverteidiger Bayern München gegenüber. Aber schon jetzt hat die Bundesliga das Kommando im Sport wieder übernommen. Die ersten Trainingslager gehen los und die Spielerwechsel bzw. die Mutmaßungen rund um mögliche Wechsel bestimmen die Schlagzeilen.

Die Ersten im Trainingslager sind am Montag die TSG Hoffenheim und Mainz 05, Augsburg und Union Berlin ziehen am Dienstag nach, fast an jedem Tag beginnt ein anderes Team, den Schluss macht Bayern München, das seinen Spielern die längste Pause gönnt und erst am 13. Juli startet. In den Vorstandsetagen gibt es allerdings keine Ruhe, in punkto Spielerwechsel beherrscht München die Schlagzeilen, obwohl anderswo die Änderungen noch gravierender ausfallen dürften. Die Bayern sind halt ein anderes Kaliber und die alten bzw. neuen Herren Hoeneß und Rummenigge wollen wieder den Sieg in der Champions League angreifen. Da ist nur das Beste gut genug, aber auch teuer. Der Meister arbeitet an internationalen Top-Transfers, an der Spitze Torjäger Harry Kane von den Tottenham Hotspurs. Der englische Nationalspieler gilt eigentlich als Institution bei den Spurs, aber er will endlich Titel gewinnen, das ist Bayerns Chance, denn zu einem Klub der Premier League will Kane wohl nicht wechseln, denn gegen seinen Herzensverein zu spielen, das geht nicht. Angeblich sind sich die Bayern mit ihm einig, auch die Familie zieht gern nach München, doch um die Ablösesumme wird gefeilscht. 100 Millionen Euro, eine Rekordsumme für die Bundesliga, sind zu wenig. Und für das Beste steht auch Südkoreas Abwehrspieler Kim, der vom SSC Neapel losgeeist werden soll. Kim wurde zum besten Abwehrspieler der Liga A in Italien gewählt und soll Lucas Hernandez ersetzen, den es zu Paris St. Germain zieht. Der Franzose kostete einst 80 Millionen und soll jetzt das Geld einbringen, das Bayern für Kim ausgibt.

Da sind wir beim größten Problem der Vereine, die zum Teil daran verzweifeln, Spieler zu verkaufen, die sie nicht mehr wollen, andererseits sich schwer tun, Spieler zu ersetzen, die abgeworben werden. Immerhin gibt es dann meist das nötige Kleingeld, um am Markt tätig zu werden. Auffallend ist, das Dortmund eher den deutschen Markt sondiert, so soll Felix Nmecha vom VfL Wolfsburg Jude Bellingham ersetzen, die Bayern aber vor allem international tätig werden. Selbst deutschen Nationalspielern wird wohl nicht zugetraut, die Qualität zum Gewinn der Champions League mitzubringen. Stimmt die Einschätzung, dann wird Dortmund wieder nicht die größten Chancen auf den nationalen Titel haben.

Der dritte im Bunde ist der RB Leipzig, der Pokalsieger würde ja gern auch mal Meister werden. Aber jetzt muss Manager Max Eberl erst mal sehen, wie er eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenbringt. Bis jetzt ist nur von Abgängen einiger Leistungsträger die Rede. Torjäger Christopher Nkunku zog es zu Chelsea London, Spielmacher Dominik Szoboszlai wurde überraschend vom FC Liverpool abgeworben und Manchester City will Abwehr-Ass Josko Gvardiol holen. Mit anderen Verkäufen von ausgeliehenen Spielern könnte Eberl über 200 Millionen Euro einnehmen, doch bekommt er trotzdem diese Qualität zurück? Ähnlich umfangreich ist der Umbruch bei Borussia Mönchengladbach, der neue Trainer Gerardo Seoane muss eine neue Mannschaft aufbauen. Kapitän Stindl lässt seine Karriere in Karlsruhe ausklingen, Beyer wechselte zu Burnley, Benebaini nach Dortmund, Thuram zu Inter Mailand und sollte Kim bei den Bayern landen, hat Neapel Gladbachs Ko Itakura als Ersatz im Visier. Neuzugänge bisher sind die Talente Chiarodia (Bremen), Hack (Bielefeld), Ullrich (Hertha II) und Ranos (Bayern II). Hatten sie in Gladbach nicht wieder von Europa geträumt?

Bei den Vereinen wird sich viel tun, die Wechselfrist hat ja gerade erst begonnen und dauert bis zum 31. August. Für die 2. Bundesliga geht es bereits im Juli richtig los, am 28. Juli startet die neue Saison mit dem Schlager Hamburger SV gegen Schalke 04. Zwei Altmeister und Möchtegernaufsteiger unter sich.

Auftritt der U21 fast eine Schande

Gut, wenn die Bundesliga vom anderen Geschehen ablenkt. Der Auftritt der U21 bei der Europameisterschaft in Georgien und Rumänien war fast eine Schande. Gegen England waren beim 0:2 schnell die Weichen auf Niederlage gestellt, gegen einen Gegner, der seine besten Spieler schonte. Nach vier Minuten fiel das 0:1, bei Deutschland gab es kein Aufbäumen, kraft- und willenlos ließen die Schützlinge von Bundestrainer Antonio Di Salvo die Niederlage über sich ergehen. Damit wurde auch die Teilnahme an den Olmypischen Sommerspielen 2024 in Paris verspielt. Angesichts dieses furchtbaren Auftritts ohne Mut und ohne Herz müsste auch der Trainer sein Amt verspielt haben und keiner dieser U21-„Talente“ hat eine Zukunft im A-Team. Bitteres Urteil beim DFB: „Andere Nationen sind uns voraus“.

Wie man es besser macht, zeigte die U21 im Handball, die bei den Titelkämpfen in Deutschland sogar Weltmeister wurde und nicht nur beim 30:23-Sieg über Ungarn im Finale begeisterte. Zahlreiche Talente empfahlen sich hier für die Zukunft. Der Handball darf froh sein, der Fußball muss nach einem neuen Zukunftskonzept suchen.

Für die Frauen gilt es jetzt

Die einen trainieren für die neue Saison, die anderen stehen vor ihrem Saison-Höhepunkt. Für die Frauen-Nationalmannschaft gilt es jetzt, in Herzogenaurach hat der zweite Lehrgang begonnen, am Freitag (20.30 Uhr/ARD) gibt es das letzte Testspiel gegen Sambia in Fürth und am Samstag muss Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ihren Kader von 23 Spielerinnen benennen, die am 11. Juli von Frankfurt nach Sydney fliegen. Einige harte Entscheidungen warten auf die Trainerin, die überraschend zusätzlich Janina Minge vom SC Freiburg zum zweiten Lehrgang geladen hat, weil sie als Ersatz für die Bayern-Spielerinnen eine gute Figur abgegeben hat. Man kann der Bundestrainerin nur eine glückliche Hand wünschen, damit die Euphorie für den Frauen-Fußball bei der WM weiter befeuert wird.

Langer der beste Senior aller Zeiten

Noch ein ganz anderes Thema, eine tolle Meldung vom Sport und von einem netten alten Herrn. Der 65jährige Golfer Bernhard Langer hat es endgültig geschafft, er ist jetzt der erfolgreichste Spieler der PGA Tour Champion, der über 50jährigen Golfer. Der Anhausener (bei Augsburg), der heute in Florida lebt, gewann die Senior US Open in SentryWorld/Wisconsin und holte damit seinen 46. PGA Titel der Senioren. Jetzt ist er alleiniger Rekordhalter vor Hale Irwin, den er mit 45 Siegen schon eingeholt hatte. Es war Langers zwölfter Senior-Major-Sieg und insgesamt hat er bei den Senioren bereits über 34 Millionen Euro an Preisgeld gewonnen. Auch sein Rekord als ältester Sieger aller Zeiten wird wohl lange Bestand haben, wenn er überhaupt einmal gebrochen wird.